Einzelbild herunterladen

Nr. 84 Erste; Blatt

177. Jahrgang

Samstag, 9. April 1927

(Er fd) e int läghd),exfcet Sonntag» unb Jttenag». 8tiU|re.

Gkhener Familien blätter Heimat im VUd Du Scholle

(«Btjeeiprtls: 2 Reubsmarli unb 20 Relchspfennch ftr Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen et n) einer Slum/neni infolge höherer Gewalt. FernfprechaUfchlLffe: 51, 54 nnb 112. IwWjnfl fttr Drohtna*- richten Anzeiger f tefcte.

potfdHfloeto zr«,Nttn a«»ai» n«6.

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmtf Mflö Derlafl: vrühl fche Unti>erfitat$-Bucb' Steiibnuferri R. Lange tu Gietzen. 5chnftiett»g E»eschäft§stelle: SAnlWraM 7.

leeelet w« le)tieee t*r bie lagetneeieicr M» >* 5i«*etneg vor der.

Preis ter I höbe fti Inittau »* 27 MM Brette »rtb* t, »»»»*« 10 9teMbSbf«n«tg; t*r Ne. bleneen tetgee een 70 mm Brette 2iS XeiAepfteiNg, Tls»wrtbn't Ä)*. mehr.

Ct«»:ebahtre:

Dr 3nebr TDilh. Lange. veeantD»Nt>ch ftr DaMl Dr 5*. W»lh Lange, ftr freut Beton Dr H 1 benot; für ben Übrigen Teil Ernst Blumichetn. I8r ben In- letgentfil Hurt niDwenn, sämtlich hi »iahen.

Rom-Budapest.

Auf dcm Balkan jagt ein* 6*nfation die andere Jede Woche bringt ein neun (EreignH. Fühlung­nahme hier und Dort, Wechsel der Äonftellationen, tiberrafchende (Ergtbnifk, neue Perfpekttoen. Und hinter dem Spiel der Meinen die Regie der Srosien. Der Balkan ist hierfür stet» fruchtbarer Boden ge- roden, mochte t> nun die Zeit fein, wo man die christlichen Volker des lurtenlultan» gegen die Hohe Pforte aushetzte. ober später die souveränen Saltanftaatrn in atemberaubendem Sntriguenjpiel gegeneinander ausfplelte. Die letzten Monate haben «' recht gezeigt, d.ch der Balkan auch unter ver­änderten .»citverhaltnmen seinen zweifelhaften Rus al» europäischer Wetierwinkel mit Energie au be- bauptrn gedenkt. Der Konflikt -wischen dem Italien Mussolini» und dem jungen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen um der Zukunft Alba­niens nullen ist unter dem besänftigenden Druck der Grosiinuchte in ruhigere» Fahrwasser geleitet. Der Waffenlarm ist verstummt, die Diplomaten haben ihre geräuschlolere Arbeit begonnen, und der erste (Erfolg ist da. die beiden Kampfhähne Italien und Jugoslawien inerten sich erst einmal am grünen Tisch zufarnrnenfinten. um sich über da» au»zu- sprechen, wav heute unabwendbar xu sein scheint: Dost nämlich Italien auf den unbestrittenen Besitz de» albanischen Äuftcnlanbe» losstenert und bah es diese» erhalten wird. Richt über die Tatsache, son­dern nur noch über die Form und über eoentueüe Kompensationen wirb sich Rom mit Belgrad einigen wollen. Und Jugoslawien, von allen Seiten finge- kreist, vom französischen freunde nur lau unter- stutzt, wird in seiner Isolierung sich mit manchem i.bHnben müssen, wozu da» serbische Nationalgefühl sich sonst schwerlich hergegeben hatte. Da» alles dank der ungemein geschickten Politik (Eng- Ionds. deffen Abriegelungssystem gegen den rulfi- schen Bolschewismus auch auf dem Balkan täglich klarere formen zeigt. Aber England wird auch rechtzeitig die italienischen Wuniche zurückzudäm- men wissen, um dem serbischen Kabinett al» letzte Tür aus der Isolierung heraus die Aufnahme in den Schost de» britischen Interesfensystem» offen zu halten. Als (Gegengabe wird es die Loslosung von Moskau znxttellov erreiAen, um damit wieder ein­mal zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Italien hat inzwischen eine neue Karte ousge- spielt. Der Freundichusis- und Schied»oertrag mit Ungarn ist unterzeichnet, der ungarische Minister- Sresident Gras Bethlen bat mit dem Duce in lom Trinksprüche ausgetauscht, die betont herzlich die alttrabitioneUe Freundschaft Italien» zum Volk der 'JJlagnaren zum Ausdruck brachten und neben der wirtschaftlichen Bedeutung der unter zeichneten Verträge auch bas politische Novum dieser Romreise für bas im Weltkrieg unterlegene Ungarn g.buh- renb unterstrich. Ungarn hat schwere I hre hinter sich. Kein andere» der besiegten Länder ist in den Pariser Friedenl Verträgen so zerituckclt und gedros­selt worden, al» die» Ungarn, dos jetzt zum ersten- mal wieder seit den lagen Karl» V. al» lelbftän diger Staat in die Geschichte trat Schon die ersten 3dhre brachten dem neuen Staatswesen schwere innere Erschütterungen, und e» beburfte der ganzen Seiunden Krost de- Magyarenoolke». die Herrschaft er Rotgardisten Bäla Kun» mit Stump» und Stil auszurotten. Die Reaktion war ein stramm natio­nale» Regiment, da» al»5 n ft e m Horth y" bei aUcn Demokraten be» Auslandes auf schärfstes Miß­trauen flieh, iiür den ungarifchen Staat bedeutete die Regierung be» Reichsoerwefer» eine ungeheure innere ,'estigung und dos Wiedergewinnen der Be­wegungsfreiheit nach oufjtn.

Das war für Horthn und leinen Vertrauens mann an der Spitze de» Kabinett», ben Grafen Stefan Bcthlen. Ichon um deswillen nicht ganz leicht, weil wieder und wieder die Frage de» R ö - nlgtum» innen- und ausiriipolitisch eine beton- bere Ro.'.e spielt. Nominell ist der Admiral Honhy ja nur Reich»verwehr Um die Nachfolge des in der Verbannung auf Mideira auf so tropische Weise da hmgelchirdenen König» Karl (ob Karl I. der letzte Raiter von Defterreid)) streiten sich aus dem angc- stammten Habsburgischen Haufe drei Linien. Ein­mal der junge Otto, Sohn König Karl» und der ehrgeizigen Zita von Bourbon und Parma, zum anderen Albrecht. Sohn de» Erzherzog» Fried- rich al» Oberbckhl: habet der österreichischen Truppen im Weltkrieg bekannt geworden und besten im Ehrgeiz mit Zita wetteifernden Frau, Isabella von Ervt? und jchliesilich Diejenige Linie des Hauses Habsburg, in der sich feit fast hundert Jahren die Würde eines Palatins von Ungarn vom Vater auf den Sohn vererbte, und Deren Chef Erz Herzog Josef in Den Ländern Der Stephanskrone von den habsburgischen Bewerbern vielleicht am meisten Sympathie a,entefit. da er leibst Ungar von Geburt und im Lande erzogen und ausgeroackssen ist.

Mit diesen inneren Schwierigkeiten belastet, von äugen her eingEigt durch die drückenden Festeln Des VertragesM Tnanon. hat Graf Bethlen vor- sichtig wägend urd jeder oorintigen Bindung aus dem Wege gehend. Da» i ngarische Staatslchisf wie­der ins rrfer.e Meer geftiuert. Der Vertrag von Rom ist Der erste Erfolg dieier geschickten Politik, aber der Weg bah:", war lang und dornenreich. Nachdem Ungarn im Frieden von Trianon von feiner Bevölkerung»zi'fer von 20.8 Millionen Ein­wohnern auf 7.9 Millionen berabgebrath war, nachdem es nicht nur Länder mit fremdrassiger Be­völkerung. sondern auch grone Gebiete alt magyari­schen Landes an die beutegierigen Nachbarstaaten: an Rumänien, an Serbo-Rroatien. an Die Tsche­choslowakei, an Italien hatte abtreten mästen, muhte es auch noch nach den ergebnislosen Sürf^ eroberungsverzuchen der ungarischen Kommunisten sehen, wie sich Die Kriegsgewinnler des mittleren und unteren .Dortauberfens in derKleinen

Nordchinas Kampf gegen Ruhland.

London, 8 April. (TDra.) Die .Presi Association meldet anscheinend infpinert Mahgetente Berich«. die jetzt in London über den Zwischenfall bet der Sou etoesandtfchast in Peking erng^trossen find, zeigen, dach Ne chinritchchen Behörten über Informationen verfügen, wonach eine Wenge Waffen und Wunition in der Dahl-Bank und bei der chinesischen Ostbahn aufgespeichert tnaren. Vie wüstten auch, dach diele Plötze all Mittelpunkt aufrühreri­scher Propaganda benutzt wurden. Reines dieser Gebaute hat Irgenbtoic als unter diplo- mattschem Schutz stehend angesehen werden können. Austertem hat die Sowjetregierung alle Dor- rechte. die sie aus dem Protokoll von 1901 haben konnte, und auch alle 9 r t e r r i t o r i l i- tatsrechte aufgegeben. Die chineffiche Po- lizri hat daher einen Haftbefehl au#gegeben und von dem Doyen des diplomattschen Korps die Befugnis erhalten, in das Desandt- fchaftSviertel einzudringen und diese (tebäute zu untersuchen. Die Razzia wurde vormittags um 11 11 br am 7. April durchgesübrt. Die Sowjet- d o t f ch a f t als solche, die allein Recht auf d i» plomatifche Immunität hat, ist von He­fen Gebauten vollkommen abgesondert Die chinesische Polizei scheint ihre vom Doyen ge­währte Befugnis überschritten zu haben, indem sie in die Quartiere der S o w j e t b o t schastSwache eindrang. Diese Quartiere lie­gen allerdings ausierhalb der Mauer. Die die Botschaft umringt und die Sowjetregierung war, da sie auf das Recht verzichtet habe, nicht berechtigt, eine Wache zu unterhalten. Das Di­plomatische Korps Hal es jedoch der 3orm wegen für angemessen gehalten, einen Pro­test an die chinesischen Behörden zu richten, weil sie die ihnen gewährten Befugnisse in dreier Hinsicht überi4>ntten haben. Ts scheint, dasi die in dies cm Gebäude anwesenden Perionen eifrig bestrebt waren, grobe Mengen von Pa - Pieren zu verbrennen. GS wird erklärt, dasi die Sowjetregierung keinerlei Gründ zu einem Protest habe.

Die Erlaubnis für die Haussuchung in den Svwiet-Gebäuden war nur f ur einen kurzen Zeitraum gewährt worden, der aber von den auswärtigen Behörden zweimal ver­längert wurde, um die Fortsetzung der Durch­suchung der ®ebäute zu ermöglichen. Der De- schlusi, die Erlaubnis zu gewähren, wurde auf einer Sitzung der Gesandten der Protokvll- möchte gefab!. waS nicht ganz dassribc ist. wie das diplomatische Rorp». SS verlautet, datz Grosibritannien. die Bereinigten Staaten. Frank­reich. Belgien. Italien, Japan, Spanien und Holland auf der Sitzung vertreten waren. SS wurde bekanntgegeben, dasi nichts auf derartigen Sitzungen beschlossen werden kann, wenn nicht zu dem besonderen zur ttrörterung stehenden Punkt Einstimmigkeit erzielt wird. Einige derDer- hafteten. inzwischen aber wieder Freigelassenen, sind einfache Anaeft eilte der Dahlbank oder der chinesischen Ostbabnen gewesen. Die aus­wärtigen Militär-Attaches be-lichtig.en gcf.ern das bei der Durchsuchung beschlagnahmte Material. Busier dem bereits Gemeldeten wurde noch folgen­des gd unten: eine Reihe von Plänen für ein kommunistisches Regime, zwei Maschinengewehre 20 alte Gewehre, verschiedene Revolver, ein starkes Luftabwehrgeschütz und andere Waffen. 35 Rom- munisten sind gefangen genommen worden. Die Gefangenen wurden noch nicht verhört, da das BeweiSmaterial noch nicht zu'n "mengest il!t ist.

Der. Daily L.legraph-erfährt, d-si der wich­tigste Zeil der Dokumente. Die von den Be­

auftragten rschang-Lf v-Lins bei der Durch­suchung der Setrietgeböude in Peking entdeckt wurden, sich auf die Organisation. Anweilungen und Pläne von drei Sonderausschüssen bezögen, die geschaffen Worten seien, um eine starke Propaganda gegen die Untertanen und Interessen Grosibritanniens. Japans und Frank­reichs in China zu entfalten

Infolge neuester Vorfälle hat ter zurück- getretene Mmisterpräfident Welllngt on Roo beschlossen, für den Augenblick die Timtsgelchäfte wieder zu übernehmen. 6r hatte eine Be'prechung mit rfchang-Dso-Lin. dem er empfahl, die bei der Durchsuchung fefigenommenen Personen durch ordentliche Gerichte aburtei­le n ju lassen. Dfchang^Dfv-Lin lehnte aber ab. Ur soll die Absicht haben, die befangenen vor die Kriegsgerichte zu bringen. In Peking hat sich die Urregung infolge ter Durchsuchung von (Bebauten der Sowjetbotschaft noch nicht ge­legt. Ss wird berichtet, dasi grvsies M nbe- Jagen in ©tubentenfreifen herrsche in- Dlge ter Bemühungen der Polizei. *OX) Shinesen aussindig zu machen, deren Hamen auf dem bet den Haussuchungen entdeckten kommunistischen Verzeichnis stehen.

HUPE

TSCHEKIANG

KARTui

:ts<

SCHAM- ' j

\ z

xU iji? Kriegs^

a^/Vscmahar f

CLl ; dshehol

( ______

I ir Kriegs'age.

Oefllidjrr Kriegsschauplatz

(Provinzen Riang-Su und An-Hui).

Die Kantonarmee marschiert nach lieber- schreitung De» Iangtle^Slromrs auf Der grosien chinesischen Ebene in drei Kolonnen nordwärts nach Peking:

1. Ion Tschina-Riang ausgehend entlang Des grosien Kanals. Diele Gruppe erreichte Kao-ju- stchou.

2. Von Ranking ausgehend, en.Ian» der Eisen- bahn Pu-kouTientsin. Auf dieser Linie wurde Peng-pu erreicht.

3. Von Wuchu ausgehend, parallel mit der zwei­ten Kolonne.

Die ersten Kämpfe mit der sich zurückziehenden Armee Der General» Ifchang-Tsun- Tschang ((Bouormtur von Schantung) werden bei Peng-pu ausgesochlen. da diese Eisenbahnstation al» Brückenkopf des Hwai-Stromes von ftroiegifcher Bedeutung ifL

Dte nächste Wertet bi gungehme ter Schantung- dem Knotenpunkt ter einzigen ost roestttch lausenden Bahn China» und der Bahn Pu-kouItentsin. Durch Su-Tschou wird die BerblnDung Tfchan- Isung-Ischon» mit seinem Berdündeken Tlchang- tlotin ausrechierhatten

westlicher Kriegsschauplatz (Provinz chonan».

Die Truppen Tschangtsolino. de» mächng. heu Heerführer» te» Korben» (ihm unterstehen die Mandschurei. Tfchili. Dsehvl und trilwette Sut-Iuan) Drängen entlang ter Elfendahn PekingHankau Die früheren Truppen von Wupeifu. die unter dem vterdefehl tee General» Tschlnjunau stehen und zu ben Kantoncsen übergingen südmart». Tschangtsolm» Armee hat hier Ien-Itchön erreicht. Die fjauptflreltfräfte der Kantonesen sieben on Der Grenze von ftonan und Hupte, um den Zugang zu Hankau (Wuhan), der Hauptstadt der revolutionären Regierung, zu decken. 1 idhin,utolm» Armee unb ihre Verbindungslinie nach Peking wird aber, je mehr sie nach Süden oorbringt. in der Ilanke durch Die Volksarmee de» General» F e n g . die an ter Grenze von «fchen-SI und Honan sieht, ausierdem durch Die bedeutenden Kräfte von aufständischen Bauern (..rote Lanzen") in ter Provinz Honan und durch die unsichere frtliung de» Gouverneur» von Schan-Ti bedroht.

Tlärdllcher Kriegsschauplatz «Bebtet ©uiOuani

Hier am Oberlauf be» Hoang-Ho-Aluste» sttht em Teil Der Polk»armee Aeng» Den Truppen ton Tschongtsolin gegenüber, die die (hfenbabn Pao ton Ralgan, Den Zugang von Peking vom Westen her, verteidigen.

Der'ßormarb berfiantontruppen

London. 9.>riI (DDB Funkspruchs Die Rantonbcere tonfoliNmn ten gctvonneit.'n Boten unb bereiten sich auf einen Lommerfeld- Aug gegen Peking vor Die Rantonefen baten 300 OÖO Tlann In Südost-Lhina. von denen bereits Die Hälfte mit Erfolg gekämpft Hai. Die Horte ftreithäfte sollen nutzt so stark wie die Ranto- nesen lein, doch über bessere Artillerie ver­fugen. Aach Inil'rination.ii aus gewbhnllch zu­verlässiger chineslscher Quelle sotten dte Süd­truppen am Mittwoch nördlich von Pukau eine ernste Aiederlage erlitten haben. Der ge­naue Ort werde allerdings nicht genannt,

Ruhlands Protest.

Moskau, 9. April (TV T B Zunkspruch.) Dte Telegraphenagentur ter Sowjettmio» be­richtet: Die Meldungen über ten UrtriaU in Peking und über die Absperrung des Cotojet- Ronlulates in Schanghai durch Die Poltzei haben in der Sowjetunion höchste Entrüstung hervvr- gerufen. Der z Zt tagende allweihrukfifcke.e- 5U>ngreb hat eine Snifchliesiung angenommen, in ter gefordert wird, dasi die vowj« treg etung cnergifche Masinahrnen trifft, um wettere Ver­gewaltigungen rufltfcher Angestellter auf ten Ausirnposten" zu verhindern. 3n zahlreichen Städten wurden Sntschliesiungen angenomm n. die verlangen, dasi Die Scw,>treg e:ung aus b.ele Provokatwtten" nicht eingehe, sondern dm Fr e- ten zu erhallen versuche Die Sowjetbotschaft in Peking hat dem Ministerium de« Arusi.rn eine Aote zugehen lasten, in der M einen üusierst energischen Protest gegen Die unzulässige und nie bagetrnkne Verätzung bet Cmrritorialttä «rechte ter Sowjctdotschast er­hebt unb erklärt, dasi sie die Veschlüssc ter Lowjetreglerung abmatte, um weiter« Schritte zu unternehmen.

Entente" zu einem Bündnis Zusammenschlüssen mit Dem ousgcfprochenen Zweck, ihre Beute zu sichern unb Ungarn ntederzuhatten. Die Regierung von Budapest bat Dann vorsichtig ihre Fühler aus- gestreckt, um diesen Ring der bis an Die Zähne bewaffneten Nachbarn zu sprengen.

Don vornherein unmöglich war ein gute» Ser- tjältni» zur T s ch e ch o f l o w a k e i. Die durch Die Cinoerleibung Presiburg», ter alten ungarischen RronungsfiaDt unb Residen., ter ungarttchen Kö­nige in Der Türkenzeit. Den magyarischen Ratto- nalstoiz besonders schmerzlich verletzt hat. Eder denkbar war schon eine Annäherung an Rumä­nien. In ungarischen Magnatenkrcism. Die in Dem abgetretenen Eiebenburgen begütert sind, lieb­äugelte man mit einer Personalunion Des Hohenzollernkänias Ferdinand über Ungarn unb Rumänien. Für Ferdinand selbst unb die stolze Maria mochte dieser Plan viel Beriockende» haben, bot er doch auch politisch einen unbedingt zuoer- la'figcn BunDecgenesien gegen das bottchewisittche Rutzland im Kampf um Die Behauptung Bessara­bien». Aber Die in Bukarest allmächtige liberale Partei fürchtete ten überragenden (Einflug Des kul­turell io wett höher stehenden Magyarcutums. und die Bauern Siebenbürgens glaubten von einer Ser einiflung Ungarn.- mit Rumänien eine Reaktion in Der Agrargesetzgebung zugunsten des GrcnarunDbe- sitze» erwarten zu müssen. So wurde dieser Plan, in a>enigen Köpfen kaum entstanden, überraschend schnell wieder ,.d acU gelegt, und die ungarische Politik wandte ihr Gesicht nach EuDofscn.

Mit 3 u g o j l a m i e n hat ter de zum« ne Ma- gnarenftaat vielleicht am tvenigsten Reibung»- stachen. Die magyarisch« Minderheit in Jugoslawien ist gering. Kroatien hatte 'chv- im alten Habsburger Reiche sich eine besondere Stellung errungen, fo datz Die gänzliche Lozlöiung von Ungarn nur wenig schmerzte. So zeigte Der Reichsverweser Admiral Horthy eine oetteifjungsoofle Linie aus. als er

im vergangenen Jahre am Gedenktag an Die Schlacht von Mohacs vor meri)untert (iahren. an Die gemeinsame Geschichte Ungarn» unD Serbiens, an den gemeinsamen Befreiungskrieg ter beiden christlichen Völker gegen Den Türken erinnerte unD ; ein« Annäherung der beiden Rnche für Die Gegen > wart empfahl. Er sand in Belgrad mit seiner Kund­gebung kein unfreundliche» Echo. Den Iugoilowen war eine solche Annäherunaspalitik durchaus jgm fachlich. Sie waren auch brrrü. etwas dafür zu ieten. Spalato al» ungarischen Freihafen ober gar 6ujac, Die Rachbarfradt Fiume». Dir seinerzrit an Serbien gefallen war Denn ter ©rg zum Meer ist «ine» der dringendsten wirtschaftlichen Ersorder- msie tes ringsum abaeschlosienen Unparit;ajte», und dt« Adria ter Ausgang zum Welthandel, der für Ungarn einzig in Betracht kommt. In d'.lse Po.itik plahie die Bombe Muiiolini». Italien ExmDtt sich, von England sreundfchaftlichst raten, mit aller Energie tem Balkan zu. Der Faschismus braucht ausirnpvliti'che Eriolac und wunicht Rücken- frttheii in einer Au »ei na Übersetzung mit Frankreich. Die sich doch vielleicht einmal wird nicht vermeiden lassen können. Gegen Fraittrerchs Freund auf dem falfan. das Iugosiawttche Kämgreich. wurde man aggressiv. Frankreich» Feind, Ungarn, bot man von Rom aus Freundschostsoertrog und Freihafen. Der leitende Staatsmann Ungarns hat die beiden Gruppen, Die um seine Freundschaft warben, lange Zeit gectneinanter abgcaoaen. Der sinkende Stern Frankreichs und mit ch-v Iugoflawirn ourten zu Icid?i btfunten. Graf Bethlen reifte noch R t» rn . und kehr: letzt mit dem besonder» herzlich gehaltenen Freundschast-verrrag und ter Zusicherung groher wirtfchafckicter Vorteile in einem Anner zu dem Der- tragsprorooU in kme Heimat zurück. Mussolini bietet Ungarn eine Freihafenzone in 5 i u m« an.

Die alte ftolze Freystadt Fiume war einstmals nächst Triest ter bedeutendste Hasen ter Donaumon­

archie, ein ungeheure» Gemisch der verfchietenste» Jlanonalitättn. Die Stadt axir In dem sruher schon erwähnten Londoner Vertrag von 1915 von ter Entente Serbien zugesprochen worden, aber auf Be­treiben Italien» dann zu einem Frelsiaat umgestaltet, dem der Gewaltstreich Gabriele d'Annunzios 1919 ein -chnelles (inte bereiiete. Im Ravalloi-ertrag von 193« wurde zwar Fiume al» unaohängiger Staat von den beiden interefsierten Machten anerkannt unb ter Ruckzug der Freischaren d'Annunsio» dut^.gesetzt, ober Damit wurden die unhaltbaren wirtschaft! chen Zustände für die grobe Handelsme-ropole tes west­lichen Balkans keinesweg» dessir. Fiume war tom Hinterland abgeschmtten unb geriet in schwere wirt- schaittiche Stagnation. Erst 1924 kam mit Der An- glitterung Fiume» an Italien neue» Leben in ben ixrsteten Hasen. Die italienische Verwaltung nahm sich dir «chaxr dorniederiiegevden Stab: an. und jetzt ist Fiume auf Dem Akge. seinen alten Rang ol» wichtigster Urnschwg»platz für Den Handel ter Länder an Der oberen Adria »urückerobern. Hier könnte Ungarn finden, wo» e» für ktnr nationale IBirtfAaft braucht, ein Aursalltor zum freien Meer, ten an« ichlusi an ten Welthandel. Hier bester al» in dem weit ent ernt liegenden serbischen Spalato oder dem jugoisawischen Konkurrenzhafen Fiume», tem erst - och auszubauenden Susac. Rur ein Haken ist batet, der Weg von Ungarn »um neuen Fiumaner Frei­hafen über lugostawifches Gebiet. Graf veth- len wird oi'o nach einer Ergänzung feines römischen Paktes suchen müssen in Verhandlungen mit Iugolawien. UnD in Belgrad wird man unter der gegenwärtigen Konstellation zu ben Wünschen des Grafen kaum Rein sagen können. So Ichttesik sich auch hier Dk Kelte, di« Jugoslawien an die eng­lische Balkanpolitik hinten wird Frankreich wird ausgeschattet und die Lalkanvölker. einst die füg« famtn Vasallen Des Moskauer Zaren, find lückcnlos cingerecht tn Die Front gegen das Rußland Lenin».