Einzelbild herunterladen

Nr. 57 Erstes Matt

177. Jahrgang

Mittwoch, 9. März 1927

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vniS und Verlag: Vrvhl'schc Univerfilät5-V»ch- und Stdnöruderei R. Lange in öietzen. Zchriftleitung und Sefchäftsstelle: Zchulftratze 7.

Annahme von Anze gen für die Tagttnummer bis -um Nachmittag vorher.

Preis für | mm höhe für Anzeigen o»^ 27 mm Breite örtlich 8, auiwarts 10 Neichspsennig, für Re» kiameanzeigen von 70 mm Brett, 35 Re'chspsenmg, Platzvorschritt 2UV mehr, llbrfreöakttur

Dt Fnedr Wich Lange. Verantwortlich für Vobuk Dr Ar Wich Lange, für Feuilleton Dr H Tdyr>ol; für den übrigen Teri Ernst Dlumschein: für den An- zeigenlcil i.Vertr.H.Deöt, iämUich in Dietzen

kricheini tügl«ch,aifzer Sonntags und Feiertags Beilagen.

Tietzener Famllienbiätter Heimat im Bild Die Scholl«

MOsals-kezUg, preis.

2 Beichsmarii und 20 Metchspfennig für Trüg er­löst n. auch Ui Richter» Beinen einzelner Nummer» folge höherer Gewalt. Fernfprechoafchlüff«: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Oietze». voßfch.cktonto:

HranftoN am Main 11686.

Italien ratifiziert das Beffarabien-Ab Kommen.

Aun hat Genf feine Sensation erlebt: am Dienstag hat der italienische Vertreter S c i a 1 o j a die offizielle örZiärung veröffentlicht, daß Italien den Bessarabien-Vertrag von 1922 rati­fiziert. der damit seine volle RechtS gültig keil erlangt. Der Vertrag Hal eine lange und inter­essante Vorgeschichte. Gr sprach Rumänien al» Vezahlung für feine der Entente im Kriege gc- leisteten Dienst Dessarabten zu, er sollte aber nur gültig sein, wenn er von mindestens drei der Sieger st aalen garantiert sei. England und Frankreich haben ihre älnterschrift sosort gegeben. Japan und Ita­lien haben gezögert Japan hat s.ch schließlich endgültig desinteressiert, um Italien Hal Ru­mänien eifrig geworben: aber Mussolini wollte leine Beziehungen zu Rußland nicht abbrechen und hat deshalb nod) vor einem halben Jahre, als der Friedens- und FreundschaftSvertrag zwi­schen den beiden Staaten zustande kam, sich die Ratifizierung deS Bessarabien-Vertrages aus­drücklich Vorbehalten. Rumänien hat da­mals wohl so ziemlich die letzte Hoffnung auf- aegeben. dah es ihm noch einmal gelingen würde, Die diplomatische Sicherung seines Länderraubes zu erwirken. Jetzt hat, nachdem eS innerlich wohl bereit» verzichtet halte, das große diplomatische Spiel, die Reuorientierung der Ost­politik. ihm Die italienische Unterschrift wie einen Dlückstrefser in den Schoß geworfen. Denn tysü anf<pz,uD ustpftumfv,, ustpnüafck msg aszuitz zweifellos England, das d.e Mauer um Ruß­end schließen will. England wird den Italienern auch hinreichend Zugeständnisse geboten haben, so daß sie daS Risiko ihrer Unterschrift in den Kauf nahmen, aus die Gefahr hin. daß es mit Rußland zum Bruch kommen würde.

Denn für Rußland ist Bessarabien sicher der schmerzlichste Verlust, den es bei der Auslösung feiner Oftgreiue erlitten hat: nicht so sehr wegen der 45 000 Quadratkilometer. Ruß­land Hal Land genug, um darauf verzichten zu. können, auch nicht wegen der Fruchtbarkeit oder der Bevölkerung, sondern nur aus politischen Ambitionen. Bessarabien ist die Brücke, aber auch daS Durchmarschgebiet nach dem Balkan, eS ist die Voraussetzung zur Offen- Haltung des Weges nach Konstantinopel. Der PreftigegesichlSpunkt ist allein also für die Mos­kauer Politik in dieser Richtung entscheidend ge­wesen. Sie hat deshalb auch nie einen Zweifel darüber gelassen, daß Bessarabien der Punkt wäre, den sie bei einer etwaigen kriegerischen Ostpolitik zuerst ansteuern würde, wenn sie auch pro forma hinzusügte, haß sie um Bessarabiens willen keinen Krieg führen wolle. Das wird Moskau auch jetzt nicht tun. schon weil es dazu gar nicht imstande ist. Aber ganz unzweifelhaft wird durch die italienische Unterschrift die Span­nung an der russisch-rumänischen Grenze bis zur Unerträglichkeit verschärft. Rußland kann in die­sem neuen Zwischenspiel nur die Hand Eng­land» sehen, es muß den nächsten Schritt Eng­land» in Warschau erwarten und wird recht­zeitig zum Gegenschlag ausholen: einmal, indem es mit den baltischen Staaten zu einem Ver­tragsabschluß kommt, der in den englischen Ring für alle Fälle eine Lücke hineinstößt. Dann aber auch, indem e» durch feine glänzend arbeitende Propaganda Dafür sorgt, daß Rumänien dieses Erfolges nicht froh wird, sondern da» Feuer auf dem Balkan weiter glimmt, bi» früher oder später wer weiß das zu sagen, wir wissen ja. wie unter Umständen die Gewehre fast von selbst lvsgehen können die Bombe explodiert.

Italiens Erttärung in Genf.

Genf, 8. März. (I1L) Der italienische Dele­gierte im Dölterbunbsrat, Senator S c i a I o j a , übermittelte soeben der Presse folgende Mitteilung:

Der italienische Rlinislerral hat beschlossen, die internationale Konvention über ö i e Zugehörigkeit von Beßarabien ; u Ru­mänien vom Jahre 1920 zu ratifizieren. Die italienische Regierung hat sich hierbei von der Auftastung leiten lassen, daß die Ratifikation diefes internationalen Abkommens nicht länger hinaus­geschoben werden könne. Die italienisch^ Regierung habe niemals die Bedeutung dieses internationalen Abkommens verkannt, habe aber die Rati ikation bisher verzögert in der hofnung, daß die beiden beteiligten Regierungen. Sorojclrußlanös und Ru­mäniens. sich in direkten Verhandlungen über diese Jrage einigen würden. Die italienische Re­gierung betont jedoch, dah in der nunmehr erfolgten Ratifikation des Beßarablen Abkommens keiner­lei feindliche Handlung gegenüber Rußland zu sehen fei.

In Den Kreisen her Senser Dölkerbunbsdcle- gierten hat die Mitteilung von her Ratifiz'e- rung des Bessarabiensabkommens für Italien größte Ueberrafchung erregt. Es läßt sich zur Zeit noch gar nicht übersehen, welche Gründe die italienische Regierung veranlaßt haben. gerade im gegen® artigen Augenblick während der Genfer Ratstagung eine derart schwerwiegende außenpolitische Ent­scheidung zu fällen. Man Dürfte in der An- nähme nicht fehlgehen. daß der italienische Beschluß im Zusammenhang mit der jüngsten englischen Politik gegenüber S o w j e t r u ß l a n ds steht. Die itallenische Außenpolitik dürfte in ihrer Einstellung zu den englischen Plänen gegen­

über Der Sowjetunion einen Schritt weiter ge­gangen sein. Ferner muß in her Ratifizierung De» Bcssarabienab kommen» durch Italien ein Schritt in der Richtung der Loslösung Ru­mäniens von der Kleinen Entente und einer Einkreisung Jugoslawiens gesehen werden.

Die rumänische Presse zur Ratifizierung.

Bukarest. 8. März. ($11.) Die Ratifizier rung de» Bessarabien-Abkommens durch Italien wird von der Bukarester Presse nur spärlich und ohne Begeisterung kommentiert. Der demo­kratischeAdeverul" weist Darauf hin, daß daS Besfarabienprotokoll jetzt, nachdem es außer durch England und Frankreich auch durch Italien rati­fiziert worden fei, in Kraft trete. Italien habe Diefen Augenblick gewählt, weil Sowjet- rußland zur Zeit isoliert da stehe. DaS

Blatt erwartet die Ratifizierung des Protokolls durch Japan innerhalb kurzer Zeit. Die nationalistische .Lupta" meint, Italien habe bloß feine Pflicht getan. Es wäre besser gewesen, wenn die Ratifizierung des Abkommens schon früher erfolgt wäre. Jetzt könne sie nur als Ergebnis der italienifch-englifchen Zusammenarbeit in China und der Iso­lierung SowjetrußlandS gewertet werden. Das offizielle liberale Organ, der'Bittend' meldet noch, baß vor vier Sagen zwischen dem italienischen und dem rumänischen König ein De­peschenwechsel stattgesunden habe. DaS rumänische Parlament wird morgen zu einer Festsitzung zusammentreten. Don seilen der Regierung und der Parteien werden Erklärungen abgegeben werden.

KeineBrüskierungRuhIands?

Rom, 8. März. (Wolff.) Nach der Auftastung maßgebender römischer fireife bedeutet die Ratisrka-

Hause wurde erllärt, Präsident Coolidge sei Der Meinung, daß Die bisher von auswärts eingegangenen Aeußerungen über seinen Versuch einen Erfolg des Planes der Dreimächte-Kon- serenz erhoffen lassen.

Das Gas als Waffe des Sukunststtieges.

Pari». 8. März. (WTB.) Auf einem Kon­greß her Vereinigung für Handel und Industrie hielt Michelin eine Rede über das Gas als Kriegsmittel, Er stellte die Frage, ob Frankreich sich für einen Gaskrieg vorbereite. Er hoffe, daß Die militärischen Sachverständigen sich bereits jetzt Damit beschäftigen, ein Gas zu finden, das die gegenwärtigen Gasmasken durch­dringe und eine wasserdichte Gasmaske her­zustellen, Die gegen alle Gase Schutz ge­währe. Sämtliche zur Herstellung geeigneten Fabriken müßten organisiert, mit Rohstoffen ver­sehen und ihr späterer Betrieb sicher- gestellt werden. Unterirdische Lokalitäten seien vorzubereiten, um sowohl Der Zivilbevölkerung, als auch Dem Militär Schutz zu gewähren uni> ebenso seien Abwehrapparate zu schäften, kurz alles Rotwendige für einen Angriff solcher Art vorzubereiten. Man müsse ferner Darauf sehen. Daß Frankreich nut möglichst vielen Ländern Bündnisse einginge. Damit, wenn eine Ration, Die sich verpflichtet habe, Die Gase nicht als Kriegsmittel zu gebrauchen und überraschender­weise eine von Frankreichs großen Städten an­greife, eines der gewaltigen französischen Der- teidigungszentren bereits in der folgenden Rächt als Repressalie Flugzeugeabsenden könne, Die mit großkalibrigen Kanonen jenes LanD an­griffen, um einen Teil feines Gebiets zu ver­nichten.

dem sie oftiziell nicht angehören, wieder auf das Gebiet direkter Derhandlungen getragen werden I sollten.

Danzig.

Tie Zollfrage und das Tabakmonopol.

Danzig. 8. März. (Wolff.) Rach einer Mitteilung der Danziger Delegation aus Genf dürfte das Finanzkomitee am Mittwoch dem Dölkerbundsrat die Verständigung über die bis­herigen Streitfragen zwischen Danzig und Polen aus folgender Grundlage empfehlen Wenn in Zukunft Die polnischen Zollinspektoren B e - schwcrden hinsichtlich Der Danziger Zollver­waltung vorzubringen haben, sollen diese Be­schwerden nach Dem im Artikel 202 des Warschauer Abkommens von 1921 »orgefeßcr.en Verfahren geregelt werden. Die Danziger Regierung verpflichtet sich zu eingehender Auskunfterteilung an Die polnischen Behörden in solchen Streitfällen und zur Rückerstattung zu wenig er­hobener Zollgebühren.

3n Der Frage des Tabakmonopols wich vorgefchlagen, Daß das Gründen gskonsortium aus Danziger und polnischen Ban­ken im gleichen Derhäftnis wie das der Bank von Danzig zusammengesetzt werden soll, d. h. 70 Prozent Anteil für Danzig und 30 Prozent für Polen. Uni eine weitgehende Internatio­nalisierung der Monopolbetriebsgefellschaft zu ermöglichen, tritt davon Danzig 19 Prozent und Polen 8 Prozent ab, und zwar sollen Deutschland und England je 9 Prozent und verschiedene andere Staaten die restlichen 9 Prozent übernehmen. Diese Empfehlung des ZinanzkomiteeS wurde von der Danziger Dele-' gation angenommen. Polen wird heute da­zu Stellung nehmen.

hon des Leßarabienablmnmens nicht irgend« eine neue Stellungnahme der italienischen Politik gegenüber Nußland, sondern es handelt sich nur um einen Beschluß, dessen Ausführung bislang ausgeschoben wurde, um den weiter in Frage kommenden Mächten Zeit und Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch zu geben. Der Hinweis, daß die Ratifizierung keinerlei Unfreundlichkeit gegen das befreundete Nußland bedeuten follc, zeigt, wie gro' ßen Wert Italien daraus legt, alles zu vermeiden, was etwa als eine antirussische Stellungnahme der italienischen Politik gebeulet werden könne.

Befriedigung in England.

London, 9. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Genfer Korrespondent des Arbeiterblattes ..Dniln Herold" schreibt: Die Ratifizierung des bcßarooi- schon Vertrages durch Italien schreibt nzan der Bc- inühung Italiens zu, den (Einfluß in R u - nien wiederzuoewinnen, der in den letzten zwei Monaten in Frankreichs Hände gelangt war. In Gens werde Italiens Entschluß daraus- riickgcsührt, daß Briand der britischen Politik Frankreichs Unterstützung gegenüber China und Rußland anbielc unter der Voraus, sctzuno, daß die britische Regierung ihren Flirt mit Dem Faszismus aufgebe. Die Crklu rung Chamberlains vor der internationalen Presse ist nicht geeignet gewesen, den herrschenden Ver- dacht, daß irgendetwas im Gange ist, abpr schwächen, sondern ihn zu verstärken. Der Genfer Berichterstatter derMorning Post' sagt: Italiens Aktion ist der schwerste Schlag, der in Genf seit Er- richtung des Völkerbundes gegen d i e Bolsche misten geführt worden ist. Der Genfer fiotre fponbent der ..Westminster Gazette' schreibt- Trotz der Erklärungen Chamberlains und «cialojas ist man in Gens der Meinung, daß Großbritannien in seinen Beziehungen mit Rußland eine starke Stütze erhalten Hal.

Chamberlain vor der presse.

Verteidigung seiner China- und Rußland-

Politik.

Genf, 8. März. (WTB.) Chamberlain empfing heute nachmittag eine Anzahl Pressevertreter ver­schiedener Nationalitäten und gab ihnen eine Dar- lcgung des britischen Standpunktes. England habe niemals versucht, seine Interessen durch die Schas- sung oder Nährung von Differenzen zwischen an­deren Nationen zu fördern. Es sei keine Aenderuug der englischen Politik in Aussicht genommen, und feine neuen Verpflichtungen eingegangen, gegenüber der nationalen Bestrebung Chinas werde eine liberale englische Politik verfolgt. Es werde aner­kannt, daß die bestehenden Verträge der Erneuc- rung bedürfen, sobald eine Gesamtregierung entstanden und das Ende des Bürgerkrieges gekom­men fei. Es sei nicht vorgesehen, den Völker bundsrat gegenwärtig mit den Angelegenheiten jth'nos zu befassen. Bezüglich Rußlands unter nnch der Minister ziemlich scharf seine jüngsten Kammerausführungen. Er lege Wert auf Die Fest- fteUung, daß man den nunmehr angekündigten schritt in England I ä n g ft getan haben würde, wenn man nicht mit Rücksicht auf die labilen Ver­hältnisse Europas und zur Vermeidung neuer Spot, nungen solange als möglich gewartet hatte. Die Absicht zur Bildung einer Front von Mochten gegen Rußland lehne er für Per- gangenheit, Gegenwart und Zukunft ab.

Rußlands Politik in China. Laucrwein über die Ursachen des russisch, chinesischen Bündnisses.

Paris, 8. März. (WTB.) Der Außen­politiker DesQHatin, Jules Sauerwein, hat eine Reife nach China angetreten, um an Ort unD Stelle über Die Ereignisse und deren Ur­sachen eine Untersuchung anzustellen. Er ist in Moskau angetommen und in seinem ersten Ar­tikel stellt er hie Frage, warum Sowjet­ruß lan d in China eine Rolle spiele. Er be­antwortet sie wie folgt: Die Chinesen haben sich während des Weltkrieges für die Alliierten er­klärt. Allerdings haben sie sich nicht anders verhaften können und sie haben den Alliierten auch nur mittelmäßige Hilfe geleistet. Wer sie haben trotzdem an der Friedenskonferenz ieitge- nommen. Da sie praktisch keinen Ruhen dabei erzielt haben, hat die nationale Propaganda der Kuomintang-Partei einen wertvollen Ansporn für ihre Tätigkeit erhalten, dank der Enttäuschung der kultivierten Kreise.

Seit Abschluß des Friedensvertrages ist zu der alten Klage der Chinesen, als niedriger stehendes Volk behandelt zu werden, noch die neue Klage hinzugekommen, düpiert und verraten worden zu fein. Alsdann haben die Sow,cts eingegriffen und auf die Ratschläge Don klugen Männern, die den Orient kennen, paben sie nach und nach auf alle russischen Privi- legiert in Asien verzichtet. So haben fie der kemalisnschen Partei in der Türkei, in Per- fien und Afghanistan mitgeteilt, daß das bol- schewistische Rußland Die besonderen von dem puristischen Rußland erworbenen Rechte für sich nid# in Anspruch nehme Diese Imtiative, die Don der chinesischen Jugend mit Freuden ausge­nommen und von Eunyatsen selbst gefeiert toothen ist, hat dann zu dem von Karachan im 3aßre 1924 unterzeichneten Vertrag geführt.

In Wahrheit zieht Rußland nicht allein daraus Nutzen, daß es gegenüber China keine Forderungen

Die Abrüstung zur See.

Amerika schlägt eine Dreimächte-Konferenz in Gens vor.

Washington, 8. März. (WTB.) Die Vereinigten Staaten haben Groß- Britannien und Japan engültig vorge- schlagen. Daß über die Frage Der Einschränkung der Flottenrüstungen eine Dreimächte-Kon- ferena, und zwar frühestens am 1. Juni, in Gens statt finden soll.

Zu dem Vorschlag wird ergänzend gemeldet: Wenn die Regierungen von London und Tokio, die bisher noch nicht geantwortet haben, den Vorschlag annehmen, werden Frankreich und Italien wahrscheinlich aufgefordert werden, Vertreter al» Beobachter zu der Konferenz zu entsenden. Man glaubt, daß die neue Ein­ladung Der Vereinigten Staaten feine be­stimmte Formel für die Festsetzung einer Höchsttonnage für Kreuzer, Torpedobootszerstörer und Hnterfeeboote enthält. Auf der Genfer Kon­ferenz sollen die Möglichkeiten einer Verständi­gung über eine Höchsttonnage und die E i n- schränkungen geprüft werden. Die Regie­rung der Vereinigten Staaten erkennt an. Daß solche Einschränkungen von Den Drei Regierungen zu bestimmten Zeitpunkten im Zusammenhang mit Den Schiffbauprogrammen Der einzelnen außen­stehenden Mächte einer Ueberprüsung un­terzogen werden müßten.

Die Absicht, Italien und Frankreich ciiuu- laden, entspricht dem Wunsch der amerikanischen Regierung, besonders zu betonen, daß sie eine Besprechung von fünf Mächten vorgezogen hätte, und Daß fie Die in den abschlägigen Ant­worten Frankreichs und Italiens angeführten Punkte nicht als überzeugende Gründe für hie Ablehnung her Teilnahme anfieht. Auf jeden Fall wird sich die amerikanische Regierung darum bemühen, haß die Kontinentalmächte über alles unterrichtet werden, was auf Der Konferenz vorgeht. Falls der Konferenzplan an­genommen wird, wird der Schlüssel 5:5:3 auch in Erwägung gezogen werden. 3m Weißen

Die deutsch-polnischen Fragen.

Genf, 8. März. lVDZ.) Sowohl in dem Programm der Ratstagung wie in den poli­tischen Besprechungen der führenden Staatsmän­ner nehmen die deutsch-polnischen Fragen in Genf Den ersten Platz ein. Diese Tatfache wird auch nicht verwischt dadurch, daß Chamberlain in einer Besprechung mit Pressevertretern den rumänisch-ungarischen Konflikt als den einzigen ernsten Punkt der Tagesordnung bezeichnet hat. Mit Der heutigen Ankunft des deutschen Ge­sandten in Warschau. Ulrich Rauscher, Dem hie Des Leiters der Abteilung für die Fragen her Wanderarbeiter im preußischen Ministerium des Innern. Ministerialrat R a t h e n a u, voran­gegangen war. und mit der ersten Behandlung der oberschlesischen Schulfrage in der heutigen Ratssitzung ist der Auftakt für die Erörterung dieser Angelegenheiten gegeben.

Seit gestern weiß man von Bemühungen, die deutschen und polnischen Vertreter an einen se­paraten Verhandlungstisch ;u bringen, und man darf vielleicht prophezeien, daß diese Be­mühungen sicherlich von Erfolg gekröni sein werden. Ob es darüber hinaus zu einem sachlichen Er­gebnis kommt, steht bei der bisher beobachteten Zn- transigenz Polens keineswegs fest. Abschließendes hart mit Rücksicht auf die Vielheit und Kompliziert- heik des Problems für Genf nicht erwartet werden, wo höchstens die Wiederaufnahme unter­brochener Verhandlungen vereinbart und vielleicht gewiße Richllinien abgesprochen werden könnten. In der Angelegenheit 'des Handels- oertrags und des Niederlassungsrechts, die beide nicht als politisch angesehen werden dür­fen. wurde eine etwaige Verständigung bei einsichts­vollem Verhalten Polens allenfalls denkbar fein. Dagegen ist in der S ch u l f r a g e ein reiner Rechts- fall zu entscheiden, dessen Regelung dem Rat auch dann obliegt, wenn die übrigen deutsch-polnischen Angelegenheiten aus dem Genfer Interessenkreis,