Nr. 33 Zweites Blatt
Eigener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Mittwoch. 9. Zebruar (92Z
über ein gemeinsames Dorgehen S verständigen. wodurch verbinden werden nnft. bah auS dem japanischen Schwert eine Dass« ruflisch-chinelifcher ÄonhnentalDoliti! wurde.
IstSowjetrutzland kriegsbereit?
Der gegenwärtige gustand der Roten Armee.
Don Harry v. Hasserberg.
Dorfbevötterung steht unter ständiger Kontrolle der Zivil» und Militärbehörden und ist daraus zugeschnitten, daß die Soldaten ihren Dienstvorschriften gegenüber dec Roten Qtonce in jedem beliebigen Augenblick nachlom.nen könnten. S eien Altersstufen der Dienstpflichtigen leben in einem Dorf beieinander und tonnen zu jeder Zeil zum Heeresdienst herongezogen werden. Außerdem gibt eS in jeöem Dorfe militärisch - organisierte Schülerverbände und die kommunistischen Jugend-Pioniere. Ueberhaupt wird seitens der Sowjetmacht alle- getan, um da- Doll der U. S. G. R. militärisch zu ertüchtigens in den Schulen 1. und 2. Grades und in den Hochschulen smd im allgemeinen Lehrplan auch spezielle Mi- litärsächer eingeführt worden, die jeder Schüler durchzugehen verpflichtet ist. Auhcrdem sind sür die Sommerzeit besonder.' Militärübungen der Schüler und Studenten festgesetzt toor. en, die für die Hochschulen drei Monate und für die Mittelschulen zwei Monate gewähren. Auster dieser Mllilärisietung der lernenden 3ugcnö, besteht natürlich auch eine ähnliche in alten Sa* brif^jp, betrieben, behördlichen und privaten Tem- lern usw. 3m ganzen Lande werden eifrig Sportvereine und Kampsverbünde ins Leben gerufen, öie, neben der physischen Ertüchtigung der Tugend, vor allem die Ausgabe haben, der Roten Armee qualifuierte Kämpfer zuzuführen.
All diese Mahnahmen, die von der Sowjetregierung unternommen werden, um eine starke, kampffähige Armee zu schaffen, erLären ohne weiteres die Aiesenausgaben bei russischen M i - l i tä r - D u d g e t s , das zudem jedes 3ahr mehr und mehr anwächst. Das Militür-Dudget der U.S. S.R. betrug im 3ahre 1C23 244.5 Millionen Goldrubcl, 1924 373,5 Mill. Goto- rubel, 1925 434 Mill. Goldrubel. 1923 540 Mill. Doldrubel und für das 3ahr 1^27 sind 720 Mill, rubel, 1925 434 Mill. Goldrubel, 1926 540 Mill. Gochrubel (1 Milliarde und 200 Millionen Gold- mad) veranschlagt worden. Aus diese Weise hat sich das Mitttär-Dudget der U. S. S.R. in den letz.en vier 3ahren verdreifacht, was in (einem anderen Staate der Fall gewesen ist. Außerdem must aber noch bemerkt werden, dast selbst diese Ziffern noch (eine erschöpfende Dorstellung von der wirklichen Höhe der militärischen Ausgaben der 11. 6. 6. QL geben, da öie Sowjetmacht die Gepflogenheit hat, für militärische Zwecke alljährlich v.ele Millionen Goldrubel aus dem Budget anderer Ressorts in das Militärbudget zu „übernehmen" ...
WaS das höhere Kommando der Roten Armee anbelangt, so sind hier gleichzeitig mit der kürzlichen Berufung W o r o s ch i l o f s S zum Vorsitzenden des Revolurionären Kriegs-Rates — eine Reihe Veränderungen vcrgenommen worden. Anstelle Kamenews wurde zum General- i stabchef der Roten Arm:e der junge und begabte Tuchatschewsli ernannt, dec bereits im 3ahre 1914 die zarifche KricgS-Akademie beendigt bäte. Anstelle WorofchilofiS rückte der frühere zaristische General B a s i le w i t s ch zum Kommandierenden des Moskauer Mili.ürvezirks auf. Zum Kommandierenden der Truppen dcS Sibirischen Militärbezirks ist General Petit ernannt worden: (er brendigte die Akademie I des Generalstabes im 3ahre 1907). An Tucha- tsa-ewskis S eile trat ö:r Kommandierende der I -gruppen des Weft-Bczirks, der frühere zarische Oberst des Generalstabes. Kork, als Absolvent der Kriegs-Akademie ans dem 3a',re 1914. Fügt man hierzu noch die Ernennung des früheren I Obersten des -arischen Generalstabes S ch a p o - tschnikoff. (der die Akademie im 3ahre 1911 absolvierte), zum Kommandierenden dcr Truppen des Petrograder Militärbezirks bei. so ersieht man mit ziemlicher Deutlichkeit, dast die Oberste Leitung der Ro.en Armee zu 90 Prozent in Händen zaristischer Offiziere liegt...
Summiert man die hier angeführten Tatsachen, so erhält man das Bild eines Militär- staates, in dem man sich mit aller Macht auf kommende Kriege vorbereitet, der über ein ansehnliches Korps tüchtiger alter Offiziere verfügt und dessen Soldaten material auch nicht zum schlechtesten gehört Gleichzeitig aber übernimmt dieser Staat eine derart hohe militärische AuSgabenlast, daß die Befürchtung nahe liegt — ihm könnte öitfe Bürde eines Tages doch zu schwer werden und dast cs lange fo nicht wird weiter gehen tonnen. Die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Öen materiellen unö anderen Misthel.igle.ten des roten Militarismus spricht Bände. Sie verringert die Kriegsbereitschaft der Roten Armee, möge diese auch noch so gut geschult unö gerüstet sein, um ein wesentliches. Unö zum Schluß eine Frage: sollte öer russische Mushik es tatsächlich bereits vergessen haben — was er noch vor knappen 10 3ahren als Offenbarung erkannt hatte, — nämlich, öast man im Kriegsfälle, fal.s beliebt — auch öie Flinte i n 6 DraS werfen unö feinem Offizier den De- hvrsarn ein’ad) verweigern kann? Hat er es vergessen? Wir zweifeln daran!
Rundfunk-Programm deS Aranksnrter ^enberd.
Denn sich hinter Öen Kulissen bet ostasratrschen politischen Bühne die Tendenzen für euw An- Näherung zwischen China, Rußland und 3apan werter so günstig enttoidetn wie in den letzten Monaten, bann rann sich daraus für die angelsächsischen Mächte nur die Zwangslage ergeben.
i Oberhessen.
Landkreis Wiefern.
- Wteseck, 6. Fcbr. 3n anerkenn: nswerter Deile hat sich die hiesige Kolonne der Arbeiter-Samariter seit einiger Zett die I Ausgabe gestellt, sich an dem Kampf gegen die gefährlichsten Doll-seuchen zu beteiligen. 3n *2kr- folg dieses Zieles fand bere.tS vor einigen Wochen ein Lichtbildervortrag über öle Tuberkulose statt, ben Dr. Katz. Wie'eck. vor einer zahlreichen Zuhörerschaft recht interessant entwickelte. Die Fortsetzung dieser Bestrebungen brachte jetzt im Draunschen Saale abermals einen rech» gut besuchten Lichtbildervortrag. Dr. Schmidt, Diesed. sprach an Hand einer grosten Reihe äußerst lehrreicher Lichtbttbcr über die © H ( C <b t Ä r r a n r b c i t e n. ihre Bekämpsung und Verhütung. Die gezeigten und erläuterten statistischen Rachweise offenbarten zunächst den erschredenden Umfang, den btefe Seuche, zum 5X1 al- Rachwehen deS Krieges, angenommen hat. Der weitere Verlauf deS Vor.r.rgZ erläuterte baS Wesen öer Geschlechtskrankheiten, die Art ihrer Verheerungen, die sie im menschlichen Körper anrichten können, unö die Mittel, die zu ihrer Bekämpfung zur Verfügung stehen. AIS solche sind neben den Errungenschaften der Wissenschaft in erster Linie geeignete Aufklärungen der 3ugenö über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten zu beachten. Ein weiteres lvirksameS Mittel öer Bekämpfung sieht Ö?r ReÖner in der Einschränkung deS Mkoholgenustes und vor allem darin. Öast die Erkrankten unter allen llmftänöen Öen Arzt zu Rate ziehen und sich nicht dem Kurpfuschertum in Die Arme werfen. 3ede Geschlechtskrankheit sei im ersten und zweiten Stadium heilbar, und diele Möglichkeit öer ärztlichen Kunst lasse in Gemeinschaft mit einer intensiven Aufklärung hoffen, dast man auch dieser Seuche, die den deutschen Volks- körper in weit gröberem Umfange zerstöre, als allgemein angenommen wird, nach und nach Herr werden könne. Die aufmerksamen Zuhörer dankten für Öen recht lehrreichen Abend mit lebhaftem I Beifall.
* A) i e f eck. 8. Febr. Die Turnerinnen-Ab- teilung des Turnvereins e. V. 1 862 in TB i e le d veranstaltete am Samstag einen 2j» r - nerinnen-Werbeabend. Die ©arlktun- gen Der über die Grenzen ihres Heimatbezirks I weit hinaus bekannten Turnerimren-Abreilung wurden durch einen Hinweis auf öie Entwicklung deS Frauenturnens und den Wert desselben d-rch den Vorsitzenden Earl Euler eingcleitct. Turnerin Anna Bernhardt remv.ek'nc c daö I Wesen und Öen Willen bet Turnerin in einem gut zum Vortrag gebrach en Vorspruch, worauf die Schülerinnen in Freiübungen unö Volkstanz ihr Können zeigten. Dem Gesang huldigte öie Gesanr'Sabteilung öeS Turnvereins durch <?i:öcr. öie beifällig ausgenommen wurden. Das Geräteturnen der Turnerinnen leitete Turnwart Otto Aeh. ES wurden an Pferd und Barren Ue3un- gen jur Schau gebracht, die al» vortrefflich berechnet werden muhten Die alsdann folgenden Darbietungen öer Turnerinnen ftanöen unter 2 i- ä,nflr.ieÄr‘35otfiocnöen unö wurden fast alle nach Musikbegleitung vorgesührt. wozu sich daS Mit- I 9"eö Gustav Weller bereitwilligst zur Ver- sugung gestellt hatte. UeberauS reichen Beifall ernteten zwei Volkstänze, die unter Mitwirkung Der DcsangSabteilung zur Aufführung kamen fein erfreuliches Bild öer Zusammenwirkung von Tur- nertnnen unö Sängern), sowie ein Tanz nach 3nftrumentalmu!ir, bei dem Öer Strauhsche W l
ouS dem Süden" Verwendung fand. Die «n-9töer Su der Verschiedenartigkeit der Aufführungen gab dem ganzen ein besonder- S Gepräge. 3n Aneriennung für wiederholt crrii i- gene erste Siege bei W ttkämpfen im „SüÖw p- deutschen Turnverband" sowie im .Turngau Lahn- Dlinsberg" wurde Öen beiden Turnerinnen □Iitnna Kreiling unö Emilie Schmidt je eine Vergrößerung ihres eigenen Lichtbild s al« -turnerin überreicht. Der Verlauf des Abends die Derschiedenarl.gkcit der Hebungen sowohl' tote tpre exakte unö gefällige Ausführung durch die Turnerinnen zeugten von intensiver Tä ig- kett auf dem Gebiete des Frauenturnens unö ernteten öle Anerkennung aller Anwesenden Mit | «neTn Appell an öie Leiter, auf Dem begangenen -ZDcge weiterznarbei'en. unö einem begeistert aufgenommenen .Gut Heil' auf den .Allgemeinen deutschen TurnerbunÖ" wurde öer Abend beendet öer für Öen Turnverein 1362 ein voller Erfolg war.
□ Lollar, 8. Febr. Arn Sonntag nachmittag fanö öie 3ahreshauptversamm- l u n g Öes hiesigen Veteranen- unö Krie- 9e«tDrrerclnr6 ltatt. Der 3ahresbericht zeigt auf allen Gebieten rege unö erfolgreiche Tätia- (eiL Die MitglieÖerzahl des Vereins beträgt gegenwärtig 129. Es wurde u. a. beschlossen
x B*^iäbrlgen 2 o l k S t r a u e r t a g (lä.Mär^) geschlossen mit Fahne am Gottesdienst, unö an öer Gedenkfeier am KirchspielS-Krieger- denkmal zu Kirchberg teilzunehmen. Man gab hierbei dem Wunsche Ausörud. dah neben den Kriegervereinen deS Kirchspieles auch andere Vereine geschlossen an der Feier sich beteiligen nwchien: öer Vortrag eine« Liede- durch einen Der vielen Gesangvereine de« Kirchspieles, öle Dann jährlich wechseln tonnten, würde der Feier eine würdigere Ausgestaltung geben. 3n längerer Aussprache beschäftigte man sich dann mit der Mther schon mehrfach besprochenen Frage der Errichtung eine« G e s a l l e n e n - E h r e n- mal« für die Gemeinde Lollar. 3n Anbe- 1^ Der groben Dedeutuna dieser Frage sand S*n ^Autrag einstimmige Annahme, nach dem im Monat März eine auherordentliche Hauptversammlung einzuberufen ist, die sich mit dieser Angelegenheit befassen soll.
China und die Mächte.
Don Otto Eorbach.
DaS Problem öer politischen Lage im Fernen Osten In ihrer gegenwärtigem Zuspitzung Kat eine gewisse Aehnltchket mit einer algebraischen Gleich-uno man suche Öde äl n bekannte, und öle Ausgabe ist gelost. Die einigermaßen bekannten Größen sind Die .fremden Mächte", einschl. 3a.panS und Sowjet- ruhlandS. öle groste Unbekannte ist das neue, zu nationalem 3tlbUb~toufcrtetn erwachte China. Von keiner der freniden dlldchte wird mehr bestritten, dah bet bet Stärke der national- revolutionären Bewegung mit einem politisch unabhängigen China für alle Zukunft gerechnet werden muh. dah da« Reich der Mitte aufgehört hat, ein bloße« Objekt öer Wcllpoiitik iju sein, unö öie Gestaltung der Machtverhält- nisse im 5etnen Osten in wachsendem Mähe mitbefrimmen wird. Für bie Grötze dieses neuen selbständigen Faktors ist aber am allerwenigsten Die militärische Stärke der .Danton-Regierung" mafcaebenö. die trotz allem gegenüber der Kriegsmaschinerie öer ..imperialistischen" Mächte wenig zu bedeuten hätte, sondern vor allem der Spielraum, der sich auS der Uneinigfeit und den 3nteressengeg»nsätzen der fremden Mächte für ein ungehindertes Anwachsen der nattonalrroolutionarcn Bewegung in China ergibt. China verfügt über keine Kriegsflotte. die diesen Ramon beibientc; em Bruchteil der Flottenstrcitkräfte, die England in chinesischen Gewässern ?,ulalmnenzichll würde im Ernstfälle allen strategischen Anforderungen für «tne kriegerische Gnmifchung In China genügen, wenn man in Lodern nur sicher sein könnte, dabei durch öle japanische Seemacht nicht gestört tzu werden.
t i o n verfügen werde und dah die Rote Armee lediglich genüge, um die innere Ordnung de- Sowjetstaates aufrecht zu erhalten.... Andere toieber, vor allem öie Sowjetführer selbst, find voll des Lobes über den Wert ihrer Armee und öer gegenwärtige bolschewistische Generalissimus W o r o s ch i l o s s hat in seiner letzten, am 5. 3anuar auf dem Kongreh dec kommunistischen Tewerkschasten gehaltenen Rede mit der Erklärung nicht gezögert, dah die Ro!e Armee im KriegSialle „jede andere Armee der Welt spielend schlagen werde...Wo ist denn nun die Wahrheit? Wir glauben — wie in allen sowjet- russischen Dingen — dürfte auch in diesem Falle die Wahrheit nur so zu ergründen sein, dah man eine Reihe von Urteilen aneinander reiht unö aus ihrer Summe öaö Enöurteil zieht. Rehmen wir zunächst einige kritischere (auch solche gibt eS ...) Urteile auS dem eigenen bolschewistischen Lager. Da schreibt beispielsweise in öem offiziellen Blatt öer Roten Armee ein Stabsoffizier unö klagt über den roten Offiziersstand. Er erllärt: die höheren Offiziere der Reserve in öer Roten Armee finö in militärischer Hinsicht keineswegs genügenö auggebilöet. Materiell geht es ihnen miserabel, kürzlich veranstaltete das Kriegskommisiariat eine Prüfung der materiellen und privaten Verhältnisse Öes Offiziersstabes unö es stellte sich heraus, dah ein grober Teil derselben vollkommen mittellos dasteht...3n Rr. 38 der .Krahnaja Swesda" führt ein erfahrener höherer Offizier öer Reserve folgendes aus. »Wir sind verbraucht, von uns Ist kein Ruhen mehr zu erwarten. Die Arbeitslosigkeit des demobilisierten Kommando- stabeS und Die damit verbundene Rot. der Hunger und die allgemeinen Entbehrungen deS Sowjet- dafeinS. haben unS längst zu 3nvaliden gemacht...."
3n einer anderen Rümmer des genannten Blattes wird von einer beginnenden M a s senflucht auS der Roten Armee berichtet, und zwar sind eS nicht nur die alten 6tab4offyiere, die flüchten, sondern in letzter Zeit auch die a f - tiven auS dem Bauernstände stammenden „roten Kommandeure". Diele ziehen es vor. zu studieren. Laut Dekret des „Revolutionären Kriegs- rateS" dürfen höhere Offiziere als Studenten in die Hochschule eintreten. — bei gleichzeitigem Dienst in der Armee. Aber die meisten werfen nach einiger Zeit daS Kriegshandwerk endgültig hin. beenden das Studium und wenden sich später irgendeinem Zivilberuf zu. Es stellt sich eben heraus, dah die »Roten Kommandeure" sich in öer Armee nicht sicher fühlen, dah Me mit ihr geistig nicht verwachsen sind und keinen Witten zeigen, ihr ihre Kräfte zu opfern, sondern eher das Bestreben haben — die Rote Armee so bald als möglich zu verlassen unö sich als „freier Sowjetbürger" irgendwo und irgenötole anders öen Unterhalt zu erwerben....
Eine ähnliche Erscheinung läßt sich In der Masse des einfachen „Roten Soldaten" beobachten. 3n Eowjetruhland werden öie Rotarmisten bekanntlich zu allerhand Arbeiten heran- gezogen. Doch öie doppelte Forderung — gleichzeitig guter Soldat und guter Arbeiter zu sein, wirkt, besonders zur Zeit der langen Sommerübungen. nachteilig auf die militärischen Leistungen der Soldaten. Dieses öi)ftem. das stark an Araktschejews Siedlungspläne erinnert, hat den Dienst in den Truppenteilen derart erschwert, dah. laut Bericht der »Krahnaja Swesda". die Rekruten des letzten 3ahrgangs offensichtlichen Widerwillen gegen ihren Dienst zur Schau tragen. 3n den Garnisonen, wo die Rekruten unterrichtet werden, fehlt eS an Räumlichkeiten. Lebensrnitteln. Möbel usw. Einmal wöchentllch müssen die Rekruten zur nächsten größeren Stadt pilgern, um Lebensmittel cinzuholen, wobei sie oft Strecken Don 100 Werst und mehr zurüdlegen muffen. Die Obrigkeit der GarnisonSbörfer ist nicht in Der Lage, alle mittellosen Rekruten ihres Be- ztrks zu beköstigen und laut Mitteilung der „Ärannaja LweSda" ernähren sich lbeifpielSweise im Gouvernement Rishni Rowgorod und Öen angrenjenötn Bezirken) viele Soldaten einfach durch Betteln. Die Mttitärbehörden sind allo ihren Aufgaben absolut nicht gewachsen und Rellamationen aller Art von feiten der Rekruten, ebenso wie häufige Klagen unö steigende Unzufriedenheit der Bevölkerung m t dem von Der Sowjetregierung eingeführten »Militär-Dorf^Sy- । st em", sind an der Tagesordnung.
Die neue fowjetistische Dienstre'vrm verwalt- < delt ledes Dorf in eine Art winzigc-n Mi- lttarbezirk. Das Leben der dienstpflichtigen
Die Spannung in China und daS schlechte Verhältnis Rußlands zu England haben die Dlide Europas erneut auf die Hauptstütze der Sowjetmacht — die Rote Armee — gelenkt. Daß die Rote Armee von heute nicht mehr dieselbe unorganisierte ^orde ist. die sich 1919 von Polen, ohne irgendwie bedeutenden Widerstand zu leisten, ins Weite schlagen ließ — Dürfte heute — auch o bne besondere DeweiS'ührung — als selbstverständlich gelten: im Lause der letzten sechs 3ahre ist an der Roten Armee ungeheure organisatorische Arbeit geleistet worden und sicher steht sie heute als eine der bedeutendsten Heeresmächte der Welt da.
Aber trotzdem gehen die Ansichten der mill- tärischen Sachverständigen aller Länder über Qualität und Kainpsbereitschast der bolschewistischen Armee nicht unwesentlich auseinander. Um nur ein Beispiel zu nennen: ein so guter Kenner deS KricgshandwerkcS wie Oberst Max Bauer, der im vorigen 3ahre Moskau besuchte, erklärte in feinem Buche: »DaS Land deS roten Zaren" u. a., daß die Rote Arnree. ferner Ansicht nach, unfähig fei. im Ernstfälle irgendwelchen regulären militärischen Strei.kräften effektiven Widerstand zu leisten, daß im Falle eines Krieges. Rußland weder über Geschütze noch genügende KriegSvvrräte und Muni-
Diel au wenig pflegt man bei den Erörterungen über die Bseaange im Fernen Osten zu berüdsichttgen. datz jeöc Auseinandersetzung mit den verschiedenen Machthabern in Chma zugleich eine Auseinandersetzung zwi- IQtn ben „M ächten" unter s i ch bedingt. Man bat aus der (BntLafjung deS britischen Generaldirektors der St«zollverwa.tung. 3 gl en, dovettig den Schluß gezogen, als suche öie von Tschangtsolin. der Beherricher der Mandschurei, tontroUKrte Pelingrr Regierung schon den Süd- chtnesen die Führung der attchinef.schen anti» ttnperlallst'.schen Bewegung ftrc.Lg zu machen, indem sie den revolutionären RationattsmuS der Kuo Min Xona übcrtrumpsen möchte. Was es damit in Wirtlichkeit auf sich hatte, lehrt eine Schanahater Meldung, wonach 3apan öie Ab- füht Oege, auf Grunö seiner vorhcrrschenöen Stellung im chinesischen Außenhanbel die Dc» fetzung Dieses Postens mit einem 3apaner au verlangen. 3apan zeigte eine Zeit lang seinem Schiitzlik'.n Tschangtsolin di« lade 6dyul- ter. um sich auf Englands Kosten bei der füD- chineflfden 2teoterung anzub'.ebern. Tschangtsolin suchte sich dafür zu röchen, indem et mit britischen Finanzkonsortien llnterhandlungen wegen einer grosten Kriegsanleihe eröffnete. Rachdem diese offenbar gescheitert find, scheint er mehr als je Darauf angewiesen zu sein, sich als blindes Werkzeug wieder Sem japanischen 3mperia- liSmu« zur Verfügung zu stellen. Er hat Aglen von seinem hohen Posten nur entheben lasten, um die von 3apan längst begehrte Vakanz für ehren japanischen Bewerber zu schajsen.
Die »3solierung Englands in China", von der in ben letzte,» Monaten so viel Die Aede war. hat bestimnite Grenzen, ohne deren Teachiung eine richtige Würdigung Der in Hankau eirrgelcttctrn, vorläufig avgebrvchencn Verhandttrngen nicht möglich ist. Die Bereinigten Staaten wollen nicht daraus verzichten, zu den europäischen Mächten überhaupt und Damit auch zu CnglanD in ostssiat.schen Fragen traditionsgemäß D.stanz zu halten. Sie wollim und können auf manche vertragliche alte Aechte in China verzichten, an denen England und -um Teil auch 3apan solange wie möglich festhalten möchten. Soweit dies der Fall ist, wird man in Washington es tatsächlich kaltblütig der englischen Diplomatie überlasten, mit Den Schwierigkeiten fertig zu werden, Stellungen zu behaupten, deren Eroberung durch Den chinesischen Rationalismus weder amcrikairifche, noch japanische. am allerwenigsten russische 3ntcressen durchkreu.cn. Auf keinen Fall wird es jedoch die Washingtoner Diplomat c zulasten wollen, daß öer lapanische 3nperialismus trgenötoo und irgendwie in ö tHungen einrüct, öie öer britische preisgeben muß. Die Solidarität der Union unö Großbritanniens im Fernen Osten fängt da an, wo es gilt, einet Ausbreitung tes japanisch:,» Einflusses in China ^ltgegenzuwirken. Zwar ist man sich in Washington und London auch darüber einig, daß eine »B olschewisierung Ch.naS" vcryindert ^eedm muß. aber Die Union glaubt ihre Interessen viel unmittelbarer Durch japanische alS durch bolschew»frische Bestrebungen bedroht. 3n allen Kundgebungen des Washingtoner Staatsdepartement- über die Lage in China wird der größte RachDrud Darauf gelegt. DcH ame- rttontsche HanDeislnteresten von e.nern fclbstän- digen China nicht schlechter behandelt werden dürften als andere. Darin kommt unmißver- ständlich Die Befürchtung zum Ausdrud daß Japan sich eigenmächtig m.t den chinesischen Rationattsten auf Der Grundlage einer offenen oder verschleierten japanisch-chineiischen Zollunion trerftänöigen und Dafür Dan neuen China seine aktive Unterstützung zur Herstellung völliger Souveränität gegenüber Europa unö Amerika anbieten tonnt:. Cs sprechen augenblicklich schr viele Anzeichen Dafür. Datz sich ein solches japanisch-chinesisches Gegcn'e.tigkeitsverhältnis anbahnt, wobei SowjetrußlanÖ bercitwittigst Gevatter stehen würde.
Für öie nächste Zukunft Chinas ist nichts To sehr entscheidenD, wie öie Orientierung, zu öer man sich in Öen maßgebenden Kreisen 3apanS endgültig entschllehen wird. Britische und amerikanische Preßorgane, bcfonders solche, die in Tokio, Schanghai unö Hongkong oÖse Peking erscheinen, haben sich monatelang bemüht, Brennstoff für die Funken zuscmmenzutragen. Die von Seit zu Zeit aus japanllch-rustischen Reibungen tn der Mandfchurei aussprühen. Immer wieder wurde von ihnen ein zweiter japan-ifch-russischer Krieg an öie Wand gemalt. Vorläufig »st alle solche Mühe fruchtlos geblieben. Die lapanische Diplomatie und ^3reffe haben sich ferne Kriegs- Psychose gegenüber Rustland fuggeneren lassen lirü) augenblieSich scheinen öie Beziehungen zwischen Tokio unö Moskau bester als je zu fein.
V W a henborn-Steinberg. 8. Febr. Einen wohlgelungenen FamilienabenÖ ver^ anstaltele unser Kit chengesongvetein mit (Aus der »RadfD-Umscdau".) I V*11 ^"gliedern am Sonntagabend
Donnercfna io ©aale der »Krone zu Sternberg. Die Lsi-
1.30 bis 2.3C Uhr klebet raauna von Kastel beachtenswerter Höbe, sei


