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Donnerstag, 8. Dezember 1927

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Nr. 287 Drittes Blatt

Marschall pilsudski, Polens Sikiaior.

Oie phantastische Laufbahn eines Revolutionärs

BtUubfh totrb am Seritag in tnj « ©artet »m ben polnischen Cianh edt in b«t luetischen Statt vor dem BLllerbtmd au txTtrttrn

Der fflaen. btt als polnischer Mln.stetpräsi- twnt feinen litauischen Kol eaen 'Dolbtmatas einen Irrs'nn gen genannt M unb bamit »u ben fachliche, Gegensätzen der beben bV ln^tn Rachdarltaaten et ne schwere persönliche 'Mtibtflunfl be« ItlJuHbcn Mn HfrrJ Den len unb 21 ub nm in l:tt« lüg.e bul ai ug 2 tnieuter- blut t* seinen Adern um eint 'Brandadtl In bat frttgimubt doch immtr noch w?"enstottenbt Autopa »u weestn 60 Iahte Ifi Joses Pllsud ti alt Gin -tetlübter bet nie e.nen eicaet- rungcn bal abtr doch als bet militätische ^x« frtitt seine« Bolte« g 11. ein Revolutionär, bet d'.e austübtet'schen 'Btftfbunfltn bo m ch r CoAial.htn m l ®ta>a:hnai)n b en unter prüdte. ein Demo! tat bet sich mit einem mltä rischen etaai«|ltc 4> g gen bit vet allungsmüßtz eingo- setzle. nom polnischen Parlament, bem .Seim . beftättgte Regierung durchsetzte also gtW ü eine porabote Stsche nunq. die dabutch noch wider- sptuchsvollet wirkt, baf) Pilsudski. btt icöt Li­te uen nut Ätitj bcbr h bat selb'! e t n g e b ü r liaer Ltlauet ist Xn 19. Wär» 1857 würbe er Im nördlichen Litauen geboten Ift abtr. wie er mit Stolz betont, bem Stamme nach kein .Littvak" tr gebött vielmebt zu e,net alten pol­nischen 2b-l«'ami:,e. bit unter russ scher Fremd- bertschalt in bit Ranbstaaten versLl gen tourbt. 3n btt litauischen Stabt Wilna. die bet polnische W.mfterpräs dent vor 7 Jahren ben Litauern durch einen Handfttrich de« General« Zelegowskt tauben lieb, besuchte Joses Pilsudlki vor einem halben Iabthunbett da« Gymnasium, schon in sener Zelt, saft noch ein baldrvuchttgcr Burscht schlvst er sich revolutionären Gehetrn- bünbtn an und stellte sich damit in Gegensatz zu seiner atislokrat.schen Farn l entradition^

Wan siebt r« bem Marschall Joses Pil- sudski sofort an daft er genug Snergie besitzt, ein Ziel barlnäckig zu verfolgen und allen Schwierigkeiten. d>e sich ihm dabei in ben Weg stillen. . ton zu bitten Lloyd George hat einmal gesagt bat) sein Kops mehr Kinn al « Stirn zeige da« ist zweiselloS nicht richtig, da sein Porträt da« eine gewilse Aehnlichkelt mit bem Bild Rtetzschke « zeigt auch die bobe. schr igc Stirn diele» deutlch.n Pb lo ophen polnischer 2b- hinlt aufweift Doch ift se.n Kinn, mit cncrgtldbcm. inatitalischeni Schwung, der au«bruck«vollfte Seil seine« Gelich'e» 8 n'iere. buschige Tluenbraun verleiben Ptlfuds.t - Bick etwa« Tkrltedte«. unb ein voller, au beihnen Seiten mongo.isch herab» sallender Schnurrbart soll wobl ben kriege.ilchen Sindrud der Persönlichkeit verftürken 3m gan­zen verraten seine Züge soldatische Gradbeit, militärisch« Offenbeil, aber auch bie Lust am Be­fehlen. gröber gcfagi Herrschsucht Man kann sich kaum norfiellen. hab dieser Mann einst zu den verschl.ig nsten Revolutionären gehört« doch Hal er mtmal« ausgebött. die revolutionären Beziehungen die er aus bem M inner Gymnasium !l unter d n schwierigsten Tkt

nissen. verfolgt von der zar>ft 'chcn Ochrana wei­ter zu pflegen AI« Stud.n: der MeN-in setzt« et seine revolut onären Arbeiten In Sharkow, her jetzigen Hauptstadt der Ukraine, so intensiv lori, bah er schon nach wenigen Monaten von der Universitüi getagt wurde 3m Aller von 20 Jahren verhallet« man ihn dann in Pe­te t « b u t a . Weil er an einer Verschwörung gegen ben <j jren beteiligt gewesen fein sollte, und verbannte ihn für sünf 3obre nach Sibirien.

Kaum im Jahre 1892 in die Heimat zutüdgU-hrt. n hm et bie Fühlung mit ben revo- lullen ren 51 reisen tauber au? St schloß sich der

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schen Patte, an. die nicht nur sozialistische eitle vtrsolgte. sondern al» erste, wichtigste Au gäbe

bie Grtichlung etne« unabhängigen polnischen Staate» erstrebte 3m 3 ah re 1894 übernahm Pilsudski bann die Herausgabe bet Zeitschnft Koboimr. be« .Arbeiter» ti? natürlich Illegal erschien, Sr war nicht nur ihr Redakteur er ar­beitete auch in bet Drudetei unb Setzerei und »alte habet einen Setzergrhillen Stani«law Woiczechowski. ben er sp ter unter merk- würdigen Uniftanben wiedrtre fen sollte Au« dem austühretischen Setzet ift nämlich bet pol­nische Staat«präf ibent geworben bem Pilsubskt im vorigen Jahr mit e n gen R gtmen- lern im warschauer Reg erungrv.ertel gegen­über getreten ist Damals konnte man 'retlich solche Ütk.gnisse nicht Doraueieben, damals muhte man mit her Druckerei von Ort zu Ort ziehen, um von ben zaristischen 'Beamten nicht entdeckt

zu werben

Sine« Lage«, im 3ahre 1901. würbe aber bie ®theimbrudctci cn;><:

haltet und in bie warschauer Zitadelle über­führt wieder drohte ihm Verbannung nach Si­birien. diesmal entging er d e'em Schicksal da­durch. daß er Wahnsinn f m.l <rte und in ein 3rrenhau« gebracht wurde, au» dem et mit Unterstützung eine« soz ali tischen Hlls«ar.zteZ ent|l:e..en könnt . wenn her po.nische Minister» präfident jetzt also Herrn woldernara« für einen 3rt1innigen erklärt, so ist diese falsche Dlagno c gegeben word.n. obwohl ihm Sachkenntni« nicht abzu prechen ift Unter ben Pseudonym .Wik­tor" fetzte der Flüchtling fe ne politische Arbeit in Polen fort unb enta'.letc besonder» im 3ahre 1905 eine grobe Betriebsamkeit. Al» di' russische Revolution gesche t.-rl war. erkannte Pilsudski. dah unbewaffnete Ma s n im Kampf mit zaristi­schen Soldaten und Po.iziften macht oL Jein muh­ten. Darum entschloss er sich. Strategie zu stu­dieren und einen Stab revolutionärer Offiziere heranzud.ld n. her fähig sein folke. eine Art geh.imer polnischer Mliz auszubllden und im entscheidenden Be re.ungölamps zu fühoen.

Die erste Lat Pilsudsk.« im Oifisiersrock

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brachte einen vollen Sr olg. her allerdings we­niger auf strategische Äennln sie ali au rshcho- ifchen Schar d ick zurück >u ügren w r Die Re- ution von 1935 war n.cd.rg schlag n. und her

Ochrana war e« gelungen, drei Au rubrer zu ver- tcn. denen ein Attentat auf einen zaristischen izier gcg'üdt war Jeder wuhte. da i da« Le­ben her drei jungen Po'en verw rkt war Dine Rächt vor der Vollstreckung des Lsdesurteil»

erschien ein Offizier her Ochrana. begleitet von vier Polizisten, bei bem Kommandanten der war­schauer Zitadelle und legte einen Be'ehl des kommandierenden warschauer General« vor. her bie Ueberführung der drei Todeskandi­daten in ein andere« Gefängnis anord­nete. weil ein revolutionärer Bejreiungoversuch verhindert werden sollte während die Verurteil­ten in schwere Ketten gelegt wurden, la« her Offi­zier in der .Rowoje wrei:i,a . dem reaktionären Regierungsorgan. dann trieb er feine Gefangenen mit Fuhtritlen auS der Tür und liest sie recht un­sanft in ein geschlossenes Au io letzen Der Wagen sudr schnellsten« zur deutschen Grenze. QU« sie deutschen Boden erreicht hatten, waren die Gefangenen und Pilsudski. der sie In feiner Verkleidung entführt hatte. In Llcherhe-t.

Run ging Pllfudfkl nach Galizien und or- Silierte dort polnifche Zre,scharen. die sog.

ützenverbände b e Im Jahre 1908 zunächst au - oben trerb.n feilten bann aber von der öster­reichischen Regierung doch geduldet wurden, weil sie eine w.riootte Unter'iutzung b.r Grenz- wacht gegen Ruhland darstellten Im Aus­land wurden die Cf ijierc d c er Verbünde ausge­bildet. Ptlsubll» aber beschr.nie sich nicht darauf. Lchützenorganifationen in Galiz.cn zu schassen, von den Grenzen spann d.e'er Geheimbund fein Rey. da« schl estlich ganz Polen bedeckte Als im Jahre 1914 her Är eg au»brach, überschritt Pll-

sudski mn feinen Legionären an b« r Seite d« « österreichischen Heere« die Gr-nze öifxig kampfi, der Zaren', nd für bie Lvttre - nung Polen» von Ruhland, al« er aber merkte, dah bie Mittelmächte ben neug.'chaf enen pol- ni chen Staat sich selbst ang'.iebem sollten verweigertc rr seine wettere Unterstützung unb mit ihm schwenkte die polnische Lea on. bie au« den Schützen. erb< nben geb Ibet tnorb.-n war i n « feindliche Lager ab Sr war oft ver­haftet worben um noch darüber ent etzt zu fern, dah man ihn im Juli 1917 w eder einmal ein- sperrte Man brachte ihn von Warschau nach Magdeburg, her uhere Aniah zu dieser Derhastung war dadurch gegeben hast P.lfuhski von seiner lieben Gewöhn^, l mit fa schen PL - len b e Grenze zu überschre ten auch währ nb des Kriege« nicht la fen konnte Aber bieJJeftungibaft in Magdeburg stempelte ihn zum Märyrer und verzehnfachte die Zahl seiner Anhänger, bie ihn laut um jubelten, als er dnbe 1918 wieder in Warschau einziehen konnte Sr wurde provifo- rtlcher Staatspräsibent der polnischen Re­publik. dankte dann aber bald ab unb lieh sich, grollend über ben Lieg ihm feindlicher Parteien, in einem warschauer Vorort nieder Roch In aller örtnnerung ist es wie er dann vor andert­halb Jahren mit einem Staatsstreich w eher bie Macht ergriff. ®m Mann, der alle» erlebt hat, und bem alles zuzutrauen ist

Um die preußische Landgemeindcordnung.

Die preuhisch, Koalition au« Zentrum. Sozialdemokraten unb Demokraten, bie mit einer Mehrheit von bestenfalls einer Stimme Reform- arbeit leisten zu können glaub', hat sich wieder einmal eine schwere Abfuhr geholt. Sie hatte einen heftigen Anlaut genommen, um ben Be­weis ihrer Produktivität zu erbringen unb bie ßanbgcmetnbeorbnung auf die Tages- orbmmg setzen lassen, bie schon seit Jahr unb Tag ein ziemlich bescheidenes Mauerblumchen- bafein sühne. Sie entstammt ursprünglich einer Vorlage aus her Zeit her grohen Koalition, wo sie gemeinsam mit her neuen Stäbteorb- n u n g eingebracht war. fiel bann aber infolge her Reu wach! en unter ben Tisch Das Zentrum hat sie in Form eines Antrages Herold ge­trennt wieder ausgenommen. Die StLdteordnung ist auch glücklich, aller ing« belüftet mit Zufalls- abflimmungcn. durch die zweite Lesung gebracht. In einer Sonn, bie für bie britte Lesung da« Schlimmste befürchten lieh.

Die Canbgcmeinbeorhming ift nid einmal so weit gekommen' in der vergangen.n Woche hat bieXegierungÄtoaiition nach zwei Tagen bas Rennen auf geben müssen, weil sich infolge des passiven Widerstandes d.-r OpprsitionSpar- teien di, bauernde Beschluhunfähig- kelt herausstellte, unb jetzt hat di, Koalition zu einem Gewaltmiit^ gegriffen, sie hat bie Gemeindeordnung z u einem Torso zusam » menge ft rieben, hat vieles von bem heraus- getallen, was widerstand Hervorrufen könnte und hofft mm, biefcs Rumpsgesetz doch noch vor Weihnachten durch ben Landtag peitschen zu können. Wieweil blefe Hoffnung berechtigt Ist, bleibt abzuwarten. Da« politische Interesse der ganzen Spekulation Ift nur da«, dah bie Wei­marer Koalition offenbar In erster Linie auf bl« Hilfe her Kommunisten rechnet, von denen sie glaubt, bah sie gerade an der Zer­schlagung bet Gut«oezirke ein beson­deres Interesse haben unb deswegen sich als freiwillige Regierungspartei zur Verfügung stellen.

Für bas Zentrum wirb bas eine immerhin etwas eigenartige Lage ergaben, zumal ba di, Regieruiig auch diesmal wieder nur durch ihr eigene« Ungc<dxid und ihre eigene Halsstarrig­keit die ganzen SclIwierigkeiten hervorgerufen Deutsche VvllSpartei hatten bl, Absicht, grunb- hat weder bie Deuischnationalen >ioch bie sätzlich her zu verabschiedenden ßanbgemdnbc- Ordnung Hindernisse entgegenzuftellen, sie ha­

ben nur wert darauf gelegt, daft ihr, Forde­rungen auch in bie Vorlage hineingeardeitet würden. Darauf hat brr Ministervräl ident Braun es aber gar nicht ankommen lallen, er hat hier ebenso wenig wie in früheren Fällen, die Verbindung mit der Oppv«Ilion auch nur gesucht Hätte er sich bi, Mühe gegeben, mit der Deutschen Vollspart ei Fühlung aufzuneh- men, dann würde 'ich lehr wahrsche'iilich un­schwer die Möglichkeit eine« Kompromisses ergeben haben und dann war die Mehrheit für p-i-.i.-indeordnung llcher Stall dellen wirft di, Regierung bt, Flinte in« Korn unb wenl-et fich lieber an die Kommunisten, nur um der Rechten gegenüber du« SingeflAnb- ms ihrer Schwäche nicht abgeben zu muffen.

Spielplätze - Eparmastnahmen.

Der Deutsche Reich«au«schuft für ß,ibe«übungen verbreitet in der Abnxch« der Ölngrtf e. bi, gegen bi« Bew lllguna ftäbki- scher Olhttd zum Bau von Spielplätzen, Turnhallen unb Kampfbahnen erhoben wur­den. folgende Zdundgedung

Der Deutsche Reich«au«schuft für Leibes­übungen al« Spihenverband aller unpolitischen Ium- und Spvrwerbänd« Deut'chlanb« mit runb lieben Millionen Mitgllehern dankt den deutschen Städten, dah sie der au« bem Krieg« zurück- gekehrten der in Krieg«- und Rachkriegsnot her- angewachfenen mönnllchen und weiblichen Ju­gend die Spielflächen. Sportplätze. Tarnhallen, Schwimmbäder und Kampfbahnen bereitet haben, auf denen 'ie Kraft. Gesundheit unb innere Freudigkeit für d e erschwerten Ausgaben des Berufslebens gewinnen konnte. Spiel - und Sportplätze. Schwimmbäder, Turnhallen und Kampfbahnen sind kein über­flüssiger 2 u r u « . sondern bilden ein Gegen­gewicht gegen ungenügend« Wohnungen, minder­wertige Ernährung, gegen Krankheiten und rno- rali'che Verführungen aller Art. Systematisch betriebene körperlich« Hebungen find da« wirk­samste und da« weitau« billigte Mittel gegenüber den Ge'undheitsfchädigungen unseres heut gen Le­ben«. sie bringen Freude gegenüber bem Siner- lei in einer mechanisierten B«ruf»arbeit.

Richt zuviel, sonbern zuwenig ist bi «her xum Ausgleich früherer Unterlas­sungssünden in bet Schaffung i o i S ätten zur Körperpflege geschehen! Clne Reihe großer beul- scher Städte oefltzt kein Hallenbad: in unseren Riesenstädten gibt e« Bezirk« mit Hund«Mausen­den von Sinwohnern. für die keine Frei läch« vorhanden ist. Die bescheiden« Forl«rung des Deutschen Reichkousschu fe» für Leibesübungen von 3 Quadratmeter Spielfluch« auf den Ein­wohner ift nur in wenigen Städten erreicht. Sngland verlangt siebeninal soviel, nämlich für 1000 Öinöobner jeder Gemeind« 5 acre« 20 350 Quadratmeter, und ist auf dem Wege, dies« For­derung durchzusetzeti. Keine Ausgab« ist pro­duktiver al« di« für Spiel- und Sportplätze, denn sie stärkt da« trotz de« MafchinenAeitalter« wichtige Produktionsmiit.l. Me menschlich« Ar beltitraft Keine Ausgabe ist sparsamer al« diejenige, welche Kosten für Kranke unb Schwache mindert. Richt zuviel, sondern zuwenig Ist hier­für vom Reich, von ben Ländern, von den Pro­vinzen. Städten unb Gemeinden geschehen Gäbe e« mehr Spiel- unb Sportplätze, so würden die Jahreskosten von 4 Milliarden für Sozial- ver'icherung um mehrere 100 Millionen zu- di da .ben Die flurüdbrängung her Validität um ein ober zwei Jahre würde dem RcichShaushall Dutzende von Millionen er- baren. 50 Prozent aller Unfälle In Gewerbe unb Landwirt'chaft mit ihren verheerenden Fol­gen könnten vermieden werden, wenn die vcr- ' icherle Bevölkerung körperlichgewandter und leistungsfähiger wäre. Millionen und aber Millionen an Krankenversicheru a wür­den gespart, wenn die Bevölkerung durch Spiel und Sport im Freien gegen Srkältungslranlhe.ten abgehärtet wäre Tuberkulose und Geschiechls- krankheiten finden keinen Boden unter der sport­treibenden Jugend. Krankenhäuser. Zwangs­

Als Forscher bei Romaden.

Tie deutsche Ltoeyner-Erpebition in die unbekannte Mandschurei.

(Rachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten 1) S. 4 h a i b i n »Mandschurei) im SpLtHerbst [927.

wer glaubt, bah c« weihe Fleck« auf her Grdkarre nut a.u Rard- unb Südpol, in bem von Lamas behüte.en Zentralasien oder im Innern cee buni.en 4;bi«ii« gibt, der irrt fich: schon in der Mandschurei, »n dem Land«, um das sich Ruhlanb. Lh-na unb Japan streiten, mitten zwischen zwei Daan-uiien. in dem groben Vogen den der Amur nach Horben macht, be­vor er nach einer neuen Vieaung in den nörd­lichste.. Qludläule; 7e» tapan.schcn Meere« strömt, gibt es ebenfalU wene Gebiete. ü.<r bie nichts Genaues belannt ist. J« gibt dort, wenn man so will, e.ne staatliche Gewalt, nämlich die Lhinas Aber deren, von inneren Revo­lutionen ge chwa^ter Arm reicht nicht weck. 411- mal sich schon früher biefe Slaatsgewall mit der Bestätigung eingeborener Machthaber begnügen muhle

was geschieht wohl, wenn «in Vertr«t«r b«r deutschen wif.enlchaft nach Aufbringung sämt­licher Mckiel um die paar ampfehlungsbnefe bittet, bie ihm sein Vaterland mitgeben kann? Man rät ihm ab! Man schildert die wirren, ba« Wagnis, die politische .älnzweckmähigleit" kurz, man zwingt ihn. nach monatelangem war­ten bei den Lhine'en nach dem Schlüssel zu suchen, der wenigstens di« erste Tür zu dem unbekannten Cante aufschlieht. Das war endlich auch der Grpe^ition wal:er Stoetzner« ge­lungen. der als einer der ersten Vertreter beui- scher Wissenschaft wieder völkerkundliche, geo­graphisch« und zoologisch« Forfchungen unter­nehmen wollte.

Es galt, die nvmad f.erenden Bewohner des Amurbogens lennen zu lernen, bevor die lang­sam aber zäh fortschreitend« chinesische Koloni­sierung dieses früher oder später doch dem Untergang geweihte Volk der Solonen ver­schlang. Zu was er und zu Land«, mit bem Doot, dem holpernden Karren imb bem Pferd drangen bie wenigen Deutschen von Eharbin über Wergen nach Rordosten vor. Da die Solonen von dem Besuch nicht unbedingt entzückt zu sein brauchten, war man so klug, durch chinesische Vermittlung

einen solvnischen Führer mitzunehmen. der seinen etainme»benoflen die Fremden als Freunde DorUdlt«. Aus.eroein gab der von den Lhlnesen beuä.igic ooerlic 6olonenbtamie freigebig eine Art yafi. ein lanaes. in mandichurische.> Schrilt- zeichen und folonckcher Sprache abgeia<>ie» Gmp- lehlungela.reiben. Mit dem Pah. bem «inge- boie-.e.i Ve^ltiter und ben u>c ugen Brocktn bet

«-sprach« die die 251«.'Ojafi über­haupt kennt, ging es bann in das unerforscht« Land htr.eiiL Heber Steppen, durch lichte Wälder >dic «rwane.e.i älrwaider fehlten völlig», üter haloverwit e « Geb.rgsreste. beten e.nzelne Berge nur noaj wie Pyramiden in der Ebene ftehe.i und durch dich te Gest-üpp. Zunächst noch vorvet an festen Gegolten lehha ter Bewohner, ba.m zu feien Zecken ober wohl aungestalteten Grdhuti,:.. bU lchliehlich menfchl.ch« S edlangen nur noch au« ben schnell aufge chlagenen unb leicht becegLdxn Spitzzelten bestanden, bie im Somme, mit Bittenr.nd« und im Winter mit Rehfellen abgedeckt find.

Li, Bewohner dielet Zelle kennen weder Ackerbau noch Vckäzucht. he ernähren s.ch allein von detIagd aus dasReh. Ift die Gegend, in bet he sich aufhallen, abgejagt, ober hnb bi« Reh« verscheuch!, bann brrch! bet Colone feine odte ab. packt feine famtlichen Vorräte auf ein paar Pferd« und zieht in neue Jagdgründe. Die ungeheuren Ebenen dieses Lande«, bw sich bet arpeduwn in e.nr.n oft märchenhai.en Blumen­schmuck zeigten, gäben Raum und Rührung für Millionen von Herl ent »er«n unb Hunderttausend« von sesten Ansieilern. Skt jetzige Bewohnr des Lank es kennt de sen Derborger en Reichtum nicht, er nimm: nur ba«. was es ihm freiwillig bietet Der 60(0ne lebt auf der niedrigsten Kulturstufe les;en>oltt, er melkt nicht en mal bie Stuten unb nährr ich fein ganzes Leben ausschltehlich vvn Re^ fleisch, denn bie paar w.ldhühner ober Zische sind ebenso toenig zu zählen wie ba« bihchen Hirte, das er eintauschr ?r Erbet sich in Rehfelle, 'eine sämtlichen Ge'ähe stellt er aus Titten rin? e her unb von ben Segnungen der Kultur kennt et nur ben Schnaps, ben et freilich über alles liebt.

Run birgt aber dies Land noch andeve Schätze als die. die nur durch mühsam« landwirtschaft­liche Arbeit zu heben ftnb: Gold? wvhrn die deutsche Skpeditton auch kam. fand sie Spuren alter Gold^chürfet. zusammen gefaulte Blockhütten und längst Deruxuyer.c Srd lochet. Trttst man

auch einmal tagelang nicht einen einzigen Men- Ihen, so findet man doch sichet dies« Spuren von Gold'-uchern. Das Gold der Mandschurei hegt iicht im Sande bet Flüll«. sondern im Betg- dyurt, der bie Täler füllt und der ba« früher ge- lÄrgig« Land immer mehr zur Obere macht. Mil­ten in dictzem der wisfer.schaft uruxlannten Lande gilck es ausgedehnt« ?lrbcck«plar>e großer chi- ne Vchet Goldgew>nnunqsg«lellschakt«n. Ditte Werke werden mi^trau-sch bewacht, und kein Fremdet kommto einfach zu ihnen Da di, Deutschen aber nicht als Konkurrenten cuftraten vm Wettl»ewerb um das Gold, sondern nur einmal einen B.'ick in bi«*« Werk« tun wollten, fanden H« Zutritt und durften sogar Kinoaufnahmen machen.

Qhn, den Kurbellasten tst heut« eine<- pedfiion nun einmal unmögi ch, und auch die Stvetznet-Srpedition filmte die Colonen, chre Hütxm ihr werttcug. typisch« Land'chast^bllder und McK Gvldwulchcrcicn. Rur em« fehlte für ben Film, das wichtigste mit. eine eindrucks­voll« bildlich« Sch'ld«rung des rel.giö*rn Lebens dieser einfachen Rornaden. bi« wie vor Jahr­tausenden dem Schamanismus hulbigeu Ditte Lücke 'ollte rin Unglück ausfüllen, das bie 8t- ped-llion betraf, unb bas ht hinderte, noch in biriem Jahr« bis an Zh« Ronniquell«n vorzubrinLen: bie Malaria. Walter Stoetz­ner lag schwer krank in bem Zelle eines Scha­manen. Der Mann, bet bie Gastfreundschaft gern gewährte, der aber mir bem hinberlchen Kranken nicht ben wieder einmal notwendigen Umzug in beffeteOagbgef üb« bewerkstelligen tonnte erbot sich Lanatam ungeduldig werdend, bi« Krankheit zu bttHwören- Der Ficber.rank« leibst wehrte fich Zunächst. IVf) aber harn feinen Filmopetatur holen. 3t glaubte, bah die Bttchwörung ihm nichts schaden würde, dah man aber h er bw ettrhnt« Möglichkeit hält«, einen vollständigen Scham anentanz zu kurbeln. Swetznet wurde entblühtem Oberkörper auf dem Tanzplatz im Freien gelegt, und dann begann unter immer stärkerem Trommeln das Gebet, das zum Tanz wurde. Der Schamane unb zwei Schamaninnen tanzten tn lochet STftak, dah fu wiederholt ohn­mächtig zu werden schienen Aber vor allem der Schamane hielt eine volle Stund« durch. Darm traten die umstehenden Solonen auf Stoetzner zu. crflcrttn ihm, er könne weggehen, denn er sei geheilt und h«fce da. et. der sich dem Film zuliebe auf den Tanzplatz hatte tragen lassen.

stand auf unb war gesund Gesund nftcht nur für den Augenblick, sondern oMmbar endgültig, wcnn er auch zwei Wochen später bet Sicher­heit halber burch «mige Tag« Lhmin nahm Dah bitte unerwartete Genesunt mit bet i-Jeremoni« her Schamanen in einem rätselhaften Zusam­menhang gestanden habe, dürft« ja allerdings rinigermahen zu bezweifeln Irin.

wenn die stille w^fenlchaftliche Arbeit be« Winter» getan ist. wirb Stoetzner von neuem von Tharmn au« ins Land der Solonen ziehen, um bann bie Lage her Ronniquellen fest zu leg en.

Roland Anheißer.

Von Helen« 8 h r I ft a l l e r.

Der Graphiker unb Malet Rolanb An- h e I h « t. der tn bitten Tagen bas fünfte Lebens- lahrzehnt vollen «t. ist ein Duffelborset Ätnb. Sr lebte fpä:er in Köln. Basel. Karlsruhe unb hat sich nun tn bem lieblichen Jugenheim an her Bergstraße lehhast g.macht, wo man ihn täglich (luntenljna In (einem Garten arbeiten sehen kann.

Anheiyer blickt auf ein beinahe überreiches Lebenswerk zurück Der Vater verweigert« ihm bas Studium ter Kunst, fo tourbt er Botaniker. Don ba aber fand er den weg zur Kunst. Zuerst, indem et wtlfenfchaftliche botanische Werke illustrierte. Dann wurde er Schuler von Schi - der und 8 0 n z und sprach lein künstlerisches Smpslnben zurächft tn Graphik aus. S.ne reiche 8rnle köstlicher Radierungen, wohl 300 Stück, aus bem Sisah, bet Schwe z. Flanbern. Italien, Köln unb bet Bergstraße hegen vor. Auch im Duchhanlel hnb ein« Leihe von Detössentlichun- gen von ihm erschienen, zu denen er auch den Tert (chricb D « bebeutenbhen lind >Altschweize­rische Baukunst". .Maleti'che Baukunst in Tirol, Flandern unb Brabant. Öbetelfah. .Mein Köln".

Anheiher ift ungeheuer sleihig und von einer bttcheidenen Treue unb wahrhastigkrit in seinen Werken. Sr hat einen beonberen Blick für bas Maleri'che von Architektur unb Lanbschaft. Ar­beiten von ihm be1 inten sich in ben Museen von Köln. Leipzig, Jena. Frankfurt, Karlsruhe. Wien, Brüssel, Basel unb vielen anbern. Heuer» hingt hat et sich mehr bet Malerei zugewanbl, unb zwar bet Lanbschast unb bem Porträt. Bei feinem unermüdlichen Flrih und seiner Schaf-enskraft ist zu erwarten, bah er auch barm Beträchtliches leisten wird.