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Nr. 256 Erster Blatt

177. Jahrgang

Samstag, 8. Vktoder (927

rieftet täglich, außer Sonntags xxb 5«ierlegs.

Beilegt«:

©UfetiuT Jamilknbl&tter Henn al im BUd Di. Scholle

2 Steide*«» enb 80 Reichs pf en »tg ftr Trägen lohn, anch bei Richter- Ichemen einzelnerNu mmerA in folgt höherer Gewalt. Fernfprechans chlüffe: 61, M und 112.

«aschrifi für vrohtnach- richten. 3w)dgrT »teste«.

voRscheckkanto: fraift«rt am Main litt«.

GietzenerAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VrvS mb Verl«H. BriblW UntverfitüwvNch. «nb Stditeidtrci H. £aw$t ti Gtefcn. Sdfriftittanig und OeschLftrKeTe: 5ch«kUratz« 7.

liu|w Ml lajeiarw t*r He Tagte nimmer bis ju Rachmtnag vorher.

Preis Ur | mm höde ftr Änjetqtn von 27 mm Brette drtsich 8, auswärts 10 Neichspsennlg: ftr Sie» Klon,Anzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspseimig. Vlatzvorschnst 20* . mehr.

Thefredabteur Dr. 3titör. Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Je. will) Gange; für Feuilleton Vr ß.Ibnnot; St den übrigen Teil Ernst lumlchein; für den An- irigentetl Anrt Hillmann.

löenllid) in V lest en.

Ium Alltag zurück.

Deutschland hat nach langen Jahren endlich mit- ber einmal einen grohen Tag gehabt. Nicht mit dem unnützen Tand äußeren Gepränges, das einem armen, nlcbergetrclenen und zerfetzten Lande schlecht anstehen würde, ehrte das deutsche Volk am 2. Ok­tober seinen größten Sohn, aber durch rührende Be- weise des Dankes und des Vertrauens bekannte sich Deutschland zu der Idee des Helden. Es hat nicht an versuchen gefehlt, unser Volk irre zu machen an lener inneren Stimme, die Ihm gebot, dem Führer in tausend Schlachten, dem allem Treubefundenen in Not und Unglück, dem erkorenen Oberhaupt im neuen Staat an seinem Ehrentage Liebe mit Liebe zu vergelten. Aber die solches unternahmen, schienen sich selbst nicht wohl zu fühlen bet ihrem traurigen Handwerk. Sie werden gespürt haben, daß mit klein- sicher Närgelsucht, böswilligen Verdächtigungen und geistlosem Herunterrelßen kein Volk sich auf die Dauer von dem abbringen läßt, was es einmal für recht erkannt hat. Und nun, wo der Festtag trotz ihres Abseitsstehens einen so würdigen und ge- fchlossenen Verlauf genommen, meldet sich die Kritik im eigenen Lager. Besonnene Männer machen gel­tend, daß man eigenste Grundsätze mit Füßen trat, als dem Präsidenten der Deutschen Republik der schuldige Respekt versagt wurde an einem Tage, an bem die Augen der Welt auf Deutschland sähen. Man fürchtet die Abrechnung und tut recht daran, ba« Volk vergißt nicht, wer seinen Helden schmähte.

Aber es solfte*Üuck nicht vergessen, welche lange Front von Volksgenossen von links bis rechts dieser Tag in e i n c m Gefühl des Dankes, ber Verehrung und Achtung für dos Staatsoberhaupt sah, es sollte nicht vergessen das friedliche Nebeneinander der alten und neuen Reichsfarben und den ein­mütigen Willen, einmal für ein paar Stunden allen Parteihader beiseite zu schieben, um um \o freu- biger das Gemeinsameju betonen. Warum konnte es mir ein einziger Tag lfln, an dem wir uns so zusammenfanden? Steckt unser Volk nickst tief genug im Elend, als daß wir mit überschüssiger Kraft uns selbst in verbohrtem Parteigezank zer- sie schen? Schnüren die Lasten des verlorenen Krie- aes nicht genug an unserer Kehle, als daß wir in blindem Fanatismus gegeneinander wüten? Wird unser Land nicht bedrängt und umlagert von miß- günstigen Nachbarn, als daß wir im eigenen Hause Mißtrauen und Neid eine Stätte geben? Können mir uns nicht zusarnmenfinben zu gemeinsamem Dulden und Tragen, zu gemeinsamer Abwehr? .Heute läßt es die deutsche Eigenbrötelei,, in Parteien und politischen Konnentikeln zärtlich gehälschelt, noch nicht zu Der 2 Oktober war kein. Tag der Er­füllung. aber die Hoffnung laßt uns mit nehmen aus diesen Stunden, daß des Reichspräsidenten letzte Lebensaufgabe, die er sich fetzte, "fs er vor zwei Jahren noch einmal bem Rufe feines Volkes folgte, Deutschland einig zu sehen im guten Glauben an die Aufrichtigkeit und ehrliche Ueberzeugung Desan- andern, daß diese Ausgabe ihrer Lösung einen Schritt näher ist. wenn dergroße alte Mann", w'e ihn die Welt bewundernd nennt, einst die Augen schließt.

Gs toätt ein geringe« Maß ke* Zankes unb ber Entgeltung für da« waS er u- tat in acht Jahrzehnten keS Dienste« am Dol e wenn ieter an feiner Stelle im politischen Kampf. der sein muß. soll ein Volk nicht zur Mumie er­starren -- die Obre beS Gegners tote feine eigene schuht statt sich bestrebt, sie durch perfide Verdächtigungen zu befudeln. Man ruft fett langem nach besserem strafrechtlichem Schutz ge­gen den gemeinen Ehrabschneider, der zum Dieb an höchsten sittlichen Werten wurde und heute für seineTaten aeringer büßen muß als wer fid) an materiellem Eigentum verging. Vielleicht sind harte ©traten manchem eine gute Lehre solange indessen nicht der Geist gegenseitiger Duldung in unterem Volke sich Dahn gebrochen hat, wagen wir nicht auf Dosierung zu hoffen.

Sttllestehen Einkehr und Umschau halten, ist nach einem Tage, wie rott ihn batten, not. 5)te politische Kleinarbeit des Alltags fordert schnell genug ihre Neckte. Schon daS Zusammen­treffen der Länderminister am Geburtstage te8 Reichspräsidenten ließ man für diele Arbeit nicht ungern!ht verstre.chen. Sine Konferenz rmt bem Reickskabinett und eine Besprechung ter Cänterminiftcr unter fick diente ter -Garung von Fragen, die in der nächsten Seit gebteterisch Lösung verlangen. De Rotchsregierung hat für bie Beamten des Reichs eine Vesoldungs- ref or m vorgesehen, die neben einer Umge­staltung der Deloldungsordnung an sich eine Erhöhung der Bezüge derBeamten ent palt. Daß eine Anpassung der "Beamtengebähter an die veränderte Wirtschaftslage seit langem eine dringende Rckwendigkeit war. wird von ferner Seite ernsthaft bestritten. Volk und Staat wür­den sich selbst am schwersten treffen, wollten sie ihre "Beamten, die Diener des Br-ttsganzen, nicht gerecht entlohnen. So herrschen auch über das A'.ismaß der Gehaltserhöhung, wie es ter Reichsfinanzminister in Vorschlag gebracht hat. wohl kaum wesentliche Meinungsverschiedenherten. Die offene Frage ist nur die, woher dte Mittel nehmen bei einer aufs äußerste angespannten Finanzlage, tote toir sie unter ber Last des Dawes Plans von Jahr zu Jahr stärker spüren. Das "Reich erklärt, die Mehr­ausgaben aus ter Desoldungsreform aus vor­handenen Mitteln decken zu können, seit­dem die 2Irbeit5tofemmterftüi)ung durch die neue Versicherung abgelöst ist. Aber Länder und Gemeinden wollen keine finanzieren Reserven zur Verfügung haben, um auch ihre Beamten, und das ist die Mehrzahl unseresBeamten- körpers, in den Genuß ter gleichen Erhöhungen

Der Kampf um die Auslandanleihen.

Das ReichSkabinett Hal sich am Freitag in Gegenwart des ReichSbankprä'ltenten über .wirt­schaftliche Fragen" unterhalten, und es liegt auf der Hand, daß dabei nicht nur HantelSvertra-S- Probleme unb dergl. erörtert worden lind, die durch den Abschluß des deuttch-südslawischen Han­delsvertrages und bie schwebenden Wirtschafts­verhandlungen mit der Tschechoslowakei eine ge­wisse Aktualttät haben. Die Teilnahme Dr. Schachts deutet vielmehr daraus hin, daß auch die A n l e i h e p o l i t i k zur Diskussion gestellt worden ist.

Man weih fett geraumer Seit, bah in dieser Frage erhebliche Mrinungsverichietenheiten zwi­schen der Reichsbank und dem RllchSw rtschaftS- minifterium, aber auch dem Reichssinanzmtnisle- tium bestehen. Die Politik der Reichsbank in der bekannten Beratungsstelle für Aus­landanleihen ging von allem Anfang an dahin, eine Verschuldung der öffent­lichen Hand Reich. Staat oder Gemein­den an da- Ausland möglichst zu ver­hindern. und cs sprach zunächst auch mancher­lei für die Auffassung Dr. Schachts. Als der Inflationssegen aufhörte, durch den namentlich die Kommunen vielfach in die Lage versetzt wor­den waren. Anlagen zu schaffen, die nicht un­mittelbar produktiven Zwecken dienten, tonnten sich die deutschen Städte nur schwer daran ge­wöhnen. dah ihnen für solche Zwecke keine Mitte» zur Verfügung standen. Zu denken ist dabei vor allem an Parkanlagen, Sport- und Spielplätze, Krankenhäuser usw. Ihrem Bestreben sich hierfür die erforderlichen Mittel aus dem Ausland zu verfchaften, mutzte unbedingt ein Riegel vorgeschoben werten, namenttich solange daraus eine Gefahr für die Währung resultieren formte.

Inzwischen haben sich die Dinge aber doch nicht unerheblich gewandelt. Man bat einsehen gelernt, daß die Aufnahme von Schulden im Ausland mir dann zu rechtfertigen ist, wenn sie unmittelbar der Produktion zu­geführt werten. Die Städte wurden so ganz von felbst bar auf verwiegen, datz *lc yar für ihre ElektrizitätS-, Gas- oder Wasserwerke, für Meliorationszwecke u. bgl. Auslandkredite her­einnehmen könnten, daß es aber nicht angeht, mit AuSlandgeltem sozialen Ausgaben nack- zukonnnen, die. wenn überhaupt, doch nur seyr indirekt der Produktton im volkswirtschaftlichen Sinne bienen. Aber auch jetzt wendet sich ter Reichsbankpräsident immer noch gegen die Aus­legung von staatlichen ober kommunalen Aus- landanleihen mit der Motivierung, daß pro­duktiv eigentlich nur die Mittel an gewendet seien, die unmittelbar ber Devisenbeschaf­fung. mit anderen Worten also ter Deport - förberung dienten.

Diese Auffassung scheint uns volkswirtschaft­lich unhaltbar. Wäre man ihr m den letzten Jahren restlos gefolgt, dann wäre eS den Län­dern und Gemeinten fo ziemlich unmöglich ge­wesen. den Rationalisierung-Prozeß in ihren wirt­schaftlichen Betrieben durchzuführen, ter not­wendig war. um sie wieder rentabel zu gestalten. Die weitere Konsequenz wäre die gewesen, dah ber deutschen Wirtschaft, in erster Linie ter Industrie eine ganze Anzahl Aufträge nicht hätte zufliehen können, die wesentlich mit baau bei­trugen, bie Wirtschaft wieder .anzukurbeln" unb

ihr die Bildung von Sigenkapital zu «nnög- lichen.

»Ls ist ganz unzweifelhaft, daß die Aus­land gelber der deutschen Länder und Gemeinden wesentlich mit dazu bei­getragen haben, die Wirtschaftskrise des Jahres 1925 zu überwinden unb die gegenwärtige Kon­junktur zu ermöglichen, die bem allergrößten Teil ber deutschen Industrie wieder eine leid­liche Rentabilität sicherte und bie Durchführung von "Betriebsrationalilierungen zulietz. die not­wendig wurden, um die deutsche Wirtschaft auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähig zu machen. Wenn wir heute wieder einigermaßen exportfähig finb, bann ist daS zu clnem_ nicht unerheblichen Teile sicher darauf zurückzu'ühren. daß ber Industrie auS den Aualanbqeldem ter öffentlichen Hand beträchtliche Mittel zuflolsen Wir haben also von Deuttchalnb auS unseres Erachten- keine Ursache, uns gegen AuSland- anleihen zu wehren, die ber Stärkung de S inneren Marktes und ter Bildung von Eigenkapital dienen Denn gewiß spielen auch hierbei reparation-politische Gesichtspunkte eine Rollos Eie zum Ausdruck zu bringen und zu vertreten ist aber nach unserer Meinung nicht Sache des Reichsbankpräsidenten, sondern des Reparativnsagenten als deS Treuhän- ters unserer Reparationsgläubiger. ES scheint ja auch, daß Parker Gilbert mit einigem Erfolg sich bemüht hat, in England und Frankreich, vor allem ater in den Bereinigten Staaten eine Stimmung zu erzeugen, die ter Auslegung deut­scher Anlethen im Ausland hockst ungünsttg ist. wie daS ter Fehlschlag der Prcußenanleihe beweist. Es wird auch berichtet, bah Poincare im ftanzösischen Ministerrat vor einiger Zeit auf die .Gefahr ter deutschen Au-landv.rschul- dung" für den ReparattonSplan hingewiesen habe, wobei er freilich übersieht, daß bie Heber» tragung von erheblichen Barl um men gerate an Frankreich Im letzten Jahr nur durch bte deutsche AuSlandverschuldung ermöglicht wurde. Wenn man in Pari-, London ober Washington diese .Gefahr" sieht, bann erkennt man damit nach unserer Auffassung Inbtreft bereit» bie Bottoen- digkeit einer Revis Ion des DawesplanS an. für die ter Kapitalbedarf des deutschen Marktes ter allerbeste Beleg ist.

DerSeschluhdesReichskabinetts.

Berlin, 7.Ott. (IDB.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand heule nachmittag in der Reichskanzlei eine eingehende Aussprache des Reickskabinetts unter Beteiligung des Reichsbankpräsidenten und des Gene­raldirektors der Deutschen Reichs- bahngefellfchast über die Frage der Aus- landanlclhen ffalt Bei dieser Aussprache wurde eine völlige Einmütigkeil darüber erzielt, dah für Deutschland auch In der nächsten Zukunft die Ausnahme langfristiger Aus­landanleihen nicht entbehrt werden könne und wirtschaftlich und finanzpolitisch durch­aus berechtigt sei. Ferner herrschte darüber Uebcreinftimmang. daß jede, unter Berücksichtigung der heutigen Gcsanitlige nicht dringliche oder unwirtschaftliche Ausgabe in Deutsch­land. fei es aus AuLlandanleihen oder aus anderen Quellen, unbedingt zu vermeiden fei. Um diese Gesichtspunkte in die Wirklichkeit zu über­

tragen, wurde eine Ausgestaltung der Be­ratungstelle für Auslandanleihen ins Auge gefaßt. 6s soll Insbesondere bie Mög­lichkeit geschaffen werden. Bedenken, die der Untragc'beratung austauchen, durch erneute Prü­fung Rechnung zu tragen. Hierüber wird unter Mitwirkung der Reichsbank mit den Ländern, die auch seinerzeit mit der Reichsregierung die Richt­linien der Beratungsstelle vereinbart haben, als­bald Fühlung genommen werden.

Das an ter gestrigen Berliner Börse kol­portierte Gerücht über einen schweren Konflikt zwischen tem Retchswirischaft-minister Dr Gur- tiuS unb tem ReichSbankpräsitenten Dr Schacht in ter Frage ter Anlethepvlitik ist unuitr?ffenb. SS bestehen selbstverständlich in dieser Frage divergierende Ansichten, die sich allein schon auS der Stellung der beiten Genannten ergeben. Die heutige KabinettSfitzung sollte vor allem dazu dienen, einen mittleren Weg au finten. Herr Dr. Schacht hat auf feiner Forderung, daß AuSland.inftnten nur mit Einstimmigkrit von der "Beratungsstelle genehmigt werten dürfen, zwar nicht bestanden, hak jedoch eine schärfere Prüfung der Rotwendigkeit und ter Produktivität von Auslandanleihen ver­langt.

Die Meinung der Berliner Presse.

Berlin, 8. Oft. (LU.) Sin großer Xeil ter Morgenblätter nimmt zur Entscheidung des ReichslabinettS über die Ausländsanleihen aus­führlich Stellung. Die ..Germania" begrüßt den Beschluß, daß fremdes Kapital für dring­liche und wirtschaftliche Ausgaben nicht zu ent­behren sei. well es ein Gebot ter wirtschaft­lichen Vernunft fei. Die .Lägl. Rund­schau" f<breibt, ter Kabinettsbeschluh scheine die Gewähr dafür zu bieten, daß die Sntetciien der Wirtschaft nicht zu kurz kämen, während aus der entern Seite in Zukunft mehr als bisher dasür flc'orgt werte, dah AuSlandSkapttal nur ,ju sol­chen Zwecken In Anspruch Genommen werte, die auch wirklich produktiven Zwecken die­nern AlS besonders wertvoll könne man es betrachten, daß übet diesen Grundsatz und übet seine praktische Anwendung volle lieber« elnftimmunfl zwischen Rerchskabinett - und ReichSbankpräsitenten bestehe. DieBör- 'enzeitung" meint, es verdiene besondere Beachtung, daß die Unentbehrlichkeit langfristiger Auslandanleihen für die nächste Zukunft ausdrück­lich betont werde, so daß man, da es sich ja bei den fi.flrigen Beratungen ausschließlich um öffent­liche Anleihen gehandelt habe, diesen Standpunkt auch als Ansicht des Reichsbankpräsidcnten anzu- sehen habe. Als bemerkenswert steift dieVoss.

" sest, daß aus dem Communiguö der Reichs- regierung hervorzugehen scheine, daß die bisher bis zur Spitzfindigkeit getriebene Untersuchung des Pro­blems der Deoisenbeschaffung jetzt in den Hintergrund treten solle. Dadurch würde auch ver- mieden werden, daß durch dos Hinaustragen von Einzelheiten aus bem hinter verschlossenen Türen gepflogenen Verhandlungen der Beratungsstelle Ge­rüchte über Schwierigkeiten ber deutschen Währung und die Gefahr einer neuen Inslotionsäro hervor- gerufen würden.

zu setzen, tote sie den Reichsbeamten augeftanten werten sollen. Das Reck erklärt, das höhere Aufkommen aus ter Einkommen- unb Körper­schaftssteuer werte in Zukunft die Ileberwei- fimgcn an die Länder günstiger gestalten. Die Länder wollen sich mit diesem Wechsel auf die Zukunft nicht zufrieden geben, mit Hypothesen können sie ihre Beamten nicht zahlen, sie ver­langen ReichSunterstützung. Abänderung des eben erst nach harten Kämpfen wenigstens provisorisch feft gelegt en Finanzausgleichs. Veite, Länder und Gemeinden, drohen mit Er­höhung der Realsteuern, deren Abbau gerate jetzt ein weseittliches Ziel des vom ReichS- finanzminister vorgelegten Steuervevernheit- lichungsgesetzes ist.

Es ist dann das nicht neue Thema der Ver­waltungsreform angeschninen worden und das Reich hat mit Recht erklärt, dah geeignete durchgreifende Maßnahmen auf diesem Gebiete grate in den Verwaltungen ter Länder, aber auch ter Gemeinten Ersparungen bringen wür­den. die zur Durchführung ter "Beföltengdreform wenn nicht aus reich'.en, so doch m*r entlieh bei­tragen könnten. Hieran ist zw. f elloS außer­ordentlich viel Wahres, wenn auch manches auf Kosten unseres übermäßig komplizierten Staats­baues mit seinem "Nebeneinander von Reich und Gliedstaaten, zu setzen ist, von denen jedes für eine ganze Reihe von gleichen Aufgaben einen eigenen Bcamtenapparai unterhält. Aber dies Bebeneinanterregieren, das dazu führt, dah wir in Deutfchlartd z. B. etwa SD Minister haben, während sich England mit 21. Frankreich gar mit 13 begnügt, ist nur durch eine Verfas­sungsreform von Grund auf zu besei­tigen. Es ist erfreulich, dah auf ter Länderkonfe­renz, von ter toir vorhin sprachen, man sich endlich einmal nicht gescheut har, auch diesen Ge­danken in die Debatte zu werfen. Angrbllch soll es von Preußen und Hessen geschehen fein. Wenn es auch lange Weile haben wird, bis man sich entschließ', das heihe Eisen ein:3 Staatsumbaues energisch anzupacken, so ist es doch schon zu

begrüben, dah die Erörterung darüber auch bei den amtlichen Stellen in Fluh gekommen ist.

Zweifellos haben nun jedoch die Länder­vertreter bei der Erwähnung die'es Problem- erst einmal an das Hemd gedacht, das ihnen näher sitzt, als ter Rock, konkret gesprochen an den Finanzausgleich, den sie zu ihren Gunsten geändert wissen wollen. Eie sind jedoch auf den entschiedenen Widerstand des ÄeichS- finanzministers gestoßen, der die einmüttce Unter­stützung des Retchskabinetts gefunden hat. wenn er geltend machte, dah Länder und Gemeinden ihre eigenen Beamten aus den ihnen zur Ver­fügung stehenden Mitteln zu besolden hätten und durch eine Ra 1 iona lisierung in der Verwaltung die Wittel einfparen mühten und auch könnten, die zur Unterhaltung eines den Verwaltungsauf gaben angemessenen Beamten­körpers erftirderlich seien. Denn das nun auch im allgemeinen leichter gesagt, als getan ist angesichts der unteftreitbaren Tatsache, daß so­wohl Ländern wie Gemeinden von einem bewil­ligungsfreudigen Reichstag fast alljährlich neue Aufgaben zudiktiert werden, ohne daß man ihnen unter sorgfältiger Schonung des ReichsfäckelS auch die Mittel Zxuu zur Verfügung stellt, fo ist auf der anderen Seite auch nicht zu bestreften, dah es nicht nur das als besonders rückständig verschriene Bayern ist. das unter einem auf­geblähten Verwaltungsapparat seufzt. Dir in Hessen können doch davon auch ein Lied fingen. ES wäre schon unendlich viel gewonnen, wenn endlich einmal mit dem Unfug radikal aufge­räumt würde, daß von den Rrichsministcrien an bis hinunter in die kleinsten Venvaltungsinstarr- 5en bei Länder- und Kommunalbehörten die Stellenbefthung statt nach den fachlichen Rot- wendigkeiten nach politifchen Gefichts- punkten erfolgt, und dah man mit tem Schaf­fen neuer Stellen fehr schnell bei ter Hand ist, wenn es gilt, bei der Aemterverteilung die Pari­tät unter den jeweils regierenden politi chen Parteien zu wahren und .verdientPartei­veteranen oder der neu ans Ruder kommenden

Regierungskoalition unliebsame Elemente anber» toeitig zu versorgen. Wer unter diesen Praktiken, von denen sich vorläufig noch keine Partei frri- fprechen konnte, am meisten leitet, ist daS Be­rufsbeamtentum, da- sich deshalb auch dagegen am entschiedensten zur Wehr fetzen sollte. Die rücksichtslose Entpolitisierung der Ver­waltung. namentlich in Ländern und Ge­meinden. würde von heilsamem Einftuh aufMde Staatsfinanzen sein, nicht zum Schaden teS Be- russbeamtentums und der grohen Ma'se her Steuerzahler. Aus tem Wege ter Selbsthilfe liegt auch die ost erhobene Fori>erung auf Ab­bau der Ausgaben, die namentlich der Staat, aber auch viele Kommunen in einer Zeit an sich gerissen haben, als die .Sozialisierung" noch aktuell war. Schließlich wäre eS zweifellos ein Weg zur Ersparnis, wenn einmal der Biel» regiererei von den oberen Zentralinstan­zen aus ein Dämpfer aufgesetzt würde. MaTvche .Spitzenbehörten" fristen seit langem davon ihr Dasein. Alle- in allem genug Arbeit für willens­kräftige Reformer, tem großen Werke einer Re­organisation unsere- Staatsbaus den Weg zu bereiten.

Der evangelische Bund über Konkordat und Schulgesetz.

Kür Erhaltung

her christlichen Lirnuitanschule.

Sifenach, 7. Oft (XU.) Die 31. General­versammlung des Evangelischen Buntes, die in diefen Tagen in ter Wartburg stattfindet, nahm nach einer Aussprache über das Konkordat folgende Entschließung an: Der Evangelische Bund betont nachdrücklich, dah auch er eine Rege­lung gewisser zwischen tem Staat und ter Kirche zu'enten Fragen für dringend erforder­lich hält. Er verlang:, dah bei dieser Regelung die Gleichberechtigung beider Kir­chen voll gewahrt wird. Er lehnt jednck m»