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Nr. 210 Zweites Blatt

Das Ergebnis des Konzils von Lausanne.

Don Priv.-Doz. Lic. Justus Ferdinand Laun.

Das große Konzil der fast 100 Kirchen ist vor­über. Wie es mit einem gemeinsamen schlichten Gottesdienst in der Kathedrale begann, so hat es auch mit einem solchen sein feierliches Ende ge­funden. Man horte da einen französisch sprechen- den Schweizer Pfarrer, einen amerikanischen Bischof der Anglikaner, den deutschen Bischof der Brüdergcmeine und den feurigen Prediger von St. Etienne, alle einrnütig über dasselbe Thema predigen:Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit!"

War ein neues Pfingsten angebrochen, daß man in verschiedenen -Zungen die großen Taten Gottes verkündigen hörte? Es wäre zuvrel ge­sagt und entspräche nicht der bescheidenen Ge­samthaltung der Konferenz, wollte man diese Frage bejahen. Gewiß, man hat deutlich immer wieder gespürt, daß ein Geist der Liebe und Brüderlichkeit, ein Glaube und eine Taufe, eben­so wie ein Herr und Meister die Christen aller Kirchen verbindet und manchem mag es ge­gangen sein wie mir, daß er gefühlt hat, daß in diese tiefste Gemeinschaft auch unsere römisch- katholischen Brüder mit hinein gehören. Es waren ja auch zwei römische Geistliche da, die einen tiefen Eindruck in persönlicher Aussprache be­kundet haben und darüber dem Papst berichten wollen, ebenso wie die römisch-katholische Tages­zeitungBaterland" (Luzern) die Konferenz sehr sympathisch besprochen hat. Es ist also ein großes Erlebnis der innersten Einheit der Christenheit das unbestreitbare Ergebnis des Lausanner Weltkonzils.

Aber von einem neuen Pfingsten zu sprechen, finZ) wir nicht berechtigt. Dazu war die Arbeit, die ein den vielen anstrengenden Sitzungen ge­leistet wurde, zu nüchtern und sachlich. Manchen war es zu theologisch. Dielleicht mag das die Einigung erschwert haben. Aber der Weg von Lausanne unterscheidet sich ja gerade dadurch omi dem von Stockholm, daß er die Einigung durch sachliche theologische Aussprache erreichen will. Lind die Konferenz hat wieder die Rot- wendigkeit der Theologie ganz deutlich gemacht. Geraks weil die Einheit im religiösen Erleben bei allen vorhandenen starken Unterschieden wiederholt deutlich fühlbar wurde, mußte man darnach ringen, dem einen gedanklich möglichst klaren und adaquaten Ausdruck zu verleihen. Wie will man denn sonst darüber predigen, wenn man das Erlebte nicht in Worte umzusehen weiß? Wie will man dem Ansturm fremder Gedankengänge standhaften, wenn man nicht in systematischer Gedankenarbeit klare Waffen des Geistes geschmiedet hat?

Aus diesem Grunde war der durch die ganze Konferenz hindurchgehende Versuch, zu 'gewissen Formulierungen zu kommen, durchaus an­gebracht. Aber er zeigte auch wieder einmal ganz deutlich nicht nur, daß über Formeln sehr schwer eine Einigvrng zu erzielen ist, sondern auch, daß da, wo bereits eine erlebnismätzige Einheit vorhanden ist, die Meinungen darüber ausein­andergehen, in welchen Formeln dieser Tatbe­stand zu beschreiben ist. Das zeigte sich z. D. ganz deutlich bei der Kundgebung, die Prof. Deihmann, Berlin, über die Botschaft der Kirche an die Welt: das Evangelium entworfen hatte. Die erstaunliche Llebereinftimmung, die ca. 70 Redner gezeigt hatten, war nicht auf eine alle befriedigende Formel zu bringen, und obwohl der Entwurf zuerst begeisterte Aufnahme fand, entstanden dock) umsomehr Differenzen,^ je mehr man darüber diskutierte. Vielleicht wäre dieses kritische Stadium jedoch überwunden worden, wenn man genügend -Zeit gehabt hätte. Aber die Tatsache, daß jede der sechs Sektionen, in die sich die Konferenz zu eingehender Besprechung der Themen geteilt hatte, einen ebensolchen Entwurf vorlegte, führte bei der kurzen -Zeit, die dafür zur Verfügung stand, zu dem Versuch, allzu rasch zu Formulierungen zu kommen, noch man sich über den Grad der Einigkeit wirklich klar geworden war. Da solche allzu früh ge­pflückten Früchte nicht zuträglich gewesen wären und damit das ganze Einigungswerk schwer ge­schädigt hätten, war es weise, daß man sich ent­schloß, die Entwürfe der Sektionen noch nicht

Der Uiiferftreich von Oppenheim

Von Alfred Richard Meyer.

Das ist kein Schwabenstreich schon weil die alte Reichsstadt Oppenheim, durch Kaiser Fried­rich II. von Hohenstaufen im Jahre 1225 durch Verleihung des Stadtrechts und der Einrichtung der ersten deutschen Grohhandelsmesse geehrt, im Rheinhessischen zwischen Worms und Mainz liegt und auch keiner von denen, die man den Einwoh­nern von Schilda, Schöppenstedt, Buxtehude, Kräh­winkel, Tripstrill, Kalau nach ;sagt. Der Streich von Oppenheim ist noch heute recht wundervoll ge­klatscht und gar nicht schmerzhaft zu hören und zu bewundern. Er ist ein mittelalterlicher zünftiger Brauch, von der Innung der Küfer traditionsehrend übernommen und bei größeren Festlichkeiten eine frohe Festlichkeit für sich.

Wenn der von Kaiser Rudolf II. zum Dichter gekrönte württembergische Gelehrte und Dichter Nikodemus Frischlin Ende des 16. Jahrhunderts von den rheinischen Küfern sagt:Der Küfer geht nur mit Weingefäßen um, weiß dabei mit dem Wein umzugehen und dienet in großen Kellereien, trägt ein Besteck am Gürtel mit etlichen Band- und Kufenmessern, welche den Küblern und ge­meinsamen Faßbindern nicht erlaubt sind", und wenn der Professor und Sprachforscher Johann Christoph Adelung zwei Jahrhunderte später von den Küfern gleicherweise feststellt:In Wein­kellern, Weinhäusern warten sie zugleich den Gästen auf" so habe ich in Oppenheim die Richtigkeit beider Chronisten noch heute nur be­stätigt erfahren können.

Mit blauem Kittel, Mütze, Küferschürze, gelb mit dem trutzigen Wappenadler der Stadt darauf, empfängt uns die Innung der Küfer, nachdem wir den Besuch der Hessischen Lehr- und Versuchs­anstalt für Wein- und Obstbau und die Besichu- gung der St. Katharinenkirche, neben Kölner Dom und Straßburger Münster dem schönsten gotischen Baudenkmal am Rhein, hinter uns haben. Was sind das für knorrige Gestalten, die man wahrlich ganz ungotisch nennen muß! Das sind Leute von alt­deutscher Grenze zwischen Wormsgau und Nahe­gau, zwischen Alemannen und Franken. Und was

Gießener Anzeiger (Seireral-AnzLiger für Gbertzesie'.y

als Kundgebungen in die Welt hinaus zu senden, sondern sie den Kirchen als Material zu weite­rer Verständigungsarbeit vorzulegen.

Dennoch hätte sich vielleicht über die gc- nannte Botschaft Deißmanns sowie über die- dcrbloms über das ThemaDie Einheit der Kirche und das Verhältnis der bestehenden Kir­chen zu ihr" eine Einigung erzielen lassen, wenn hier nicht die kirchenpolitischen Verhält­nisse hereingespielt hätten.

Man darf nie vergessen, daß infolge der Ent­stehung der Einigungsbewegung in verschiedenen Ländern und Kirchen aus verschiedenen Impulsen heraus drei Gruppen vorhanden waren, die von verschiedenen Voraussetzungen aus an die Sache herongingen: Die Anglikaner waren vor al­lem durch die Rotwendigleit einer Lieberwindung der unglaublichen kirchlichen Zersplitterung in Amerika für eine rasche, praktische Einigung auf gewisse Grundsätze, wofür sie die ihres in der Mitte zwischen dem alten Katholizismus und dem Protestantismus stehenden Kirchentums für am geeignetsten hielten (nämlich das sogenaimte Lam­beth-Viereck: Bischofsamt mit apostolischer Suk­zession, alttirchlichcs Glaubensbekenntnis, die zwei biblichen Sakramente und Vaterunser). Sie kamen darum im PunkteEvangelium" den Pro- Icftanien und im PunkteKircheneinigung", be­sonders in dem praktischen Christentum der Liebe, den Orthodoxen weitgehend entgegen!). Die Or­thodoxen (die Vertreter der Ostkirchen) waren ihrerseits gerne dem Ruf zur Mitarbeit in Faith and Order" gefolgt, aber es zeigte sich doch nur zu deutlich, daß sie eine Einigung der Kirchen auf diesem Wege nur bei völliger Rück­kehr der abendländischen Kirchen zur alten Ortho­doxie, d. h. prakttsch bei Aufgabe aller Errungen­schaften der Reformation für möglich halten kön­nen, weshalb ihre Hoffnung bei der Stockholmer Bewegung ruht, die sie einst mit hervorriefen. Alle Zugeständnisse der Anglikaner konnten sie daher nicht zur Aufgabe ihrer sieben Sakramente bewegen. Me Protestanten endlich waren infolge der Ohnmacht der zersplitterten Kirche gegenüber der furchtbaren sozialen Rot ihrerseits auch im wesentlichen auf den Weg von Stockholm geführt worden und können nach wie vor die Lausanner Arbeit nur als notwendige Ver­tiefung der Einigung in praktischem Christentum ansehen.

Es war darum vor allem dem Einspruch der beiden letzten Gruppen zuzuschreiben, daß jene weise Zurückhaltung hinsichtlich formulierter Kundgebungen beschlossen wurde. Das aber hat es den Anglikanern ihrerseits unmöglich gemacht, etwaigen Kundgebungen auf den beiden genann­ten Gebieten, welche den beiden anderen Grup­pen so wesentlich, ihnen aber durchaus unwesent­lich erschienen, zuzustimmen. Sie konnten erst recht nicht dulden, daß die mächtige, aber etwas ge­waltsame Persönlichkeit Södettöloms ihreFaith and Order"-Bewegung mehr oder weniger offen- sichtlich an den Wagen seinerGife and Wvrk"- Bewegung spannen wollte ein Versuch, der übrigens im wesentlichen der deutschen Auffas­sung entspricht. Deshalb hat eine Gruppe von Anglikanern noch am letzten Tag einen Beschluß über die nähere Bestimmung der zukünftigen ©inigungSarbeit, vor allem hinsichtlich der Zu­sammenarbeit vonFaith and Order" mitLife anb Work" verhindert.

War dies sehr bedauerlich und am Schluß auch etwas deprimierend, so hieß es den Sinn der ganzen Qadye vollkommen verkennen und die wirklich geleistete Arbeit aus ©rünben einer vor­übergehenden Stimmung vergessen, wollte man deshalb der Konferenz ein negaHves Ergebnis zuschreiben. Denn es bleibt unanfechtbar als ganz reales Ergebnis das schon betonte Erlebnis wirk­licher Einmütigkeit im Geiste. Auch ist durch all diese Kämpfe in keiner Weise, selbst nicht durch die gefährlichen kirchenpolitischen der letzten Tage, die Brüderlichkeit der Gesinnung zerstört worden. Damit aber ist gegenüber der furchtbaren Ver­gangenheit der Kirchengeschichte, die Goethe eine Mischung aus Irrtum und Gewalt genannt hat, ein ganz wesentlicher Fortschritt erzielt worden. Cs haben Vertteter all der Kirchen, die sich jahrhundertelang aufs erbittertste bekämpfen, und die wiederholt gefallenen freundlichen Be­merkungen über die römische Kirche zeigen, daß auch diese davon imgrunde nicht ausgeschlossen ist einander in brüderlichem Geiste die Hand

haben sie für große kräftige Hände! Deren Be­deutsamkeit wir gleich ausführlichst kennenlernen sollen gottlob nicht körperlich! So daß wir nicht mit FischartsFlohhatz" zu rufen brauchen:

Der Kopf ist mir voll Beulen, Schrunden, Als het in mir ain Kifer gbunden."

Zuerst haben sie sich mit einer weit gelinderen und uns entschieden angenehmeren Beschäftigung abzufinden: uns beim Essen die Gläser immer wie­der mit Oppenheimer Weinen zu füllen. Ob es nun einReisekahr" ist oder einSackträger" oder ein Daubhaus" oder eineKugel", wie diese Edel­weine sich so sinnfällig nennen in nassen weißen Servietten tragen sic die kühlen Flaschen, damit diese ja nicht durch das sehr warmlebendige Blut so einer Küferfaust nach oben hin auftemperiert werden. Und erst nachdem sie diese schöne Pflicht mustergültig erfüllt haben, stellen sie sich im Halb­bogen zum mittelalterlichen Sing- und Fragespiel auf, das derStreich" oder auch wohl derSchlag" genannt wird.

Mit zehn Streichen hat es zu beginnen so will es der Meister. Und so hebt Denn der Sang an:

Lustig sind wir Handwerksleut, Ja Handwerksleut, Lustig sind wir Küfer.

Sollen wir nicht lustig fein. Ja luftig fein. Wir trinken stets vom besten Wein." (Selbst wenn es sichnur" um sog.Schnorrs- wein" handeln sollte, wie die pfälzischen Küfer bei Weinproben den Wein nennen, an dem man nur ge­nippt hat, in den eigentlich nur der Schnurrbart hineingekommen ist, und der dann in ein besonderes Gefäß, die verschiedenen Edelsorten lieblich gemischt, getan wird und sehr begehrt ist.)

Wer trinkt vom besten Wein?", fragt die rauhe Stimme des Meisters sehr erstaunt und erhält die schallende Antwort:Die Küfer!" Wieder fragt er: Wo sind die Küfer?" Ein donnerndesHier!" tut ihm Bescheid.Nun so laßt euch hören auf zehn Streiche!" ergeht dünn die Aufforderung. Und wie wird ihr nachgekommen!

Das sind schon keine Streiche mehr, das ist ein entfesseltes Trommelfeuer von Händen daß der Saal nicht nur erbebt, nein, daß sich schier die Decke

gereicht, sich ausgesprochen und zu verstehen gesucht. Daß dabei mancherlei Menschlich­keiten vorkamen, ist begreiflich: entscheidend ist, daß nichts dergleichen die Harmonie zerstört hat. Mit herzlichem Händedruck hat man von einander Abschied genommen und beschlossen, weiter zusammen zu arbeiten. Sollte damit den mancherlei politischen Konferenzen kein gutes Bei­spiel gegeben worden sein? Wir hoffen es.

64. Deutscher Genossenfchaftstag

Lieber dieG e l d wi r t s ch a s t der Warengenvssenschaften" sprach am Dienstag vormittag zunächst Derbandsdirektor König- Berlin von der Edeka. Er empfahl den Warengcnossenschaften dringend die Stärkung des Eigenvermögens durch ausreichende Geschäfts­anteile und Einzahlung durch die Mitglieder bis zur Erfüllung, und warnte vor einer Lieber-ül- lung der Läger. Der bei den Einkaufsgenossen­schaften der Kolonialwarenhändler beobachtete Grundsatz, das Warenlager nach Möglichkeit mit eigenem Vermögen zu finanzieren und mindestens zwölfmal im Jahre umzuschlagen, habe sich sehr gut bewährt. Er warnte ferner vor einer über­mäßigen Inanspruchnahme von Warenlredit. Der der Aufnahme fremder Gelder sei möglichste Vor­sicht und Zurückhaltung am Platze, vor allen Dingen dürften kurzfristige Gelder niemals für langfristige Zwecke Verwendung finden. Bei der Behandlung der Frage der Aufnahme fremder Gelder aus ben Kreisen der Mitglieder erör­terte der Referent die Möglichkeiten und Bedin­gungen der Finanzierung durch die Dividenden­guthaben, die bei bestehender Mitgliedschaft in der Regel nicht, bei beendigter Mitgliedschaft frühestens nach Ablauf einer zweijährigen Sperr­frist ausgezahlt werden follten, um die Waren­genvssenschaften vor finanziellen Erschütterungen bei einer evtl, verstärkten Austrittsbewegung zu schützen.

Sodann folgte noch ein Vortrag von Dr. Lang überKartell- und Waren- genvssenschaften". Damit fanden die Ver­handlungen der Warengen vfsenschaften ihr Ende.

Rachmittags traten die Baugenossen­schaften zur Verhandlung zusammen. Ver- bandsdirektvr Schumann - Allenstein erörterte das ThemaDaugeld und Realkredit". Don Wichtigkeit sei vor allem die Beantwortung der Fragen: Ist Bedarf an Wohnungen vor­handen? Ist die Rentabilität des Reubaues für absehbare Zeit gewährleistet? Ist die Finan­zierung restlos möglich? Die erste Frage dürfte für noch lange Zeit unbedingt zu bejahen sein. Die zweite Frage könne man nicht mit solcher Bestimmtheit beantworten. Redner ist der An­sicht, für jeden geplanten Reubau eine den Ver­hältnissen entsprechende Rentabilitätsrechnung aufzustellen und dabei starke Tilgung und Ab­schreibung zu berücksichtigen. Lieber die Finan­zierung selbst etwas zu sagen, sei heute sehr schwer. Bauprogramme und Wohnungspläne seien reichhaltig aufgestellt und erwogen, aber alles hänge stets von der Verfassung des Geld- und Kapitalmarktes ab. Auch mit den Mitteln aus der öffentlichen Hand allein sei es nicht ge­tan. Gegenwärttg seien es andere Wirtschafts­zweige, namentlich die Industrie, die den Ka­pitalmarkt stark in Anspruch nehmen. Hier mühte erst ein Llmschwung eintreten; denn eine Kon­junktur auf allen Gebieten zu gleicher Zeit hin­dere auch die Erledigung der so wichtigen Bau- frage. Wenn wieder der geeignete Zeitpunkt gekommen sein werde, dann: Genossenschaften in der Bauwirtschaft voran!

Als letzter Redner sprach Prof. Sievert- Zeih überD ersicherung und Bau­genossenschaft". Er führte aus, daß für den Kleinwohnungsbau und die Bekämpfung der Wohnungsnot die Finanzierung die Hauptfrage sei. Die Jnflatton habe alles vernichtet, und erst seit drei Jahren fei die Bildung von neuem Sparkapital möglich. Lim aber den Wohnungs­bau mit den jährlichen Ersparnissen wieder zu finanzieren, reiche der LImfang der Spartättg- keit noch nicht aus. Hier mühten andere Quel­len erschlossen werden, die auch in den Hypo- tijetenbanten, den sozialen Versicherungsanstalten, Lebensversicherungen usw. vorhanden seien. Trotz­dem versuchten die deutschen Baugenossenschaften,

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hebt. Gesegnet der glückliche Bühnenschriftsteller, der je bei einer seiner Premieren über eine solche Claque verfügte! Er könnte sich einen vollen Erfolg an- und einstreichen". Da würde sich überhaupt keine Opposition ins Feld wagen. Denn gegen dieses Streichen, gegen diese Handschläge, gegen dieses ach so rhychmisch exakteste Klatschen käme ein­fach nichts auf. Das ist wie das größte Schlagzeug der Welt in einer Jazzband. Und das große Schlag­zeug dieser Hände klappt Synkopen, obgleich es ganz bestimmt keine Ahnung davon hat, was so eine Snnkope ist. Nicht alle Hände klappen Syn­kopen, sondern nur ganz bestimmte, und so wunder­voll sicher, auf den hundertsten Teil einer Sekunde genau. Paul Bernhard in seinem minutiösen Jazz-Buch hätte diesen Satz auch bezüglich des Küferstreichs von Oppenheim geschrieben haben können:Es wird der Akzent von dem natürlicher­weise unbetonten Taktteil vorweggenommen, wäh­rend das rhythmische Gewissen ideell doch den Ak­zent auf den eigentlich zu betonenden Taktteil ver­legt: aus diesem Konflikt zwischen rhythmischem Symmetriegesühl und künstlerischer Verschiebung er­wächst ein besonderer Reiz" den die Küfer sich auch im Blute fühlen, den sie aber nicht annähernd so theoretisch fein wie Paul Bernhard erklären könnten.

Auf den weiteren Gesang, der immer stolzer an- schwillt, fragt dann der Meister weiter:Wer macht das Faß aus Eichenholz?",Wer greift die Säg' mit frischem Mut?",Wer reißt die Gargel herz­haft hinein?",Wer tut den Zirkel stellen?",Wer schlägt den Küferstreich?",Wer soll den Meister holen?" (worauf sich schüchtern der Lehrling mel­det und oortritt),Wer stellt den Stütz voll neben dran?" weitere sieben Strophen hindurch; und jedesmal wechseln fünfzehn Streiche mit sieben, mit zwei, mit vierzehn, mit sechs, mit achtzehn, mit drei Streichen ab daß es wirklich so seine Art hat, daß es wie die dumpfe Trommel des Taganjika dröhnt, daß Holz-tom-tom aus Indien,1 Schnarre und Kastagnette und Xylophon unsichtbar in all diesen schlagenden Händen sind und somodern" anmuten.

Dann kommt die Schlußstrophe mit sage und schreibe dreiunddreißig Streichen:

Donnerstag, 8. September 1927

die Hauptträger der Reubautätigkeit, ihre eigenen Mittel, Geschäftsanteile und auch die Spar­einlagen, für ihre Betätigung zu benutzen. Sie hätten in ihren Spareinrichtungen eigentlich schon immer das Zwecksparen betrieben. Die Ver­knüpfung des Wohnungsbaues mit einer Lebens­versicherung sei schon ein alter Gedanke, der auch außerhalb Deutschlands erfolgreich Fuß ge­faßt habe. Für den Abschluß solcher Verträge zwischen Taugenossenschast und Lebensversiche­rungsgesellschaft käme als Vertragsträger der in Frage kommende Verband und nicht die Cinzel- genossenschaft in Betracht. Es werde sich nicht umgehen lassen, eine Zwischenorganisation zu schaffen, die die vermittelnde Tätigkeit zwischen Lebensversicherungsgesellschaft, Baugenossenschaft und Kapitalbeschaffung übernimmt.

Bei den Verhandlungen der Dcrbands- r e v i s o r e n referierte Verbandsdirektor Dr. Baumann-Dresden über das ThemaEr­fahrungen und Forderungen im Re­vis i on s w e s en". Der Redner betonte u. a. die Rotwendigkeit einer Einhaltung des revi­dierten Münchener Bilaiczschemas in der Praxis, sowie die Rotwendigkeit einer praktischen Mit­arbeit und Llnterstühung des Revisors durch den Aufsichtsrat. Er berührte ferner die Frage der eingefrorenen Kredite und forderte strengste Be­aufsichtigung der Filialen bei Kreditgewährungen, verein der hessischen Pensionäre und Hinterbliebenen.

* Darmstadt, 6. Sept.

Heute nachmittag fand im Fürstensaal die Hauptversammlung des Vereins der Hessischen Pensionäre und Hinter­bliebenen statt. Der Tagung wohnten der erste Vorsitzende des ReichsverbanLes dieser Ver­einigung, RegierungLrat Stümpke aus Berlin, sowie Vertreter des süddeutschen Verbandes bei.

Dor Beginn der Verhandlungen wurde die Reuwahl des ersten Dorsihenden vorgenommen. Oberreallehrer Kahl war wegen seines leiden­den Zustandes gezwungen, die Posten des ersten Dorsitzenden des Landesvereins und des Darm­städter Ortsvereins niederzulegen. Gewählt wurde an seine Stelle einstimmig der zweite Dorsitzende Häuser. Oberreallehrer K a h t wurde für seine aufopfernde Tätigkeit herzlicher Dank gesagt, die Versammlung ernannte ihn einstimmig zum Ehren­vorsitzenden. Hierauf wurden Herr Finker- nagel zum zweiten Vorsitzenden und Ober­telegraphensekretär Herbert zum Beisitzer ge­wählt.

Der Vorsitzende Häuser bemerkte in einet län­geren Rede u. a., daß mit dieser Versammlung der Regierung und dem Landtag gezeigt werden solle, daß es so, wie bisher, nicht weitergehen könne. Der Redner unterstrich drei For­derungen: 1. Gleichstellung der Alt- mit den Reupensionären. 2. Für die LlnfaUpensionäre muß ausreichend gesorgt werden. 3. Für die Kriegerwitwen, deren Mann Beamter war, muß besonders gesorgt werden.

Degietungsrat Stümpke (Berlin) erklärte, daß einige der Forderungen der Pensionäre nicht in der zu erwartenden Desoldungsreform, sondern im Beamtenrecht geregelt würden, z. D. die Versorgung der Llnfallpensionäre. Der Redner erörterte dann Angelegenheiten der Desoldungs­reform und warf die Frage auf, ob das Lauf­bahnsystem oder das Gruppensystem vorzuziehen sei? Er stellte allem voran die Forderung, dah die Rechte der Pensionäre gewahrt werden müß­ten. Ferner zog er Vergleiche zwischen der Reichs- besoldrmgsresorm von 1909 mit der Reform von 1920; die letztere habe manche Verschlechterungen, darunter die Zurückstufung der Registratur- und Kanzleibeamten gebracht. Hoffentlich werde die neue Desoldungsreform das Anrecht befeiligen. Der Redner vertrat die Meinung, man solle im wesentlichen wieder z»> dem alten Desol- dungssystem von 1909 zurückkehren. Er forderte das automatische Mitgehen der Pensionen mit den Gehältern der aktiven Beamten, was bisher nicht durchgehend geschehen sei, denn man habe den Altruhestandsbeamten die Anrechnung des Dienstalters gestrichen. Die Ausführungsbestim­mungen zur Besoldungsordnung entsprächen viel­fach nicht dem Sinn des Gesetzes. Das Schlüsse- lungssystem fei abzulehnen. Durch die kommende

Frühmorgens, wenn der Tag anbricht. Da sind wir schon zum Trinken gericht, Trinken dann mit frischem Mut, Ja frischem Mut,

Dann wird auch der Abend gut.*

Und der Meister fragt mißtrauisch also:Wer trinkt mit frischem Mut?", um sogleich die Antwort: Die Küfer!" ins Gesicht geschmettert zu kriegen. Wo sind die Küfer?" Frage!Hier!" Damit er's endlich weiß!Nun, so laßt euch hören auf dreiund­dreißig Streiche!" Und es wird gestrichen drei­unddreißig Mal. Daß mein Trommelfell es ausge­halten hat, dem gegenüber die große Trommel einer Jazzband nur lyrisch-zart bearbeitet wird, kann ich heute noch nicht begreifen. Jedenfalls war's mir hernach, als ob ich selbst die große Trommel im Kopf hätte; und das Messingbecken darauf und die sog. Tiroler Glocke darüber und Tonschwinger, Jazz­besen und wie sonst noch all die anderen Höllen­instrumente so eines Schlagzeugmanns einer Neger­kapelle heißen mögen, tönten und dröhnten, gurrten und kicherten, meckerten und wisperten noch stunden­lang in mir nach. Und ich lasse es nicht gelten, wenn einer sagt: es wäre vielleicht gar der 1920er Oppenheimer Krötenbrunnen, Auslese, Wachstum der Hessischen Weinbaudomäne, gewesen, den man mir abends in Mainz zur Stärkung und Erholung zu trinken gab, und in dem zweifelsohne auch all die verschiedenen Instrumente teuflisch zur Schaf­fung der oenologischen Symphonie streich- und schlagfertig mittätig waren, die betitelt ist: Rhein­hessens Weine. Eine Kröte, geschweige denn ein noch viel scheußlicheres Tier fiel hier aus. Dem hätte sonst schon so ein kräftiger Küfer von Oppenheim den Garaus bereitet. Einer der letzten dreiunddreißig Schläge, mit ober ohne Synkope, hätte genügt. ,

Es lebe die Innung der wackeren Küfer von Oppenheim! Sie steht herrlich fest in der Gegenwart; sie erinnert sich aber auch stolz der herrschen und arbeitsamen Vergangenheit ihrer Zunft. Sie möge getrost weiter vom besten Wein trinfen selbst wenn esnur" der Oppenheimer eines kleinen Kranzwirtes" ist, auf jeden Fall aber als Traube erwuchs auf diesem herrlichen Boden von Kalk und Zyrenenmergel und erzogen nach Oppenheimer Artz d. h. niedrig an Pfählen und an Drähten.