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Rr. 56 Zweites Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Dienstag, 8. Mär; (627

Dem Andenken des Grafen Zeppelin.

gum 10. Todestag des großen Erfinders.

Von Professor Dr Walter König. Direktor dcS Phyfikalilchen Institut- der Uni* versität Gießen.

2US am 8. März 1917 die Kunde von ^eppettns Tobe die Welt durchsiog. da uxir es in ganz Deutschland nur e i n Schmerz, der alle erfüllte, der Schmerz, daß uir- dieser Mann, der un- mit seinem Merle ein unerreichtes Vorbild in der Kraft de- Vertrauen- und der Energie de- Durchhalten- gewesen war. gerade in der höchsten Vot unsere- Vaterlandes entrissen wurde, und al- sich am 7. Juli jenes IahreS die Giehenbr zu einer Gedächtnisfeier für den entschlafenen Helden in der grohen Aula der Universität ver­sammelten. da tonnte in der Gedächtnisrede. die die Entwickelung seines Lebens und seines Mer­kes bi- zur höchsten Höhe seiner Ersolge schil­derte. der Klage Ausdruck gegeben werden, dah ihm das Letzte und Allerhöchste. den Sieg der deutschen Massen zu erleben, nicht mehr ver­gönnt gewesen fei. Heute dürften wir wohl geneigt sein, da- Schicksal zu rühmen, da- ihn abberufen hat. ehe Deutschlands Midcrstands- krast zusammenbrach, und ihn als besonderen Liebling der Götter zu preisen, die ihm Ruhm und Erfolg in ungewöhnlichem Mähe zu erreichen gewährten und cs ihm ersparten, sich und fein Merk in den Sturz des Vaterlandes hinein- gerifsen und nicht bloß zur Untätigkeit ver­urteilt zu sehen, sondern unter der dauernden Drohung der völligen. Zerstörung seines Werke- weiterleben zu müssen. Seinen tapferen Mit­streitern in Friedrichshasen ist eS gelungen, dieses äußerste Verhängnis von Deutschland abzuwcn- den. sein Merk und mit ihm die Gestalt de­alten Grasen unserem Volke lebendig zu er­halten: und wenn wir heute, zehn Jahre nach seinem Tode, sein Gedächtnis feiern wollen, brauchen wir nicht bloh zu fragen:Mas war uns Zeppelin einmal?", sondern wir können auch fragen: .Mas ist er uns noch heute?"

Mas er uns war? die Aelteren unter uns. die noch den Leidensweg des Erfinders mit all seinen zahllosen Enttäuschungen unb Unglücks- fällen miterlebt haben, und die ihn dann doch schliehlich mit seinen Schiffen über Deutschlands Gauen haben Hinwegfliegen sehen, sie werden diesen wunderbaren Aufstieg noch deutlich vor sich sehen, wie der .verrückte Graf", der ver­lachte und verspottete Erfinder zum Liebling des ganzen deutschen Volkes wurde, verehrt und ge­feiert. wie es kaum jemals einem anderen Deut­schen man kann wohl sagen nicht einmal BiS- marck in gleichem Mähe zuteil geworden ist: denn keine parteipolitischen Schranken standen zwischen seinem Merke und dem Volke, für da- er es geschaffen hatte

Das Geheimnis dieses Erfolges lag letzten Endes in feiner Persönlichkeit. Man hat tchcrzend gesagt, er habe sich die Herzen deS deutschen Volles im Fluge erobert. Gewiß lag das Faszinierende seines Wirkens in dem Um­stande. dah c- sich um die Eroberung der Lust bandelte. und daß er diese- beiß umstrittene Problem in einer Meise löste, die die anderen, zu jener Zeit gleichfalls ins Leben tretenden Lösungen an Vrauchbarkeit und Sicherheit damals wenigstens bei weitem übertraf. Aber packender noch al- die Eigenart der Erfindung war die Eigenart des Erfinders, der dahinter stand ein alter, weißhaariger, schnauz­bärtiger General, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, Luftschiffe zu bauen, und der von der Rich­tigkeit seiner Rechnungen und der Aussührbar- feit seines Gedankens fo überzeugt war, daß sticht-, aber auch rein gar nichts, auch nicht die schlimmsten Mißerfolge und die übelsten Rackenschläge ihn von der Verfolgung seiner Idee abzubringen vermochten, und dabei ein Mann, der dies alles tat und seine Persönlichkeit und fein Vermögen dafür einseyte. nicht aus Ruhm­oder aus Gewinnsucht, sondern in selbstlosestem Idealismus und in reinster Vaterlandsliebe.

Sein Werk war gewiß ein Geschenk an die ganze Menschheit: aber es sollte in erster Linis dochl seinem deutschen Volke zugute kommen. Cs wäre ihm wohl ohne Zweifel mög­lich gewesen, in jenen Jahren des Kampfes, als es durchaus nicht gelingen wollte, die Mittel für die Fortführung feines Merkes in Deutsch­land aufzubringen, das Ausland dafür zu ge­winnen. Er hat es immer verschmäht, diesen Weg zu gehen, obwohl er doch schon ein Mann von 56 Jahren war, als er zum ersten Male mit feinen Plänen hervortrat, und obwohl er 14 Jahre lang, bis zu seinem 70. Lebensjahre, schwer zu kämpfen hatte, bis es ihm gelang, das deutsche Volk von der Richtigkeit und der Wich­tigkeit feiner Idee zu überzeugen

Um die ganze Gröhe dieser Leistung würdigen zu können, muh man sich die Schwierigkei­ten vergegenwärtigen, die zu übertoinben waren. Sie lagen einerseits in der Anfähigkeit der Men­schen. sich in die neuartigen, kühnen Ideen des Grafen hineinzufinden: die Sachverständigen, de­nen 1894 daS Projekt erstmalig zur Prüfung un­terbreitet wurde, lehnten es als unausführbar ab. Rur der Erfolg konnte die Ungläubigen be­lehren. Ader die Schwierigkeiten lagen anderer­seits auch in der Sache selbst, in der Reuheit und Ungewohntheit deS Hantierens mit einem Objekt von fo riesigen Ausmaßen. Die Technik des Ein- und Ausfahrens aus der Halle, des Aufsteigens und Landens, die ganze Ravigation dieser Riefenschiffe muhten doch erst am Ob­jekte selbst gelernt werden, und das kostete Lehr­geld, schweres Lehrgeld. Als mit Unterstützung des Vereins deutscher Ingenieure in der Bucht von Manzell eine schwimmende Halle erbaut und in dieser 1900 das erste Schiff entstanden war, fielen die ersten Fahrtverfuche. die im Juli und Oktober dieses Jahres unternommen wurden, fo kläglich gus. daß der Verein sein Vertrauen verlor und die weitere Unterstützung versagte. Das Unternehmen stockte: die Hilferufe, die der Graf mit Unterstützung von August Scherl in die Welt sandte, verhallten ungehört Schiff und Halle muhten abgebrochen werden. Und als es der Energie des Grafen schliehlich doch gelang, neue Gelder zu erhallen, durch eine Spende des Reichskanzlers und eine Lotterie.

die der König von Württemberg bewilligte, und als er damit und mit Aufwand eigener Mittel 1905 eine neue Halle am Ufer von Manzell und ein zweites Schiff erbaut hatte da mißglückte der Beweis der Leistungsfähigkeit des Schiffes abermal8 durch tückische Zufälle. Bin der elften Fahrt wurde es durch Verklemmen eines Halle- laues befchädigt. und als eS nach der Aus­besserung am 20. Januar 1906 zur zweiten Fahrt emporstieg. versagte ein Motor, das Schiff wurde nach dem Allgäu abgetrieben, landete - ohne Schaden bei Klhlcgg. wurde aber in der Rächt vom Sturme geknickt und muhte abmontiert werden.

Aber so sehr diese unglücklichen Fahrten ge­eignet waren, auch den letzten Rest von Ver­trauen zu den Plänen des Grafen zu vernichten, ihn selber hatten gerade diese Fahnen, weil er die Zufälligkeit der Ursachen ihres Mih- lingens deutlich übersah. in solchem Mähe von der Vrauchbarkeit seiner Schiffe überzeugt, dah er schon im April 1906 ganz aus eigenen Mitteln den Bau eine- dritten Schiffes unternahm. Und mit diesem wurden im Oktober 1906 die ersten gelungenen Fahrten um den Bodensee herum ausgcführt Run schlug die Stimmung um. Der Reichstag bewilligte Gelder zunächst zum Bau einer neuen schwimmenden Halle, und als im Jahre 1907 mit dein dritten Schiffe eine ganze Reihe vorzüglich gelungener Fahrten auSg^ühN

Niemals feit den Tagen des 70er Kriege» war das deutsche Volk fo einig gewejcn in einem gro­ßen Gefühle. Uebcr allen »laber der Parteien hin über leuchtete ihmein Mann und eine Tat", wie der Kladderadatsch in einem schönen Gedichte aus jenen Tagen jagte, lind was Zeppelin an diesem Un­glückstage von Echterdingen für das deutsche Volk geworden war, das blieb er bis an fein Lebensende. Mit unbeirrbarem Vertrauen blickte es auf ihn und sein Werk, obwohl die Lehrjahre seines Unterneh­mens mit ihren schwierigen Prüfungen noch langst nicht vorüber waren. Es war ja, als ob ein tragi­sches Verhängnis über feinen Schiffen schwebte Endlos schien die Kette von Unglücksfällen, denen sie zum Opfer fielen. Das eine strandete an den Fel­sen des Lahntales bei Weilburg, ein anderes im Teutoburger Walde, ein drittes verbrannte in der Halle zu Oos, ein viertes verunglückte bei der Aus- fahrt in Düsseldorf und ebenda verbrannte 1912 die schöneSchwaben". Gelaßen trug man es. Hunderte von glücklichen Fahrten, die seine Schiffe oollführten. sagten mehr als diese einzelnen llnglücksfälle. Fast täglich konnte man sie ja beobachten, und wo sich der Graf mit einem feiner Schisse zeigte, da strömte die Menge herbei und huldigte begeistert dem Gr­öberer der Luft.Der Deutschen Stolz, dem Recken kühn, ihm gilt der Stein. Gral Zeppelin!" So steht es auf dein Gedenkstein zu Echterdingen.

Das war uns Zeppelin. Und was ist er uns heute? Ist er uns heute mehr als ein Standbild

Sonn auf!

(Ein neues Lied vom Grafen Zeppelin, von Lasar J I a H <h I e n.

..Locht, wollt ihr lachen! mir tut es nichts?

ich mach'» und werd's machen, und biegt » nicht, so bricht'»! Doch ich bieg'», ich krieg s, ich fliege noch!

ich lag: e» geht!

es gehl nach rechts und geht nach link»? ich seß den letzten Taler dran und halt' es durch und zwing'»!

Und wenn ihr tausend Mann hoch steht und mir allorts den IDeg verlegt . . . ein Lump ist, der sich lumpen Iaht, ein rechter fterl ist fugdfeff!

Frischauf und draus, die Hand am ft nauf . . . einem braven Reiter Hilst (Bott noch allemal weiter? Ich mach'» und schass», ich sag: es geht, es geht nach rechts und geht nach links, und brauch ich hundert Jahr' dazu, ich hau' es durch und zwing sl Und nun kommt» durch den stillen Raum gleich einem fllberllchten Traum Sonn' auf?

fo friedlich froh, so sieghaft sicher, so leicht, so aller Schwere frei, al» ob es selbst verständlich sei . . . Sonn' auf?

Und lächelnd stehst du still und siehst, wie e» zu dir heruntergrüht: Sonn' auf!

sich senkt und lenkt und naht und neigt und wieder hoch und höher steigt: Sonn' auf!

und pfeilgeraden Fluges, kaum begriffen ganz,

im blauen Glanz

gleich einem silberlichten Traum entschwindet überm Hügelsaum: STonn' aus!

Mein deutsche» Volk, Ich schenk' es dir? Es ging dir auch ja schon wie mir, auf manchem deiner Wege?

Doch wo ein Wille am Werk, trägt s über den Berg, er fei fo stell er möge?

Und wenn man spottet auch und lacht. Bleib treu dem, das dich groß gemacht, lach' mit und sag: verzag, wer mag?

es kommt ein Tag, an dem » gelingt, ein Tag, an dem die Hütte finkt, ein Tag, der euch zum Glauben bringt! Und sperrt man rechts den weg und links, fürcht' dich vor rechts nicht, noch vor link» und sieg' es durch und zwing'»! ftopf-oben-auf, die Hand am ftnauf, mein deutsches Volk . . . Sonn auf!

wurden, bestellte das Reich zwei Zeppeline unter der Bedingung, dah der Gros mit feinem Schiffe eine 24ftündigc Probefahrt von Friedrichshafen bis Mainz und zurück mit Zwischenlandung auf festem Boden mache.

Unvergeßlich wird allen, die jene Zeit erlebt haben, die Erregung fein, die die Fahrten des neuen, vierten Schiffes im Sommer 1908 hervor­riefen. zuerst jene wunderbare zwölfstündige Fahrt vom 1. Juli, die bis in das Her^ des Schweizer- landcs. über Gebirgskämme und -paffe hinweg zum Vierwaldstätter See führte, von dessen Ufern das vielsprachige Fremdenpublikum staunend zu dem neuen deutschen Wunder aufschaute, und dann die große Fahrt vom 4. und 5. August nach Mainz mit der Landung bei Oppenheim, der Rückfahrt über Stuttgart und - dem furcht­baren Abschluß, der plötzlichen Entflammung und Vernichtung des Luftschiffes auf den Fildern bei Echterdingen. Kann man sich einen größeren Sturz aus den höchsten Höhen eines beispiellosen Erfolges in den rief ft en Abgrund eines schmäh­lichen Mißerfolges vorstellen? Denn natürlich hatten die Gegner Zeppelins nun Oberwasser und hielten fein System mit diesem letzten Un­glück für endgültig begraben. .AuS ist's! Ein Schmarrn ist s!". wie schon früher einer von ihnen gesagt hatte.

Aber das größte Unglück des Grafen wurde lein größtes Glück. Denn das Volk das dachte ganz anders. Hunderttaufende hatten ja das Luftschiff fliegen sehen, hatten es in der stolzen Sicherheit seiner Bewegungen mit Ent­zücken und Staunen verfolgt. Das Volk machte die Sache des Grafen zu seiner eigenen Sache zur Ehrensache Deutschlands. DaS war jetzt nicht mehr der Graf Zeppelin, der da durch die Lüfte fuhr, sondern unser Zeppelin, und das war nicht mehr sein Schiss, sondern unser Schiff, unser deutsches Lustschifs. das er dem deutschen Volke geschenkt hatte. Und das war nun kaput, und jetzt soll uns unser Zeppelin ein neues bauen, und wenn es zehnmal kaput geht, dann bauen wir es zehnmal neu und wenn es uns den letzten Heller kostet! Das war die Stimmung des deutschen Volkes. "Aus allen Gauen flogen bem Grafen die Herzen zu. und mehr als dies, die Gelder. Ueberwälttgend war der Wunsch zu helfen und übettodltigenb war das Vertrauen das nun alle dem Gra­fen entgegen brachten. Mit Empörung wurde der Gedaicke zurückgewiefen, die einlaufenden Summen einem Reichskomitee oder einem Kura­torium zur Verwaltung zu übergeben. Der Graf brauchte keinen Vormund. Ihm ganz allein ver­traute das Voll und ganz unmittelbar in feine Hände legte es feine Spende von 6.5 Millionen, damit er ihm feine deutschen Luftschiffe baue.

in Deutschland» Ruhmeshallc? Ist uns jein Werk heute mehr als eine schöne (Erinnerung? gast möchte man daran zweifeln, wenn man die Entwicklung be­trachtet, die die Luftfahrt genommen hat. Wenn wir uns heute das Vergnügen einer Luftreij« machen wollen, bann steigen wir in ein Flugzeug, und wenn auch die Fahrt in einem Zeppelin unvergleichlich Ichoner und angenehmer war, als die Fahrt in der engen, vom Propellerlärm erfüllten Kabine eines Flugzeuges, so muß man doch zugeben, daß unsere Flugzeuge andere Ausgaben haben, als dem Ver- gnugen zu dienen. Heute beherrschen sie mit einem Netz von Luftverkehrslinien die ganze Erde und die Zeppeline sind darüber ganz in den Hintergrund ge­treten. Diese Entwicklung hat sich schon im Laufe des Krieges vollzogen, und der Graf hat sie noch mit- erlebt. Wir wollen nicht vergessen und nicht unter- schätzen, welche Bedeutung für unsere Kriegsführung leine Schisse gehabt haben durch ihre Angriffe auf England und durch manche wichtige Erkundungs- fahrt über der Nordsee. Aber den kleinen, wendigen Flugzeugen waren sie schließlich nicht gewachsen, und in dem Maße, als diese sich zu einer Waffe von ungeahnter Bedeutung entwickelten, verloren die Zeppeline ihren mililärischen Wert. Allein der Gras hat doch selber schon den Wert seiner Erfindung nicht ausschließlich in ihrer kriegerischen Verwen­dung gesehen, so nahe ihm als altem Soldaten diele Seite ihrer Bedeutung lag Wie sein durchdringender Verstand die Konstruktion seines Schiffes von Anfang an bis in die kleinsten Klei­nigkeiten in staunenswerter Weise fertig duich- gearbeitet hatte, so umfaßte sein weiter Blick auch von Anfang an die ganze Fülle der Verwendungs­möglichkeiten seiner Erfindung und ihrer letzten und höchsten Ausgaben iah er immer in ihrer Friedens- arbeit. Wenn wir aber in dieser Zeppeline und Flug- zeuge miteinander vergleichen wollen, darum müssen wir uns vor allem immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen, was Zeppelin eigentlich gewollt hat. (tr hat |a nicht einen Luftballon lenkbar machen wollen das hatten andere schon vor ihm ge­tan sondern er wollte ein Luft schiff bauen, em richtiges Schiff mit festen Wänden, daß das Luftmeer durchfahren sollte, wie unsere Dampfer den Ozean durchqueren. Diesen Gedanken hat er ichon 1873 in einem ersten rohen Entwürfe ge­formt ös roar ihm von vornherein klar, daß solche schiffe groß, sehr groß fein mußten: denn nur große schifte können große Lasten tragen und tue erforderliche Menge Brennstoff mit sich füh­ren, um weite Fahrten machen zu können. In welcher Vollkommenheit dieser Gedanke in seinen Sdjifjen verwirklicht ist, das hat schon während des Krieges die große Fahtt des L. 59 von Jam- bofi in Bulgarien bis ins Herz von Afrika und zurück und dann die Amerikafahrt des Z.R.3 be­wiesen. Wenn man sich das vergegenwärtigt und daran denkt, daß diese Schiffe in der Luft schweben

und hatten, und durch geeignete Vorrichttmgen ein- und ausbooten können, unabhängig von der Art dec- Gelände», bas unter ihnen liegt, da durste wohl nickt zweifelhaft (ein. daß e» Ausgaben gibt, die besser mit Zeppelinen als» mit Flugzeugen zu lösen sind, abgesehen vtfn den ganz großen^ Fahnen über die Weltmeere hinweg, vor allem Fahnen in sremde Länder zur (frfor- tdjung unbekannter Gegenden, wie die geplante unö hoffentlich zustande kommende Nordpolfahrt Halten wir daran fest Da» starre Sy st em ist der geniale Gedanke, den Zeppelin der Mensch- beit geschenkt hat. E» rnarc ivahrttck eine Sünde, ibn zum alten Eisen zu werfen, weil die Flugzeuge Aehnkiche» leisten. Freuen wir une vielmehr, daß wir zwei solche Wege zur Beherrschung der Lust besitzen. unb versäumen wir nickt über der Ent­wickelung des einen auch den anderen auszubauen. Das aber ist vor allem Deutschlands Aufgabe und es kann das Andenken seines Zeppelin nicht bester ehren, als dadurch, daß es dieser Ausgabe ständig eingedenk bleibt.

Das Zeppelin-Luftschiff als Mittel geographischer Forschung.

Von Professor Dr. Georg Wegener, Rektor der Handelshochschule, Berlin.

Gras Zeppelin ist nicht nur einer der be- wundcrtsten unserer nationalen Helden, sondern ntan kann noch richtiger sagen, einer der ge­lt e b t e ft e n. Dies Herzensverhältnis begann mit seinem großen Unglück bei Echterdingen. Da- mals ging eine der schönsten, echtesten Gemüts­bewegungen durch ganz Deutschland, die wir erlebt haben und die so wundervoll erhebend lind, mit das schönste, was einem Volke zutciL werden kann. Dem tapseren Mann, der so un­verdientes Unheil erfuhr, mußte geholfen werden! Und das deutsche Volk h a t ihm damals geholfen. Darum ist er auch besonders fein Liebling ge­blieben.

Diele Aufsätze werden daS anläßlich seines zehnten Todestages zum Ausdruck bringen und sie werden die Bedeutung feines Lebenswerke- nach den verschiedensten Richtungen hin be­leuchten. Ich möchte das hier auf dem Ge­biete meiner besonderen Wissenschaft, der Erd­kunde. tun. Das Zeppelin-Luftschiff ist nicht nur ein Kriegsmittel, nicht nur ein Verkehrs- mittel ersten Ranges, sondern auch ein solches zur geographischen Erforschung der Erdoberfläche.

Mlerdings steht es hiermit etwas eigen­tümlich: Oft kommen große Erfindungen ge- wisfermaßen zur rechten Stunde, gerade dann, wenn die Zeit reif für sie zu fein scheint: und sie rufen nun eine große Epoche neuer Ent­wicklungen hervor. Das Luftfahrzeug wird das auch in verschiedener Hinsicht sicherlich in aller­größtem Ausmaß tun. Rur in einer kommt es t u spät, und zwar gerade in einer solchen, wo e« fo ganz besonders gute Dienste hätte leisten können: für die Entdeckung der Erdober­fläche. Diese gewaltige Ausgabe war gerade als die Menschheit endlich richtig, d. h. mit lenk­baren Luftfahrzeugen, fliegen lernte, bereit« n n 0 czu gelöst. Innerhalb der bewohnbaren Erde gab es Flächen wirklicher terra mcognita, too noch erste, elementare Entdeckungsarbeit zu letften war. nur noch verschwindend wenig.

Immerhin, ganz zu spät ist es auch für diese 2lufgabe noch immer nicht. Denn in denjenigen beiden Gebieten, die mit den furchtbarsten Hinder­ten und Schrecken der Ratur umschanzt find, in den nördlichen und südlichen Polargebie­ten, ist noch terra incognita in großem Maß- stade vorhanden. Rord- und Südpol selbst zwar hat der Mensch schon erobert. Aber aus der nörd­lichen Halbkugel liegt zwischen den einzelne« Limen der Rordpolezpeditionen noch Lin be­kanntes genug. Insbesondere in jenem großen Gebiet zwischen dem Rordpol, Alaska und dem nordöstlichen Sibirien, wo wir noch nicht einmal Kenntnis davon haben, ob dort Land, Meer oder eine Inselwelt, ähnlich der im Horben von Kanada, sich findet. Hnb weitaus größer noch, an Ilmfang Kontinenten vergleichbar, ist das gänzlich ilnbelannte im Südpolargebiet.

Ten Gedanken, fein neuerfundenes Luftschiff audj in den Dienst der Polarforfchung. zunächst einmal der nördlichen, zu stellen, hatte bereit« Graf Zeppelin selbst. Richt nur in vagen 3been. sondern er beschäftigte sich sehr ernsthaft und praktisch damit. Gr hat, mit dem Meteorv- loaen Professor Hergesell und anderen Ge­lehrten zusammen, schon 1910 eine eigene Reise nach Spitzbergen unternommen, um die Be­dingungen einer solchen polaren Fvrschung-- ervedition im _Zeppelin" zu studieren Der Krieg kam dann dazwischen, der uns die Möglichkeiten solcher Taten natürlich verschloß und dem Luft- zunächst ganz andere Ausgaben zuwies.

Aber gerade die fabelhaften Leistungen, die der .Zeppelin" durch die Kriegsanforderungen leibst vervolllommnet, im Kriege vollbrachte, hoben feine Verwendbarkeit für großzügige Ent­deckungsreisen in sonst schwer oder gar nicht erreichbare Gegenden, die bis dahin doch noch sehr angezweiselt wurde, auss schlagendste bewiesen. Ganz besonders die erstaunliche Fahrt jenes deut­schen Luftkreuzers, der unserer tapferen Kolo­nialtruppe in O st a f r i f a neue Munition zu- füfjren sollte. Bekanntlich ereilte dieses Luft- kbiff. als es schon bis in die Gegend von Ehattum gekommen war, der funkentelegraphisch« Befehl umzukehren, da unsere Truppe die Ko- lonie bereits verlassen hatte: und ohne jede Zwischenlandung ist das Luftschiff von dort wohl- behalten wieder zurückgekehrt! Später hat die glanzende, von der ganzen Wett bewunderte Reise des Z. lll vom Bodensee über den Atlanti-

e n^P öean nach Rordcunerika unter der Füh- rung Dr Eckeners das Zutrauen in die Lei­stungsfähigkeit der .Zeppeline noch vermehrt.

So ist denn nach dem Kriege der Gedanke ber Polarsorfchung mit Hilfe des Luftschiffs sofort wieder lebenbig geworden,' bei verschiedenen Döl- leim. Ganz besonders wird er in Deutschland verfolgt uiid prattisch mit Hilfe eines . Zeppelins" zu verwirklichen gesucht. Die .Internatio­nal eGefellschast zur Erforschung der Arktis mit Hilfe des Luft schi f f 6, bie nach mühevoller Vorarbeit im vorigen Herbst