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Ihr. 6 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Tutanchamons Gradgeheimnis.
Don Dr. Ludwig ‘Brenner.
Die Arbeiten im Grab des Pharaonenkönigs Lutanchamon sind, nachdem fie längere Zeit unterbrochen werden mußten, wieder ausgenommen worden. Die Unterbrechung wurde von dem OcneralDlreltor der ägyptischen Altertumsver- tMttung Laeau (der übrigens seiner Nationalität nach Franzose ist) angeordnet, weil angeblich Howard Carter, der Entdecker des Königsgrabes, sich gewisse Eigenmächtigkeiten bei der Bergung der Grabschätze zuschulden kommen lieh. Nach einer anderen Version sollen wissenschaftliche Eifersüchteleien zwischen dem Franzosen und dem Engländer die tiefere Ursache gewesen sein.
ganz reibungslos vollziehen sich also die Arbeiten im „2al der Könige" nicht. Jedenfalls wird die Räumung des Königsgrabes fortgesetzt und zwar handelt es sich jetzt um Leerung der beißen Nebenkammern, die bisher unberührt geblieben sind. Da die dort niedergelegten Gegenstände sehr zerbrechlich sind, so muh mit der größten Vorsicht vorgegangen werden. Unter den in diesen Nebenkammern gefundenen Gegenständen sind besonders erwähnenswert eine Figur des Totengottes Anubis, einige Kästen mit echmucksachen (darunter ein Kömgsszepter, Ohrringe, Fächer und Sandalen, einige Kisten mit insgesamt 30 goldenen Totenstatuett-en, die das Antlitz Tuts wiedergeben. Nachbildungen von Schiffen in Gold, mit Edelsteinen reich verziert), sowie vier Krüge mit den einbalfamierten (Sin* geweiden des beigesetzten Königs. Die Meldung der »Egyptian Gazette" aus Luxor, dah es gelungen sei, eine weitere, bisher unbekannte Karniner im Pharaonengrab festzustellen, beruht, wie nähere Erkundigungen ergeben haben, auf einem Irrtum. Das Grabgewölbe Tutanchamons besteht lediglich aus vier Räumen, deren 2-erung binnen iurzer Zeit durchgesührt sein soll, da im Januar die Fremdensaison beginnt und zu dieser Zeit , das Königsgrab dem allgemeinen Besuch zu- j gänglich gemacht werden soll.
Die polnische Staatskrisis
Von unserem s.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Ende Dezember 1928.
DaS Jahr 1923 wird, von Warschau aus ?^sehen, durch das dritte polnische Wunder ge- ennzeichnet. Wenn wir die heutigen polnischen Zustände mit denen vor zwölf Monaten ver- Öen, so ergibt sich auch für den kritischen achter zweifellos eine Besserung der Verhältnisse aus der ganzen Linie. Wir wollen, um uns dem Vorwurf der Parteilichkeit nicht aiiszusehen, hervorheben, dah Polen zur Zeit eine festere und scheinbar stabilere Negierungsgewalt besitzt als vor einem Jahre, dah die Währung sich gehalten hat, und dah schließlich die Handelsbilanz in diesem Jahre aktiv geworden ist. Das sind zweifellos Nesultate, die bemerkt zu werden verdienen, besonders, wenn man sich daran erinnert, dah sich daS polnische Staats* und Wirtschaftsleben zu Beginn dieses wahres in ^voller Auflösung befand. Wie kam das? , m ,
Der größte Teil dieser erfreulichen Ergebnisse ist auf das Konto des schon genannten dritten polnischen Wunders zu sehen, nämlich des englischen Kohlenkonslikts zu einem Zeitpunkte, wo Hilfe von außen für den bedrängten polnischen Staat völlig unerreichbar schien. Hierin liegt seine Bedeutung. Der Zloty fiel, die polnische Wirrnis schien unauflöslich, eine Anleihe war nicht erreichbar, und in Warschau herrschte dumpfe Verzweiflung. Da geschah eS. dah die englischen Bergarbeiter sich mit den Grubenbesitzern nicht einigen konnten, und seither datiert eine, jetzt zu Ende gehende. Hochkonjunktur im Kohlenbergbau, die nicht nur, konkret betrachtet, die oberschlesische Industrie wieder in Gang brachte und das Wirtschaftsleben allgemein belebte, die vor allen Dingen auch psychologisch wirkte: denn im gesamten Auslande war man fortab der Meinung, dah es Polen dank der englischen Kohlenkrisis unmöglich schlecht gehen könnte. Der Glorienschein des Verdienstes für diese Besserung der polnischen Zustände häufle sich auf dem Scheitel deS Marschall P i l s u d s k i, der im Mai dieses IahreS Warschau eroberte und eine Militärregierung mit parlamentarischer Verkleidung schuf. Pllsudslis Hauptleistung, und deren größter Teil Ist wiederum aus das Konto des genannten Driften polnischen Wunders zu setzen, besteht darin, dah er b l S heute noch nicht gestürzt ist. DaS will immerhin etwas besagen: denn es glückte ihm In ganz kurzer Zeit, säst sämtliche volitischen Parteien vor den Kopf zu stoßen, und während wir dieses schreiben, werden Cini- gungsverhandlunaen zwischen feinen Gegnern geführt, die zweifellos Im nächsten Jahre als Wirkung in Erscheinung treten werden.
Damit ist aber die Liste der diesjährigen Errungenschaften der polnischen Staatskunst erschöpft, und wenn wir sie nunmehr auf die Doldwage der politischen Beurteilung legen, so tun wir damit etwas, waS schließlich jeder verständige Pole auch tun sollte. Die Frage lautet: Handelt eS sich bei all dem um Zufälligkeiten oder um gewollte, vorbereitete Erfolge, handelt cs sich um das Verfolgen eines klar erkannten - Zieles ober um das, waS der Berliner mit ,S o r t to u r ft c I n" bezeichnet? UnD wir müssen ;u dem Ergebnis kommen, daß die letztgenannte Bezeichnung den Vorzug verdient: denn, und hierin liegt daS Entscheidende, auch Pilsudski, der Netter Polens, hat keine Miene gemacht, sich mit den Grunds ragen der polnischen Existenz aktiv zu beschästigen. Er hat sein Publikum durch allerlei politisch-theatralische Mätzchen unterhalten, abgelenkt ober zerstreut. Aber die ©runblngen seiner Macht sind unsicherer geworben als sie es waren. Die Beamtenschaft ist unzufrieden, die Wirtschaft droht unter zu § hohem Steuerdruck zusammenzubrechen, das Gleichgewicht deS Staatshaushaltes steht praktisch nur auf dem Papier, weil die bureaukratisch-mili- tärische Maschinerie viel zu groß und schwer für die Steuerkraft deS polnischen Volkes, daS knapp 3a Millionen zählt, ist. Dah sich der Kurs des Zloty auch im nächsten Jahre halten wird, ist nach Ansicht kompetenter Beurteiler mehr als fraglich. Der deutsche Wahlsieg in Oberschlesien trat eine weithin sichtbare Verurteilung der staatlichen Leistung Polens und zeigte die Fragwürdigkeit der diesjährigen polnischen „Erfolge".
Die außenpolitische Bilanz ist ebenso unerfreulich. ES ist der russischen Politik geglückt, mit Abschluß des polnisch-litauischen Vertrages die von der polnischen Außenpolitik erstrebte Zusammenfassung der russischen Randstaaten zu durchkreuzen. Der Handelsvertrag mit Deutschland ist nicht zustande gekommen, unb, um eine immerhin bedeutsame Tatsache hervorzuheben, in dem Rechtsstreit um die Chorzow-Werke, der Ende Mai im Haag bei dem internationalen Schiedsgericht entschieden wurde, ist Polen unterlegen, womit ein Verba mmungsurteil für die gesamte Entdeutschungspolitik Polens in den ehemals preußischen Provinzen gefällt worben ist. Selbst die Aufnahme Polens in den Völker- bundsrat als halbständiges Mitglied wird in Polen selbst keineswegs als ein großer Ersolg betrachtet. Natürlich ist es für die polnische Eitelkeit erfreulich, sich als Ratsmacht fühlen zu dürfen: aber praktisch besitzt nunmehr Polen die Ausgabe, sich im Rate bei allen seinen Beschwerden selber durchzusetzen, und bas politische Gewicht des polnischen Vertreters ist sehr Diel geringer als bas des bisherigen Wortführers Polens, nämlich Frankreichs. Von einer Besserung der Beziehungen zu Rußland oder zu Deutschland ist, wie gesagt, keine Rede.
Wirtschaftlich befindet sich das polnische Volt in einem Zustande fortschreitender Verarmung trotz der Konjunkturgewinne aus der englischen KohlenkrisiS. Die Kaufkraft sinkt, und nur durch rücksichtslose Einfuhrdrosselung ist bis
her eine neue Zloty-Katastrophe vermieden worden. Die gesamte polnische Industrie befindet sich In der schwierigsten Lage, die Zuckerinbustrie arbeitet beispielsweise als Exportindustrie mit erheblichen Verlusten, die nur durch Herauf- schrauben der Jnland-Verkaufspreise wieder aufgeholt werben. Die Ernte ist zudem schlecht. Allenthalben macht sich in Polen der Beginn einer neuen Teuerung bemerkbar.
Fassen wir also die Bilanz dieses Jahres zusammen, so müssen wir zu dem Ergebnis kommen, daß die heutige Lage Polens nur schein - bar besser ist als die vor einem Jahre, und dah wir mit einer Erneuerung der im Sommer überwundenen Krisis rechnen müssen. Manche Kenner der Verhältnisse folgern daraus, daß sich Pilsudski aus seiner Zwangslage durch ein militärisches Abenteuer zu befreien suchen werde. Wir verzeichnen diese Meinung, ohne dazu Stellung zu nehmen. Hoffnungen zeigen sich nirgends. Selbst die Hoffnung auf die Hilfe der angelsächsischen Welt ist abhängig von vorheriger Verständigung mit Deutschland: diese aber ist nicht erreichbar ohne einen polnischen Verzicht auf die bis auf den heutigen Tag fortgesetzte Ent- deutschungspolitik. Eine Verst änbigung mit Deutschland könnte Polen natürlich retten; aber sie ist kaum wahrscheinlich, bei der antideutschen Einstellung seiner maßgebenden Kreise, und so ist denn der Ausblick auf das kommende Jahr für den Polen vergleichbar mit dem Blick in einen dunklen Abgrund.
Frankreichs wirtschaftliche Zukunft.
Don Senator Joseph Eailloux, ehern. Ministerpräsidenten und Finanzminister der französischen Republik.
Es ist stets ein heikles Unterfangen, Prophe- zeihungen zu machen, aber es ist besonders schwierig, die Frage nach der wirtschaftlichen Zukunft Frankreichs zu beantworten. Zwischen der Art und Weise, in welcher ich die Zukunft der französischen Wirtschaft sehe und derjenigen, in der ich sie manchmal gezwungenermaßen barftellen muß, besteht oft ein Unterschied. Ich möchte daher auch kein in sich geschlossenes Bild geben, sondern nur einige Ueber- Icgungen anstellen, die sich aus der gegenwärtigen Lage Frankreichs und aus den hieraus möglicherweise entstehenden Folgen ergeben.
Die erste Aufgabe eines jeden französischen Finanzministers der letzten Jahre war die Bilanzierung des Staatshaushaltes und die Konsolidierung des Budgets. Ich muß um Entschuldigung bitten, wenn ich hier die Zeit meiner Amtstätigkeit erwähne, doch muß ich, um der historischen Wahrheit willen, betonen, daß ich bereits damals das Land vor der Gefahr warnte, die aus dem mehreren Milliarden Franken betragenden Defizit drohte. Meine Offenheit hat mir damals eine Unmenge heftigster Angriffe eilige- bracht, doch glaube ich, daß gerade diese Offenheit keineswegs unfruchtbar ober Dem Lande abträglich war. Sic hat jedenfalls meine Nachfolger in den Stand gefetzt, die Zustimmung des Parlamente für neue Stuern viel leichter zu er- halten, als dies sonst vielleicht der Fall gewesen wäre. Ich gehe sogar soweit zu erklären, daß meiner Meinung nach im August vorigen Jahres Poin- cars in seinen Steuerforberungen ein wenig z u scharf vorgegangen ist. Das ist jedoch reine Auf- fassungsfache. Denn es ist nicht schwer, die Steuerschraube zurückzudrehen, wenn die Stabilität des Budgets so gut wie gesichert ist.
I st die Stabilität nun heute gesichert?
Die von der Regieruna vorgelegten Voranschläge zeigen zwar einen Ausgleich zwilchen Ausgaben und Einnahmen, doch glaube ich, daß ich niemandem etwas Neues fege, wenn ich darauf Hinweise, daß Budgetbilanzen stets problematischer Natur sind, bis eine volle Uebersicht über die jeweiligen Einnahmen und Ausgaben vorliegt. Um jedoch die vorliegenden Regierungsprojekte erfolgreich zu ge- statten, müssen zuvor noch verschiedene wirtschaftliche unb finanzielle Vorbedingungen erfüllt werden.
Ich fjabc stets die Ueberzeugung gehabt, daß die Stabilisierung der Währung von äußerster Wichtigkeit für die Wirtschaft eines jeden Landes ist. Die Herbeiführung dieser Stabilisierung hängt wiederum auf innigste mit dem Problem der Bilanzierung des Staatshaushaltes zusammen. Ein ausgeglichenes Budget ist die Grundlage jeder vernünftigen Wirtschaft; mit ihr sollte jedoch die
Es ist jetzt ein Jahr her, dah der goldene Sarg Tutanchamons In einem Sonderung unter militärischer Eskorte nach Kairo überführt wurde, um im Dortigen Museum ausgestellt zu werden. Einige Wochen vorher (am 11. November 1925) hatte man mit der Auswicklung der Leiche Tuts begonnen, eine Arbeit, die sieben Tage in Anspruch nahm. Man hatte ursprünglich die Absicht, die Mumie mit Röntgenstrahlen zu durchleuchten, mußte aber den Gedanken wieder aufgeben, da die Bauchhöhle (ein ganz ungewöhnlicher Brauch bei der Konservierung von ägyptischen Königsleichen) mit Asphalt und Teer ausgefüllt war. Diese Masse hatte den Körper durchdrungen und sich mit der goldenen Hülle fest verbunden. Die Gvldblochhülle selbst, die über 2 Millimeter stark war, wiegt etwa 2 Kilogramm. Infolge der überaus fahrlässigen Mumifizierung der Leiche mit Seer klebten die Mumienbinden, die sonst sehr leicht ablösbar sind, am Körper fest und mußten, um eine Verletzung der Mumie zu verhindern, stückweise und mit größter Vorsicht abgetrennt werden. Man fand in der Umwicklung goldene Ketten und Schmuck mit farbigen Glaseinlagen, Amulette, elf Armbänder, dreizehn Ringe, zwei prachtvolle Dolche und 17 Juwelenschichten. die, abgesehen von ihrem historischen und kulturgeschichtlichen Wert, wohl den größten künst- lerislben Juwelenschah der Welt darstellen.
Man begreift das ehrfürchtige Erstauren, das alle erfaßte, als zum erstenmal der Steinsarg und die drei inneren Sarge geöffnet wurden, lieber drei Jahrtausende, d. h. über eine Million von Sagen, waren inzwischen vergangen, Kulturen waren aufgeblüht unD vergangen, Weltreiche gegründet worden und versunken feit jenem Sage, als der kleine Tut hier im „Sal der Könige" zur Ruhe bestattet wurde. Alle Sklaven, die an. den Arbeiten der Beisetzung beteiligt waren, hatte man nach Vollendung des Werkes getötet, um durch ihren Tod das Geheimnis dieses Grabes zu sichern. Der Eingang wurl^ mit Sand verdeckt und jede Spur, die etwa das Gewölbe andeuten formte, mit List getilgt. Lind während die übrigen Pharaonen-Gräber ein
Währungsstabilisierung Hand in Hand gehen. Um zu verhindern, daß die Voranschläge des Rechnungsjahres umgeroorfen werden, ist es zudem von größter Wichtigkeit, daß die Ausgaben, die in dem Haushaltsjahre von Staat und Land gebraucht werden, sich so eng wie möglich an die Schätzungen halten. Es erscheint mir mehr als fraglich, ob diese Vorbedingungen für das Jahr 1927 erfüllt sind.
Um die überragende Bedeutung einer schwankenden Währung auf die Finanzlage eines Landes riästig zu beurteilen, muß man sich vergegenwär- tigen, daß die jährlichen Staatsausgaben Frankreichs vor dem Kriege sich auf etwa 5 Milliarden Goldfranks beliefen. Das Budget des Jahres 1927 bilanziert mit etwa 40 Milliarden Papierfranks. Als die Voranschläge ausgestellt wurden, notierte das englische Pfund etwa 160 Franks und die 40 Milliarden Papierfranks stellten einen Gegenwert von etwa 6 Milliarden Goldfranks dar. Ein Unterschied zwischen 1913 und 1927 bestand daher zwar, aber er war verhältnismäßig gering. Bei einem Kurse von 120 Franks für das Pfund jedoch läuft die Endsumme auf mehr als 8 Milliarden Goldfranks hinaus. Das bedeutet schon eine Steigerung von 60 Prozent der Dorkriegssumme gegenüber.
Die Währungsschwankungen rufen ein ständig wechselndes Bild der Finanzlage Frankreichs hervor. Im Oktober vorigen Jahres belief sich die innere Schulddes Landes auf etwa 47 Milliarden Goldfranks. Im Dezember war diese Summe bereits auf 62 Milliarden Goldfranks gestiegen. Falls man die Revalorisierung des Frimken vis zur äußersten Grenze treiben würde, und der Papier- sranks dem Werte des Goldfranken gleichkommen würde, so würde damit die innere Schuld Frankreichs etwa 300 Milliarden Goldsranks betragen, d. h. etwa zehnmal so viel als die öffentliche Schuld vor dem Kriege ausmachte. Aus diesen Ziffern erhellt die volle Bedeutung der kommenden Finanzpolitik für die französische Wirtschaft.
Ich weiß evensogut wie irgendein anderer, wie geradezu niederschmetternd der Gedanke dem französischen Volke ist, daß der Wert des Franken a u f etwa 15 bis 20 Centimes festgesetzt werden sollte. Es gibt kaum eine Familie im Lande, die dem Staate nicht eine bedeutende Menge ihres Vermögens anoertraut hätte, und die aus Gründen der Gerechtigkeit und der eigenen wirtschaftlichen Sicherheit nicht eine Stabilisierung auf Pari für wünschenswert erachten würde.
Aber die harten wirtschaftlichen Tatsachen verbieten die Realisierung des Ideals. Das Land steht vor der dringenden Notwendigkeit, seine innere Schuld zu verringern; diese Verringerung kann nur erfolgen, indem man die Währung lein l»»i Ti e r it «nenr■■■■!!nr-rrr nm* ■■■iiii
Opfer von Einbrechern und grabschänderischen Dieben wurden, lag Tut in seinem unterirdischen Gewölbe, bis Lord Carnavon und sein Mitarbeiter Howard Carter es entdeckten und das Gefängnis sprengten.
Der Wert der Entdeckung liegt weniger in der Ausfindung der Leiche Tuts — denn es gibt besser konservierte Mumien — als vielmehr in dem bis dahin unberührt gebliebenen Fund der zahllosen Gegenstände, die das Verständnis für ägyptische Kunst außerordentlich bereichern. Welches Erstaunen erweckte nicht der aus gediegenem Gold hergestellte Sarg, dessen Metallwert allein auf 800 000 Mark geschaht wird! Lind wie erstaunte man, als man in einem der inneren Särge eine Papyrusrolle entdeckte, die über 100 Fuß lang ist: daS Buch des toten Königs, geschmückt mit Hunderten von farbigen Bildern, an Deren Herstellung die großen Künstler der Damaligen Zeit jahrelang gearbeitet hatten! Dieses Buch und all die zahlreichen Beigaben und Gegenstände, die man in den Grabkammern fand, hatten nach dem Glauben der alten Aeghpter den Sinn, die Leiche vor den feindlichen Gewalten der Hntertoelt zu schützen und seine Ruhe zu sichern.
Um das Grab des kleinen Tut schwebt ein dunkles Geheimnis. Alle Zeichen deuten darauf hin, daß die Begehung Tutanchamons mit größter Eile vor sich ging. Diese Eile ist schon erkennbar bei der Einbalsamierung der Königsleiche. die sonst siebzig Sage in Anspruch nahm. Mit größter Eile und (wie die Verwendung von Seer deutlich zeigt) mit erstaunlicher Rücksichtslosigkeit ist Die Leiche Tuts behandelt und beigesetzt worden. Da die Sitte bestand, mit der Einsetzung des neuen Pharao so lange zu warten, bis der verstorbene König beigeseht war, so hatte man, offenbar aus gewissen Gründen. Die Beisetzung Suts in unangemessener Weise beschleunigt. UnD es ist sogar der Verdacht aufgetaucht, ob nicht Sutanchamon gewaltsam beseit gt worden ist. Allerdings hat man diesen Verdacht bisher durch Beweise nicht stützen können. Der medizinische Bericht von Dr. Saleh Hamdi und
Samstag, 8. Januar 1927
Dr. Douglas Derry teilt hierüber nichts mit. Aus ihm ist nur zu entnehmen, dah Sutanchamon bei feinem Tode etwa 18 Jahre alt war. Er war von schwächlichem Körperbau und man vermutet, dah ein Lungenleiden seinen Tod verursachte.
Wir wissen heute jedenfalls, daß der junge Tut im Alter von etwa 12 Jahren Die etwa gleichalterige Königin Ankesenamon, Die Tochter des Pharaonen Echnaton, um Daß Jahr 1350 v. Ehr. heiratete und durch diese Heirat König der Aegypter wurde. Wir wissen ferner aud den ausgefundenen Tontafeln, daß nach dem Tode Tuts Die junge Witwe an Den Kömg Der Hetiter schrieb, ihr einen seiner Söhne zu senden, damit er sie heirate und sie ihn zum König von Aegypten machen könne. UnD man vermutet, dah Der Hohepriester A y, alS er von diesem Plan erfuhr, Die Beisetzung Tuts m.t größter Eile betrieb, um. wie es tatsächlich geschah, sich selbst zum Pharao ausrufen zu lassen, bevor noch Der Sohn deS Hetiterkönigs durch eine Heirat Den Thronanspruch erwarb.
Ays Pharaonenglück war kurz. Ihm folgte balD Horemheb, Der unter Echnaton. Tut und Ay ein bedeutender Feldherr war und Der, als er die Pharaonenwürde an sich riß, Die Regierungszeit feiner Drei Vorgänger aus den Geschichtstafeln entfernen lieh und seine Regie- rungszeit entsprechend vordatierte. D esem Um» stand ist es vermutlich zu danken, daß man jahrhundertelang von Tut nichts wußte (zudem auch alle Statuen und sonstigen Zeichen, D e an ihn hätten erinnern können, zerstört worden waren), und daß niemand nach Tuts Grab Nachforschungen anstellte. Seine Grabkammer blieb über drei Jahrtausende hindurch unberührt und ist erst den Augen unserer Generation erschlossen worden.
Ays Grab ist geplündert worden, Horemheb ist nur eine gesch chtliche Erinnerung. Tuts schmächtige Knabenleiche aber ruht sorgsam geborgen und behütet an sicherem Ort. Drei Jahrtausende halten Wache an feiner starren Mumie. Auf feinem Antlitz liegt das dunkle Geheimnis seines kurzen Glücks.
auf einer Grundlage stabilisiert, die d i e gesamte Staatsschuld z u einer tragbaren L a st herabdrückt ober aber durch eine Zwangs- konvertierung, die Darauf hinausläujt, daß die Inhaber von Staatsrenten weniger erhalten als sich der Staat ihnen gegenüber zu zahlen verpflichtet hatte. Für die heimischen Staatsglaubiger laufen beide Lösungen auf dasselbe hinaus, für die Nation als ganzes jedoch nicht. Jede Revalorisierung des Franken erhöht sofort die Härte der Besteuerung, läßt den Geldwert fteiaen und fuhrt zu einer Ver langfamung des Geschäftsgangs, ja zu einer Wirtschaftskrise, von der wir bereits die ersten Anzeichen gespürt haben. Da wir jedoch nicht wissen, welchen der beiden Wege die Regierung einschlagen wird, so ist es natürlich sehr schwierig, irgendwelche Voraussagungen für die Zukunft zu geben.
Ein weiterer Faktor größter Ltnftcherheit bezüglich der Zukunft Der französischen Finanzen toitD Durch Das noch immer ungeregelte Problem Der internationalen KriegSschulD- rege 1 ung gebracht. Ich habe es oft genug betont, unD kann es hier nur noch einmal wieder- holen, Daß weitgehende Dermögensübertragungen von einer Nation auf Die andere internationale Rückwirkungen haben. Die in Der Lage find, endlich eine Situation zu schaffen, Die sowohl für Gläubiger, als auch für Den Schuldner unerträglich unD gefährlich ist. Ich bin Davon überzeugt, daß eines schönen Tag-S Die KrieaS- schulDen überhaupt anu liiert werden müssen. In Der Zwischenzeit toirD sich jedoch Frankreichs Lage durch Die Zahlungen, die zu leisten es sich verpflichtet hat, beeinflußt werden. Ihre Rückwirkungen auf das National-Vermögen werden wiederum von den Kompensationszahlungen abhängen, Die wir unter Dem Dawesplan zu erhalten in Der Lage sind.
Ich kann mich von einer gewissen Sorge bezüglich Der Entwicklung Der ZahlungS b i - lanz Der französischen Wirtschaft in Den kommenden Jabren nicht sreimachen. Vor Dem Kriege war Frankreich in Dieser Beziehung sicherlich in einer sehr viel günstigeren Lage. Obwohl es in feinem reinen Außenhandel eine passive Han- Delsbilanz aufwies, wurde DaS Defizit Doch nicht nur Durch Die zum Teil recht hohen Ausgaben ausländischer Touristen, sondern vor allem durch Die Zinsen von 50 Milliarden Goldfranks, Die Frankreich im Auslände investiert hatte, nxtt- gemacht und so die Zahlungsbilanz zu feinen Gunsten beeinflußt. Der Krieg hat di? beiden vorerwähnten Einkommensquellen sehr viel schmaler fließen ja z. T. ganz versiegen lassen und es muß daher als beinahe sicher angenommen werden, daß Die Zahlungsbilanz augenblicklich z u Ungunst e n Frankreichs steht.
Ich sage indessen nur „augenblicklich", denn ich habe größtes Vertrauen in Den Fleiß und Die Sparsamkeit der französischen Bevölkerung und in die Widerstandskraft Der französischen Wirtschaft. Frankreich hat stets die Lehren trüber Zeit schnell gelernt. Ich bin daher weit davon entfernt, die Lage auf lange Sicht hinaus als verzweifelt anzusehen, habe vielmehr die seste äleberzeuguna, Daß die kommende Krise Durch eine weise Stabilisierung aus ein Mindestmaß herabgedrückt werden wird unD Daß langfristige Kredite es unS ermöglichen werden, nicht nur diese Periode finanzieller Schwierigkeiten zu überwinden, sondern unS auch mehr und mehr dem Aufschluß der bedeutenden und wertvollen Naturschätze hinzugeben. Die wir nicht nur in unserer französischen Heimat, sondern auch in unseren Kolonien besitzen, und die unS sicherlich in Den StanD setzen werden. Die frühere Blüte Des LanDcs in wenigen Jahren wiederzuerlangen.
Ist Fernheizung möglich?
3n einem Zeitalter, wo die Entfernungen immer mehr durch Einrichtungen aller Art überwunden werden, ist es nur zu natürlich, daß sich die Bestrebungen auch Darauf richten, die Fernheizung einzuführen. Schon im vorigen Jahrhundert tauchte der Gedanke auf, ganze Städte von einer Stelle aus mit Wärme zu verjorgen, und er fand zuerst 1877 seine Verwirklichung, als die Stadt Lockport im Staate Neuyork mittels eines Rohrnetzes von über 7 Kilometer Länge mehr als 200 Häuser mit Heizdampf versorgte. In den neunziger Jahren folgte die Stadt Neuyork diesem Beb spiele, indem sie Zentraldampfleitungen für einige Stadtbezirke ausführte, deren Länge je 1000 bis 1200 Meter betrug. Auch in der Stadt Boston machte man derartige Versuche mit Warmwasser»


