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Samstag, 8. Januar 1927

177. Jahrgang

lir. 6 Erster Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrvi? rmd Verlag: vröhl'sche UniverfilSts-vuch- und Ltelndruckerek v. tanze in Gietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.

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Chefredakteur

Dt Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An­zeigenteil i. Vertr. H. Beck, fümtlich in Giegen.

|r ichetirt lügl'ch.a-ber ioeniogs und feiertags.

vellageo.

liegen« Familienblätter Heickot iw Bild

Die Scholle

$onai$'Ef3Btintls:

Nerchsmark und 20 k tzchspfenntg für Träger» auch bei Richter» k- men einzeinerRummern f olge höherer Gewalt, stlnfprechonlchlüffe: 51, 54 und 112.

fi>hrift für Drohlnach« toten: Anzeiger Girtze«.

poft|d;:dlonto:

franffurtam Main 11686.

bafi es ihnen nicht möglich ist, von sich

Iren,

eine Regierung auf die Deine zu stellen, &rit ist immer noch Z?it genug zum Rätselraten. Lbsr daß beide Fiügelparieien die Hände in

Schoß legen und es der eben von ihnen -jttür-ten Mitte gütigst überlassen, wie das 'Lutsche Reich wieder zu einer Regierung kommt, is euch für unsere verfahrenen Verhältnisse noch riiiirb genug.

2er ehemalige Reichskanzler Luther hat einmal rn auf ähnliche Weise zustande gekommenes Ka- t rett mit dem Derzweiflungoschrci verteidigt:Jr- b:-3mie must doch nun regiert werden!" Das ist "ttttg. Ader wenn wir uns mit dieser Begründung :tiTi'r wieder um eine Klarstellung unserer inner- Hiitischen Lage Herumdrücken, so werden wir auch itiier von der Hand in dcn Mund leben und uns Ti: Verlegenheitsregierungen behelfen müssen, die ijoreils von der Gnade einer übermächtigen Opposi- 3)i abhängen, welche jedoch niemals in die Lage SmxT.t, die Verantwortung für ihre Taten zu über» meinen. Darum würden wir es begrüßen, wenn ifrr Reichspräsident in der nächsten Woche den Füh- ki der sozialdemokratischen Fraktion offiziell mit 4r Kabinettsbildung beauftragen würde. Erst wenn !l?'er feinen 'Auftrag in die Hände des Ncichspräsi- limten zu ruckle gt und auch der deutschnationale -krrllionsführer den ihm erteilten Auftrag nicht aus- H-fuhren vermag, möge man an andere Lösungen ir der Richtung denken, wie sie heute schon allzu *tig erörtert werden. Das Naheliegendste wäre UAurlich eine Neichstagsauflösur.g, aber leider sind äj Aussichten für eine wesentlich andere Kräfte- »rteilung im neuen Reichstag außerordentlich chring.

Die Entscheidung liegt, wie in allen letzten Ka- ttne.lskrisen. beim Ze n t r u m. Für das Zentrum die Aufrechterhaltung unserer augenblicklichen ^rmorrenen Verhältnisse eine Existenzfrage: es if die Partei, die, ihrer eigenartigen Zusammen- 'ssi trg entsprechend, grundsätzlich weder rechts noch Ilu's sein darf, wenn sie nicht einen ihrer Flügel '»:i den Kopf stoßen will. Ihr fällt stets die schwerste ^ronlrootiung zu, denn sie allein hat die Möglich­st, ein großes bürgerliches Kabinett zustandezu- Gingen, das solange der einzige Ausweg aus der

Die Regierungskrisis.

Mit komischem Entsetzen schlägt die gute alte foule Voß di^ Hände über dem Kopf zusammen )t öle naive Unbekümmertheit, mit der im u n demokratischen Deutschland die Leute, die dj von VerusS wegen mit Politik zu beschaf- ,.L-1 haben, die Herren AeichStagsabgeord- ten acht Tage vor Weihnachten ihr Köfferchen ;fcn und die Politik vier Wochen in die tren schicken. DaS wäre ja schließlich nicht verwunderlich, denn warum sollen nicht auch |cre Leute einmal die Politik herzlich satt be- fcfiiincn? Erstaunlicher ist schon der hohe Ver- tnuensbeweis, der hierin sür die Person des L^chSprä.identen liegt. Dem Manne, dessen an* »bliche Abhängigkeit von monarchistischen Ärei- |ii noch vor anderthalb Jahren demokratische r.j sozialistische Wahlredner nicht genug ver- biHtigen konnten, geben die gleichen Leute heute Kt vier Wochen Blanco-Vollmacht ohne ein Dort darüber zu verlieren. Sie fahren unbe- tnmert nach Hause und saaen sich: Papa Hin- krlbutg wird es schon machen.

Danz so cinsach ist die Sache natürlich nicht, frnn man die Starre einmal so fest in den Dreck Sichren hat wie diesmal. Die Herren, die da- i sich in vorderster Front betätigt haben, Wer­kin doch wieder herangeholt werden müssen, n nun auch zu zeigen, was sie im Reuschaffen Kisten können. Durchblättert man die Zeitungen bit lebten Tage, so wird man es allerdings cltaunlid) sinden müssen, daß offenbar gar nicht Kren gedacht wird, nun in erster Linie die jkdinettsstürzler von rechts und links zur Ver- rttporlung zu ziehen und ihnen die Aufgabe x.zuschieben. für die von ihnen zu Fall gebrachte Xgierung eine neue zu bilden. Statt dessen wer- btr als vornehmliche Kanzlerkandidaten Männer tic Stegerwald und CurtiuS genannt, und es tirfc schon eisrigst erörtert, wie man von der litte aus wiederum die Lösung finden soll. Üt finden das ganz außerordentlich voreilig, fi' Mitte, der man eben von rechtS und links eii Bein gestellt hat, hat doch wahrlich keine Lr'oche sich über die Lösung dieser, von ihr jerj gewiß nicht gewollten KrisiS den Kopf in zerbrechen.

Dabei liegt die Sache diesmal fo schrecklich ei-iach: die Sozialdemokraten haben bas TitzttauenSvotum gegen baS Gesamt ^abinett T<;tt eingebracht, doch nicht mir, weil ihnen kct Gesicht des Herrn Geßler schon lange nicht rbr paßte, sondern weil sie sich durch die an* »blichen Abmachungen mit dem Kanzler ge­duscht sahen und nun offen in die Regierung feiten. Die Deutschnationalen, die seit Ibraten ir;re De rett sch ast zur Llebemahme der Tcsierurg erklärt hatten, haben dem sozialisti- fc.T. Mißtrauensvotum zugestimmt, um die par- Icnentarische Lage mit einem Schlage auf der tilgen Linie zu klären. Heißt das aber Klärung, t?im man sich beeilt, b i e gleiche ©itna* I o n wieder herzustellen, die man eben als «Haltbar empfunden hat? Das ist wieder kcü gleiche ideenlose Fortwursteln, wie wir es rin schon seit Jahren zum Schaden einer ge­ll Cen innerpolitikchen Entwicklung betreiben. Die lactcien der M t c sind nicht dazu da, jedesmal vi Suppe auszulös'eln, die ihnen die beiden Ijtiel abwechselnd ciibtoden. Warum überläßt tim nicht jetzt erst einmal den Herren Müller* ;$tir.fen und Graf Westarp die Bildung des Tuen Kabinetts? Sie sind doch die nächsten <u. Wenn sie den klaren Beweis erbracht

Der russisch-engsische Kampf um China.

Die Berichterstatter der englischen Blatter fabeln und funken unablässig alarmierende Mel­dungen über die Ereignisse im Bangtsebecken nach London. So wahrscheinlich es ist, daß das brittsche Ansehen im fernen Osten durch den erzwungenen Abzug der Freiwilligen aus Han- kau eine Schlappe erlitten hat, so wahrschein­lich ist es auch, daß mancherlei llebertrei- bungen absichtlich dabei unterlaufen, alles zu dem Zweck, um eine tatkräftige Politik Englands in China vor der öffentlichen Meinung der Erde zu erklären. Ist denn überhaupt an^unehmen, daß den Briten die (SnttoUIung in Chma völlig überraschend über den Kops gewachsen ist? Bei dem Reh von Agenten, mit dem sie den gangen fernen Osten überzogen haben, bei den vielfachen Erfahrungen üjrer jqhrhundertjährigvn Kownial- geschichte ist das mehr als unwahrscheinlich. Aber es entspricht der Größe des Kampfes, der im fernen Osten ausgetcagen werden soll, sowie des möglichen Gewinnes oder Verlustes, der dabei erzielt werden kann, daß nicht alle Trümpfe sofort auf den Tisch geworfen werden.

Gewiß, es ist heute ein nationaler B e ° frciungsfnmpf, dcn die Südchinesen unter der Führung Kantons aufgenommen haben. Es ist aber ebensosehr ein Zusammenprall der machtpolitischen Interessen Eng­lands und Rußlands, die sich dabei un­gleicher Waffen bedienen. Sowjetrußland sieht in England den Gegner, mit dem cs sich einmal ausein- andersetzen muß. Moskau hat diese Auseinander­setzung zunächst in Mittelasien gesucht, in der Türkei, in Persien und Afghanistan. Der englische Einfluß wurde zu Beginn der Auseinandersetzung zurückgedrängt. Es gab eine Zeit, in der es schien, als ob der Bolschewismus Mittelasien erobern und seine Flutwellen über Indien hinwegbrauscn lasten werde. Die englische Politik hat es verstanden, den bolsck-ewistischen Angriff abzudrehen und zurück- z u d r ä n g e n , so daß von dieser Seite aus die Ge- fahr für Indien beseitigt ist.

Moskau hat bann baS Angriffsfeld weiter nach Osten, nach China, verschoben, wo die Boraussetzungen nicht ungünstiger lagen, als in Mittelasien. Kanton wurde zur Keimzelle für die bolschewistische Wühlarbeit, nicht deshalb, weil eine auch nur bedingte WahlverwandtsLast zwischen den schöpferischen Gedanken SunjatsenS und Sowjetplänen bestand, sondern weil der eine den anderen gebrauchen konnte. Das groß- artige politische Testament Sunjatsens ist nichts weniger, als bolschewistisch und kommunistisch. Aber wie hätte die Befreiung Chinas anders ins Werk gesetzt werden können, ohne die Massen der chinesischen Bauern sozial und national auf» zurütteln. Zunächst versuchten die fremden Mächte, insbesondere England und Japan, den Befreiungskampf durch den Bandenkrieg der Marschälle abzuwürgen. DaS Ergebnis dieses ersten Teiles des chinesischen Befreiungskrieges läßt sich heute einigermaßen übersehen: die Kan­tontruppen haben trotz einzelner Rückschläge die Bangtselinie erreichen und damit Eüd- china sich unterwerfen können. Die Eroberung H a n k a u s war von entscheidender Bedeutung, denn in Hankau befinden sich große militärische Arsenale, die mit den neuesten Maschinen, die aus den Bereinigten Staaten stammen, ausge­rüstet sind.

England war klug genug, sich mit der Tat­sache politisch abzuftnden. Es ließ fernen Ge­sandten nach Han'au fahren, um durch unmittel­bare Verhandlungen mit der Kontonregierung zu­nächst wenigstens dasGesicht" zu retten. In einer Rundnote an die Mächte, die das Wa­shingtoner Abkommen unterzeichnet haben, schlug England vor, der Kantonregierung Zugeständ­nisse zu machen. England wollte damit offenbar mehr erreichen: die Spaltung des Reiches :ber Mitte, um nach Befestigung der politischen Verhältnisse im Rorden beide Teile gegenein­ander ausspielen zu können. Inzwischen war ja auch Tschangtsolin in Peking ein» gezogen, von dem es heißt, daß er ein unversöhnlicher und unerbittlicher Gegner Mos­kaus fei. Das Problem ist indessen nicht mehr, wie der Einfluß Moskaus in Südchina nieder- geworfen werden kann. Es tri'ft zu, daß Moskau sich an der Schöpfung der kriegs- und marsch­fähigen Kantontruppen stark beteiligt hat. Hun­derte von Offizieren der roten Armee bekleiden

Desehlshaberstellen bei den Kantontruppen. ilnb der eigentliche Führer soll auch nicht der Kan- tongeneral Tschiang sein, sondern der General Gallout, der schon im zaristischen Heere gedient hat.

England hat weder von der Kantonregierung noch von den anderen fremden Mächten eine Zusage erhalten. Frankreich. I alkn und England wollen sich nicht einmischen, was aus diploma­tischer Sprache übersetzt nur bedeutet, daß sie den Entscheidungskamps zwischen dem Marschall Tschangtsolin und den Kantontruppen abtoar- t e n wollen. Wann diese Entscheidung fällt, läßt sich nicht übersehen. Die Kriigsstärle der Truppen und die bisherigen Erfolge der einzelnen Heer­führer sind dafür nicht ausschlaggebend. Bor den Kantontruppen ziehen die Agnen der Kanton­regierung nach Rorden, um die Massen im Sinne des sozialen und nationalen Befr.iungskampses aufzurutteln und zu gewinnen. Tschangtsolin kann sich nicht allein nach Süden wenden, ec muh auch seine rechte Flanke gegen die Volksarmee des Generals Feng sichern, die ununterbrochen übet die Mongolei mit Sowjet-Rußland in Verbin­dung steht, von dort Waffen und jede andere notwendige Ausrüstung bezieht. In der Man­dschurei hat Tschangtsolin den Sowjetrussen eine politische Demütigung nach der anderen zufügen können. Sie haben dafür ihre Kraft in Sudchina vereinigt, die Truppen Fengs ausgerüstet, um so die En scheidung imBangtsebeckenzu suchen. Es ist das Sturmzentrum Chinas geworden, was es eigentlich immer auch im Ablauf der Geschichte Chinas gewesen ist. Selbst wenn Tschangtsolin siegen sollte, so wird er damit die Entwicklung der letzten Jahre nicht ungeschehen machen können. DaS chinesische Volk will seine Be­freiung. will von der unerträglich gewordenen Fremdherrschaft erlöst sein. Gerade dafür hat daS ueutsche Volk Verständnis, ganz abgesehen davon, daß die Befreiung Chinas auch die Fesseln sprengt, die Deutschland und dem deut­schen Wettbewerb im fernen Osten durch die Versailler Siegerstaaten aufgezwungen worden sind.

Die Chinesen in der britischen Konzession.

Schanghai, 7. 3an. (Heuler. Iunkspruch.j (Eine Meldung aus japanischer Quelle in hankau besagt: Die Flagge weht nicht mehr über dem bri­tischen Generalkonsulat. Don heute vormittag an I halten chinesische Truppen bas Konsulatsgcbaude bemacht, rco sich der Generalkonsul noch aushält. Die britischen Einwohner haben sich in die Gebäude der f)ongtong- und Schanghai-Bank und der Asiatischen Petroleumgefellschast geflüchtet, die von chinesifchen Truppen und Streikposten bewacht werden. Die bri­tische Niederlassung wird jetzt von einem Jünfer- ausschuß verwaltet, der aus Mitgliedern der Orts­gruppe der ftuomintangparici ausgewähll ist. Die Geschäfte mit den Banken sind vollkommen lahm- gelegt trotz der Versicherung der Rationalisten, daß die Ordnung aufrechterhalten werde. Der Korre­spondent des Heuterbureaus sowie andere Personen werden von kleinen Truppenabteilungen in den Ge­bäuden der Asiatischen Petroleumgesellschaft ein- gejch lassen gehalten; man hasst jedoch auf ihre baldige Befreiung.

Die moralische Wirkung.

Peking, 7. San. (Reuter.) Die Tatsache, daß Hunderte von britischen Staatsangehörigen in China einer unwürdigen Behandlung aus- gefetzt waren und von ihren Heimstätten Vertrieben wurden, wird hier als Ein sehr ernster Schlag gegen das britische Prestige in ganz Asien angesehen, wobei auf die vermutlichen Auswirkungen dieser Er- rignifie in Indien hin gewiesen wird. Dcsrem- det haben die offiziellen Zusicherungen, die bri­tischen Streitkräfte in China seien ausreichend, um Leben und Eigen!Sm zu schützen, während tatsächlich in Hankau im kritischen Augenblick die Streitkräfte bei weitem zu gering waren, um einem Angriff Widerstand zu leisten. Eine weitere Meldung besagt, daß für die Räu­mung von Tschengtufu und anderen Plätzen der Provinz Sze'chuan und anderen Tellen Süd- und Westchinas durch die

britischen Männer und Frauen alle Dorberei­tungen getroffen würden. An einigen Orten hat die Räumung bereits begonnen.

Scharfe Kritik

in der englischen Presse.

London, 7. Jan. (WTB.) Im Mittelpunkt der Berichte und Erörterungen der britischen Presse steht die Räumung der britischen Slon^effion in Hankau, die als einäußerst demütigender Schlag für das britische Prestige im fernen O st e n" bezeichnet wird.Westminster Gazette" zufolge belogt die Mitteilung des britischen Generalkonsuls in Hankau an die amtlichen Behör­den in London über die Zurückziehung der britU schen Marinctruppen aus der britischen Konzession im wesentlichen, daß, wenn die Engländer auch zehnmal soviel Streitkräfte zur Derfügung gehabt hätten, wie sie tatsächlich hatten, es trotzdem u n möglich gewesen wäre, die Lage in Hankau in der Hand zu behalten. Der Berichterstatter der Westminster Galette" in Schanghai hält es für möglich, daß dieser Erfolg der chinesischen Extre­misten zu einem Staats st reich führen werde, durch den die gemäßigten Nationalisten aus ihrer führenden Stellung verdrängt würden. Der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt: Der äußerste Ernst der tatsächlichen Lage in Hankau wird jetzt in amtlichen Kreisen zuge­geben. Besonders peinlich ist dieEntwaffnung der britischen Freiwilligen auf die For­derung der Santonefen hin. Die gesamte Konzession ist damit der Gnade der letzteren ausgeliefert wor­den. Während die verantwortlichen britlfchen Poli­tiker eine solche Antwort erhalten haben, sind d i e französischen und japanischen Kon­zessionen respektiert worden und unbe- lästigt geblieben, obwohl die beiden Regierungen sich nachdrücklich geweigert haben, die Rechte aufzu­geben, deren baldig« und weitreichend« Abänderung di« britischen Behörden zu erwägen bereit sind. Das Blatt behauptet, sowohl die Kantonregierung als auch Fermnustang, die heute miteinander fast ganz Süd- und Westchina beherrschen, würden von der Sowjetregterung Rußlands beraten, unterstützt und versorgt. Die britische Stel­lung in einem großen Dettragshafen sei verloren und die Grundlage der ganzen englischen Stellung in China sei erschüttert. Wenn sie gerettet werden solle, so müsse eine Haltung angenommen werden, die von der, deren Wirkung man in Hankau febe, sehr verschieden sein. Der divlomatifche Bericht­erstatter derMorningpost" schreibt, in vielen Kreisen in London werde betont, daß, wenn Ruß- laut) fortfahre, Großbritannien auf fremden Boden zu bekämpfen, sowohl seine politischen als auch seine Handelsvertreter aus dem britischen Gebiet entfernt werden müßten. Man sei der Ansicht, daß eine solche Maßnahme die finanzielle Uhr der Sowjcttegierung um viele Jahre zurückftellen würde.

DieAmerikanerräumenHankau

Hankau, 7. Jan. IRruter.) Der Minister des Aeußeru der südchinesischen Regierung hatte eine Konferenz mit den hauptsächlichen Mitgliedern der amerikanischen Kolonie von Han­kau über die sehr ernste Lage in Hankau. Mi-< nister Tschen versicherte, es läge kein Grund für eine Panik vor und die Streitkräfte der nationalistischen Regierung reichten aus, um Herr der Lage zu bleiben. Rach der Konferenz beschlossen die meisten Angehörigen der ameri­kanischen Kolonie, Hankau zu räumen. 60 amerikanische Staatsangehörige. Frauen und Kinder, haben Hankau verlassen.

Die neuen amerikanischen EinrocmLerungsquoten.

Washington, 7. Jan. (Wolfs.) Ein Beschluß des Senats ersucht den Präsidenten, das Staats­departement, das Handelsamt und das Arbeitsamt zur Vorlegung eines Berichtes über die neuen Ein­wanderungsquoten zu veranlaßen. Die neuen Quo­ten würden am 1. Iu 1 i d. I. in Kraft treten, falls die betreffenbe Kundmachung des Präsidenten bis zinn 1. April erfolgt. Im Repräsentantenhaus brachte der Demokrat Douglas ebenfalls einen An­trag auf Vorlegung der Berichte über die neuen Einwanderungsquoten «rn. Er bemerkte, daß die

Krisis darstellt, wie weder Dolkspattsi noch Sozial- demokraten zur Wiederholung der sog. Großen Koa­lition begreiflicherweise Neigung zeigen.

Es ist angeregt worden, ein Lrebergangs- stadium zu schaffen in Gestalt eines Kabinetts der sog. Kleinen Rechten. Mit anderen Worten, Deutschnationale. Bayerische und Deutsche Volkspartei würden gemeinsam mit der Wirt­schaftspartei eine Regierung bilden, die das Zen­trum unterstützen muhte, wenn diese Regierung im Reichstag eine Mehrheit finden will. Man denkt dabei an das erste Kabinett Luther, in dem zwar das Zentrum durch den Reichsarbeits- minifter Dr. Brauns vertreten war, ohne sich jedoch dabei festgebunden zu haben. Das ist na­türlich wiederum nur ein Notbehelf, aber er könnte die heute rwch auseinanderstrebenden Parteien der Deutschnationalen und des Zen­trums, die im Grunde gerade innerpolitisch zahl­reiche gleichlaufende Interessen haben, in ge­meinsamer Arbeit einander näher bringen, zu­mal ja über die außenpolitische Linie grundsätz­

lich Einigkeit besteht. Die Schlachtrufe von der »gefährdeten Republik" und der »drohenden Re­aktion", mit der man in gewissen Kreisen vor einer Regierung der Großen Rechten bange machen will, sind zu töricht und zu abgegriffen, um von ernstzunehmenden Männern überhaupt erörtert zu werden. Mit dem Gefühl kann man auch heute keine Politll machen. Es bedeutet eine schwere Versündigung an unserem Volke, wenn man immer wieder versucht, zwischen den allein echtenGesinnungs"-Republllanern und denjenigen einen scharfen Grenzstrich zu ziehen, die sich nicht so schnell auf die neuen politischen Verhältnisse umstellen konnten, die aber trotzdem die Verantwortung suhlen, auch in der deutschen Republit positive Arbeit am Staate zu leisten. So widersinnig es ist. zu sagen, es könne nur o'Jhe die Sozialdemokratie regiert werden, so wider­sinnig ist es auch, zu behaupten, ohne die Sozial­demokratie könne man im neuen Deutschland über­haupt nicht regieren. Mit diesen Theorien kommt man nicht weiter; der Staatskarren ist bald fest­

gefahren, wie wir ja jetzt wiederum gesehen haben. Wenn es der Linken, also den Parteien der Weimarer Koalition, gelingt, eine sichere Mehrheit hinter sich zu vereinigen, so wird ihr die Regierungsfähigkeit kein Mensch absprechen wollen; wenn sie aber nicht in der Lage ist, eine Regierung zu bilden, dann hat sie auch nicht das Recht, ein Kabinett zu stürzen, von dem sie selbst nicht weiß, wie sie es wieder ersetzen soll. Das hat ihr bei der letzten Reichstagsdebatte ein Mann aus ihrem eigenen Lager, der demokratische Abgeordnete Haas, mit dürren Worten gesagt, ohne allerdings bei den Sozialdemokraten Ver­ständnis dafür zu finden. Erweist es sich nun also als richtig, daß die Linke von sich aus keine lebensfähige Regierung bilden kann, bann erwächst dem Zentrum, als einer Partei, die sich grundfätzllch weder auf rechts noch auf links festlegt, die Pflicht, eine Regierung der Rechten zu ermöglichen, will man nid)! den zweifelhaften Versuch machen, durch eine Auslösung des Reichs­tags günstigere Mehrheitsverhältnisse zu schaffen.