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Donnerstag, 7. ilpril 192?

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 82 Drittes Blatt

Aus der Proviiizialhauptstadt.

(Diesen, Nm 7. Apnl 1922.

Billigere Gesellschaslsfahrlen auf der Reichsbahn.

WSR Die Deutsche Reichsbahn-Grtellfchaft nnU die Gesellschaft »fahrt en noch Wetter erleich­tern. frtc säht daher für bi« Benutzung von fronbe^ugm bei kleineren GefelU chatten eine welentlich günstigere Gestaltung der diShcr gül- tiaen iardbeftimmunden eintreten. Sowohl bte Mindest zahl ber zu Löf erben Fahrkarten al» auch bet für die Benutzung von fronberzugen an bie Reichsbahn zu zahlende Mindest benag werden erheblich ermäßigt Die en, sprechenden Befannt- machungen ber CKr.dnr-jaljnbircfiioncn Verden In Kürze erfolgen. In Ausnahmef allen soll nach den neuen Bestimmungen sogar bie Benutzung oon SonntaaSrirckfahrfarten zugelassen Verben. Jm allgemeinen totrb In Zukunft bereit» bi« Abnahme von 70 Fahtgatlen L Klasse. 100 Fahrkarten 3 Klas'e ober 150 Fahrkarten 4. Klass« für bie Stellung eines fronderzuges genügen Falls ber bestellte Sondetzug innerhalb 24 Stunden hm und zurück sühn, sind sogar nur 45 Fahrkarten 2 Klasse. 7 0 Fahrkarten 3. Klasse ober 100 xabr- farten 4 Klasse von den Veranstaltern der Fahrt abzunehmen während früher die tJtWWVWöi Mindestzaht. n SO Fahrkarten 2 Klasse, 120 Fahr- (arten EÄlaffe ober 180 .Fahrkarten 4, Klasse betrugen Der für bte Benutzung eine» fronber- luac» nu zahlende Mindest betrag ist um 50 Proz.. uJb »Aat wm 150 Mark auf 100 Mark heraö- gdett worden In diesem Zusammenhang fei noch darauf hingewiesen, bah kleinere ®cfell- schäften von 20 Personen ab. schon bei Mindrst» cnltemuiigcn von 40 ÄUometcrn ein« .FahrproiS- crmäßlgung von 25 Proz. in Anspruch nehmen können.

Personalien Ernannt wurden der nicht geschäftslciicnbe Oberjustlzinspevor b?i dem 3mltger;d)i Büdingen. Lhristian Otto Schäfer zum gefchäftSlc.lenden Oberjustizinfpektor Lei dem :fl; der

hem AmtSgei.3>i Orienbcrg Jakob Didier zum Iuftizlnfpektor bet dem Amtsgericht Bübingen: ber Iustlzin'pektor bei dem Amtsgericht Hom- berg. Reinhard Kraft zum geschäftSlcitenden JuütAinfbtlior bei dem AnttSg< licht Altenstadt. Ter Justiz Inspektor bei dem Amtsgericht Alten­stadt Fran, Slumps zum Iustizinspeklor bei rg. alle mit Wirkung nom 1. April Aus dem Staatsdienst entlassen wurde ber BermellungSoberasfistent beim Ber- mefsungSamt GiehenLand 3alob Zimmer In Siesten auf fein Aachsuchen vom 16. April 1°27 ab.

4 Der Deutsche Republikanische Lehrerbund, Ortörcrem Giehan. hatte sür Lamstagnachmittag in den Singsaal des Real-

» zu einem Bortrag des ötubicnrat» 5t. Schwarte- Weilburg über ,Mussolini und bte fafzlftisch« Staatsidec" eingeladen Aach kur- itr Begnihung und einigen GinleitungS Worten des Vorsitzenden. Professor Hüter, sprach Dr. Schwarte über lein Thema Or schilderte in 'einem ersten Teil den Alen schon Mussolini, in fernem zweiten Teil bie Entstehung der faszisti- 'chen etaateibcc Benito Mussolini, der Sohn eine* Dorfschmiebes. wurde Mehrer in einem kleinen Dorfe Oberiiahcn», beschäftigte sich al» Sozialist mit ber Politik, muhte aber halb seinen Berus aufgeben, da er mit seinen kaum 40 Schü- lern nabt fertig wurde. Aus seiner Manderschast kam er in bi« Schweiz, wo er als Tagelöhner arbeitete, aber halb wegen politischer llmtr.ebe auSgewiesen wurde Ebenso erging e» ihm in Oesterreich Zurückgekehrt in fein Heimatland, wurde er Schriftsteller und Agitation»reifender der Sozialistifchen Partei, muhte aber bald Wegen Volk»ausrei,zung hi» Gefängnis. Später trat er mit einer Schrift .Philosophie der Gewalt" her­vor, und nun begann sein Ausstieg in der Sozia­listischen Partei. Bereit» im Frühjahr 1914 machte er einen Versuch, mit Hilfe von Gewalt die Macht an sich zu reihen, jedoch umsonst. Aach Ausbruch de» Weltkrieges war Mussolini einer her größten Heyer gegen Deutschland und suchte die Bollsmassen für den Krieg zu begeistern, ledvch mit dem Ersolg. bah er aus ber Sozia­listischen Partei außscheiben. muhte. 1916 wurde er.Soldat, wurde aber wegen einer bei einem ilnsall erlittenen Berfetzung entlassen. Am 23. März 1919 gründete er den .Bund der Front­soldaten" und suchte auch Kammermitglied zu werden, erhielt aber nur wenige Tausend Stim­men. Iowischen hatte die italienische Sozia­listische Partei den Anschluß an die Moskauer OWecnatwnalc beschlossen und sich ber Fabriken bemächtigt. Eine wirtschaftliche Katastrophe brach herein. 3n diesem Augenblick erschen Mussolini auf dem Plan und riß bie Macht an sich. Da» nEUgeschafsene Heer und bie vaterländischen Ber- bänbe standen hinter ihm. unb Straferpeditionen liehen die Menschen erzittern Der au»br«benbe Generalstreik scheiterte völlig, bie Massen muhten sich ber Gewalt des einen Menschen beugen. Die Kammer wurde aufgelöst, und Mussolini zog nrit 35 Abgeordneten in di« neue Kammer. Aun l^egann auch ber Kamps gegen die Deutschen in Südtirol. 3m Oktober 1922 erfolgte ber Marsch auf Bozen und die Prob«Mobilmachung. Sin Schreckens regirnent spielte sich ab. wie wenig in der Geschichte Aach dem Fafzistenkvngreh in Aeapel wurde der Marsch auf Ao in an getreten und diese» eingenommen. Da rief ber .König Mussolini, der noch in Mailand geblieben war. nach Aom zur Ucbernabtnt der Regierung. Sin Bahr nach der Srnwrbung MatteotttS. am 10. Junt 1924. begann ber Ausbau der Diktatur. Die Prestesrei^it wurde auf gehoben, und eine Despotie herrschte wie unter Aapoleon I. Zügel­loser Ehrgeiz und ungeheure Menschenverachtung find die Ursachen von Mussolinis Gewaltregi­ment. 600 Jahre sind verflossen, seit ber er?tc Italiener. Dante, vor Anwendung von Gewalt warnte. Wie lange noch mag Mussolmi» Herr- schäft bauern? Mit Hinweis auf d.e gegenwärtige StaaiSform in Deutschland. auf Sr-icbung zur wahren Volksgemeinschaft schloß ber Bortragende feine Ausführungen. Lebhafter Beifall ber Ber- ' immlung und der Dank des Vorsitzenden, Prof. Hüter lohnten den Aebner.

Kleinkaliber-Schützenabteilung de» Schüyenvereins Man berichtet uns: Dieser Lage erfolgte unter Anschluh an den Schützenvercin Giehen die Gründung euwr Klein- kaltber-Schützenabkcilung. Die Abteilung trägt den Flamen , Kleirckalibcr-Schüycnabteilung des SchüL- zenvereins Gichen S. B." Das Ziel ber Gründung

ist bte körperlich« Gerüchtigung durch Betätigung im Schtkchtpvrt' vor allem ist hierbei an bw deranwachsende Jugend gedacht Sin Beweis für da- Bntetrfte. das ber Sach« entgegengebracht wird, kann darin erblickt werden, dah bei der Gründung bereit» etwa 153 Anmeldungen Vor­lagen. S» kann somit erwartet werden, dah die Abteilung weiterhin gut gedeihen wird

Oberhesfen.

Mrcie Schotten.

-4- S,ch«l»borf. 5. Apnl. Das hiesige Säg ewerk war bis kurz vor dem Krieg« da» einzige Unternehmen der Firma 3. Himmel»- bad) in Oberhefsen LI» Geländrichwicrigkriten ber Bergröherung de» Werkes hindernd im Wege standen, errichtet« die Firma in Aidda. wo bereitwilligst Gelände zur Berfügung gestellt wurde, ein bebrütend gröhcres Werk, während da» hiesige in bescheidenem Lahmen weiter geführt wurde. Jetzt ist es gänzlichstill­gelegt worden Ob es ftch um eine vorüber­gehende oder bauernde Maßnahme handelt, kann noch nicht festgestellt werden wenn ach letzteres nahe liegt. Die gesamte Arbeiters chaft wurde von dem Aiddaer Werk übernom­men. wo sie vorläufig in einer 2 Schicht non mittags 12 bi» abends 9 Uhr bei einstündiger Pause arbeitet.

Kreis Büdingen.

rl. Blei chenkach. 6. April. Am Sams­tag beging die hiesige Schule ihre Entlas­sungsfeier. Die Gemeinde beteiligte 1 ich daran weit über den Kreis der Gltern und An­gehörigen der Schüler hinaus. Nachdem der ®e- angDcrein mit einem schön vorgetragenen Liede die Feier eingeleitet hatte, begann die feierliche Entlassung der Schüler auf olumengefchmückter Bühne. Der Lehrer sprach non der Treue, bte über allem Wechsel des Leberts allein ewig bleibt. unb was sie im Alltagsleben von dem Menschen verlangt. Die Schüler ergänzten feine Worte an geeigneten Stellen durch Gedichtvor­träge. Zum Schluh ber Gntlassungshairdlung wur­den den Schülern künstlerisch au»geführie Ent­lassungsscheine (Bilder beutfdjer Maler) mit vom Mehrer ausg«wählten Lebenssprüchen au» deut­scher Dichtung au-gehändigt 3m zweiten Teile des Abends führten die Kinder drei verschiedene Bilder aus unserem Volksleben vor und fangen dazu eine ganze Anzahl alter, heute leider im Helft fast unbekannter Volkslieder. Auch durch den Gesangverein unb einen vierhändigen Kla­viervortrag ber Lehrer würbe Dieser Teil der Feier verschönt. Eine Sammlung am Schluß der Feier ergab einen schönen Zuschuh für Die Schul­kasse.

Kreis Alsfeld.

►4 21sfelD, 6. April. All» Der Stadt- vorstanDSfitzung Der Voranschlag für den diesjährigen Prämienmarkt, der sich mit 14 850 Mark in Einnahme und Ausgabe bc- tt>egt, wurde in der vorgelegten Fällung gench- migt. Zugleich wurde beschlossen, dah der Prämienmarkt in 1928 von Dem ersten auf Den zweiten Montag des Monats Juli verlegt werden soll. Da er sonst zu früh und in eine landwirtschaftlich nicht günstige Zeit fällt, da bie Heuernte noch nicht beendigt sein wird. Ver­schieden« Verpachtungen von Grund- st ü ck e n wurden nach Den Vorschlägen der Land» wirtschaftökommission genehmigt. Da verschiedene Wege und Triften, die an die Schäsereigenossen- 'd:aft verpachtet find, mit Anpflanzungen für Anlage eines DogelschutzaehölzeS und zur Verschönerung des Landschaft-Hildes mit Bäumen und Sträuchern versehen worden sind und daher nicht beweibet werden Dürfen, wurde Der Genossenschaft ein Pachtnachlah von 33 Mk. auf die vertragSmähig festgesetzte Pachtsumme von 303 Mk. gewährt. Bezüglich der Bade­anstalt wurden die vorgesehenen Schlosserarbei­ten dem K Seyffarth und Genossen zu ihrem An- ?ebot vom 26. März 1927, die Herstellung deS »olzsteges zwischen dem Bassin für Schwimmer und Atchtschwimmer wurde Der Firma Sonder- mcknn 8t Bücking übertragen. Der von Dem Stadt­bauamt vvrgelegte Voranschlag über Die Be­festigung De» Gelände» zum Zugang der Fefth alle mit 1900 Mk. wurde genehmigt und der erforderliche Kredit bewilligt. Aul An­trag Der Baufornmillion wurDe für die Der- gebung von städlilchen 2 r beiten und Lieferungen solgender allgemeine Be'chluh aefafit. .Die Unternehmer Haden künftig eine Kaution in Der Weise zu stellen, bah die Stadt berechtigt ist. einen gewillen Prozentsatz der Sub- miffionSfumme. bellen Höhe von Fall zu Fall festgefetzt wird, bis zu erfolgten Schtuhabrechnung zuruckzubehalten. Wie der Borlltzende hierzu be­merkte. haben verschiedene unliebsame Vorkomm­nisse bet Ausführung um Arbeiten in der letzten Zeit Den Anlaß hierzu gegeben. Um zu ©c- fchenkzwecken und als Stiftung zu Ehrenprei­se n bei DereinSfestlichkeiten einen geeigneten Ge­genstand zu bekommen, wurde beschlossen, bei der BerlagSbuchhaiidlung A. G Eiwert in Mar­burg eine Anzahl Lichtdrucke zu bestellen von Dem Bilde des Alsfelder Marktplatzes au» dem Werke von Dr. Mayer-Burkhaufon .Als- seid Die Bürgermeisterei wurde ermächtigt, mit dem Kreisarzt Medizinalrat Dr. Balser . der an die Stell? deS nach Giehen versetzten Kreis­arztes Medizinalrat Dr. Zinsser nach Alsfeld kommt, einen Vertrag über bie Aus­übung ber schul ä rz tkichen Tätigkeit an Der DolkSschule zu Alsfeld auf Der seitherigen GrunDlage abzufchliehen. Zugleich wurde der Be­richt des seitherigen Schularztes Dr. Zinller über Die schulärztliche Tätigkeit im Zahre 1926 bekannt gegeben. Dem zu entnehmen ist. dah sich Der Gesundheitszustand ber Schüler im letzten Äahre gca<l,cri bat. An Die ciruig fLlo'. 1 J) nichtöffentliche Sitzung an. Am Dienstag abend veranstaltete die Madrigal-Dereini- gung Darmstadt unter Leitung von Profes­sor Dr. Friedrich 21 o ad aus Darmstadt in ber hiesigen WalpurgiSkirche eine kirchenmufi- kalifche Passionsandacht, welch« bie Aullührung der Schützschen Lukas-Pa'«wn in ganz vorzüglicher Welle brachte. Die Wiedergabe des gewaltigen Ton- und GeiangswerkeS. darstellend Die LeidensgSchichte Christi, vor eine tiefergrei­fende mufikalllche Andachtsstunde. wie fie hier wohl kaum noch geboten worden war Die Kirche war vollbesetzt. Zur Einleitung spielte Prvfe'tor Dr. Aoack das eindrucksvolle Choralvorkpiel .0 Mensch, bewein' Dein Sünde grob von Dem groben Meister 3o$. Sebastian Bach

Starkenburg.

WSA. Darmstadt 6. April. 3n der Aaavt zum 4 April fand in ber grohen Kaplanei- gal'c e.ne größere Schlägerei statt Die Streitenden gingen mit Schustermrs'em. Spa en. Prügeln und dergle.chen auseinander los und ha­ben «ich zum Teil ' chvere Verletzungen beigebracht Einer ber beteiligten erhielt eine

Schlagader nicht verletzte Der Schwerverletzte befind ei sich tm Stadtkranlenhause Die weniger Verletzten konnten nach Anlegung von Verbän­

den D e Ermittlungen über die Schuldfrage sind «inge leitet

Preuhen.

Mifto 2t)chlar.

Wetzlar 6. April. Gestern verstarb hier ber Förster a D Weckmüller. Er war eine bekannte Persönlichkeit in der rheini'chen Fvrftwelt und ist vor wenigen Wochen 90 Jahre alt geworden Unter Den zahlreichen Ehrun­gen au» Aniah diese» Tage^ befand flch auch ein Handfchre btn de» Reichspräsidenten Deck­müller war bi» in feine letzten Tage hinein von beneidenswerter Rüstigkeit

Kreis Limburg.

DSR. Limburg 6. April Aus dem Ge­lände bte Wagners Appen. Frankfurter Skrähe, würbe ein ergiebiger Mineral- brunnen erbobrt. der unter bem Hamen Friebrich-Luelle berei's bem Wallervertriebe dient Zn der Rähe der jetzt er bohrten Mineral­quelle foll fich vor hundert Bahren ebenfalls eine solche besunden Haven, die aber iniolgc Streitig­keiten der Besitzer zugeschüttet worben sei.

Kunst und Wissenschaft.

stundertsünszigjahrfeicr der ftafkler Kunstakademie.

Die Staatliche Kunstakademie in Kalle!, eine der ältesten Kunsthochschulen Deutschland», wird am I. Juni d. 3. bie Jubelfeier ihre» 150jährigen Bestehens im Beisein de» preuhilchen Ministers für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung begehen. Zugleich findet in bem für diesen Zweck frei­gegebenen t?rang«riefchloh - einem hervorragen­den Barock bau in der Karlsaue - eine grobe Ausstellung statt. Diele Ausstellung wird zunächst eine historische Abteilung umfassen, die an auS- gcwähllen Kunstwerken bie Entwicklung ber Kunst­akademie vom Rokoko biS in die jüngste Geaen- wart hinein zeigen soll Eine weitere Abteilung wird eine Auswahl des Besten moderner Malerri und Plastik zeigen. So Arbeiten von: Lieber­mann, Cortnty. Slevogt. Hofer. Pechstein. Heckel, Otto Vlüller, Klee, Scininger, Grob Dir, non Bildhauern: Kolbe. Scharfs, de Fiori, Sintenis und biete andere Sine dritte Abteilung ist dem hessischen Kunstschaffen der Gegenwart gewidmet. Die Ausstellung wird am 1. 3uni eröffnet werden und voraussichtlich eine Fülle wenig bekannter künstlerischer Werte bringen.

Amtsgericht Gießen.

Giehen. 26. März, lVerspätet einge- gangeii.) Heule stand nach Einnahme gerichtlichen Augenscheins die Schuldfrage bet dem am 15. Februar an der Ecke der Ludwig- und Garien- strahe erfolgten Zusammenstoh zweier Personenkraftwagen, über den der »Gie­ßener Anzeiger" seinerzeit auSsührllch berichtet hat. zur Verhandlung und Entscheidung. Einem kleinen Opelwagen, der von der Gartenkrähe her nach der Bürgermeisterei zu die Ludwigs!rahe kaum überquert hatte, rannte damals ein von der Ludwigstrahe in der Richtuna Kaiser-Allee berfommenber anderer Wagen Derart in die Flanke, baß ber Opelwagen in wei:em Dogen auf den Bürgersteig stürzte und start beschädigt wurde, wahrend der Fahrer selbst nicht unbe­deutende Verletzungen davontrug Auch da» an­dere Auto erlitt erhebliche Beschädigungen. Sein Fahrer wurde wegen sahrläsllger Körperver­letzung unter Anklage gestellt. Seine Lchmld ist heute erwiesen worden. Gr ist derart rasch ge­fahren. dah er nicht in der Lage war. seinen Ver­pflichtungen alS Autofahrer Genüge zu leisten. AIS der Fahrer des Opelwagen». der im mastigen Tempo die Gartenkrähe hinauffuhr. die Ludwig- strahe nach rechts überblicken konnte und den anderen Wagen aus bietet etwa zwifchen den beiden Petrischen Häusern mit großer Geschwin­digkeit heransahren sah. verlieh er Die rechte Seite Der Fahrstraße unD fuhr quer von rechtS nach links über Die Kreuzung nach Dem Bender- scheu Haufe zu, in der richtigen Annahme, et könne diese noch überqueren und dann die linke Seile der Gartenstrabe erreichen wie ihm dies auch gelang Er hat flch mit Recht gesagt, dab der Fahrer DeS :u» ber Lubwiqstraste kommen­den Wagens wissen mülle, wo» er in solchen Fällen zu tun hab«. Dieser wußte dieS aber nicht, et war bet Situation nicht gewachsen, er Han- beite gegen seine ihm auf Grund der gegebenen Sachlage obliegende Verpflichtung die in erster Linie Darin bestand, daß er das Tempo feine» Wagens, bas nach einwandfreien Zeugenaussagen ein auffallend nllches gewesen ist, namentlich, sobald er den Opelwagen sah. wesentlich ver­ringern muhte Ties tat er nicht, sondern tat dasjenige, toa» die geschaffene Situation durch­aus nicht erheischte. Sr bog. offensichtlich in der irrigen Annahme, er karamboliere, wenn et die gerade Richtung weiter einhalte, noch mit bem Opelwagen ebenfalls in bte Gartenstrabe ein, um durch «in Rebeneinanbetsahten einen Zu­sammenstoß zu vermeiden. Der Bogen nach der Gattensttahe zu ward aber zu weit und das Auto rannte dem Opelwagen. der die linke Seile der Gattensttahe weuetiuhr. in die rechte Flanke. Der Unfall wäre vermieden worden, wenn der Angeklagte, wie bie» auch Vorschrift, eine starte Rechtskurve nach ber Gartenstraste zu genommen Härte. Mit feiner Behauptung, solche habe er unmöglich nehmen können, ba sein Wagen sonst in» Schleudern gekommen wäre, konnte er nicht gehört werden, ba et Bann biete angebliche Un­möglichkeit durch fein rasches Fahren selbst ver­anlaßt Harle. Es stand dem Zr.acflagtcn auch noch bet weitere Weg offen, ben Unfall zu ver­meiden. wenn er links in Die Gartenkrähe bzw. den LuDwigsplatz eingebogen wäre. Das in erster

Linie Gebo.cne wäre aber gewesen, wenn bet Angeklagte g< Iren bitte. Er bene* sich schließ­lich aud, noch au' fein Vortahrtsrechi dellen zum er-uiimal ber Verordnung über den Kraftfahrziurvcrkehi durch die Rovelle vom 26. Bull 192e Orn-t-tnu- i gc:an ist. Darnach hat bet Kreuzungen von Snasten bas auf einem Hauk: Verkehrsweg '.ch beu egende Fahrzeug gegciüb.r bem au» ctnci Seilenweg lv nitnben Die Vorfahrt. Olach An!ich, Des Gerichts kann aber von einem derartigen Borsahrt» echt nur dlc Rede fein, wenn Die beiden Fahrzeuge g l e i ch z « l l g an ber Kreuzung cm, reff en Das war aber hier nicht brr Fall Der An geklagt« erhielt betn Antrag de» Amtsa. wall» entspre­chend eine Geldstrafe von 7 5 Mark wegen fahrlässiger Körperver.etzung Die ©Irak wave empfindlicher geworden zu *1 flch Du- Ktafl» fahrzeugunfälle i* letzter Zeit bedenklich häufen, wenn Dem Angeklagten nicht ein und bet andere Milberungsgru.ib zur Seite gestanden hätte Ra- menllich war auch der Detletzte von einet ge« willen Mitschuld an dem Unfall nicht srrizu- spreche u.

Wirtschaft.

Der Abbau der Subvention für den Siegerländer Erzbergbau.

Unter dieser Ueberschns, ist in verfchtedencn Tageszeitungen du- Rachricht verbreitet worben, daß in den letzten Tagen Im Rrichswirtfchaft»» mirufterium Befprcchungcn mit Derirelern d-s Siegerländer rzbergbaue» über De künftige Gestaltung der Sudven» tions maß nahmen fkrtlgcfunben hätten. Man habe sich grundsätzlich dahin geeinigt, daß Die Subventionierung vom 1 April ab allmäh­lich abgebaut werden und biJ Ende dieses Jahres aushören solle Gleichzeitig seien mit der Deut­schen Retchsbahn-GefeUschaft erneut Verhandlungen weg. n einer Ermäßigung

-. gerlänbcr Erz­bergbau ausgenommen worben

Hierzu erklärt die Haupivcrwaltunq bet Deutschen ReichSbahn^Sesellschaft daß fie bereits mit Gülligkeit vom 1. Rcvember 192ö zur Unter­stützung des Erzbergbaues an der Sieg, Lahn und Dill den bisherigen für diese« Gebiet bestehenden Ausnahmetaris ti durch Ein- sührung besonderer Rabattsätze weiter ermäßigt hat. Dieser neue Ausnahmetaris 7i gewährt z. D. für den Abfatz nach dem Ruhrgebiet, bem Hauptabfatzgebiet bei der zur Zelt in Frag« nen einen Rabatt von 10,71 Proz. auf bie Sätze des schon äußerst billigen Ausnahmetarifs 7a. Für Den Vinncnverkehr bes Sieg- Lahn- unb Dillgebiets schwanken Die Rabattsätze zwischen 1,01 und 4,55 Proz. für Mengen von 45 bis 80000 Tonnen. Diese Vergünstigungen find, ob­wohl sie für die Dauer der Subvention über Den Rahmen de» Röttgen hlnauSgehen, dennoch ge­geben worben, um dem Erzbergbau bie An­sammlung einer gewissen Reserve au ermöglichen. ES handelt sich bei dieser Ermäßigung also um eine Vorausleistung der Deutschen Reichsbahn- Gesellschast für den Fall deS AufhörenS der Subvention. 3m Dezember 1926 find bte Der-

Lrzbergbaue» an der Stt-g. Lahn und Dill und der Gifenindustrie trotzdem bei der Deutschen Reichsbahn-Gefellschaft erneut vor­stellig geworden, um die Frage wettetet Tarif- etleichterungen nach Einstellung Der Subvention zu erörtern. Die Deutsche R. Xllelllct.att

hat hieraufhin nach genauer Rachprüfung ihrer Selbstkosten die Rabattfätzs des Au-nahme- tarifc» 7 i nochmals für den Binnenverkehr des Sieg-, Lahn- und DillgebieteS In der maßgeben­den Stufe von 2.48 Proz. auf 12.40 Proz. er­höht Eine Senkung Die» Tarifs» auch nach dem Ruhrgebiet mußte sie ab lehnen. Auf Dringend« Bitte bc» Erzbergbaues bat sir auch diese Er­mäßigung trat) der noch bestehenden Subvention sofort eingduf)rt Sie hat aber dem Erzbergbau ausdrücklich eröffnet, Dust «ine weitere Senkung De» Ausnahmetaris» 71 nach diesen Voraus­leistungen der Deutschen Reichsbahn-Gefelllchast auch nach Wegfall ber Subvention nicht mehr möglich sei. Rach Dieser neuesten Senkung sind Die Zari'e bi» an Die Grenze De» für Die Deutsche RrichSbahn-GcselUchasl vom Lelbstkofien- standpunkt erträglichen Maßes ermäßigt worben. Rach Abzug ber Beförderungssteuer öon 7 Pros, beten Uebernahme ber Deutschen Reichsbahn- Gefellschaft nicht wohl zugemutci werden kann, find bie ganz außerortsnttich billin-n Erztrachten der Vorkriegszeit im allgemeinen erreicht, für den Verkehr vom Lahn- und Dtllgeuid nach der Ruhr fogar nicht unerheblich unterschritten 3m übrigen würde bei der nur noch geringen abso­luten Höh« der Fracht dne Ermäßigung feinen auch nur irgendwie fühlbaren Ersatz für Die weg- tallende Subvention bieten. Die Subvention be­trägt 2 Mark für Die Tonn«, die ganze Fracht für die Durchschauisentfernung nach ber Ruhr zur Zeit etwa 2.70 Mark, im inner.

des Gebietes fogar nur etwa 98 Pf für bie Tonne. Ss 'ft bei biefet Sachlage nicht verständ­lich. tote bet Erzbergbau im Sieg-, Lahn- unb Dill gebiet ftch mit bem Wegfall bet Subvention einverstanden erklären und erneut Hilfe von der Deutschen Reich-bahn-Gefellichaft in Anspruch nehmen zu können glaubt.

Die amtlicheGroßhandelsinde,- Aiffet im März. 3m Mona!»Durchschnitt März betrug Die Großhandelsindessziffer des Statistischen Reicheamte» 135,0 sie ist bamii ge­genüber dem Vormonat um 0 4 Prozent -uruck- atgangcr Von den Hauptgruppen haben Die Agraritolle um 22 v H auf 136,0 und die Kolonialwaren um 02 o. H. aus 127,7 nachge­geben. Die industriellen Rohstoffe und Halb­waren haben dagegen um 0,8 v H. auf 130,3 unb die industriellen Fertigwaren um 0A v H. auf 142.0 angezogen.

Der amerikanische Außenhan­del mit Deutschland Rach den Mitteilun­gen des Departement ot Eommerve betrug tm Februar der Wen der Importe au» Deutsch­land 13,2 Mill. Dollar gegen 15.8 Mill. Dollar im 3amiat unb 16,5 Mitt. Dollar im Dezember. Dom Handelsomt wird der Wert der ckMerika- nisiben Ausfuhr nach Deuttchland mit 35,7 Mill. Dollar gegen 402 Mill. Dollar im Januar unb 50.7 Mill. Dollar im Dezember angegeben.

Befriedigende Wirtschaftslage im Frankfurter Handelskammer­bezirk. Rach Mitteilungen ber Industrie- und