Der Sammler aus Kunlt und Wissenschaft.
Gesellschaft fürErd-undvölkerkunde 3um Gedächtnis Mod) • Hrünbcrflo.
Der letzte Vortragsabend der Gesellschaft für Srh- und Völkerkunde war dem Andenken deS verdorbenen Forschungsreisenhen und Völkerkundlers Theodor Koch-Grunberg gewidmet 3n der lehr stark be- setzten Reuen Aula der Universität begrützie der Vorsitzende der Gesellschaft. Prof. 3. Klute die Versammlung mit folgender Ansprache.
.Meine sehr verehrten Damen und Herrn! Datz die Gesellschaft für Srd- und Völkerkunde *u Giehen daS Andenken Koch-Grünberg- durch dielen Abend ehren will, dazu hat sie das Aechl und die Pflicht. Einmal verbinden die Mitglieder mit dem verstorbenen das Vand der Stammesvcrwandtschaft, denn eine lange Aeih« seiner Ahnen lebten In Ober- Hessen, in der TD eil trau und dienten dem Hessischen Staate im höheren Forstdienst und als Geistlich«, wie auch sein Vater als Dekan in Grimberg sein Leben beschloh, wo Theodor Roä) 1872 geboren wurde. Andererseits hat der Dahinaegangcne deü öfteren durch die Verichie seiner Aeisen die Gesellschaft erfreut, deren Mitglied er war. und halte Irin« geographischen Studien bei dem Gründer der Gesellschaft. Geh Rat Stever-abgeschlossen. Und wie die Gesellschaft die Verdienste der Lebenden durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft anerkennt. so ist eS ihre Pflicht, den zu früh Dahingegangenen durch ein Gedenken zu ehren und die Erinnerung an ihn wach zu halten.
Die GeburtSstadt Grünberg ist mit dem 'Hamen deS Verstorbenen verbunden, und er schrieb mir einmal, als ich in Unkenntnis der tzerkunst deS Doppelnamens daS Wort falsch geschrieben hatte: .Ich nenne mich Koch-Grünberg nach dem Städtchen in Oberdesten, wo ich meine Sturm- und Drangperiode verlebt habe." Und eS war in diesem eigenartigen '7Hcn|d)cn mehr Gä.ung und innerer Kamps, mehr Leidenschaft und Kraft, als in anderen. Dies zeigte sich auch noch in seiner Studentenzeit in Giehen, seiner AktivitaS bei der Landsmannschaft Darmftadtia, von der manch' lustige Erinnerung weiterlebt. Vach bestandenem Gramen war er in Giehen und Offenoach^m Schuldienst tätig.
Seine Persönlichkeit fand in seinem Aeuheren Ausdruck. Er gehörte jenem dunklen Schlag von Menschen an, der gerade in Oberhesten häufig ist, von hohem schlanken Wuchs, mit markanten Ge- sichtSzügen und strastem schwarzen Haar. Aus seinen dunklen Augen mit offenem Blick schaute sein 3nnc- reS Die Traume der Jugend waren der sehnliche Wunsch deS reifenden Manne- geworden. €ie sanden in der Veise mit Hermann Meyer, dem Leipziger Verleger und Wissenschaftler, an den Lingu ihre erste freudig ergriffene Verwirklichung. Vach seiner Rückkehr ist er Assistent am Museum für Völker, künde in Berlin uno seine Veiaung von ehemals wird sein Beruf. ES folgt bald seine erste grohe Veise, die er allein unternimmt. Sie führt ihn an den Vio Vegro und Vio Dapurä im Amazonas- gebiet, und eine reiche Ausbeute ist das Ergebnis Der zwei Jahre in der Wildnis. Sie zeigt deutlich neben der wissenschaftlichen Begabung die Koch- Drünberg eigene Fähigkeit. das Vertrauen der Indianer zu erwerben, eine Zähigkeit, die letzten Ende« im Gemüt und Charakter eines Menschen verankert
ist. Denn wie Kinder haben die Wilden ein instink» tioeS Gefühl für den Menschen und eröffnen nur dem ihr inneres und eigenes Wesen, der eS achtet und begreift. Welches Zutrauen beweisen schon die Zeichnungen der Indianer, die Koch-Grünberd gesammelt hat. «enter seine Teilnahme an allen ihren geheimen Festen. Dadurch konnte er tiefer in ihre Psyche eindringen alS viele andere. Vach seiner Rückkehr folgen ruhigere Jahre der Ausarbeitung und seine Habilitation in Freiburg i. V. 190) Gerne bin ich damals seinen Vorlesungen gefolgt und habe mit Begeisterung die au-griuchten Stücke seiner Lamm- iungen betrachtet, deren ja auch daS ®iebener Museum eine AuSlefe besitzt. Eine neue Veise führte ihn 1911— 1913 nach Vordbrasilien und Venezuela, in das Gebiet des Vio Branco - Uraricuern und des unerforschten Vio Bentuari. eines Vebenflustes deS Orinoco. Seit 1915 ist er Direktor des Museums für Länder- und Völkerkunde in Stuttgart. Vach dem Kriege erwacht auch in Koch-Grünberg wieder die alte Sehnsucht nach neuen Forschungen, denn obwohl er manchen unbekannten ^ndionerttomm inS Licht der wiffemschaftlichen Forschungen gezogen und den Schleier manche- Strome- gelüftet hatte, der bi- zu seinem Kommen für die Wissenschaft ungesehen und ungekannt in breiten Schlingen und reihenden Stromschnellen durch den dunklen Urwald sioh. so hatte ihm jede neue Entdeckung eine Menge ungelöster Probleme mitgegeben, die ihn bewegten und wieder hina «trieben. Da eS in damaliger Zeit in Deutschland an Mitteln fehlte, wenn auch der Geist der Forschung keineswegs erloschen war. so ist eS leicht verständlich, dah Koch-Grünberg daS Angebot von Dr. Vice annahm, diesen auf einer groh angelegten und reich auSgestatteten Erpedilion zu begleiten, deren Ziel die Quellen deS Orinoco waren. Vice wuhte, dah er in Koch - Drünberg den besten Kenner dieser Gebiete für sein Unternehmen gewonnen hatte. Während der verstorbene auf seinen früheren Reisen in anspruchloser Weise gereist war, und seine groben Leistungen seiner eigenen Tatkraft verdankte, seiner vollen geistig-körperlichen Hingabe an die Reisen mit all ihren Strapazen, io standen der amerikanischen Expedition die modernsten Hilfsmittel reichlich zur Verfügung. Doch war eS ihm nicht vergönnt, diese seiner Arbeit nutzbar zu machen.
Auf seiner ersten selbständigen Forschungsreise stand ihm daS Gedenken seiner Verlobten zur Seite, die über JahreSsrist ohne jede Vachricht bleiben muhte. Vach seiner Rückkehr führte er sie als seine Frau heim, und sie stand ihm in seinem arbeitsreichen Leben treu zur Seite. Voch deS öfteren fiel in diese glückliche Ehe der Schalten der Trennung, bis zu jener Reise, die zur letzten Koch-DrünbergS wurde. Er erlag dem Fieber, dem er früher so oft widerstanden Halle. Wenn wir uns vor diesem Schicksal neigen, so können wir unS doch wieder aufrichten im Gedanken an den Verstorbenen, der seine Ziele mit vorbildlicher Kraft und Zähigkeit verfolgte und auf seinem Arbeitsfeld den Tod fand."
Darauf bat der Vorsitzende die Anwesenden, sich zur Ehrung deS verstorbenen von den Sitzen zu erbeben. — Der Vorsitzende begrübt« hierauf den Vedner deS Abend-, Herrn Hermann Denglet aus Stuttgart, der Koch - Grünberg auf der letzten Äeifc begleitet und bis zu seinem Tode In aufopfernder Weise gepflegt hatte, und erteilte ihm daS Wort zu seinem Vortrag über die Kavahid- Indianer.
Die Kava hem (Mehrzahl von Kavahib» sind
ein Indianerstamm, der da- Urwaldgebiet am oberen Madeira, einem rechten Vebenflutz de- Amazonenstroms, bewohnt. Die Verkehrs entlegen- beit, die auhervrdeutlich schwere Zugänglichkeit des Urwaldes, wo nur die groben Ströme ein Dor- wärtskommen ermöglichen, hat es mit sich gebracht, dah biS n'.f) wenig hem oder Parinnntin. wie sie von ihren 3emben spottend genannt werden, mir wild« öerüchte umgingen. Doch war nichts Tatsächliches berichtet worden. Am längsten von allen Indianersiämmen hatten sie sich jeber friedlichen Berührung mit en entzogen. Jm ? 1 wurde einem
Deutschen, der oon einem Indianerhäuptling adoptiert worden war, die Anbahnung triedlicher Beziehungen zu den Kavadem au,getragen Er Drang m ihr Gebiet vor, bekam aber zunächst überhaupt keinen einzigen Indianer zu Gesicht. Erst im März 1922 landete er mit seinem Boot mitten im Kava- hid-Gebiet, errichtete ein WellblechbauS und hatte nun eine Reihe schwerster Angriffe der Indianer zu bestehen, die er alle mit erstaunlicher Friedker- tigfeit erwiderte — so band er Geschenke an Ne zusammengelesenen Indianerpfeile und steckte d e Pfeile entfernt von seinem HauS in Den Boaen zum Zeichen srieDlicher Gesinnung. Die Langmut blieb nicht unbelohnt, wiewohl es sehr lange Dauerte, biS Die InDianer Die Scheu ganz überwunden halten. Allmählich bahnte sich ein friedlicher Verkehr und Warenaustausch an, bei dem zum ersten Mal ein Weitzer Einzelheiten über die sehr eigenartige Kultur der Kavahem erfahren konnte.
GS sind meist schöne, ziemlich kleine Gestalten mit angenehmen GesichtSzugen. tiefschvarzem dis rotbraunem Haar, bellrvilichgelber braunaetßnter Haut, die Körper meisten- dunkler al- daS Gesicht. Die Frauen gehen ganz unbekleidet, die Männer tragen prachtvollen KrieqSschmuck. in Dem Vogel» feDem (SiaDeme) und Pflanzenfasern Die wichtigste Rolle spielen. Bogen von zwei Meter Länge, Dolch, meffer auS BambuS unD Pfeile stad Die Bewaff. nung. Die Behausungen Der Kavahem sinh noch kaum von einem Weitzen erblickt worden. Sie sollen sehr lang und oft auch sehr hoch sein, aber wenig HauSgeräl enthalten 2114 Verkehrsmittel dienen RindenkanuS von fünf bis sieben Meter Länge- So wenig über Die Deisteskultur und gesellschaftliche Schichtung Der Kavahem bekannt ist, so ist doch jetzt schon erkennbar. Datz sie weit bester sind alS ihr Ruf. Die Frauen erfreuen sich einer besonders guten Stellung, ja sie leben in völliger Gütertrennung von Den Männern. Selbst das Eigentum her Kinder wird berücksichtigt. Datz da- Zauberer- und Beschwörung-Wesen eine grohe Rolle spielt, kann bei der geringen Berührung mit der Autzen- well nicht wundernehmen. Aber auS dem Umstand, dah die Kavahem nur zwei Zahlworte haben, darf man nicht auf geringe geistige Höhe schlietzen. Sie sind im Gegenteil vo» schneller AuffastungSgabe und scherzen oft und gern. Ihre gefürchtete Wildheit beruht auf der eigenartigen Auftastung vom Krieg. Der Krieg ist für sie eine Art Sport. Der Kopf deS Feindes ist das heitz ersehnte Ziel jeden ManneS. Mit dem abgeschlagenen Kopf deS Feinde- zum Tanz zu schreiten, gilt al- höchste ManneS« ehre. Darum werden Kriegszüge aus irgendeinem nichtigen Grund unternommen. Gefangene nie geschont. Die nunmehr vorgenommene Befriedung Der Kavahem hat ihnen diese- Krieg-ideal geraubt und ihnen damit fast den Lebenszweck genommen, sodatz sie langsam aber offensichtlich verkommen.
Die Kullurm'.ff ion hat Beste- gewollt und ein leb«* kräftiges Volk dem Untergänge pretigegeben.
Die Ausführungen de- Redners waren eo» vorzüglichen Lichtbildern begleitet und wurden mit dankbarem Betfall ausgenommen. P.
Oberhessischer Seschichtrverein. Tr. ä<rD. «titsch: Ter Hcunstei» bei Ti Ucee bürg, eine germanische AinstwaUanlage aus römischer .leit.
Zu dem letzten Vortrag dieses Winterhalbjahres hatte sich Dr. Kutsch. D>rektorialaffistent am 'Jan» de--Museum Vasiauischer Altertümer in Die-baden, bereit erklärt. Er sühne etwa Folgende- aut:
Grabungen de- Lande-rnufeumS Vasiauischer Altertümer in Wie-baden vor dem Kriege ergaben, datz die .Burg" bei Ritter-Hausen an fet Wasserscheide zwischen Dill und Siea 'r tilgen Hfr sprungs und von Germanen nie benutzt war Dagegen ist der Dünsberg von diesen um Die Zeitwende au-gebaut. Vachdem nun auch bei E,l«m- rvtb auf der Wasserscheide -wischen Dill und oberer Labn germanische Gräber der spätesten Sisenzeft aukgetaucht waren, muhte die Frage von grotze, Intereste werden, weichem der beiden genannten Völker der Heunstein bet Dillenburg zuzuweisen sei Ausgedehnte Grabungen de- vortragenörn in der Ringwallanlage in den Iabren 1925 und 1926 liehen erkennen, dah sie genau wie die Wälle de- Dün-derg- den Germanen, wahrscheinlich Ehatten. zuzuweilen ist, die die einst gewaltigen Mauern in Den Kämpfen gegen Die Römer errichtet haben. Die Schichtung innerhalb des einen Haupt- walleS ergab Drei Bauzeiten tBrustwebrmauer, Erdsteinmauer. reine Steinmauer), von Denen Die bei Den ersten zeitlich eng zusammen gehören, während Die Dritte von jenen Durch einen längeren Zeitraum getrennt war. Dagegen zeigen die Funde, dah alle Perioden der späteren Silenzeit. also den bei. Öen Jahrhunderten um Ehristi Geburt angeboren. Daraus ist zu schliehen, datz die letzte Blauer in dem Domiiianischen Lhattenkrieg (63 n. Ehr.» zu» gründe gegangen ist, und die beiden ersten Be'esti. gungen während der Augusteischen Feldzüg« (Schlacht im Teutoburger Wald«' entstanden. Der Berg war nur eine Fliehburg, d b er wurde nur in Zeiten der Vol autgesucht, nicht dauernd besiedelt. Dafür waren die Wasterverhäftniste zu schlecht.
Die gewaltigen Pionierarbeiten der ausgezeichnet dem Gelände angepahten Betest'gungcn. di« wirtschaftliche Borsorge für hie Zeiten deS Krieges (Ackerraine) unb her Umstand, datz der Heunstri» ja nur ein Glied einer gewaltigen Maste vo» Ringwällen de- Westerwalhe-, TaunuS und her östlichen Vachbargebirge ist, alle nach wohlüberlegten taktischen unb strategischen Gesichtspunkten angesetzt. — daS alle- lätzt uns auch diese Germanen in ganz anderem Lichte erscheinen, al- sie tue landesübliche Meinung siebt. So wächst die Ring, wallforschung über die wiffenschaftlichen Inter, si.« weit hinaus. Wir flehen dort am Anfang der deutschen Geschichte, Die wir seither nur durch die drille der Römer sahen, nun ober auch auS unserem eigenen Grund und Boden erfassen können
Der Vortragende fand lebhaften Beifall. Besonders zu bemerken ist, dah die zahlreichen von ihm selbst gemachten lu’nohmen. die im Lichtbild gezeigt wurden, auhekvrdentlich tchön und f'.ai und und wesentlich zum Verständnis des Vorlrag- bettnigen. Dr. M.
Ein preisgefrönter Roman.
Juliane Mat): „Abenteuer im Sommer".
Wer ist 3u(iane Kay? Wer batte diesen □tarnen zuvor gehört? Keines der üblichen Vach- schlagewerke gab Darüber Auskunft. WaS wir jetzt wissen, ist noch immer nicht allzuviel: diese bU vor kurzer Frist gewissermaßen namenlose junge Dame aus Oesterreich halte einen Einfall, schrieb einen Roman, und dieser Roman wurde von einem sehr zuständigen unb berufenen Richterkollegium unter vielen, vielen andern auSerwahU: Iuliane Kao erhielt für da» Buch .Abenteuer Im Cammer"*) den Iugendpreis Deutscher Erzähler 1926 (abermals fiel ein wichtiger Li.eraiurprei- de- vergangenen IahreS nach Oesterreich) — in Höbe von 10000 Mark, und nut einer Erstauflage von 10000 Exemplaren Und nun wir diese- (übrigen- entzückend au-geftattete) Buch gelesen haben, wissen wir zwar von der Person der Iuliane Kav Immer noch nicht viel, visien aber #unh freuen uns hoffen), bah hie junge deutsche Literatur um einen hoffnungsvollen Flamen reicher aeworden ist; zugleich freut man sich auch Darüber, dah dieser IugendpreiS nun jede- Iahr verteilt werden wird, das scheint un- notwendiger au sein als eine Dichterakademic
LS soll durchaus keine Wertung, sondern ein- such eine nicht uninteressante Feststellung sein, wetin wir uns erinnern, dah vor genau 30 Fahren schon einmal jemand den Einsall der Iuliane Kay hatte und auch einen Roman daraus machte, damals uxir H ein Mann, ein Professor für Mathematik und Physik. namenS Kuri Lasiwiy, und sein mit einer fabelhaft plastischen Ein- blldung-kraft geschriebener Xoman hiesi .Auf -Wei Planeten' Sicherlich war Iules Verne nicht ohne Einflutz auf ihn aeblleben; aber e- kommt un- hier so wenig auf eine bequeme JUuftnerung bet Goetbeschen Wortes an. dah alle- Gescheite schon eiiunal gedacht worben lei, une etwa darauf. Den Roman der Kav literarhistorisch-cntwicklung-- geschichillch cinzuoronen. Viel interellanler ist, zu sehen, wie au- ganz ähnlichen Ideen Grundverschiedene- künstlerisch entwickelt wurde. Lasiwitz gab vor 30 Iahren eine mit wunderbarer geistiger
Abenteuer im Sommer. Rowan Mit einem Gelritwon von Iakvb Schaffner. U5 Selten Deutsche Buch^önneinfchaft G. m b H.. Berlin 125
Beweglichkeit inS Futurum der Menschheit springende Phantasie, einen Marsrvman. eine Zu» kunstSmufik. die heute, im Iahre 1927, so ahitell ist (unb von Tag'zu Tag aktueller Wird), dah man sich Wundern und bedauern muh. wie wenig her Roman des verstorbenen Professors bekannt und verbreitet ist.
Aber wir wollten ja von Iuliane Kay sprechen; der gleiche, über die Grenzen unlere- kleinen Planeten hinau- reichende Erstlingsge» banke, zwei Weltkugeln irgenbw e mit einanher zu verbrühen ... her spukhafte Einfall, gewiffer- wahen jemanden vom Himmel fallen zu lassen in Bezirke hinein. Die von seiner Heimat durch Lichtjahre getrennt sind: — dieser Gedanke, der vor 30 Iahren zu einem naturwissenschaftlich gründlich unterbauten Deltmärchen wurde, reiste im Herzen der österreichischen Iuliane au einem entzückend unweit gemäßen, romantischen Idyll auf her alten Erde. Ihr genügt her erste Anstoh; Mars sendet einen au- und läht ihn, armselig und hilflos, unter uns fallen Sr ist da. Die- flenügt Ihr. 3ener damals bevölkerte, belebte, bebaute und durchdachte einen fernen Himmelskörper mit feiner ftaunendtoeri ins Kleine dringenden öinbilöungdfraft — diese hier steht mit großen Augen vor dem einzigen Wunder und schlagt gleichsam über UnfahlicheS die Hände zusammen, über dieses kaum glaubliche und nicht ganz geheure Abenteuer, das da beginnt mit den schlichten Worten: .Und da standen wir auf der Terrasse und sahen hie Aolenstöcke an...“
Denen nun dies wiberfährt. solches Wunder und Abenteuer im Sommer, sind d»e Geschwister Wolfgang und Blanka von Bradoch und ihre Freund.n Emma Bolche die Bewohner des sehr alten, sehr vornehmen, sehr kultivierten und — mü einem Dort — sehr uiueiiflemäbcn und gegenwartsfernen Schlosse- Bradoch. e.neS Schauplatz«». wie ihn Rilke und Hoftnann-thal schaffen und bevorzugen würden. Menschen sind da-, die so merkwürdig fern und autzerhalb unserer hastigen und nüchternen Gegenwart stehen, Leute. Du Die Glockenschläg« ihrer Uhren zählen, und ftM non Der Höhe ihre- alten, kühlen ade« Uflen Turme- in Die flimmernDen Farben de- Sommerabends hinau-fchauen können. Deren Gespräch« In- Schweigrn einfacher Gemeinschaft Der- kl.ngen; Geschöpf«. Die aus bi« Climmcn Der Er» tnntrung und Der Vergangenheit zu lauschen vermögen, Den Vllck ihrer Augen m sich selbst gt- ächtet unD Die mit Den Ahnenbildem leis« Zw^elprache hallen, welch« ruhig und gleichtam
nritlebenh an ihrem Beisammensein teilhaben; so sinh Die. Denen die- Widerfährt: sie standen in einer duftenden Rächt auf her Terrasse unb sahen Die Rofenstöck« an; unb siehe, ha begab eS sich, bah auS ben Rosen ein Mensch sich erhob — ein Mensch? gleichviel: — ein Gesicht zu ihnen herüberleuchtete, ein Wesen ihnen ent- aegenfam, Da- — wie soll man lagen? — vom Himmel gefallen War, von einem anhem Stern.
0o fängt Diese Geschichte an; Romantik anno 1927. UnD Dann? W;e geht eS weiter, einen Sommer lang? ES ist schwer. DaS Gegen- (tänbliAe dies - BucheS in Worte au fassen. Man kann eigentlich nur versuchen. Die ersten AkkorDe wieder anzuschlagen unD Weitcnuge(>en. hafi Präludium dieses Romans. Es ist nicht so. alS ob eS ihm an Handlung sehlte; im Gegenteil: man fühlte sich fast verwirrt, wenn man unternehmen sollte, mit kurzen, zusammen- fassenden Worten DaS zu wiederholen. waS in den folgenden Kapiteln sich anfpinnt und auftut an Ereignissen und Erlebnissen unb Gesprächen und visionären Szenen, waS vor uns hintr tl an leibhaftigen unb dennoch traumhaft vorüber- gleitenden und fich verlierenden Gestalten und Gesichtem. Der ..Inhalt" der zweiunhzwanzig Kapitel d«S Buches lebt eigentlich nur in ben seltsam versponnenen Ausstrahlungen jener ersten erregenden Idee — und er w rd t>egrenzt vom Zeitpunkt deS Erscheinen- und Wieterver- schw.ndens jene» Mannes von Drüben. Des Herrn ötern"; man Würbe Der Eigenart Dieses neuen Buches nur Abbruch tun. wenn man versuchen wollt«, auf geDrängtem Raum mit Dürren Dorten den Gang Der HanDlung in seiner Kapitel- folg« nüchtern auszuzählen: unD wahrscheinlich würde auch gerade das Best« an dem Roman dabei verloren gehen. Man muh ihn lesen und sich mit ihm auSeinanderietzen
Iakob Schaffner, Der schweizerische Erzähler. bat Dem Roman ein Geleitwort gefchr e- oen. mit Dein et ihn gewisscrmatzen in bi« Literatur cmführt unD Dem verehrlichen Publrco horftellt, er spricht dabei nicht nur von allen Bvrzügen. L.cbcnSwürDigkeiten und Genialitäten — auch non den Mängeln eines jugendlichen Grifte». D.p möchten Die Schattenseiten De» Roman» - welches Erstlingswerk hätte kein«? — im wesentlichen in gewissen, formalen L nzilhriten wi«DerfinDen Der Stll, Di« rr-ähl«rftche Form Der Iuliane Kay ist nicht frei von allerlei sprachlichen Ungrichlifsenheiten. Hemmungen. Fehlem. Unklarheuen unD Provinziali-men; man
könnte dies au-giebia belegen, unb wer ein Ohe unb empftnblicheS Gefühl für Dies« Ding« bat, ben wirb Dergleichen immer etwas stören unb ärgern; aber eben wer nicht Darüber hinwcg- lieft .Wirb, anhererseits. auch hie ganze, weiblich- graziöse unb ein Wenig wienerisch« Anmut unD Gigenaxt Dieses Stils, sein« B«lc>nD«rheiten unb ni-ht alltäglichen Feinheiten banDarlich aufnehmen unb in sich nachkkingen lassen. Unb wen» man au-gelesen hat unD Den Blick langsam von ben abschtiehenben Worten erbebt, wird als Letztes Wieher jenes Erste ha sein, das koplschüt- telnbe, halb läcbelnb«. halb wchmüt.ae Isirwun- bern ob eines solchen Buches in unserer argen, unromantifchen Zelt. -y.
Ausrottung des Wildes in Estland.
“THit Der Aufteilung Der Güter Estlands ist auch dem Wild in Den Wäldern und manchen Fischen in den kleinen Gewässern Der Untergang bereites Worben. Di« Berechtigung zum Wasfcntragen Heiden schon ganz junge Bauernburschen und ft« Durchstreifen au allen Zeiten selbst in Der Schonzeit — Korst unD Fluren und erlegen, walle erspähen. Rehe sind nur noch in kleiner dab( unb nur in Wenigen Distrikten des Landes z» treffen. Der Elch ist eine Sehenswürdigkeit geworden. unD lelbft das flink« Eichhörnchen ist in vielen Wäldern nicht einmal mehr tn rineui einzigen Eremplar anzutreffen. Fasanen werde» ebenfalls bald ausgestorbcn fein. Wenn de» Bauern Der Halensang durch Schlingen und andere unfinnige Mittel nicht Haid verboten wirst, so wird auch Meister Lampe In ganz kurze« Zeit zu den Idienen Tieren zählen. Den .Fuchs erleg: man nur noch Durch ouSgeftreute Gift- Pillen, von Denen auch andere Tiere fressen. Di» einst bekannt groben Kr b-süng« gehen In viele» Teilen Estland» ebenfalls zurück durch Den Unverstand her Bauern. Wahrend sonst die ffrint» Krebse wieder zurück in- Wa"er getan wurde», kocht man fte jetzt mit den groben zusammen, um Ht für Suppenzweckc zu -erstampfen. Auch Der
fang Wird von den an der Küste !cbenDM Bauern planlos betrieben, da sie grobe Menge» der lebenden Hechte in Säcke stopfen, tagdanf barin lassen, um he endlich zur Sradt zum Ber» kauf zu bringen. Es läht sich leicht vorstellen. t» welcher Verfassung Di« Tiere ankommen und nicht gekauft werden, so stab sie fortgetporien werde»
Vietn
Privat.
Mindcrgarte» befindet sich ad l i'lei \ . utlndl sh.
9Huaninelbun«c» erbeten
(drrtrub Kotz, 8abnbolliTaÜe tTfl En lern' n odnende 9;nbrr roeibrn aal Wunlch nberbeh » 8<br«tx- Ncierenzg |u Diensten. **
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