Einzelbild herunterladen

Donnerstag, 7. April 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhcffen)

ztr. 82 Zweites Blatt

beb

tagetrabien tm Herbft ift

inen

irdose

nun

02hS

i sich anzuzeigen

pul 1927

B37D

Är

Ärodmtta

den 6. April 1927 ilveßernhauö

Mädchens zeigen rüde an

'geb. Guthnian

imit$MinPauta er M Herrn Sch. °f. Vr. pftiffer unb ><in geb. Surchordl, anzuzeigen

ier Gebb if und Mjuiani 3nf.<N.

ßen, DI.'QI.-ffdfeme

ihren Erklärungen während der Legungen des Auslchu'le» durchbl.ckcn La|irn: Ne Huben aufeer- dem fo viele Wünlche vorgedracht. daß dadurch die Trhandlunger. manchmal n cht recht nom Jled kamen S» spielen auch xu>-> andere Duige hmein. Io vor allem die Ausl ich: aut b:e X.*anb-

Sompromib dem bie IXebrubl der ordneten keine»weg» mit innerer Be'r edigung zupetUmmt hat. Der Finanzouslfl ch da', nährend de» Manat» tlpr.l noch ein pul c! t Arbeit v-i ertebuien. »nenn er rif . rdern will beb der Londiep wie vorf.e- lit.-i i|i u.r Beratungen de» etc >hau»hait» am «3. Mar anfnebmen kann

Ftrome» lüt t>eibe Ufer. Hunberttausenden gibt er rigl-ch ihr Brot. Au» Runnan bringt er 6ah. Lee und Äo&k. au» Szcchuan Opium 11 nb beute b.idet er zugleich den ersten Wall, an dem

1) bie bosichewifttsche Propaganda von Süden

Das 'Yangtse-Problem.

Bon Pro c'er Dr LvalbemarOehlke.

ub -ta» etir tet Strom, ter Dang Xk Ä c.vfl »s den z. 3 bie 'Bilde der ganzen Welt ge- htzt l linb, Jt zwar für d e mehr echilch al» difliös gerichteten iLh.nelen kein Dtznvl gön- schcr ^arflte.: Vie der Gange» hir die 3aber. Jmlo flröhrt ab: r .ftelne vo' tttche und wirt» oaitlim-- De eutung und wenn er auch nicht zeradc q> neli'che Anbetung gen ek t. so doch d)> ckische L e x u*j na «ft mit Recht stolz aus r.ncn Dan'» «. beim Täler zu den fruchtbarsten >e» Erdball» gchdren, und traut ihm alle» zu. oa» schöpf er-Ich ft Al» ,ch meinen Pekinger Stubent n e nmol b:e Weimarer Ilm. an der rebr al» e;ne Dichtung Goethe» entstanden «ft. r Bilde ze zr«. meinte einer halblaut. _So

klein! Wicricl gröber ft der Danglie. Vie >cl mehr läßt sich an leinen Usern dichten!"

Durch seine Breite imponierend Ichon bei Banling wo ich chn aut der Dampllähf über- jjerte. trennt der Jangtse Ehtna in zwei unge- 'ähr gleich grobe Hälften. Horb und Süd. die 'ch khr ronr.nand^r unterscheiden Bord- und Lud-Eh nesen verstehen einander bi»weilen eng- . 'ch bellet als chinesisch AI» 'ch an der Pe- ! nfler Universität meine Antrittsrede hielt und dese von einem Ludchinelen .n» Lhmelrlche über­tragen wurde, sagten m.r nachher einige Bord- linden, mein Deutsch hätten sie schon Version- ton. aber n cht lein Sh nesisch Vermag also der Dangtse »emdliche Heere, die ihn so ost a>crld)r tt -n haben, nicht zu trennen, so doch yibifle Kampf- unb 3nlerrfknxt>nen. Damit et- forbt sich nach dem FaU von Rauling und Schang.

politisch da« Pangtst-Problem.

Unentbehrlich «ft die Ar bet diese» Stiel en-

ke.ne Parte. unmittelbar vor den Wahlen wich­tige Entscheidungen in Stcuerltagen keilen will. Deshalb diele Vori.cht unb d.e vielen Einwen­dungen in den 'LuSlchuftberatungen!

3ng.*n sich so b.-i den Cteuerfragen gewiUe innere Hemmungen, zu denen zweilellr« gewichtige sachliche Gründe hinzukommen. die da« Werk nut langsam in den Beratungen srrtlchrei- len lallen. Io wird die Orle'iauna de» Staat»- haushalt» im ZinanzauSichust nicht unerheb­lich durch äußere Mittel verlang1 amt Die Äom» m u n i H e n . die im hessischen Landtag nur vier Abgeordnete haben, sind nicht stark genug, um nach den Bestimmungen der Delchäsieordnung de» Haule» eine Stahlen zu bilden lie sind darum auch nicht im Finanzausschuß vertreten. Run haben sie durch eine klug ersonnene Lift doch erreicht, wa» sie wollen, sie haben saft zu jedem Kapitel des Staat»voranlchlag» A n- träge g e ft c 111. bie nach der Geschäftsord­nung behandelt werden müssen auch sind die Antragsteller vom Ausschuß zu hören. Die Solge davon ist. daß die Kommunisten geradezu al» im Ausschuß vertreten gellen können. natürlich werden durch die vielen Anträge die Arbeiten ausgchalten. Ss zeigt sich hier wohl eine Lüde in der Geschäftsordnung de» Landtag», weil sie einer Partei auf Umwegen etwa» zu erreichen ermöglicht, wo» sie unmittelbar niart erlangen kann. Selbstverständlich wirkt sich diese» Verfahren nachher bei den Verhandlungen im Plenum ebenlall» al» eine Verzögerung au». Höchst wahrscheinlich werden darum die Etat»- Verhandlungen im QTlal sich durch eine Fülle von Sieben auözeichnen. Es war bisher schon üblich, den Beginn der Wahlreden und de» Wahl­kampfe» gewissermaben in die Landtagsverhand­lungen zu verlegen: diesmal wird e» kaum anders werden und so dürsten die Etatsdebatten vermut­lich stark politisch gefärbt sein.

Gin Vorspiel davon waren bereits bie ßanbtags- verhandlunaen wahrend der drei Tage vom 29. bis 31. März: sie brachten, namentlich am letzten Tage, längere politische Auseinandersetzungen, die kaum noch etwas mit dem Berotungsgegenstande zu tun hatten. (Ls ist Zwar eine Tagesordnung von etwa 30 Punkten erledigt worden, doch waren nur wenige wichtige Vorlagen darunter: an diese heftete sich auch die Aussprache. Die Erstredung de» Finanzge- fe tz e » von 1926 auf die ersten drei Monate des '.Rechnungsjahres 1927 fand keinen ernstlichen Wider- stand: wenn die Rechtsparteien nicht zugestimmt hoben, so geschah dies'aus formalen Gründen. Vach parlamentarischer Gepflogenheit lehnt die Opposition, das Budget ab; sie kann ihm daher auch nicht teil­weise zustimmen. Die Aussprache, die sich im Zu­sammenhang mit dem Steueroorauszah- iungsgefefe über bie Mietpreiser­höhung entspann, hat zur Klärung der Ansichten im Haufe nur wenig beigetragen. Es kam schließ­lich zur Annahme des Vorschlag» der Regierung, wo­nach 8 io de» Steueraufkommens für den Staat und *lu für die Hausbesitzer bereitgestellt werden. Mit dieser Regelung ist, wie au» den Erklärungen her- vorging, eigentlich keine Partei einverstanden ge­wesen. Anders war e» mit der Regierungsvorlage über dieErrichtungeines Braunkohlen- fchwelkroftwerke» bei Wölfersheim; hier herrschte Im Grunde genommen Einmütigkeit; die kritischen Einwendungen bezogen sich vorwiegend auf die formale Seite der Verträge Die Wölsers- Heimer Betriebe hoben im hessischen Staatshaushalt immer die Rolle von Sorgenkindern gdpiclt, die Aussicht, daß sie nun gesunden und außerdem noch eine holde Million Mark Mehreinnahmen abwerfen sollen, hat die Mehrzahl der Abgeordneten der Vor­lage geneigt gemocht, obwohl es sehr schwer ist, die Tragweite vieler Bestimmungen zu uberichouen. Am letzten Verhandlungstage gingen die Meinungen wieder stark auseinander. Auch die Regelung der Vergütungen für die Staatsdienstanwärter hat nie­mand voll befriedigt, und wenn schließlich ein An­trag angenommen wurde, der für die ersten fünf Jahre die Bezahlung nach den Sätzen der Regie- rangsoortage oorsieht und für die weiteren Jahre die Desolbungssätze de» Reiche», so war dies nur ein

sich h. inner nationalen Selbstbefreiung au' bW Besitzestn. X. allo ou« führerlose Elemente, zu stützen. weil bie Buchenden zu stark nach Westen hin festgdegt seien unb mit ttrunb viel, trenn nicht alle» zu verlieren fürchteten.

Da» Zangi'c-Problcm hol nrdb seine be­sonder.-ü bedenklichen Seiten für bie weih« Italic. n.cht ohne ihre Schuld. Durch ihre Ausbeu ung de» Land>» unb bie oft unmenschliche Behandlung brr Kult» hat sie die heutige ge­fährliche 2l:nwstphäre geschaffen. Wte kann Ue iich da über Srplostonen wundern! Sharakierifti ch ist in 09a,ten oft da» Benehmen der wc.ßen Rinder, bie chinesischen Bedienten onvertraul werden, ohne daß bick die Möglichkeit hätten, ihren Dienst treu, wie sie e» möchten, wahr- zunehmen ein so widerspenstiges. ungezogene», ja verächtliche» Bkfcn legen schon bie kleinsten der europäischen Rangen an den Tag Sogar in der japanischen Eisenbahn zwilchen Tokio unb dem Babeort Komakura mußte ich lefbft einmal ringrctten. um w.tße Kinder, die unbeaufsichtigt fid) ba laut al» einzige Herrensprößlinge ge­bärdeten. mit ein paar d.utüchen Worten zur Ruhe zu bringen, wa» im Beisein der Japaner unb ihrer mäuschenstillen Ämbtr höchst nötig war. Von sich aus vermag ba» Ausland nur noch rein menschlich burch ba» Beispiel de» Einzelnen ba» Pangife-Problem lösen, bie Äuli- Ssahr eindämmen zu helfen. 314 Ganzem ist auch merika. wo man augenblidlich mit ber wich­tigen Feststellung beschäftigt ist. baß Ford» Bar­hermögen 2 Milliarden Dollar, dasjenige Rode- leller» bereit» fünfmal übertreffe, für die ibeeile Bekämpfung entfesielter besitzloser Mafien in Lhino längst auSgeschieden.

Der Vangtle wird zunächst sein Problem allein lösen müssen baburch. daß et bie 3u»- breitung ber Borodinschen ©lüdögüter aufhält unb hemmt, befonber» im Frühling, wenn er, geschwellt burch ben Schnee von ben Hoch­gebirgen Tibet», rasend dohinschießt und über die Ufer tritt. Ehe aber ber Bolschewismus von I Qlorben kommt, hat sich vielleicht schon Herrn Borobin» Gehalt in ein letztes Al'schiedsgefchenk verwandelt, wofür auch ibcalgefimue Kommu­nisten überaus empfänglich sein sollen. Zwischen Moskau unb Peking liegt ja noch immer Gi­bt r i e n . baS nach ber soeben veröffentlichten Volkszählung wenig mehr als acht Millionen unb keineswegs bolschewistische Köpfe zählt. Da nun ber kommunistische Gedanke so schlecht I fliegen will, sollen denn auch neue Eisenbahnen für seinen Transport erbaut werden. Aber allein die jetzt neu wie OstasienS Presse meldet I geplante russische Bahn von Semipalatinlk nach chinesisch Turkestan, wohin von Peking auS z. Z. I Sven Hedin auf Kamelen strebt, soll W Millionen GolddollarS kosten. Wann wird die Baumwolle I das wieder einbringen? KeinenfallS vor der Lösung des Vangtse-ProblemS.

EhinaS aufrichtige Freunde dürfen auf ben gefunden Sinn selbst seiner von Ratur guten unb I einfältigen KuliS bauen, auch wenn ihre Ge­sichter von Rot und Arbeit zersägt sind, und baS übrige ber chinesischen VollSkraft überlassen: sie muß sich rechtlich tote menschlich Bahn brechen zu nationaler Einigkeit unb wird dabei am Vangtse- Problem sicherlich nicht scheitern.

Die Arbeiten des Hessischen Landtags, von unserer Darmstädter Redaktion.

Zu Beginn diese» 3ahre» schien eS. al» woll­ten sich die parlamentarischen Arbeiten glatt voll­ziehen. Der Finanzausschuß trat bereit» im 3a- nuar zusammen und hätte, wenn er nicht durch andere Arbeiten behindert worden wäre, seine Beratungen so fördern können, daß sie biS An­fang März beendet waren. Da» Plenum de» Landtag- hätte dann in vier Wochen genug Zeit gehabt, um den StaatSvoranfchlaa zu verab­schieden. Die Regierung hat jedoch dem Land­tag, außer dem StaatSvvranIchlaa eine Reihe von Steuergefetzentwürien zugehen [affen, die erst ben Finanzausschuß passieren müssen. So wurden die 6tat»beratungcn aufgehalten, weil auch die Steuervorlagen im Ausschuß erörtert wurden. An dielen bat keine ber Parteien beS Landtag» eine rechte Freude und sie haben e» auch in

Ijtr brechen muh

Denn diese ist ja russische», nicht chinesische» Werk, da» Werk vor allein Michael Markowitsch I Borodin», de» rusisichen Berater» in Kan­ten. obwohl er nur englisch neben russisch spricht. iH cht chinesisch. 3m Jahre 1923 kam er nach Iljina und errang die Gunst de» verstorbenen I Kinesi'chen Rationalsozialisten Dr. Sun Pat Sen in einem Maße, daß dieser einmal ben ?.u»spruch tat: ..Vergeßt nicht. Borodin» Wort I v. mein Dort!" Da» wirkt nach. Der listige tchwarzhaar.ge Bolschewist tut nun folgende»: er macht au» dem chinesischen Soldaten, der bi»- ibtr nur ben Kr.eg seine» General» im Kopfe f)itte, einen Kämpfer für die Politik der Befitzlofigkeit. Dazu kann er nur Rull» gebrauchen, befonber» solche, bie bi»her 5ron-3rbeit für Ausländer leisten mußten. Da- | mit ist bann zugleich für die nahonal denkenden Shinesen ber nationale Standpunkt ge­rettet. ber al» solcher Herrn Borodin sehr un- rrnaenehm ist Ader es geht vorläusig nicht aiiber». Zu einem Journalisten hat er kürzlich qriagt, für denreinen (!) Kommuni-mu» fei w'tuna leider noch nicht reif, e» werde noch mc6« rrre kapitalistische Zwischenstufen zu übersteigen bibcn. um zu diesem ^öhenziel zu gelangen. Bor bereiten soll immerhin die Wyampoa-Aka- drmie bei Kanton, die selbst au» dem Kuli einen k nimunisttschenAkademiker" macht. Auch der christliche General Feng Vu Siang war ja früher Kuli, hat feine mannigfachen Methoden erfolg­reicher Hinrichtung aber ohne Akademie gelernt. Borodin versichert, die bollchewistiIch« Propa­ganda fei jedenfalls besser al» die christliche, denn sie erstrebe mit irdischen Mitteln auch nur irdische Ziele, nicht himmsische. Die Ehinesen lassen sich emftöcilen feine Vermittlung gefallen und be­fahlen ihn jetzt sogar selbst, wa» zu denken gibt, kenn früher erhielt er sein Gehalt von Mo-kau. Qr ist nicht mehr Freund, sondern Angestellter. Den man bezahlt, den kann man entlasten. Solange er Ernfluß hat, bedeutet das Vangtse- Siroblem immerhin eine .Kuli-Gefahr, für Ehi- tefen sowohl wie für Ausländer.

Ein befreundeter Südchinele schrieb mir vor einigen Tagen, daß bie politische und kriegerische 2u»rinanberiebung ben Vangtse entlang an sich jan» ungefährlich für Leben und Recht sein oürde, wenn Südchina nicht gezwungen wäre,

Kleine Straftammer Giehen.

Gießen. Ö April Ein Pol.ze beamter beobachtete nacht» einui Arbeiter der am Ein­gang einer schon geschloffenen Dirsichaft staub unb auf Befragen angab daß er sich noch einigt Zigarren holen wo!!' Al» ihn darauf ber Wach«- meificr au» die bereit» langst c.ngetreime Polize.- ftunfe aufmerksam machte, antwortete er in sehr ausfallender kaum w ed rzugebender Weise. We­gen Beleidigung etbult er durch ba» Amts­gericht Butzbach eine Geldstrafe von 50 Mk. evtl 10 Tage Gefängnis Seine gegen Mele» Urteil zweck» Herabsetzung der Slrase eingelegte Bcruung hatte keinen Erfolg da auch heute das Ger>cht der gleichen Ansicht war. daß der Angeklagte durch nicht» zu diesem Vorgehen ver­anlaßt worden war. und daß bie Polizei beamten in ihrem nicht leichten Dienst nur burch Verhält- ^ung empfindlicher Strasen gegen derartige Aug- Ule geschützt werden müssen.

Ebenfalls keinen Erfolg mit feiner Berufung hatte ein ZuchthauSgefangener. ber einen Strafanstalt-Wachtmeister ohne jeglichen Grund beleidigt hatte Rur mit Rück­sicht daraus, daß c» sich bei dem Angeklagten um einen lehr nervösen Menschen handelt, lab da» Gericht davon ab. die erkannte Gefängnis- ftrafc noch zu erhöhen.

Weiter wurde em z. Z. in Marienfchloß Strafe verbüßender, trotz seine» jugendlichen Alter» erheblich vorbestrafter Gefangener vor- geführt, der wegen absichtlicher Beschädi­gung de» Zelleninventars durch da» Amtsgericht Butzbach zu zwei Monat Ge­fängnis verurteilt worden war. Auch feine Berufung wurde kostenfällig verworfen, ba die erkannte Gefängnisstrafe in anbetracht feine» ganz rabiaten Verhalten» für durchaus ange­messen erachtet wurde.

Wegen Diebstahl» eine» Ringe» wurde ein 18 3ahre alte» Mädchen durch ba» Amtsgericht Ortenberg an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von vier Tagen zu einer ©elbftrafe von 40 Mk. verurteilt. 3n ber heutigen Verhandlung beschwor die Eigen­tümerin de» Ringe», daß sie leibst der Ange­klagten den Ring von dem Finger gestreift habe, unb daß diese damals zu ihrer Gntlchuldifliing an­gegeben habe, daß sie b?n Ring, ben sie sogar mit nach Haufe genommen hatte, nur habe .putzen' wollen Trotzdem bestritt bie Angeklagte, ben Ring jemals besessen zu haben. Da ba» Gericht e» für nötig hielt, noch nähere Erkundigungen über daS Vorleben ber Angeklagten einzuziehen, wurde bie Verhanblung auSgefetzt

Gin wegen Betrug» durch ba» Amtsgericht Ortenberg zu 60 Mk. ® e I b ft r a f e verurteilter Landwirt nahm bie gegen ba» Urteil von ihm eingelegte Berufung zurück, woraus auch die Staat»anwaltfchasi die vorsorglich eingelegte Be­rufung zurückzog.

Ein wegen Betteln» in ben letzten Jahren erheblich vorbestvafter älterer Mann au» einem benachbarten preußischen Ort, dessen Strasrealster in früheren Jahren eine sehr große Anzahl Vor­strafen wegen Eigentum» bei ute aufweift, war wegen Bettelns durch baS Amtsgericht Gießen xu vier Wochen Haft verurteilt worden, dagegen hatte man von ber llebertoeifung an bie LanbeSpolizeikxchörde abgesehen. Die be»wegen von ber Staatsanwaltschaft verfolgte Berufung hatte mit Rücksicht auf ba» Alter de» Angeklagten keinen Erfolg.

Lprcchftunden brr Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen.

Für unverlangt elngefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen.

Unjelgenaufttäge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten.

3361

JJ65Ö

*

ngetommenl

f)6n

Wv beit [betiöj

Mod.

gM'

,s «*

Kir»*;,.

W1

as*

B Hust^ iet KKAL

56$

Kcntra'' versa«"«^

im

Märtyrer der Liebe.

Roman von 3. Cchneide^-Förstl.

43 siortsetzung. Nachdruck verboten.

,jr)errflott. wenn man auch so wandern könnte. Roch einmal so wandern!" Reichmann saß in siibertts Karten, da, wo der Schatten am tiefsten oar unb dar Astwelk einer Vlutduche beinahe änc Laube bildete. Er streckte beide Füße von sich mb lehnte den blonben Kops gegen ben glatten Stamm.

So wandte doch!" saate Hilbertt. Er hatte die Bugen im naldschtas geschlossen. Die Hitze machte trldblaffen. obwohl kaum zehn Meter weit ber kleine vlufo vorübergurgelte unb ber Hochwald seine Schatten beinahe bis herüber warf.

Wandern möcht' ich! Hörst du, Hans Jörg?'

Ja doch, ich hab's gebärt/

Faulpelz/ schalt Reichmann. ..Mach' doch die flugen auf! So kann man ja gar nicht vernünftig nit dir sprechen/

..Wa» soll's bennf Hikbertt ermunterte sich und ab den Freund an.

.Also'" Reichmann machte mit der Rechten einen nifb durch die Lust. ,3d) nehme für drei Wochen Urlaub und du vertrittst mich!"

Schön 1"

Zu tun ist nidyt viel jetzt. Ich wenigstens hab' zur Zeit keinen einzigen schweren Fall, der dir Zeit rauben und Mühe machen würde/

,3a/

,JDu bist spartanifch kürz, Hans Jörg. Denn ich zejagt hätte, 'ch habe den Typhus, hättest du wahr- cheinlich auch nur .Schon' und La' gesagt!"

Hilbertt lachte.Also du willst wandern, mein Reber, und ich soll dich venreten. Ich habe beides irfaht. Und deine grau?

Auf das habe ich nur noch gewartet/ spottete steichmann. .Die kann ich natürlich nicht mitnehmen. Die Liesl taugt jetzt nicht zum Wandern/

Weshalb?--Laß mich erst ausreden, Georg.

Zum Wandern, so im strengen Sinn genommen, elbswerftändlich nicht. Aber du könntest deine Frau nttnehmen und sie an irgendeinem schönen Fleck

Erde einquartieren, von wo au» du dann deine Touren machen kannst/

Der weise Salomo/ sagte Reichmann mit einer Derneiguna. ..Deine Siebe ist groß und dein Rat ist gut. Also, die Liesl kommt mit/

Sie wird sich unendlich freuen, Georg."

Reichmann faßte ihn an ber weihen, weichen Hemdbrust und bog sich zu ihm herüber.Ein an­derer hätte gesagt: Laß deine Frau da. Und hätte sich wer weiß was dabei gedacht unb erhofft. Kneif' nicht aus/ befahl Reichmann, als chn Hilbertt ab« schütteln wollte.Du bist schon der, für ben ich dich gehalten habe. Hans Jörg. Die Hanna faat, du seiest der edelste Mensch, ben bie Erde trägt Und sie hat recht'"

In Hilbertts Gesicht stand eine glühende Flamme. Seit mann schmeichelst du? Anders bist du mir lieber/

Ra ja! Du hättest es ja nicht gerate zu wissen gebraucht. Aber nun du's weiht, schadet'» auch nichts. Aber jetzt fetz' deiner Weisheit die Krone auf. Do soll ich meine Frau einquartieren?"

Hilbertt schloß im RaGdenken die Augen. Gr zog die Schultern hoch, und feine Stirn zeigte ein paar tiefe Falten.

Laß sie bei meiner Mutter", sagte er aufsehend.

Reichmann sprang wie elektrisiert in bie Höhe. Glücksmensch du! Natürlich bei deiner Mutter! Do denn ionft? Ser Gedanke ist einfach prächtig. Bc''cr ist sic nirgends aufgehoben. Ob deine Mutter wohl ein freies Zimmer für uns hat? Es wäre ewig schade, wenn sie uns nickst behalten könnte/

,5d) will ihr schreiben!" Hilbertt erhob sich und schüttelte ben letzten Meinen Rest von Schläfriakeit ab. .^eute ist Samstag. Bis <päteilens am Don­nerstag ober Freitag kann ich Bescheid Jagen. Ich denke sicher, und wenn auch das Haus voll fein sollte, für dich unb beme Frau wird sie's ermöglichen."

Run komm mit mir, Hans Jörg. Da du eigentlich der Urheber vom Ganzen bist, sollst du auch Llesls Freude sehen. Es ift ipre erste große Reife. Sie ist noch nickst über München binausgefommen.- Sie wird mich erdrücken vor lauter (Biudiriigleit'

Die erste, welcher Reichmann, in seiner Behau­sung angelangt, in die Hände lief, war Hanna. Er hielt sie kräfttg am Arm fest. Ganz wonnig jungen- haft kam er sich vor. ,J>anna, die Koster vorn

I Speicher, meine Genagelten schmieren, die Joden-

joppe, wenn sie die Motten nicht schon gefressen haben, und meinen Rucksack!"

Gerechter Gott! Der Herr Doktor . . /

Verreist. Jawohl", ergänzte er lachend

Und bie Frau Doktor?"

Reichmann sah Hilbertt mit einem Blinzeln an. Dieder eine. Verstehst du wohl?"Die Frau Doktor kommt natürlich mit", wandte er sich an Hanna.

Elisabeth war unter die Tür des Wohnzimmers getreten und war so rachlos vor Staunen. Sie vergaß sogar Hilbertt zu begrüßen.

Georg, ist es wirklich wahr?"

Sieh einmal die Weiber, Hans Jörg. Meine Frau hat Ohren wie ein Luchs. Also, es ist wirklich 3. Wir oerreifen, du and ich und ber Junge.

du mir keine Geschichten deichselst, Liesl Sonst nk' ich mich im Lobenlee."

An den Bodensee pings! Ihr Herz klopfte in eiligen Schlägen. Ein tiefes Rot ber Freude lag auf ihren schmalen Banoen. Einen Augenblick zögerte sie, dann warf sie beide Arme um ihren Mann und drückte chr Gesicht gegen besten breite Schulter.

Reichmann legte die Hand unter chr Rinn. ,>jab* ich's nicht gefugt. Hans Jörg, daß sie mich vor Glück» feliakeit erdrückt? Dir werden bei Jörgs Mutter wohnen können, Liesl. Es wirb dir gefallen. Die Berge mache ich allein, aber es gibt noch taufend anderes, wo du mit dabei fein kannst . . *

Unb deine Pattent en?" frag sie wie in plötz­lichem Erwachen.

Die häna ich Hans Jörg an den Hals. Er wird Ichon damit fertig werden!" beruhigte er.

Hilbertts Mutter hotte Platz. Schon am Mittwoch lief ein Telegramm ein des Inhalts, daß ein Zimmer mit zwei Betten freistehe .Kommst du nickst mit, mein Bub?" war der Mitteilung angefügt

Die gerne er mitgefommen wäre, das durfte die Mutter nicht wisten und Reichmann noch rief weniger. Damals, an dem Rochmittad im Garten, hatte er es sich Io schön ausgemalt, rote wundervoll das würde, wenn er in die Heimat könnte, Mutter zu überraschen unb wieder em paar Wochen an ben Ufern feines geliebten Dobensees zu weilen. Mitten in seins Träume war bann Reichmanns Frage ge­kommen, ob er ihn vertreten wollte.

Kusgeträumt!" jagte er resigniert. Vielleicht kn Spätherbst, wenn dos junge Paar zurück kam. Zwei

Jahre hatten er und seine Mutter sich schon nicht mehr gesehen. Im vorigen Sommer, als er sich Urlaub nehmen wollte, hatte unter den Hindern eine Masernepidernie eingesetzt, bie ihn in Eisenbach Hl- hielt: Heuer nun kamen ihm Reichmanns Pläne bazwischen. Mutter würde sich gewiß sehnen nach ihrem Einzigen. Aber er würde reifen, sobald es sich ermöglichen liefe. Die Hauptsache war. daß Elisa­beth sich freute.

Er brachte ihr noch einen fRiefenftraufe roter unb weißer Rosen zur Bahn: feinen aanzen Garten hatte er geplündert. .Hch will sie sorgsam hüten. Hans 3ärg/, versicherte sie.Die schönsten davon bekommt Ihre Mutter als Gruß von Ihnen/

Im Rachhausegehen dachte Hilbertt immer dar­über nach, wie bas kam. daß sich feine und der Iungen Frau Gedanken so oft in Uebereinftimmung trafen. Meist sprach fie bas aus, was er buchte, und bin und wieder hatte sie ihn schon angeftaunt: .Hans Jörg, woher kommt es, bafe Sie mir beinahe immer das Dort vom Munde nehmen?"

Woher es kam? Ja, das frag er sich selber wieder und wieder. 6» mußte doch irgendwie Glei­ches. Uebereinftirnmenbes in ihren beiden Serien fein.

Während Hilbertt ben Rätseln ber Psyche nach­sann, > Reichmann am halboffenen Fenster eines Abteils des O«Zuges, der ihn immer weiter von den heimatlichen Wäldern wegführte.

Er reckte die Arme und dehnte seinen Körper im Uebermafe von Lust und Erwartung. Herrgott, war bas köstlich! Da sah man doch endlich die Welt ein­mal wieder, wie sie in Wirklichkeit war. An nichts wollte er denken! An gar nichts! Weder an feine Praxis, noch an Haus und Hof unb Garten, und bie Liesl, na, bie faß ja mit strahlenden Augen neben ihm und fand kaum ein Wort vor lauter Dafeinswonne.

Georg ich wußte nicht, daß bie Weit so roun- dcr-, wunderschön Ist."

,3a, mein Häschen, und fie wird immer noch ichöner immer noch schöner."

Die junge Frau wurde nicht müde des Sehen». Aur am Nachmittag fielen chr für ein Stündchen bie Augen xu. Als sie erwachte, nahm Reichmann bereits die Hanbkofter aus dem Gepäcknetz unb half ihr sorglich in ben Mantel.

(Fortsetzung folgt)