Aeitag, 7. Januar 1927
Gießener Anzeiger iGeneral-Anzeiger für Gberhessen)
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leiteten 50. ordentlichen Generalversammlung zu hören war. 5 Ehrenmitglieder, 199 ordentliche und 12 außerordentliche Dereinsangehörige. Wk die von dein Beigeordneten F. Kissel mit seltener Gründlichkeit ausgezeichneten Berhandlunßs- niederschriften. die verlesen wurden, zeigten, der Verein eine recht ersprießliche Arbeit,
und immer tiefer übers Bett. Ein Schrei, wie ihn nur eine Frau ausstohen kann — der nächtliche Flieger landete auf dem Haar! Trotz summa cum laude bestandenem Tastsinnefamen. Zum Glück handelte es sich um einen Bubikopf, sonst hätte sich, das wage ich nun zu behaupten, die Fledermaus im Haar verfangen. Ganz so, wie es unsere Mädchen früher fürchteten. Ich habe darauf den irrlichternden Tolpatsch gefangen und untersucht: Es war die gewöhnliche Fledermaus unserer Sommerabende, ein schönes, starkes Tier, das mich fassungslos aus seinen rätselhaften, seltsam lebendigen Aachtaugen anstaunte.
man der Entwicklung doch mit entgegen
Diese Einstellung mag man nicht, man wird sie jedenfalls in
Wand und — und
quenzen für die ehemalige Entente ist bezeichnend für die Cinsteilunq zu Deutschland überhaupt. Wohlwollend in allen kleinen schikanösen Dingen, sachlich in jedem Fall, sieht " ' ' einiger Sorge
nun kam's — strich tief
ist nicht sehr günstig. Der Kriegsmmrster Herzog von Tetuan droht im Falle eine« Mlßerfolges mit dem gänzlichen Rückzüge Spaniens aus Marokko, wodurch ein offener Konflikt an der nörd- lieben Mittclmeerküste zwischen den rivalisierenden Mächten entstehen mühte, da weder England noch Italien die Festsetzung Frankreichs an der span, schon Rifküfte dulden würden, aber bis zu diesem letzten Schritt ist es noch weit, und es iß fraglich, ob die Drohung je zur Ausführung kommen wird Im übrigen interessieren sich die breiten Massen nicht viel mehr für die Fragen der äuheren als für die der inneren Politik.
Mit Blechbüchsen bewaffnet, die einen abscheulichen Spektakel machen, lärmte das Volk durch die Straßen und johlte dem neuen Jahr entgegen, das ereignislos und grau der sinkenden Sonne nachschlich. Einige Raketen stiegen in die Luft, aber weder Lärm noch Raketen vermögen den Spanier dazu zu bewegen, die Schlummer decke von sich abzuwersen. -- Das neue Jahr ist da. vielleicht kommt mit ihm auch eine glückliche, erfolgreiche Zeit für Spanien, das gewiß sein Anrecht auf einen Platz unter der Sonne besitzt.
Teil stiller Art. geleistet. Die Rechnung für 1926 schließt ab mit 1113 Mark in Einnahme und 854 Mark in Ausgabe. Das Gesamtvermögen betrug am 1. Januar 408,70 Mark. In der Aussprache fanden sich Stimmen, die sich für den Pflichtbezug des „Hessischen K a m e r a d e n" nicht begeistern konnten, die sogar vorschlugen, den Austritt aus dem Verband in Erwägung zu ziehen. Dieses Ansinnen wurde jedoch ab gelehnt. Allerdings müßte zugegeben werden, daß der Verein durch ben Pflichtbezug der Verbandszeitung. wie auch durch die erhöhten Der- bandsbeiträge geldlich so stark in Anspruch ge- nonunen sei, dah er seinen anderen Verpflichtun- gen nicht mehr im alten Umfange nachkommen könne, vor allem auf dem Gebiete des Unter- stühungswesens nicht mehr sehr leistungsfähig sei. Es wurde daher die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags von 3 auf 4 Mark im Jahr beschlossen. Im Jahre 1928 kann der Verein die Feier seines 50jährigen Bestehens begehen. — Wie bereits mitgeteilt wurde, hat sich hier ein
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Monats« "D tctfauimW.
Das „Märchen" von der Fledermaus.
Von Gustav W. Eberlein, Rom.
Schon in der Schule hat jnan und gelehrt, den Volksaberglauben, die Fledermaus „gehe ins Haar", zu verachten. Später lasen wir wissenschaftliche Abhandlungen, die ein solches Verfliegen äks unmöglich „bewiesen", und von Jahr zu Jahr wuchsen die Fledermäuse an Flieger- Qualität. Man stellte ihren phänomenalen Orientierungssinn fest, und ihr verblüffender Tastsinn kam durch ein Examen schwierigster Art. das die Rachtseglerin aber glänzend bestand, ans Licht. Ein dunkles Zimmer wurde nämlich kreuz und quer mit Zwirnsfäden aufs Dichteste durch- spannt und dann ließ man die Fledermaus los. O Wunder, sie streifte nicht an einen einzigen Faden, obwohl man ihr sogar vorher das Augenlicht genommen hatte! Flog mit gespensterhafter Sicherheit durch das Zimmer, als ob es nicht ein einziges Reh gewesen wäre, und dann zum Fenster hinaus. Wie also wäre es jemals möglich, dah sich ein derart feinfühliger Pfadfinder ins Haar einer Frau verirren könnte!
Morgen abend Kneipe mit Allencherru- Abend.
Um volüabllgeo Erl-beinen tvnö flg bcl%r Borkiand.
den. und der Einfluß der Kreise, die eine enge englisch-französische Zusammenarbeit im wesentlichen gegen Deutschland befürworten, ist nicht zu unterschätzen. Auch die amtliche englische Politik hat bis zum heutigen Tage stets sehr großes Verständnis für die französische Haltung in den Deutschland angehenden Fragen aufgebracht. Es ist heute noch nicht an der Zeit, zu sehen, was England vorteilhafter erscheint: die Zusammenarbeit mit Frankreich oder die mit Deutschland oder die mit beiden Staaten. In jenen Fällen wäre eine Spitze gegen einen der beiden anderen nicht zu vermeiden. Der engen Zusammenarbeit mit beiden Staaten stehen einstweilen auf englischer Seite Schwierigle.tcn entgegen, für die eine Lösungsmöglichkeit noch nicht sichtbar ist. Die deutsche Politik wird nur die Unterstützung finden, die den englischen Interessen direkt ober indirekt zugute kommt und sie wird, wenn nicht alles trügt, manchmal auf Hindernisse stoßen, die mit der zunehmenden Wiedergesundung Deutschlands in ursächlichem Zusammenhang stehen. Man bringt im allgemeinen in Deutschland für die Sorgen und Leitmotive der englischen und französischen Regierung recht weitgehendes Verständnis auf, man sollte sich aber aus der anderen Seite davor hüten, mehr zu erhoffen, als mit der eigenen Kraft durchzusetzen ist. Sie in die Wagschale zu werfen ist Pflicht der deutschen Politik, auch wenn das auf englischer Seite die durchaus ernst gemeinte Mahnung aus löst, man sollte sich auf deutscher Seite „im Tempo etwas Mäßigung auf erlegen“.
Die spanische Gegenwart.
Von unserem v. v.-5t°Berichterstatter
«Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Madrid. Januar 1927.
Der Weihnachtsmann hatte über Spanien Säcke voll Eis und Schnee ausgeschüttet. ~ In | Madrid sank die Temperatur auf 7 Grad Frost und ein bitterkalter Wind fegte vom Guadarrama hinab und trieb die frosterstarrten Bewohner in die unheizbaren Räume ihrer Wohnungen. So war denn auch wenig von Weihnachtsfreude zu bemerken, man erwartete nur zähneklappernd das neue Jahr. Aehnliche Kältewogen sind in Spanien sehr selten, denn fast immer bleibt die siegreich warme Sonne des Südens unbewölkt am Himmel und gebietet der Kälte Einhalt, und deshalb versteht man es gar nicht, sich gegen Schnee und Cis zu schützen. So sind z. B. die Erpreßzüge nach Valencia in ben Gebirgsschluchten von Albacete in metertiefem Schnee stecken geblieben, und die unglücklichen Passagiere saßen mehrere Sage in der unwirtlichen Eiswelt gefangen. Die Hilfskolonnen, die zur Befreiung der Züge ausgefandt wurden, verstehen es nicht, mit Schncefchaufeln umzugehen.
Verfassung die großen Fragen der Außenpolitik entscheidend beeinslußt. Das hat sich in einer für Deutschland nicht immer erfreulichen Weise bei bet Erörterung der Abrüstungsfrage, tn weniger offener Form auch bei der Rheinlandräumung und den anderen uns naheliegenden Fragen gezeigt. Eine gerade Linie wies die englische Außenvolitik dagegen auf in der Frage bes Eintritts Deutschlands in den Völkerbund, weil hier die allgemeinen Interessen mit ben Zielen der englischen Außenpolitik übereinstimmten. Qlber nach erfolgtem Eintritt bewahrte man in London eine kühle Reserve, und nach Erreichung eines lange erstrebten Zieles sah man es nicht ungern, wenn gelegentlich das Tempo in der Behandlung der beutfdyen Fragen verlangsamt wurde Die englische Haltung zur Frage des Dölkerbundseintritts und später zu ben sich aus diesem Streit ergebenden Konk-
Zweifel an dem Orientierungssinn wachten aber ketzerischerweise dennoch in mir auf, als ich eines Abends ahnungslos, es war im alten Nürnberg, in mein Zimmer trat und nicht schlecht erschrocken beim Einschalten des Lichtes zurück- fuhr: ein Schwarm von Fledermäusen flatterte ziellos umher. Drei Fenster standen sperrangelweit offen, aber nut sehr langsam sanden die Teilnehmer der überraschten Generalversammlung Den Ausweg. So langsam, daß man sie gemächlich zählen konnte: 48 Stück! Rach zehn Ml- nuten wahnsinniger Aufregung flatterten noch immer acht verzweifelt vor der unbehinderten Freiheit hin und her. mit Tüchern mußte man sie hinausjagen, die letzten drei verstanden aber nicht einmal diesen deutlichen Wink und Hämmerten sich resigniert an die Vorhänge. Sie hatten jede Orientierung verloren.
ilnb nun der vielgerühmte Tastsinn. 3n diesem Sommer war es, in einem alten, gasthos- artig ausgebauten Kloster Kärntens. Ins Schlafzimmer verirrte sich eine Fledermaus und weckte uns. denn sie fand ebensowenig zurück wie ihre Nürnberger Kolleginnen, durch ihr blindes Anstößen gegen Wände und Möbel auf. Siebzig Minuten lang dauerte das peinliche Herumirren, wie eine Motte flatterte sie gegen das Licht, daß die elektrische Hängelampe ins Schwanken kam, klammerte sich an jede Kante an, hoch oder tief, wie es traf, prallte stupid gegen die blanke
Wie ich den Teufel sah.
Von Clara R o r d st r ö m.
Lars Anders, der Kutscher meiner Eltern, der mir heimlich das Schießen nach leeren An- Ichovisbüchsen, das Reiten und das Ziehharmonikaspielen beibrachte, und der Lungen- Ironie mit Harz und geräuchertem Speck zu heilen verstand, wußte auch über den Teufel Be- Icheid. In der Wagenremise, während er die lilbemen Beschläge am Zaumzeug der Pferde putzte, erzählte er mir und meinen beiden Gespielinnen Lotten Solbreck und Svea Liljervs davon.
„Wenn man ihm begegnet,“ sagte Lars Anders. „muß man aber rechts an ihm vorüber- ^ehen. die Hände über ben Leib falten und einen tiefen Kni? oder Bückling machen. Da kann er einem nichts anhaben.“
Ich glaubte alles, was man mir erzählte, ober Lotteil und Svea waren klüger als ich unb lachten:
„Zeig uns den Teufel!“
„Den könnt ihr sehen!" erklärte Lars Anders und rieb an ben Beschlägen. „Klopft nur camstag abend um 8 Ufcr an der Sakristeitür, bann wird er schon kommen.'
Reugierig und voller Spannung verließ ich em nächsten Samstagabend heimlich das Haus. Leichter Schnee fiel, der Himmel war schwarz, eher die Petroleumlämpchen brannten an den Straßenecken der kleinen Stadt.
Lotten unb Svea warteten am Marktplatz. 21m uns Mut zu geben, faßten wir uns an den Hänben unb rannten am Rathauskeller vor- •über, aus bem die Stimmen bet Betrunkenen drangen. Im Hause des Probstes brannte Licht.
Bald stauben wir auf bem Kirchenhugel. Unten lag der alte Dom zwischen den Bäumen. Eine klägliche Laterne blakte davor.
„■Kommt!“ rief ich. aber Lotten unb Svea waren nicht nur klüger, fonbem auch vorsichtiger als ich. „Man kann doch nicht wissen".
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Rossol in Originalen Mein. Hersteller: Engel, in allen Apotheken.
len müssen. Reben der inneren
unb bem Ausbau der Beziehungen innerhalb des britischen Weltreiches spielen natürlich die Beziehungen zu Frankreich und Deutschland eine entscheidende Rolle. Die Tendenz, beide Staaten gegeneinander auszu- spielen. ist leider noch immer nicht verschwun-
Oberhessen.
Landkreis Gictzcn
£ Wieseck. 7. Ian. Seit einiger Zeit wird in unserer Gemeinde lebhaft Klage darüber geführt. daß die Straßenbeleuchtung sehr zu wünschen übrig läßt. Schon von den späteren QlbenÖftunbenn ab ist der größte Teil der Ortsstraßen in undurchdringliches Dunkel gebullt; weder Richtung«- noch Rächt- lampen brennen. Am unangenehmsten wird dieser Zustand bei bem gegenwärtigen unsichtigen Wetter in ben Morgenstunden empfunden, wenn die Arbeiterbevölkerung. und das ist der größte Teil unserer Einwohnerschaft, nach ihrer Arbeitsstelle will. Das wenig winterliche Wetter, das einen recht schmutzigen Zustand der Straßen mit sich bringt rechtfertigt ebenfalls ben Ruf nach mehr Licht, dem hoffentlich recht bald Gehör geschenkt wirb, zumal unbedingt erforderliche Sparsamkeit wohl kaum der Grund der mangelhaften Straßenbeleuchtung sein dürfte.
T) Cid). 6. Jan. Bei der heute im Licher Stadtwald im Distrikt Großhäuserberg stattgehabten Brcnnholzversteigerung wurden folgende Versteigerungserlöse erzielt: 4 rin Buchenscheiter 60 bis 63 Mark, 4 rm Duchenstöckc 25 bis 32 Mark. 4 rm Buchenknüppel 44 bis 52 Mark. 100 Buchenwellen 20 bis 23 Mark unb 100 Fichtenwelletz 15 bis 16 Mark.
Kreis Friedberg
Zl Bad-Rauhei m. 6. Ian. Trotz der starken Zersplitterung, die durch die verschieden- ft en Regimentsvereine aus dem Gebiete des kameradschaftlichen Vereinswesen herrscht, hat der nunmehr bald 50 Jahre alte Krieger- und Militärverein „H a s s i a" sich noch einen treuen Stamm alter Freunde erhalten. Die Mit- gliederzahl beträgt, wie gestern abend in der von dem Stadtverordneten Ehr. Schäfer ge-
Hilfslokomotiven konnten nicht Vordringen, und so wurde denn die Rettungsarbeit tagelang verzögert. Die Passagiere wurden durch Aeroplane mit Rahrung unb Decken versehen. Aus den Bergen steigen Rudel von Wölfen in die Niederung, überfallen Menschen und Vieh, in Valencia erfrieren die Orangenhaine, unb sogar im immer warmen Süden Andalusiens ist es in diesem Jahre kalt.
Run. der Spanier ist Fatalist! Er wickelt sich in seinen Mantel, bindet sich die wollene Busanda vor den Mund, klagt wenig und wartet geduldig auf bessere Zeiten. Das neue Jahr soll sie ihm bringen ! Der König. Don Alfonso, leibst hat in einem Interview Spanien in allernächster Zeit eine große 11 eberrasch ung in Aussicht gestellt. Er hat es zwar unterlassen, die Art Ser Uebetraschung näher zu bezeichnen unb die Madrider sind dabei aufs Rätselraten angewiesen, aber man hosst auf etwas Angenehmes. das graue Alltagseinerlei Ablösendes.
Man soll die psychologische Einstellung des spanischen Volkes zur Politik und zu sozialen Problemen nicht schablonenhaft mit der der anderen Völker Europas vergleichen. Seit Bestehen der Diktatur hat sich hier die lieber- zengung eingebürgert, daß die erste Rotwendig- keit für eine politische Ordnung das Bestehen einer Autorität ist. die im Metaphysischen wurzelt. Das Mittelalter besaß diese Qlutorität in der Feudalherrschaft unb in der Monarchie. Die siegreiche Demokratie setzte an ihre Stelle den Mehrheitsbeschluß, indem sic den Kraftpol von oben nach unten, nämlich in ben Menschen verlegte. Spanien wurde dadurch einer parlamentarischen Oligarchie ausgeliefert und verfiel der politischen Korruption. Cs will wenig besagen. wenn die srüheren Parlamentarier und Parteiführer, die durch Pnmo de Rivera ihrer Sinekuren beraubt wurden, nun Unkenrufe ausstoßen unb die sofortige Wiederherstellung des reinen Parlamentarismus fordern. Die Massen stehen nicht hinter ihnen. Das Volk läßt sich willig führen, solange es den ehrlichen Willen der Führer anerkannt unb kümmert sich dabei wenig um politische Systeme unb Vorrechte.
Der König hat ferner erklärt, daß er im besten Einvernehmen mit dem Diktator lebe und hat somit den vielen Gerüchten, die von einem akuten Konflikt zwischen bem König unb Primo bc Rivera reben, bie Spitz: abgebrochen, er hat auch betont, baß ihn seine Untertanen lieben, unb baß er König sei unb König bleiben werbe. In der Tat gibt es kaum ein anberes Land, in bem cs fo wenig Revolutionsstoff, wie in Spanien gibt. Die einzige Möglichkeit wär: ein Militärpronunciamcnto. aber feit Beilegung des Artilleriekonfliktes ist normalerweise auch damit nicht mehr zu rechnen. Man meint zuweilen, baß bas spanische Volk nicht mehr lebe. Das ist ein Irrtum, es schlummert, unb wirb vielleicht erst nach vielen Jahren tokber politisch erwachen.
Im schwinbenben Jahr haben Primo bc Rivera Erfolge in ber inneren Politik begleite-. Seine äußere Politik ergibt eine welliger glückliche Bilanz. Hauptsächlich ist es die T a n g erfrage. die ihrer Lösung harrt, und bie kaum im spanischen Sinne erledigt werden wirb. Die spanische Regierung erklärt jetzt ohne diplomatische Verschleierung, baß sie sich mit einer bloßen Abänderung des Verwaltungsstatuts in Tanger nicht begnügen werde. Die internationale Verwaltung müsse zu Gunsten Spaniens revidiert werben. Es erschein: aber bisher unwahrscheinlich, daß Spanien mit seinen Ansprüchen durchbringen wirb. Als Spanien bei ber Verteilung ber Sitze im Völkerbnnbsrate anbeutete, baß es sich viel-
saßt gewesen, benn er bog den Regenschirm zur Seite und lüftete verwundert ben Hut.
„Guten Abend", sagte er, die Stimme klang beinahe menschlich. Was war aber das? Cr glich ja zum Verwechseln dem Küster Blomgren! War es ihm Senn möglich, jede beliebige Gestalt anzunehmen? Um sich aber nicht länger zu zeigen, bog ec jetzt rasch aus und verschwand in der Quergasse.
Ich wandte mich um. Wo war ber Pferde- ftch? Den hatte er natürlich in seinem Stiefel unb Gummischuh versteckt.
Rachbenklich stieg ich ben Hügel hinaus. Svea war inzwischen erwacht. Stumm und tief ergriffen faß teil wir uns wieder an ben Hänben unb gingen heim durch den immer dichter fallenden Schnee.
Jeder Zweifel war ausgeschlossen: Wir hatten ben leibhaftigen Teufel gesehen!
leicht mit einem nichtständigen Sitze zufrieden geben werde, wenn nur seine Ansprüche auf Tanger anerkannt würden, da winkten Paris unb auch London ab. Spanien zog sich darauf grollend aus Gens zurück. Heute tritt es wieder mit feinen Tangerforderungen auf ben Plan, aber die alten Widersprüche sind bestehen geblieben. Frankreich wünscht seinen Einfluß in Tanger unqcfd)mälert zu bewahren. England mag eine internationalisierte Tangerzone wegen seiner Stellung in Gibraltar lieber als ein spanisches Tanger fein, unb schließlich will auch Italien bei ber Durchführung seiner Mittelmeerpolitik nicht seine Ansprüche auf Tanger preisgeben. Es sollen nun endlich im Januar Diplomatische Verhandlungen in Paris mit Spanien über Tanger beginnen, aber bie Stimmung für bie spanischen Ansprüche
meinten sie unb blieben oben auf dem Hügel.
So ging ich allein. Aus der kleinen Quergasse streckten sich tiesverschneite Zweige vor. An ber hohen Vorberseite des Domes, wo sich kein einziges Fenster befand, lag rechts vom großen Portal die schmale Sakristeitür. Dort blieb ich stehen. Einen Augenblick zögerte id) noch, bann hob ich die Hanb und klopfte mit ber Faust fest und laut dreimal gegen das alte Holz.
Dumpf hallte es drinnen unter dem Gewölbe. Die Spannung wuchs, wurde unerträglich, da plötzlich erstarrte ich vor Schreck: aus dem Innern der Kirche kamen schlürfende Schritte, wurden deutlicher, näherten sich. Ein Schlüsselbund klirrte, ein gewaltiger Schlüssel wurde ins Schloß geschoben und drehte sich knirschend. Die Tür ging auf - eine ungeheure Gestalt tauchte aus dem Dunkel.
Entsetzt floh ich den Hügel hinan. „Er kommt, er kommt!" rief ich.
Aber auch dort oben hatte man ihn gesehen. und Lotten schrie mir verzweifelt entgegen: „Hilfe. Svea ist in Ohnmacht gefallen!“
Ich blieb stehen. „Reib sie mit Schnee ein“, antwortete ich, mit einem Male falt und unheimlich ruhig geworden. In diesem ^Augenblick gehörte mein Interesse restlos dem Teufel, der sich übrigens viel weniger teuflisch benahm, als man es von ihm hätte erwarten können. Lang, dünn unb schwarz stapfte er bie verschneite Straße heraus.
Da fielen mir Lars Anbers' Ratschläge ein, unb auf ber rechten Seite der Straße, mit fromm gefalteten Händen, wie es sich gehörte, ging ich bem Teufel entgegen.
Jetzt war ich schon ganz nahe, fast tonnte ich fein Geficht fehen. als er zu meinem grenzenlosen Staunen einen Regenschirm aufspannte. Diese List fand ich wahrhaftig satanisch.
„Tiber warte.' bachtc ich. „auch ich weiß Bescheid!" Und ich machte, mit noch immer gefalteten Hänben. einen tiefen Kni?. „Guten Abend!" ^gte ich laut unb höflich.
DarM war ber Teufel wohl doch nicht ge-
Englands Jahresbilanz, Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Die Jahresbilanz der englischen Polittk, die als Adschlußtag den 31. Dezember 1926 trägt, ist alle« in allem nicht ungünstig. Das ist, gmeffen an her Selbstverständlichkeit, mit der pölitifdje Erfolge Londons Eingenommen werden, iicht allzuviel, aber es ist ein beachtenswertes Resultat, wenn man sich die ungewöhnlichen Schwierigkeiten vergegenwärtigt, denen sich Eng- anb im abgelaufenen Jahre in mehrfacher Hin- :cht gegenübersah. Die Erschütterungen, benen bie zentraleuropäischen Staaten seit 1918 aus- ersetzt find, wurden in diesem Jahre weit stärker :ls sonst auch in England verspürt. Es zeigt sich tuten nur allmählich deutlicher, daß nach Ueber- rinöung der schlimmsten Kriegsfolgen für Engend die Frage akut wird: Welche Stellung xirb Großbritannnien in einem neugegheberten, wlitifch und wirtschaftlich umgestalteten Eu- v p a einnehmen und als logische Folge die uxeite Frage: sind irgendwelche grundlegenden Veränderungen in England selbst r-ottoenbig, um die gegenwärtige Position in Europa zu verstärken, ober sie wenigstens zu erhalten? ' ...
Die seit langem geführte Diskussion über Mele beiden Fragen ist bei den großen Ereig- ri'fcn des Jahres etwas aus ihrer akademischen Form herausgetreten. Der Generalstreik mit öem nachfolgenden siebenmonatigen Kampf im Bergbau, die britische Reichskonferenz unb bie englisch-deutschen Industrieverhanb- iungen, um nur die wichtigsten Vorgänge zu nennen, haben sehr lebhafte Auseinanberfehungen darüber ausgelöst, ob die gegenwärtige innere Stärk Englands ausreichend ist. um neben und wenn notwendig, auch gegtn ein konsolidiertes Europa bestehen zu können. Der Verlaus des Bergbaukampses könnte dazu verleiten, England bic Konkurrenzfähigkeit ohne weiteres abzusprc- dien. Tatsächlich find auch eine ganze Reihe prominenter englischer Wirtschaftler unb Ra- ticnalölonomen bieser Auffassung, aber bas für den Augenblick wesentliche Moment, daß der englische Bergbau zunächst bem freien Wettbewerb nur bebingt ausgesetzt ist unb hier überdies besonders günstige natürliche Bedingungen norliegen, wird absichtlich unerwähnt gelassen. Für die englische Wirtschaft als ganzes sind diese besseren Voraussetzungen nicht gegeben, im Gegenteil, große Zweige arbeiten sowohl was Löhne und Arbeitszeit unb überhaupt den ganzen Arbeitsprozeß angeht, wie hinsichtlich ber agitatorischen Bedingungen auf einer schlechteren Basis als die entsprechenden Industrien der meisten europäischen Länder.
Aus dieser Tatsache macht man kein Hehl, während auf der anderen Sci c die Überlegenheit namentlich Deutschlands gcnrz geflissentlich unb systematisch unterstrichen wird. Eine große Reihe von prominenten Engländern sind im Laufe des Jahres nach Deutschland gereift, mit dem ’ alleinigen Zweck, den Aufbau wichtiger deutscher Industriezweige, deutsche Arbeitsmethoden usw. au studieren. Ihre Berichte erweckten oft den Eindruck eines absichtlichen Pessimismus in bem vergleich zwischen englischen unb beutschen Industriemethoden, aber es besteht kaum ein 3toeifel. daß man im ganzen auch tatsächlich von ber deutschen Ueberlegenheit überzeugt ist und diese Ueberzeugung nach und nach in eine für England nützliche Form zu bringen sucht. Die Industriellenverhandlungen waren die ersten Ansätze hierzu und gleichzeitig hat man auf der Reichskonferenz einige neue Wege gewiesen, um ber englischen Wirtschaft und nicht zuletzt auch aud) dem Handel innerhalb des britischen Weltreiches Luft zu schaffen. Wenn nicht alle An- ' Zeichen trügen, wird das bis zu einem gewissen (grabe gelingen. In bemfelben Ausmaße, in dem Industrie unb Handel innerhalb bes eigenen Weltreiches lohnenbc Beschäftigung und Arbeit Haben, verringert sich aber bie Neigung durch zweckmäßige Reorganisation die Basis für die Zusammenarbeit mit den großen europäischen Industrieländern zu schassen. Es läßt sich heute itod) nicht annähernd übersehen, nach welcher Seite die Wagschale sich schließlich neigen wird, aber es besteht fein Zweisel, daß diese Probleme in Zukunft an erster Stelle stehen werden.
Diese Stagen könnten als innerenglische Probleme ohne weiteres zurückgestellt werden, wenn nicht auch in England wie überall die innere
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