Geld und Erfahrung
Novelle von Max Eyth.
9 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Noch weiter unten liegen die Segelschiffe: Schoner, Brigantinen, und Dreimaster jeder Art und Größe, Die mit ihren Rahen und Tauen eine zierliche, wenn nich unentwirrbare Filiaranarbeit in den goldene« llbendhimmel zeichnen. Das sind die Gäste aus der Öaoanna und Neuyork, aus Rio und Quebeck, aus Zenua und Stockholm, aus Liverpool und Southamp- :on und vor allem aus der eignen Heimat, aus Bremen und Hamburg. Auf den Levees selbst, der riefigen Holzplattform, die sich in stattlicher Breite und mehrere Meilen lang zwischen Fluß und Stadt isinzieht, liegen Hunderte von Zuckerfässern, Taufende von Baumwollballen, Pyramide an Pyramide Don Fäßchen mit gesalzenem Schweinefleisch aus Kentucky und Illinois, Berge von Mais aus Illinois und Missouri, alles hübsch geordnet und aufgestellt wie die Bataillone einer Armee, die vor dem Abmarsch ins Feld ihre letzte Parade erwartet. Dieses Bild beleben ttotz der Abendstunde Gruppen von Negern, auf den Ballen umherlungernd, unermüdlich schwatzend und lachend, und da und dort ein paar Mattosen, die der Stadt zueilen, sichtlich entschlossen, mit leeren Taschen und schwerem Kopfe zurückzukehren. Doch der Lärm der Tagesarbeit war verstummt. Eine schwüle Stille lag über dem Ganzen, und der Mond, eine blutrote Riesenscheibe, stieg yinter der Stadt zwischen den Türmen der Kathedrale des heiligen Ludwig auf dem Jacksonsquare langsam in die Höhe.
Wo die Tschapatulastraße in den Landungsplatz einmündet, ragte ein gewaltiger, pechschwarzer Dampfer über die kleineren Schiffe heraus, die ihn umgaben, und sendete noch zarte Rauchwölkchen in den Abendhimmel empor. Er hatte die schmucklosen, trotzigen Formen englischer -Frachtschiffe, die man überall auf den ersten Blick erkennt: keinen Bogen, keine Krümmung, die nicht unbedingt erforderlich war, keinen Farbenfleck, der seine dunkle Geschäftsjacke verunziert hätte. Das war mein „Wilder Westen"; es war unmöglich, sich zu irren.
Und in der Tat, am Fuß der haushohen Schiffswand, die fensterlos und senkrecht von der Lan
dungsplattform aufstieg, standen schon in wildem Gewirr etliche dreißig wuchtige Kisten, ein ßofpmo» tivkessel, ein halbes Dutzend schmiedeeiserner walzenförmiger Riesenräder, wie sie auf dem leichten Bretterboden der Levees noch nie gesehen worden waren. Der „Wilde Westen", das war klar, ließ sich nicht viel Zeit. Die Kisten und Räder gehörten mir; mein Dampfpflug war schon halb ausgeladen. Da er als Deckladung herüberkam, war er das erste, was das Schiff ans Land setzen mußte. In reiner Freude kletterte ich über die Kisten und feierte ein kleines Wiedersehen; ich war zu Hause in diesem kyklopischen Wirrwarr.
„Hallo! Wer ist da drunten?" schallte plötzlich hoch über mir eine scharfe Stimme, und ein Kopf erschien über der Schiffsbrüstung. „Wozu krabbeln Sie auf den Kisten herum?"
„Eigentümer der Kisten!" schrie ich hinauf.
„Gut, daß Sie kommen!" rief es zurück. „Wir brauchen Platz. Morgen früh müssen sie abgefahren sein."
„Na, so geschwind schießen die Preußen nicht!" rief ich hinauf, mich in meinem Kistenheimatsgefühl ein wenig vergessend.
„Was?" brüllte es herunter.
„So schnell werden die Nigger von Louisiana nicht kutschieren", übersetzte ich dem Mann, der jetzt am Nachthimmel etwas deutlicher zu sehen war. „Haben Sie einen Engländer mitgebracht, einen Monteur?"
„Nicht daß ich wüßte", war die Antwort.
„Was!" schrie ich entsetzt, „keinen Monteur von Fowler aus Leeds? Einen Passagier, James Parker. Sie müssen einen Passagier mitgebracht haben."
„Wir führen feine Passagiere. Nur manchmal — aus Gefälligkeit — ausnahmsweise!" erklärte der Mann von oben.
„Dann ausnahmsweise! Sie müssen James Parker an Bord haben! Den Mann, der zu den Maschinen gehört!" Ich bestand darauf und fühlte, daß ich zornig wurde.
„Mein guter Herr," rief es begütigend zurück, „ich bin der Zahlmeister des .Wilden Westens' und sollte es wissen. Wir haben ausnahmsweise einen Methodistenpfarrer mitgenommen und seine zwei Töchter. Wenn Ihnen mit diesen gedient ist — aber sie sind aus Bradford."
„Also keinen Monteur, der zu den Kisten gehört?" rief ich nochmals hinauf und fühlte, daß mich die Kraft meiner Lungen verließ.
„Keinen Monteur!" tönte es wie aus weiter Ferne zurück. Der Kopf des Zahlmeisters war verschwunden.
Ich setzte mich und dachte nach. Also kein Monteur, keine Erklärung nach der feierlichen Zusage, daß Parker mit den Stiften ankommen solle! Was konnten sie in Leeds gedacht haben? Wußten sie doch so gut als ich, daß kein einzelner Mann nut seinen zwei Händen einen Doppelmaschinendampfpflug in Bewegung setzen kann, der sich vom ersten Tag an wenigstens leidlich präsentieren sollte. Es handelte sich hier, wenn der Himmel nicht eingriff, um eine physische Unmöglichkeit.
Die Stiften um mich her, die jetzt der Mond grell beleuchtete, wuchsen mit ihren viereckigen, schwarzen Schatten ins Ungeheure; um das offene, rot angestrichene Feuerloch des ausgeladenen Kessels spielte ein dämonisches Lächeln. Ich kochte vor Zorn. Was konnten sie in Leeds gedacht haben? Mich so hinzu- jetzen! Aber ich kam nicht über die Frage hinaus, lieber mir begannen die Sterne zu funfein, still und friedlich, als ob hier unten alles in Ordnung wäre. Der reinste Hohn!
„Was machen Sie da droben?" näselte jetzt eine grätige 5)anfeeftimme von unten, die zu einem her- umlungernden Schutzmann gehörte, der wahrscheinlich an der Nachtwache der Levees beteiligt war.
„Luft schöpfen! Eigentümer!" brummte ich, ohne Anstrengung, so mürrisch als möglich.
„Gut, daß Sie kommen!" sagte auch dieser Mann. „Die Kisten müssen morgen früh von der Levee abgefahren werden, Mister! Und so schnell als möglich. Die Levees find für Baumwolle gebaut, nicht für vierschrötige Eisenklumpen wie diese Engländer." — Er klopfte entrüstet auf meine Kisten. — „Die Fundamentpfähle sind heute abend schon um drei Zoll gesunken, sagt der Levee-Inspektor. Sie werden eine gesalzene Rechnung bekommen, Mister Eigentümer! Wenn die Bohlen brechen, ist der Teufel los."
Ich hütete mich, zu antworten, und schlüpfte lautlos von meiner mondbeglänzten Höhe auf der anderen Seite des Kiftengeoirges in die Tiefe.
Fünf Minuten später sah man entlang der finsteren Schattenseite der Tschapatulastraße einen
Mann, den Hut über die Augen gedrückt, mit gefenfr Manchmal murmelte er halb laut vor sich hin. tcm Kopfe langsam seiner Wohnung zusteuern. Manchmal murmelte er halblaut vor sich hin. Dann versank er wieder in tiefes Nachdenken. Der Mann war ich.
Und ich fühlte nur ein: noch ehe ich heute einschlief, mußte ich wissen, was am nächsten Morgen zu geschehen hatte.
Arbeitstage.
Ein kurzer, tiefer Schlaf tat das übrige.
Mit beiden Füßen sprang ich in den jungen Tag; ich wußte jetzt, was zu tun war. Zuerst mußte Kapitän Owen aufgesunden werden. Die seine war die einzige Adresse einer Prioatwohnung in der Stadt, die ich kannte. Auf dem Wege fang ich eine meiner Schlachthymnen, aber nur und wiederholt, den ernsten Zeiten entsprechend, ihren dritten Ders: „Und wenn die Welt voll Teufel wär'!--Er war mir schon als kleiner, ahnungsloser Junge der liebste gewesen und hat mir im :päteren Leben mehr als einmal treulich gedient, wenn ich nicht mehr wußte, wo hinaus. Warum auch nicht? Hatte ich nicht ein Recht zu dem Vers, so gut als ein anderer? Stand ich nicht feit Jahren mitten in einer Art von Bodenreformation, in der „der arg’ böse Feind" oft genug fein Wesen trieb?
Sie sind im allgemeinen keine Langschläfer in Neuorleans. Der frühe Morgen ist der beste Teil des Tages an den Bayous des Mississippi. Doch schlief Owen noch, als ich versuchte, ihm die Adresse der nächsten besten Maschinenfabrik zu entlocken, und war, sich die Augen reibend, über meinen Besuch nicht wenig erstaunt. Eine halbe Stunde später stand ich in einem fast leeren Fabrikhof, der müde und lebenssatt aussah. Wie alles in der Stadt, war das Geschäft halb bankrott und hatte keinen Mangel an müßigen Arbeitern. Man ließ mir die Wahl. Nach weiteren dreißig Minuten hatte ich zwei junge Monteure ausgesucht — der eine war allerdings, wie sich später herausstellte, ein gelernter Schneider —, die, mit Brechstangen, Hämmern und Meißeln bewaffnet, hinter mir drein liefen. Auf den Levees war alles schon voll Leben. Zuckerfässer rollten hin und her, Baumwollballen flogen durch die Lüfte. Dampfer rauchten und spien Wasser und Feuer aus.
(Fortsetzung folgt.)
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Für Jede Person werden abends 2-3 gehäufte Eßlöffel Knorr Haferflocken, 1 schwacher Eßlöffel Zucker mit 3 Eßlöffel Milch zusammengerührt, damit das Ganze über Nacht ziehen kann. Am anderen Morgen reibt man 1 Apfel samt der Schale und dem Gehäuse hinein, gibt den Saft einer viertel Zitrone und nach Belieben 1-2 Kaffeelöffel geriebene Haselnüsse, Mandeln, oder beides hinzu. Der Apfel kann auch durch Apfelsinen, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen usw., je nach Jahreszeit, ersetzt, bzw. ergänzt werden.
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