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m. '82 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Kautschuk, eine der Stützen englischer Weltmacht.

Von Dr. Manfred Sell.

Die britische Weltmacht, die in ihrem Aufbau ein außergewöhnliches politisches Kunstwerk dar­stellt, beruht in hohem Grade auf wirt­schaftspolitischen Maßnahmen, die von großem Scharfblick zeugen und besondere Auf­merksamkeit verdieneir. England hat es strategisch­geographisch verstanden, seinem Reichsgebäude die wesentlichen Stützpunkte zu verschaffen, ein zu­sammenhängendes Reich rings um das Indische Weltmeer aufzubauen und sämtliche Zugangsstraßen zu diesem Weltmeere in britische Hände zu bringen. England hat es wirt­schaftlich verstanden, sein Reich zu einem gewal­tigen Länderkomplex zusammenzuschmieden, der in fast jeder Hinsicht im äußersten Rotfalle von den nichtbritischen Weltgegenden unabhängig sein kann. Kleber diese Möglichkeit hinaus zielen jene Maßnahmen der britischen Wirtschaftspolitik, die England einerseits die unbedingte Vorherr­schaft in seinem Reiche sichern, anderseits Eng­land eine beherrschende Stellung auf dem Welt­märkte einräumen und auch nicht dem britischen Reichsverbande angehörige Mächte an die eng­lische Gefolgschaft zu knüpfen geeignet sind.

In dieser Hinsicht denft man zuerst an die britische Erdölpolitik. Aber was Erdöl be­trifft, muß England die erste Stelle mit den Ver­einigten Staaten und ihren Rieseirunternehmun- gen teilen. Hingegen besitzt England auf einem Gebiete eine Monopolstellung, in der es sogar in der Lage ist, der nordamerikanischen Wirtschafts­macht Bedingungen vorzuschreiben. Die Erzeugung des Kautschuk ist zum größten Teile, der Kautschukhandel fast ausschließlich in britischen Händen. Wenn man die mannigfaltigen Anfor­derungen des modernen Wirtschaftslebens an Kautschukwaren berücksichtigt, zumal aber den ungeheuren Kautschukbedarf der immer größere Ausmaße annehmenden Automobil- und Fahr­radindustrie erwägt, so erhellt dies kraß die Be­deutung, die Erzeugung und Handel dieses Pftanzenproduktes erhalten, zumal wenn diese Ge­winnung und dieser Umschlag machtpolitisch fast ausschließlich in einer Hand vereinigt sind.

Bis becnahe zum Ausbruche des großen Krie­ges im Jahre 1914 lag das Schwergewicht der Kautschukerzeugung, die damals eine Iahreswelt- produktion von ungefähr 100 000 englischen Ton­nen erreichen mochte, in der Gewinnung des Wild kautschuks. Mehr als die Hälfte der Ge­samterzeugung wurden durch eine Art von Raub­bau in den tropischen älrwaldgebieten der Welt gewonnen. An verschiedenen Arten Kautschuk lie­fernden Pflanzen ist kein Mangel doch sei hier nur der in Brasilien heimischen Hevea ge­dacht, eines als Baum auftretenden Wolfsmilch­gewächses (Euphorbiacea). Diese eine Art der Kautschuk liesernden Pflanzen wurde nämlich zum Gegenstand einer neuen und rationellen Kaut­schukerzeugung in der Gestalt eines ausge- dehneten Plantagenbaues. Unter den afri­kanischen und asiatischen Beständen an wildwach­senden Kautschukpflanzen hatte der rücksichtslose Raubbau mit seiner unbedachten schonungslosen Zerstörung der Bäume und Schlinggewächse furchtbare Verheerungen angerichtet, während in Brasilien um ein weniges glimpflicher verfahren wurde. So konnte der brasilianische Wildkautschuk bis heute eine bescheidene Rofte. auf dem Welt­märkte behaupten, während die Wildkautschukge- biete der Alten Welt plötzlich und fast gänzlich ausschieden.

Der Wcltbedarf an Kautschuk mußte seither durch den Plantagenbau gedeckt wer­den, der sich fast ausschließlich aus die Kultur der brasilianischen Hevea erstreckt. Aber dieser Plantagenbau, der größte Ausmaße annahm (die Gesamtanbaufläche der Kautschukkultur stieg im Laufe der ersten zwei Jahrzehnte d:s zwanzigsten

Jahrhunderts um das dreihigsache!), der die jähr­liche Gesamterzeugung an Kautschuk innerhalb eines Jahrzehntes vervierfachte, wurde zuerst bodenständig nicht in allen ursprünglichen Wild­kautschukgebieten, sondern nur auf einem be­schränkten Raum und nicht in der Heimat der angebauten Hevea. In nennenswertem Amfaage setzte die Kautschukkultur zuerst ein im feuchtheißen Tropenklima Südost asiens, zumal in den britischen Besitzungen der Halbinsel Malakka (Straits Settlements, Malayenstaiten), dann auch in einigen Strichen Vorderindiens und auf Ceylon. Sie griff bald über nach den ähnliche Bedingungen aufweisenden malahischen In­seln, nach Borneo, Sumatra, Java. Auch in diesen niederländischen Kautschukpflanzungen ist englisches Kapital beteiligt, der Kaut- schukabsatz unterliegt auch dort gänzlich briti-

Jndien unter britischer Kapitalbeteiligung erzeugt und auf britischen Märkten in den Handel ge­bracht wird.

Aeußerst fühlbar mußte sich diese britische Monopolstellung sehr bald für diejenigen Mächte gestalten, die als Verbraucher großer Kaut­schukmengen in Betracht kommen. Die Ver­einigten Staaten von Rordamerika sind das Land der riesenhaften Automobilindustrie mit ihrem außerordentlichen Kautschukbedarf für die Reifcnherstellung. In den Vereinigten Staaten empfindet man äußerst schmerzlich diese Schwäche der eigenen Wirtschaftsmacht, die Kautschukfrage ist zu einer wirtschaftspolitischen Angelegenheit erster Ordnung geworden. Das gleiche gilt für die großen Industriestaaten Europas, zumal Deutschland, Frankreich und Italien. Es ist selbstverständlich, daß diese verschiedenen

Mahnung zur Hindenburgspende

Reichskanzler a. D. 5ürft von Bülow:

Mit den Eigenschaften, die uns einst groß machten, wahrt Hindenburg in traurigerGegenwartHoffnung bcssererZukunfl

Reichskanzler a. D. Dr. W. Cuno:

Helft Hindenburg helfen, der uns allen Führer und Vater war in harter Kriegs- und Friedenszeir.

Reichskanzler a. D. Dr. Hans Luther:

Aufschauend zum sturmerprobten Führer Hindenburg, ward deutschem Volk die stärkste Rraft zum Glauben an sich selbst.

Reichskanzler Dr. Marx:

Hindenburg gehört dem ganzen deutschen Volke. Ihn zu seinem So. Geburtstag in der von ihm selbst gebilligten Weise zu ehren, ist unser aller Pflicht-.

Gaben für die Hindenburgspende werden angenommen in der Ge­schäftsstelle desGießener Anzeigers", Gießen, Schulstraße Vir. 7.

scheu Einflüssen. Das englische Singapore, das Rückgrat des britischen Reiches am Indischen und Stillen Weltmeere, erfuhr neuen Zuwachs an Bedeutung als älmschlagehasen für die Welt- erzeugung an Kautschuk. Kautschukerzeugung und Kautschukhandel veränderten in wenigen Jahren grundlegend das Landschaftsbild und den wirt­schaftlichen Aufbau einer ganzen Weltgegend. Aber am bedeutsamsten wurde der ungeheure Zuwachs an wirtschaftlicher und politischer Macht, der dem englischen Reiche aus dieser Monopol­stellung in der Kautschukerzeugung zuteil ' r'e. Daß es sich tatsächlich um eine Monopol Wel­lung handelt, beweist die Tatsache, daß ins­gesamt 90 Proz. der Gesamtkautschukerzeugung der Welt auf dem Boden jener englischen Reichs­teile gewonnen oder im nahen Riederländisch­

Mächte getrachtet haben, sich aus der Abhängig­keit von britischem Gutdünken zu lösen. Besonders begünstigt sind in dieser Hinsicht die Mächte, die dank ausgedehnter tropischer Besitzungen, deren feuchtheißes Klima den Kautschukanbau ermög­licht, in der Lage sind, zu einer Eigenerzeu­gung an Kautschuk überzugehen. Immerhin ist zu erwägen, daß dieser Entwicklung namhafte Schwierigkeiten entgegenstehen, nicht zuletzt auch die lange Frist (bis zu 25 Jahren), die bis zur Erzeugungsfähigkeit einer Kautschuk­plantage verstreicht. Dennoch sind Besitzungen wie das französische I n d o ch i n a oder die ame­rikanischen Philippinen zu günstig gelegen, als daß sie nicht zu dem Versuch anlocken sollten. Kautschuk aus Jndochina spielt auch bereits eine, wenn auch noch recht bescheidene Rolle auf dem

Carl Bantzer.

Zu seinem 70. Geburtstage am 6. August.

Von Dr. Christian Rauch, o. Professor der Kunstgeschichte an der Landes­universität Gießen.

Carl Roah Bantzer wird am 6. August 70 Jahre. Er ist 1857 in Ziegenhain geboren, und seine hessische Heimat blieb zeitlebens die Kraft­quelle für sein künstlerisches Schaffen nach Inhalt und Form. Die Bilder, die er im Künstlerdorfe Willingshausen an der Schwalm gemalt, denen das Land und die eigenstämmigen Leute den Inhalt gaben, diese Bilder sind es vor allem, bte ihn berühmt gemacht haben, mit denen er das Schwälmerland berühmt gemacht und feine Anschauung dieser eigentümlichen Schönheit durch Deutschland verbreitet hat.

In seiner besonderen Form: der künstleri­schen Steigerung des Eigenwuchses und Eigen­charakters dieser bodenständigen Dauern zum Heroischen. Der Gipfel dieser Gestaltung ist Wohl das Bild von 1907 Schwalmer Bauern vor der Kirche" in der Darmstädter Galerie.

Der Werdegang Carl Danhers bis zu diesem hohen Zeugnis seiner schöpferischen Kraft war lang und viel gewendet: er führt durch ein gut Stück der Entwicklung neuerer deutscher Malerei.

Seine Lehrzeit war auf der Berliner Aka­demie 1875 bis 1880, bei Leon Pohle in Dresden und dann in Paris 1882 bis 1883.

Sein Meisterstück gewissermaßen, und das Bild, das zuerst in die Oeffentlichkeit durchschlug, Die Wallfahrer am Grabe der heiligen Elisa­beth", 1888 gemalt, in der Dresdener Galerie, zeigt deutlich noch, was die Schule der Akademie aus ihren Talenten machen wollte. Es ist das große dekorative Historienbild: Schon der histo­rische, also ideelle Inhalt erfordert ein Studium für sich, das dann in eklektische altmeisterliche, das heißt an älteren Vorbildern ebenfalls ftu- öierte Form umgeseht wird. Also ist an diesem Bilde einstweilen nur der Rame hessisch: aber man spürt in der Energie und dem Können, mit dem der Dreißigjährige hier Lichtprobleme, ge­dämpftes Tages- und Kerzenlicht gegeneinander und die Farben darin über den historischen Inhalt hinaus meistert, etwas künstlerisch Kom­mendes.

Realistischen Inhalts sindGenrebilder", die in gleicher Zeit entstehen: auch dieerzählen" ebenso wie das Historienbild, aber sie schildern Gleichzeitiges, dqs nicht ideell rekonstruiert zu werden braucht und so kommt von selber schier,

wenn auch an Interesse noch von dem literarischen Inhalt des Sittenblldlichen überwogen, das Bodenständige in Figuren und Landschaft zu wachsendem Ausdruck. Bezeichnend, wie zu dem BildeVor dem Dorfe" der gleichzeitige Kunst­kritiker in der ZeitschriftDie Kunst für Alle" Bantzer zunächst als hochbegabten Rachfolger Ludwig Richters feiert, dann aber besonders von demEindruck glücklichsten Raturlebens" spricht und dergesunden Raturempfindung der ganzen ©jene, die um so beglückender ist, je ungesuchter ihre Anmut erscheint . Und ebenso bedeutsam, daß' ein anderer Kritiker der Dresdener Ausstellung von 1894 von dem Bilde BantzersRast im Schatten", also einem ebenfalls noch genremäßigen Vorwurf sagt, daß esin bezug auf feine male­rische Empfindung zu den besten Landschaf­ten der Ausstellung gehöre."

Bildnis- und Landschaftsstudien führen stän­dig auf dem Wege weiter, das Eigene im Ausdruck hervorzuheben und zu steigern.

Im BildeAbendmahlfeier in Hes­sen" von 1892 in der Berliner Rationalgalerie ist hier ein Gipfel erreicht. In der strengen einfachen Architektur der kleinen Dorfkirche, deren weiße Wände das helle Tageslicht zurück- strcchlen, daß die Kerzen auf dem Altar ver­blassen, scharf abgeseht in wirkungsvoll Raum schaffendem Tiefenzuge die Reihe der Männer, die zum Altar schreiten. Trotz dem starken Rhyth­mus der verhaltenen Gesamtbewegung dieses Zuges dann aber doch jeder einzelne als Charakter­kopf gegeben. Im Vordergrund in den Kirchen­bänken wieder wuchtig Raum bildend die sitzen­den Frauen. Das Ganze der ernsten Handlung und Darstellung zusammengehalten in einer kühlen blauen Farbenharmonie, die objektiv durch die dunkle Abendmahlstracht bestimmt, künstlerisch subjektiv durch die nun vollendete Freilichttechnik bedingt ist. Für diese moderne Aufhellung der Farbe mag der zweimalige Aufenthalt des Künstlers in Paris kräftigen Antrieb gegeben haben.

In diesem Bild wird das Sittenbild zum Sinnbild, zum heroischen Symbol der ernsten Handlung, ausgedrückt durch die ernste Ge­staltung dieses llrbauemvolkes. Weit erhoben nun über das ältere Historien- und das Genrebild, das «etwa in der Art des Ludwig Knaus zier­lich, geruhig in wesentlich gezeichneter Form erzählte. ,

Die gleiche Steigerung in dem Bildeder Schwärmer Tanz", aber in interessantem ©egenfatj oer künstlerischen Mittel. In einer

leuchtenden Symphonie von glühendem Rot der Frstestracht gewaltige Bewegung, deren wogen­der Rhythmus das Breitbild erfüllt. Dort im Abendmahlsbild ernst kühle, hier warme Töne, dort trotz des malerischen Freilichtes, in der verhaltenen Bewegung, statuarisch zeich­nerisch plastische Wirkung, hier rauschende Be­wegung impressionistisch ekfaßt, durch den brün­stigen Rotfarbenklang, der tote beim Vogel schil­lernden Festestracht der Tanz des Hessen-Dauern zu dem Tanz, dem heißen Spiel der Ge­schlechter symbolisch erhoben.

Was in dem Abendmahlsbild, so weit ich sehe, zum erstenmal in Danhers Schaffen als fein Eigenes voll erklang, Hingt nun noch stär­ker. noch reiner und voller in dem Werke von 1907, das ich für sein bedeutendstes halte: Schtoälmer Bauern vor der Kirche (im Landesrnuseum zu Darmstadt).

Wieder eine kühle Farbenharmonie, die der Stimmung Ment, dem stärksten Ausdruck, hier in der Ruhe gegeben, sich unterordnend ihn unterstreicht. Lebensgroße wuchtige Gestalten dunkel in Grauschwarz und Blauvioleti in großen Flächen gekleidet, Flächen, die nur leise von einigen goldgelben und weihen Flecken unter­brochen, getrieben, stützend verstärkt werden sind in stärkst überlegter Gruppenstellung, die sich nach rechts hin auftöst, vor die hellst grau­weiße Kirch^nwand ' auf rötlich-grauen mit Herbstblättem bestreuten, gegen die Kirchen­mauer nach hinten grün bewachsenen Boden gestellt. Aber 'beherrscht wird schließlich diese monumentale Formenwucht in diesem Farben­klang, durch den geistigen gesammelten Aus­druck, der aus den rissigen Antlitzen dieser alten Männer spricht: wieder sind es großartige Charakterbildnisse, Sinnbilder eines ganzen Lebens.

Es sind zwei Jahrzehnte vergangen, seit Bantzer dieses {ein Höchstwert schuf. Wir haben seitdem sehr viel Reues tn der Kunst erlebt und die Heutigen stehen zu Bantzers Bildern vielfach etwa so, wie der Impressionist zum Historien- und Genrebilde stand. Ich glaube, daß Bantzers Schöpfungen künstlerischen ja das verpönte Wort sei gesagt auch kul­turgeschichtlichen Dauerwert «haben: vor allem die Werke, die ich aus der reichen Fülle des Gesamtwerkes heraushob.

Der 70jährige ist jugendfrisch und schafft noch immer in «dem Altersheim, das er sich Mar­burg gegenüber ins Freie gebaut und auch in Willingshausen imb anderswo. Wir in Gießen

Samstag, 6. August 1927

Weltmärkte. Die ostasiatische Politik, das Streben der Philippinen nach staatlicher Selbständigkeit erhalten durch die nordamerikanische Kautschuk­politik erhöhte Bedeutung: dem llnabhängigkeits- drang der Philippinen dürften die nordamerika­nischen Kautschukpläne schwerlich erforderlich sein.

Doch ist auf absehbare Zeit die britische Monopolstellung in der Kautschukerzeugung und auf dem Kautschukmarkte ungebrochen. Für die englische Weltgeltung, für den Zusammenhalt des britischen Reiches ist die englische Rolle in der Kautschukwirtschaft eine starke und wirksame Waffe. Cs wird zäher und mühseliger Arbeit bedürfen, ehe es der übrigen Welt gelingen! wird, sich aus dieser englischen Bevormundung zu befreien. Einem Deutschland ohne eigenen tropischen Kolonialbesitz ist auch dann noch nicht viel geholfen. Außer den Gebieten der drei großen Mächte England (das ja auch den nieder­ländischen Kautschukabsah kontrolliert), Ver­einigte Staaten und Frankreich kommen als Ein- kaufsmärkte Brasilien (Wildkautschuk und wachsende Plantagenkultur) und einige andere Tropengebiete in Frage (Belgisch-Kongo). Es verdient Erwähnung, daß im früher deutschen Kamerun verheißungsvolle Ansätze zu einer Kautschukerzerzeugung zu bemerken sind.

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Der hksen Gdingen und polens Seemachtspläne.

Von Max Kramuschke.

Zur Illustrierung dessen, wo Polen seinen mari­timen und handelspolitischen Schwerpunkt gesucht und gefunden hat, möge die folgende historische Er­innerung dienen.

In der Nacht vom 22. zum 23. August 1870, wah­rend des deutsch-französischen Krieges, verließ das deutsche KriegsschiffN y m p h e" den Danzig vorge­lagerten Hafen Neufahrwasser, um drei fran­zösische Panzerschiffe und einen Aviso zu rekognoszieren, die im Putziger Wiek vor Anker gegangen waren. In einer Entfernung von 2500 Schritt so heißt es in einer Notiz darüber be­gann dieNymphe" die französischen Schiffe zu um­kreisen und G e s ch ü tz f e u e r auf sie zu richten, das von französischer Seite sofort erwidert wurde. Rauch aus den Schornsteinen der Panzer­schiffe ließ darauf schließen, daß sich die Schiffe zur Verfolgung des Angreifers bereit machten, worauf auf derNymphe" das Kommando zur Rückfahrt gegeben wurde. In der Tat versuchten die französi­schen Schiffe, derNymphe" den Rückzug abzu- schneiden und sie in den Bereich Ihres Feuers zu ziehen, jedoch ohne Erfolg. DieNymphe" war schnell genug, ohne die geringste Beschädigung, den schützenden Hafen wieder zu erreichen.

Diese harmlos verlaufene Schießerei nennt der Bericht darüber übertreibend Gefecht bei Oxhöft, und zwar nach dem gleichnamigen Fischerdorf an der polnischen Ostseeküfte, das wiederum Gdingen benachbart ist, mit welchem Namen sich für Polen nichts Geringeres als feine Zukunft auf dem Wasser verbindet. Soll doch Gdingen, von wo man halb- südlich nach Zoppot gelangt und das gleichfalls bis vor kurzer Zeit ein unbedeutender Fischereiflecken und kleiner Badeort war, derpolnifche Hafen par excellence werden, Ausgangspunkt für ein Meeresprogramm, das sowohl dem Gedanken wirt­schaftlicher wie politischer Expansion dienen will.

Der Bau des Hafens von Gdingen durch ein an­geblich von der Morganbank finanziertes franzö­sisch-polnisches Konsortium geht bis auf das Jahr 1921 zurück. Mit den Arbeiten war nicht immer alles in Ordnung. Die Anlage einer Mole mißlang, und es kostete viel Geld, den entstandenen Schaden wie­dergutzumachen. Ja zeitweilig wurde die mit dem Bau des Hafens beauftragte Gesellschaft kontrakt­brüchig. Die Arbeiten geriet ganz ins Stocken, und wieder war ein großer Aufwand nutzlos vertan worden. Seit Herbst 1926 aber ist beim Hafenbau ein entschiedener Fortschritte verzeichnen. Das Tempo der Arbeiten hat sich beschleunigt, wie es auch mit dem Ausbau Gdingens selbst, das jetzt etwa

freuen uns 'des Dildniftes, das er 1924 Dort dem Germanisten Behagyel für unsere Univer­sität gemalt hat und nun neuerdings auch irt unserer städtischen Sammlung der Studien, für das Abendmahl, «die seine ehrliche, kluge und kraftvolle Arbeitsweise uns wirksam erkennen lassen.

Möge dem rüstigen Meister die Kraft zu schaffen, lange noch erhalten bleiben.

Student und Presse.

Don dem vorbereitenden Ausschuß für die akademische Abteilung der Internationa­len Presseausstellung Köln 1 9 2 8 ist ein Ausstellungsplan ausgearbeitet worden, nach dem das akademische Schrifttum auf dem Hintergrund typischer Darstellungen aus dem akademischen Leben der; Vergangenheit und Gegenwart ge- seigt werden soll. Der Plan sieht im einzelnen! folgende Einteilung vor: In dem mit Dildern aus dem deutschen Studentenleben geschmückten Hauptraum, der von einem überlebensgroßen! Modell der Studentenvlastik der Rhmphenbur- ger Pvrzellansabrik beherrscht wird und in dem Rachbildungen für die Denkmale der gefallenen! Studenten und Modelle mustergültig eingerich­teter Korporativns- und Studentenhäuser auf die Gegenwart des deutschen Studententums Hin­weisen, soll durch anschauliche Statistiken und Tabellen eine Gesamtübersicht über die Ent­wicklung und den heutigen Stand des akademi­schen Pressewesens gegeben werden.

Einer der Rebenräume soll naturgetreu einem alten Stu dentenkarzer (Jena, Heidelberg oder Rkarburg) nachgebildet werden mit seinen interessanten Inschriften und Zeichnungen. Im Zusammenhang damft werden die verbotenen und sonstigen akademischen Schriften aus der Gründungszeit der Burschenschaften und aus den 48er Jahren gezeigt. Die übrige studentische Literatur der Vergangenheit soll im Rahmen der historischen Studentenbude des Rürnberger Museums (Original oder Rachbll- dung) und das akademische Zeitschriften wesen der Gegenwart in einem Raum eines moder­nen Studentenhauses (Münchep) ausge­stellt werden. Die akademische Abteilung der Pressa findet ihren Abschluß in EinzelaussteL- lungen der verschiedenen akademischen Or­ganisationen und der studentische^ Verbände. Äin beftmder^r Raum ist dem internationalen und ausländischen akademischen Schrifttum Vorbehalten. .