Ur. 284 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Montag, 5. ücjcmbcr 1927
Kameraden
Sie Grundlagen für ein AentnerversorgungSgeseh Bon Frau Shrettotin Dr Matz Ttt b TL Grund verlchiedener Erhebungen. die freilich nicht noch einheitlichen. ungleichmäßigen wahren erfolgt sind. ha» man w DeuNch^and de^te mU in*g.<ami etwa 340 OvO xlctnrentnem. bte in der Furtorge Mte”. au «^nen- •£< 3aM Netz sich anläßlich der Weihnachtsbrfhzlfe im Sabre 1926 fette« en Schätzungen auf Grund onder-r Unterlagen geben auf 380000 bi* 400 000 Zv-inrenlner In der Fürsorge Ton dielen find ttx» drei Mertel Frauen, ein Mertel Männer Gober ist au berück! ichiigen daß fich unter den Frauen ni& nur die allein behenden Witwen und Ledigen fondern auch die mirunterfrü6t(m Ehe- trauen befinden
Lem Lebensaller nach waren älter al* « Ichbre in Hamburg 74.3 Prozent, in Lüneburg 7OJ5 Prozent, in Hannover 62,1 Prozent, in Stettin 58.7 Prozent: bi* 60 Jahre in Magdeburg 37.6 Prozent bi* 70 Jahre 44.6 Prozent, über 70 Sah» I7L Prozent In den Land- tret'en i» die Zahl der S.cbzigiäbrig cn be- deutend gröber, fv das, im Durchschnitt der Stadl- und Lanbkrette von den dauptuiner- ftützten Kleinrentnern 50.3 Prozent Männer und 389 Prozent Frauen über 70 Jahre all waren. Mrff große Zahl der über 70jährigen Rentner beweist zugleich wie flart do* Rentnerverfvr- gung*gelev einen Uebergangscharakter trägt, bei dem die Zahl der zu verforgenden Beniner von Jahr zu Jahr geringer wird.
Tte Berheirateten nut 10 bi* 15 Prozent sind unter den Beninern in der Minderzahl. verwitwet oder geschieden find durchlchnttt- lich 50 Prozent, die übrigen ledia Unter den Verwitweten überwiegen sehr ftarf die Frauen. Aach den Erhebungen der Re,chsarbcil»verwal- tuna lind 24 Prozent Männer, dagegen 60 Prozent Frauen verwitwet.
Unter den früheren Berufen der Männer sind Kaufleute am meisten vertreten. Dann folgen Handwerter, freie Berufe. Lehr- und Er- ztehung*beru|e
Für die Koftensroge auherordentlich wichtig ißt di.- 3abl der Vorzugsrentner Bi* Ende Sult 1927 gab es 535 000 Borzugsrentner. Davon befanden sich in der Fürsorge 166 000, für die der Entwurf eine teilweife Anrechnung der Dvrzug*renl« vorslehl.
Ta* entlcheidende Moment für die finanzielle Auswirkung liegt in der Höhe des früheren Mindeftvermdgene bzw. des Bentenein- kommen* dellen Nachweis für den Begriff des nach dem Gesetz verlorgungsberechligten Kapitalrentner* mahgebend ist Der Tormtniche Vvr- schiag letzt ein Renteneintvmmen von 500 Mk.. dementlprechend ein Kapitalvermögen von 10 000 Mark voraus Eine ix>n anderer Seite vorgeschlagene Mindesthöhe des Vermögens von 15 000 Md. 20 000 Mk würde einem lehr großen Kreise von Beninern gegenüber ein Unrecht bar- teUen und sozialen Gesichtspunkten nicht entsprechen Bach einer Berechnung des Reichs- arbeitsminifteetums würden bei einem Mindestvermögen von 10 000 Mk. 225 000 Beniner nach dem Bentnerversorgungsgesctz bezugsberechtigt werden, von benen etwa 125 000 heute in der Fürsorge stehen während 100 000 bisher aus verschiedenen Gründen die Fürsorge nicht in An- spruch genommen haben 3* würden also schon bei einer Mindest grenze des Vermögens von 10 000 Mk von den beule von der Fürsorge erlabten etwa 340000 Kleinrenin rn über 200 000 tn der Fürsorge verbleiben Ob man in dem Gesetz unter die Grenze von 10000 Mk. herun«ergeben kann, wird einer eingehenden Beratung bedürfen Der Deut'che B^ntnerbund hält auch in seinen neuesten Brrtchlägm an der Grenze von 10 000 Mk. fest Dabei ist beachten*wert. daß nach einer Zusammenstellung aus 14 Bezirks- fürtorgeverbänden in Stahtßezirfen sowohl bei Männern wie bei Frauen Vermögen unter 10000 Mark weniger häufig vorkommen als in Land- bezirken Buch die Ergebnisse einzelner Städte sind lehrreich, in Darmstadt waren 9.1 Prozent Kleinrentner unter 10 000 Mk. in Bie! feld 13.1 Prozent in Stuttgart 17.3 Prozent, in Augsburg HL Prozent.
Boman von Feliz M o e l ch 11 n. Copyright by Carl Sünder. Berlin V 62.
29 Fortsetzung Nachdruck verboten
Kun geht er au, das Naus zu. das am besten auslchaut von allen, Er hat keinen Plan, er weiß nicht, wo, er eigentlich erwartet. Doch <• ist eine Freude, wenigstens das Hau» zu sehen in dem sie schlä'l vielleicht Ichiäst sie noch nicht und steht unter dem Fenster Man kann |a nach eben, man hat nicht» zu verlieren. 6» wäre schade wenn sie unter dem Fenfler stünde und man schaute nicht nach ... Er geht ums Hau». Er gibt sich gar feine Mühe, sich zu verbergen oder teile auLpitreten. Man hört bie Schritte zwilchen den Mauern. Man mag sie hören. (Fr bot nichts Böse» im Schilde. Er Ipi Sri ganz einfach ein wenig durch die Nacht, (fr aut zum Haus hinaus. Die Fenster sind gelosten. Es ist ein wenig Mondschein. (><rrabt genügend Licht, hab man die» deutlich sehen kann. Ader do» Haus' hat vier Seien nicht wahr, es steht frei do. Er geht um die _ herum und schaut wieder am Haus hinauf. D. da fleht sie am Fenster, e* ist keine Täuschung, an einem Fenster im ersten Suxf. Und nun sieht sie ihn und beugt sich heraus.
Sein Herz klopft. Denn er die Hand au-streikt, so kann er beinahe den Fenstersims erreichen. Jo. wenn sie die Hand hängen liehe, so könnte er ganz sicher diese Hand ergreifen. Sie schaut herab und sagt kein ffiort. Er schaut bir.au» und «agt kein Dort. E» führt ihm durch den Kops: Wir colbaten find ja so schwer von einander zu unterscheiden. Die soll ich ihr begreiflich machen können, dah ich der bin, ja. eben der ... ja. wer denn? .. Ein wenig hilflos schaut er hinaus, er rührt sich nicht, er kann ihr Gesicht nicht sehen. Es liegt im Dunkeln. Ändern Hause hört man Gerede. Man scheint fröhlich ui fem. Die Dffimene fisten woU noch mit dem Direktor und den cd>au|p;riern zusammen, sie trinken, man hört die Gläser, sie lasten vielleicht (3o:!he hochleben, fie sagen: Ja. der Faust, das ist Deun'ch- fanb, immer und ewig ...' Er versteht nicht. Waste jagen.
vhm schaut er schon eine ganze Ewigkeit in die- fes beschattete Mädchengesicht. Vielleicht ist es gar
Oie zärtlichen Verwandten.
Unter diesem Stichwort g.bt Paul Harms in den .Leipz ger Neuesten Rach- richten" ein Bild des neuen Konflikts zwilchen Preußen und dem Reich aus Anlaß de* Keudelltelegramm* ar. die Berliner Studenlenlchal». das treffend die unglaubliche Situation beleuchtet
Mar es unbedingt notwendig, daß Herr von Keudell den Berliner Skubenten die sch aul dem Kriegspfad gege den Kultusminister des Landes Preußen bclanbtn. seine guten Wünlche auf dem Dvahnveg übermirteltek Man kann darüber solcher und solcher Meinung sein. W.e man denn einiges, was Herr von Keudell für unbedingt notwendig gehalten hat. nicht auch dafür zu halten braucht Wohingegen man von anderem, was Herr von Keuchest glaubte vernachlässigen zu dürfen, hätte wünschen mögen, es sei ihm wichtiger erschienen. Als da sind bt< hnan- ziellen Auswirkungen des Re ch»lchulgelehes in der Form, wie es Herr von Knidell für unbedingt notwenl ig hält.
Aber wenn wir uns nun schon einmal auf das Gebiet k<s Unb<bingtcn vorwagen, so brdnat lich unwillkürlich bie weitere Zwcilelssrage au’. War es unbedingt notwendig daß der preußische Ministerpräsident Braun sich durch die Heil- und Sieg-Drahtung de» Herrn von Keudell getroffen fühlte? Unbedingt notwendig war es wohl nicht. Denn weder der preußische Minister- präfident. noch .sein" Kultusm.nister. noch die preußische Begierung.»noch das Land Preußen waren in dem 'Prabigru*! des Herrn von Keu- dell genannt. Für eine diplomatisch angelegte Batur, deren Bedarf an Stunk in der deutschen Bepublik einigermaßen gedeckt war. wäre es also durchaus möglich gewesen, über die Kundgebung des Herrn von Keudell vor der Ocffent- lichkeit hinwegzusehen: waS ja nicht ausschloß. daß besagte firlcmi^nsche Batur in aller Stille etwa über die Zenlrumsmitglieder in der Preußen-Regierung — Borftellunien beim Beichskanzler hätte erheben lassen, her ja .zu- sälligcrweise" auch der >^entrumspartei angehört.
In der Praffis liegen die Dinze nun aber so. daß der preußische Ministerpräsident weniger eine diplomat sche als eine cholerische Batur ist. die Aubem auf dem Standpunkt steht: der dringendste Bedarf an Stunk in der deutschen Bepublik sei noch ganz und gar nicht gedeckt. Im Gegenteil, davon könne ein ges nnun zs- tüchtiger Republi'aner nie flrnui haben. Seit die großen Staatsmänner feiner Partei das dritte Kabinett Marr gestürzt haben und tte Deutsch- nationalen in b.c Regierung eingetreten finb, hat Herr Braun eine Lebensausgabe: Die Re chs- regierung in ihrer eigenen Hauvtstadt aus Tod und Leben zu bekäinpfen. Was konnte ihm willkommener sein, als der srifch-sromm-fröhl:ch-un- bekümmerte Drahtgruh des Reichsinnenministers an seine Korpsbrüder! Zwar in Preußen unterscheidet man sonst streng zwischen dem Minister In Amt und Würben unb bem Minister als Pri- Mhnann. und man nimmt es als heiligstes Menschenrecht eines preußischen Ministers in Anspruch. privatim die Reichsregierung so viel anzurempeln und anzupöbeln, wie es den Anschauungen unb Gewohnheiten feiner Partei entspricht Unb auch Herr von Keudell harte ja nicht als Reichsinncmninister. sondern nur al» Herr von Keudell unb Mitglieb der Deutschnationalen Dvlkspartei sein« Gefühle aus den Draht gegeben. Aber was den Ministern des von der Weimarer Koalition reg.erten Freistaate» Preußen recht ist. darf doch darum den Ministern be» von einer Recht»koalition regierten Reiches noch nicht billig sein! Also ging Herr Broun hm, trommelte eine Kabinetlsl tzung zusammen unb ließ bie schwere Donnerbüchse se nes wvhlausge- flatteten Arsenals gegen bie Reichsrez.erung aus- sahren.
E« gibt ein Kapitel :n Schemel» Okkehart da» wie ein anmutiger Äommenict zu bie*er Sitzung de* Preußen-Kabtnerts zu lesen ist. Da» Karitel heißt ..Herrn Spaz«o» Geiandi'chatt". Lanbe*herrlichen Rechten löll durch klösterliche Anmaßung s..n Ginrrag geschehen, brüllt Herr Spazzo ge,r.nur.4»iu±ng und fragt -die hold- selige Jungfrau Praiebi»'. was lur ein Gelrcht er dazu mach« Sehr ein unverschämtes erwidert da* niedliche Griechenland. unb Herr Spazzo sagt befriedigt: So »ft s ivcht! Wie feine Gelandtlchasi mit einem gediegenen Brumm- 'chüdei endet, da* mag man bei Schestei nach- irfeai. Herr Braun ift ties durchdrungen von der Ueberzeugung den -landesherrlichen Rechten"
•intTag geschehen Und m der Stimmung bcs Herrn Spaz»o baß heut« Unver^chämrheu Pslichl fei", hat er lüft hinge’etzt und in Aussührung des Kabinertsbe’chlulles einen Brief an -Detter Sieb» den" in bet Wilhclmftraße geschrieben
Don dem verlangt er nicht mehr unb nicht Weniger, als daß er leinen Innenminister bei den Ohren nehme unb ihn More* lehre Widrigen- fall» da» hohe Preußenkabinett lich genötigt sehen würde, den Verkehr mit dem Innenministerium abzubrechen. Man sieht, der Zwist ist nicht umsonst akademischen Ursprungs. Herr Braun fühlt lich durch Hern voii Keudell ..filiert", erhebt sich. klemmt fich das Monokel m» Auge tritt steifbeinig vor Herrn von Keudell hin unb spricht die geflügelten Worte: ..Wünschen Sie vielleicht etwas von mir?" Ober auch: ..Der Prälibe des Preußen-Kabinett» steckt Herrn von Äcubell in den -B B." — -Ein bierehrlicher Fuchs kreide »hn an." — unb ermahnt den ..Leibburschen" Ulan. qefäUlgt dasür au sorgen, dost fein renitenter Leibfuchs" Keudell sich ordnungsgemäß herauspauke.
DaS wäre so ungesähr die Perspektive, aus der der neueste Brief be» preußischen Minister- pra'identen an den Reichskanzler zweckmäßiger- wei'e zu würdigen wäre, wenn die Sache nicht doch eine sehr ernsthaste Sette hätte DaS ift die helldunUe Rolle, die baS Zentrum bei alledem unangefochten fpielt Ohne daß da» Zentrum. lei c» mit ausdrücklichen Worten, fei e» durch ftlll'chweigenbes Gewährenlafsen. zu- stimmt, kann da» preußische Kabinett sich solche Scherze nicht leisten, wie die plumpe Drohung, ein Reich»Ministerium für ..verkehrSunsähig zu erklären. Die Drohung aber richtet sich gegen eine Regierung, woran da» Zentrum genau Io ..ausschlaggebend beteiligt ist. wie an der Preu- ßi'chen. Man tut den Drahtziehern und Kulissen- Ichiebern der Zentrumspolitik also woh» nicht unrecht, wenn man amummt, daß ihnen die immer wieberkehrende Trübung des Verhältnisses zwischen Preußen unb dem Reich nicht unlieb ist. Im trüben ist bekanntlich aut fischen und ein gelegentlicher Fischzug tut Sem Zentrum not. um sich von Öen Anstrengungen seiner Stellung aus der Wippschaukel in der Mitte zwilchen links und recht» zu erholen.
Und weil dem Io Ist. wird man gut tun, den häuslichen Streit der zärtlichen Verwandten, die ba von der gleichen Hauptstadt aus tells da» Reich, teil» Preußen regieren, auch nicht allzu tragi'4) zu nehmen. Gleichwohl wäre zu wünschen, bah chm radikal ein Gnde gemacht würde. Io bah auch die Wiederholung abgelchnttten wär«. Denn zu der biliet bösen Lage worin wir Deutsche un» besmden, pas en derartige Scherze unter den it„ieie.üen ^ariechäuptein drcheigentlich verieuselt schlecht. Die Frage ist allo lehr der Erwägung wert, ob man den Gaul der Der- einsachuna statt wie bisher beim Schwänze, bei Lippe und Waldeck, nicht lieber gleich beim Kops auf zäumen sollte, beim Verhältnis zwischen Preußen und dem Reich.
Mit Recht ist wiederholt darauf hingewiesen worden, baß da» Rentnerversorgungsgeletz dem Rentner «in kulturelles Üristenz- Minimum Hdxr.i muß u rentner der höhere MietSaulwanb, der sich au- etner den früheren Verhältnissen entsprechenden
Wohnung ergibt, besonders zu berücksichtigen ist. An monatlicher Miete zahlten z. B. In Hamburg J? 'M! 26 5 Prozent der Rentner, zwilch.n
30 unb 50 Mk. 31.6 Prozent, zwischen 51 und 75 Mk 17.4 Prozent, über 75 Mk 7.1 Prozent In Franlsurt a. M. zwischen 10 bis 40 Mk. 22.6
Prozent zwi'chen 50 bis ISO Mk 51 2 Prc^ent: oder an I ahresmieien in Darm stabt b .- 500 Mk.
39.5 Prou-nr 500 bis 600 Mk 22 Prozent. 600 bi» 300 2)3. 21L Prozent. 300 lüs
1000 Mk 9.8 Prozent 1000 bi* 15.» Mk 5L Prozent. 1500 bis 2003 Mk 12 Prozent. Dagegen Halle man die bisherige monarllche Turchlchnitrshöhe der tatlächlih g.zahlien Klein- rentnerunterftützung. die in Hamburg «Januar 1927) 41 3 Mk in Köln (März 1922 31.1 Mk.. in 31.imbcrg , April 1922 > 38.9 Mk. in Breslau (März 1922 33.7 Mk betrug Gerade au* den Micihöhen für eine IDohnung die der Älctn» folgt die Unmöglichkeit, im Rahmen der Fur- forge den Äldnrentnen- qrn jü zu werben
Ter Gefetzentwurf lieht bekanntlich auch eine Krank en Versorgung vor. b - bereit* tn einigen Städten mustergültig durchge'uhrl ist Die iährltchen Autwenbungen basüe b-ttug n aus den Kopl be* StielnmünM* ui Sidtin 34 6 Mk. in Wi-*baden »2 VN im Ärnle T> -'lar lä Mk
Im loziaUvlitilchen Aus uh i i bie Beratung dieses Gefetzentwurfe» aus Grund einer Begierungserkläruna vertagt worden (Ter Hinweis der Reichzregientng auf die linanziellö Tragweite des Gesetz s brr gerade im -irgnt- wärügen Augenbllck wo wir v-r dem plsiz,eilen Bovem herber ich« de* Reparationsagenicn Parker Gilbert stehen doppelt b.rnchtet tnerVn muß. wird auch von demokratischen Antrr istellern de» Gesetzentwürfe» z. B der demrkratilchen Bei3>s- taa»abgenr6netcn Tr Elle Lüder» in her Vol- lischen Zeitung" Br. 557 vom 25 Tlrheml'rr. al» .weitgehend z u recht bestehend" bezeichnet. - Die Schrillleitung ) TMe Regierunr»- erflärung f.^itzt die Kosten aul 163 bis 200 Millionen Mark ährlich unb nimmt zu her Frage der Gewährung eine* rechtlichen Anlbru- che» auf Rente noch keine Ctellun' sondern kündigt nur die unverzügllks« Au»schül'i:"g des von den bewilliaten 25 Millionen verbliebenen Kell betrat» in Höbe von 11 Millionen Mark an. Die'« UebetrnangSmat n ihrne vermag nt*t zu be- fricM^cn. Das Ziel bleibt ein Rmtnerverfor- gungsge'ev das die Kleinrentner au» der Fürlorge löst Die nässte Ausgabe ist bie. nachzunrüsen, ob die von der Rei Mreaierrng genannte Summe nicht zu hnch gegr^s en ist nnd ob sich nicht bei einer genauen Durchltchi der einzelnen Etats boch no^ iveitere Mittel zur Linderung der Re-k-ernot linden lafien.
Lpielplan dcr frankfurter rßcater.
Opernhaus. Dienstag. 6. Dezember, von 19 bis 21 Uhr: Hänlel unb Greteli Mif.woch. 7., von 19 bis nach 22 Uhr Die Macht d>» Schicksals. Donnerstag. S. t>on 19 bis gegvii 22,30 Uhr: Sannen. Freitag, 9.. von 19 bi» nach 21 Uhr Das Weihnacht-sternlein. Samstag, 10.. von 19.30 bis 22.15 Uhr Fidelio Sonntag. 11.. von 15 bis nach 17.30 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor Bon 19,30 bis 22 Uhr 3onnt> spielt auf. Montag. 12.. von 19 bis 23 Uhr Die Frau ohne Schatten. Schauspielhaus. Dienstaa. v Dez., von 20 dis 22 Uhr: Robert GhiKfarb; hierauf Der zerbrochene Krug. Mittwoch, 7- von 20 bi» 22 Uhr Mozart Dvnnevslag^ 8., txm 19,30 bl» gegen 22 Uhr Dorothea Angermann Foeitig. 9. von 20 bis 22 Uhr Jugend. SamStag, 10., von 20 bis 22 Uhr Mozart. Sonntag, 11., von II bl» gegen 12.30 Uhr Matino- Glle d'Heuoeule ÖHiw Stunde Rokoko. 7km 20 bi» 22 Uhr Mozart Montag. 12., von 19,30 bi» gegen 22 Uhr Dorothea Angermmm
ORunöfunfprogramm.
Dlcnelag, 6. Dezember.
15.3 0 bi» 16 Uhr: D.e Stunde ber Jugend 16-30 bis 17.45 Konzert be» Hau.orchester^ D e neuere itallenisck e Oper - 17 45 bi» 18.05: Die Ce eltunle — 18 30 bi» 18.45: Vortrag de» 7\ot- li.enden ter Fcanlsarter Bachbarhll en. H. Har- tig — 18 45 bis 19.10. Vortrag des TBeihnaurts- liebe-werk» 1927 - 1915 bis 20: Uebertragung von Kastel: -Kinder- und Jugendbüc er für Weihnachten", Vortrag von Dr. Rubost Frank. Töerlin. - 20: Übertragung von Stuttgart Sinsonie-Konzen. ' Anschl.ekiend Utbet: ragrrng von Kas'e! Am TloweS-Owend, ein« Kasseler Bikolaus-Feier
kein« Ewigkeit. (£• kommt ihm wahrscheinlich bloß |o vor, al» ob da» eine Ewigkeit sei. Aus einmal licht er. baß sie »am Fenster hinausstettert. Nun hüpft fie auf den Boden. Nun wirft fie lich ihm um den Hal»- Eo eine milde Katze Wa» soll ba» bedeuten? Jetzt nimmt sie ibn an der Hand. ..Stamm." sagt sie. Sie laufen in bie Nacht hinaus. ..3d) hab' gesagt, ich fei müde. Der Direktor ist aan; froh gewesen. daß ich nicht mehr mit den Offizieren zu- fammensigen wollie ..."
Jetzt gehen fie langsamer. Sie fragt ihn nicht». Die Nacht verfliegt. -Der Direktor,- sagt jie einmal. ..E» ist mir alle» gleich * lagt sie bann. (Ein wenig Iväter denkt er. vielleicht auch viel später: Ich muß ihr etwa» schenken zinn Lnbei ken. (Er sucht in seinen Tasch.m. cr hat c- sich in den Stopf gesetzt, ihr etwa» zu schenken. Der Ning -allt ihm ein. . Bvarte." fagt er zu ihr. (Er lauft hinein unb weckt seinen Stameraden ..Her mit dem Ning' SdincU“ Nun hat er ihn! Nun steht er draußen und kratzt feinen Namen hinein Und sie stein dicht bei ihm. Sie zittert. Es ist fühl. Vielleicht ist - darum, daß Wc zittert. Jetzt sind sie wieder beim Hause. Lebe wohl w»e hat den Ning am Firgcr. (Fr denkt: Der Direktor' Eine wilde Lut flriat tn ihm auf. Man ist das Töten gewöhnt. Sie streichelt feine Hand. ..Guter,- sagt sie. Dann hulcbt sie b:oor.. Sie ist verschwunden. Sie ist wohl durch bie litte gegangen. Di« Türe wird ofRn p nxlcn fein. (Er fleht ba und lauich: Nein, nicht baftehe- jttre t es in ihm. denn, wenn ich eine ander« Stimme höre ... unb er läuft die Straße hinab.
Da war es gewesen ...
Georg br(baute immer noch den Ning. Und auf einmal wußte er: Der anderc lügt. Der Ning bezeugt er Der lügt nicht!
(Er steckte ihn mit einer raschen Bewegung in die Tasche und sagte drohend: „Du hast mich onge- logen!'
27.
Unwillkürlich wich der andere zurück. Dann half er sich mit einem Lachen bas falsch und gezwungen klang, und sagte: „Das du nicht alles weißt.-
„3a. ich weiß es und je rascher du die 8-ahr- heil lagst, um io bester für dich. Du hättest den Ning nicht auf dem Tische liegen lasten sollen. Du
bist schlau und gescheit unb boch nicht gescheit genug.'
Peter Grund! zögerte.
..Ich kann den Nächstbesten auf der Straße tragen, bann weiß ich die Wahrheit,- sagte Georg unbeirrt.
-Gewiß, wenigstens teilweise. Du kannst sie auch non mir er>ähren. Ich wollte sie dir ersparen,- fügt er hinterhältig hinzu.
.Kannst du denn den Mund nicht auftun, ohne zu lügen? Ich will nichts anderes wißen als kurz unb knapp, warum sie gekommen unb wohin sie gegangen ift. Du brauchst mir nichts zu erfparen Ob sie verheiratet ist. ob sie einen Liebhaber Hot, ba« braucht dich nicht zu kümmern. Flink, die Ge
; duld könnte mir au-gehen.' Er fühlte sich gesund und stark.
Peter Grundt gab den Widerstand auf unb er- Shlte.
..Wenn ich bir also glauben soll und barf." sagte Georg, als brr andere zu Ende war, ..so hat sie cuf Norderney meine Geschichte in der Zeitung gelten und ist über Bertm hierher gesahren. Und du Schust hast sie rmtber gehen lallen und hast gesagt, ich sei in Hamburg, wahrend ich im Zimmer drüben stand. Gut. ich ux-rbf fie finden. (Eine Schauspielertn Hilde .Römer w-iib in Deutschland wohl zu nnden sein. Zorher aber will ich die jungen Kerle aussuch^-n. btt ich heute auf der Straß« qrtebn habe, geordnet wie ein Trupp Soldaten, mit Stecken statt Geweh- ren. in einer Art Uniform. Ich weih nicht, wa- da» 'ür junge Leute sind, boch sie haben etwas in ihrem Blick und in ihrer Haltung, bcs mir Hofstiung gibt Sie sind nicht mit mir im Schützengraben gewesen. Vielleicht sind fie bermoch die Kameraden, die ich fuche.'
Bitte >'ehr,' sagte Peter (Brunbt sachlich. ..doch vergiß nicht, baß du versprochen haft, von dielen Dmoen hier zu schweigen.'
,Lch werde schweigen. Du brauchst nichts zu stirchten.'
-JD. ich habe keine Angst. Denn du wirst be- greifen, baß bas Zeugnis eines Mannes, her gestern aus bem Jrrenhaufe gekommen ist, nicht ernst ge- no mm en wirb.'
Unter ber Tür« drehte sich Georg noch einmal um unb sagte: „Wer soll begreifen, daß bu hort so
gewesen bist und hier so?' Und er schaute ihn langt an. Seine Augen wurden naß.
Peter (Brunbt sah es mit einem gewissen Triumphe. Wie weich er ist, dachte er hämsich.
Georg war gegangen. Seine Schritte Hangen noch eine Weile auf den Treppenstufen, sie verhallten im unteren Gang, die Haustüre schloß sich mit einem lärmenden Laut, bann war e» still.
Der Mann mit der schworen Brille stand immer noch unbeweglich ba. Auf feinem Antlitz log ber Triumph, aber in feinem Herzen kämpfte <r gegen ein ganz anbtres Gefühl, von dem er nichts wißen wollte. Warum brauchte Georg bas Master in die Augen zu steigen, wenn er ihn aniah...
Mit einem energischen Nucke schüttelte er biefe läppische, unzeitgemäße Sentimentalität von sich ob. drehte den Schalter und stellte sich prüfend oor die jetzt wieder hell erleuchtete Jnbuftrtekart« ron Dcutichland. Er iah die roten Punkte, die so wichtig waren, nur bleich und verschwommen. Starter al» fie waren die Augen Georgs. Er legte d < Brille weg. Jetzt sah er bie roten Punkte beutlicher. Sie wuchsen unter seinem Blick. Sie füllten bie ganje Karte. Die Augen Georg» waren erloichen.
Er lächelte befriedigt. Unb bas Lächeln steigerte sich zum wollüstigen Grinsen eine« Berauschten.
Hilde Homer war in Lehrte umgrfhrgen. Nun fuhr sie Celle zu. Dar sie eigen'lich nicht verrückt? Der sagte ihr denn, ob jener seisiame. ja fürchter. ftche Mann die Dahrkieit aesprachen hatte, wer sagte ihr denn, wo sie in Hamburg diesen Georg Lutz finden sollte, dem sie nun schon durch halb Deutschland nachpelahren war? Vielleicht war es eine Dummheit gewe'en, einfach in diesen Zug zu »pringen, nur weil er gerade bereitgestanden war. Was konnte Georg nach Hamburg treiben? Diese 5rau, mit ber fie am Vormittage gesprochen hatte, diele ernste, gütige Frau hatte nichts von Hamburg gesagt. Di« war es schwer gewesen, oor dieser Frau :rzu'aften einem fremden Mem'chei. der einen vielleicht zu hasten begann. weil er etwas ahnte ... und nach einem andern Menschen zu fragen, ber einem doch eigentlich auch fremb mar ... Ach, es wär« vielleicht am besten gewesen, gleich nach Berlin zurückzusahren.
(Fortsetzung folgt.) —-*


