Nr. 18’ Zweites Blatt
Typen des Ausian-deut-chLums.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Wohin In der Welt ist nicht der Deutsche überall gekommen? Seit wann gibt es überhaupt ein Auslanddeutschtum? Seit mehr als 700 Jahren. Seit jenes Lied der flandrischen Auswanderer tx>m Ostland erklang, nach dem sie auszogen, die »bessere Stätte", die eigene Hufe, die ihnen in dem zu stark bevölkerten Westdeutschland nicht mehr geboten wurde, zu suchen! Damals wurden Deutsche bis weit nach Livland und nach Ungarn gerufen. Das baltische und das siebenbürgische Deutschtum sind in ihrer Wurzel das älteste Stück Auslanddeutschtum. Das zeigen baltische Adelsnamen und siebenbürgische Ortsnamen. Etwa 60 Ramen von Dörfern und Städten sind im siebenbürgisch-sächsischen Siedlungsgebiet entweder identisch oder nahe verwandt mit Dvrfer- und Städt'enamen an der Mosel, an der Saar und am Rhein. Sie stammen alle aus der ursprünglichen SiedlungsPeriode im 12. und 13. Iah rindert.
Das deutsche Daltentum war von vornherein nur eine Oberschicht in Stadt und Land. In- Siebenbürgen dagegen hat sich ein ganzes Volkstum entwickelt: Bauernschaft. Bürgertum, führende geistige Berufe. Die Grundlage des Ganzen bildet der kräftige, arbeitsame und selbstbewußte siebenbürgische Bauer.
Jene erste mittelalterliche Kolonisationsperiode ging zu Ende im 13. Jahrhundert, als sich in Deutschland daS Städtewesen so a>eit ausgebildet hatte, daß der Bevölkerungsüberschuß vom flachen Lande wenigstens teilweise dort aufge- nonunen wurde. Außerdem verbrauchte die innere Siedlung und Wanderung einen Teil des Zuwachses, und die vielen Fehden taten das übrige. Eine zweite Epoche begann mit dem Ende deS 17. Jahrh-undeWß- Rach dem furchtbaren Aderlaß des 30)äHttgen Krieges fing a» Devölkerungszahl wieder an, sich zu heben, und der Druck der Kleinstaaterei, der fürstlichen Willkür, der Steuern und Doldatenaus- hebungen, der religiösen Drangsalierungen erweckte in vielen den Wunsch: fort aus der Heimat I Es fing an mit der Aus Wanderung nach Rvrdamerika, wo die Quälergemeinschaft in Pennshlvanien, noch unter englischem Kolonialregiment, eine Herberge der Duldsamkeit geöffnet hatte. Es gibt noch heute in Pennsylvan ien Rachkommen jener ersten Einwanderer aus dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die einen merkwürdigen aus pfälzisch und englisch gemischten Dialekt sprechen, das fcgenante PermsYlvanierdeutsch. Eine Probe davon: »Die Kau is über die Fenz gejumpt und hat die Käbbädsch gedämädscht." Das soll heißen: »Die Kuh ist über den Zaun gesprungen unb hat den Kohl ruiniert“ Als Prinz Eugen, der edle Prinz, die Türken aus Ungarn vertrieben hatte, wurden durch die dort hergestellte kaiserliche Verwaltung AnsiHler gerufen, um das verödete Land wieder in Kultur zu nehmen. Sie kamen meist aus Süddeutschland, und wie früher die Kolonisten aus Siebenbürgen »Sachsen^ genannt wurden, weil In der erstes Hälfte des Mittelalters, namentlich im Osten, der Sachsenname für die Deutschen überhaupt gebraucht wurde, so hieh jetzt in Ungarn alles, was kam „Schwabe". Der Rame der Donau- schwaben ist den Deutschen im Banat und den übrigen Siedlungsgebieten an der unteren Donau, die jetzt unter Restungarn, Rumänien und Jugoslawien verteilt sind, geblieben. Diese Schwaben waren schon größtenteils im Begriff, ihr Deutschtum durch Magl)arisierung aller aus ihnen emporsteigenden Elemente zu verlieren, als der Weltkrieg ihnen das große Erlebnis ihres Deutschtums brachte: durch die durchziehenden deutschen Truppen, die Waffenbrüderschaft Oesterreich-Ungarns mit Deutschland unb die gewaltigen deutschen Leistungen. Wie die Balten nur eine Oberschicht, so bildeten die Donau- schwaben nur eine Bauernschicht. Jetzt haben sich diese Verhältnisse schon merklich geändert.
Als die deutsche Kolonisatton in Ungarn allmählich aufhörte, begann die in Rußland. Katharina II. rief deutsche Siedler an die Wolga, Alexander L, 40 Jahre später, rief sie ins Schwarzmeergebiet. In Ungarn wie im früheren russischen Reich gab es zu Anfang des 20. Jahr-
Besuch bei Jeanne d’Arc.
Von Siesbet Dill.
Die Abfahrt von dem alten Städtchen Blois geschah in einem schweren Gewitter. Das Auto kommt nicht, das Wetter ist ihm offenbar zu schlecht. Ich rufe vom Hotel aus einen vorüberfahrenden Bürger an, der mit [einem Auto zur Bahn fährt, er nimmt mich auf, lädt meine Koffer ein und in rasender Fahrt, während der Regen in die offenen Fenster schlägt, bei auffliegenden Türen, sausen wir durch Blcus. „Ils ne tiennent pas“, sagt der Auto- besitzer gleichmütig. Das macht hier nichts. Wir kommen noch rechtzeitig an, ich bin mitgekommen ... Die Abfahrten hierzulande sind immer aufregend, da der Zug [eiten um die Zeit abgeht, die einem genannt wird. Run fahre ich zwischen Weinbergen nach Orleans. Das heißt, es find Weingärten. In der Ebene wächst der Wein hier. Jeder hat [einen Weingatten vor dem Hause, er wächst zwischen Medern und Feldern, wie Getreide. Vor den Toren Orleans wird eifrig exerziert, trotz des strömenden Regens, Sergeanten, Kommandos, Reihen grauer Drilljaden, wie einst bei uns . . . Orleans, eine echte Kleinstadt der Loiret an der Loire, ist größer als sie scheint. Man sieht ihr die siebzigtausend E:n- wohner nicht an, wenn man durch die Straßen wandert. Man findet sich leicht darin zurecht, alle Wege führen zum Denkmal der Jeanne, ober daran vor- bei. Aber wo das Musöe historique sich befindet, konnte mir kein Schutzmann sagen. Erst recht kein Ladenbesitzer, die offenbar keine Museen besuchen, und die mir begegnenden Bürger antworteten alle, daß es das hier nicht gäbe. „Ach, Sie meinen, das maison Jeanne d’Arc?" sagt ein Schutzmann. In der engen Gasse werden die Läden ,eben an diesem alten Patrizierhause aufgemacht. Der Concierge ist erstaunt, erstens, daß überhaupt jemand in [ein Haus kommt, zweitens, daß er zu so früher Stunde erscheint. C’est pas l’heure du inusde'. Er iaht mich dann aber doch ein, und so bin ich aus Versehen in eines der interessantesten Häuser von Orleans geraten. In diesem Patrizierhause mit herrlicher, reicher Renaisfancefassade hat die schöne Agnes Sore! gewohnt, die Mätresse Karls VII., und nach-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesssn)
Freitag, 5. August 1927
hunderts je zwei Millionen deutsche Bauern. Auch in Rußland verblieb fast die ganze Masse der Kolonisten, die durch ihren zahlreichen Rachwuchs [ich schnell vermehtte, im Bauernstand:. Rur an der Wolga gab es auch in den Städten ein ziemlich starkes aus dem Kolonistentum hervorgegan- genes gewerbetteibendes Element. Der Mangel an höheren deutschen Schulen war ein Hauptgrund dafür, daß sich aus dieser, im 18. und am Anfang des 19. I hrhunderts e tstaneenen deut chen Masse im Osten ferne führende Oberschicht entwickelte. Das 19. Jahrhundert ist das eigentliche Jahrhunoert der deutschen Auswanderung nach Amerika. Im 18. waren es vielfach politische und religiöse Gründe, daneben natürlich auch der Wunsch, in breitere und freiere Verhältnisse zu kommen, die den deutschen Auswanderer aus seiner Heimat forttrieben. Im 19. war es. mit Ausnahme der Zeit nach 1843, der wirtschaftliche Druck. Die Bevölkerung in Deutschland wuchs, und die Erwerbsmöglichkeiten der Großindustrie fingen erst feit den 70er Jahren an, sich stärker geltend zu machen. In den letzten Jahren vor dem Weltktteg hatte infolge der industriellen Entwicklung die Auswanderung aus Deutschland beinahe ganz aufgehött.
Was nach Rordamettka ging, in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, ist dott spätestens in der zweiten Generation in der englisch sprechenden und amettkanisch fühlenden ilmtoelt so gut wie verschwunden. Dies ist noch heute das Schicksal der deutschen Auswanderer in diesen Gebiet em Anders in Südamerika. Dott hat sich, vor allen Dingen in Südbrasilien, ein Deutschtum entwickelt, bai sich gleichfalls sehr schnell vermehtt, seine Sprache und Sitte behält und fast schon eine Million Seelen zählt. Auch in Rio Grande, in Santa Chatarina und Parana sind die deutschen Kolonisten zum wett überwiegenden Teil Bauenr. Erst allmählich geht ein Teil des Rachwuchses in die Städte. Der deutsche Dauer, der Donauschwabe pflanzt Mais, der Wolgakolonist sät Weiten, der Riograndenser verwandelt seinen Mais durch Fütterung in Schweineschmalz, Wurst und Schinken. Seine Schweine fressen Mais und Apfelsinen, und die Familie selber erntet ihren Tee vom Mattestrauch und siedet sich ihren Zucker aus dem eigenen Zuckerrohrfeld. Auch nach dem benachbarten argentinischen Gebiet und nach Paraguay sind die deutschen Kolonisten vorge-drungen, und nach dem Weltkriege erhielt das deutsche Element in Südamerika noch eine besondere Verstärkung durch Angehöttge der höheren gebildeten Stände, namentlich früherer Offiziere, von denen es hier und da einer zum sogenannten Gentlemanfarmer, Jin Südwestafrika sagt man Stehkragenfarmer) gebracht hat.
In den wirklich deutschen Kolonien, den sogenannten »Schutzgebieten" in Afrika und der Südsee, deren deutsche Bewohner durch den Ausgang des Weltkrieges einfttoeilen ja auch zu »Auslanddeutschen" geworden ftnö, hatte sich, infolge der verschiedenen klimatischen Bedingungen, auch das koloniale Deutschtum verschieden entwickelt. In Südwestafrika, wo es dem Europäer möglich ist, körperlich zu arbeiten, entstand ein Siedlettum von unten auf. Der Farmer und Frachtfahrer muß zwar auch eingeborene Leute haben, aber diese verrichten nur die gröbsten Dienste. Vor allem läßt sich die deutsche Familie nach ganz Südafttka verpflanzen — der Kinderreichtum manches deutschen Farmers in Südwest gibt dem des Buren und des Deutsch- Brasilianers nichts nach. In den Tropenkv- Ionien, dagegen, wo die dauernde Akklimatisierung des nord- oder mitteleuropäischen Menschen bisher nicht geglückt ist, wirfte auch der einzelne deutsche Pflanzer oder Kaufmann nur vorübergehend: wenn auch das Unternehmen blieb, so muhten doch Leiter und Angestellte wechseln. Erst recht galt das vom kolonialen Beamtentum in den Tropen.
Den Charakter einer Oberschicht hat eigent- tüm sicher weise auch das Deutschtum in einem südamerikanischen Lande, Chile, zum Seil. Zwar gibt es in Chile in den südlichen Provinzen auch bodenständige deutsche Dauernsiedlun- gen, wo hart gearbeitet wird, aber es existiert auch ein bedeutender Großgrundbesitz in der Hand von Rachkommen deutscher Einwanderer, die ihr Deutschtum bewahrt haben, und ebenso gehören zahlreiche Deutsch-Chilenen zu den füh- renben städtischen Berufen. Das spricht sich z. B.
dem die Jungfrau die Stadt Otteans erobert hatte, war sie hier einquartiert.
Im Hofe, eng mit einem alten Ziehbrunnen, der nach Typhus aussieht, stehen Plaketten aus dieser stürmischen Zeit, gegossene Eisenplatten und Grab- mäler. Die Treppen gewunden, steil, unbequem, eng. Im Unterstod stehen alle Modelle der Jeanne gesammelt, von ihren Bildern, den Plastiken, viele Reproduktionen. Man sicht die weiße Atlasstandarte, mit der sie den Soldaten in die Schlacht voranzog, „Jesus Marie" ist darauf geftidl, die Lanzen und Waffen der Bauern, die ihr blindlings folgten gegen — der Kastellan, der mich für eine Anglaise hält, flüstert es nur — die Engländer, denn man ist ja jetzt wieder längst gut Freund. Schwere Geldkaffer stehen da, eisenbeschlagen, die Kriegskassen der Jeanne, aus denen sie ihre Soldaten besoldete, mit sehr komplizierten Schlössern. Plastiken von Jeanne. Merkwürdig, auf dcn alten Steinbildern ihrer Zeit trägt sie einen Bubikopf, auf neueren langes Haar, das unter dem zurückgeschobenen Visier hervor- flattcrt, ober Zöpfe um dcn Kopf gewunden, als Hirtenmädchen . . . „c’est l’heure quand il platt ä Dieu“, ihre Aussprüche hängen gedruckt an den Wänden. Im ersten Stock hängen große Gobelins, in denen die Geschichte der „Pucelle" eingewoben ist, handgestickte Wandteppiche aus Beauvais und Flandern, Skulpturen und Büsten. Banner, tue man in den Prozessionen ihr vorangetragen hat. Eine ergreifend schöne Plastik .Jeanne öcoutant ses voix“ . . . Es gibt alte Fächer mit ihrem Bild, Schokoladetassen, Porzellan aus Limoges. Plaketten und Schüsseln aus bunter Fayence mit der Eroberung von Orleans. Es gibt eine Bibliothek hier von sechstausend Bänden über Jeanne d'Arc. Die Gelehrten und Aerzte beschäftigte diese mysteriöse Erscheinung, ein einfaches Bauernmädchen aus Lothringen, aus dem Häuschen mit dem schiefen Dach an der Landstraße von Domremy, die Könige zu überzeugen, Bauern zu hypnottsieren und Soldaten zu faszinieren verstand. Für und gegen Jeanne kämpften Kirche und Wissenschaft.
Ganz ist das Rätsel ihrer seltsamen Erscheinung nie gelöst worden. Das Wunder der damaligen Zeit ist verkörpert durch die Jungfrau. Auch von der blonden Agnes Sore! in Lila mit Hermelinkragcn sieht man einige Portrats, auf Porzellan glattge-
barin aus. baß es an ber chilenischen Staatsuniversität in Santiago, die natürlich rein spanische Lehrsprache hat, ein ober zwei deutsche Burschenschaften gibt, bereu Angehörige alles geborene Deutsch-Chilenen sinb.
Deutsche Siedler gibt es, etwa seit ber Mitte bes vorigen Jahrhunbetts, auch im Kap- land und in Australien, namentlich in Sübaustralien. wo sie die ganze dortige Wcizen- fultur, die früher als unmöglich galt, geschasien haben. Ebenso haben Deutsche die ursprünglich sterile Sandregion nörblich von Kapstadt, die sogenannte Kapsche Fläche, in zäher, erfolgreicher Arbeit mit Gemiisckulturen bedeckt. Dieses kapländische und australische Deutschtum aber ist, namentlich seit dem Kttege, zumal ihm auch die eigene Schule teils gefehlt hat, teils genommen worden ist, so stark von der Einschmelzung ins Englische bedroht, bah wohl
nicht mehr sehr lange mit seiner Erhaltung wird gerechnet oerben können.
Es ist das charakteristische Mettmai des Deutschtums im Ausland:, daß, wo auch Immer man einer deutschen Siedlung in fxeinder Ilm» weit begegnet, sofort ber Kulturunter- schied dieser gegenüber hervor.ritt. Das gilt für bie vielhundertjährige Kolonisation im Battenlande und Siebenbürgen, das gilt für das Banat und die Schwaben, örfer im übrigen Ungarn, das gilt für die ukrainische Sch .crrzcr e, für Südafrika, wo die deutsche und buttsche Farm sich schon von weitem unterscheiden, das gilt für bie deutschen Städtchen und Kolonisten» gehöfle in Santa Catharina und Rio Grande, für die von Deutschen urbar gemachten Gestade des Llanquihue-Sees in Südchile und für die ausgedehnten Musterbetriebe in dem wetten Längstal am Fuße ber Kordiliieren.
Turnen, Sport und Spiel.
Schwimmen als Spor-.
Wenn auch das Schwimmen als Bewegung im Wasser allgemein bekannt ist, ohne daß leider auch nur der größere Teil der Menschen selber schwimmen kann, so ist die Kenntnis des Schwimmens als Sport gar nicht so weit verbreitet, wie man vielleicht annimmt. Man kann das sogar bei Schwimm- scstcn feststellen, wo man doch ’annehmen müßte, daß als Zuschauer nur wenigstens einigermaßen Sachverständige zugegen sind. Es [oll deshalb, gewissermaßen für den Laien, nachfolgend einiges vom Schwimmen als Sport gesagt fein, wobei die Allgemeinen Wettkampf-Bestimmungen des Deutschen Schwimm-Verbandes die Grundlage bilden mögen. Im allgemeinen gelten diese Bestimmungen auch für den internationalen Schwimmsportbetrieb, die geringfügigen Abweichungen haben für den Nichtfachmann wenig zu sagen.
Man kennt im Schwimmsport fünf Wettkampfgebiete, nämlich Schwimmen, Springen, Tauchen, den Mehrkampf und das Wasserballspiel. Bei Schwimmfesten kann man verschiedentlich auch nach weitere Darbietungen sehen, die aber lediglich den Charakter von Vorführungen haben wie Reigenschwimmen, Figurenliegen usw. Auch das Rettungsschwimmen, so überaus nützlich es ist, gehört nicht in die Gruppe der Wettkämpfe.
Das wichttgste Gebiet des sportlichen Schwimmens ist natürlich der Wettkampf im Schwim - men selbst. Man unterscheidet hier zwischen Einzel- und Mannschafts- (Staffel-) Kämpfen. Diese Wettbewerbe gliedern sich wieder in solche über die verschiedensten Strecken und weiter in den vier verschiedenen Lagen, so daß eine große Fülle verschieden- artigfter Konkurrenzen für die Veranstaltung eines Schwimmfestes zur Auswahl stehen. Es ist bekannt, daß man, je nach der Lage des Körpers im Wasser, zwischen Brust-, Seite-, Rücken- und (so bezeichnet in Deutschland) Freistilschwimmen unterscheidet. In Deutschland und auch in vielen anderen Landern wird bas Brustschwimmen als die ursprünglichste Art und gleichzeittg diejenige, die am besten den Körper harmonisch durchzuarbeiten geeignet ist, besonders gepflegt. Deutschland verfügt in Rademacher- Magdeburg auch über den besten Brustschwimmer der Welt. Das S s i t e s ch w i m - m e n ist bagegn aus bem internationalen Schwimmspott bereits ausgemerat, auch in Deutschland) wird es immer weniger gepflegt, vielfach überhaupt nur für bie Lagenstaffel.
Selten sieht man biese Form bes Schwimmens in wirklich stilgerechter Ausführung. Nach bem Freistilschwimmen ist aüerbings Setteschwimmen die schnellste Schwimmart. Rückenschwimmen wurde früher nur mit Gleichschlag der Arme und gleichmäßigem Anziehen und Ausstößen ber Beine ausgeübt. Diese Form ist aber oerbrängt worden durch den sogenannten Rücken-Crawl, bei dem die Arme abwechselnd nach Art einer Mühlenbewegung über den Kopf geschlagen werden und die Beine leicht auf und ab pendeln. Mit dieser Art Rückenschwimmen werden schnellere Zeiten erreicht. Den Weltrekord hält der Amerikaner Lau ff er mit 1:18, eine Zeit, die auch von Weißmüller- Amerifa und von Küppers- Deuffchland erreicht wurde. Rückencrawl ist aber viel anstrengender als das Gleichschlag-Rückenschwimmcn.
malte Bilder und Pastelle. Sie starb so jung und liegt im Schloß Loches begraben. Ob vergiftet ober eines natürlichen Todes — wer weiß das heute? Jeannes Bttefe, die sie nach der Eroberung Orleans an den Maire geschrieben hat, liegen unter Glas. Sie selbst konnte nicht lesen noch schreiben. Sie diktiette, was sie schreiben wollte, ihrem Schreiber und unterzeichnete mit einem steifen, unbeholfenen „Johanne". Aber was sie sagt, klingt klar, fest, bestimmt und sicher. Ihre Dankesdttefe für die schönen Feste in Orleans sind mit Grazie verfaßt und in bester Form. Im Hausgang hängen die Pläne von Orleans als Festung, da steht noch das Modell des „Tour blanche“, alte Gobelins, herrliche Slücke, viel zu schade für den engen Hausflur, durch den >'o selten jemand kommt. Tapisserien aus Aubusson, Sövressvasen mit Jeannes Bild. Der 8. Mai ist Orleans höchster Feiertag, da wallen die Prozessionen durch die Stadt, und alles duftet nach Weihrauch, Lilien und Rosen, Johannes weiße Atlasstandarte -flattert dem Zuge voran, und abends ist die ganze Stadt illuminiert.
Im zweiten Stock sind die Gemälde der Jeanne untergebracht. In Schloß Chinon, den Kapitän um Soldaten bittend, im Kerker schlafend auf Stroh, rührend wie ein Kind, schlank und abgcmagett . . . Jeanne als Verwundete in der Schlacht mit blutender Schulter, den anderen oorandttngend, ihnen Mut machend, und dann wieder betend, still, eine Heilige — verloren in Gedanken — in einer Kirche kniend, und zuletzt ein grausiges Bild auf dem Scheiterhaufen, von Flammen umlodert, auf dem alten Markt zu Rouen.
Draußen strömt der Regen, finster schließen fich die engen Gassen, grau, leer, trifte. Eine Orgel ertönt. Die Mitteltür der Kathedrale ist weitgeöffnet, ein scharlachroter Schweizer steht davor, Menschen gehen in die Kirche ... es ist der Tag der Konfirmation der Kinder. Auch hier begegnet mir wieder Jeanne. Der Hintergrund des Altars ist ausgeschlagen in scharlachrotem Samt, von dem sich Jeannes Gestalt abhebt, in weißem Marmor leuchtend rein, hoch und schlank, steht sie dort, wo sonst eine Madonna steht, vor dem Hochaltar bewegen sich feierlich die Priester. Vom knien die jungen Mädchen, in Rechen, schleieroerhüllte kleine Bräute, von bem Dust bes weißen Tülls umflossen, wie in weißen
Die schnellste Schwimmart und bamit die Krone des Sportschwimmens ist das E r a w l f ch w i m - men. In Amerika hat man diese Form zuerst gepflegt, hat sie auf bas vollkommenste ausgebildet und dort lebt auch der schnellste Schwimmer der Welt, Jonny Weißmüller, der mit 57,8 Sek. den 100-Meter-Wettrekord hält. Nur ganz wenige Schwimmer haben jemals die 1-Minutengrenze erreicht ober gar unterboten.
Wie schon bemerkt, werben diese Schwimmarten über bie verschiebensten Strecken im Wettkampf geschwommen. Als Einzelrennen gibt es im internationalen Verkehr nur solgenbe Strecken: 100 Meter, 200 Meter, 400 Meter, 1000 Meter, 1500 Meter. Neben bem Einzelschwimmen gibt es noch Mannschaftskämpfe in ben Staffeln, unb zwar reine Bruststaffeln, reine Freistilstaffeln unb Lagenstaffeln (mit ober ohne Seitenschwimmen). Im Olympischen 'Programm ist nur eine 4X200-Meter-Freiftilstaffel vorgesehen. Die Zahl ber Staffelteilnehmer kann sehr verschieben sein, minbestens gehören aber drei Mann zu einer Staffel. Es gibt jedoch auch solche bis zu 50 Mann Besetzung. Außerdem kennt man die sog.Schwellstaffel, das ist einWettkampf, bei dem der nächstfolgende Schwimmer immer eine kürzere oder längere Strecke als sein Vorgänger zu schwimmen hat, sowie gemischte Staffeln, die aus den verschiedenen Altersgruppen zusammengesetzt sind.
Beim Springen unterscheidet man zwischen Kunst- unb Turmspringen. Das Kunstspringen geschieht vom febernben Brett aus, bas Turmspringen von einer festen Plattform. Die international gültige Sprungtabelle sieht. 35 verschiebenc Sprünge vor, bie je nach Schwierigkeit unb Höhe bes Brettes mit einem bestimmten Grab von 3 bis 5 Richtern mit 0 bis 10 Punkten gewettet werben. Der Durchschnitt biefer Wertung ergibt nach Multiplikation mit dem Schwierigkeitsgrad die Ziffer für den einzelnen Sprung. Deuffchland rft von jeher auf beiden Gebieten des ©Dringens führend gewesen, Namen wie die von Suber, Mundt, Dr. Lechnir sind in der ganzen Schwimmerwelt bekannt.
Im dritten Gebiet des Schwimmspotts, im T a u- ch e n , kennt man Streckentauchen unb Tellertauchen. Beim Streckentauchen muß in möglichst kurzer Zeit eine vorgeschttedene Strecke burchtaucht werden. Schwimmen, Tauchen unb Springen bilden zusammen ben Mehrkampf. Meistens besteht er aus einem 100-Meter-Freistilschwimmen, 50-Meter- Streckentaucken und Kunstspringen. Eine besondere Art bes Mehrkampfes ist ber Dereinskampf, für den bie Veranstalter selbst bie Zusammensetzung ber Wettbewerbe wählen. Die fünfte Wettkampfart im Schwimmsport ist bas Wasserballspiel.
Rn.
Große Erfolge des M.T.D. Gießen beim Kreisturnfeft.
Der M.T.D. Hat bei dem 33. Kreisturnfest in Darmstadt ganz hervorragend abgeschnitten und mit seinen 15 Siegen als Verein die meisten Erfolge im Gau Hessen errungen.
Eine Aufstellung der errungenen Siege zeigt folgendes Bild:
Zwölfkampf B der Turner: L. Malkomes i u s 4. Sieg. Reunkampf der älteren Turner, 2. Klasse: Karl Müller 4. Sieg. Reunkampf der Turnerinnen: Ria Schwan 12. Sieg,
Wolken. Feierlich ernst schreiten die kleinen Knaben, ihre Gebetbücher tragend, hinter bem Scharlachroten her zum Altäre, wo sie eingesegnet werben. Die Orgel erhebt ihre mächtige Stimme, Mütter meinen, Männer blicken in ihre Hüte, Großmütter beten stumm. Bäuerinnen in ihren weißen Mullhauben knien in ben Bänken, Nonnen mit riesigen, weitab- stehenben, steifen weißen Flügelhauben, Priester singen, unb bie Orgel antwortet, es buftet nach Weihrauch unb Rosen . . .
Lichter knistern feierlich. Ein matter Sonnenstrahl bricht sich durch bie alten bunten hohen Fenster und durch die weitx, hohe, festlich geschmückte Kachedrale, über blumengeschmückte Altäre unb streut violettes Licht über weiße Sctzleier- wolken. Ein Glöcklein bimmelt, unb bie weiße Wolke da vorne senkt sich leicht wie eine Schneewolke zu Füßen ber Jungfrau nieber, um ben Segen zu empfangen.
In ben Läben starrt mir bie Jungfrau in allen Gestalten entgegen. Es gibt Jungfrauen aus Biskuit, bengalisch beleuchtete Jungfrauen aus Holz, aus Marmor, aus Glas, aus Granit, aus Wachs unb Elfenbein. Es wird ein Kultus hier mit ihr getrieben, es ist die Stadt ber Jeanne d’Arc und ber Perlkronen. Jener bunten Perlenkränze, die man auf bie Kirchhofe legt. So ein französischer Kirchhof sicht von weitem rounberbar aus. Grau bie Erde unb barüber glänzt etwas schillemb Buntes, die vielen Perlkränze. Es gibt hier eine Fabrik, bie solche „Couronnes“ massenweise fabriziert. .Sie werben auf eisernen Staffeleien aufgestellt, auf Wunsch kommt bas Bilb bes Verstorbenen hinein, bas hält bann ewig. Wenn man biese Kirchhöfe durch- roanbert, blicken uns von allen Seiten die Gesichter ber Verstorbenen an. Zur Abenbftunbe wirkt das gespenstisch, unheimlich, man kann sich unter diesen toten, die einem zulächeln, fürchten.
3n einem Laden sah ich Neuerungen, die solche Couronnes an Haltbarkeit noch übertreffen: Porzellankränze aus dicken, weißen Rosen unb Riesenstiefmütterchenbuketts aus Fayence, bie ebenfalls unsterblich sinb. Das Mus£e nistorique habe ich nachher auf bem Rückweg gesehen, es trägt ein großes Schilb über bem Eingang unb liegt im Zentrum ber Stabt.


