Ablehnung WirthS und der vom preußischen Zentrum dein Reich gegenüber geübten Taktik. )ie Resolution läßt also die verschiedensten Den- i ungen zu. Am nächsten kommt man aber wohl hrrm tatsächlichen Wert, wenn man sich vor Augen hält, daß ihre Form sowohl die Zustimmung des rechten als auch deS linken Flügels finden konnte, daß damit also das Mittel gegeben war, durch einstimmige Annahme nach außen hin die Geschlossenheit des Reichs- Parteiausschusses zu dokumentieren. Dennoch soll >ücht übersehen werden, daß Wirths Einfluß wieder im Wachsen begriffen ist, was auf der Tagung deutlich in die Erscheinung trat. Infolgedessen kann man mit Heberraschungen aus dem Zentrumslager rechnen.
Auslegungsversuche.
Berlin, 5. Iuli. Die vom Reichsausschuh der Zentrumspartei gefaßte Entschließung bietet der Auslegung einen weiten Spielraum und wird denn auch von den Blättern, je nach ihrer Parteirichtung, verschieden interpretiert. Die „Deutsche Tageszeitung" betont, daß der nachdrücklichen Billigung der Zentrumspolitik im Reich, also der Koalitionspolitik mit der Rechten. eine ausdrückliche Billigung der Koalitionspolitik in Preußen nicht gegenüberstehe. Zum mindesten müßte man also annehmen, daß der Reichsparteiausschuß des Zentrums sich gegen eine Durchkreuzung der Politik der Reichs- tagsfraktion ausgesprochen habe. — Die „T ä g l. Rundschau, die die gleiche Feststellung macht, sieht einen möglichen Grund hierfür in der Zuständigkeit des Reichsparteivorstandes, die sich wohl nur auf die Reichstagsfraktion erstrecke. Das Blatt sagt dann weiter: Der Beschluß läßt sich viel eher gegen Dr. Wirth auslegen, der mit allem Eifer die Linkskoalition predige und die gegenwärtige Bindung des Zentrums an eine bürgerliche Koalition bekämpft. — Die „D. A. Z." teilt mit, daß sich Dr. Wirth an der Abstimmung über die Entschließung nicht beteiligt habe und hebt ferner hervor, daß vom Reichsparteiausschuh keinerlei Maßnahmen gegen Dr. Wirth wegen seiner Disziplinlosigkeiten unternommen worden seien. 3n dem ebengenannten Blatt und im „D. T." wird die in der Entschließung betonte Unabhängigkeit der Zentrumspolitik in Verbindung gebracht mit dem kommenden Wahlkampf, zu dem man sich nicht festlegen wolle.
Emeherbsttagung des Reichstags
Berlin, 5. Iuli. (Priv.-Tel.) Das Reichs- schulgeseh wird in der gegenwärtigen Tagung den Reichstag nicht mehr beschäftigen. Cs ist ober damit zu rechnen, daß man im Iittevesse einer Förderung dieser wichtigen Frage die Beratung des Entwurfs im Reichstage nicht auf die Wintertagung verschieben, sondern den Reichstag zu einer Herb st tagung einberufen wird, damit er den Entwurf in erster Lesung eriebigen kann. Es würde sich dabei voraussichtlich um eine Sondertagung von zwei bis drei Tagen handeln, deren Dermin von der Fertigstellung des Entwurfs im Reichskabinett und im Reichsrat abhängig wäre. Der Gedanke, den Entwurf in der Form eines Initiativantrages der Regierungsparteien an den Reichstag zu bringen, ist von allen Seiten aufgegeben worden. Es bleibt also nur der übliche OBeg vom Reichskabinett über den Reichsrat zum Reichstag. Das Reichskabinett hat sich gestern abend mit dem Entwurf beschäftigt. Zu einem Abschluß scheint es dabei noch nicht gekommen zu fein. Im Interfraktionellen Ausschuß scheint man sich über die Rotwendigkeit einer Herbsttagung einig geworden zu sein.
Die neue Vorlage über die Pofttarife.
Berlin, 5. Iuli. (Priv.-Tel.) Wenn auch bei den gestrigen Besprechungen zwischen den Regierungsparteien und dem Reickspostministec S chähl noch keine volle Klarheit über die Gestaltung der Vorlage, betr. die Erhöhung der Posttarife, erzielt worden ist, so geht doch die Tendenz dahin, die Erhöhung möglichst auf das Porto für Briefe und Po st karten zu beschränken. Die endgültige Entscheidung liegt natürlich beim Verwaltungsrat der Reichspost, der sich bekanntlich für eine Erhöhung des Briefportos im Inlande von 10 auf 15 Pf. und des Portos für Postkarten von 5 auf 10 Pf. ausgesprochen hatte. Ob im übrigen aus Erhöhungen verzichtet wird, läßt sich noch nicht ganz übersehen. Die Einführung von Gebühren im Postscheckverkehr wird wohl nicht mehr in Frage kommen. Auch die Erhöhung der Telegrammgebühren ist zurückgestellt. Dagegen wird man voraussichtlich an der Erhöhung des Tarifs für Druck fachen festhatten, aber das Dreipfennigporto für Werbepostkarten im Geschäftsverkehr beibehalten.
Die deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 5. Iuli. Heber die Fühlungnahme zwischen deutschen und polnischen Wirtschafts- Verbanden, über die wir an dieser Stelle bereits berichtet haben, weih ein Berliner Börsenblatt noch folgendes mitzuteilen: Bor einiger Zett ist aus Kreisen der deutschen Por- zellanindustrie der Vorschlag gemacht worden, ohne Rücksicht auf die offiziellen Handelsvertragsverhandlungen durch direkte Verhandlungen zwischen den interessierten Wirtschaftskreisen der beiden Staaten schneller zu einer Verständigung zu gelangen. Es handelt sich hier jedoch um einen rein privaten Vorschlag, hinter dem die maßgebenden amtlichen Stellen, sowie die maßgebenden Kreise der deutschen Industrie keineswegs stehen. Man rechnet zwar in unterrichteten Kreisen damit, daß sich einige Persönlichkeiten von der deutschen und der polnischen Seite vielleicht in einigen Wochen treffen werden, um die Besprechungen aufzunehmen. Große Bedeutung hinsichtlich einer Verständigung dürfte jedoch diesen Verhandlungen nicht beizumesien fein.
Wieder ein deutscher Militärattache in London.
London, 5. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die britische Regierung hat beschlossen, die vormals feindlichen Regierungen einzuladen, wieder M i l i= tärattchSs bei ihren verschiedenen Botschaften und Gesandtschaften zu ernennen. Man ist der An
sicht, daß Gegenseitigkeitsbehandlung in einer solchen Sache das einzig mögliche Verfahren ist, und britische Militärattaches sind bereits in den betreffenden Hauptstädten ernannt worden. Die britische Regierung hat sich niemals die französische Ansicht zu eigen gemacht, daß § 1 des Art. 179 des Versailler Vertrages Deutschland verbietet, Militärattaches ins Ausland zu entsenden, und sie hat dies 1920/21 klar und deutlich zu verstehen gegeben. Deshalb hat auch London, falls wirklich eine Militärmission zur Erhaltung des Friedens an die serbisch- jugoslawische Grenze gesandt worden wäre, den Vorschlag gemacht, daß ein deutscher Offizier an der Konferenz teilnehmen sollte. Nächste Woche wird als Militärattache der ungarischen Regierung Prinz Hohenlohe in London eintreffen. Italien nimmt die gleiche Haltung ein wie Großbritannien.
Deutschland in der Mandatskommission Genf, 4. Juli. (WTB.) Die Mandatskommission, welche gegenwärtig in Genf tagt, hat zu Händen des Völkerbundsrates die Erklärung abgegeben, daß sie, wenn man von allen polittschen Erwägungen absehe, keinen Einspruch gegen die Ernennung eines weiteren Mitgliedes der Mandatskommission erhebe, und daß sie auch nichts dagegen habe, daß dieses Mitglied reichsdeutscher Nationalität sei. Man hält auch die Eingabe der französischen Kolonialunion, welche sich gegen diese geplante Ernennung ausspricht, für höchst unangebracht und die ausgesprochenen Befürchtungen für unbegründet. Der Dölkerbundsrat wird voraussichtlich in der kommenden September» session ein deutsches Mitglied ernennen.
DeutschLumsarbeit in der Südmark.
Leoben, 4. Iuli. (TH.) Dieser Tage hat der Deutsche Schulverein Südmark, der führende Schutzverein Deutschösterreichs und gleichzeitig Verband Oesterreich des Vereins für dasDeutschtum im Ausland seine Hauptversammlung abgehalten, in der Exzellenz Dr. Groß den TätiAeitsbericht erstattete. Der Verein habe die Schutzarbeit an den Grenzen fortgeführt und zu diesem Zweck in der Steiermark zwei Schulen gebaut, im Burgenland einen Grund für einen Schulbau in magyarenfreundlicher Gegend angekauft und auch in Kärnten gegen die eifrige Irredenta der Slowenen entsprechende MaßnaHnen ergriffen. Er habe ferner den Plan eines nord-südslawischen Korridors sowie die tschechische Einwanderung abzuwehren: aus- I an ddeutsche Studierende wurden unterstützt. Tagungen und Schulungswochen über und für die Grenz- und Auslanddeutschen wurden abgehalten. Der Verein gibt u. a. eine Familiefp- zeitschrift „Alpenländische Monatshefte" und eine Vereinszeitschrift „Das Grenzland" heraus.
Mkrrbund und BalkMonsiM.
Die Beziehungen zwischen Rom nndBelgrad.
Rom, 4. Iuli. (WTB.) Eine Reche von Blättern kommentiert die Beilegung des Zwistes zwischen Iugoslawien und Albanien. „Popolo d'Italia" glaubt, daß es gut gewesen sei, den Völkerbund ganz aus dem Spiele zu lassen, denn durch feine Hnzuständigkeit hätte er die Panik nur vergrößert. Rur eine gemeinsame Intervention der Großmächte könne in ähnlichen Fällen wieder den Frieden garantieren. Sollte Iugoslawien aus dem Winkel, in den es sich selbst gesetzt habe, wieder heraus wollen, so würde es gegenüber Italien seinen guten Willen zeigen und bedenken, daß die Erkaltung der Beziehungen zwischen Italien und Iugoslawien begonnen habe, als Iugoslawien systematisch die Ratifizierung der Abkommen von Rettuno hintertrieb. Wenn Belgrad wirklich den Frieden sowie die Integrität von Albanien wolle, dann muh es zusammen mit Rom arbeiten.
AegypLrscher Königsbesuch in London
London, 4. Iuli. (WTB.) König Fuad von Aegypten, der in Dover vom Prinzen von Wales empfangen worden war, traf um 3 Hhr nachmittags hier ein. Zu seinem. Empfang waren der König, die Prinzen und die Minister am Bahnhof erschienen. Zu Ehren König Fuads fand ein großes Festessen im Buckinghampalast statt, dem mehr als 100 Gäste, darunter Mitglieder der königlichen Famttie, Botschafter, Minister, Vertreter des Heeres und der Marine usw. beiwohnten. Unmittelbar vor dem Festessen überreichte König Fuad der Königin von England den ägyptischen Orden El Kemal. In einem Trinkspruch auf König Fuad sprach König Georg die aufrichtige Hoffnung aus, daß sich die herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu deren dauerndem Vorteil fortsehen werden. In seiner Antwort sagte König Fuad, es sei für ihn ein Vergnügen, die wichtige Rolle anzuerkennen, die Großbritannien in der Vergangenheit bei der Verwirklichung des Fortschrittes Aegyptens gespielt habe, und er sei sicher, daß die Freundschaft zwischen den beiden Ländern von neuem bejaht und noch mehr gefestigt sein werde.
Französisch-italienische Grenzzrvischenfälle.
Paris, 5. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenblätter berichten von zwei Zwischenfällen an der französisch-italienischen Grenze. Im Gebiet des Rordens, wo nach den Behauptungen der französischen Presse italienische Offiziere. Franzosen, die auf italienischer Seite Grenzbesih haben, zum Verlassen ihrer Häuser für die Dauer von Schießübungen der italienischen Artillerie veranlaßt haben, soll nach dem „Iour- nal" am 3. Iuli, vormittags 5 Hhr, ein italienischer Offizier auch die Bewohner der Alpenhütte von Revers zum Verlassen dieser Behausung gezwungen haben. Der Besitzer, seine Frau und seine 8 Kinder, von denen eins krank war, hätten sich bis zur Beendigung der Schießübungen unter einem Felsvorsprung aufgehalten. — Rach einer Meldung des „Petit Parisien" hat am Sonntagvormittag ein italienischer Carabinieri in der Gegend des Mont Cenis 3 Schüsse auf zwei italienische Arbeiter, die sich 200 Meter von der Grenze entfernt auf französischem Gebiete befanden, abgegeben.
Kritische Lage für Hankau.
Paris, 4. Iuli. (WB.) Die Agentur Indo Pacific meldet aus Schanghai, daß in H an kau
alle Vorbereitungen für den Fall eines Angriffes Feng-Iuhsiangs vom Rvröen her oder Tschiang-Kaischecks vom Süden her getroffen seien. Der mit der Verteidigung beauftragte bolschewisttsche General I allen soll erklärt haben, daß, falls die Stadt fallen würde, er hinter sich Nichts zurücklasfen werde.
Zur präsidentschastswahl in Amerika.
Die Aussichten des Präsidenten Coolidge.
Washington, 4. Iuli. (WTB.) Wie gemeldet, hatte Senator Borah vor einigen Tagen in Bois (Idaho) nach seiner Rückkehr aus dem vorwiegend ackerbautreibenden Westen in einer Erklärung betont, daß man dort Coolidge auch für die Wahlen von 1928 als republikanischen Kandidaten aufstellen werde, obwohl die Demokraten mit einer Erbitterung gegen Coolidge wegen dessen Veto gegen das Gesetz der staatlichen Subventionierung der Farmer gerechnet hatten. „Washington Post" und ebenso „Star" halten diese Erklärung für „das letzte Glied in der Kette der zahlreichen Anzeichen", daß Coolidge die große Mehrheit des Volkes hinter sich hat. Seine Wahl sei so gut wie gesichert, insbesondere, da nun auch Senator Borah, der im Frühjahr angesichts der auswärtigen Politik gegenüber Mexiko, Ricaragua und Sowjetrußland manche Bedenken geäußert habe, jetzt für Coolidge eintrete.
Kunst und Wissenschaft
Evangelische Kirchenmusiklage in Frankfurt a. 2U.
Bei den musikalischen Veranstaltungen, die im Rahmen des Frankfurter „Sommers der Musik" der evangelischen Kirchenmusik gewidmet sind, wird am 11. und 13. Iuli der Leipziger Thomaner-Chor unter Karl Straube Chorwerke aus älterer Zett und der klassischen Hochblüte der evangelischen Musik der Bach- Zeit aufführen. Der berühmte St. Michaelis-Chor aus Hamburg wird am 9. Iuli die bi-Moll-Messe von Iohann Sebasttan Bach bringen. Als Solisten sind an diesen Konzerten beteiligt: Anni Quistorp (Leipzig), Marie Philippi (Köln), Alfred Wilde (Berlin) und Rudolf Bockelmann (Hamburg). Der St.Engelbrechs- C h o r aus Stockholm unter der Leitung von David Ahlen wird in das unbekannte Reich schwedischer alter und moderner Kirchenmusik einführen. Ieden Tag nachmittags 12 Hhr soll die Dresdener Posaunen-Mission unter Leitung von Pfarrer Müller vom Balkon des Römers aus alte Turm-Musik blasen. Am Montag, dem 10. Iuli, wird in den meisten evangelischen Kirchen Fest-Gottesdienst stattfttiden. So wird am Rachmittag in bet Katharinen- Kirche die schwedische lutherische Hochmesse mit schwedischen Liturgien und Chor gefeiert. Die Predigt hält Professor Rygren aus Hpsala. Vorträge der Professoren Sinend, Wolf, Gurlitt und Moser werden die Gebiete des kirchenmusikalischen Lebens behandeln.
Eine Tibekausstellung in Frankfurt.
Eine Ausstellung tibetanisches Tempelschätze im Frankfurter Kunstverein vermittelt eigenartige und seltene Eindrücke von der Kultur eines asiatischen Volkes, dessen Abgeschlossenheit erst durch. Sven Hedins Forschungen einigermaßen beseitigt wurde, dessen buddhisttsche Religionsform mit dem religiös- politischen Dalai-Lama als Oberhaupt der Berührung mit abendländischer Kultur größte Schwierigkeiten bereitet. Hochinteressant, nicht so sehr vom ethnographischen, als künstlerischen! Standpunkt sind die Gemälde und Skulpturen, Keramiien und Kultgegenstände, welche in der Frankfurter Ausstellung vereinigt sind. Vor allem diese Rollenbilder in ihren großen Ausmaßen, die aus tibetanischen Klöstern stammen, die auf Seide gemalten Wandbilder und sonstigen Darstellungen sind der Ausdruck einer künstlerischen Entwicklung, die zum Beispiel in der bildlichen Darstellung einer buddhistischen Apotheose überrascht und entzückt durch die Schönheit der Bilder und durch die vollendete Technik. Vieles ist chinesischen Hrsprungs. Am stärksten vertreten ist die Mingzeit, von 1350 bis 1650 nach Christi und hier offenbart sich eine geradezu dramatische Kraft der Gestaltung und Schilderung der Vorgänge. Aber auch die frühe Tangzeit etwa von 617 bis 900 zeigt die hochentwickelte Kultur eines uralten Volkes, in seinen Vasen und sonstiger Keramik. Ein eigenartiges Kunstwerk ist eine Art Genealogie Buddhas, wundervoll in Zeichnung und Farbe, ebenso das große Pantheon der buddhistischen Relegion: chinesische Einflüsse sind unverkennbar, aber der Beweis hoher künstlerischer Begabung der Tibetaner ist überzeugend erbracht. Außer den zahlreichen Gauthama Buddha-Darstellungen beschäftigt sich eine fesselnde Sammlung von Edelmetall-Skulpturen mit der tibetanischen Götterwelt und hier sind es die Göttin der Barmherzigkeit und der Donnerkeil- Schleuderer, die wieder hohe künstlerische Qualitäten aufweisen. Außerdem sieht man noch erlesene Stücke ostasiatischer Kunst, die ebenso wie die tibetanischen Tempelbilder zum ersten Male in Deutschland gezeigt werden. L.W.
hauplversamlung des Deutschen Fröbel-Derbandes.
Die 23. Hauptversammlung des Deutschen Fröbel- Verbandes, zu dem über 1700 Teilnehmer in Eisenach erschienen sind, fand ihren Anfang mit einem Wartburgabend, zu dem als Festredner Prof. Friedr. Lienhard gewonnen war. Er stellte zwei deutsche Frauengestalten, die heilige Elisabeth und das elsässische Bauernmädchen Luise Scheffler, als Vorbilder deutscher Weiblichkeit hin. Die letztere fei eine Vorläuferin der Ideen Fröbels gewesen und habe im Elsaß die ersten Kindergärten errichtet. Oberbürgermeister Dr. Janson sprach über die Beziehungen Fröbels zur Wartburg und zu Eisenach und hob hervor, daß in Eisenach die Ideen Fröbels, der als junger Mensch im Alter von 20 Jahren zum ersten Male auf die Wartburg kam, zuerst auf fruchtbaren Boden gefallen, und daß hier die er st en Kindergärten in feinem Sinne errichtet worden seien. Am Montag hat die eigentliche Tagung begonnen mit einer Eröffnungsansprache der ersten Vorsitzenden des Verbandes, Frl. Lilli Dröscyer- Berlin. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag des bekannten Philosophen Professor Ed. S pranger-Berlin.
Aus aller Welt.
Rechtsanwalt Führ Senatsprafidenl in Düsseldorf.
Der aus dem R o u z i e r »Prozeß in Landau bekannte Rechtsanwalt Dr. Führ aus Frankfurt a. M., der seit Jahren vor den französischen Kriegs- und Militärpolr- zeigerichten des besetzten Gebietes als Verteidiger deutscher Angeklagter fungiert, ist zum Senatspräsidenten b e i m O b e r- landesgericht in Düsseldorf ernannt worden. Dr. Führ wird vorläufig dieses Amt nicht annehmen, sondern weiterhin als Verteidiger vor den französischen Kriegsgerichten des besetzten Gebietes tätig fein. Dr. Führ steht in den 50er Iahren und war früher Richter in Frankfurt a. M.
Unfälle durch Explosion von Feuerwerkskörpern.
Reuhork, 5. Iuli. (W.T.B. Funkspruch) Die anläßlich brr Feier bes Hnabhänglg- keitstages veranstalteten zahlreichen. Feuerwerke haben im ganzen Lande viele Hnfälle, namentlich unter Kindern herbeigeführt. Zwar sind wenig Todesfälle zu verzeichnen, doch ist die Zahl ber Erblindeten ziemlich gro ß. Im italienischen Viertel Reuhorks ereignete sich eine heftige Explosion durch eine weg - geworfene Zigarette, die in einen mit Feuerwerkskvrpern gefüllten Korb fiel. In einem anderen Stadtteil entstand durch eine aus einem Hochbahnwagen abgefeuerte Rakete in einem Fabrikgebäude ein Brand, ber einen Schaden von 250 000 Dollar verursachte.
Explosionskatasttophe in SfutarL
In Skutari ist ein Kaffeehaus in die Luft geflogen. Die Fenster der in der Rähe liegenden Häuser gingen vollkommen in Trümmer. Die Explosion war von einer starken Erschütterung des Erdbodens begleitet. Das dem Kaffeehaus benachbarte Haus ist ebenfalls in die Luft geflogen. Im Augenblick der Explosion waren in dem Kaffeehause nur ein Kellner und zwei Kinder anwesend. Während die Kinder noch lebend unter den Trümmern hervorgezogen werden konnten, ist ber Kellner bis zur Hn- kenntlichtett verstümmelt worden. Die Hrsache der Explosion konnte noch nicht ermittelt werden.
Schwerer Orkan über Odessa.
lieber Odessa wütete ein schwerer Orkan, der erhebliche Verwüstungen, besonders in ber Umgebung der Stadt anrichtete. Verschiedene Häuser wurden abgedeckt und Bäume entwurzelt. Aus dem Meere kenterten mehrere Segelboote. Ueber 20 Personen sind er t r un t en. Ein Straßenbahnwagen, der mit Ausslüglern besetzt war, die vor dem Unweiter flüchteten, entgleiste in einer Kurve und stürzte um. Sechs Personen wurden getötet, 16 schwer und 39 leicht verletzt.
Jleve Knochenfunde in Berlin.
Auf einem Grundstück in der Nähe des A l e x a n- derplatzes wurden bei Ausschachtungsarbeiten in einer Tiefe von 30 Zentimeter vier menschliche Schädel und eine große Anzahl anderer Skeletteile gefunden. Durch die Entdeckung von Holzteilen an der Fundstelle ist erwiesen, daß es fick um eine alte Begräbnisstätte handelt. Es dürfte sich um einen alten Franzosenfriedhof handeln, auf dem französische Soldaten, die 1812 nach dem Rückzug Napoleons aus Rußland in Berlin starben, beigefetzt wurden.
Wahlfälschungen in 51. Goarshausen.
Bekanntlich wurde die letzte Kreistagswahl durch ben Bürgermeister Bernbt von Riedern gefälscht, indem er über 100 Stimmzettel in nie Hrne warf und in ben Listen bei ben Wahl- berechttgten Cinttagungen über bie erfolgte Wahl machte, obschon biese gar nicht gewählt hatten. Trotz bieser Fälschungen hat ber Kreistag ent- schieben, baß eine Reuwahl nicht erforderlich sei, sondern lebiglich nach bem Abzug bet ungültigen Stimmen die 24 Abgeordnetensitze neu zu verteilen seien. Das gerichtliche Verfahren gegen Berndt ist so weit vorbereitet, daß demnächst in Wiesbaden die Verhandlung stattfinden wird. Das Tragikomische für Bürgermeister Berndt ist, daß er auch ohne die Fälschung der 100 Stimmen das Mandat erhalten hätte. Die Kreistagspartei Berndt ist eine Splitterpartei des Zentrums: weil ber Bürgermeister Berndt auf der Zentrumsliste nicht an sicherer Stelle stand, gründete er die neue Partei „Bernd t".
Aus dem Zuge gestoßen.
In Magdeburg wurde bev Gärtner Reinhold Meyer aus Wolmirstädt schwer verletzt a u f den Geleisen auf gef unben. Er formte bishir nur angeben, gewaltsam aus dem Zuge gestoßen worden zu fein.
Auf der Flucht erttunken.
In Zweibrücken versuchte ein 21 Iahre alter Strafgefangene Kolbenschlag, ber im Außendienst beschäftigt war, zu entfliehen. Gr kam dabei an ben Schwarzbach, ben er zu durchschwimmen versuchte: anscheinend erhitzt, versank er sofort in den Fluten. Seine Leiche formte noch nicht gefunden werden.
Ein deutsches Opfer eines Hotelbrandes in Yokohama.
Das berühmte „Fünfte Hotel" in Yokohama ist durch Feuer vollkommen zerstört toorben. Ein deutscher Geschäftsreisender kam in den Flammen um.
Explosion einer Feldküche.
Ein schweres Explosionsunglück ereignete sich im Stadtteil Ostrog-Ratibvr. Als dort ber Kriegerverein Bosah-Ostrag-Plania mit einer Felbküche zu einem Marsch antrat, wurde plötzlich der Deckel des Kessels bet Vereinsseldküche infolge Dampfüberbruckes hochgerissen. Der ganze Inhalt des Kessels ergoß sich über bie umste- henden KlnderunbErwachsenen. Heber 25 Personen erlitten teils leichte, teils schwere! Verletzungen. Einige Kinder von fünf bis sechzehn Iahren wurden so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Drei Kinder schweben in Lebensgefahr.
Wettervoraussage.
Zeitweise wolkig, auch aufheiternd, strichweise Gewitterstörungen, Gewitterregen und Abküh- lung. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 22,7 Grad Celsius, Minimum 9,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 31/2 Stunden. Heutige Morgentemperatur 17,2 Grad Celsius.
Witterungsaussichten für Donnerstag: Vielfach cm sheiternd und vorwiegend trocken.


