Einzelbild herunterladen

Dienstag, 5. April 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

Ur. 89 Zweites Blatt

Ober

rvbun

i Im

Alte llunst am MMelrhein

t

lill

tDbrtuni

Ms

71

HAOFEHSHfij

Bffit

ot.

I115D ÄM-

Die früheren deutschen Kolonien unter -er Man-atsherrschast.

Bon 3Ibre<t>t Freche rrn v. Lechenberg.

jemflliflan Gouverneur von Deursch-Ostaßrika

Tvrcrfistundrn der Redaktion.

12 bl» 1 Uhr mittags, 5 bl» 7 Uhr nachmittag«. Samstag nachmittag geschlossen.

Jür unverlangt eingrfanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird feine Gewähr übernommen. . ..

Unzeigenaustrage find lediglich an die Geschäftsstelle ju richten.

begriff mich vvlUonmren, unb wehr erfchdpff alf überzeugt gab der ÄSrrtg nacht* . -«

ijer toöe errtz! 02570

'L, 33 L

cn 6. d. r~

«'«

6e?mn?fqfibroud-ll,,ati

"nder chube, 2 ÄS 5 uvd inmtnlahrrabfr M'i 1 tlnbän tt ti? Wut Bttttn.

üg huvnch «tot und laxntor _ Tclevd» 1414, flentno btftimmt.

bieten ift nicht au' her Höhe erhalten gcbb.cben, b:c sie tn beul'chcr Feit erreicht hatte. Ihr ent» Iprich: die grpficrc Ausdehnung der trspttchrn ÄranQxi!ff.. insbesondere der S <b l a H t an! beit Fas Privatkapital der Wanda,«nächte bat sich mit wenigen Ausnahmen von der 25ctä« r.gung in den trüberen deutschen Äolonwn lern gehalten Lite Mandatsgebiete haben durch die Vertreibung der deutschenjJrwatleuK erheb!.che Oinbuhen tn ihrer MiNscha't erlitte« _u,d alle -eigen ein härteres Steigen der tmrt- schatt' ch<" Sntwick ung von dem Augenblicke an. wo den Deutschen bte Duckt« hr in die frühere Selim e gx stattet wird Deshalb bat Südwest- 211 r 11 a . wo gegen die Deutschen am wenigsten vorgegangen wurde, trotz mancher durch die Vkltfri'i» bedingter Schwierigkeiten a m schne11Iten den trüberen Stand erreicht, wäh­rend er .n Vritisch-Samerun und in Ost-Afrika erst steter erlangt wurde und in den sranzd'ilcherr Gianda tsgebieten noch nicht erreicht fft. Die Vage der E.n geborenen ilt trotz mancher aner­kennenswerten Bestrebungen im allgemeinen mit höheren Lasten belegt und mit geringerer Fürsorge bedacht

und geleitet. Qlur daS Hahnentor, das sich f<htt><*r und wuchtig mit seinen romanischen Türmen erhebt und in seinem jahrhundertelangen Leden daS Staunen längst verlernt hat, blickte mit unver­rückbarer Luhe auf das seltsame Treiben zu feinen Füßen. Die Kölner schimpften weidlich, weil sämtliche Haltestellen verlegt worden waren, jeder unfehlbar feinen Anschluß verpaßte und nur mit allerlei Verspätungen und Unbequemlichkeiten anS Fiel gelangen konnte Tiber weil sie nun einmal tn einem gesegneten Land, unter einem besonderen Glücksstern geboren worden sind, wur­den sie auch dieses Wal für die erlittene Unbill belohnt. Wan stieß dieser Tage auf allerlei Scherben auS der Dömer-eit, die sogleich das Interesse der Fachwelt erregten. Sine Besichtt- gimg des Orte» und ein sorg'ameS TBeiteroraben zeigten, daß es sich um eine völlig erhaltene Schutt stelle au« dem 1. Jahrhundert nach Shristus hudelt, die sich etwa vier Weier tief unter der heutigen Straße hinzog. Große Wengen von Tongefäßen kamen ans Tageslicht. Ss waren zum Xeü Fehlbrönde oder beschädigte Stücke, die al« unbrauchbar weggeworfen worden waren und nun an die zweitausend Jahre in der Srde geruht haben, ohne daß irgendeiner von ihrem Dasein etwa« geahnt hätte. Weiter sanden sich Decher und Krüge mit Henkeln und allerlei aus- und

___Vereine__| Mittwoch adkiid 8M- w*--

Innft.

t»»

nie wihbraucht hatten, durch Zuteilung eine« gegen frühere Zeiten auhcrorb.-r.t'id) '^d re chen Perfonal« nahezu zur Dedeutungsloligtet: herab- gedrückt worden

2 übwest asrrka. da« seinem ganzen Charakter nach als europäische« Siedlungslaiid angesehen werden muß. nimmt habet eine besondere Stel» lung ein. Insolge des Londoner Abkommens vom 23- Oktober 1923. welches eine wohlwollende Behandlung der Deutschen («. B Defreiung vorn Wrlttärdienst gegen da« Deutsche Deich bi« 1953). ihrer Sprache und ihrer Einrichtungen vorsah. wurde im Jahre 1925 eine Verfassung für Süd- mestasr-.ka erlassen. Dach derselben besteht eine gesetzgebende Berfammlung au« 12 m direkter Wahl Hir drei Jahre gewählten und au« 6 vom Administrator ernannten Wiigl «dem. ferner ein ßanMbcirat von 8 Mitgliedern, (dem Admini­strator. v.er von der gesetzgebenden Derfammlung aus ihrer Witte gewählten und brri i>om3b- mmistrator ernannten Personen >: endlich ein

BollstreckungSausschuß. bestehend au« dem Ad­ministrator und den vier gewählten Mitgliedern des LandeSbeirat«. Diese Sorporationen haben das Deletzgebungsrecht und das Decht, für tot Ausführung der Gesetze zu sorgen Es smb aber die Angelegenheiten der Bergwerke, der Deam- ten und Häfen, diejenigen der »tngeborenen. ferner daS Decht und d^e Anstellung der Be­amten. vf.e Organisation und da« Derfahren vor den Gerichten, die Post und die Telegraphie, da« Militärwesen, da« SinwanderungSwesen. die Zölle und Steuern, die Währung«- und Dank­sragen ihrer Sompetenz entzogen. Da außerdem daS HaushaltSgesey de« Mandatsgebietes nicht von der Gesetzgebenden Derfammlung. sondern von dem UniDnöparlament erlassen wird, kann die Gesetzgebende Qkrfammlung Südwestafrika« nur Wünsche ober 3u«,.el.ungen vorbringen, über welche der Generalgouvcmeur entscheidet. In- folgebes'en besteht auch in Sübwestafrika nur eine sehr beschränkte Selbstverwaltung, während zur deutschen Zeit dem LandeSrat in vielen wichtigen Punkten der Derwaltung bereit«

ihftc $funi 6.35

ber sieben klugen und törichten Jungfrauen. Schon früher beim Dau der Häuser in der angrenzen­den Aachener Straße. waren ähnliche Entdeckun­gen gemacht worden, es handelte sich damals um entzückend zierliche Götter- und Tierfiguren, Ätn- brrfbtdicuge. Tongegenstände, die zum den QI amen des Künstler« trugen. Die .yunbe sind darum von besonderem kulturhistorischem Inter­esse weil die damals auf getauchte Vermutung zur' Gewißheit geworden ist. daß sich hi«, vor dem befestigten Lastrum und schon bei der Grün­dung der Kolonie ein blühendes, friedlich seinem Gewerbe nachgehendes römisches TLpserzent^im befand. Dermutlich werden sich noch Ueberbktb'ei von Topseröfen haben, in denen die Terrawtten gebrannt wurden. Don all diesen Schätzen ist am Dudolfplatz nichts mehr zu sehen- sie wurden gleich sorgsam geborgen. Dichtsdestvwenig« wird von früh bi« spät die abaefberrte Stege pcti undaaert, die felbstbewaßt rn bte tarfei*

Töpferlagers.

Tief unter den glatten, vom Lärmen und Wogen der Menschen erfüllten Str asten des heu­tigen Köln schläft die stolze, alte Toloma der Dörner. Die geduldige Srde. die mch» vom Fiebern und Jagen der Gegenwart weiß, deckt mit ihrem schwarzen Mantel die GefchehniNe von Jahrhunderten zu. Aber manchmal, wenn der menschliche Spaten ihr Wunden schlagt, bte he am Lebensmark treffen, gibt sie die Schatze preis, die längst zu Staub gewordene Geschlechter m ihren Schoß versenkt haben. Wan ist sich tn Inden Tagen wieder einmal bewußt geworden, über welch uralten Kulturboden die Istzeit ihre stäh­lernen Schienen legt und ihre himmelanstrebenden Baupläne ausführt Am Dudvffplaü. einem .«Kno­tenpunkt des Derkehrs. wo die Strafen nach allen Seiten flüchten, die Autos sich wie Besehene ve^ folgen, die Slektrifchen sich in einem Labyrinth von blanken, kreuz und quer lausenden Bändern jagen wurden große ®rbarbeiten ausgefuhrt Der Platz ward jufgertffen; Abgründe taten sich auf. Krateriöcher gähnten, schwarze Schächte öffneten sich. Berge von Steinen türmten sich auf. Ju« Dirfenkeffeln brodelte und dampfte der flumge Teer. Der städtische Fuhrpark ward in Biegung gefetzt und spie von früh bi« fbät Ladungen von Srde und Pllaster au«. Sin Heer twn Ar­beitern lief eifrig, wie ein Ameifenvvlk Yin unD her laß auf kleinen einbeinigen ^ck«n grub, schaufelte und lieh die Lust vom eochlagen der Hämmer und schweren Pickel erzittern. Wie ein aufgedecktes Gehirn, da« im Präparationszrnnner alle feine Geheimnisse preisgibt, lag der Pbatz vor den Augen der neugierigen Gatter, jwe Schienen entblößt, einem dichten Detz von Aerven- fafern gleich, in scheinbar zielloser Derworreu- hett und doch vom Genius des Menschen geoamei

zu haben.

Faßt man nun ba« Ergebnis ber bisheri­gen Derwaltungen in ben Wandatsgebieten zu­sammen unb vergleicht man es mit der Entwick­lung während der deutschen Herrschaft, so läßt sich nicht verkennen, daß bte Mandatare sich, und nicht ohne Erfolg, bemüht haben, die ihnen überwiesenen Gebiete zu entwickeln. Es läßt sich aber eben so wenig leugnen, bah bic Entwicklung langsamer fortgeschritten ist al« währenb ber deutschen Herrschaft, und daß die erzielten De- fultate zum nicht geringen Teile auf die knapp vor dem Weltkriege vollendeten deutschen Bah­nen zurückgcsührt werden muffen, deren Früchte nicht Deutschland, sondern den WandatSmächten zugute gekommen find. Die wirtschaftliche Stel­lung ber bcutschen Zeit ist erst 1924 bezw 1925 erreicht worden. Die Belastung der Eingebore­nen ist m den tropischen Gebieten durchweg eine viel schwerere geworden, ohne daß ihr eine entsprechende Zunahme de« individuellen Wohlstände« gcgcmibcriiünbe. Die hbgie- nische Fürsorge in den tropischen Ge-

Die gleichzeitig stattfindende Ausstellung lebender neuzeitlicher Künstler auf der Wa- thildenhöhe hat ben Titel erhallen -Aeue Kunst 192 7. Berlin. Darmstadt. Mün­chen". Die drei Gruppen ber Berliner Sezession, ber Münchener Denen Sezession und der Hessi­schen Künstlerschast werden geschlossen auf treten. Die Beschickung verspricht gut unb sehr viel­seitig zu werden.

Ausgrabung eines römischen

em Beschlußrecht übertragen war

Finanziell müßten sich alle früheren deutschen Kolonien insofern in einer günstigeren Lage besin- den, als die für die Eisenbahnbauten aufgenomme­nen und vom Reich garantierten Anleihen in Weg­fall gekommen sind und ihr Zinsendienst den Etat der schul',gebiete nicht mehr belastet. Außerdem sind die bereits bestehenden Bahnen, auch wenn sie Pri- oatgelcll,(haften gehörten. Liquidiert und für geringe Beträge den betreffenden Mandatsgebieten ubcrwie- sen werden. Trotzdem weifen die Etats der Man­datsgebiete in den afrikanischen Kolonien, besonders während der ersten Jahre, starke Fehlbeträge auf. welche nur allmählich dadurch ausgeglichen wur­den, daß die Steuersätze der Eingeborenen (mit Ausnahme von Südwest-Afrika) auf das Doppelte unb mehr gesteigert und auch die Einfuhrzölle für die von den Eingeborenen gebrauchten Waren (z. B- Baumwollwaren) erheblich erhöht wurden. Daneben wurden besonders in den französischen Mandatsge- bieten neue Steuern eingefuhrt, so in Kamerun unb Togo im Jahre 1924 eine $ton|umentenffcuer, welche die gebräuchlichsten Konsumartikel der Eingeborenen wesentlich versteuert und im Jahre 1925 eine Be­steuerung von Immobilien in den als städtische Ge­meinwesen bezeichneten Orten, welche schon bei einem Mindestwert von 2V00 Papierfranken beginnt i Eine zwilchen 0,75 und 4 Franken pro Jahr schwan­kende Medizinaltare und die Verpflichtung, für jeden männlichen Eingeborenen alljährlich 4 bis 10 Tage unentgeltlich Arbeit zu leisten, ober diese Zwangs­arbeiten durch Geldzahlungen abzulosen. Die Be- lastung der Eingeborenen ist dadurch außerordent­lich schwer geworden und sie kommt in der Steige­rung der Preise für alle Lebensmittel forme an Zu- nähme ber Arbeitslöhne zum Ausdruck.

LandwiNfchaftlich haben alle früheren deutschen Kolonien darunter gelitten, baß bic deutschen In­haber von Plantagen vertrieben wurden um) ein Ersatz nur unvollkommen unb nicht m genügenber Zahl zu beschaffen war. Die beutfchen Planwgen würben gewaltsam liquidiert unb vielfach zu außer- orbentkeh billigen Preisen von Angehörigen an- derer Staaten erworben. In sehr geringem Maße waren an diesen Neuerwerbungen Angehörige der Mandatsmächte beteiligt, wie überhaupt das Pnvat- kapital der Mandatsmächte und Staatsangehörige

biefer Länder meistens sehr geringe Neigung ytaten. I lid) in den frub.rvi beutlchcn Kolonien winscd-ftlich zu betätigen. Den eingeborenen Kulturen kam es zugute daß 1914 die großen Bahnbauten bereits beendet waren unb ihre Wirkung erst nach Beendi­gung des Kriege» sich 'm vollen Umfange gellend machen konnte. Inioigedesien weisen die Ertrage an Kaffee. Baumwolle und Erdnüssen größere Z'.blen aui als tn deutscher Zeit, während m Sisal die Menge der früheren Ausfuhr noch nicht rnetcti wurde und der Umfang des Haisbaues in Togo hinter der trüberen Zeit zurückgeblieben ist

Einen auffälligen Rückgang zeigen die Der- fuchsanstalten unb Dersuchtpfianzungen In Togo befiehl Sokoda überhaupt nicht. Der botanische (Bar­ten in Victoria Bntisch-Kamerun wirb nur eben aufrecht erhalten. In Französisch Kamerun be­stehen eigentliche T^rsuchs Pflanzungen überhaupt nicht mehr. In Ostafrika ist nach längerer Paule bat wichtige Vaborctorium Crmpapua rot eher betrieben worden unb infolge der Britischen Ostasrika-Kom mission in letzter Zeit bas bekannte corfchungu- inftitut von Amani. In Südwestafrika ist nach gro­ßen Schwierigkeiten und vielen Zufammendncctzen die Lage der Former in letzter Zeit eine bessere ge worden, wozu bic Wiederausreise zahlreicher Deut­scher wohl manches beigetragen haben mag.

Im Bergbau ist bas Bild erfreulicher. Zwar ist die Forderung von Diamanten in Sud west infolge des ichwicngen Ablatzes eine geringere, dafür ist bic Probuktion an Kupfer erheblich großer unb bic Gewinnung von Zinn scheint eine immer größere Bedeutung zu erreichen. Auch in Ostafrika sind Gold- funbe gemacht worden imb an einer Stelle in Mi-anza folche von Diamanten.

Im Derkehrswefen wirb in Ostafrika an einer Derbinbung der Zcntralbahn mit bem Subufer des Nyanza gearbeitet. Eine weitere Derbinbung von der Zentralbahn (Dodoma) nach bem Nqassa ist in Aus­sicht genommen; in Kamerun bic Weiterführung brr Bahn bis Paunde. UcberaU ist bas Tempo der Ar­beiten im Tiergleich zur deutschen Zeit ein erheblich langsameres. Ein entschiedener Fottschritt besteht allerdings in der Verbreitung der Automobile, so­wie in der Anlegung verschiedener, wenn auch pri­mitiver Straßen für Kraftfahrzeuge

Das Medizin al wesen ist die schwächste Seite Per MandatsveNvalkungen In Ostafrika, wo es den von Profesfor Koch inaugurierten Be­strebungen gelungen war, die Schlafkrankheit au wenige genau überwachte und abg schlofsene Ge­biete zurückzudrängen, hat infolge der man­gelnden Fürsorge und des unzureichenden Per- lonal« die Seuche sich fast über den vierten Teil de« Gebiets verbreitet, und erst die Ausstel­lungen des DölkerbundeS, welche die Aufwen­dungen an Personal und Geld für das Gefund- hett«Wesen ..beklagenswert niedrig" erklärten, ha­ben die Mandatsmacht bewogen, eine energischere Bekämpfung mit größeren Mitteln eintreten zu (affen Auch rp den französischen Mandatsgebie­ten bleibt die'für daS Gesundheitswesen au«ge- worsene Summe erheblich hinter den Aufwen­dungen zu deutscher Zeit zurück, und es ist des­halb eine Vermehrung der tropischen Krank- heilen zu verzeichnen. Dur in Südwest-Afrika scheint sich infolge deS günstigen Klimas der allgemeine Gesundheitszustand nicht verschlechtert

haften Tiefen längst entschwundener Jahrhunderte bilden.

Bismarck nach Konigyräh.

Schon aus BtSmarck« ..Gedanken und Er­innerungen" ist bekannt, welchen schweren Kamps der große Gestalter unsere« Deutschen Deich« nach Dem Stege von Könragrätz mit seinem König auSzufechten hatte Während Wilhelm I. die Früchte de« Sieges au-kosten wollte, sah Bis­marck nicht nur die erfahren, die der Fort­setzung des Feldzug« durch Ginmischung frem­der Mächte, durch Eholera und Thypu« drohten, sondern er wollte den Feind schonen und ihm. zum Besten einer neuen Zukunft, goldene Drucken bauen. Es war die schwerste Dacht, die Bis­marck an der Seite seine« König« erlebte. Er mußte sich Staat-verräter schelten lallen uno wollte doch genau so wie sein König Preußen« Duhm. .Der Wann." so sagte Bismarck in einem engen Freundeskreise, und au« den nachgelasse­nen Papieren der Luise von Pöllnitz wtrd seine Aeußerung im Aprilhest von Belhagen A Klasing« Monatsheften wieder gegeben:

Der Wann, der da vor mir lag. den ich ver­götterte. für den ich mich in Stücke hätte hauen kaffen, verlangte non mir wie ein Kind den Wvnd vom H.mmeli Seine Wünsche waren un­ausführbar: meine Pflicht gegen mein Daker- land gebot mir. .hm entgegenzutreten. .Majestät erwiderte ich so bleibt mir nicht« zu tun. als mein Amt al« preußischer Premier Eurer Ma­jestät wieder zu Füßen zu legen! Ich bin fortan nur noch Eurer Majestät Major in der Armee, und das erste österreichische Karre« ist mein Tod! Ich. der bte Aotwendigkrft dieses Krieges für Preußen erkannt und gegen eine Welt von Widersachern alles daran gesetzt habe, ihn mS Werk zu führen, darf besiegt nie nach Berlin zurückkehren. Die Armee ist dezimiert! ein Schritt weiter, und Frankreich greift tn bte Aktion em. Es beharr nicht einer Heeresmacht gegen uns: wenige französtlche Bataillone auf dem Schienen­wege durch Bayern uns entgegengeworfen, jagen unsere ganze disponible Kr.egsmacht über Den

"uchies -»

i'öut,w0Ji

Jeroen*

D« von btr^6

ttbl8Sl wird allkn sodlc"- |t.

HL * . T 11TU,

SS&

-s-qoW

WiEtLn soii

SS-

Der Film in der Politik.

In ben letzten Wochen unb Monaten hat ber Film in nach größerem Umfang als gewöhnlich eine Art politische Rolle gespielt. Politisch in doppeltem Sinne- einmal mit Bezug auf sich selbst, aßo aus die Filmpolitik. zum anderen aber auch mit Bezug auf bie wirkliche große Politik.

Da haben wir Konflikte um russische coroict. filme gehabt, die brfonbers ben Landerregierungen ernsteste Kopfzerbrechen machten. Dann gab c» wie­her Filme, die nach ber anberen Seile ex zedier­ten. Neuerdings hören wir. baß bic Polen einen Ober fehle Henf Ilm herausgeben wollen wett fie der Duhm de» gleichnamigen deutschen Films nicht schlaien laßt, imb weil ihnen bic politische Wir­kung einer bildlichen Darstellung des Landes, bas ihnen tcUroelle und gegen Dertragsrechte jugcfaUcn ift in deutscher Form als nachteilig für ihre eigene Politik erscheint Große Aufregung verursachten mit Recht die jufgeroarmten R rlegsf llmf , die anläßlich des Ablebens von Rudolf D a l e n t i n o in Amerika gefpielt wurden, um mit Hilfe ber Popu­larität des Verstorbenen mit alten Ladenhüter« noch einmal ein Geschäft zu machen. Nach gleichen (tzcsichtrpunkten hat man in Amerika und ander- wärt» veraltete Chaplin- und Ibancz-Filmc über die Leinwand geführt, obwohl sie mit ber heutigen politischen Konstellation in keiner Weise vereinbar imb geeignet sind, mit ihrer kriegshc^nschcn Ten- denz die Empfindungen des deutschen Volkes schwer zu verletzen. Das hat auch diplomatische Maßnahmen zur Folge gehabt, die wenigstens teilweise von Er­folg begleitet waren ,

Auf der anderen Seite hat ber Film freilich auch in jüngster Zeit seinerfeits zur politischen An­näherung beigetragen. Gerade eben liegt Die nachririit von bem bedauettichen Unfall vor. der einen deutsch-franwsilchen «emeinschaftsfilmPa­nama' betrifft. In biefem Film, ber nun von der Ufa von neuem gebrebt werden wirb, haben beuffche unb französische Künstler unter einem französischen Regisseur unb zum Teil für deutsche Rechnung ein Pariser Motiv auf ben Film zu bannen v.-rsncht. und zwar sind die Aufnahmen abwechselnd in Paris unb Nenbabelsberg hergestellt worden. Es Ht selbst- verständlich, daß eine solche Demeinfchastsarbctt nicht nur zur persönlichen Annäherung der dabei Beteiligten, sondern auch der Völker beitragt, da hier auf die beiderseitige Psyche Rücksicht ge­nommen und bem Geschmack beider Volker Rech­nung getragen werben muß. Aus diesem Gebiet, bas ia in bezug auf deutsche und amerikanische Ge­meinschaftsarbeit seit langem in Blüte steht, hat der jilm noch groß« Aufgaben vor sich unb wirb hier in bestem Sinne politisch wirken können.

Die Borbereitungen für bic große mittelrhei- gische Ausstellung in ben beiben Obergeschossen des Darmstädter Landesmuseums sind nunmehr rn vollem Gange Bei dem groß angelegten Unter- nehmen, dessen Leitung in der «and des Direktors 8 «igel der Darmstadter Kunstsammlungen liegt. Und für besten würdiges Zustandekommen bi« Mit- arbeit des früheren Direktors Geh. Bat Back. des nterrichtctfien Kenners ber mittelrheln.ichen Kunst, «ürgt. handelt es sich nicht um eine quasi wahllose willkürliche Sammlung dessen was aus dem in Befracht kommenden Gebiet gerade errafft werben kann, nicht um eine bloße müssige ^a^als o.rf- mehr darum, den Anteil der Lanbex am «utel- I rtjfa (Hesten. DHeingau. Hesten-Nasstiu Pfalstz Teile von Baden und Unterfranken usw.) an der Entwicklung der mittelallerlichen Kunst einmal klar eufcmrocifcn. Es wird sich v«lleicht zeigen, das; n den' angeführten (Gebieten nicht nur ^Außerordcnt- liches gikiffet worden ift. fonbem baff sie auch »m Wesen und in der Entwicklungssvrm des ehls innig miteinander verbunden sind. Deshalb follen m ausführlichen Entwicklungsreihen unter anderem «troa Dorgefübrt werden die Illumination der alten Handschriften, plastische Typen wie Madonnen. Kreuzigung-- und Vesperbilder, fw Goldschnnede. unb dmaiU.crfunft. die Mainzer B- dwirkere. d.e gotische Tafelmalerei von ihren frühesten Anfängen dis zum Ucbcrgang in die Renaissance^Eine ganze Reihe melberebetcr wistenschaftllcher .tragen (nur qrcifen zufällig das Rätsel des Stechers und Ma- lers heraus, ber unter dem Sammelnamen rfaus- duch meister bekannt ift) harrt noch der Beant- wörtung. hierzu beizuttagen, wurde ein besonderes verdienst der Aussicllung fein. 2hc Leitung der Ausstellung legt Nachdruck darauf, neben ber Er brinaung des Nachweises, daß es sich hier um eine orohe unb langforiwirkcnde Kultur gehandelt hat. flerä* folche w.sienfchafllichen Fragen aufs schärfftt unb greifbarste heruuszuarbeiten. Die es sich zeigt ; haben Kirchen. Museen, Archive. Bibliotheken unb Privatsammler auch für diese >ceite des Unterneh­mens. allenthalben Verständnis, mban sie ihre kost, barsten Schätze zur Derftigung stellen wollen. Es ist beabsichtigt, die Ausstellung Anfang Juni zu eröffnen.

MfabräA

II i]

BROl

ITH. WEINET I 'essen. | randplai] j T£S SCHLOSS) ] *

*

M

nfahsterbiS terAusfuhzung ippidie, !

orationen i

equeme i'yahlungjj

Hör dem Weltkriege brfanden sich alle beul- j 5 Kolonien in einem Stadium steigender Ent- I , ung. Em. lange Periode mmten Frieden« der beschleunigte Bau der Erfch.ießungs- j ihnen der in der ersten Hälfte 1914 durch- - fn-ührt war. hatten ein immer stärkere« toirt- I , Ischattltche« Aufblühen ber Gebiet« unb eine zu- «pehmenbe Bes'erung bet Lebenshaltung ber »m- , ;E*rttnen herdeig uhrt Die Erträge der euco- iffchen Pflanzungen sowie bet Land- unb Wed- rifchaft ber Eingeborenen nahmen fiändig zu, ;!jrenb c« durch einen svrgfäl.ig unterhaltenen I '.eztlichen Dienst gelungen war. bk tropischen Z ianSeiten auf ein verhältnismäßig geringe« 21 ab zu beschränken unb Epidemien ebenso wie I ltzehseuchen nahezu zu unterbrücken

Diese Arbeit brach im 'Berlauf des Krieg«» I icllftänbifl zusammen Die Zerstörungen be« zerlege« betraten vorwiegend Cüafrifa. tn qc- kingerem Maße Kamerun und Südwestairlka. lic SüMcc unb Togo fast gar nicht Dagegen I tlen alle Kolonien unter dem Mangel an Trans- tertmilteln und an den Folgen der Wcftkrisi«, I fit Anfang ber zwanziger Jahr« M,ß«m Einfluß war dabei die Hand ungsweife f<T Mandat «Mächte, bte alle Deutschen ent- ernten, aber zunächst weder bic Menschen noch <« Kapital aufbrachten, bas zur Weiterfuh- Ana der deutschen Arbeit erforderlich war Erst wt wenigen Jahren ist man daran gegangen, lirfe Fehler wieder gut zu machen. 'Skld>c (2r- olfle dabei erzielt wurden, soll nachstehend tm tiÄ einen erörtert wer dem

Die überall litten bezüglich der Berwaltung die früher deutschen Stotonien darunter. I erhebliche Teile von ihnen abgczweigt und verabredeten Teilung unter unseren früheren Gegnern entsprechend vom Hauptgebiet I abgetrennt und einer anderen Mandatsmacht I unterstellt wurden Daß dabei von alter«her bestehende, mit dem Leben und ber Wirtschaft bet Bewohner eng verbunden« Beziehungen ge­waltsam unterbrochen wurden, war II«. bst verständlich. Gs war auch notwendig, daß damit der DerwafturgSapparat ein größerer und verwickelterer wurde al« zur Zeit der deutschen :yrrfd)ah Heberall haben die Wandatare einen to?it zahlreicheren Stamm von Beamten für bic volitische Verwaltung. Polizei usw. herangezogen. F.ber im Gegensatz dazu steht ber Mangel an iachnischcm. fpezialwissenschaftlichem unb in«be- 'enbere ärztlichem Material.

Dährend e« Deutsä-land vorgcworfen wurde, I baff es bic Kolon cn militärisch zum Zwecke eine» K Angriffe« ausgcslaltet habe, besitzen jetzt alle Mandatsgebiete eine Militärmacht unter Polizei- I ausgebot, welches hinter dem zur deutschen Zett 1 brauchten, an Zahl nicht zurücksteht, sondern 1 reihen« bic Zahl der deutschen Truppen und I<-lizisten erheblich überwiegt. Dur Sud- r,-st.Afrika begnügt sich mit einer geringen Po- iicitruppe von etwa 500 Mann. Insbesonk^re I rar Frankreich bemüht, au« ben ihm zuge- ir.denen Mandatsgelicten Solbaien zu $ e en, i «eich« selbst für die Besatzungen im Dheinland unb zu den Kämpfen in Marokko verwendet tour- > «Yn Erst auf Drängen be« Völkerbundes be­quemte sich bic sranzöüsche Regierung zu der Er- Eärung. daß die Eingeborenen der Mandats- » »biete nicht zum militärischen Dienste außerhalb chre« Lande« auSgehoben werden sollen. Freilich Icheint nebenbei noch die ..sreiwillige" Wer- hung in den französischen Mandatsgebieten ftaltzufmden. die Angeworbenen werden tn die übrigen afrikanischen Truppen Frankreich« em- Afftcllt D.e Selbstverwaltung, welche zur deut- Kben Zeit den eingeborenen Stämmen vielfach «währt wurde, ist säst überall zunächst beseitigt Worden unb nur in Cfflafrila zeigen h<b fe­igen. fie, wenn auch rn bescheidenem Masze.

_ Dermittlung ber Häuptlinge wieder ein- ihren. Insbesondere in bem Belgien zugewie- n Gebiet sind die srüher mit großer Macht gestatteten Sultane, trotzdem s-.e diese Macht