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Nr. 3 Drittes Blatt Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberheflen)

Aus dem Reiche der Frau.

Mittwoch, 5. Zanuar 1927

Mode und Gesundheit.

Q3on Lisa Honroth-Loewe.

Die Mode, eigenwillig, wie eine schöne, Der- wohnte Frau, kümmert sich selten um die Zweck- Mäßigkeit. S'.e kommt dabei mit allen möglichen Dingen in Konflikt. Hausig mit dem Geldbeutel, noch häufiger mit der Gesundheit. Zwei Dinge lind es vor allem, was die Gesundheit anlangt, die uns Frauen den Modeforderungen gegenüber bedenklich machen sollteiG

Alle Arten von Aerzten. Frauenärzte, wie solche für Erkrankung der Almungs- und inneren Organe berichten über zunehmende Erkrankungen der Frauen infolge mangelhaften Schutzes gegen Wetter und Wind. Und wenn man sieht wie die Frauen den Winter gleichsam in der Kleidung zum Gommer machen, wundert man sich, daß nicht noch viel mehr Frauen Lungenentzunoungen. Nieren- und Unterleküserkranlunaen bekommen. Es wäre an der Zett, das; wir Frauen einmal darüber nachdächten, welchen Gefährdungen wir durch eine "von der Citelkelt diktierte Kleidung nicht nur uns aussehen, sondern auch, sofern wir noch Kinder haben wollen, die zukünftige Gene­ration. Denn gerade die inneren Organe bei der Frau sind gegen Erlältungen sehr empfind­lich. ebenso wie eine durch Erkältung erworbene Äierenerkranlung mit allen ihren Folgeerschei­nungen die Gebärfähigkeit der Frau für immer in Frage stellen kann. Wir sollten also doch lieber auf ein Gramm Eitelkeit verzichten und die Linie um ein Gramm stärker erscheinen lassen und dafür unsere Gesundheit schlitzen. Es ist ja nicht nötig, daß wir wie früher uns ganz in Wolle packen. EL gibt jetzt so wunderschöne Schlüpfer aus Seide mit Wolle gemischt, die man über der dünnen Kombination aus Seide oder Batist tragen kann und die wirklich auch unter einem dünneren Kleide nicht zu merken sind. Unter allen Kleidern aus Sammet. Wollstoff. Kasha lassen sich diese Schlüpfer sehr gut tragen. Freilich bei hauchdünne,i Kleidchen aus Geor- aettc, Chiffon und Spitzen ist nur eine kleine Kom­bination aus Seide oder Seidentrikot möglich. Und die reicht ja auch im geheizten Raum, im Dallsaal, wo der Körper schon genügend erwärmt wird. Ungenügend aber ist und bleibt solche Bekleidung auf dem Hin- und Rückweg. Nicht jeder ist in der glücklichen Lage, sich ein Auto leisten zu können, und auch in diesem ist die Temperatur nicht solch dünner Kleidung ent­sprechend. Um wieviel weniger, wenn man in; Winter den Weg zu Fuß oder mit einer Dahn zurücklegen muß. Seit zwei Jahren haben sich wenigstens die Ueberschuhe in niedrigen und hohen Formaten für die dünnen Seiden- und Brotatschuhe eingebürgert. Warum aber ent» schließen wir uns nicht, einen leichten Schlüpfer anzuzichen, den wir. wenn wir uns des Mantels und Der Schuhe entledigen, schnell in der Damen­garderobe oder in der Toilette abstreifen und in einem unauffälligen hübschen kleinen Seiden- beutelchen mitsamt der Garderobe abgeben? Einen solchen kleinen Seidenschlüpfer unter dem Kleide ab- und wieder anzuziehen, ist entschieden bequemer, als die schweren Ueberschuhe wieder an die Fühe zu bringen. Und mit einer kleinen Unbequemlichkeit schützen wir uns auf jeden Fall gegen allerhand unangenehme Krankheiten, die aus der mangel­haften Unterbekleidung kommen. Unseren Töchtern jedenfalls sollten wir es von Kindheit an ange­wöhnen, in dieser Hinsicht vorsichtig zu fein.

Ebenso sollten wir streng darauf Halter', dah bei Regenwetter die dünnen, ausgeschnittenen Schuhe und die seidenen Strunipfe von der Straße verscywinden. Abgesehen davon, daß solche dün­nen Schuhe abscheulich im Straßenschmutz aus­sehen. ebenso abscheulich wie die unweigerlich bespritzten Seidenstrümpfe, sind sie im höchsten Maße ungesund. Für die nasse Jahreszeit ge­hört zum mindesten als Fußbekleidung der Schuh mit der gegossenen Gummisohle. Dazu natürlich der Wollstrumps, den man ja jetzt in den apar­testen Farben und Musterungen herausbringt. Noch besser aber der gutgearbeitete hohe Stiefel. Der große Ueberschuh sollte nur als Schutz für den Abendschuh erlaubt sein, er ist in seinem mammutähnlichen Format viel unkleidsamer für

Wachstum und Leibesübungen im Hindesalter.

Don Dr. S ch w e n n. Chemnitz.

Wer sich mit der Jugend und ihrer körper­lichen Entwicklung besaßt, versteht die Sprache unserer Kinder und hört die berechtigte Forde­rung heraus, daß sie in ihrem geistigen, aber auch körperlichen Werdegang unserer intensiven Unterstützung bedürfen. Es ist erfreulich, daß hierzu die Notwendigkeit der Anwendung der Leibesübungen, auf das Ziel der Förderung ihrer Gesundheit hin. mehr und mehr anerkannt wird. Denn dem jugendlichen Organismus fällt als Sonderausgabe die gewaltige Mehrleistung zu. aus dem Kinde den fertigen Menschen hcranzu- bilden, und seine Entwicklungs- und Wachsrums­oorgänge werden dem Kindesalter so gleichsam die charakteristische Prägung aufdrücken. Deshalb ist cs unsere Pflicht, zumal im Hinblick auf eine günstigere Weiterentwicklung, ihnen ßi? rechten Berater und Helfer zu sein uni) vor allem auch Eltern und Erzieher Auftiärung über Notwendig­keit und günstigen Einfluß der Leibesübungen zu geben.

Cs ist verständlich, dah eine Mutter allgemein geneigt ist. bei der Entwicklung ihres Kindes den Maßstab des gleichaltrigen anderer Leute anzu- Icgen. Wenn nur gar der Vergleich zum Nachteil des eigenen ausfällt, dergestalt, dah es an ..Größe'' oderGewicht" zurucksteht. so trägt fie ernste Besorgnis in sich. Und doch ist oft nicht in dem Maße ein Grund dafür vorhanden, wenn wir uns die Tatsache Dcrg egen ir>ürti gen. dah zwei gleichgroße Einjährige mit fünf Jahren eine nicht unerheblich verschiedene und doch wieder mit zehn Jahren die gleicheKörverlängc auf« weisen können. Denn bei dem Wachstum des Kindes tijti immer wieder die Erscheinung in den Vordergrund, daß das gleiche Endziel von den Individuen auf mannigfachen Wegen ver­folgt wird und daß hierbei die verschiedensten Variationen Vorkommen. Daß in der Entwicklung das ...Körpergewicht" allein nicht ausschlaggebend

die Straße zum Spazierengehen als der gutge- arbettete hohe Stiefel. Der niedrige Pelzschuh, den man voriges Jahr viel sah. ist schon hübscher. Dagegen wird sich der russische Schaftstiesel, den man von London aus hierher verpflanzen möchte, seiner Extravaganz wegen kaum einbürgern. Er zeigt aber deutlich das Bestreben der Frauen­mode. das Notwendige mit dem Aparten zu ver­binden. In bezug auf die Ueberkleidung scheinen wir in diesem Jahre vernünftiger werden zu wollen. Für den Dormittag wird ausschließlich warmes Material verarbellet. Sammet. Kasha, Delours und alle möglichen Sorten Wollstoffe.

Aber es sei wiederholt auf die Wärme der Ueberkleidung kommt es erst in zweiter Linie an. Die Hauptsache für die Gesundheit bleibt die genügende Bekleidung der Deine und des Unter­leibes. Hierbei sei auch gleich darauf hingewiesen, daß die Sitte, unsere kleinen Kinder den ganzen Winter hindurch fast mit unbekleideten Deinen und Schenkeln gehen zu lassen, eine Unsitte bat* stellt, die mit wahrer Abhärtung nichts zu tun hat. Sowie öte Jahreszeit falt wird, muß das Kind den langen Strumpf anziehen, muß der Unterleib durch warme Schlupshöschen geschützt sein. Auch sollte man die gewebte Wasche an die Stelle der sommerlichen Leinenwäsche treten lassen. Gerade der Kinderkörper braucht ziemlich Diel Wärme und leidet in seinen Kräften, wenn ihm diese Wärme zu sehr entzogen wird. Ist das Kind an den Füßen. Unterleib und im Bucken genügend geschützt, so kann es am Hals ruhig frei gehen und braucht Wind. Wetter und Kälte nicht au scheuen. Die reizenden Wollanzüge. Jum­per. Pullover geben genügend Materials um die Kinder hübsch und doch zweckmäßig zu kleiden. Richtig aber ist es. im warmen Zimmer das Kind dann leichter gekleidet gehen zu lassen: besonders für die Wohnungen nut Zentralheizung ist dieser Unterschied zwischen der Bekleidung drinnen und draußen durchaus notwendig. Man muh dos Kind daran gewöhnen, sich selbst daheim die Schlüpfer, die Pullover auszuziehen. Denn es kommt ja vor allen Dingen darauf an. den Temperaturunterschied auszugleichen- Vorbedin­gung in allem, so auch hier aber ist, daß wir unseren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen.

Frau und Geselligkeit.

Don Arme-Marie M a m p e l.

Eine der reifsten Früchte verfeinerter Kultur ist Geselligkeit, die. über die engbegrenzten Interessen des Alltags hinaus, Menschen zu Gedanlenaustausch und geistiger Weiterentwick­lung. 5um Genuß von Musik, Literatur und Kunst vereinigend, im Rahmen schöner Häuslich­keit von geistvollen und liebenswürdigen Frauen gepflegt wirb.

Frühere Zeiten wußten sie zu schätzen: der historisch gewordene Salon der Madame de Ram­bouillet und mancher anderen tonangebend ge­wesenen Französin zeugt davon, und auch in Deutschland haben wir Deispiele dafür in dem klassischen Zirkel der Herzogin Anna Amalia in Weimar und dem Salon der Rahel Bornhagen in Berlin.

In unseren Tagen des ruhelosen Hastens und Jagens aber hat man den Sinn für diese Art vertiefter Geselligkeit großenteils verloren. Man glaubt, sich nur außerhalb seiner vier Wände vergnügen und anregen zu können und denkt in Ausnahmefällen da«m, die gute alte Hausgesel­ligkeit wieder aufleben zu lassen.

Wirtschaftliche und räumliche Beschränkung zwei böse Nachkriegserschcinungen leisten dem Vorschub. Wie soll man eine große Gesellschaft unterbringen und bewirten? Wo soll man das Küchen- und Hauspersonal hernehmen? Drohen­den Gespenstern gleich erscheinen Kochfrau und Lohndiener vor den Augen der Hausfrau und, sofern sie nicht eine wohlassortierte Aussteuer aus Friedcnszeiten besitzt, macht ihr auch der Ge­danke an Silber, Kristall und andere dazu nötige und oftmals nicht vorhandene Dinge Kopf­schmerzen.

Aber nein offizielle Abfütterungen großen Stils zählen nicht zu jener Geselligkeit, die wie­der auserweckt werden soll. Die andere hingegen, Die echte, nur auf geistige und menschliche Werte

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ist für ein allgemein günstiges Urteil, mag daraus verständlich fein, daß wohl infolge von Wasser oder Fettansatz eine Gewichtszunahme bei manchen Kindern zustande kommen kann, ohne doß jedoch der kindliche Körper in einem seiner Telle wächst. Umgekehrt können Depotstoffe eingsschmolzen wer­den, ein Körpertell an Gewicht ab- oder zu­nehmen ein Organ auf Kosten des anderen wach­sen, ohne daß wir hierbei über die Wachstums­vorgänge den rechten Ausschluß erhalten.

Richt auf die einzelnen Perioden bei der Kör- perenlwicklung des Kindes der sogenannten Streckung" undFüllung" näher eingehend, soll der Entwicklungsgang durch den Vergleich mit dem Bau eines Hauses deutlicher illustriert werden.

Wie sich ein Hausbau verschiedenartig durch­führen läßt, so tann auch der wachsende, kindliche Körper aus verschiedene Weise aufgebaut werden. Entweder baut man beim Hause zunächst Gerüst und Mauerwerk für das ganze Haus grob auf Grund, und wenn der Rohbau annähernd fertig ist, wird mit dem Ausbau begonnen, oder es wird nur zunächst das Erdgeschoß ausgebaut, das bann erst ausgebaut wird, bevor man mit den anderen Stockwerken beginnt. Aehnlich können wir uns das verschiedene körperliche Wachstum des jugendlichen Organismus vorstellen, bis zu seiner Vollendung. Die einen sind eben bestrebt, mög­lichst schnell den ..Aufbau" des Körpers zu voll­enden. der durch das Längenwachstum ausge­drückt wird: die anderen dagegen eilen nicht so sehr und füllen stets das neuerrichtete Fachwerk annähernd zum vollendeten Dau aus. inbem sie durch Entwicklung ber Muskulatur und Organe denAusbau" des Körpers fördern. Wir dürfen deshalb nicht so sehr diesen einzelnen Faktoren der Körpsöünge und des Körpergewichts die entscheidende DedeuLung zusprechen. sondern viel- nichr dem proportionalen, harmonischen Derhall- nid beider zueinander. Mag es mancher Mütter zur Beruhigung dienen, zu wissen, daß es eben verschiedene ..Tvpen" in der Entwicklung der Kin­der gibt: die einen, die zunächst mic großen Sprüngen vorwärtsstreben, dann aber mit klei-

bedachte, verursacht weder unnötige Auslagen noch Raum und Aufmachung. Em trauliches Wohnzimmer mit gemütlicher Plauderecke_ um Himmels willen keine harten, steijlehnigen Stühle, milde verschleiertes Licht oder vielarmigc Leuchter, ein paar Blumen tu schönem Glase, das genügt, um denäußeren Schauplatz" an­heimelnd zu gestalten. Die Bewirtung selbst ist einfach und mühelos, so daß sie weder das Budget des Gastgebers noch eines der zur Er­widerung verpflichteten Gäste belastet. Am besten reicht man, gleichviel ob es sich um die Abend­stunden oder etwa um einen Sonntag-Rachmittag handelt, Tee mit belegten Brötchen und kleinern Gebäck. Man kann aber auch, sosern ein Bei­sammensein in Betracht kommt, das sich zwang­los bis in die Rächt hinein ausdehnt. ein kaltes Büfett Herrichten, an dem sich die Gäste selbst mit Braten, Ausschnitt, Mayonnaisen und lecke­ren Kleinigkeiten bedienen. Je nach der Jahres­zeit wird man sich gern einmal zu einer Bowle oder einem Punsch versammeln, und immer wird die feinsinnige Hausfrau dafür sorgen, daß alles gefällig und geschmackvoll gereicht wird.

Darüber hinaus muh sie aber auch aus die geistige Harmonie ihrer Veranstaltung bedacht sein. Sic wird gut tun, einer allen Regel fol­gend. nie weniger als die drei Grazien und nie mehr als die neun Musen zu sich zu bitten, und sie wird, Die Wahl ihrer Gäste mit Takt und Menschenkenntnis vornehmend, nur Leute vereinen, die einander sympathisch sind _unD ge­meinsame Interessen haben oder sich glücklich zu ergänzen vermögen. Sie wird die Konversation geschickt leiten. Die selten gewordene Kunst des teilnehmenden Zuhörers üben, durch musikalische Vortrüge aber nie von Stümpern, Rezi­tationen oder Diskussionen über ein bestimmtes Thema Abwechselung schaffen und vor allem dar­auf achten, daß Engherzigkeit und kleinlich- menschliche Schwächen ihrem Kreise fern bleiben.

Und wenn fie all dies bedenkt und ausführt, wird sie, ehe sie sich dessen versieht, ihren Salon" haben und in ihm einen Teil jener köstlichen alten Geselligkeit, an der es uns heute so bitter mangelt.

Litern und verheiratete Hinter in einer Wohnung.

Durch die große Wohnungsnot sind vielfach die Kinder, wollen fie nicht bis ins Endlose warten mit der Heirat, gezwungen, .n die Woh­nung der Eltern mit hineinzuziehen, wenn diese den nötigen Mehrraum hat. ©in oder zwei Zim­mer werden dem jungen Paar eingeräumt, und die Küche ist dann zu gemeinschaftlicher Be­nutzung da.

Wenn diese Lösung der persönlichen Woh­nungsfrage auch wohl nur da möglich ist. wo ein freundliches Verhältnis herrscht, so' birgt dieses Cemcinfar e doch eine Fülle von Streit- und Der« ftimmunasstofs. so daß von beiden Seiten mit großem Takt vorgegangen werden muß.

Die Mutter mit der größeren Lebenserfah­rung muß dafür sorgen, daß Die junge Hausfrau auch wirklich frei schalten kann, damit die jungen Leute nicht das Gefühl des Beaufsicytigtseins haben.

In erster Linie vermeide man gemeinsame Wirtschaft. Stellt es sich heraus, daß die gemein­same Kocherei nicht so ideal ist. wie man es sich gedacht hat. so ist eine spätere Trennung doch nicht ohne Verstimmung möglich.

Dann ist es natürlich von den alteren Leuten zu viel verlangt, daß sie sich nach den Wünschen der jungen richten und doch muß man dem jungen Hausherrn auch zugestehen, daß er. wenn er heiratet, seine eigenen Wünsche erfüllt bekommt.

Eine große Gefahr liegt auch für die unbe­schäftigte lange Hausfrau in der zu geringen Arbeit. Denn in einem neuen Haushalt gibt es noch nicht die vielen Flickereien wie im älteren. So fehlt die Beschäftigung. und ein Unbefriedigt- fein der jungen Frau drängt sie zu dem Wunsch nach Zerstreuung. Sie wird an den Mann, der müde aus dem Beruf kommt, viel zu große An­sprüche stellen, um von der Langeweile befreit zu werden, und es dauert nicht lange, so ist der

IIi Bll II II IMIIiriHIBIIIMI ! IIIIII1111WI1TM IMMU3 neren Schritten, oder umgekehrt, und dah hier­bei ein gewisser Spielraum gegeben ist und beide doch das gleich günstige Endziel erreichen können.

Beschäftigten wir uns bisher vornehmlich mit dem lörperlichen Werdegang des Kleinkindes, dessen erste Streckungsperiode etwa ins fünfte bis siebente Lebensjahr fällt, so wollen wir uns jetzt mdjr der Entwicklung der Kknder im zweiten Jahrzehnt zuwenden. Wir finden hierbei oft einen gewißen Unterschied -wischen den sozial besser gestellten Kindern im Gegensatz zu denen ärmerer Volksschichten, insofern, atS die ersten wohl wäh­rend einiger Jahre an Äörperlänge die letzteren überragen, aber nicht ein entsprechend hohes Körpergewicht haben. Wenn aber die Länge und Maße des Skeletts zunehmen, ohne daß das Gesamtgewicht des Körpers gleichzeitig ent­sprechend steigt, so kommt es zu einem dispropor­tionalen Verhältnis zwischen beiden, und wir haben unserehochgeschossenen Stadtkinder" vor uns. die entweder wohlgehütet oder unter un­günstigen schädigenden Lebensbedingungen auf» wachsen und die Sorge der Eltern ausmachen. Zu­mal in der Periode derEntwicklungsjahre" treten sie uns mager, mit auffällig langen Beinen, verhältnismäßig kurzem Oberkörper und flachem Brustkorb entgegen und legen uns so das Zeug­nis ab. dah sich das Verhältnis der Masse des Skeletts zur Masse des übrigen Körpers und der Muskulatur ungünstig verschoben hat. Diese Ent­wicklung bedingt eineschlaffe Haltung", und wir bezeichnen Üe alsmuskelschwache" Kinder.

Im Gegensatz hierzu finden wir auf dem Lande im allgemeinen meist kräftige, stämmige Kinder. Mehr als die ersteren sind fie der wachs­tumsfördernden Wirkung Der frischen Luft und Sonne, die zumal im Frühling mitzusprechen scheint, ausgcftht. anderseits wird durch die ganz arideren Lebensbedingungen meist ein gewisses Maß körperlicher Arbeit gerade in den Cntwick- lungsjahren von diesen verlangt. Durch den Reiz der körperlichen Betätigung werben nicht nur bve Muskeln zu kräftigerem Wachstum angeregt, sondern* es wird auch auf die Entwicklung ber Körperlänoe. zumal in der Streckungsperiode.

erste Streit da. Ja. eS wird sehr schnell eine un- verstandene, unglückliche Frau aus ihr. und die Schuld trägt nur die zu geringe Beschäftigung

Ein weiterer Punkt ist die Geldfrage. Die Einnahmen des älteren und dos jungen PaareS sind wohl fast nirgends so gleich, daß die Haus­frauen eine gleiche Summe zum Wirtschaften zur Verfügung haben. DaS wird natürlich in ganz kurzer Zeit zu Streitigkeiten zwischen den Ehe­leuten führen, wenn nicht von beiden Seiten das Prinzip beachtet wird, daß jeder tun und lassen kann, was er will. Hier ist jede Einmischung der alteren Hausfrau ein verhängnisvoller Fehler.

Aber auch die junge Hausfrau möge sich dar­über klar sein, daß sie die größte Rücksicht zu nehmen hat. Ihr sollte es selbstverständlich sein, daß sie eher eine Arbeit der Mutter abnimmt, als durch Unordnung ihr etwa Mehrarbeit auf* zubürüen.

Bis jetzt ist nur von der Gemeinsamkeit in der Küche und Wirtschaft die Rede gewesen. Roch wichtiger ist es aber, daß nie ein Wort fällt über die Art. wie sich die jungen Leute ihre Zeit und ihr Leben einteilen. Ob sie nach der Meinung der Eltern zuviel ausgehen, ob sie zu spät heimkommen, ob der Mann einmal allein ausgeht, alles ist und muß Privatsache der jungen Menschen bleiben.

Wenn sie allein wohnten, wüßten die Eltern auch nichts davon, und so steht den Eltern auch nur da ein Einspruchsrecht zu, wenn fie durch Lärm und Rücksichtslosigkeit der Jungen gestört werden. Auch in den Verkehr der Jungen dürfen fie sich ohne Aussorderung nicht mischen, denn junge Menschen wollen auch mal unter sich sein ohne die Eltern dabei zu haben. R.

Zehn Gebote für Damen beim Ztrchenbahnfahren.

1. Suche nach dem Cinsteigen in die Straßen­bahn alsbald dein Fahrgeld für den Schaff­ner zusammen, und unterhalte dich erst nachher weiter mit deiner Freundin.

2. Bedenke, daß es die anderen Fahrgäste ner­vös machen muß, wenn der Schassner eine ganze Weile mit dem Fahrschein in bei Hand vor dir steht, während Du langsam erst den Handschuh ausziehst, die Hand­tasche öffnest, aus der Handtasche das Geld» täschchen herausholst, die Handtasche zu- machst, das Geldtäschchen öffnest, das Geld herausnimmst und es schließlich dem Schaff­ner reichst.

3. Stelle dich nicht schon fünf Minuten vor deiner Hallestelle, an der du audft eigen möchtest, an die Ausgangstüve oder auf das Trittbrett.

4. Laß dein kleines Söhnchen oder Brüder dien, das du bei dir hast, nicht auf den Sitz knien und seine schmutzigen Schube an der Kleidung der Mitfahrenben abwischen.

5. Nimm beim Cinsteigen in die Straßenbahn nicht zu lange und zu zärtlich Abschied von Deiner Begleiterin. Die Straßenbahn kann nicht warten, bis du damit fertig bist. Auch wirst du deine Begleiterin sicher in nicht all* zulanger Zeit Wiedersehen. Eine Straßen* bahnfahrt ist ja keine Orientreife.

6. Freue dich, wenn dir jemand im über­füllten Wagen feinen Sitzplatz anbietet: aber vergiß auch du nicht, wenn du jung bist, älteren Frauen Deinen Sitz einzuräumen.

7. Führe Unterhaltungen im Straßenbahn­wagen nicht genau so laut, wie zu Hause in Deiner Wohnung. Es ist durchaus nicht nötig, daß sämtliche Wageninsassen Horen, wie dein neues Kostüm aussehen wird oder warum deine Tante kein rohes Obst vertra­gen kann.

8. Belege den freien Platz neben Dir nicht mit mitgebrachten Paket .. Hast du es aber doch getan, dann mache 'ein pikiertes Gesicht, toenn sich jemand auf diesen Platz setzen will und du deine uete infolgedessen wie­der wegnehmen mußt.

9. Du sollst nicht allzustark nach Parfüm duften, und wenn es ncch so köstlich und teuer wäre; auf daß b-t nicht kränkest die Rase

ein nicht zu unterstützender Einfluß ausgeübt. In ber Wirkung zweckmäßiger häufiger kör­perlicher Arbeit, in der natürlich auch Maß ge­halten werden nn j, ist eine wichtige Ursache für ein langsameres Längenwachstum zu sehen. Das Wachstum der Muskulatur und das des Skeletts können unter dem Einsluh maßvoller Muskel* arbeit möglichst gleichen Schritt hallen. Die syste­matische Arbeitsleistung und die kräftige Entwick­lung Der Muskulatur haben einen gewissen wachs­tumshemmenden Eins mH aus das zur Länge em» porstrebende Skelett ausgeübt und zwingen da­durch zu seiner Breitenentwicklung, im Gegensatz zu Dem einseitig beschleunigten Längenwachstum gewisser StaDtkinder. Diese Erlenntnis muh uns bei Der Beurteilung der Kinder im Schulalter zu dem Schluß drängen, Den Hauptwerk auf Die gleichmäßigen Wachstumsproportionen zu legen

Auf diese Beobachtungen und Untersuchungen gestützt, sei es unser Bestreben, unsere Jugend in ihrem Entwicklungsgänge zweckmäßig durch die Leibesübungen zu unterstützen. Und zwar auf das Ziel hin, daß der Aufbau ihres Körpers möglichst gleichmäßig und langsam erfolgt. Wenn sich z. D. der Kampf um dietägliche Turnstunde" abspielt. so wird sich unsere Erwartung, dah ein weiterer Ausbau der Leibesübungen auch für unsere Schulkinder durchgeführt wird, hoffentlich erfüllen. Daß man allgemein mit Eifer der Klä­rung Der Fragen, die zur Förderung der Ge­sundheit unserer Kinder, von großer Bedeutung sind, zustrebt. ist zu begrüßen. Wir Aerzte müssen jedoch mit aller Enlschiedenheft betonen, daß unsere Vorschläge und Maßnahmen durch Tat­sachen bereits ihre Erhärtung gefunden hoben und daß untere Arbeit im Interesse der Jugend vor­nehmlich auf vorbeugende Maßnahmen eingestellt ist. Deshalb wird man uns verftändlicherweise im Lager derjenigen finden, welche Turnen, Spiel und Sport auch in den Schulen befürworten. Wenn wir zur rechten Zeit. d. h. bei der Jua'nd und im umfangreichen Maße, d. h. auch die Masse erfassend. den Hebel anfetzen, so bekämpfen wir durch die Leibesübungen unsere Vollscraniheit. Die Tuberkulose und die englische Krankheit.