Nr. 2 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 4. Januar 1927
1926 int Spiegel der Politik.
Januar: 3.: General Pangalos verkündet in Griechenland die Diktatur. — 4.: Verzicht des rumänischen Kronprinzen Carol auf die Thron« fvlae. — 5.: General Fenyuhsiang verläßt Ehrna. — 13.: Simvnaitis zum Präsidenten des Direktoriums im Memelgebiet ernannt. — 16.: Graf O"Route. Bischot von Danzig. — 19.: Das Kabinett Luther in seinem Amt neu bestätigt: die Franzosen beschießen Damaskus. — 31.: Räumung der ersten Zone des besetzten Rhein- landeS.
'Februar 1.: Vertagung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz. — 16.: Zulas ung des von So ialdeu o!ra en und Kommun.sten beantragten Volksbegehrens auf Einbringung eines Gesches über die Fürstenabfindung. — 22.: Erlast einer Verordnung gegen die militärische Betätigung privater Organisationen.
März: 2. Annahme der Locarnv-Dertrage in der französischen Kammer und im polnischen Sejm. — 3. Schlacht vor Tientsin. 5.: Rücktritt des Vorsitzenden der Regierungskommission Rault im Saargebiei, der Kanadier Stephens übernimmt den Dors y: der Holländer van Hamel VölkerbundSkommiffar für Danzig. — 6.: Das französische Kabinett Vriand gestürzt. — 9.: Schwere Kämpfe in Syrien. — 11.: Die Auf- nahmelommission des Völkerbundes beschließt die Annahme des Berichts über die Aufnahme Deutschlands. — 16. Die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund ist bis zum September vertagt. — 17.: Rücktritt des tschechischen Kabinetts Swehla. — 19.: Londoner Arbeitszeitabkommen zwischen Deutschland, England, Frankreich und Italien. — 30.: Deutschbrasilianischer Briefwechsel über die Zusammensetzung des Völkcrbunds- ratS: Rücktritt des rumänischen Kabinetts Bra- tianu, General Averescu bildet die neue Regierung. —
April 8.: Rücktritt des serbischen Kabinetts Pasitsch, llsunowitsch bildet die neue Regierung. — 9.: M litaraufstond in Saloniki wird von General Pangelos unterdrückt: religiöse lln- ruhen in Indien. — 11.: Rußland lehnt die Teilnahme an der Abrüstungskonferenz in Gent ab. — 12. Musiolinis Besuch in Tripolis: die griechischen Präsidentenwahlen ergeben eine starke Mehrheit für Pangalos. — 24.: Der deutsch- russische Vertrag unterzeichnet. — 26.: Die Franzosen besehen Sueida. — 28.: Die hessischen Parteien der Rechten beschließen die Durchführung eines Volksbegehrens auf Landtagsauflösung.
Mai 3.: Beginn des Generalstreiks der Kohlenbergarbeiter in England. — 5.: Rücktritt des polnischen Kabinetts Skrzynski. — 6.: Abd el Krim lehnt die französisch-spanischen Friedensbedingungen ab. — 7.: Lustverkehrsabkommen zwischen Deutschland und der Botschafterlonserenz: Deutsch-spanischer Handelsvertrag. — 11. Haussuchungen der preußischen Polizei bei Führern rechtsradikaler Verbände. — 12. Rücktritt des Kabinetts Luther aus Anlaß der Flaggenverordnung: Mili.äraufstand des Marschall Pilsudski in Polen: der amerikanische Flieoerleutnant Byrd unß Amundsen mit dem Luftschiff Rorge überfliegen den Rordpol. — 14.; Straßenlämpse in Warschau, Pilsudski erstürmt das Belvedere. — 16.: Das polnische Kabinett Barthel. — 17.: Der Reichspräsident ernennt Dr. Warf zum Reichskanzler. — 19.: Französische Offensive in Marokko. 21.: Unterzeichnung deS deutsch-österreichischen Handelsvertrages. —' 22.: Deutsch-französisches Lustabkommcn. — 25.: Ta gift, das Hauptauartier Abd el KrimS, wird von den Franzosen besetzt. — 26. Abd el Krim ergibt sich den Franzosen. — 31.; Pilsudski lehnt die Wahl zum polnischen Staatspräsidenten ab; Professor Mo- scicki Staatspräsident.
3uni 1.: Aufhebung der Militärkontrollkommissionen in Königsberg und München. — 2. Deutsch-däi.ischer Schiedsgerichtsvertrag. — 6.: Englisch-türkischer Vertrag über Mossul. — 11.: Zaglul Pascha, ägyptischer Kammerpräsident; Brasilien scheidet aus dem Völkerbund aus; Strafverfahren gegen die elsaß-lothringischen Au- tvnomisten. — 14.: Die kleine Entente zwischen Rumänien, Iugvslavien und der Tschechoslowakei auf drei Jahre verlängert. — 15.: Rücktritt des französischen Kabinetts. — 21.: Ablehnung des Volksentscheids über die Fürstenenteignung; Eucharistischer Kongreß in Chicago. — 23.: Ein neues Kabinett Briand mit Caillaux als Finanz- Minister. — 25.: Revolutionäre Bewegung in Spanien niedergeschlagen; Verhaftung des Feldschalls Weyier: der panamerikanische Kongreß schlägt die Bildung eines amerikanischen Völkerbundes vor; Zalesll polnischer Außenminister. — 27.; Italienisch-jugoslawischer Vertrag; Sultan Attrasch unterwirft sich den Franzosen; Deutsch- lettischer Handelsvertrag. — 29.: Rücktritt des kanadischen Kabinetts King; der Konservative Meighen bildet die neue Regierung.
Äuli: 5. Aufstand in Persien. — 8. Gemeinsamer Kampf der Marschälle Tschang-tso-lin und Du-pei-fu gegen die Rationalarmee von Kanton. — 10. Brasilien zieht seine Völkerbundsdelegation zurück — 11. Französisch-spanisches Marokko- abkommen, Abd el Krim wird nach Reunion verbannt. — 12. Französisch-englisches Schuldenabkommen. — 13.: Aufstand persischer Truppen in Ehorassan. — 16. Dr. Bell zum Reichsjustizminister ernannt — Ausnahmegcsehgebung in Dvüs el zur Durchführung der Finanzreform. — 17. Sturz des Kabinetts Briand-Caillaux. — 19. Das Kabinett Herriot in Frankreich. — 21. Sturz des Kabinetts Herriot. — Ministerialdirektor Pünder zum Staatssekretär der Reichskanzlei ernannt — Riederwerfung des Aufstands in Persien. — 23. Poincarö bildet das neue Kabinett — 27. Reues Bombardement in Damaskus. — Abessiniens Protest gegen das englisch-italienische Abkommen. — 29. Poincares Finanzprogramm im Kammerausschust angenommen.
August: 1. Inkrafttreten der neuen Kir- chengesehe in Mexiko, das päpstliche Interdikt.— 5. Das deutsch-französische Handelsprovisorium unterzeichnet — 7. Deutch-iapanisches Farbstoffabkommen. — Spanisch-italienischer Reutralitä.s- vertrag. — 10. Französisch-rumänischer Freund- fchaftsvertrag. — Schließung der ausländischen Handelskammern in der Türkei. — Ablehnung des Bermittlungsvorschlages der englischen Bischöfe im Bergarbeiterstreik. — 13. Kontinentaler Eisentrust zwischen Belgien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg. — 15. Primo de Rivera fordert die Einbeziehung Tangers in die spanische .Protektoratszone. — 16. Spanien beantragt beim Völkerbund die Einberufung der Studienkom- prifsion für die Ratsfrage. —' 17. Griechisch-jugoslawischer Vertrag über Saloniki. — Frankreich
protestiert gegen die etwaige Rückgabe von Eupen und Malmcdy an Deutschland. — 19. Revolution in Ricaragua. — 22. Sturz des griechischen Dik- tators Pangalos durch Kondyl s. — 2k Spanien fordert Tanger für den Verzicht auf einen ständigen Ratsslh. — Malos und Ruth Fischer aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen. — 25. Kongreß der nationalen Minderheiten. — Ricaragua protestiert beim Völkerbund gegen die klnterstühung der Revolution durch Mexiko. — 26. Die Mächte protestieren gegen die Auflegung einer inneren Anleihe in China. — Militärrevolte in Spanien. — 27. Landung amerikanischer Truppen in Ricaragua. — 30. Zweite Tagung der Studicnlommis.ion für die Ratsfrage in Genf. — 31. Bildung einer Heimatschutztruppe im Elsaß. — Einigung über die halbstündigen Ratssihe in Genf, Ablehnung eines ständigen Sitzes für Spanien.
September: 1. Luftsahrtkontrollkommission in Berlin abberufen. — China empfiehlt die Abberufung des russischen Botschafters Karachan. — 2. Tagung des Völkerbundsrats in Gent. — 4. Deutschland ein ständiger Ratssitz zugebilligt. — Abessinien zieht seinen Protest gegen das englisch-italienische Abkommen zurück. — 8. Amerika erklärt den mexikanischen Kirchenstreit für eine innere Angelegenheit Mexikos. — Beschießung von Wanhsin am Iangtsekiang durch britische Kreuzer. — Die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund beschlossen. — Bestechungsprozeß gegen den früheren amerikanischen Gencralstaatsanwalt Daugh- terth. — 10. Die deutsche Delegation nimmt in der Völkerbundsversammlung Platz. — 11. Mißglücktes Attentat auf Mussolini in Rom. — 12. Französischer Protest in Rom gegen fran- zosenscindliche Kundgebungen. — 14. Wahlsieg der Liberalen in Kanada. — 15. Annahme deS neuen Reglements für den Völkerbundsrat. — 16. Reuwahlcn zum Völkerbundsrat. — Italienisch- rumänischer Freundschaftsvcrtrag. — 17. Aussprache zwischen Briand und Stresemann in Thoiry. — 18. Jugoslawisch-polnischer Freund- schaflsvertrag. — Spanien gibt seine Tanger- ansprüche auf. — Schwere Orkanschäden in Süd- Florida, die Stadt Miami zerstört, 500 Tote. — 22. Der Landcsabstimmungsausschuh in Hessen stellt 61 999 gültige Unterschriften zum Volksbegehren fest. — 24. China protestiert in Genf gegen die Beschießung von Wanhsin durch britische Kreuzer. — Rücktritt des kanadischen Kabinetts Meighen, — Mackensie King bildet eine liberale Regierung. — 25. Rücktritt des polnischen Kabinetts Barthel, Pilsudski bildet eine neue Regierung. — 23. Russisch-litauischer Freund- schaftsver'rag. — 30. Begegnung zwischen Mussolini und Chamberlain in Livorno. — Abschluß des kontinentalen Eisenkartclls. — Türkisch-chinesischer Freundschaftsvertrag.
Oktober 3.: Erster Paneuropakongreh in Wien. — 6.: Rücktritt des preußischen Innenministers Severing. der bisherige Berliner Polizeipräsident Grzesinski wird sein Rachfolger; Rücktritt des Generalobersten von Seeckt, General Heye zu seinem Rachfolger ernannt; Der- gleichsabkommen zwischen Preußen und dem Hause Hohenzollern. — 9.: Deutsch-englische Wlrt- schaftsbesprechung in London. — 12.: Rücktritt des tschechischen Kabinetts Cerny, zwei deutsche Minister treten in das Kabinett Swehla ein. — 15.: Annahme des Vergleichs mit den Hohenzollern im preußischen Landtag; Verhaftung von Anhängern Cornelius Petersens in Rordschles- wig durch die dänische Polizei; Rücktritt des österreichischen Kabinetts Ramek, Prälat Seipel bildet die neue Regierung. — 16.: Sinowjew und Trotzki Führer der Opposition innerhalb der Kommunistischen Partei Rußlands. — 18.: Besuch der Königin Maria von Rumänien in Amerika. — 19.: Eröffnung der britischen Reichskonferenz; Veröffentlichung des Weltwirtschaftsmanisestes; Dr.-Ing. h. c. Dorpmüller zum Generaldirektor der Reichsbahn ernannt. — 23.: Der Reichsbankpräsident nimmt gegen die zunehmende Auslandsverschuldung Stellung; polnische Protestnote gegen den russisch-litauischen Vertrag; das kommunistische Zentralkomitee erteilt den Anhängern der Opposition einen Verweis. — 25.: Stabilisierung der belgischen Währung; schwere üleberschwcmmungsschäden in Florida und Kuba. — 30.: Botschaftsrat Dufour-Feronce zum deutschen Llntergeneralsekretär im Völkerbund ernannt. — 31.: Mißglücktes Attentat auf Mussolini in Bologna, scharfe Angriffe der italienischen Presse auf Frankreich.
Rovember 2.: Konferenz der Landes- finmizminister über die provisorische Regelung des Finanzausgleichs; amerikanische Kongreß- Wahlen: Sieg der Demokraten im Senat; — 4.: Der Pressechef der Reichsregierung Dr. Kiep tritt zurück, Geheimrat Zechlin zum Reichspressechef ernannt; Aufdeckung einer katalanischen Verschwörung an der französisch-spanischen Grenze. — 5.: Die italienischen Minister Federzoni und di Scalega treten zurück, Mussolini übernimmt das Innen- und Kolonialministerium. — 6.: Mißtrauensvotum des Memelländischen Landtages gegen den Landespräsident Simonaitis. — 8.: Riederlage der Reichsregierung im Reichstag in der Frage der Erwerbslosensürsorge; Auflösung des dänischen Folketings; zahlreiche Verhaftungen von katalanischen Separatisten in den Pyrenäen; amerikanisch-mexikanischer Rotenwechsel in der Frage der Land- und Petroleumgesetzgebung; republikanischer Wahlsieg in Griechenland; die belgische Regierung beschließt ihre Verordnungen für Eupen-Malmedy in deutscher Sprache heraus- zugeben. — 9.: Einführung der Todesstrafe in Italien. — 10.: Die Kantontruppen besetzen Hukau, die Provinz Kiansi in ihrem Besitz. — 12.: Einigung der Parteien über die Krisenfürsorge; Annahme des niederländisch-belgischen Scheldevertrags in der niederländischen Zweiten Kammer. — 13.: Die Botschasterkonferenz erklärt die Frage des Oberkommandos der Reichswehr als geregelt; türkisch-russische Konferenz in Odessa; kommunistischer Aufstand in Riederländisch-Jn- dien. — 15.: Rücktritt des belgischen Ministers Francqui, des Schöpfers der neuen belgischen Währung. — 16.: Auslösung der ungarischen Rationalversammlung. — 18.: Deutscher Wahlsieg bei den Gemeindewahlen in Ostob erschienen; der kommunistische Ausstand auf Iava niedergeschlagen; Amerika interveniert gegen die Revolutionäre in Ricaragua. — 19.: Vorbereitende Kommission der internationalen Wirtschastskonferenz in Genf; Ablehnung der Friedensvorschläge des englischen Kabinetts durch die Bergarbeiter. — 20.: Die Ausnahmegesehgebung im italienischen Senat angenommen. — 22.: Aufstand in Albanien. — 23.: Wiederherstellung der Wümarer Koalition in Baden, Dr. Köhler zum Staats
präsidenten gewählt. — 24.: Scharfer amerikanischer Protest gegen die mexikanische Pctrolcum- geseygebung. — 25.: Landesdirettor Falk zum Präsidenten des Direktoriums im Memclgebiet ernannt. — 26.: Annahme des Ermächtigungsgesetzes in Danzig. — 27.: Italienisch-albanischer Sicherheitsvertrag, scharfe Kritik in Iugoslavien. 30.: Wiederaufnahme der Arbeit im englischen Kohlenbergbau.
Dezember 1.: Chile nimmt die neuen amerikanischen Dermittlungsvorschläge in dem Streit um Tacna-Arica an; d e strittigen Gebietsteile sollen gegen eine Entschädigung Bolivien zugeteilt werden, Arica wird Freihafen. 2.: Rücktritt des memclländischen Präsidenten Falk; Tschangtsolin Oberkommandierender der nord- chinesischen Streitkräfte; Zusammenbruch des albanischen Aufstandes. 3.: Annahme des Schund- litcraturgesetzes im Reichstag; Wahlniederlage des dänischen Ministeriums Stauning. 4.: Deutschenglische Industriebesprechungen. 6.: Der Bolls- entscheid in Hessen ergibt keine Mehrheit für eine Auflösung des Landtags. 7.: Rücktritt des jugoslawischen Kabinetts Usunowitsch. 8.: Kanton ersucht die Mächte um Anerkennung. 10.: Iugo- slawischer Protest gegen Öen ital enisch-albanischen Vertrag; Wahlsieg der ungarischen Regierung; Anschluß Oesterreichs. Ungarns und der Tschechoslowakei an die internationale Rohstahlgesellschaft; die Sozialdemokraten fordern Klärung der innerpolitischen Lage. 11.: Der Friedensnobelpreis für Briand, Stresemann und General Dawes; Verhandlungen in Genf über die Militärkontrolle und das Investigationsprotokoll; die Zurückziehung der Militärkontrollkommission für den 31. Ianuar 1927 beschlossen. 12.: Der amerikanische Haushaltsausschuß billigt die Freigabe
deS deutschen Eigentums, England verhandelt mit Kanton über die Anerkennung der nat.onalen Regierung. 13.: Das ArbeilSgcrichrsgeletz im Reichs.ag angenommen; die französ.scheu Truppen verbleiben weiter im Saargebiet. 14.: Rückkehr StrescmannS von Genf; Verhandlungen der Parteien über eine RegierungSerweitcrung; das Kabinett Madsen-Mygdai In Dänemark. 15.: Die Sozialdemokraten fordern Rücktritt der Reichsregierung; Protektoratsvertrag Amerikas mit Panama; Rückkehr der deutschen Gran-Chaco- Expedition; Schulstreik in Westfalen. 16.: Inner- politische Debatte im Reichstag: Scheidemanns ^Enthüllungen". 17.: Sturz der Reichsregierung; Deutschenversolgung in Ostoberschlesien; Umsturz in Litauen: Smetoma zum Staatspräs dcnten gewählt. 19.: Vertagung der Kabinettsbildung ,m Reich bis zum Ianuar; Annahme der Gesetzes- Vorlage über die Rückgabe des beschlagnahmten Eigentums im amerikanischen Repräsentantenhaus; Prozeß Rouzier in Landau (Germersheimer Bluttaten). 20.; Englandfeindliche Propaganda in Hankau; Beendigung des westfälischen Schulstreiks. 21.: Das Schandurteil von Landau: der Angeklagte Rouzier freigesprochen, sechs Deutsche zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt. 22.: Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther von seiner Südamerikareise zurückgekchrt. 25.: Die Verurteilten von Landau begnadigt. 27.: Der preußische Landtagsvizcpräs.dcnt Garnich gestorben. 28.: Schwere Riederlage der konservativen Regierung von Ricaragua, Amerika schafft eine neutrale Zone; englisches China-Memorandum an die Mächte. 29.: Der deutsch-italienische Schiedsvertrag unterzeichnet; Ausweisung deutscher Redakteure aus Memel.
Turnen, Sport und Spiel.
Um die Kreismeister"chaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Gießen I.—D.f.L. 1913 Bornheim I 2:6 (1:4).
£ Das letzte Spiel um die Kreismeisterschaft des 9. Kreises, das für tiefe Spielserie in Gießen zum Aus trag kam, darf wohl als das bedeutungsvollste angesprochen werden. In der Bornheimer Mannschaft hatte Gießen einen Gegner, der über alle Erfordernisse eines zukünftigen Kreismeisters verfügt, und nach dem Schlußpfiff des Schiedsrichters den denkbar besten Eindruck hinterließ. Alles das, .was in der Vorschau über die Mannschaft gesagt wurde,bewahrheitete sich. Vorbildliche Ruhe, unbedingte Disziplin und hohes spielerisches Können aller Mannschaststeile machten das Spiel für die außerordentlich zahlreichen Zuschauer zu einem sportlichen Genuß. Für den Geist, der in der Mannschaft steckt, nur einen Beweis: Rechtsaußen lieh für einen Moment die notwendige Aufmerksamkeit außer acht. Sofort erfolgte vom Mannschaftsführer in ruhigster Weise eine Zurechtweisung, die ohne jegliche Gegenrede hingenommen wurde. Mannschaften, in denen eine derartige Disziplin zu halten möglich ist, müssen unbedingt zu Erfolgen kommen, der Beweis hierfür wurde am Sonntag glänzend erbracht. Die Gießener Mannschaft wurde an dieser Stelle schon mehrfach gewürdigt. Im Spiel am Sonntag kämpfte die Mannschaft einen heroischen Kampf, um möglichst wenig schmerzvoll dem sicheren Verhängnis zu entgehen. Der Mittelläufer, sonst die Seele der Mannschaft, zeigte sich zumeist von einer etwas merkwürdigen Seite. Der Sturm ist nach wie vor das Schmerzenskind, beice Außenstürmer schwache Stellen, das Innentrio zwar gute Drippler, aber schlechte Torschützen. Im großen und ganzen befriedigte die Gießener Mannschaft jedoch durch ihr sehr eifriges Spiel, die Schwächen traten nur deshalb deutlicher hervor, weil der Gegner ein ganz raffiniertes technisches Spiel vorführte. Mit geradezu verblüffender Selbstverständlichkeit stand immer dort, wo der Ball binfam, ein Wann, ballstoppen und kurz toeiter- passen war das Werk eines Augenblicks. Und stets stand auf dem freien Raum ein Bornheimer, der sich dann wunderbar dem Ganzen anpaßte. Wenn das Resultat nicht höher wurde, so war dies ein Hauptverdienst der Gießener Hintermannschaft, die mit sehr viel Glück und Geschick arbeitete. Auf der anderen Seite ließ der Sturm Gießens eine Reihe günstiger Torgelegenheiten nicht ausreifen, die Spieler tarnen immer einen Moment zu spät vom Ball los. Aber was die Hauptsache war: das ganze Spiel wurde ohne Schärfe durchgesührt, es war sehr flott und lebhaft, und ebenso fair.
Der Anstoß Bornheims gelangte sofort bis vor das Gießener Tor, wo der Tormann rettete. Sehr schnell zeigte sich ein etechnilche Ueöerlegen- heit Bornheims, die sich in einer Reihe gefährlicher Angriffe ausdrückte. In der 7. Minute hielt ein Verteidiger einen Schuß aus kurzer Entfernung auf dec Torraumlinie stehend mit den Händen, der dafür gegebene Elfmeter wurde von Bornheim unhaltbar zum Führungstor verwandelt. Gießen konnte nun das Spiel offenhalten, aber die zu stark an der Verteidigung klebende Läuferreihe unterstützte ihren Sturm zu wenig. Trotzdem erzwang Gießen unmittelbar hintereinander drei Ecken. Eine schwache Abwehr des Gießener Tormanns verwandelte ein blitzschnell nachsetzender Bornheimer zum zweiten Tor. In rasendem Tempo ginge weiter. Bereits eine Minute später schoß der Gießener Mittelstürmer ein sehr schönes Tor. Bornheim zeigte nunmehr ein energischeres Spiel, um den Vorsprung zu vergrößern, mit dem Erfolg, daß nach weiteren fünf Minuten Nummer 3 im Netz klirrte, Gießens Mittelläufer und Mittelstürmer tauschten nunmehr die Plätze, dies rettete die Situation aber auch nicht, denn in der 34. Minute schoß Bornheim sein viertes Tor. Bis zur Pause kam Gießen kaum noch über die Mittellinie hinaus. Die drei Schlußleute Gießens zeigten bei ihrer Abwehr recht gute Leistungen. Nach dem Seitenwechsel erschien Gießen wieder in alter Ausstellung und mußte in der Hauptsache auf Abwehr spielen. Bornheim zeigte sich in Hochform und hierbei gerade zu blendender Kombina- tionsarbeit. Nach 1.5 Minuten wurde das Resultat auf 5:1 erhöht. Einige Ecken folgten, die ins Feld zurückbefördert wurden. Bei einem Angriff der Gießener verschuldete Domheim einen Elfmeter, und Gießen schoß sein zweites Tor. Mit erstaunlicher Selbstoerständlichleit lag Bornheim sofort nach dem Anstoß vor dem Gießener Tor, erzwang eine Ecke, ein ganz kurzes Spiel von Mann zu Mann und
das 6. Tor war vollendet. Wenige Minuten darauf beendigte der Schlußpfiff des sehr korrekt und peinlich genau amtierenden Schiedsrichters ein Spiel, daß seine Zuschauermengen von Anfang bis Ende in Spannung hielt, und in dem der Bessere verdienter Sieger blieb.
Friedberg — Wiesbaden 1:4 (0:4).
Mit diesem unerwartet hohen Sieg sicherte sich Wiesbaden Öen zweiten Platz in der Tabelle, allerdings mit 4 Punkten Unterschied hinter Bv'.nheim. Der Ausgang sollte für Friedberg eine Lehre sein. Fast während der ganzen Spielzeit wurde Wiesbaden eingeschnürt, hieran beteiligte sich die Hintermanni^ast Friedbergs ebenfalls. Wiesbaden stellte sich auf Verteidigung und schnelle Durchbrüche ein. Diese Taktck brachte der Mannschaft bis zur Halbzeit 4 Torerfolge. Als Friedberg seinen Fehler verbesserte, war es zu spät. Trotz weiteren überlegenen Spiels konnte die Mannschaft bis zum Schluß mir ein Tor ausholen. Dem Tormann Wiesbadens, der der beste Wann der Mannschaft ist, fällt daS Hauptverdienst am Sieg zu.
Hanau — Mörfelden 3:2. >
Der Verlaus dieses Spieles zeigte, daß Hannau als Reuling in der Arbeitersvortbewe- gung sich schwer an die dort herrschenden Formen gewöhnen kann. Für die Mannschaft gidtS nur einS: Sieg. Wie dieser zustande kommt, ist dabei einerlei. Dis kurz vor Schluß führte Mörfelden 2:1. verhielt sich dann aber völlig passiv. alS Hanau immer rücksichtsloser angriff und das Hanauer Publikum immer unangenehmer wurde. Wenige Minuten vor Schluß lieh Mörfelden, als es Hanau einen billigen Sieg hatte zukommen lassen, diese aber immer noch nicht manierlicher wurden, daö Spiel abbrechen.
Freie Turnerschaft Dietzen
£ Vor dem Kreismeisterschastsspiel am Sonntag standen sich die Iugendmannschasten Gießens und Bornheims gegenüber. Das Spiel war eine würdige Einleitung des Haupttreffens, wenn auch hier die Gießener Iugend eine empfindliche Riederlage einstecken mußte. Bornheim stellte auch hier die reifere Mannschaft mit einem verständnisvolleren Zusammensp.el, obwohl die Mannschaft nur mit zehn Mann antrat. 6:1 für Bornheim lautete das Ergebnis beim Schlußpfiff des recht entscheidungssicheren Schiedsrichters.
Am 1. Januar weilte Gießen mit drei Mannschaften in Butzbach zum Rückspiel. Mußte die etjte Mannschaft Butzbachs in Gießen noch eine 3:0- Ntederlage einstecken, so tonnte sie diesmal der Gießener Ib-Mannschast die Wage halten und nach gleichwertigem Spiel ein 2:2-Resultat buchen.
Die zweiten Mannschaften lieferten sich gleichfalls ein unentschiedenes Tressen, das im gleichen 2:2-Torverhältnis ausklang. Auch hier waren die Leistungen gleichwertig.
Der einzige Sieger war die Gießener 3 u • gendmannschaft, die gegen Butzbachs Jugend nach technisch vollendetem Spiel in gleichen Abständen vier Tore erzielte. Die Anstrengungen der Butzbacher blieben erfolglos.
Wetzlarer Futzball.
Dillenburg — 3- Dehlor 4:3.
tz. Der Wetzlarer F. C. 05 beachte es am Sonntag fertig, gegen Öen Tabellenletzten zu verlieren. Rach ausgeglichenem Spiel in der ersten Halbzeit hatte Wetzlar mit besserem Stürmerspiel die Führung mit 0:2 an sich gerissen, erhöhte diese gleich nach dem Wechsel sogar auf 0:3, und war dann in keiner Beziehung mehr wiederzuerkennen. Vollständiger Zusammenbruch bei Wetzlar, stürmisches Drangen auf Ausgleich bei Öen Dillenburgern belohnte der letzteren Mühe sogar mit einem verdienten Sieg, wenn dieser auch mit Eigentor und Elfmeter zustande kam. Gut war der Gießener Schiedsrichter Grünewald, dem leider daS Publikum durch skandalöses Benehmen das Amt recht schwer machte.
D. C. Wetzlar — Ockershausen 3:2.
B. C. Wetzlar schlug am Sonntag einen der besten Vereine des Lahnkreises. Die Ockers- Hauser waren unter Umständen noch Anwärter auf den Meistertitel. Ieht ist diese Möglichkeit in etwas weitere Feme gerückt, und B C. steigt in der Tabelle über zwei Vorderleute hinweg.
Gladenbach — 5. 6. Niedergirmes 5:1.
Auch der dritte Wetzlarer Vertreter konnte in Gladenbach keine Lorbeeren ernten. Die


