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Außenpolitische Umschau.

Don Professor Dr. Otto Hoetzsch. M. i>. R.

Niemand wird behaupten können, die -Zu­stimmung der französischen Regierung zu dem englischen Vorschlags die gesamte Rheinlandbe» sahung um 10 000 Wann zu reduzieren, fei eine Erfüllung des Locanw-VersprechenS an Deutsch­land, oder ein wirklicher Beweis guten Willens von Seiten Frankreichs. Rach den sog. ^Normal- Ziffern" bleiben auch nach dieser Derminderung noch rund 20 000 Mann zu viel im Rheinland stehen. Aber uns ist wichtiger als diese Ab­schlagszahlung, die keine ist, die Art, in der sie zu Stande tarn.

Was sind doch alles für Gründe in der fran­zösischen Presse herbeigeschleppt worden dafür, daß sich Frankreich den Haren, in Locarno ein­gegangenen Derpslichtung-en entziehen könne: An­schluß Deutsch-Oesterreichs, Ost-Locarno, Teil­nahme der Deutschnationalen an der Regierung, Sicherheit Frankreichs und schließlich die (Garan­tie der Zahlungen aus dem Dawes-Plan! Offen­bar hat sich Chamberlain, der empfindet, wie unfair in dieser Frage der Besatzungsreduk- tion die Alliierten handeln, indem sie Deutsch­land um die zugesagten Rückwirkungen betrügen dieses starke Wort ist durchaus am Platze, sehr bemüht, Frankreich zum Nachgeben zu be­reden. Aber auch er wird nicht befriedigt sein, uird wenn er es ist, sagt ihm die Cecil-Krise in seinem Kabinett, wie wenig rühmlich auch für England die Sache ist.

Frankreich oder Driand wird selbst nicht glau­ben, daß Deutschland nun in dieser Herab­setzung die Pille sähe, mit der ihm versüßt wer­den soll, daß die umungs frage im ganzen in keiner Weife, auch in Genf nicht, vorwärts rückt. Wir begrüßen es um der Klarheit der Situation willen geradezu, daß auf der Tagung der Interparlamentarischen Union, die doch sonst die Töne der Versöhnung und Ver­ständigung erklingen läfet, gerade in Paris die Gegensätze so stark aufeinander geprallt sind. Die Deutschen haben mit Recht betont, daß der Friedensvertrag Deutschland das Recht gibt, die Räumung zu fordern, und die Veränderung der Lage durch die Locarnoverträge und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund der anderen Seite die Pflicht auferlegt, Deutschland von der Desahung zu befreien Herr de Iouvenel aber Sat ausgesprochen, daß die Desatzung für Frankreich notwendig, die einzige wirkliche Friedensgarantie für Frankreich nach dein Osten sei. Und er hat, wenn wir dem Bericht der »Neuen Züricher Zeitung" dabei folgen dürfen, nach Schückings Rede direkt gesagt:Die beiden Thesen stehen sich aber gegenüber. Für die Deutschen genügt Locarno. Für uns genügt es nicht, weil es nur den Westen, nicht aber den Osten sichert. Dies festzustellen war richtig, damit die Konfe­renz den Frieden auf Realitäten aufbauen kann." Iouvenel weiß dabei so gut wie wir, daß es in Deutschland keine Partei gibt, die für ein Ost- Locarno zu haben wäre, für einen Handel also, toerm wir diese Idee aus Iouvenels Worten herauslesen dürfen, die Räumung des Rhein- landeS Frankreich mit der Garantie der heutigen deutschen Ostgrenzen abzukaufen.

Der Wille oder vielmehr Nichtwille des amtlichen und nichtamtlichen Frankreichs ist also klar, und er ist auch einhellig. Es ist nicht so, als wenn eine verhältnismäßig starke Strö-

Zwischen Ms und sieben

Roman von Liesbet Dill.

Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin, j 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Du warst mein Retter, hatte sie später immer gesagt, du kamst zu mir, als ich in höchster Not war. Dir habe ich mein Herz geöffnet wie noch keinem Mann. Zu dir hatte ich Vertrauen. Und du hast mir geholfen. Sie sang ihm vor mit ihrer weichen, glockenreinen Stimme und einem Ausdruck, daß er wußte, hier hatte er eine Künstlerin vor sich ... Er erbot sich, ihr Stunden zu geben, ihre Stimme auszubilden ...

Die Musik hatte sie zusammengeführt. Dort un­ten, wo die Lichter blinkten in der Ferne, am Rheinufer ... in der alten romantischen Bischofs­stadt ... Und hier drüben sollte es sich vollenden ... Diese erste Begegnung war für ihn entscheidend.

Es war ihm noch nie eine Frau begegnet, die so auf ihn wirkte wie Melitta. Um sie wehte die Lust einer höheren Sphäre, einer großen, freien Welt ... Bei ihrem Eintritt ins Zimmer spürte er bereits ihre Wirkung. Sie beseelte sein Spiel, sie gab ihm neue Kräfte und neue Ideen ein. Die Melodien strömten ihm nur so zu. In diesen Tagen kompo- nierte er seine schönsten Lieder. Er wurde ein an­derer Mensch. Mit Melitta war sein Glücksstern auf­gegangen. Alles gelang ihm plötzlich, die ältesten Kompositionen, die verstaubt in den Schubfächern der Verleger gelegen hatten, wurden hervor- gehott und aufgeführt. Sein jovialer rheinischer Verleger, der ihn immer getröftet hatte.Passen Sie mal auf, wenn Sie mal gestorben sind, wie be­rühmt Sie dann werden", klopfte ihm auf die Schul­ter. ,<Jch hab' immer gemeint, Ihre Sachen wären zu gut, um schon zu Ihren Lebzeiten aufgefühtt zu werden, Sie sollten ja erst nach Ihrem Tode be­rühmt werden", hatte sich getäuscht.

Manfred war in diesen großen rheinischen Kur- ort gekommen, um sich um die Stelle des Dirigenten des philharmonischen Orchesters zu bewerben, um die sich bereits mehr als hundert Kollegen beworben hatten. Nach einem glänzenden Konzert, in dem nur seine eigenen Kompositionen aufgeführt wurden, fiel die Wahl auf ihn ...

mung die Verständigung mit Deutschland in dem Sinne wollte, daß nun die fremden Soldaten vom deutschen Boden raschestens zurückgezogen werden mühten. Wer dieser Meinung ist, sagt sie jeden­falls nicht, aus Angst vor der Wahlbewe­gung, in der Frarckreich mitten drin ist. Un& vor ihrer Entscheidung im nächsten Frühjahr wird sich an dieser Lage im Verhältnis Deutsch­land-Frankreich nichts im Sinne der Verständi­gung, Truppenverminderung, Räumung voll- ^ehcn. Frankreich kann es sich leisten, mit feiner Machtstellung in Europa und auf Grund der Weltlage wie sie heute ist, so nicht zu wollen.

Dann weiß man aber auch nicht, was die Staatsmänner in Genf miteinander über diese Frage reden wollen. Lind damit, zugleich auch mit der Cecil°Kr:se in Loirdon, greift diese Krise, denn eine solche wird das immer mehr auch auf den Völkerbund über.

Cecil vertrat immer den Standpunkt, daß die Besetzung des Rheinlandes durch Locarno, genauer gesagt, durch Englands Garan­tie für den Vertrag und die Unter ft ellung aller dieser Verpflichtungen unter die Dölkerbundsakte durchaus überflüssig geworden sei, und Cecil war der Führer der Abrüstungsbewegung im Völkerbund. Beide Tendenzen haben in diesen Monaten schwere Niederlagen erlitten, infolge der französischen Politik. Lind Chamberlain hat dieser Politik nicht erfolgreich entgegen ar­beiten können oder wollen. Er steht, wie der Daily Expreß" sagt, gewöhnlich auf Seiten Frankreichs und Cecil scheide aus, um Locarno zu retten, für das Chamberlain die Lobreden ge­erntet habe. Wir kennen und berücksichtigen na­türlich die realen Schwierigkeiten, an die Cham­berlain unüberwindlich stieß, aber die Wirkung und die Lage ist nun so:

Wie? Cecil und gleichzeitig Iouvenel (in seinem Briefwechsel mit Briand, in dem er seine Mitgliedschaft in der Vertretung Frankreichs beim Völkerbund niederlegte) demonstrieren so gegen Wandlungen in der Völkerbundspolitrk, die in eine offenbare Krisis geraten ist. Da­bei wollen die beiden Verschiedenes und gehen von verschiedenen Ausgangspunkten auS, aber Wesen und Wirkung ist die gleiche: die Krise in der Völkerbundspolitik infolge der französi­schen, aber auch der englischen Politik klarzulegen, vor der nun die Vollversammlung jetzt in Genf steht. UnZ> am klarsten, am schroffesten tritt das an der Rheinlandfrage hervor.

Deutschland hat das seine getan im bewie­senen Willen zur Verständigung. Es hat früh genug die entscheidende Frage gestellt: Ruhr oder Locarno? Die Antwort darauf ist nicht im Sinne der Verständigung erfolgt Es lehnt weitere Opfer Vorleistungen tote bis­her durchaus ab und wartet ab, daß die Räumungsfristen eben vertragsgemäß zu Ende laufen. Aber schon nach der letzten Ratssitzung hat der deutsche Außenminister es ausgesprochen, daß die Verhältnisse Mischen Frankreich und Deutschland lange s o nicht bleiben können, daß sie sich entweder zum Bessern oder zum Schlech­teren entwickeln müssen. Lind die deutsche Auhen- polittk hat zu überlegen, welche Konsequenzen sich für sie auS dieser Wendung und aus dieser Krise der deutsch-französischen Beziehun­gen ergeben, auf deren nicht wegzudiskutierendem Hintergrund sich die diesmalige VölkerLunds- tagung in Gens abspielt!

Dann leitete er die Scheidung em ... Es war ein jahrelanger erbitterter Kamps. Seine Frau wollte ihn nicht freigeben. Als endlich das Scheidungsurteil ausgesprochen wurde und er frei war, telegraphierte er Melitta: Komm! Und sie kam ... Ueber den Rhein ... Es war ein Sonntag, sie fuhren hinauf in die Wälder. In einem kleinen Dorf rasteten sie zu Mittag. Es war ein uralter yochgelegener Wallfahrtsort, in dem eine wundertätige Madonna war. Die schönste Madonna vorn Rhein. Und vor dieser Madonna hatten sie gekniet und dem Schick­sal gedankt, das sie zusammengeführt. Von diesem Tage ab versank das alte Leben und ein neues stieg strahlend empor. Er hatte eine Arbeit, die ihn er­füllte, als Dirigent eines großen Orchesters, hatte Erfolg als Musiker und Komponist, beneidet um diese schöne Frau, die sich unter seiner Leitung zur Künstlerin entwickelte.

Und so sollte bas enden ... an einem No- vembertag eine Stunde nachdem der Arzt über sein Leben das Todesutteil gefällt hatte ... Er irrte im Nebel umher ziellos, ohne zu wissen, wohin er ging. Er konnte nicht heimgehen ... Bei dem Gedanken, Melitta zu begegnen, in seinem Hause fühlte er etwas in sich aufsteigen ... ein nie gekanntes Gefühl von Haß ... Ein trüb be­leuchtetes Kaffee lag am Wege hinter den Säu­men. Es war leer zu dieser Stunde.

Er setzte sich an ein Fenster, bestellte Tee und das Adreßbuch. Ein feister, alter Kellner brachte das dicke Buch und stellte ein Glas lauwarmen, wie Wasier aussehenden Tee trüb und kalt wie das Lokal auf den Tisch. Manfred durchblättette das Buch ... Da war's ... La Rofiöre ... Platanen- ftraße 3 ... Parterre ... Fremdmpension ... Frau Anna Heine ... Er sann nach. Der Name ... wes­halb kam ihm dieser gewöhnliche Name nur so be­kannt vor? Anna Heine ... Ein Name ohne Be­deutung, aber er hatte ihn schon einmal gehört ... in irgendeinem besonderen Zusammenhang . . . Kannte er die Frau ... sogar ganz'gut ... oder ... hatte er sie nicht gekannt, nur oft von ihr gehört ... sie nie gesehen ... oder dann nur flüchtig ... ohne Interesse? Aber wann nur, wann? Es mußte je­mand sein, der Interesse an seinem Schicksal hatte ... sich rächen wollte an ihm ... Stellte sie die Ver­bindung her zwischen dem Betrug und dem Bries? ... Jeder Mensch hatte heimliche Feinde. Sicher

Oberhessen.

Landkreis Gießen

CO Klein-Linden, 2. Sept. Das Haupt­schießen des hiesigen SchützenklubsRo­land" findet wegen der völlig verregneten letzten Sonntage nunmehr am 4. September statt.

' Heuchelheim, 2. Sept. In unserer Gemarkung verspricht die diesjährige Obst­ernte sowohl nach Menge, als auch n.3ch Güte eine gute Mittelernte zu toerben, wenn nicht vor der Ernte noch ungünftige Wittcrungs- verhälinisse eintreten. Das feit acht Tagen herr­schende sonnige Wetter ist für die Reife des Obstes sehr günstig, denn es gibt ihm Glanz und Färbung. In Anbetracht der guten Obstaus- sichten hat sich der hiesige Obst-undGarten- bauverein entschlossen, Anfang Oktober in der hiesigen neuen Turnhalle eine Obst-, ©ar­ten» un b Feldbau-Ausstellung zu ver­anstalten, in der die Obst», Garten- und Feldbcru- erzeugnisse der hiesigen Gemarkung zur Schau gestellt werden sollen. Der Verein, der auf ein nahezu 40jähriges Bestehen zurückblicken kann, hat sich während dieser Zeit fast an allen Obst­ausstellungen, ob von Kreis, Provinz oder Land veranstaltet, stets mit regem Interesse beteiligt und war immer bestrebt, den Obst- und Garten­bau zu fördern. Einen Beweis für feine lang­jährige Tätigkeit und Rührigkeit hat der Verein durch schöne Erfolge schvn in den Jahren 1891 und 1895 gelegentlich der Obstausstellungen des Oberhesfischen Ovstbauvercins in Gießen, wo ihm die höchsten Preise zuerkannt wurden erbracht. Auch bis in die jüngste Zeit hat sich der Obst» und Gartenbauverein selbst ober durch Mitglieder an vielen Ausstellungen, die in Hessen oder außerhalb Hessens ftatifanben, beteiligt und dabei Preise errungen. Hieraus läßt sich schließen, daß Heuchelheim in bezug auf Obstzucht auf der Höhe ist. Wer nicht allein Obst, fonbern auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse der hiesi­gen Gemarkung sollen bei der geplanten Aus­stellung zu sehen sein, ebenso werden die beiden hiesigen Baumschulen ihre Erzeugnisse in dieser Ausstellung zur Schau stellen. Die Ausstellung verspricht mustergültig zu werden.

* Lang-Göns, 3. Septt Am morgigen Sonntag. 4. Sept., feiert der Zwei gverein der Gustav-Adolf-Stiftung im De­kanat Gießen fein Jahresfest in Lang- Göns. Der Festgottesdienst, der bei gutem Wetter unter den Linden des Kirchplatzes gehalten wird, beginnt um 2 Tlhr. Festprediger ist der in weiten Kreisen der Gust av-Adolf fache bekannte Sia- spvrapfarrer Weiß (Bieber), der auch in der Nachversammlung sprechen wird. Im Festgottes- dienst wirkt der Lang-Gönser Posaunenchor mit. Die Kollekte ist für die Arbeit des Vereins be­stimmt. Die Gemeinde nimmt auswärtige Gäste gastfreundlich auf.

X Alten-Buseck, 2. Sept. Heute fanden hier die Reichsjugendwettkämpfe statt. Insgesamt nahmen in zwei Abteilungen 41 Knaben daran teil. Je zwei Jahrgänge bildeten eine Abteilung. Die Schüler der ersten Abteilung maßen sich im Dier- kampf, Hochsprung, Weitsprung, Ballweitwurf, und 100-Meter-Lauf; die der zweiten Abteilung im Dreikampf: Weitsprung, Ballweitwurf und 75= Meter-Lauf. In Abteilung A waren Sieger: 1. Friedr. Arnold 62,5 P.; 2. Wilh. Rühl 62 P.: 2. L. O p p e r 61 Punkte. In der Abteilung B: 1. Friedr. Müller 65 P.; 2. Karl Einhäuser 64 P.; 3. August Brück 56 Punkte.

auch er. Verschmähte Rendezvous ... unbeantwor­tete Bittgesuche, zurückgewiesene Komponisten, ehr­geizige Kollegen ...

Anna Heine ... La Rosiöre ... der Brief ... die Stimme am Telephon ...Es war wie ein Ring, der sich schloß ... Er ftarrte auf die Straße in den Nebel hinaus. Und in dem grauen Dunkel stand dort unter den Bäumen plötzlich wieder diese Ge­stalt ... mit schlicht gescheiteltem Haar und nieder­geschlagenen Augen ... und sestoerschlossenem Mund, um den ein höhnisches Lächeln stand. ... Seine erste Frau ... in dem fleinen mecklenburgischen Städtchen am Meer ... oder war sie am Ende jetzt hier? --

Was konnte sie hier noch wollen? Sie hatten sich in Güte getrennt. Er hatte sie nobel abgefunden, sie konnte sorgenlos leben ... Oder ... hate sie am Ende der Zufall hergeführt und sie war Melitta be­gegnet? Anna Heine ... Irn oberen Stockwerk wohnte der alte gelähmte Graf Rödern und die Prinzessin Samarow. Beide kamen nicht in Be­tracht, sie standen außerhalb seines Kreises. Plötz­lich fiel ihm etwas ein. Er ging nach dem Telephon. Im Telephonbuch suchte er einen Namen, rief eine Nummer an und wartete ... Das Telephon befand sich zwischen dem Kaffeezimmer und der dahinter- liegenden Küche. Ein Schneeschlagen begleitete seine Gedanken wie ein Mühlrad ... Es dauerte ziemlich lange, bis eine heisere männliche Stimme ant­wortete.

,Hier bei Gaul."

Sind Sie selbst da, Herr Gaul?" Gewiß, womit kann ich dienen?" Hier Dr. Manfred. Kann ich Sie morgen früh vor 9 Uhr auf meinem Bureau sprechen? Die Sache eilt"

Selbstverständlich, immer zu Diensten."

Also morgen früh halb neun im Bureau, Kur­haus."

*

Als er heimging, stand fein Entschluß fest: Kein Wort zu ihr ... ehe alles klar vor ihm stand. Von dem, was dann geschah, konnte er sich allerdings keine Vorstellung machen. Er hatte ein stechendes Schmerzgefühl zwischen Schulter und Herz ... Es wäre bedeutend angenehmer gewesen, in Ruhe zu sterben, dachte er, als er die Gartentüre hinter sich zuwarf.

# Aus dem Horkof f tal. 2. Sept. Das langsame Steigen derPreisefür Fett­schweine von 58 bis 72 Mark hat ein An­ziehen der Ferkelpreise im Gefolge. Während man seither ein Paar 7 Wochen alte Jungtier« für 15 bis 18 Mark erstehen konnte, kosten diese jetzt beretts fast das Doppelte. Auch die Aussicht auf eine glänzende Kartoffelernte erhöht die Nachfrage und somit die Preise. Die Preis« für Frühkartoffeln sind weiter im Nach­geben begriffen. Der Zentner gelbfleischige kostet noch 3,20 Mark, während für weißfleischige nur noch 2,80 Mark geboten werden. Das erst« Frühobst wird verladen: die Händler zahlen für den Zentner Aepfel 10 bis 12 Mk., für Fcüh- birnen 5 bis 7 Mk., Fallobst kostet der Zent­ner 1,50 Mark.

Kreis Kricsberg.

= Friedberg. 3. Sept. Für-die Katho­liken der Wetterau beginnt mit dem morgigen Sonntag eine bedeutungsvolle Festwoche. Im nahen Ilbenstadt, das jedem, der nach Frank­furt fährt, in der Höhe der Stationen Bruchen­brücken und Nieder-Mollstadt durch seine hoch­ragende alte Klosterkirche, einem Wahrzeichen der südlichen Wetterau, in die Augen fällt, feiert man die 8 0 0. Wiederkehr des Todes­tages Gottfrieds von Kappenberg. Vor mehr als 800 Jahren gründete er das Prämonstratenserlloster Ilbenstadt. Er war der Patron der Wetterau, seine Gebcine ruhen in der altehrwürdigen Klosterkirche zu Ilbenstadt, die daher immer ein Wallfahrtsort der katholi­schen Christenheit war. Die Gründung Kappen­bergs, das Ilbenstädter Kloster, wurde 1803 aufgehoben. 1923 zog dort aber wieder der Bene- dikttnerorden ein, der eine rege seelsorgerische Tätigkeit in der Wetterau entfaltet Zu der mor­gigen Eröffnungsfeier der Festwoche wird der Bischof von Mainz erscheinen. Eine große Katho­likenversammlung unter freiem Himmel wird morgen in acht Tagen den Schluß der Festwoche bilden. Tausende von Besuchern werden erwartet

K, F r i e d b e r g, 2. Sept. In Frankfurt a. M ist dieser Tage der bekannte Kvnzertsänger! Adolf Müller im Alter von 69 Jahren un­erwartet an den Folgen eines Schlaganfalles verstorben. Die Musikfreunde unterer Stadt und die gesamte hessische Lehrerschaft aus deren Reihen Adolf Müller hervorgegangen ist, wev- den die Trauerbotschaft mit Anteilnahme ent­gegennehmen. Wie der vor wenigen Jahren! verstorbene berühmte Opernsänger Siegmund Krauß empfing er die Anregung zu feiner musikalischen Laufbahn am hiesigen Lehrersemi­nar, das er von 1876 bis 1878 besuchte. Musik­direktor Friedrich Schmidt war fein Gesangs­lehrer. Obwohl Adolf Müller nach seinem Semi­narabgang Frankfurt a. M. als Stätte feiner Lehrertätigkeit wählte, blieb er bis in feine letzten Lebensjahre eng mit dem musikalischen! Leben Friedbergs verbunden. Von 1881 bis 1925 fang er ungezählte Male in den Konzerten des hiesigen Musikvereins.

4 Bad-Nauheim, 2. Sept. Zu Ehren des mit dieser Spielzeit letztmalig am hiesigen Kur- theater tätigen Hofrats H. Stein goettcr veranstaltet die Kurverwaltung am 8. September im großen Hause eine Abschiedsvorstel­lung für den verdienten Intendan­ten, der 24 Jahre lang das Kurtheater erfolg­reich leitete. Zur Aufführung kommt Goethes Egmont" mit der Musik von Beethoven. Ein Ereignis im musikalischen Leben dieser Saison

Die Fenster seiner Wohnung waren matt er­leuchtet. Sie war also da ... Er hörte Klaoierspiel und mußte einen Augenblick stehen bleiben, um Atem zu holen. Sie probte sicher. Sein Kopf war dumpf und leer, wie ausgeräumt ...

Der Diener nahm ihm den Pelz in der Diele ab. Unter einem antiken blaugrünen Beauoais- Gobelin stand auf der dunklen, reichgeschnitzten vlä- mischen Truhe ein Strauß blauer Tulpen. Sollte die Verkäuferin die Rosen verwechselt haben? Das Kla­oierspiel kam aus dem Salon. Aber es war ihm nicht möglich, sie jetzt zu sehen. Er ging auf sein Zimmer, drehte die Schreibtischlampe an und blät­terte in den Zeitungen, die auf dem Schreibtisch lagen, während er der Stimme lauschte ...

Du wirft nicht meinen, Leise, leise wirst du lächeln ..

Don ihrer Stimme ging etwas Geheimnisvolles aus, ein Zauber, eine faszinierende Macht. Er kämpfte mit einer Ergriffenheit, die ihn überkam. Die Stimme sang. Ihre Hände spielten leise die Begleitung. Wie hate sie gelernt ... Wie verstand sie, in den Sinn einer Schöpfung einzudringen ... zu wirken ... zu packen und rnitzureißen.

Unsere lieben vier Wände, Du hast sie bereitet ..."

Er sprang auf und schob die Porttere jäh mit einem Ruck zurück, daß die Ringe flirrten ... Guten Abend" ...

Es klang heiser und hart ... Seine Frau saß vor dem Flügel in einem türfisgrünen losen Abend­kleid, das ihren weißen Nacken freigab. Sie brach ihr Spiel ab.

Guten Abend, Rudolf ... ich bin eben dabei, die Lieder durchzunehmen für übermorgen. Sie reichte ihm die Hand, aber er küßte sie nicht, er schaute sie nur an.

Ihr Gesicht war unverändert, ruhig und schon ... Wie gemeißelt das Profil, mit den vibrierenden Nasenflügeln, dem weichen roten Mund. An ihrem Arm sah er jenen Goldreif mit den Türkisen nicht mehr. Sie hatte sich umgezogen, den Schmuck abge­legt. Sie trug niemals Schmuck, wenn sie spielte. Ihre Ringe lagen auf dem Flügel. Ich hab von ihr nichts gesehen als diesen Arm, dachte er. Aber ich würde ihn unter Hunderten herauskennen. Es war ihr Arm ... Er ließ ihre Hand los.

(Fortsetzung folgt.)

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