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Ur. 206 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 3.5eptember (927

Die Tagung der Deutschen Industrie.

Frankfurt a. OIL, 2. Sept. (WLD.) Hier begann heute nachmittag die achte Mitgliederver- fmnmlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Rach einein ein­leitenden Musikstück eröffnet der Vorsitzende

Seh. Regierungsrat Pros. Dr. Duisberg, die Versammlung. Er begrüßte die in großer Zahl (mehr als 2000) erschienenen Gäste und Mit­glieder, namentlich den Reichsfinanzminister Dr. Koehler, den Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius, den preußischen Handelsminister Dr. Schreiber, sowie die übrigen Vertreter der Reichs- imb Staatsbehörden. Auch den Ver­tretern der in- und ausländischen Presse wurde Dank für ihr Erscheinen abgestattet, ebenso den: Oberbürgermeister Dr. L a n d m a n n für die gastliche Aufnahme in den Mauern Frankfurts. Mit der Versicherung, daß auch die Industrie ihre Interessen stets der Erhaltung und Festi­gung des Staates unterordne, leitete Geheimrat Duisberg zu einem

Treugelöbnis auf den Reichspräsidenten über. Die ehrwürdige Gestalt unseres Hinden­burg, der trotz seines hohen Alters, dem eher­nen Gebot der Pflichterfüllung folgend, das ver­antwortungsvolle Amt des Reichspräsidenten übernommen hat, leuchte dem ganzen deutschen Volke voran. Unter den Glückwünschenden, die sich in wenigen Wochen zum 8 0. Geburts­tage Hindenburgs zusaminenfinden, stehe mit in vorderster Linie die deutsche Industrie. Zum Ausdruck der dankbaren Gesinnung, die die gesamte deutsche Industrie dem Reichs­präsidenten entgegenbringt, wurde beschlossen, fol­gendes Telegramm zu übersendens

Lieber 2000 Teilnehmer an der dies­jährigen Mitgliederversammlung des Reichs­verbandes der Deutschen Industrie gedenken des allverehrten Herrn Reichspräsidenten in D a n k b a r k e i t und Treue, Ehrfurcht , vor der Vergangenheit, Pflicht­erfüllung in der Gegenwart und Kraft für die Aufgaben der Zukunft sind die Eigenschaften, die die deutsche In­dustrie in der Person des Reichs­präsidenten verkörpert sieht. Die deutsche Industrie bringt auch heute wieder den aufrichtigen und ehrerbietigen Wunsch zum Ausdruck, daß Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, es vergönnt sei, über das achte Lebensjahrzehnt hinaus noch lange Jahre als Präsident des Deutschen Reiches, zum Wohle des deutschen Volkes, zu wirken." Bevor Geheimrat Dr. Duisberg das Wort zu den angekündigten Vorträgen erteilte, nahm er selbst in großen Zügen

Stellung

zur gegenwärtigen deutschen Wirtschaftslage. Gestützt auf die von den einzelnen Fachgruppen erbetenen Berichte sprach der Redner zusammen- fassend aus, daß bereits bei der Dresdener Ta­gung im vorigen Jahr eine Belebung der Wirtschaft eingetreten war, die im wesent­lichen bis heute angehalten hat. Einen Grad­messer für diese Entwicklung bildet die Zahl der Arbeitslosen, die im Lauf« der letzten zwölf Monate von über l1/» Millionen auf annähernd 576 000 gefallen ist.

Aber die Belebung der deutschen Wirtschaft er­streckte sich in der Hauptsache fast ausschließlich auf den Binnenmarkt. Die Ausfuhr deutscher Waren konnte kaum gesteigert werden. An den Vorkriegswerten gemessen, liegt der deutsche Ex- Sort noch immer etwa um ein Drittel unter der usfuhr des Jahres 1913. Das Defizit der deutschen Handelsbilanz betrug in den Jahren 1925 und 1926 insgesamt 4 Milliarden, und wird im laufenden Jahre allein voraussicht­lich auf über 4 Milliarden anschwellen. Dieses Defizit konnte bisher nur durch Aufnahme aus­ländischer Anleihen ausgeglichen werden. Wenn auck Anleihen an sich nicht bedenklich sind, so gibt doch die gegenwärtige Verschuldung Deutschlands zu ernster Sorge Anlaß.

Einschließlich der Aufwectungsschulden ergibt sich eine Kapitalverschuldung Deutschlands von 23,1 Milliarden Reichsmark, die eine jährliche Zinsentast von rund 2 Milliarden bedeutet.

Die Weber".

Palast-Lichtspiele Gießen.

Wenn wir diesen Film, der zur Zeit in den Palast-Lichtspielen gezeigt wird, als Gesamt­erscheinung ablehnen, so geschieht es deswegen, in erster Linie, weil wir ihm eine Daseinsberechti­gung aus innerer, künstlerischer Rotwendigkeit nicht zuzusprechen vermögen: Gerhart Haupt­manns frühes Drama, dasSchauspiel aus den 40er Jahren", ist ein großes, reifes, erschüt­terndes Kunstwerk und gehört zum Stärksten, was dec Dichter je geschaffen hat: wir sehen nicht ein, warum das, was groß, reif, von er­schütternder Gewalt war und bleibt, auf anderem Felde wiedeiHolt werben sollte.

Dies wäre nur dann zu rechtfertigen, wenn etwas Besseres geschaffen worden wäre, etwas über die ursprüngliche Gestaltung Hinaus- reichendes. Jeder objektive und urteilsfähige Be­schauer wird sich davon überzeugen können, daß dies nicht der Fall ist: im Gegenteil: der Film ist bedeutend schwächer als das Schauspiel (hier wird einem erst recht klar, welche Kräfte doch vom gesprochenen, klingenden Wort ausgehen, und daß kein Spruchband und keine Textzeile auch nur entfernt einen Ersatz dafür bieten können) boS Ganze ist breiter, oberflächlicher und geräuschvoller geworden: es wirkt in großen Teilen aufdringlich, plakatmäßig und man kommt um das Wort nicht herum an manchen Stellen geradezu tendenziös. Man denkt mit stiller Bewunderung an di« klare, objektive, die Ge­wichte im Spiel und Gegenspiel verteilende Kunst des Lichters: wohingegen der Filmregisseur Zelnik schon in manchen Berliner Kritiken in die peinliche Rachbarschaft des zwar begabten, aber extrem politischen Spielleiters Piscator ge­rückt wurde, der in der letzten Saison in einer toemg erfreulichen Weise von sich reden machte.

Was an Zelniks Bearbeitung unb In­szenierung des Stoffes positiv ins Gewicht fällt.

Rechnet man dazu die Daweslasten, die vom nächsten 3ahre 2,5 Milliarden betragen, so wer­den die jährlichen Zinsoerpflichtungen Deutsch­lands aus mindestens 4,5 Milliarden steigen. Das ist mehr als das Doppelte der Vorkriegs­zeit.

In diesen Zahlen ist aber noch nicht die kurzfristige Verschuldung einbegriffen, die namentlich gegenüber dem Ausland gefährlich ist. Es muß in Deutschland das Verständnis für die Gefahren einer zu großen kurzfristigen Verschuldung geweckt werden, um die bisherige fehlerhafte Kredit­wirtschaft abzustellen. Nur eine umfassende Wirt­schafts-, Sozial- und Finanzpolitik kann hier Ab­hilfe schaffen.

Ein weiteres Zeichen dafür, daß die deutsche Wirtschaft noch nicht gesundet ist, ergibt eine Be­trachtung der Rentabilität. Don einer auch nur einigermaßen auskömmlichen Rente kann nicht die Rede sein. Im Jahre 1926 haben von den 850 an der Berliner Börse notierten Aktiengesellschaften 309 überhaupt keine Dividende verteilt, das sind 36,4 Prozent. Die Durchschnitts­dividende aller dieser Aktiengesellschaften betrug nur 6,88 Prozent, gegenüber 10,02 Prozent im Jahre 1913, ist also gegenüber der Vorkriegszeit um an- nöljernb ein Drittel gesunken. Demgegenüber ist die Lohnhöhe der gelernten Arbeiter seit 1913 um 47 Prozent, die der ungelernten Arbeiter um 81 Pro­zent gestiegen.

Als schwer st e Fessel der deutschen Wirtschaft wirkt sich der Da wesplan aus. Die uns zugemuteten Leistungen werden sich als untragbar Herausstellen. Eine Revision wird unvermeidlich sein.

Angesichts dieser Grundlage haben wir um so mehr die Pflicht, unsere Wirtschafts- und Finanzpolitik der Rot der Zeit anzupassen.

Schlimmer als die Auswirkungen unserer bisherigen Wirtschafte- und Finanzpolitik ijt der Geist, der diese beseelt. Es scheint bisweilen so, als ob im deutschen Volke das Bewußtsein erloschen ist, daß wir den größten Krieg der Weltge­schichte verloren httben. Es ist Widersinn, daß ausgerechnet das zusammengebrochene Deutschland den höchsten Funkturm, die längste Rennbahn und die größte überdeckte Tennishalle Europas haben will. Wir bauen Wasserstraßen und Lagerhäuser, statt zunächst alles einmal für die Warenerzeugung zu tun. Aber auch im kleinen und kleinsten müssen wir uns einschränken und die Einfuhr ausländischer Waren auf das unbedingt Notwendige zurück­führen. Ferner müssen wir weniger Ver­sammlungen mit den unvermeidlichen Festen abhalten. Der Reichsverband beabsichtigt daher, seine Mitgliederversammlung nur noch alle zwei Jahre ftattfinben zu lassen. Die bem Reichsoerband angeschlossenen Fachverbände mögen diesem Bei­spiel folgen.

Abschließend betonte Geheimrat Duisberg nochmals die Bedeutung des Binnenmarktes, auf dem die Landwirtschaft eine ausschlaggebende Rolle spielt.

Line gesunde Landwirtschaft ist ein national­politisches Erfordernis allerersten Ranges.

Im Mittelpunkt der Tagung steht die für den Export wie für den Binnenmarkt gleich wichtige Frage der Qualitätsarbeit, die einen wich­tigen Angelpunkt für die Aufwärtsbewegung unserer Wirtschaft bedeutet. Die wichtigste Voraussetzung für die Qualitätsarbeit ist die freudige Hingabe von Wissenschaft, Unternehmertum, Beamten- und Arbeiterschaft an das gemeinsame Werk der Wieder- aufrichiung unserer Wirtschaft.

Begrüßungsansprachen.

Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Verbandes Mitteldeutscher Indu­striellen, Landrichter a.D. Braun, der die Bedeu­tung der Tatsache unterstrich, daß der Neichsoer- band seine diesjährige Tagung unter das Motto der Qualitätsarbeit gestellt hat, hieß Oberbürgermeister Dr. Landmann die Gäste in feiner Stadt will­kommen. Gegenüber der häufigen Darstellung, als ob die G e me i nb e n in ihrer Finanzgeba­rung die nötige Rücksicht auf bte Wiederaufbau­arbeit der Wirtschaft hätten Dcnmiffen lassen, betonte er, daß sie durchaus sparsam und haushälterisch wirt­schaften. Aut dem Gebiete der Derwaltungsresorm könnten Industrie und Städte z. B. Schulter an Schulter zusammenarbeiten.

w ist in erster Linie, eine sehr gute darstellerische Besetzung. Hervorragende deutsche Schauspieler wirken mit; vor allem ist da Paul Wegener zu nennen, der der Gestalt des Fabrikanten Drei­ßiger eine Wucht der Erscheinung und eine Schärfe des Umrisses verleiht, die zu bewundern sind. Ausgezeichnetes bieten auch 5>i et erI e (Moritz Jäger), Theodor L v o s (Bäcker) und vor allem Krautzneck als alter Hilfe. Aber schon während man diese Ramen -zusammsnstellt, drängt sich unabweislich der Gedanke auf, um wie­viel mehr solches Schauspielermaterial der Dra- menaufsührung auf der Sprechbühne zugute ge­kommen wäre.

Die Regie Zelniks zeichnet sich ferner aus durch einzelne gute Ausnahmen und eben­falls sehr vereinzelte wertvolle Inszenierungs­einfälle: hierher gehört z. B. die Fiebertraum- vision des kranken Weberkindes auf dem Heim­weg vom Dreißigerhaus; im übrigen leistet der Spielführer sein Bestes da, wo er sich möglichst eng an das ursprüngliche Schauspielmanuskript anschlieht.

Gegen die Regie spricht die in fast allen Szenen festzustellende Vergröberung, Veräußer­lichung und Verzerrung des Ursprünglichen. Die Zwischenzeiten, die sich leider viel zu wenig an den Text des Schauspiels halten, sind formal und inhaltlich schlecht redigiert. Die Zusätze, die über das Drama hinausgehen, sind alle ent­weder belanglos, oder tendenziös (Friedrich Wil­helms Schwanenorden). Vornehmlich schwelgen die Bearbeiter in den Szenen, die sich mit Zerstörung, Aufruhr und dem Strahenkampf im Weberdvrf befassen (und die im Schauspiel entweder un­sichtbar bleiben oder mit feinstem künstlerischen Takt behandelt worden sind). Was hier an wüstem Geschrei, an geschwungenen Armen, ver­zerrten Gesichtern, aufgerissenen Mäulern, ein­geschmissenen Scheiben geleistet wird, geht bis 9<nrt_ an die Grenze des Erträglichen. Man wird ermübet durch eine Fülle unkünstlerischer Wieder­holungen derselben (noch dazu unwichtigen und

Reichswirlschastsminister Dr. (Curtius,

der über die Ausgaben deutscher Wirtschafts­politik sprach, schickte seinem Vortrag, über den noch gesondert berichtet wird, freundliche 2e- grüßungsworte auch im Ramen des preußischen Handelsministers Dr. Schreiber und der an» deren anwesenden Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden voraus unb hob hervor, daß er mit einer Ausnahme bisher sämtlichen Ta­gungen des Reichsverbandes beigewohnt habe. Dr. Curtius bat am Schluß seiner Rede um das Vertrauen der Industrie, das in feiner Erwiderung Geheimrat Duisberg dem Minister auch zusagte, wobei er gleichzeitig aber auch um das Vertrauen der Regierung vor allem auch dann bat, wenn die Industrie manchmal anderer Auffassung als die Regierung sei.

Hierauf ergriff das Geschäftsführende Präsidial­mitglied des Reichsoerbandes,

Geheimrat Kastl,

das Wort zu einem einstündigen Vortrage über: Wirtschaftspolitische Vorausfehungen für deutsche Qualitätsarbeit.

Er erörterte zunächst grundsätzlich die Bedeutung der Qualitätsarbeit für die Volkswirtschaft und um» riß bann die wirtschaftspolitischen Voraussetzungen, wie sie die deutsche Industrie zur Erreichung des Zieles einer deutschen Qualitätsarbeit für notwendig hält. Deutschland gehöre zu den Ländern, für die heute mehr denn je die Qualitätsleistung von aus­schlaggebender Bedeutung ist. Geheimrat Kastl ging u. a. ausführlich auf unsere Außenhandels- entwicklung ein. Er stellte die Frage, was zur Verbesierung der Handelsbilanz zu geschehen habe, und beschäftigte sich grundsätzlich mit der FrageEx­port oder Binnenmarkt? in dem Sinne, daß nur die geeignete Verbindung beider Ziele der richtige Weg ist. Zur Förderung des Binnenmarktes wie auch zur Förderung des Exportes sei aber gleicher­weise die Qualität ein ausschlaggebender Fak­tor. Auf dem Weltmarkt haoe sich der Kon­kurrenzkampf infolge des gestiegenen Ange­botes und der beschränkten Nachfrage ft a r f ver­schärft. Wissenschaft, Arbeiter und Unternehmer müßten sich darüber klar fein und danach handeln. Daneben sei es aber auch Aufgabe des Staates, alle die Bedingungen auf den verschiedenen wirtschafts- und sozialpolitischen Gebieten zu schaffen, die die qualitativen Spitzenleistungen erst ermöglichen. In diesem Zusammenhang forderte er für den deutschen Produktionsprozeß möglichst große Bewegungsfrei­heit und für den Absatz alle auf dem Inland- und Auslandmarkt möglichen Erleichterungen und Sicherheiten. Die Belastung durch zu hohe Steuern erschwere ganz besonders die Erzeugung von preiswerter Ware mit hoher Qualität In dieser Hinsicht sei die Entwicklung der öftenttichen Finan­zen in Deutschland eine Gefahr.

Einschließlich der besonderen Reparations­belastung der Wirtschaft und der Ausgaben von Ländern und Gemeinden könne man von einer Gesamtbelafkung von über 13,5 Milliar­den ausgehen.

Mit der Verwaltungsresorm im Rah­men bet gegenwärtigen Verfassung könne nur ein Teil der Ausgaben gelöst werden, darüber hinaus müsse es auch zu einer Verfassungs­reform kommen die, unter Schonung der kul­turellen Selbständigkeit der großen und mitt­leren Länder in einer systematischen Er­weiterung der Reichsgewalt bestehen müsse. Die gegenwärtige steuerliche Be­lastung stünde zu einer gesunden Wirt­schaftsentwicklung in unüberwindlichem Widerspruch. Das müsse insbesondere von den Ländern erfannt werden, deren Steuer be­darf gegenüber der Vorkriegszeit trotz erheblicher Entlastung in den Aufgaben am meisten gestiegen sei. Bei ihnen müsse besonders die Vereinfachung einsehen.

Das Material des Reichsverbandes zeige, daß die industriellen Unternehmungen im 3ahre 1925 durchschnittlich etwa 63 Prozent ihres ge­samten besteuerungsfähigen Einkommens und 108 Prozent ihres Gewinnes im Sinne des Einkommen- und Körperfchaftssteuergefehes an Steuern abgeführt hätten.

ganz äußerlichen) Einzelmotive: so unvorteilhaft wie möglich wirken bte zahlreichen Großauf­nahmen: nicht einmal vor glatten Geschmacklosig­keiten ist man sicher (jedermann weiß, wie es ist, wenn man sich übergeben muh: war es notwendig, dies in peinlich naturalistischen Details vor- führen zu lassen?): wie Pferdebeine unb Men­schenfüße sich zu bewegen pflegen, wie ein Rad sich dreht, wie ein Stein durch die Luft fliegt durfte hinlänglich bekannt fein dennoch wird es hier liebevoll photographiert und wieder- gegeben.

Dies sind Einzelheiten: aber sie sind charak- teristisch. Mit derartigen Mitteln ist em lite­rarischer Film, der eben andauernd zum Ver­gleich mit einem bedeutenden Bühnen werk her- aussordert, nicht zu machen. Eine Gefahr für den Bearbeiter bietet die literarische Verfilmung fast immer: gerechtfertigt werden kann sie aus fünfte lertschen Gründen und andere Erwägungen stehm hier nicht in Frage nur bann, wenn fie Wertvolleres zu geben vermag als die Vor­lage, Verinnerlichung, Vertiefung, Erhellung: wo wie hier in sehr großen Teilen Ver­äußerlichung, Einseitigkeit unb ästhetische Ent­gleisung bietet, muß fie abgelehnt werden.

Interessant wäre es, zu wissen, wieviele m>n denen, die den Film sahen, Hauptmanns Drama kennen: unb wieviele von denen, die es nicht kennen, durch den Fllm auf den Gedanken gekommen sind, es zu lesen. r

Das Geheimnis des verlassenen Schiffes.

Ein großes Meergeheimnis" nennt sich ein I. G. Lockhart, das soeben in London wird einer der geheimnisvollsten Vorfälle behandelt, die die Geschichte der Schiff­fahrt kennt, nämlich die Auffindung der Segel- hriggQllarl) ©tiefte am 5. Dezember 1872.

Schftf wurde von einem andern Fahrzeug ©ei Gratia in voll«: Fahrt, bte ganze Tccktiage

Angesichts dieser Beschränkung der finanziellen Bewegungsfreiheit fei jede echte Kapitalneubil- bung unterbunden und die Konkurrenzfähigkeit unserer Produktion auf dem Weltmarkt fast un­möglich.

Im Anfchluß hieran ging der Vortragende auf die gelb- und kreditpolitischen Verhältnisse innerhalb unseres Wirtschaftslebens ein, deren notwendige Stetigkeit in den letzten Monaten mehrfach bedenklich gestört worden sei, insbesondere durch übertriebene Zumutungen an den Kapitalmarkt. Man müsse die Schwierig­keiten der Kreditbeschaffung mit allen Mitteln aus dem Wege zu räumen versuchen.

Auf dem Gebiet der sozialpolitischen Lasten, die ebenfalls zu einer Verteuerung auf der Produktionskostenseite führen, machte Geheimrat Kastl vor allen Dingen darauf auf­merksam, daß

die Gesamtleistung durch die sozialen Versiche­rungen im Jahre 1926 4,5 Milliarden gegenüber 1,4 Milliarden 1913 betrug, und daß man für 1927 die Sozlalbelastung voraussichtlich auf mindestens 4,7 Milliarden schätzen müsse.

Rotwendig seien vor allem organisatorische Maß­nahmen für eine Verringerung der Krisenver- forgten. In diesem Zusammenhang kam der Vor­tragende auch auf das A r b e i t s z e i t n o t- gesetz zu sprechen, das sich heute bescmders erschwerend auswirke. Er stellte die Frage: Wie kann in einem Lande mit solcher Kapiialarmut und derartig hohen auswärtigen Verpflichtungen freiwillige Mehrarbeit be straft werden?!

Danach streifte der Vortragende die Tarif- Politik der Reichsbahn und Post und wandte sich sodann der deutschen Handels­politik der letzten Jahre zu. Die Bereit­willigkeit Deutschlands, seine Zölle abzubaueir, habe leider das Ausland nicht zu einem gleichen Entgegenkommen veranlaßt: ein Beispiel fei in dieser Beziehung der neue deutsch-franzö­sische Handelsvertrag, dessen Bedeu­tung nicht verlleinert werden solle, denn er habe die Meistbegünstigung und die Bindung der Zölle der Waren unseres wichtigsten Export int eresses gebracht. Der berechtigte Schutz des inneren Marktes und der Zwang zum Export mache eine deutsche Handelspolitik auf der mittleren Linie notwendig.

Die deutsche Industrie sei bereit, an einer inter­nationalen Wirtschaftsverständigung und einer Senkung des internationalen Zollniveaus mit- juarbeiien, aber nur Schritt für Schritt und

Zug um Zug.

Besonders eingehend behandelte schließlich der Vortragende noch die Kartellfrage, sowie die Berufsausbildung. Es sei bekannt, daß in vielen Industrien erst der kartellmäßige Zusammenschluß dazu geführt habe, die Erzeu­gung zu verbessern. Deswegen müsse dem Orga­nisationsbedürfnis genügender Spielraum und größte Bewegungsfreiheit gelassen werden. Die Verhinderung der Preisschleuderei fei eine wich­tige Voraussetzung für die Erzeugung von Qua­litätswaren. Durch Rormung, Typisierung und Spezialisierung der Derbandserzeugnisse, durch Förderung des Austausches von Erfahrungen und durch Kallulationsprüfungen werde quälte tätsfördernd gewirkt. Auch die weitgehenve An­wendung der Derbandsmarke wirke qualitätsför­dernd. Der Vortragende verlangte Unterstützung und Förderung der neuen Aufgaben der Kartelle durch die Regierung.

Die Rotwendigkeit eines hochwertigen gewerb­lichen Facharbeiternachwuchses zeige sich gerade hinsichtlich der Qualitätsfrage heute mehr denn je innerhalb der Industrie. Besonders erfreulich fei das neuerdings erzielte Zusam­mengehen des Handwerks und der Industrie in dieser Frage. Die Forderung der Berufsausblldung zum hochqualifizierten Fach­arbeiter sei eine Lebensfrage für die Industrie. Sie muffe sich durchsetzen trotz der Angriffe durch die Arbeiterorganisationen. Damit werde auch eine Verbesserung der Lage aller Arbeiter er­reicht.

Geheimrat Kastl schloß seine Ausfilhrungen mit der öffentlichen Bekundung, daß der Reichs- verband der Deutschen Industrie bei seiner wirt­schaftspolitischen Arbeit nur das eine große Ziel vor Augen habe,

vom Wind gebläht, entdeckt ohne eine Men­schenseele an Bord. Das Geheimnis des Schiffes, das sich auf der Reise von Reuhork nach Gi­braltar befand, ist bis auf den heutigen Tag ungelöst, denn von keiner der zehn Personen, die die Mannschaft bildeten, ist je wieder einet Spur aufgetaucht. Man hat viele Crklärungenj versucht, aber erst jetzt scheint durch Lockhart, der genaue Erkundigungen bei den Eigentümern des Schiffes und der Familie des Kapitäns ein­gezogen hat, der richtige Weg gewiesen zu fein. Das einzige Boot, das die Brigg mit sich führte, fehlte, und eine der Luken war in die Höhe ge­zogen. Des Rätsels Lösung liegt wohl in der? Ladung, die aus 1700 Barrels Alkohol bestand. Eine solche Ladung ist zwar unter gewöhnlichen» Umständen ganz unbedenklich, aber es kommt vor, daß unter gewissen Bedingungen Gase entwickelt werden, die Explosionen Hervorrufen. Es ist aiv zunehmen, daß am 25. Rovember 1872, als sich die Brigg einige Kilometer von der Insel Santa Maria in den Azoren entfernt befand, Gas­geruch bemerkt wurde und der Kapttän befahl, daß eine der Luken geöffnet wurde, um Luft einzulassen und das Gas zu zerstreuen. Während die Leute die schwere Luke öffneten, muß eine Explosion erfolgt fein, die einen der Männer, wahrscheinlich verletzte oder tötete. Dies läßt sich daraus schließen, daß sich Blutspuren an der aufgezogenen Luke fanden. Dadurch geriet die Mannschaft in eine Art Panik und stürzte in daS Rettungsboot, das rasch herabgelafien wurde. Vielleicht ist das Heine Doot dabei umgeschla­gen und alle sind ertrunken. Vielleicht oben ruderten sie auch vom Schiff weg, um sich auH 8U dringen. Sie warteten, nichts geschah denn durch den Zutritt der frischen Luft waren dte Gase beseitigt. Unterdessen aber erhob Ud) der Wind und entführte die Brigg mit vollen Segeln. Z)ie Mannschaft suchte die Küste von, Santa Maria zu erreichen, muß aber dabei zu­grunde gegangen sein.