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Der französische Ozeanflug abgebrochen.

Le Dourget, 2. Sept. (Wolff.) Das Flug­zeug derBlaue Bogel" mit den Fliegern ®ioon und Corbu an Bord ist wieder hierher zurückgekehrt.

DerBlaue Bogel" tauchte um 8.15 älhr über dem Flugplatz Le Bourget auf und suchte eine paffende Stelle zum Landen unter allmäh­licher Entleerung der Denzinbehälter. Rach der Landung, die genau um 10 Uhr vor sich ging, nachdem von den 9700 Litern Benzin beinahe 5000 Liter abgelassen worden waren, erklärten die beiden Flieger, sie seien gezwungen gewesen, über Saclay nach einstündigem Flug infolge dichten Rebel s, in dem sie sich keinen Weg hätten bahnen können, um zu keh- ren. Sofort nach der Umkehr hätten sie be­gonnen, die Behälter zu entleeren, um eine ge­nügende Leichtigkeit für die Landung zu haben. Gin Beschluß betreffend einen neuen Start desBlauen Bogels" ist noch nicht getrof­fen worden. Der Apparat wurde sofort in die Halle gebracht und diese verschlossen.

DerTemp s" berichtet, daß bereits eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Start des Blauen Bogels" ein Startversuch unternommen worden sei, der jedoch mißlang, wobei aus dem Hinteren Motor Flammen geschlagen seien, die ein Arbeiter durch Ueberwerfen seiner Mühe rasch ersticken konnte. Außerdem hebt das Blatt hervor, daß Givon in östlicher Richtung geflogen sei. DemIntransigeant" erklärte Givon, daß es ihm angesichts der Belastung des Appa­rates nicht möglich gewesen sei, über 500 Meter zu steigen. Das Begleitflugzeug, das den Blauen Bogel" sehr rasch aus den Augen ver­lor, bestätigt, daß dichter Rebel herrschte und daß es, um den Rückweg zu finden, ziemlich hoch steigen muhte. Rach dem gleichen Blatt soll Givon erklärt haben, er hofie binnen kurzem wieder einen Versuch zu machen.

Noch Keine Nachricht von den englischen Ozeanfliegern.

London, 3. Sept. (W.T.D.-Funkspruch.) Lieber das Schicksal des vermißten OzeanflugzeugesSt. Raphael" lagen

bis in den frühen Morgenstunden immer noch keine Rachrichten vor. Die Blätter be­ginnen bereits an der Möglichkeit einer Ret­tung zu zweifeln.

Nach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Ottawa glaubt man, daß das FlugzeugS t. R a - phael" nach Norden abgetrieben worden ist. Diese Annahme werde bestätigt durch die Nach­richt, daß nördlich von Quebec ein Flugzeug ge­sichtet worden sein soll, dessen Identität nicht fest­gestellt werden konnte.

Der EindeckerOld Glory" stellt vor der Küste Neufundlands in einem Umkreis von 800 Meilen Nachforschungen nach dem Flugzeug St. Raphael^ an.

3n diesem Jahre kein neuer Start derBremen"?

Berlin, 2. Sept. (Wolff.) Professor Jun­kers hat am 1. September mittags aus Warne­münde, wo er sich gegenwärtig aufhält, an dis Besatzung derBreme n", Hauptmann Köhl, v. Hünefeld und Loose folgendes Tele­gramm gerichtet:Bezugnehmend auf die tele­phonische Anfrage betreffend Start der Bremen" möchte ich Ihnen meine Be­sorgnisse nicht verhehlen, das Unternehmen bei solch später Iah reszeit noch einmal in Angriff zu nehmen. Die langen Rächte und die schnell wechselnde Witterungslage im September erhöhen das Risiko, so daß der Flug vom Stand­punkte der Forschung und Entwicklung nicht mehr gerechtfertigt erscheint. Ich halte mich trotzdem nicht für berechtigt, mich, den von Ihnen angeführten Gründen zu verschließen und stelle die Entscheidung über den Start und dessen Zeitpunkt nach Ihrem Wunsche In Ihr eigenes Ermessen. Ich überlasse Ihnen diese Entscheidung um so unbedenklicher, als ich überzeugt bin, daß Sie sich durch öffentliche Dis­kussionen, wie z. B. des soeben bekannt geworde­nen Startes in England, oder andere Einwir­kungen in Ihrer nüchternen Entschließung nicht beeinflussen taffen."

Furchtbares Sprengurrglück bei Kassel.

11 Arbeiter getötet.

Kassel, 2. Sept. (WTB.) In einem Basalt­steinbruch in der Nähe von Zimmersrode ereignete sich heute mittag ein s ch w e r e s Sprengunglück. Durch die vorzeitige Explosion eines Sprengschusses wurde eine Anzahl Arbeiter von den herabstürzenden Gesteinsmassen getroffen. 11 Männer Haden nach den bisher vorliegenden Meldungen den Tod gefunden.

Die Arbeiter waren damit befchäfttgt, zwei Sprengstollen, die bereits mit dem für eine größere Sprengung vorgesehenen Sprengmaterial gefüllt waren, zuzumauern, als sich aus noch nicht g e ° Härter Ursache d i e Sprengladung ent­zündete. Die in dem Stollen befindlichen Arbeiter wurden durch den ungeheuren Luftdruck weit fort- geschleudert und sofort getötet. Die durch den früh­zeitig losgegangenen Schuh gelösten ungeheuren Gesteinsmasien stürzten auf andere vor dem Stollen arbeitende Männer und begruben diese unter sich.

von den Arbeitern wurden elf auf der Stelle getötet, während einem zwölften ein Auh zer­schmettert wurde.

Ein Teil der Leichen liegt noch unter den herab­gestürzten Gesteinsmassen und dürfte nicht io bald geborgen werden können. Bald nach dem Unglück waren zwei Aer^te zur Stelle. Nach einiger Zeit traf auch eine Gerichtskommission an der Unglücksstelle ein, um die erforderlichen Erhebungen einzuleiten. Don den elf Opfern der Katastrophe stammen

vier aus Allendors, fünf, darunter Vater und Sohn, aus Michelsburg, einer aus Schlierbach und einer aus Wallersbrück.

Wie wir weiter erfahren, betrug die Beleg­schaft in dem der Firma Siecke & C o. gehören­den Basaltsteinbruch etwa' 9 0 Mann. Das Lln- glück ereignete sich gegen 3 Llhr nachmittags durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschuh. Da sämtlichean dem Ort des Unglücks beschäftigten Arbeiter, darunter zwei Sprengmeister, getötet worden sind, läßt sich die Ursache der vorzeitig losgegangenen Spreng­ladung noch nicht sagen. Glüctticherweise befand sich der größte Teil der Belegschaft an einem anderen Punkte des Bruches und blieb so von dem Unglück verschont. Die älnglücksstätte selbst bietet fein außergewöhnliches Bild, da die Ge - steinsmassen die Arbeiter größten­teils zugedeckt haben. Rur einige Leute, die ziemlich am Auhenrand des niedergebrochenen Gesteins lagen, konnten bald geborgen werden. Sie sind zum Teil stark verstümmelt. Der Bruch zeigt an der ilnfallftelle eine sehrhohe steile Abraumwand. Die Wucht der Gesteins­massen war infolgedessen außerordentlich groß. Die Llnfallstelle wurde von Landjägern abge­sperrt. Die Bergungsarbeiten sind in vollem Gange. Beide Inhaber des Dasaltbruches be­finden sich an der Llnglücksstätte.

: ßenpolitischen Erfolgen. Die überschwengliche Be- ;eifterung, mit welcher vor wenigen Jahren die Lo- arnopolitif begrüßt wurde, war nicht ganz unecht.

Leben und leben lassen erscheint vielen englischen Zeitgenossen auch heute noch als Quintessenz poli- üscher Wahrheit. Gewiß ist Deutschland nicht gerade populär. Aber unpopulärer ist doch im Grunde Frankreich. An Frankreich kettet nur die Empfindung der Unsicherheit und der Gefahr der weltpolitischen Lage.

Daraus entspringt aber, besonders in leitenden Kreisen der konservativen Partei, das Gefühl der Unzulänglichkeit der leitenden Minister. Nur fehlt es an der Möglichkeit zum Absprung. Baldwin ist, konstitutionell gesehen, selbstverständlich in der besse­ren Lage. Er ist das Haupt der Regierung. Er be­sitzt die Jnitiattoe vor anderen. Aber er ist im Grunde, was wir schon oft gesagt haben, eine schwächliche Persönlichkeit. Auch befindet sich alle Welt auf Urlaub. Somit ist es nicht wahrscheinlich, obwohl möglich, Has die erwartete Reorganisation des Kabinetts sofort Ereignis wird. Nur keine Ueber- ftünung! Das ist der Wahlspruch der englischen Politik auch im Innern.

Wie auch immer die Entwicklung weiter geht, eines steht fest: der Rücktritt Cecils ist ein Sturm­zeichen. Er leitet die erste äußerlich sichtbare Krisis der englischen Negierung ein. Wenn es richtig ist, daß Chamberlain der eigentliche Gegner Ce­cils ist, dann können wir von einer wirklichen Um­bildung des Kabinetts sogar einiges erhoffen. Zu allen diesen Voraussagen ist es aber zu früh. Heute genügt die Feststellung, daß zwar eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, dag aber die Erfahrung beweist, daß diese erste Schwalbe der Vorläufer von anderen ist. In diesem Sinne hat Cecils Rücktritt die polittsche Meinung in London außerordentlich erregt. Manche Auguren wollen sogar schon wissen, daß die Tage Baldwins wie Chamberlains gezählt sind.

Die gestrige Ratssitzung.

Genf, 2. Sept. (WTB.) In der heutigen Ratssitzung wurde neben dem Berichte über die Pressekonferenz eine Reihe von Berichten angenommen, nachdem der rumänische Außen­minister Titulescu den Dank für die Beileids­kundgebung zum Tode König Ferdinands ausge­sprochen hatte. Der Bericht, der den Antrag Danzigs auf Abänderung der Verwendungsbe­stimmungen der Stadtanleihe an das Finanz­komitee verweist, weiter ein Bericht des Reichs­außenministers Dr. Strefemann über die Ar­beiten des Wirtschaftskomitees und schließ­lich ein Bericht von Paul-Boncour über die Arbeiten des Ausschusses für internationale geistige Zusammenarbeit wurden de­battelos angenommen. In dem Bericht über die Tätigkeit des Wirtschaftskomitees werben die orga­nisatorischen Vorarbeiten zur Behandlung der drei Fragen b-r Weltwirtschaftskonferenz dargestellt, die sich auf 3g. Tarife und Handelsverträge, ferner aus die Vereinheitlichung der Zollnomenklatur und schließlich auf die Vorbereitung einer internationalen Konferenz über die Behandlung der ausländischen Unternehmungen und Staatsangehörigen beziehen. Der Bericht über die Arbeiten des Ausschusses für internationale geistige Zusammenarbeit, ein ziemlich umfangreiches Schriftstück, befaßt sich mit den Fra­gen des Pariser Instituts, des Austausches von Bil- dunaseinrichtungen, des Urheberrechtes bei wissen­schaftlichen Arbeiten und mit verschiedenen künstle­rischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen des Dölkerv/^ids^-usschusses für Internationale geistige Zusammenarbeit.

Unterredung Slresemanns mit Chamberlain.

Gens, 2. Sept. (WTB.) Reichsminister Dr. S t r es e m^n n hatte heute abend eine längere Unterredung mit dem englischen Äußenmi nister Sir Austen Chamberlain, die kxls ganze Gebiet der schwebenden poli­tischen Fragen behandelte. Verschiedene Be­sprechungen zwischen 6en Vertretern der Lo - carnomächte dürften sich anschliehen. Das Abendessen, an dem gestern abend Reichsminister Dr. Stresemann zusammen mit L o u ch e u r, Paul-Boncour und anderen Herren mit ihren Damen teilgenommen haben, trug entgegen anderslautenden Annahmen keinerlei politischen Charakter. Die beschlossene Verminderung der Besatzungstruppen wird übrigens formell erst im Lause der übrigen Fragen der deutschen Delegation zur Kenntnis gebracht wer­den. Das hat nicht die Bedeutung einer Vernach­lässigung der Höflichkeit gegenüber Deutschland, sondern geht auf die Rotwendigkeit zurück, zu­nächst die Ratsmitglieder zu orientieren, die an der Besetzung de facto nicht teilnehmen, aber aus Grund des Versailler Vertrages an den An­gelegenheiten der Besetzung mitbeteiligt sind.

Abreise Briands nach Genf.

Paris, 2. Sept. (WB.) Außenminister Bri­an d ist heute 20.55 Uhr nach Genf abgereist.

Hubert Nachfolger de Iouvenels

P ar i s, 2. Sept. (WTB.) In dem heute vor­mittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Re­publik abgehaltenen Ministerrat erstattete Außenminister Briand Bericht über die aus­wärtige Lage. Auf seinen Vorschlag wurde der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Hubert, an Stelle des zurück- getretenen Senators de Jouvenel zum Mitglied der französischen D ö l k e r b u n d s d e le­gal i o n ernannt. Der nächste Ministerrat findet am 10. September statt.

Polen schlägt einen Nichtangriffspakt vor?

Genf, 2. Sept. (WTB.) 3n Genfer Kreisen erregt heute abend die Meldung desPetit Pa- risien" Aufsehen, wonach Polen die Einbrin­gung eines Vorschlages vor der Völkerbunds­versammlung beabsichtigt, einen allgemeinen Richtangriffspakt zu schließen. Rach Er­kundigungen in den verschiedenen interessierten Genfer Lagern erscheint die Feststellung ange­bracht, daß eine Dorfühlung über einen derartigen Vorschlag kaum stattgesunden hat. Trotzdem nimmt man hier an, daß Polen mit einem solchen Vorschlag hecvortrcten und damit eine Gesamt­aktion des Völkerbundes herbeizuführen suchen wird, die in gewisser Analogie zu den Be­mühungen über das Genfer Protokoll stehen würde. Die Großmächte würden aber eine improvisierie Aktion von solcher Tragweite wohl schwerlich ohne weitere Folgen an- nehmen können. Deutschersei ts wird vor genauer Kenntnis von Form und Inhalt eines derartigen Vorschlags keine Stellungnahme

erfolgen können, da mit dem Vorschlag eines Nichtangriffspaktes sehr viel oder sehr wenig gesagt fein kann, je nachdem wie der Gedanke formuliert werden wird.

Die bevorstehenden Dölkerbundswahlen,

Genf, 2. Sept. (WTB.) Die Präsident- schaft der Völkerbundsversamm­lung, die alljährlich bereits vor Beginn der Tagung gewöhnlich zu bestimmten Kombinationen geführt hat, ich gutem Vernehmen nach noch gan z ungeklärt, da die ersten erörterten Vorschläge auf Widerstände personeller und for­meller Ratur gestoßen sind. Auch die Frage der R e u w a h l der drei nichtständigen Rats­mitglieder befindet sich noch im Vor- stadium. Es ist aber sicher, daß für das aus- scheidende nichtständige Ratsmitglied San Sal­vador wiederum ein lateinamerikani­scher Staat gewählt werden wird. Ebenso steht das Ausscheiden der Tschechoslowakei fest. Die weiter genannten Bewerber sind Belgien, Finnland, Portugal, Griechenland und Dänemark.

London, 3. Sept. (W.T.D.-Funkspr.) Der diplomafische Berichterstatter desDaily Tele­graph" besaßt sich eingehend mit derinten­siven, ausgedehnten Propaganda" in Genf gegen eine Kandidatur Canadas für einen der nichtständigen Ratssihe und gegen jede Vermehrung des britischen Ein­flusses.

gum Katholikentag in Dortmund.

Dortmund, 2. Sept. (WTB.) Heute nach­mittag traf Nuntius P a c e l l i, von Trier kom­mend, im Flugzeug im Dortmunder Flughafen «in. In feiner Begleitung befand sich auch Prälat K a a s. Nach einem Imbiß im Flughafen besichtigte der Nuntius die Werkanlagen des Stahlwerks Hoesch. 3m Lause des Nachmittags ist, von Freiburg kom­mend, Reichskanzler Dr. Marx mit Gemahlm ein- getroffen, ebenso Staatspräsident Trunk und der Präsident des badischen Landtags Baum­gartner.

Die Ergebnisse der Leipziger Herbstmeffe.

Leipzig, 3. Sept. (W. T. B. Fuickspruch) Die diesjährige Leipziger Herbstmesse hat eine Gesamtzahl von 120000 geschäft­lichen Besuchern zu verzeichnen gehabt, von denen bas Ausland etwa 10 Prozent stellte. Damit ist die vorjährige Zahl wesentlich

übertroffen worden. Die Zahl der Messe- Aussteller belief sich auf fast 9000, hierunter befanden sich 535 ausländische Firmen. Der Ge­schäftsgang auf der Messe entsprach der gebesserten Wirtschaftslage. Der In- landsmarkt kaufte hauptsächlich für den Weih- nachts- und Winterbedarf. Auf der Baumesse kaufte man für den nächstjährigen Baubedarf. Bevorzugt wurden in zahlreichen Branchen die besseren Preislagen, was auf die zunehmende Erholung der Kaufkraft schließen läßt. Die Aus- landkundschaft interessierte sich besonders für Neu­heiten aller Art in Gebrauchs- und Luxuswaren. Im Rahmen der gegenwärtigen Wirtschaftslage hat die diesjährige Leipziger Herbstmesse die gegebenen Möglichkeiten restlos verwirklicht.

Bluttat in der

Warschauer Sowjetgesandtschaft

Warschau, 2. Sept. (WTB.) Heute vor­mittag 11 IHjr kam es in der russischen Botschaft zu einem Zusammen stoß zwi­schen einem russischen Emigranten, dessen Gesuch um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Rußland abschlägig beschieden worden war, und dem Ge­sandtschaftsdiener. Der Emigrant «griff dabei den Gesandtschaftsdiener mit dem Messer in der Hand an und wurde von dem 2Ingegriffenen, der sich mit dem Revolver zur Wehr setzte, au: der Stelle getötet. Auf Verlangen der sowjet- russischen Gesandtschast haben sich ein Vertreter der polnischen Gerichtsbehörden und ein Vertreter des Auswärtigen Amtes zur Einleitung der älntersuchung an Ort und Stelle begeben.

Wie die bisherige Untersuchung ergab, heißt der Erschossene Ioseph T r a j k o w i c z. wurde 1907 in Wilna geboren und gehörte der ortho­doxen Kirche an. Trajkowicz ist polni­scher Staatsbürger. Rach Erzählungen von Mitgliedern der Svwjetgesandtschaft erschien Trajkowicz, der offensichtlich sehr erregt war, heute vormittag in der Sowjetgesandtschast und verlangte den Geschäftsträger 111 j a n o f f zu sprechen. Als ihm bedeutet wurde, daß der Ge­schäftsträger nicht zu sprechen sei, fing er an zu schimpfen. Dann zog er ein Messer aus der Tasche und oertounbete damit einen Diener an der Wange. Sodann hieb er mit einem Stock auf das im Vorzimmer hängende Bildni' Le­nins ein. Hierauf versuchte er die Flucht zu ergreifen. In diesem Augenblick gab der Tele­phonist der Gesandtschaft fünf Revolver­schüsse auf ihn ab, so daß er vor der Tür t o t zusammen brach. Es wird vermutet, daß Trajkowicz geistesgestört war.

Cholera in der chinesischen Südarmee.

London, 3.Sept. (WTB. Funkspvuch.)Daily Mail" berichtet aus Schanghai: Die Cholera ist jetzt ein furchtbarer Feind der Süd truppen, als Suntschuangfangs Nordheere, die, wie be­richtet wird, in vollem Rückzug vom Pangtse an der PukauPeking-Dahn find. In Nanking hat die Cholera fast den Umfang einer Epi­demie angenommen. In dieser Stadt erhöhen Hunderte von unbeerdigten Leichen und das schmut­zige Flußwasser die Ansteckungsgefahr. Es heiße, daß die Menschen in den Straßen Ser­ben, und daß nicht genügend ärztliche Hilfe vorhanden ist, um der Krankheit Herr zu werden. Auch in Schanghai hat die.Zahl der Cholerafälle beträchtlich zugenommen.

Aus aller Welt.

Die Manöver auf Rügen abgesagt.

Wegen der durch Unwetter verzögerten Ein­bringung der Ernte, sowie der erneuten Schäden in Rügen und Mecklenburg hat der Chef der Heeresleitung angeordnet, daß die Manöver der 2. Division, die in Rügen stattfinden ollten, ausfallen, und zwar mit der Be­gründung, daß zwar die Schäden, die durch die Manöver entstehen, bezahlt werden [ömuen, aber volkswirtschaftlich nicht zu tragen wären. Es sol­len auch keine anderen Hebungen der Truppen stattfinden. Diese sollen vielmehr, oweit irgend möglich, vollzählig für die Einbringungsarbeit zur Verfügung gestellt werden.

(Eröffnung der Deutschen Aunkausstellung.

Die Vierte Große Deutsche Funkausstellung, die größte Radioschau Europas, ist gestern mittag in Berlin eröffnet worden. Zu den (Eröffnungsfeier- lichtesten waren mehr als tausend Ehrengäste er- d)Urnen, darunter Vertreter der Reichs- und Staats­behörden und der Kommunaloerwaltung.

Harakiri im Gerichtssaal.

Während einer Verhandlung vor dem erwei­terten Schöffengericht in Esten versuchte gestern der wegen Einbruchsdiebstahls angel tagte Buch­binder Rutzki in dem Augenblick, als der Staats­anwalt eine Zuchthausstrafe von drei Iihren be­antragte, in einem Anfall von Raserei mit einem scharfen Küchenmesser Harakiri zu machen. Er brachte sich plötzlich mit heftigen Stößen zwei Stiche in den Unterleib bei. Mit einem gellen­den Schrei brach er auf der Anklagebank zu­sammen. Die Verhandlung mußte unterbrochen werden. Die Verletzungen des Angeklagten sind zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich.

Großes Grubenunglück verhütet.

Auf der ZecheKarolinenglück' der Ver­einigten Stahlwerke in Hamm brach gestern in dem Förderschacht Feuer aus, das den Umfang einer Katastrophe hätte annehmen können. Durch die gewaltige Rauchentwicklung waren 250 Berg­leute, zwischen zwei Wetteriürmen eingesperrt, während l1/. Stunden in höchster Lebensgefahr. Ein Vordringen zum Schacht war den Einge­sperrten nicht möglich. Den Anstrengungen der Rettungsmannschaft gelang es, das Feuer zu löschen und die Lebensbedrohten auS der gefahr­vollen Lage zu befreien.

Unterschlagungen bei einer Bahnhosskasse.

Bei der Bahnhofskasse am Berliner Ringbahnhof Wedding sind umfangreiche Unterschlagungen aus- gedeckt worden, die einem Angestellten zur Last gelegt werden. Der Täter hatte die Schlüssel zur Kasse weggeworfen, um den Verdacht von sich abzu- lenfen. Die Polizei hat drei Beamte verhaftet.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die einfliehenden feuchtwarmen ozeanischen Luftmassen brachten im Laufe des gestrigen Ta­ges unserem Gebiet vorübergehend Bewölkung mit stellenweiser Gewitterneigung. Durch die weitere Abflachung des isländischen Tiefdruck­gebietes ist der Einfluß seiner Randstörungen auf die Wetterlage vom nordwestlichen Europa bedeutungslos geworden. Obwohl über Frankreich Luftdruckfall einseht, gewinnt die Witterung Deutschlands noch keinen Einfluß auf Aenderung, denn der Ostluftstrom behält zunächst die Vor­herrschaft.

Wetter-Voraussage: Meist heiter, warm und trocken.

Witterungsaussichten für Mon­tag: Rur zeitweise etwas bewölkt und Gewitter­neigung. sonst Fortdauer des herrschenden Wilte- rungscharakters.

Lufttemperaturen am 2. September: vormittags 25 Grad Celsius, nachmittags 17,3 Grad Celsius, am 3. September: vormittags 16,7 Grad Celsius.