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Nr. 179 Erstes Blatt

177. Jahrgang

Mittwoch, 3. August (927

General-Anzeiger für Oderheffen

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Loollöge verzichtet auf die Prüsidentschastslandidatur.

Rapid City, 2. August. (WB.) Präsident Loolidge erklärte den Vertretern der Zeitungen, er sei n i ch t g e n e i g t, sich für die präsidenl- schaftswahl von 1928 a l s Kandidat auf. ft e l l e n zu lassen. Die Erklärung wurde vom Präsidenten den Pressevertretern ohne jeden Kom­mentar gegeben. Sie wurde heute am vierten Jahrestage seiner Wahl veröffentlicht. Die den Pressevertretern übergebene Erklärung war mit Schreibmaschine auf kleine Blätter gefchrieben. wäh­rend der ganzen Konferenz wurden nicht mehr als ein halbes Dutzend Worte zwischen dem Präsidenten und den Pressevertretern gewechselt. Ls gilt für sicher, daß Loolidge niemanden um Rat gefragt hat, als er seine Aufsehen erregende Erklärung vorbereitete. Von den Anhängern des Präsidenten wurde später betont, dah die Tür zur Nominierung Loolidges durch seine Erklärung noch nicht geschlossen sei, wenn die Wähler­versammlung ihn wählen sollte. Der Vizepräsident, General Dawes erhielt Loolidges Ankündigung gleichfalls ohne Kommentar. Dawes gilt in weiten Kreisen als möglicher Präsidentschaftskandidat. Der Neuyorker Korespondent desDaily Telegraph" be­richtet: wenn Loolidge bei den nächsten Präsidenten­wahlen nicht wieder kandidieren würde, so würde nach Ansicht vieler Personen der Handelssekretär Hoover sein Nachfolger werden.

Japans Vermittlung.

Die Krisis der Seeabrüstnngskonferenz.

Genf, 2. Aug. (WTB.) Nach wie vor ist die japanische Delegation zur Marinekonserenz bemüht, zwischen England und Amerika zu ver­mitteln. Nach mehrtägigen Beratungen hat sie den Entwurf eines provisorischen Abkom­mens ausgearbeitet, den sie Montag abend der amerikanischen Delegation vorlegte, heute vormittag begab sich G i b s o n , begleitet von Admiral Jones, zum Chef der japanischen Delegation saito. Nach der Unterredung, der Viscount I s h i i beiwohnte, nahm der letztere Fühlung mit Brid­geman über die Möglichkeit eines Kompromisses, lieber die Beratung wird strengstes Still- jchweiSen gewahrt. Erst dann, wenn im Lause des Tages sich die Möglichkeit eines Kompromisses ergeben würde, könnten die Japaner aus der reser­vierten Stellung l)erauskommen. Für den Augenblick handelt es sich um Sondierungen. Der neue japa- aijche Dermittlungsvorschlag soll die Einschaltung einesn a v a l holiday, d. h. die Aussetzung weiterer Flottenbauten für einen bestimmten Zeit­raum, Vorschlägen. Nach dem japanischen Vorschlag ioU jedoch Amerika die Möglichkeit eingeräumt werden, seine Flotte dem gegenwärtigen Niveau der mglischen Flotte a n z u p a s s e n. Bon englischer Seite wird jedoch schärfster Widerstand gegen die chwere Bewaffnung der leichten Kreuzer mit 8-Zoll- deschützen geltend gemacht. Diese Frage bildet zur 3eü die Hauptschwierigkeit der gegenwärtigen Ver­handlungen. Welchen weiteren Verlauf die heute cingeleiteten neuen Erörterungen nehmen werden, st zur Zeit noch in keiner Weise zu übersehen, ins­besondere da von den drei Delegationen außer­gewöhnliches Stillschweigen über den Gong der Ver­handlungen gewahrt wird Ob die für Donnerstag unberufene Vollsitzung der Konferenz statt- iinden, wird, steht gleichfalls noch keineswegs fest.

Romantische Zahlt zu Daudet.

Paris, 2. Aug. (WTB.) DasJournal" ver- öffentliche heute morgen den Bericht eines Sonder- derichtersts.tters über eine Unterredung mit Daudet. Der Bericht ist datiert vom 1. August Irgendwo i n Frankrei ch". Der Bericht- irftatter wurde in einem Privatwagen außerhalb Baris gebwdjt und auf offener Straße abgesetzt. Rach kurzem Warten wurde er von einem Sport- vagen in Empfang genommen und in rasender fahrt mehrere Stunden weit besör- ) e r t. Dem Berichterstatter war es durch eine un- lurchsichtige Brille unmöglich gemacht, sich über den Beg zu orientieren. Nachdem die Fahrt beendet vor, wurde er auf ein von dem Chauffeur ihm mit- ceteillen Stichwort an einer bestimmten Stelle von unem jungen Mann in Empfang genommen, der ihn wenige Schritte weit zu einem kleinen, im Grünen telegenen Haus führte, das von einem Geistlichen »ewohirt und in dessen oberen Stockwerk 2 au-det Zuflucht gefunden hat. Daudet ß-lbst erschien und erklärte:hier bin ich in eigener Person. Ich halte mich weder im Ausland auf, noch ergenbroo versteckt in einem Keller." Daudet sagte, daß er den Kampf um seine Sache unbeirrt w e i- berfiihren würde. Nach Beendigung der Unter­redung wurde der Berichterstatter desJournals" in dem gleichen Sportwagen direkt nach Paris zurück- brfördert.

verRichtungsiampf in Ruhlas

TRoskou, 3. Aug. (Telegraphen-Agentur der Sowjet-Union, Funkspruch.) Das Bureau des Vereins alter Bolschewisten veröffentlicht einen Aufruf, in dem es verlangt, daß die Opposi - t-ionsführer aus dem Zentral-Komitee der

Zwei Jahre Getreideschlacht.

Mussolinis Kampf um die Ernährung Italiens.

Bon unserem römischen -Korrespondenten.

Rom, Ende Juli.

Am 4. Juli 1925 gab Mussolini das Zeichen zum Beginn der battaglia del grano, der Getreide­schlacht. Ein königliches Dekret verfügte die Ein­setzung eines ständigen Getreiderates, des Generalstabes des Getreidefeldzuges", Mussolini selber übernahm den Oberbefehl. Es ist nicht an­gebracht. über diese militärische Aufmachung zu spötteln, denn im heutigen Italien w.rd tatsächlich kommandiert, Krieg geführt, gekämpft auf Leben und Tod. Denn Tod bedeutet die Brot­abhängigkeit vom Auslande, folglich muß das ganze Bolk heute fein Leben einsetz en, um es in einem kommenden Kriege nicht zu verlieren.

Mit dem großen Kriege rechnet Mussolini genau wie Foch in zehn bis fünfzehn Jahren, also muß bis 1935 ungefähr der Sieg in der Getreide­schlacht errungen fein. Das Ziel lautet nach Mus­solini: Italien kann und muß das Getreide hervorbringen, das es verbraucht! An die­sem Wort darf nicht gerüttelt werden.

Wieviel Getreide verbraucht Italien? 75 Mil­lionen Doppelzentner im Jahre. Wieviel erzeugt es bisher? Durchschnittlich 47 Millionen. Die Lage ist also klar. Auf welche Weise aber soll vorge­gangen werden?

Es ist nicht notwendig, so umschrieb Mussolini den Aktionsplan, die mit Getreide bebaute Doden- fläche zu erweitern, keinesfalls darf sie auf Ko­sten anderer Kulturgattungen, die für die Volks­wirtschaft notwendig sind, verringert werden. Nö­tig ist nur, den Ertrag des Hektars zu heben, eine auch nur geringe Steigerung des Durchschnittsertrages kann schon genügen. Diesem Grundsatz entsprechend hat sich der Getreiderat mit folgenden Fragen zu befassen: der Samen­auslese, der Düngung und Vervollkommnung der technischen Anbaumittel, dem Getreidepreis. Ein Feind der Kanzleiverfügungen, erkannte Musso­lini. daß manvor allem an die still und emsig arbeitenden Massen der Landleute heran­treten muß, welche die Hauptmacht des über die Felder Italiens ausgrstreuten Heeres bilden".

Dieser Apell an die Kerntruppe der nationa­len Volkswirtschaft, an den Bauern, hatte einen ungeahnten Erfolg. Die Männer des Pfluges wetteiferten in der Arbeit wie unsere modernen Sportfexen, sie fürchteten plötzlich nicht mehr die eisenzerbrechenden Schuttfelder ihrer entwaldeten Berghänge, nicht mehr das furchtbare Gestirn des Südens. Griff der reiche und weltgewandte Groß­grundbesitzer zu amerikanischen Motorpflügen, so tränkte das Schuldenbäuerlein die heilige Erde mit seinem Schweiße. Lieber das Gebot Mussolinis hinausgehend, griff man auch bisher brachge­legenen Boden an, nur um nicht hinter dem Nach­barn zurückzubleiben. Ausstellungen und Preise lockten, der Staat lieh sich nicht lumpen, -.vro es geldliche Unterstützung galt, bis zu den Saum­pfaden des Apennins hinauf wehte der gebene- deite Atem der rauschenden Kornfelder Eine neue Epoche war angebrochen, Verheißung flimmerte über den Garben.

Hinter der Dreschmaschine muhte natürlich gerechnet werden. In der Lieberzeugung, daß der freie Getreidehandel zur Aushungerung der auf die Einfuhr angewiesenen Länder führe zu Gunsten der ausbeutenden Monopolstaaten, rich­tete der Generalstab wieder die Zollwehr auf, als die gegebene Maßregel gegen den Getreide­trust. Der Zoll beträgt 40 Lire für den Doppel­zentner, belastet also das Volk schon bei einer Einfuhr von 10 Millionen Doppelzentnern, dem bisherigen Minimum, mit 400 Millionen Lire. Andrerseits bedeuten zehn Millionen mehr herausgewirtschaftete Doppelzentner Getreide einen Gew nn von ungefähr 2 Milliarden! Das Ringen lohnt sich also auch vom finanziellen Standpunkte aus.

7 Millionen Lire gibt die Regierung jährlich für den landwirtschaftlichen Wanderunter­richt aus, ebensoviel für Erweiterung der M u - sterfelder der landwirtschaftlichen Lehrstellen, 4 Millionen werden den staatlichen und genossen­schaftlichen Versuchsan st alten und höheren Lehranstalten zugewiesen. Lleberall bestehen Be­ratungsstellen. Jene drei Landwirte, die

in der Provinz die besten Anbauergebnisse erzielt haben, werden vom Minister für Volkswirtschaft zu Kommissionsmitgliedern ernannt.

Für die Getreideschlacht zum Erfolg, so ist sie geeignet, das riesige Defizit der italienischen Handelsbilanz auszugleichen, denn der Posten Getreide macht mit einigen verwandt eit die Hälfte des Defizits aus, er ist, wie Mussolini sagte, der gefräßigste unter den Würmern, die an der ita­lienischen Wirtschaft nagen.

Führt die Getreideschlacht zmn Erfolg, so ist sie Ernte wird eingebracht. wie lauten die Berichte der Heerführer? Nun, es ist noch nicht die Stunde gekommen, um die Glocken zu läuten, aber die ersten Siege zeichnen sich unverkennbar ab. Die Ernte 1925 bewies nicht weniger, als daß die durchschnittliche Getreideproduktion von 9 bis 13 Doppelzentnern auf den Hektar durch rationelle Methoden verdoppelt, in manchen Gegenden sogar verdreifacht werden tonn. Tausendhektarflächen lieferten durchschnittlich 30 Doppelzentner, einige Mustergüter der Provinzen Cremona und Emilia, der früher kommunistischen, heute faszistischen Hochburgen. 40 Doppelzentner. Bei großen Flä- chen kommt man auf folgende Vergleichszisfern: Deutschland 17,5 Dz., Ungarn 12; Italien 20. Bei kleineren Flächen: Belgien 25. Italien 27; bei noch kleineren: Holland 27, Dänemark 29, Italien 30. Diese Ziffern sind auch in klimatischer Hinsicht interessant, beweisen sie doch die Hinfälligkeit des Vorurteils, trockene Hochländer seien für den Ge­treidebau ungünstig. In der Provinz Aquila sieht man jetzt iwch auf 1400 Meter Höhe, wo in vielen Ländern schon die Baumgrenze liegt, wo­gende Kornfelder, in Umbrien hat ein Bauer auf 800 Meter Höhe noch 20 Doppelzentner gegen die sieben früherer Zeit geerntet. Einer der rüh­rigsten unö trotz seiner sünfundachtizig Jahre rüstigsten Vorkämpfer auf dem Gebiete des Ge­treidebaues. Professor C u s m a n o , stellt aller­dings eine direkte Beziehung zwischen Regen- und Getreidemenge her, weist aber gleichzeitig nach, daß gut die Hälfte des Himmelsfegens in Süd­italien nutzlos, ja in gefährlicher Weise (Malaria­herde!) sich verläuft, wo sie durch Abzugs- und Sammelkanäle aufgespeichert werden könnte für die regenarme Zeit. Es ist keine Frage, daß die Getreideschlacht auch zu solchen Reserven Zu­flucht nehmen wird.

Die vorjährige Ernte überstieg bereits alle Erwartungen, sie erreichte nicht nur die 1923 ein­mal herausspringende Ausnahmeziffer von 61 Millionen Dz., sondern übertraf sie noch um ein Zwölftel, während der jährliche DurchschnittSer- trag bisher 47 Mill. Dz. betrug. Dabei muß be­rücksichtigt werden, daß die ungeraden Jahre stets einen größeren Ertrag liefern, unö so trennen uns in diesem Sommer voraussichtlich der Drusch ist noch nicht beendet nur noch wenige Millionen Doppelzentner von dem von Mussolini gewollten Ziele. Ein Erfolg, den niemand dem Duce und seinem fleißigen Volke abstreiten kann. Rechnerisch dagegen gibt dieser Erfolg der Kri­tik eine Waffe in die Hand, die auf den ersten Blick überaus gefährlich aussieht. Die Ge - treidepreise sind nämlich derart gesun­ken von 180 Lire im Januar aus 138 im Juni. 125 im Juli daß eine Krisis in der Landwirt­schaft ausbrach. Die Scheunen sind nicht imstande, den Uebersluß zu bergen, die Mühlen ohnehin durch das 82prozentige Einheitsmehl, das aus­schließlich in den Handel gebracht und zur Brot- bereitung Dertoeiibet werden darf, zu langsamerem Betrieb verurtellt, die Bauern wissen nicht, wie sie ihre Schulden an die Landwirtschaftsbanken bezahlen sollett. Schott taucht^ das Gespenst der Zwangsvertäufe auf dein Halm auf. aber es ist sicher, daß diese Erscheinungen einer ja nur scheinbaren Ueberproduktion bald verschwinden werden. In den letzten Tagen haben die Preise an den Getreidebörsen bereits erheblich angezogen.

Ueberdies wäre es verfehlt, ein Unternehmen wie die Getreideschlacht nur vom augenblicklichen Prvvitstandpunkt aus zu betrachten, denn das hieße, von den Kanonen Kartoffeln verlangen. Die battaglia dei grano hat vielmehr die Aufgabe, neben das Heer als Schuhwehr für Land und Volk zu treten.

kommunistischen Partei ausgeschlossen wer­den, und daß der gesamten Opposition die ulti­mative Forderung, sich bedingungslos dett Be­schlüssen der Partei zu fügen, gestellt werde. Der Aufruf fordert alle Parteimitglieder auf, die Partei-Zentralinstitutionen vorbehaltlos zu> unterstützen und sich den Oppositionellen ohne Rücksicht auf ihre Stellung und ihre ehemaligen Verdienste um die Revolution energisch zu wider­sehen.

Wie aus Wilna gemeldet wird, ist es kürz­lich an der russisch-polnischen Grenze zu eitlem Feuergefecht zwischen Schmugg­lern und Beamten der G.P.U. gekommen. 3n dem Kampf wurden vier Schmuggler und zwei G.P.U.-Beamte getötet und acht Schmuggler und zwei G.P.U.-Beamte schwer verwundet. Die Schmuggler wollten einigeMitglneder der Leningrader Opposition über die Grenze in Sicherheit bringen. Es soll sich dabei um Personen gehandelt haben, die an dem letzten großen Attentat in Leningrad gegen das Sowjetgebäude beteiligt waren. Den

Flüchtlingen soll es gelungen sein, sich während des Feuergefechts in Sicherheit zu bringen. In ihren Händen soll sich verschiedenes Material befinden, wodurch Stalin schwer belastet wird.

Konflikt

im rumänischenRegentschastsrat.

"Berlin, 3. Aug. (TU.) Rach einer Morgen­blättermeldung ans Bukarest ist zwischen dem Ministerpräsidenten Bratianu und dem Re­gentschaftsrat ein ernster Konflikt entstanden. Der Regentschaftsrat hat an Bratianu die Auffor­derung gerichtet, dem Wunsche des verstorbe nen Königs entsprechend. ein Kabinett der nationalen Einigung zu bilden. Bratianu hat diese Aufforderung unter dem Hinweis ! darauf abgelehnt, daß eine Kabinettsumbil- \ düng ,etzt, wo Rumänien schwere innerpolitische - Ereignisse zu erwarten habe, weder mög-, lich noch angebracht sei.

Luftschutz.

Tie Lehren der britischen Luftmanöver.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin. 3. August. Die englische Regierung hat in den letzten Tagen große Luftmanöver veranstaltet, die sich über London abfpielten und zweifellos in erster Linie den propagandistischen Zweck verfolgten, nachzuweisen, daß bei den bisherigen Methoden London gegen Luftangriffe nicht geschützt sei. Der Zweck ist auch erreicht worden, den Engländern ist doch ein Schreck in die Glieder gefahren, als ihnen ganz kithl mitgeteilt wurde, daß im Ernstfälle die ganze Eich vom Erdboden verschwin­den würde, und die militärischen Sachverständi­gen haben in aller Ruhe daraus aufmerksam ge­macht. daß die einzige Möglichkeit, derartige Katastrophen zu verhindern, die wäre, umnittel­itär nach Kriegsausbruch die Zentrale der feindlichen Flieger zu vernichten. Sie werden, wenn es hurt auf hart geht, wohl noch andere Abwehrmahregeln haben.

Die Luftangriffe, so wie sie durchgeführt wur­den, waren mehr zur Aufrüttelung der Bevölke­rung bestimmt und haben diesen Zweck wohl auch erreicht. Der Engländer wird sich künftighin we­sentlich mehr als bisher die Sorge angelegen sein lassen, wie er sich und fein Eigentum in der Heimat gegen feindliche Bomben zu fchühen hat. Daraus können wir lernen. Deutschland ist ja in ei­ner wesentlich ungünstigeren Lage als die Engländer. Uns ist durch den Friedensvertrag die Vorbereitung jeglicher aktiven Abwehr verboten. Wir sind baf)er, wenn wir im Ernstfälle in einen Krieg verwickelt werden sollten, den Wirkungen feindlicher Bombengeschwader ziemlich waffenlos preisgegeben; was das aber heißt, darüber macht man sich bei uns in Deutschland bisher nur ganz unklare Vorstellungen.

Im letzten Kriege stand ja die Fliegerei noch in ihren Anfängen, immerhin, die Luftwaffe nahm von Jahr zu Jahr an Bedeutung zu. Hatten wir 1914 nur achtmal feindliche Flieger auf deutschem Boden, die 33 Bomben abwarfen, so wurden in den zehn Monaten des Jahres 1918 bereits 353 Angriffe durch über 2300 Flieger mit fast 8000 Bomben gezählt. Die absoluten Wirkungen dieser Angriffe waren schon groß genug. Es sind insgesamt während des Krieges durch feindliche Fliegerangriffe 2600 Menschen getötet worden, der unmittelbare Sachschaden be­trug etwa 25 Millionen Mark, der mittelbare war sehr viel größer, weil die fortgesetzten Luft­angriffe eine starke Belastung der Nerven der Bevölkerung bedeuteten, zur Unterbrechung der Arbeit führten und so indirekt die Verteidigung an der Front lähmten.

Seitdem hat aber die Fliegerei unerhörte Fortschritte gemacht. Ihr Aktionsradius ist fast unbegrenzt. Die Bomben sind in ihrer Große unö in ihrer Wirkung ganz andere, das rhei­nisch-westfälische Industriegebiet konnte heute in etwa zwei- bis dreistündiger Flugdauer von 600 Flugzeugen in einem einzigen Luftangriff mit 600 000 Kilogramm Bomben belegt werden. Was das für unsere Industrie bedeutet, darüber braucht kein Wort verloren zu werden, be­sonders, wenn man sich vergegenwärtigt, daß eine Bombe von 500 Kilogramm imstande ist, einen ganzen Häuserblock niederzulegen, selbst wenn sie nicht unmittelbar das Gebäude trifft. Dazu kommen noch die furchtbaren Wir­kungen der Gas bomben, die ganze Städte ver­giften. Rein theoretisch würde es möglich sein, Berlin von der Luft aus wenige Stunden nach Kriegsausbruch fast bis auf den letzten Mann zu vergiften.

Alle Llbrüstung ist bisher nur Komödie gewesen. Was wir bisher in Genf erlebt haben, sieht nicht gerade danach aus, als ob die Zeiten des ewigen Friedens näher kommen. Im Gegen­teil, die Aufrüstung nimmt unheimliche Dimen­sionen an, das Wettrüsten der Siegerstaaten geht im verschärften Tempo weiter. Daß die Lust- fliegerei auch nur mit ihren Giftgasen verboten werden sollte, dafür sprechen keinerlei Anzeichen. Selbst die Pazifisten in Deutschland müßten also begreifen, welche ungeheuerlichen Gefahren für die Menschen und für die Wirtschaft Deutschlan" s sich daraus entwickeln können. Gerade weil uns aber jede aktive Abwehr verboten ist, mi?,.n wir wenigstens versuchen, passiv uns zu schützen, soweit das irgendwie Möglich ist.

Das kann nur auf dem Wege der Auf­klärung geschehen, vermutlich in der Richtung einer vollkommenen Umwälzung auf dem Ge­biete des Stadtbaues. Es ist ein Ding der Un­möglichkeit, daß wir mit verschränkten Händen Zusehen, wie rund um uns ein Vernichtungskrieg vorbereitet wird, dem wir im Ernstfälle hilflos ausgesetzt wären. Cs ist daher höchste Zeit, daß zunächst einmal ein öffentlicher Aufklärungsdienst einseht, der auf die Gefahren, die hier lauern, aufmerksam macht und wirksame Abwehrmaßregeln schassen hilft.

Der Dawesplan.

Tic Auffassung

eines amerikanischen Ainanzmannei.

Neuyork, 2. August. (WB.) Der Finanzmann Bernhard Baruch, b-1 während Krieges Vor­sitzender des Amtes fi-r Krieg wd' strien war, er- klärte nach jener Riicktt aus " ropa in einem >.teruien), es dürfte i n 1 ' , er nächsten el d o h r e sich als .weifen, den

ciawi-ö-san oollk. zu . e n j *

hier en. Eine annähernd ic.e fgabe