Einzelbild herunterladen

Montag, 5. Januar (927

177. Jahrgang

Nr. 1 (Elftes Blatt

Annahme van Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen do.i 27 mm Breite örtlich 8, ausinärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 rrm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20°/, mehr

Thefredakteui.

Dr. Friedr. Will). Lange. Derautwartsich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den An­zeigenteil i.Dertr.H.Bcck, sämtlich in Dietzen.

Eriche,nt täglich, aufzer ÄHÄ /£> A Q

Sonntag» und Feiertag«. M . . . .

S- Gießener Anzeiger

Icheinen einzelnerRummern 1V^ V4J7

LNE General-Anzeiger für Oberhessen richten: Anzeiger Siehe». VW ! 1

ttanÄ1 mXiiow. vnis Md Verlag: vrühl'Ichk Unk«rst<itt5.v»ch. Md SfthtönKerd R. tätige in Meßen. sqrtstl-tt-«g Md ScschSftrilellt: rquIftr-8« 7.

Die Neujahrsempfänge beim Reichspräsidenten.

SeÜ den Zeiten Napoleons III., der gern diese Gelegenheit für außenpolitische Winke benutzte, sind die Neusahrsempfange der Staats­oberhäupter eine wichtige diplomatische Ange­legen heil geworden. Es war deshalb nützlich und notwendig, daß auch der deutsche Reichspräsi­dent die etwas zwanglose Form, in der sich die (Empfänge bei ihm abspielten, mit einem gewissen feierlichen Zeremoniell umgab, das in diesem Jahre »um erstenmal in Wirksamkeit getreten ist. Wir sind die letzten, die einem überslüssigen Pomp das Wort reden wollen, aber das Klappern gehört nun einmal um Handwerk, und wenn andere Republiken sich längst dazu entschlossen haben, die nun einmal seit oltersher in solchen Fällen übliche Bräuche zu über- nehmen, so ist nicht emzusehen, weshalb das Deutsche Reich da draußen fortbleiben soll. Was der Repu- blik in ihren ersten Jahren zu ihrem Schaden in hohem Maße gefehlt hat, das war eben der M an - ?t l an Tradition und der Mangel an Ach- u n g vor der Tradition. Daß dieser Fehler wieder ausgeglichen wird, dagegen ist nichts einzuwenden. Dir denken dabei nicht etwa an Äußerlichkeiten, wie sie senseits des großen Wassers im Brauch sind, wo der Präsident gezwungen ist, mehrere tausend- mal hintereinander mit seinen Wählern Händedrücke auszutauschen, was wir im Sinne haben, ist bte stilvolle Aufmachung der Empfänge, denen sich der Reichspräsident zu unterziehen hat, wenn er nach­einander die Glückwünsche der Diplomaten, der Mi­nister, der Reichswehr und der übrigen hohen Reichsbehärden entgegennimmt.

Bon besonderer Wichtigkeit sind dabei die An­sprachen, die mit dem diplomatischen Korps und mit dem Reichskabinett ausgetauscht werden, sie bilden gleichsam das Programm für das kom- mende Jahr. Daß dabei die außenpolitische Note den fremden Botschaftern gegenüber besonders be- tont wurde, ist bei der Lage Deutschlands eine ein­fache Selbstverständlichkeit. Der päpstliche Nun­tius, der als Doyen die mittlere Linie aus den Anschauungen der auswärtigen Mächte zu ziehen hatte, sprach in wohl abaeroogenen Worten die Hoff- nungen aus, die er für das Deutsche Reich hegt, während der Reichspräsident sich eine solche Zurückhaltung nicht aufzuerlegen brauchte. Es sollte wohl verstanden werden, wenn er andeutete, es lasse sich noch nicht mit voller Sicherheit übersehen, ob die Demührmgen um eine gegenseitige Verständigung zwischen den Staaten und Völkern den gewünschten Erfolg haben werden, und es sollte auch verstanden werden, wenn der Reichspräsident als die wichtigste Aufgabe des neuen Jahres die Räumung des besetzten Gebietes be­zeichnete. Das sind Worte, die, wenn sie formell auch an den Reichskanzler gerichtet waren, in erster Linie im Auslande gehört werden sollen, für das Inland war der Appell bestimmt, den Herr von Hindenburg in der Richtung einer Zusammen­fassung aller Kräfte ergehen ließ, an alle Parteien und Berufsstände, daß "sie nicht immer die Verschiedenheit und die Gegensätze, sondern das eigene und das Gesamtwohl in den Vordergrund stellen. Die kommenden Tage der Kabinettsbildung werden ja rasch Gelegenheit geben, nachzuprüfen, wie weit diese Mahnung des Reichspräsidenten auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Die Glückwünsche des diplomatischen Korps.

Berlin. 1. Ian. (SU.) Reichspräsident von Hindenburg emv'ing am Reujahrstage um 12 fifjr die Chefs der hiesigen diplomatischen Ver- maten erwies eine Abteilung Reichswehr im tretungen. Wahrend der Ausfahrt der Diplo- Ehrenyos des Reichspräsidiums die militärischen Ehrenbezeugungen. Die Glückwünsche des Di- pwmatischen Korps brachte

der apo^olifche Nuntius Monsignore Pacelli

als Doyen mit folgender Ansprache zum Aus­druck.-In dem zu Ende gegangenen Jahre, das seinen Stempel dadurch erhalten hat, daß der große otaat, dessen höchstes Amt Sie, Herr Reichspräsident, so weise verwalten, in den Völkerbund eingetreten ist, hat der Gedanke des Friedens und der internationalen Zusammen­arbeit trotz mancher Schwierigkeiten und Hinder­nisse einen neuen mächtigen Auf­schwung genommen. Gleichwie der menschliche Geist in überraschendem Fortschritt immer voll­kommenere Mittel der Technik hat und durch sie die Entfernungen zwischen den Völkern zu Lande, zur See und in der Luft überbrückt, so ist man auch mutig am Werke, um durch um­fassende, Led'ulsame politische und wirtschaftliche Abkommen dir engen staatlichen Grenzen zu über­schreiten und Probleme, die bisher in schweren und oft unhrilvo len Kämp en ausgefochten wur­den, auf dem Wege friedlicher Ver­ständigung zu lösen. Zwar läßt sich die tat­sächliche. endgültige Auswirkung derar­tiger Bemühungen noch nicht genau über- sehen, aber ganz zweifellos ist es tröstlich festzustellen, daß der Gedan.e der Solidari­tät der Rationen, deren Wohl gegenseitige un­lösbare Bande nie in einem gemeinsamen Schick­sal vereinen, im Bewußtsein der Völker immer klarer und tiefer geworden ist. Mögen in dem Jahre, dcs'en Anbruch wir heute begrüßen, diese Keime sich entwickeln, wachsen und reiche, heil­bringende Früchte der Wohlfahrt und der Be­friedung tragen! So wird es mit Hilfe der gött­lichen Vorsehung möglich sein, den durch den

urchtbaren Weltkrieg in seinen Grundfesten er- chütterten und in seinen lebenswichtigen Funk­tionen gestörten wirtschaftlichen und s o - zialen Organismus auf gesunden festen Grundlagen wieder aufzubauen und Millionen tarker, geschickter Hände' die sich nach Arbeit ehnen und zur Zeit gegen ihren Willen untätig ein müssen, der schaffenden Produktion zurück­zugeben; bann wird das Schreckbild der Erwerbslosi gkeit verscheucht werden kön­nen, das für die ungeheure Menge der Werktäti­gen Bevölkerung unsagbare Lasten und Leiden und körperliches, geistiges und moralisches Elend bedeutet. Möge das neue Jahr die Menschheit vor allem durch immer engere Bande der Brü­derlichkeit in den hohen Idealen der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe vereinen, auf denen das Glück der Völker ruht. Diese Ge­danken machen es mir besonders angenehm, bei diesem willkommenen Anlaß im Ramen des er­lauchten Diplomatischen Korps, dessen Wortführer zu sein ich wiederum die Ehre habe, Ihnen, Herr Präsident, sowie dem gesamten deutschen Volke, dem wir von Herzen Größe, Glück und fried­lichen Fortschritt unter Ihrer weiten Führung wünschen, die wärmsten und besten Wünsche dar­zubringen."

Reichspräsident von Hindenburg erwiderte mit folgenden Worten: ..Mit auf­richtigem Danke nehme ich die in_ so warme und herzliche Worte gekleideten Glückwünsche ent­gegen, die Sie im Ramen des Diplomatischen Korps dem deutschen Volke und mir als feinem Vertreter dargebracht haben. Sie haben darauf hingewiesen, daß das verflossene Jahr durch ein politisches Ereignis, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, sein besonderes Gepräge erhielt, und daß während seines Verlaufes der Gedanke des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit trotz man­cher Schwierigkeiten und Hindernisse einen Auf­schwung genommen hat. Wenn sich auch, wie Sie hervorgehoben gaben, noch n t m 11 voller Sicherheit übersehen laßt, ob diese Bemühungen um eine gegenseitige Ver­ständigung zwischen den Staaten und Völkern den gewünschten Erfolg haben werden, so bin ich doch mit Ihnen der äleberzeugung, daß diese Bestrebungen mit allen Kräften fort­gesetzt werden müssen, um dem Gedanken der Zugehörigkeit der Rationen zur Verwirklichung zu bringen. Hieran mitzuarbeiten hat sich das Deutsche Reich durch die von Ihnen erwähnten internationalen Abmachungen erneut bereit er­klärt. Rach den Spannungen und Erschütterun­gen der vergangenen Jahre sind die Völker in der Tat zu einer Schicksalsgemeinschaft verbunden, in ihren politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lebensnotwendigkeiten mehr denn je aufeinander angewiesen. Jedes Volk hat in erster Linie das Recht und die Pflicht, ferne politischeälnabhängigkeit. seine Frei­heit und seine Eigenart aufrechtzuerhalten. Das soll und darf aber nicht hindern, auf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Gleich­berechtigung aller Rationen das allgemeine Wohl der MenscOeit zu pflegen und zu fördern. Seien Sie überzeugt, daß das deutsche Volk in diesem Sinne mit aller Kraft an der Erreichung des hohen Zieles der Völkerverständigung mitarbei­ten wird. Herr Runtius! Möge das neue Jahr die Wünsche, mit dlnen wir heute sein Kommen begrüßen, möge es das tiefe Verlangen der Menschheit nach ruhiger, gedeihlicher Arbeit und nach einer wahren Friedensgemeinschaft der Völker erfüllen. Möge es uns und allen an­deren Völkern die wirtschaftliche Gesun­dung bringen, die der von Ihnen in so warm empfundenen Worten beklagten Rot der Er- werbslosigleit ein Ende setzt. In dieser Hoffnung spreche ich Ihnen, Herr Runtius, und Ihnen, meine Herren, zugleich für ihre Staatsoberhäup­ter, Regierungen und Völker im Ramen des deutschen Volkes und im eigenen Ramen meine aufrichtigsten und herzlichsten Reujahröwünsche aus."

Hierauf begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Geschäfts­träger und wechselte mit ihnen Reujahrswünsche. Bei dem Empfang waren, außer Staatssekretär Dr. Meißner und der Herren der Umgebung des Reichspräsidenten. Reichskanzler Dr. M a r x. Reichsminister Dr. (Strefemann. sowie der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Dr. v. Schubert, zugegen.

Der Neujahrsgruh der Reichsregierung.

Im Anschluß hieran empfing der Reichs­präsident den Reichskanzler sowie die in Berlin anwesenden Reichsminister und Staatssekretäre der Reichsregierung.

Reichskanzler Dr. Marx richtete an den Reichspräsidenten folgende An­sprache:

Ich habe die Ehre, Ihnen, Herr Reichs­präsident, zum neuen Jahre die ehrfurchts vollen und wärmsten Glückwünsche der mit der Weiterführung der Geschäfte betrauten Reichs­regierung darzubringen. Richt leicht war der Weg. den das deutsche Volk im Jahre 1926 zurück- gelegt hat. Rur in den ersten Anfängen war eine Besserung der schwierigen Wirtschaftslage bemerk­bar tind insbesondere die im Mittelpunkt ter wirtschaftlichen Röte stehende Arbeitslosig­

keit weist immer noch einen beforgnisarregenden Umfang auf. Auf rein politischem Gebiet hat sich Deutschland in wachsendem Maße die Ach­tung des Auslandes und die Berücksichtigung seiner Lebensinteressen gesichert. Erfreulicher­weise konnte sich die poetische Leitung in zu­nehmendem Maße auf einen die verschiedensten Devölkerungsschichten und Parteiaruppie-cungen umfassenden Willen zum Wiederaufbau stützen. Dieser Zug zu einheitlicher Wil­lensbildung in den großen Lebensfragen der Ration berechtigt zu der Erwartung, daß unter Ihrer vorbildlichen Leitung Deutschlands Bemühungen um die europäische Verständigung, zum Wohle des deutschen Volkes und der inter- nationalen Gemeinschaft erfolgreich fortgeführt werden."

Der Reichspräsident erwiderte hierauf mit folgenden Worten: .Für die Glückwünsche, die Eie, Herr Reichs­kanzler, mir namens der Reichsregierung dar­gebracht haben, sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank. Ich erwidere Ihre Wünsche in aufrichtiger Anerkennung der Arbeit, die Sie alle im ver­gangenen Jahre gemeinsam für unser Vaterland und unser Volk geleistet haben. Roch harren wichtige Aufgaben der Lösung. In erster Linie muß es unser aller gemeinsames Z el f.in. baldigst dieRäumung der immer noch besetzten Gebiete zu erreichen, da­mit das deutsche Volk überall in deutschem Land frei und ungestört seine Kräfte in friedlicher Arbeit entfalten kann. Im Bereiche der inneren Politik ist am dringendsten die Behebung der wirtschaftlichen Rot. der immer noch so überaus großen Erwerbslosigkeit. Ich richte auch an diesem Tage und von dieser Stelle aus an unser Volk, an alle Parteien und alle Berufsstände den dringenden Appell, nicht immer die Verschiedenheit der Welt­anschauungen und die Gegensätze der Interessen in den Vorderarund zu stellen, sondern sich in erster Linie von der Rücksicht auf das Ge­sa m t w o h l des Vaterlandes leiten zu lassen. Rur so können wir die Aufgaben, die unserer harren, lösen. Daß dies gelingen möge, ist mein tiefempfundener Wunsch, mit dem sch an der Schwelle deS neuen Jahres alle Volksgenossen von Herzen grüße I"

Weitere (Empfänge.

Im Anschluß daran übermittelten derReichs - tagspräsident ßoebe und die Vizepräsi­denten Dr. R i e ß e r und Graes die Wünsche des Reichstags, u. der hessische Reichsratsbevoll­mächtigte Freiherr von Biegeleben, der braunschweigische Gesandte Boden und Mini­sterialdirektor Ro b i s vom preußischen Staats­ministerium die Glückwünsche des Reichsrats. Für die Wehrmacht erschienen Reichswehrminister Dr. G e ß l e r , der Chef der Marineleitung. Admiral Zenker und als Stellvertreter des Chefs der Heeresleitung, Generalleutnant Ritter von Haack, die dem Reichspräsiden­ten die Glückwünsche des Heeres und der Marine aussprachen. Der stellvertretende Generaldirektor Dr. Weyrauch und die Direktoren Vogt und K u m b i e r brachten daran anschließend die Glückwünsche der Hauptverwaltung und des Per­sonals der Reichsbahn, und der Reichsbankprä'i- dent Schacht mit dem Vizepräsidenten Dreyse und dem Direktor Dr. von Grimm die Glück­wünsche der Reichsbank dar. Den Abord­nungen dankte der Reichspräsident mit warm­herzigen Worten und mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Tätigkeit, die gemeinsam und in Verbindung mit der Arbeit der Reichs­regierung unserem Vaterlande und unserem ge­samten Volke zum Segen und Ruhen werden möge. Während der Empfänge hatte sich vor dem Palais des Reichspräsidenten eine viel­köpfige Menge angefammelt, die das Deutschlandlied anstimmte und dem Zeichspräsi- benten Ovationen barbrachte.

An die Wehrmacht.

Neujahrswünsche für Heer und Marine.

Berlin. 31. Dez. An die Wehrmacht sind zum Neujahrstage folgende Erlasse ergangen:

An die Wehrmacht!

Der deulschen Wehrmacht spreche ich wiederum meine herzlichsten Dünsihe zum Jahreswechsel aus. Ich weih, dah sie wie bisher auch künftig i n selbstloser, treuer Arbeit iyre Schul­digkeit tun wird.

Berlin, den 30. Dezember 1926.

Der Reichspräsident, v. Hindenburg."

An die Wehrmacht!

Im neuen Jahre mit neuer Kraft das alte Ziel! Glückauf!

Berlin, den 30. Dezember 1926.

Der Reichswehrminister.

Dr. G e ß l e r."

An das Reichsheer!

Kameraden! Ein ernstes J'hr liegt Himer uns! Unbeirrt durch alles Schwere hat das in Gehor­sam, Manneszucht und treuer Same« radschaft f e ft geeinte Reichsheer auch in diesem Jahrs aufrecht, still und selbstlos seine Pflicht getan. Dafür sage ich ;:bem Angehörig^. Dank und j Anerlennung. Unserem der Reichsoerfassung gsfeiste- 1 len Eide unerschütterlich treu, dem ganzen deut­

schen Volke gehörig, keiner Partei dienend, so treten wir mit blankem Ehrenschild als Icharses, zu­verlässiges In st rum ent des Staates in das neue Jahr. Ich habe die sichere Zuversicht, dah das deutsche'Boi? in allen seinen Teilen mehr und mehr erkennen wird, daß die Wesenszüge un­seres Reichsheeres wie bisher so auch in Zukunft treue, unbeirrbare Pflichterfüllung und selbstlose Hingabe an den Dien st für Volk und Balerland sind. Was wir dazu tun können, wollen wir tun. Wohlan denn, Kameraden, furchtlos und treu voran, mit Golt im festen Glauben an Deutschlands Zukunft.

Berlin, den 30. Dezember 1926.

Heye, General der Infanterie und Chef der Heeresleitung.

An die Reichsmarine!

Mit meiner dankbaren Anerkennung für die treue Arbeit daheim und über See verbinde ich meine herzlichsten Neujahrswünsche für die Reichs- marine. Unbeirrt durch b i e Kämpfe der Parteien werden wir auch im kommenden Jahre nur dem Vaterlande dienen, uns allezeit un­eingeschränkt zu dem Fahneneide bekennend, den wir auf die Verfassung des Deutschen Reiches ge­schworen und bisher unverbrüchlich gehalten haben. Uns deutschen Soldaten gilt jetzt und immerdar nur eine Losung:F ü r Volk und Reichl"

Berlin, den 31. Dezember 1926.

Zenker,

Admiral und Chef der Marineleitung.*

TelegrammWechsel der Staatsoberhäupter.

Bundespräsident Hainisch an Hindenburg.

Berlin, 31. Dez. (WTD.) Aus Anlaß des Jahreswechsels drahtete der österreichische Dun- bespräsident Hainisch an ben Reichs- präsibenten v. Hindenburg: .Ew. Exzellenz bitte rch, bte wärmsten Wunsche für Ihr persönliches Wohlergehen im kommenden Jahre entgegenzunehmen. Mit mir hofft ganz Oester­reich, baß bas beutsche BrukDrvolk im Jahre 1927 ben schon bisher so erfolgreich befchrittenen Weg ber Kräftigung fortsetzen unb einer glücklichen Zukunft entgegengehen möge."

Der Reichspräsibent antwortete mit folgendem Telegramm:Cw. Exzellenz b.'nke ich herzlichst für die freundlichen Wünsche, bie Sie dem deutschen Bolle unb mir persönlich zum neuen Jahre ausgesprochen haben. In stetiger warmer Anteilnahme an ben Geschicken Oesterreichs hoffe unb wünsche ich, baß bem österreichischen Volke auch im Jahre 1927 eine weitere Kräftigung unb ein weiterer Aufstieg beschießen s:in möge. Ich verbinbe damit meine herzlichsten Wünsche für fein Staatsoberhaupt."

Ferner wechselte ber Reichspräsident Reu- jahrsglückwünsche mit dem König von Schwe­den, bem ungarischen Reichsverweser von H o r t h h unb mit bem Schah von Persien.

Neujahrswünsche der Außenminister.

Fortführung der Locarno-olitik. Sräumung der Nheinlande.

Berlin, l.Ian. 1927 (TU.). DieBZ." veröffentlicht eine Reujahrserklärung B.iands, in ber es heißt: Ich wünsche für das Jahr 1927 die Entwicklung ber deutsch-franzö­sischen Annäherungspolitik, bie Herr Stresernann unb ich eingeleitet haben. Ein ge­wisser Teil ber französischen Presse wirb mir die Locarnopolitik vorwerscn. Zu Unrecht. Sie i st nicht im Bilde. Sie hat nicht begriffen, was bie französische Öffentlichkeit verlangt. Außer meiner Politik wäre nur noch eine einzige denk­bar: Frankreich könnte stärker rüsten, könnte seine Heeresbestände ins Llnendliche erhöhen, könnte jede Zusammenarbeit mit bem Feinde von gestern, mit Deutschland, ablehnen. Wohin würde uns das führen? Ganz unfehlbar zum Kriege! Man spricht von einer vorzeitigen Räumung ber Rheinlande? Das linke Rheinufer wird unter den in Versailler Ver­trag vorgesehenen Bedingungen ge­räumt werden. Aber ich mochte darauf Hin­weisen, daß der Vertrag in Artikel 431 eine vorzeitige Räumung noch vor Ablauf der Höchstfristen möglich macht. Ich glaube also, wie immer, durchaus im Rahmen des Vertrages gehandelt zu haben und halte mich an seine Bestimmungen. Gerade durch den Locarnovertrag ist ber Mschluh einer Vertrags- ferie zwischen deutschen und französischen Ge- schäktsleuten ermöglicht worben. Begünstigt durch ben Lccarnopikl haben Kaufleute und Industrielle beider Länder sich unterhalten, sind in nutz­bringende Zusammenarbeit getreten. Darüber hinaus erhoffe ich, dah sich eine ausgedehnte Interessengemeinschaft zwischen Fran­zosen und Deutschen herausbilden wird, und daß Franzo en und Deutsche sich mehr und mehr kennen lernen. Die Einheit der Wirt­schaftskräfte wird eine der stärksten Grund­lagen des Friedens bilden. Sie ist ganz zweifellos nötig. Ich hoffe, daß im Jahre 1927 bie ma­terielle Abrüstung einen größeren Fort­schritt machen wird unb die moralische Abrüstung gleichfalls. Mcbrigend ist es ber Wunsch Frank­reichs, baß sich die internationale Ab-