Nr. '78 5meites Blatt
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Bienstag, 2. August (927
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walds Wissenschaft, die Goethes Untersuchungen überholt: das Geschehnis von Tag und Nacht rührt unmittelbar an die Schöpfung der Welt. Diesen moralischen Einfluß der Farbe ljat Goethe über alle inzwischen angefochtene Farbenlehre hinaus mit der Ehrfurcht gespürt, die er allen, Naturwalten zollte. Im gelben Haus am Frauenpla i zu Weimar liegen eine Anzahl von farbigen Seidenprobcn, von des Hausherrn Hand tonleitermäßig geordnet und mit Anmerkungen über ihre seelische Einwirkung versehen.
Farben sind das Kleid der Schöpfung. Die Farbe aus unserem Leben fortdenken, hieße den Dingen die Haut abstreisen. Wissen wir auch, sie ist ein schöner Schein — er nur macht die Wirklichkeit der Dinge tragbar. Das Weltall ist chaotisch dunkel, der blaue Himmel über uns ein optischer Trug: dennoch ist das Himmelsblau zum Grundbegriff unserer Vorstellung von Seligkeit und Ewigkeit geworden. „Am farbigen Abglanz haben wir das Leben."
Ein sich überschreiendes Konzert krasser Farben durchtobt die Gegenwart. Noch in allem Mißklang ist ein Suchen nach des Lebens Quellen. „Wo faß' ich dich, unendliche Natur?" In der grellen Buntheit wie im gelassenen Fluß einander zärtlich umfangender Farben hoffen wir, eine Falte vom Schleier der Maja zu erraffen.
verschiedenen 'ristemeisende Firma) linier versuchen,UN- jestellW N diten. Adle zu becooto, lÜcn unb bitte izufragen. M gebotenen Zeit- halb dringend, dadurch schützen und Verlusten.
vertragen als wir. Cs hat an die Tschechoslowakei, an die Rumänen und an die Jugoflaven wertvolle Teile fernes Landes abtreten müssen, Teile auch, in denen die Madjaren die Mehrheit hatten, und Ungarn mag im Augenblick für einzelne Gruppen der englischen Politiker wichtiger sein, als Deutschland, eben weil es machtpolitisch in Europa keine so große Rolle spielt. Qlber trotzdem arbeitet Lord Rothermere vielleicht unbewußt auch für Deutschland. Denn der Stoß, den er gegen die Trianon-Derträge führt, kann nicht nur zugunsten der Ungarn, er muh auch z u g u n st e n der deutschen Minderheiten wirken. Und Rothermeres Feststellung, daß die Vertreter der Großmächte beim Abschluß des Vertrages über die politischen und nationalen Verhältnisse der Gebiete völlig uninformiert gewesen seien, bedeutet mittelbar, da er im selben Umfange auch für den Versailler Vertrag gilt, eine moralische Rechtfertigung des deutschen Verlangens nach einer Revision des Unrechtes von Versailles.
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Carl Sch“®
Die Aufwertungsnovells.
Don Rechtsanwalt Dr. v. Karger.
Die umfangreichen Bemühungen weiter Kreise, eine grundlegende Aenderung des AufwertungS- gesehes herbeizuführen, haben zu keinem Erfolg geführt: weder die maßvollen Vorschläge der juristischen Arbeitsgemeinschaft noch die weniger maßvollen Forderungen der Kreise um Dest sind verwirklicht worden: das unter dem 9. Suli 1927 erlassene Gesetz beschränkt sich darauf, in einigen ganz wenigen Punkten, die besonders reformbedürftig erschienen, das geltende Aufwertungsrecht abzuändern.
Man wird sich mit dieser Beschränkung, die ich der Gesetzgeber auferlegt hat, abfinden müssen: es wäre mehr als bedenklich gewesen, hätte man das Aufwertungsgesetz jetzt, nachdem es bereits 2 Jahre lang in Geltung ist und demgemäß die Grundlage für eine ungeheuer große Zahl von Entscheidungen und Rechtsgeschäften ge° ltildet hat, plötzlich wieder u m g e st o h e n, so Saß die Voraussetzungen, unter denen die De- Heiligten in den letzten 2 Jahren bei der Re-
gestört, und das Klosette Straße. Die mußte zu-
forderung anstatt wie bisher nut bis zu 100 Prozent nunmehr bis zu 400 Prozent und, toenn der Verlauf im letzten Quartal des Jahres 1921 ersolgt war, sogar bis zu 600 Prozent ausgewertet werden kann. Diese Aufwertung soll nur erfolgen, wenn sie zur Dermeidung ?1 n 9 r o b e n Unbilligkeit erforderlich 1 s u lr diese Einschränkung überflüssig und bedenklich zu sein, denn der Aufwertungsrichter hat bei der Festsetzung der Höhe der Aufwertung anund für sichschon von Dil- ligkeitserwägungen auszugehen. Wollte der Gesetzgeber den Verkäufern des Jahres 1921 ein erweitertes Recht einräumen, dann hätte ec besser daran getan, dies etwas weniger verklausuliert zu hm.
Ebenso scheint es mir nicht sehr geschickt zu sein, daß die Rovelle die Möglichkeit der 2! a ch- 9 olung einer versäumten Anmel - D u n g einer traft Rückwirkung oder auf Grund eines Vorbehaltes aufzuwertenden Hypothek davon abhängig gemacht hat, daß die rechtzeitige Anmeldung unverschuldet unterlassen wor- den ist. Die Auslegung des Verschuldensbegrisss ist sehr dehnbar, und ich fürchte, daß auch hier Streitigkeiten entstehen werden, die sich bei einer etwas, bestimmteren Gesehessassung hätten vermeiden lassen. Zu begrüßen ist es, daß diese nachträglichen Anmeldungen sich immer nur auf die persönliche Forderung beziehen dürfen, daß dagegen nicht durch sie neue dingliche Lasten mit denen man bisher nicht gerechnet hat, entstehen können.
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mund besitzt, wurde sofort per Gießener Kriminalpolizei übergeben.
* Trohe, 1. Aug. Studienrat Dr. Kraus- haar, der seit Herbst 1919 bis Ostern 1927 an der hiesigen Schule als Lehrer wirkte, wurde eine Leh- rerstelle an der staatlichen Oberrealschule in Walters- Kausen, Thüringen, übertragen und siedelt in triefen Tagen mit seiner Familie dorthin über. Die Gemeinde Trohe ließ es sich nicht nehmen, dem ab- ziehenüen Lehrer und Erzieher ihre Dankbarkeit zu zeigen und versammelte sich am Freitagabend vollzählig auf dem Schulhof. Der Gesangverein veranstaltete einen Fackelzug und sang einige Lieder. Für die /Gemeinde sprach Beig. Rau, für den Schul- Vorstand Gemeinderechner Schmidt und für den Gesangverein der 2. Vorsitzende Emil Wagner. Aus den Reden ging hervor, welcher Wertschätzung sich der scheidende Lehrer und seine Familie erfreute. Dr. Kraushaar dankte mit bewegten Worten und schloß mit einem Hoch auf die Gemeinde.
ck. Heuchelheim, 1. August. Die R eu- pflasterung der Kreisst raße nach Rod-
| Zinsen erst an den beiden nächsten auf das Jnkrastreten der Rovelle folgenden Zins- terminen mit den an diesen Terminen fälligen Smfen zu entrichten sind. Im Regelfälle wird also der Schuldner für die zurückliegende Zeit die Zinsen je zur Hälfte erst am 1. Oktober 1927 und am 1. Januar 1928 zu zahlen haben. Eine weitere Erleichterung bedeutet es für den Schuldner, daß em Verzug hinsichtlich der Zahlung dieser rückständigen Zinsen, nicht die durch Gesetz, Satzung oder Vertrag vorgesehene vorzeitige Fälligkeit des Kapitalbetrages der Hypothek auslösen kann.
Dedenkl-ich ist die Vorschrift, daß Zinsen, die ftir die Zeit vor dem 1. April 1926 gezahlt worden sind, auch dann nicht zurückgefordert werden können, wenn die Zahlung unter Vorbehalt erfolgt ist. Mancher Schuldner hat bei der ilngeflärtfjeit der Rechtslage die Zinsen gezahlt, um sich nicht durch eine Säumnis der Gefahr eines vorzeitigen Fälligwerdens des Kapitals auszusetzen: der Gesetzgeber sollte sich hüten, ohne zwingende Rotwendigkeit derart in das Privatrecht einzugreifen und so erhebliche Beunruhigung in die beteiligten Kreise zu tragen.
An zweiter Stelle behandelt die Rovelle die Fälle, in denen dem Gläubiger aus der Tatsache Gefahr droht, daß persönlicher Schuldner und Grundstückseigentümer verschiedene Personen sind und der Aufwertungsbetrag auf Antrag des persönlichen Schuldners wegen in seiner Person liegender Gründe herabgesetzt wird. Es ist vielfach kritisiert worden, daß in derartigen Fällen sich zwangs- läusig die Herabsetzung der persönlichen Forderung auch auf das dingliche Recht auswirkt. Ich selbst habe diese Bedenken nie geteilt, da in der Praxis der Fall regelmäßig so liegt, daß der persönliche Schuldner der Verkäufer des Grundstückes ist, während der Käufer, der als dinglicher Schuldner haftet, die Verpflichtungen aus der Hypothek übernommen hat. Mit Recht haben die Auswertungsstellen in diesen Fällen jeden Herabsehungsantrag des persönlichen Schuldners abgelehnt, weil er in der Lage ist, mit dem Gläubiger den Alebergang der persönlichen Verpflichtung auf den Grundstückskäufer zu vereinbaren und sich selbst auf diese Weise von allen Verpflichtungen zu befreien. Jetzt hat der Gläubiger die Möglichkeit, die Umwandlung der Hypothek in eine Grund schuld zu beantragen und so den persönlichen Schuldner auszuschalten, da mit der Eintragung der Grundschuld die persönliche Forderung erlischt.
Weiter bringt das Gesetz einige Vorschriften über mehrere im Range aufeinander folgende aufgewertete Hypotheken eines Gläubigers: diese können mit Zustimmung des Eigentümers als einheitliches Recht eingetragen werden.
Don besonderer Wichtigkeit ist die Vorschrift, daß, wenn eine Hypothek von Dem Erwerber eines Grundstückes oder für seine Rechnung abge - löst worden ist, er sich gegenüber dem Antrag auf Wiedereintragung des Rechts nicht aus seinen guten Glauben an die Richtigkeit des Grundbuches berufen kann. In all den unzähligen Fällen, in denen der Erwerber eines Grundstückes vor seiner Eintragung als Eigentümer das Grundstück von Hypotheken hat bereinigen lassen, muß er jetzt die Aufwertungslast tragen, wenn diese Bereinigung entweder durch ihn selbst oder von dem früheren Eigentümer auf seine Rechnung vorgenommen worden ist. Der Begriff „auf feine Rechnung" scheint mir sehr dehnbar zu sein, und ich fürchte, daß diese Bestimmung zu manchen Streitigkeiten Veranlassung geben wird. Kann man z. B. davon sprechen, daß die Ablösung der Hypothek auf Rechnung des Erwerbers erfolgt ist, wenn dieser ein reines Grundbuchblatt verlangt und dem Verkäufer, der nicht über die erforderlichen Mittel verfügte, zwecks Bereinigung als Anzahlung aus den Kaufpreis einen entsprechenden Betrag zur Derfügung gestellt hat?
Diejenigen Verkäufer, die im Jahre 1921 Ihre Grundstücke veräußert haben, sind durch die Vorschrift begünstigt, daß ihre R e st k a u f g e l d-
Sturm auf Trianon.
Der britische Zeitungskönig Harmsworth, der später als Lord Rorthcliffe den ganzen englischen Presseapparat in die deutschfeindliche Einstellung hineintrieb, hat noch einen Bruder, heute Lord Rothermere, der ebenfalls ein englischer Zeitungskönig von nicht unbeträchtlichem Ausmaße ist: vor allen Dingen sitzt er auf dem Millionenblatt „Daily Mail", das für die Auffassung der englischen öffentlichen Meinung und auch der englischen Regierung eine starke Dolle spielt. Er hat lange Jahre mit seinem Bruder am selben Strang gezogen und bis in die jüngste Zeit hinein in seiner „Daily Mail" eine stramm franzosenfreundliche Politik getrieben, Um so mehr überrascht es, daß gerade von i h m jetzt in seiner Zeitung ein Vorstoß zugunsten einer Revision des Trianon-Dertrages ein- seht, wenn er auch nach seinem Wesen und nach seiner gewollten Wirkung nur englische Ziele verfolgt, für uns nicht ohne Interesse ist.
Lod Rothermere hat sich nicht damit begnügt, in schärfster Form die Grenzziehung des Trianon-Vertrages anzugreifen und zu verlangen, daß Ungarn seine ethnographische Grenze wieder erhalte, er hat darüber hinaus auch in einem offenen Brief an den tschechischen Außenminister Bene sch genau die gleichen Ideen verfolgt und Herrn Denesch zu verstehen gegeben, daß schließlich ohne England die Tschechoslowakei heute nicht existieren würde, daß aber auch eine Million englischer Soldaten nicht gefallen wären, nur um in einem Teil Europas Unrecht zur Herrschaft gelangen zu lassen. Herr Denesch hat sehr höflich geantwortet, allerdings mit einer gewissen grimmigen Höflichkeit, der man die Wut anmerkt, daß sie nicht richtig deutlich werden darf. Aber Rothermere wird seine Pläne deswegen nicht fallen lassen, er arbeitet zweifellos darauf hin, die englische Stimmung für eine Aenderung des Trianon-Dertrages und für eine Wiederher st ellung Ungarns reis zu machen.
Weshalb er das tut? Sicherlich nicht um irgendwelcher idealistischer Ideen willen: vermutlich ist für ihn Ungarn nur ein Stein auf dem Schachbrett des Kampfes gegen Sowjet-Rußland. Denn sonst würde er ja nicht über sehen können, daß es in der Tschechoslowakei nicht nur vergewaltigte ungarische Minderheiten gibt, sondern daß die Lage der Sudetendeutschen mindestens ebenso ttostlos ist Freilich, Ungarn hat noch sehr viel schlechter abgeschnitten in den Friedens-
(„Aurikeln" schreibe ich nur so hin, weil es sich hübsch ausnimmt. Denn ehrlich gesagt: ich bin mir nicht ganz im klaren darüber, wie Aurikeln eigentlich aussehen.)
Es ist also ein Blumenladen, wie alle Blumenläden. Und nur selten bleibt einmal jemand vor seinem Fenster stehen. Aber heute abend stehen mit einemmal eine ganze Menge Leute da und sehen in das Fenster hinein, das hell erleuchtet ist, obwohl es doch schon ganz spät am Abend ist — Was ist los? Ist etwas geschehen?
Ja, es ist etwas geschehen. In dem kleinen Laden, in dem sonst nur Nelken, Rosen und Aurikeln stehen, steht heute abend eine „Königin der Nacht". „Cereus grandiflorus" liest man auf einem Blatt Papier. Und über dem Blatt Papier erhebt sich aus einem simplen, braunen Blumentopf eine #rt von Schlangenkaktus. Dürre, stachliche, graugrüne Polypenarme winden sich um ein paar Blumenstäbe in die Höhe. Wie eben Kakteen aussehen: etwas verstaubt und vertrocknet, und so, als ob aus dieser Pflanze nie oder nur durch ein Wunder je eine Blüte hervorbrechen könnte. Aber dies Wunder ist nun geschehen. Gerade als die Sonne unterging, hat sich an einem dieser vertrockneten Polypenarme eine riesengroße Blume aufgetan. Eine seltsame, eine ganz und gar märchenhafte Blume. So seltsam wie ihr Leben ist dies Leben, das nur eine einzige Nacht dauert, das am Abend beginnt, wenn das Leben aller anderen Blumen erlischt, und das aufhört beim ersten Sonnenstrahl, wenn die anderen BlU- men wieder erwachen, so seltsam ist diese Blume selbst. Bleich und weiß, als wären sie aus Silber und Eis, starren ihre zarten Blütenblätter wie ein weit aufgerissenes, regungsloses Auge in die Nacht. Königlich, stolz, abweisend. Vom Tode gezeichnet und gekrönt. Wie aus einer anderen Welt, aus einer Eiswüste herüber geweht. Geheimnisvoll und fremd, wie ein gefangener Stern.
Die J3eute, die auf der nächtlichen Straße vor diesem Fenster Haltmachen, stehen da nicht, wir vor einem Blumenfenster, sondern wie vor dem Käfig eines gefährlichen, schönen und wilden, aber kranken Tieres. Sie flüstern miteinander. — Die Sommernacht ist kurz. Bald kommt der Tod.
Als ich am frühen Morgen wieder vorübergehe, hat sich das große, königliche Auge schon geschlossen. Müde und leblos hängen die Blütenblatter Am Mittag ist nichts mehr zu sehen. Dürre, stachliche Polypenarme winden sich um die Blumenstäbe, verstaubt und vertrocknet, als ob aus dieser Pflanze nie ober nur durch ein Wunder je eine Blüte hervorbrechen könnte.
£■. Wieseck. 2. Aug. Zu dem in der Rächt von Sonntag auf Montag bei dem Gastwirt und Metzger Braün verübten Einbruchdieb- ftahl erfahren wir noch: Der Dieb, ein junger Mann aus Heuchelheim, hielt sich schon am Rachmittag und Abend in Wieseck, zum größten Teil in der Gastwirtschaft Braun auf. Ms er nachts die Angehörigen der Familie Braun auf dem gegenüberliegenden Festplah wußte (der Turnverein Wieseck feierte sein 65» Stiftungsfest), stieg er nach Uebertlettern des Hoftores durch das Klosettfenster ins Haus. Seine Versuche, die beiden Kassen der Metzgerei und Gastwirtschaft zu erbrechen, erwiesen sich als vergeblich, dagegen zertrümmerte er die Scheibe eines Bajazzo-Apparates und beraubte denselben. Bei den weiteren Versuchen, die Ladenkassen zu erbrechen, wurde der Einbrecher von dem heimkehrenden Besitzer nahm feinen Weg wieder durch fenfter über das Hoftor auf die sofort auf genommene Verfolgung nächst ergebnislos bleiben, da der
gelang der Aufwertungsverpflichtungen gehandelt haben, in Fortfall gekommen wäre. Die Folge wäre ein erneuter Ansturm auf die Grund- buchämter und Aufwertungsstellen gewesen mit der natürlichen Folge, daß die in den letzten Jahren insbesondere bei Kreditaktionen beklagte Langsamkeit des Arbeitens der überlasteten Erundbuchämter und Auftoertungsstellen auf Monate und vielleicht auf Jahre hinaus fort gedauert hätte. Im Interesse des Wirtschafts- l«bens kann man es nur begrüßen, daß nun doch eidlich der Zeitpunkt abzusehen ist, in welchem eine gewiße Beruhigung bei all den vielen , Aufwertungsstreitigkeiten eintreten wird. Eine
Erhöhung der Auftoertungsquvte, die von Gläu-
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Raum und Farbe.
Don Anna K a p p st e i n.
S Wir preisen das Farbenglück des Sommers, die inten Blumen und die grünen Bäume, den blauen UTimel und die weißen Wolken. Selten hört man * Raumglück rühmen: den hohen Himmel, den h nen Bau des Regenbogens, das gotische Zelt der iH-felkronen. Die Farbe gesellt sich unserem täg- 1*n Kleinleben und grüßt uns vertraut. Der mm, zu dessen Größe wir pilgern müssen, befrem- H. Darum ist die seßhafte Masse empfänglicher für jiiden- als für Raumeindrücke. Der Raum ist starr, uermenschlich und ohne Beziehung auf das persön- l-h'i Leben: das gilt für Schlösser, Denkmäler, für jir hen und Museen. Verloren wie ein Punkt im be-ltall steht und staunt der einzelne in der So- s ixnmoschee zu Stambul, fast zu Boden gewuchtet k m ihren Raummassen und -maßen, in einer großen
• Qnberen morgenländischen Bethäusern von her Raumgewalt gewinnen wir mcnschenhafte Wung erst durch die prunkenden Farbenbeete ihrer pnche Die Farbe erblüht im Wohnhaus, im ih'uifenster, auf der Straße. Der Raum ist für nt-lhcbe Völker der geschlossene und darum meist >br verbotene. Unter unserem kargen Himmel kann ilks Leben sich nicht auf freien Plätzen abjpielen ine auf Veronas Markt, wie vor Venedigs Markus- ifcim Der Aufenthalt auf großangelegten Plätzen, sel.'l gegliederten Straßen erzieht das Raumgefühl, meb die Sicherheit der eigenen Bewegung. Die An- :!kih»efaß beides. Auf offenem Markt lehrten die Phi- üaaxhen. Unter freiem Himmel spielte man Tragödie :unb Komödie. Die Trümmer des dyonisifchen Thsa- Üei5 )u Athen bestürzen uns mit dem Grundriß ihrer uiqci)euren Rundung. Zwischen den Säulen des ‘ 3$irii)enon, wenn das wolkenlose Blau des griechi- 1 Mm Himmels den penelischen Marmor umleuchtet, iste uns Nachgeborenen die Götter des Olymp doch laiche, die menschlich zu den Menschen niederstiegen. "De Menschen des Altertums, an strenge Weit- ifrinnigteit gewöhnt, waren des Götterumgangs iM.rdig. Wir Kinder eines Regenhimmels, In- I i-rer von Stubenkäfigen, erzittern vor der freien »Däße.
Farbliche Eindrücke werden zu Heilzwecken vcr- b niiibet. Wenn sie leichter zugänglich wären, würde nmn auch die räumlichen heranziehen. Jede Reise ins iHich<ebirge lehrt, wie die starken gedrungenen Forum^ ber Gipfel die Sinne erfrischen. In engen Zim- nMm ducken sich die Seelen. Lichte Wände aber wei-
------ -- dreiste Dieb auf dem Festplah recht gut in der Menge unter» tauchen konnte. Später wurde auf dem Hof Mühe und Stock gefunden, die über die Personalien des Einbrechers einigen Aufschluß gaben. Bach einigen Stunden von Gießen heimkehrende Einwohner hörten von der Sache und machten den Betroffenen darauf aufmerksam, daß in der Rahe des Reubaues an dem Wiesecker Weg in Gießen ein junger Mann von dem beschriebenen Aussehen im Graben schlafe. Die Vermutung erwies sich auch als richtig, man machte sich sofort auf den Weg, wo man in dem dort Schlafenden den Täter erkannte. Offenbar hatte er das erbeutete Geld sofort in Allohol um* gesetzt, und schlief nun hier feinen Rausch aus. Der leichtsinnige Dieb, der nicht den besten Leu»
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Erhöhung
5 igerfeite gefordert wurde, wäre auch um des- I loiflen bedenklich gewesen, weil vielfach bei den
Kreditverhandlungen der letzten beiden Jahre der Gläubiger nicht nur auf die dingliche Sicherung des verpfändeten Grundstückes, sondern auch of die persönliche Kreditwürdigkeit Darlehensnehmers gesehen hat. So ist z. B. '| bei den mehr als 40 000 Hypotheken, die die
Rcntenbantlrebitanftalt im Laufe der letzten l1/. •* 3aljre und ihrer Gvlddiskontbankanleihe gegeben I bat, eine sorgfältige Prüfung der Kreditwürdig- il le :t der Darlehensnehmer, öie sich auch auf den || Umfang ihrer Verpflichtung erstreckte, vorgenom - m en worden. Würde man diese Darlehens-- neljmer jetzt mit neuen Auswertungsverpflichtun- Mgen belastet haben, dann würde bei einer großen ■ <>ahl dieser Kredite die angenommene Kredit-
Würdigkeit möglicherweise hinfällig gewvr- . len fein.
ten die Räume. Mit zitronengelben Vorhängen und Scheiben täuscht man Sonnenschein vor und weckt Lebenslust. Ein froher Zimmeranstrich beim Erwachen läßt uns leichten Fußes in den Tag springen. Dunkle Wände belasten. Grelle Tapctenmuster schrecken. Gemütskranke bringt man in blauen Zimmern unter, sie besänftigen. Rot und schwefelgelb erregen und müssen Fiebernden ferngehalten werden. Männer, behaupten die Soelenärzte, sind reizsamer gegen Grün als Frauen, die hinwiederum trotzdem von Richard B ä r w a l d wegen ihres feineren Farbenunterscheidungsvermögens und ihrer reicheren Farbcnkenntnisse als „Augen-" und „Farbeninen- schen" bezeichnet werden. Daß Grau schwermütig machen kann, wissen wir aus trüben Novembertagen. Norwegen besitzt die höchste Zahl an Geisteskranken, weil im hohen Norden die Sonne sechs bis sieben Monate lang nicht über den Horizont taucht. Ibsens Dramen sind farbenarm, vergleicht man sie mit den bunten Räuschen, den glanzvollen Schildereien des phrasenreichen d'Annunzio. „Rosmersholm", die „Frau vom Meere" sind dafür typisch. Grauer noch geht es bei Strindberg zu. Gespenstersonaten und Totentänze führten schon vor dem Weltkrieg in die „Vorhölle".
In England wurden Kriegsbeschädigte mit Nervenschock der Farbenkur unterzogen. Bei manchen Tieren entzündet Leidenschaft jich an der roten Farbe. Den Puter läßt sie kollern und sich blähen. Den Stierkampf entflammt das rote Tuch. Jung eingefangene Vögel fürchten sich vor Kirschen und Erdbeeren.
Jede Farbe schwankt in Stufungen und Ueber- gängen und verwischt sich in fließenden Grenzen gleich den Welhm des Gefühllebens. Man muß in sich hineinsehen lernen, um alle Möglichkeiten der Farben zum seelischen Klingen aufzurufen und zum Ausdruck eigenen Erlebens zu beschwingen.
Museen sind Hochschulen der Geschmacksbildung. In der Nutzanwendung aus den Bildern kommt der Betrachter hinter die Theorie. Nicht so sehr in modernen Ausstellungen, wo das barbarische ungebrochene Prangen der Südseeinselfarben und die Naturvölkerfreude am Bunten Stil prägen. Bei alten Meistern, bei Tizian und den Niederländern, den großen Spaniern und den Franzosen, die den Pinsel wie in flüssiges Silber tauchten, sind die Tonstufen abzulesen, aus denen sich geheimnisvolle Zwischenwelten bauen.
Das Erwachen und Vergehen der Farbe packt immer wieder mit der Macht des Wunders. Mag es optisch erforscht und zerlegt werden durch Ost-
Was den Inhalt der Rovelle zum Aufwer- lungsgesetz im einzelnen anbelangt, so regelt sie in erfter Linie den Beginn der Berzin- lung der gelöscht gewesenen und kraft Rück- Di China wieder aufgelebten Hypotheken. An M.Ä sollte hier die Verzinsung erst mit dem Be° ■ ginn des auf die Wiedereintragung dieser Hypv- iljclen folgenden Kalendervierteljahres wieder ein» fk't3en; als der Gesetzgeber diese Bestimmung chrf, hatte er wohl kaum damit gerechnet, daß :f) in sehr vielen Fällen die Wiedereintragung in 2 Jahre oder länger hinausziehen würde. 68 erschien deshalb angebracht, einen einheit- l. Hen Termin für den Zinsbeginn dieser iypvtheken festzusetzen, um dadurch auch dem Lchuldner die Lust zu nehmen, durch leichter iges Prozessieren die Wiedereintragung der ^i)pothek hinauszuzögern und so den Gläubiger Lirötigertoeife um die Zinsen zu schädigen. Ob ® allerdings zweckmäßig war, den Zinsbeginn ciivheitlich auf den 1. April 1926, d. h. auf einen !chr erheblich zurückliegenden Zeitpunkt, ktjulegen, will mir zweifelhaft erscheinen, da üeL.ehlich die Schuldner mit einigem Recht in hrm Kalkulationen für das Jahr 1926 die Zin- cn- nicht*berücksichtigt haben und es nunmehr eine ilmbilligkeit ist, sie ihnen noch für diesen zu- i lüdliegenben Zeitraum ah.uv erlangen. Eine ge» , vsse Milderung schasst die Vorschrift, daß die
Nächtliches Wunder.
Von Hans Siemsen.
„Königin der Nacht." — Wissen Sie, wer das ist? — Ich meine nicht die Koloratursängerin aus Mozarts „Zauberflöte". Nein, die „Königin der Nacht" ist eine Blume, die, wenn ich nicht sehr irre, zu dec Gattung der Kakteen gehört. Und sie heißt deshalb so, weil sie nur des Nachts blüht — und zwar nur in einer einzigen Nacht. Nur einmal. Und nur ein paar Stunden
Und diese seltsame Blume gibt es in Berlin zu sehen? — Allerdings! Jawohl! Und zwar in meiner Straße.
3n meiner Straße gibt es einen netten kleinen Blumenladen. Nicht größer, nicht prächtiger und nicht anders als eben in jeder Straße der Blumenladen aussieht, in dem man seine Nelken und Rosen und Veilchen oder auch einmal eine Orchidee, kauft, wenn man mal Grund und Anlaß hat, Nelken und Rosen und Veilchen oder gar eine Orchidee zu kaufen.
Nelken und Rosen und Veilchen stehen im Fenster und bunte kleine Wicken, Goldlack und Aurikeln.
M»
ernruf 1342.


