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llr. |52 Viertes Natt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhchen)
Samstag, 2. Juli TO
Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen
Reisewinke.
Löst Platzkarten.
Jetzt. unmittelbar vor Beginn der Hauptreisezeit. beschäftigt manchen, der auf Reisen gehen will, die Sorge, ob er auch einen Platz — und natürlich am liebsten einen Fensterplatz — im Zuge bekommen wird. Das Mitteleuropäische Reisebüro weist darauf hin, daß zu zahlreichen D-Zügen beato. Kurswagen Platzkarten verkauft werden, die bereits drei LagevordemReisetag zusammen mit dem Fahrtausweis ausgegeben werden. Für die 1. Klasse kostet eine Platzkarte 2 Mark, für die 2. Klasse 1 Mark, für die 3. Klasse 0.50 Mark. Das sind Beträge, die gewiß jeder Reisende für die Sicherung eines Platzes gern bezahlt. Wer nicht am Abfahrtsort des Zuges wohnt, kann auch schriftlich die Platzkarten zugleich mit den dazugehörigen Fahrtausweisen bei der amtlichen Fahrkartenausgabe bezw. in den mit der Ausgabe von Fahrtausweisen betrauten Reisebüros gegen Nachnahme bestellen. Roch ratsamer aber ist es das am Wohnort befindliche Reisebüro oder die H-ahrkar- tenausgabe des Bahnhofes mit der Beschaffung zu beauftragen (nur in Berlin befassen sich dre üahr- kartenausgabestellen der Bahnhöfe mcht mit der Abgabe von Platzkarten). Erfolgt die schriftliche Bestellung ohne ausdrückliche Anweisung, die Platzkarten an eine bestimmte Adresse zu senden, so werden sie während der letzten drei Stunden vor Abfahrt des Zuges bei der Fahrkartenausgabe des Abgangsbahnhofes (für die in Berlin von der Stadtbahn abgehenden D-Züge bei der Fahrkartenausgabe Berlin, Bahnhof Friedrichstraße) zur Abholung bereitgehalten. Die reservierten Plätze müssen spätestens bis zur Abfahrt des Zuges eingenommen werden, da nach Abgang des Zuges der Wagenschaffner anderweitig darüber verfügen darf.
Bad Homburg.
„Die Perle vom Taunus!" wird Bad Homburg allgemein genannt, und mit Recht. Denn unter den Kur- und Erholungsplähen, die das TaunusgÄiirge wie ein Kranz umgibt, ist Hom-
burg durch die klimatischen und hygienischen Der- I hältnisse, sowie durch seine ausgezeichneten Mineralquellen und Däderarten, die schon den Römern zu Heilzwecken dienten, besonders hervorragend. Homburg besitzt ein mildes Gebirgsklima und eine herrliche Landschaft. Die Luft ist äußerst rein und nervenberuhigend, mehr trocken, anregend und kräftigend, im Sommer- frisch und kühl. Zn das Gebiet der Homburger Quellen gehören Krankheiten des Verdauungs- traktus, des Stoffwechsels und der Respirationsorgane. Herz- und Rervenleiden. Homburg ist außerdem auch durch seine eigentümliche Schönheit und Pracht, Eleganz und Vornehmheit berühmt. Es gibt hier eine reiche Auswahl erstklassiger Hotels, welche die verwöhntesten An- sprüche an Komfort und Luxus vollauf zu befriedigen vermögen. Aber auch die kleinen Hotels, die ausnahmslos gut geführt sind, lassen nichts zu wünschen übrig.
Biedenkopf.
Biedenkopf wird seit Zähren als bekannter und vielbesuchter Luftkurort geschäht und gilt infolge seiner unvergleichlich schönen Lage bei Erholungsuchenden als „Die Perle der oberen Lahn". Fernab von jeglichem Großsta^- verkehr genießt man in herrlichster Ratur wirkliche Stunden der Ruhe und Erquickung, dichtbewaldete Berge (bis 800 Meter) mit Laubund Radelwäldern, gutgepflegten Wegen mit Ruhebänken, Schuhhütten und freien Ausblicken machen den Aufenthalt wochenlang zu einem angenehmen und abwechslungsreichen. Umgeben von Bergen und stillen Tälern liegt die Stadt am steilen Schlvßberg, gekrönt von dem um 1200 erbauten Landgrafenschloß, dessen Räume heute ein sehenswertes Heiamtmuseum bergen. Biedenkopf ist mit seinen 3500 Einwohnern Kreisstadt, Sitz sämtlicher Kreisbehörden, besitzt ein schönes Freischwimmbad. Aerzte, Apotheke, Kirchen beider Konfessionen. Den Fremden stehen gut eingerichtete Hotels zur Verfügung, Lenneplätze, Zagd- und Fischeceigelegenheit ist vorhanden. Rähere Auskunft erteilt bereitwilligst der Der- kehrsverein.
Ratschläge für Alpenreisen.
Gerne kommen wir zahlreichen Wünschen aus unserem Leserkreise nach und veröfsentlichen im Folgenden Ratschläge eines alten erfahrenen Bergsteigers, die Reulingen wie geübteren Touristen viel Anregung geben föniten. — D. Red.
Die Preise sind in den österreichischen und südtiroler Alpen niedriger als bei uns, in der Schweizer und französischen Alpen entsprechen sie etwa unseren Preisen. Das Reisen kostet in Oesterreich und Südtirol nur zwei Drittel. Die Hauptverkehrsorte sind in den Alpen überall teuer, besonders dann, wenn die Wirte auf eine kurze Saison angewiesen sind und ihren Betrieb in zwei bis drei Monaten verzinsen müssen. Billige Unterkunft findet man überall in weniger ^suchten Gegenden, z. B. in der Rordschweiz, im Appenzeller Land, in Bayern im Chiemgau, wo z. B. am Ostufer des Chiemsees ein Ehepaar mit Kind 10 Mk. im Tag für volle Pension zahlt, sowie in Riederösterreich, wo man um 1 Mk. übernachten kann. Besonders zu empfehlen sind die hochgelegenen Orte in Deutschsüdtirol, etwa Seis am Schlern. tfur bescheidene Ansprüche kommen die Höhen von Hafling bei Meran in Betracht; dort habe ich im Tag an Ostern etwa 3 Mk. gebraucht.
Zn den Ostalpen sind am niederschlag- reichsten die nördlichen Kalkalpen, schon weniger die Tauern. Südlich tzxr Tauern, etwa in der Gegend des Millstädterfees, hat man sehr wenig Riederschläge. Arm an Regen ist natürlich Südtirol. Die meisten Riederschläge fallen im Zuni; es folgt Zuli, August und Mau Sehr wenig Regen fällt im Oktober, doch können dann plötzliche Witterungsumschläge bei Hochtouren gefährlich werden.
Die Ausrüstung für Gebirgsfahrten ist bekannt. Zn den Borbergen genügt leichte Kleidung, in den Hochalpen muh stets warme Kleidung mitgenommen werden. Zm letztest Sommer sind in den Ostalpen allein an einem einzigen Tag zwölf Personen in Höhen von 2000 bis 3000 Meter erfroren. Wenn man sich auch von
Herzen über die Tausende von Deutschen jreuen muß, die mit geringen Mitteln die Alpen aufsuchen, so sei doch indringlich davor getoamt, sich in, schlampiger verschwitzter Kleidung mir nackten' Füßen an vielbesuchten Orten sehen zu lassen. Horden in wilden Aufzügen schaden im Ausland dem Ansehen Deutschlands außerordentlich. Zn München müssen jährlich zahlreiche Personen von den Festaufführungen im Prinz- regententheater zurückgewiesen werdeii. weil sie im Vertrauen darauf, daß München „so gemütlich" sei und man sich deshalb dort alles erlauben könne, in ganz unwürdigen Aufzug erscheinen. Geschmackssache ist es, ob man im Hochgebirge Wolle, Baumwolle oder Deinen tragen wird. Die bekannten Lodenstoffe sind nur „relativ" wasserdicht, und zwar auch nur dann, wenn sie richtig behandelt werden. Man darf sie, wenn sie nah geworden sind, nie auswinden, da man sonst das Wasser in den Stoff drückt und so Poren schafft, sondern muh sie ausgebreitet aufhängen.
Bergstiefel lasse man sich an Ort und Stelle, möglichst schon im Spätherbst vor der Alpenreise anfertigen, weil da die Schuster mehr Zeit haben. Hier ist nur das Allerbeste gerade noch gut genug. Tadellose Bergstiefel bekommt man nicht unter 70 Mk. Zm Vorgebirge kann man auch mit genagelten Halbschuhen gehen, die aber ganz genau angemessen sein müssen, sonst bekommt man die Schuhe voller Steine. Angenehmer geht man in ihnen ohne Socken; die Haut des Fußes bleibt dann trocken und man bekommt nicht so leicht Blasen wie mit Socken. Durch geeignete Behandlung kann man die Lebensdauer der Bergstiefel mindestens verdoppeln. Man stelle sie vor der Fahrt ins Gebirge bis über die Rähte 24 Stunden lang in Leinöl. Zm Gebirge selbst dürfen Bergstiefel nie au rasch getrocknet werden. Man wichst die Stiefel nicht, sondern bürstet sie nur ab und fettet sie mit Marsöl ein.
Selbstverständlich sollen Kranke das Hochgebirge nur auf Anraten ihres Arztes aufsuchen. Das Gebirge wirkt auf die Lungen, die Hautatmung, das Rervenshstem und auf die Organe
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