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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

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Nr. 152 Drittes Blatt

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Die Voranschiagsberaiung in Eietzen.

Das Stadtparlament der Provinzialhaupt- stadt Greßrn hat am Dienstag in nahezu fünf­stündiger Sitzung den städtischen Haus­haltsvoranschlag für 1927/28 beraten und zum Schlüsse einstimmig genehmigt. Wir begrüßen es zunächst, dah die Beratung nicht zu einer Kürzung dec von der Verwaltung vor­gesehenen MMel geführt hat. Der Haushalts­plan enthält in der Lat auch nichts, was man hätte abstreichen können, ohne damit zugleich er­hebliche Nachteile für das Gemeinwesen auszu­lösen. Wenn nuin diesen Haushaltsplan richtig bezeichnen will, so kann man nur von einem Haushalt der dringendsten Notwendigkeiten spre­chen. Deim was jetzt vorgesehen ist, stellt doch nichts anderes dar als einen Teil dessen, was schon längst in früheren Jahren hätte geschehen müssen, und das damals auch leichter möglich gewesen wäre als in der heutigen Zeit des schwersten Ningens um die Existenz. Da man friüjcr den unabweisbaren NotwendiKeiten einer nahen Zukunft gegenüber nicht genug Weitblick und gar keine vorsorgende Entschlußkraft auf- brachte, muh die jetzige Generation eben eine Last auf sich nehmen, die gewiß schwer drückt, die aber hingenommen Warden muh um der Zukunft der Stadt willen. Von diesen Erwägun­gen geleitet hatten wir uns schon in unseren Besprechungen des Voranschlags (Gieß. Anz. Nr. 126 vom 1. Juni und Nr. 140 vom 18. Juni) für dessen ungekürzte Annahme ausgesprochen, dabei wohlbedemend die Bürde, die auf die Schultern der Bürgerschaft, insbesondere der gewerbetrei­benden und grundbefitzenden Teile, gelegt werden mühte, auf der anderen Seite aber auch wohl- bewuht der Größe der Verpflichtung, die unsere Zeit gegenüber unseren Nachfahren in Gießen zu erfüllen hat. Der Stadtverwaltung gebührt An- ctfennung dafür, dah sie diesen Weg des mit Maß und doch lebendiger Kraft vorwärtsstreben- den Wollens unbeirrt von gewissen Einwirkungen von außen her, wie sie z. B. in einer öffentlichen Rede eines Stadtverordneten in der Zeit der Etatberatung zutage traten, fonfcquent bis zum Ende gegangen ist. Sie hat damit gute Ausbau?- arbeit für die Zukunft unseres Gemeinwesens geleistet. Anerkennung muß man auch der Stadt­verordnetenversammlung aussprechen dafür, dah sie auf diesem Wege der Verwaltung gefolgt ist, vollbewuht der Gröhe der Opfer, die gebracht werden müssen, aber auch eingedenk der Verant- wortlirUeit für die Zukunft der Stadt.

So glatt und reibungslos wie in den letzten Jahren verlief freilich diesmal die Vovanfchlags- beratung nicht. Es wurde dabei viel, ja sogar sehr viel geredet, und zum größten Teil so, daß man diese rednerischen Leistungen nicht als Gewinn ansehen konnte. Ferner wurden zahlreiche Ab- änderungsanträge gestellt, die wir bei ruhiger und objektiver Abwägung ebensowenig für sach­dienlich halten, wie dies di« erdrückende Mehr­heit des Stadtparlaments auch getan hat. In dieser Hinsicht ist die Voranschlagsberatung vor allem für die Fraktion der Mittelstandsvereini­gung eine vollkommen verlorene Schlacht gewor­den. Diese Fraktion suchte durch zahlreiche An­träge ihre von dem Stadtv. Nicolaus vor einiger Zeit in einer Versammlung im Cafe Leib und auch vorher schon verkündeten Grundsätze im Haushaltsplan praktisch zur Geltung zu bringen, sie fand jedoch, daß alle Parteien des Hauses, von rechts bis links, geschlossen und meist mit harter, rednerischer Begleitmusik gegen diese An­träge auftraten. Es war nicht etwa parteimäßige Opposition, die diesen Anträgen die Zustimmung versagte, sondern die Erwägung, daß den An- MMWLLMÄWKWM

Roman von Sven Elve st ad.

Copyright bei Georg Müller, München.

22. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Schön, und doch bietet hier und da einer Trotz. Solange es sich um meine Frau handelte, wollte ich lieber bezahlen, als sie diesen außerordentlichen Ge­fahren aus^etzen. Aber dann starb meine Frau ja, sie staro tatsächlich eines natürlichen Todes und als ich einige Monate später die Mitteilung er­hielt, mein Leben sei in Gefahr, wenn ich nicht zweihunderttausend Mark an einer bestimmten Stelle zahlte, beschloß ich, den Kampf aufzunehmen. Es war ein sehr spcumender Kampf. Eine Art Er­holung. Ich weiß, daß die Mörder mich überall erreichen können, und doch glaube ich, ich bin sicherer, wenn ich außerhalb Amerikas lebe. Darum bin ich ein paar Jahre umhergereist. Als ich hierher in Ihr schönes, friedliches Land kam, fühlte ich mich wohl. Ich hatte lange nichts von meinen Gegnern gehört. Aber da bekam ich auf einmal diesen Bries vom Polizeichef. Der Brief war ge­fälscht, doch das konnte ich nicht wissen. In dem Brief war auf den Kampf hingewiesen, den ich mit der mystischen Bande zu bestehen hätte. Es wurde mir mitgeteilt, ein verdächtiger Mensch, der mir offen­bar nach dem Leben trachte, sei verhaftet worben. Genug, ich fand mich auf dem Polizeibureau ein, und das übrige kennen Sie. Sie werden mir zu­geben, daß ich aus Furcht hingegangen bin."

Oder aus Vorsicht", warf Krag ein.

Der Amerikaner zuckte mit der Achsel.

Aber jetzt sind ia beide verhaftet", erwiderte er. Da wird's wohl wieder eine Zeitlang friedlich sein."

Es sind aber nicht nur die beiden."

Der Amerikaner nickte:Das ist richtig." Dann sagte er plötzlich:Ich kann Ihnen übrigens eine Mitteilung madjen. Der älteste von den beiden, der so abgestumpft aussieht--"

Ja, der Franzose Raspail..

Er ist kein Franzose."

Nicht?"

Er ist Norweger."

trägen das zu einer Annahme hinreichende sach­liche Fundament fehlte. Wir muffen auch sagen, daß die Fraktion der Mittelstandsvereinigung bei diesen Anträgen sich selbst wenig glücklich be­raten hat. Sparsamkeit bei der Führung der städtischen Geschäfte fordert nicht nur die Mittel­standsvereinigung allein, sondern auch andere große und wichtige Teile der Bürgerschaft stellen dieses Verlangen auf, weil eben jedermann von ihnen weiß, wie schwer heutzutage die Aufbrin­gung einer Last ist. D eser Pflicht zur Sparsam­keit ist sich auch die Verwaltung bewußt. Wir wissen z. B. durch mancherlei Jnformattonen, daß die einzelnen Abteilungen der Verwaltung bei der Unterbreitung ihres ressortmäßigen Mate­rials zur VoranschlagLausarbeitung einen sehr anständigen Speisezettel vorgelegt hatten, der aber schon bei der ersten Sichtung an der ent­scheidenden Stelle stark zusammengestrichen wurde rmd später noch etwas mehr Haare lassen mußte. Den Ressorts kann man aus dieser Reichhaltigkeit ihrer Aufstellungen aber nicht etwa einen Vor­wurf machen, denn sie haben einfach die Pflicht, an der entscheidenden Stelle all das vorzubringen, was nach ihrer gew-ssenhatt.en Ueberzeugung im Interesse der Weiterentwicklung der Stadt zu tun ist. Die oberste Stelle hat dann diese Anftrde- rimgen in Einklang zu bringen mit dem Trag­baren und Möglichen für die Bürgerschaft. Das ist auch diesmal geschehen, und dabei sind die Spar- samkeitSerfvrdernisse schon von vornherein in weitestgehender Meise beachtet worden. Der Fi­nanzausschuß und, wie schon gesagt, die er­drückende Mehrheit des Stadtparlaments haben denn auch an dieser Arbeit der Verwaltung, die gerade diesmal sehr eingehend gesichtet wurde, mit Recht nichts beanstandet; daß man in der Bemessung der aufzubringenden Steuersumme um etwa 20 000 Mk. unter dem Verwoltungsvor- schlag geblieben ist, fällt hierbei nicht besonders ins Gewicht. Freilich zu der Sparsamkeit, die in den Anträgen der Fraktion der Mittelstands­vereinigung gefordert wurde, konnten sich die Fraktionen von rechts bis links nicht verstehen, denn diese Sparsamkeit wäre auf Kosten der Substanz gegangen, d. h. sie hätte die gesunde Fortentwicklung der Stadt stark gehemmt und zum Teil sogar unterbunden. Daß die Antragsteller diese Auswirkung ihrer Anträge bewußt wollten, möchten wir dabei gar nicht einmal sagen, aber eingetreten wäre dieses Resultat. Die Ablehnung der Anträge durch eine seltene Uebereinftimmung der Fraktionen von rechts bis links hat zum Glück die Möglichkeit zu einer solchen Entwicklung unterbunden.

Kein Glück mit ihren Anträgen hatte auch die sozialdemolratifche Fraktion. Zum Teil han­delte cs sich hierbei umalte Bekannte", die uns schon bei früheren Gelegenheiten begegnet sind und denen diesmal ein neues Gewand int Gestalt veränderter Degründungsreden gegeben worden war. Eine Neuheit brachte biefe Fraktion aber doch mit dem Antrag, dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Gie­ßen, zur Unterhaltung des Arbeitersekretariats einen Zuschuß von 2000 Mark zu gewähren. Dah dieser Antrag keine Annahme finden wurde, stand von vornherein fest, und so ist es ja auch schließlich gekommen. 3n der Tat ist diese 2lb- lehung vollkommen begründet. Denn wohin sollte es führen, wenn jetzt auch noch derartige Ein­richtungen aus öffentlichen Mitteln unterstützt würden. Dann hätten alle anderen Gewerkschafts­bureaus das gleiche Anrecht auf Beihilfe aus städtischen Mitteln, ebenso auf der anderen Seite aus Gründen der Gerechtigkeit auch das Bureau des Arbeitgeberverbandes. Für die Zwecke ge- werkschaftlicher oder industrieller Berufsorgani­sationen sind aber die von der Allgemeinheit aufgebrachten Steuermittel nicht da, und wenn solche Organisationen worauf Stv. Moos-

Diese Aufklärung erfolgte so plötzlich, daß selbst ein so entschlossener Mann wie Asbjörn Krag seine Ueberraschung nicht verbergen konnte. Der Polizei- chef war geradezu bestürzt.

Norwegerl" rief er.Aber dann sind wir ja wieder betrogen."

Betrogen?" erwiderte der Millionär, die Stirn runzelnd.Meine Herren, Sie machen mich un­ruhig. Sie haben doch wohl den Alten'nicht los- gelassen?"

Er machte eine Bewegung zur Tür hin, als wollte er hinauseilen, um einen vermeintlich began­genen Fehler wieder gutzumachen. Der Sekretär ließ die Finger auf den Taften der Schreibmaschine ruhen und lauschte gespannt auf das, was ge­sprochen wurde.

Krag klingelte nach dem Kellner. Da der Mil­lionär die Prinzenwohnung innehatte, konnte man sicher sein, daß die Kellner stets wie Fliegen vor seiner Tür umherschwärmten. Sofort stand denn auch einer da. Krag bat ihn, sich zu erkundigen, ob die vier. Herren, die beiben Verhafteten und die beiden Kriminalbeamten weggefahren seien. Bald kam er mit der Antwort zurück: Ja, sie seien in einem Auto fortgefahren. Der eine habe Handfesseln gehabt, der ältere, graubärtige Herr dagegen nicht; aber er scheine recht krank zu sein und sei beinahe ohnmächtig geworden, als er zu dem Wagen ge­führt wurde.

Es war deutlich zu sehen, daß diese Kunde Krag ein wenig beunruhigte.Sind Sie überzeugt davon, daß er einer Ohnmacht nahe war?"

Ja, der Portier behauptet es. Man mußte ihn stützen und ihm in den Wagen helfen, während er krampfhaft die Hand aufs Herz hielt."

War es ein geschlossenes Automobil?"

Ja, das heißt--"

Das heißt--"

Ursprünglich war es offen. Aber weil der Alte krank mar und der Auftritt eine Anzahl Neugierige sammelte, schlossen die Beamten das Auto."

Das ist also soeben geschehen?"

Ja, soeben. Es dauerte zehn Minuten, bis sie fortfahren konnten."

Schön. Bringen Sie mir ein Telephon. Aber flink!"

d o r f besonders hinwies Rechtsschutz und Rechtsberatungsstellen und ähnliche Dinge für ihre Verbandsmitglieder schaffen, so ist das ge­wiß anerkennenswert, aber immer noch kein Grund für eine Stadt, die Gelder der Allgemein­heit herzugeben für Institutionen, die ihrer gan­zen Natur nach von der Parteipolitik oder ein­seitigen Interessenvertretung nicht zu trennen sind. Dagegen hätte da§ Haus nach unserer Ansicht dem sozialdemokratischen Antrag auf Be­reitstellung von zehn Prozent des Schulgeldes der Berufsschule für Zwecke der unterrichtlichen Weiterbildung der lehrend.n Handwerksmeister insgesamt etwa 700 Mark zustimmen können. Gin entsprechender Vorbehalt dem Staate .gegenüber, daß aus dieser Freiwilligkeit der Leistung leine Verpflichtung hergeleitet werden könne, hätte den städtischen Belangen wohl ge­nügt und wäre einer lobenswerten Sache dien­lich gewesen. Daß die Frage des Beitrags der Stadt für den Arbeiter-Samariterbund in naher Zeit eine befriedigende Regelung finden wttd, kann man nach den Erklärungen des Oberbürger­meisters, der die Einbringung einer Vorlage ankündigte, Wohl erwarten. Wenn man die im Stadtparlament vorgetragenen Ziffern über die

Einen Augenblick darauf trug der Kellner einen Telephonapparat herein, setzte ihn auf den Tisch und steckte die Schnur in den Kontakt an der Wand.

Krag rief das Polizeibureau an.Ich erwarte ein Auto mit zwei Verhafteten", sagte er.Ist es schon dort?"

Nein", wurde geantwortet.In der letzten Stunde sind keine Verhafteten eingebracht worden."

Dann stellte Krag die sonderbar klingende Frage an den, dem er telephonierte:Wo stehen 6te jetzt?"

Der Mann am anderen Ende des Drahtes er­faßte sofort, was Krag meinte, bann gab er zur Antwort: ,^Jch stehe am Apparat Nummer drei.'

Von da können Sie auf die Straße hinunter­sehen, nicht wahr?"

Gewiß."

Gut, werfen Sie einen Blick auf die Straße. Sehen Sie ein geschlossenes Auto kommen?"

Nein."

Dann warten Sie am Telephon und behalten Sie die Straße im Auge. Id) komme im Augenblick wieder. Es kann nicht lange dauern."

Krag legte das Hörrohr hin und wandte sich an den Millionär, der mit echt amerikanischem Phlegma und mit scheinbarer Gleichgültigkeit von einem der bequemen Ledersessel aus das Ganze be­trachtete.

Ich hoste, Sie entschuldigen, dah wir Ihr Zimmer und Ihre Zeit mit Beschlag belegen", sagte er.Aber es kommt für uns darauf an, über ge­wisse Tatsachen so schnell wie möglich ins Reine zu kommen. Ihre Miteilung, daß der ältere Herr Nor­weger sei, hat die Sachlage einigermaßen geändert. Woher wissen Sie, daß er Norweger ist?"

Ich selbst kann sehr wenig Norwegisch," erwi­derte der Millionär,aber ich kann doch erkennen, wenn jemand Norwegisch spricht."

Sie haben also den Franzosen, der sich Raspail nannte, Norwegisch sprechen hören."

Ja, mehrere Male. Er hat mit dem Chauffeur, der uns vom Polizeibureau hinuntersührte, Norwe­gisch gesprochen. Und er hat auch ein paar Worte in norwegischer Sprache mit dem wachhabenden Schutzmann im Vestibül gewechselt, der ja in der Dunkelheit glauben mußte, daß er den Polizeichef selber vor sich habe. Aber ich will auch bemerken, daß er zugleich ganz tadellos Französisch spricht.

Samstag, 2. Zuli M7

starke Steigerung der Hilfeleistung dicker Or­ganisationen sich vor Augen hält, so wird man auch hier die städtische Förderung zugestehen müssen.

Wenn auch nicht im Rahmen der eigentlichem Etatberatung, so doch im sachlichen Zusammen­hang mit dem Haushaltsvoranschlag fand in d-er Dienstag-Sitzung das Projekt der Errichtung eines Diehhofes in Gießen erfreulich_r- weise einstimmige Annahme. Wenn man sich erinnert, mit welch temperameirtvollem Eifer im letzten Drittel des vorigen Jahres gegen diese zeitgemäße und dringend notwendige Eii.-ich- tur.g von einem kleinen Kreise von Mitbürgern! unter der Führung eines Stadtvero'-dnet.m Sturm gelaufen wurde, so kann man heute mit be­sonderer Genugtuung feststellen, daß durch ie Einstimmigkeit der Annahme dieser Vorlage da - getan wird, daß die Erlennttris von der Zweck­dienlichkeit und Dringlichkeit dieses Vorhai ons jetzt auch in den Kreisen überzeugend lebendig! ist, die früher dem Unternehmen wider(trabten. Man farm jetzt nur noch hoffen und wÄychen, daß der große Gedanke möglichst rasch in die gute Tat umgesetzt werde.

Ich habe mich ziemlich eingehend nüt dieser Sprache beschäftigt."

Asbjörn Krag antwortete nicht. Er winkte bloß dem Kellner und bat ihn, sofort ein Automobil vor dem Hotel vorfahren zu lasten. Dann führte er den Hörer wieder ans Ohr.

«Hallo, sind Sie noch da?"

Die Stimme bejahte.

Immer noch kein Auto zu sehen?"

Nein."

Krag holte seine Uhr hervor und sah nervös auf den Sekundenzeiger, der seine Sd)neckenrunde ab- tickte. ,/Das Auto müßte schon da fein", murmelte er.Entweder ist ihm ein Unglück zugeftoßen oder--"

Oder?" fragte der Polizeichef unruhig.

Oder wir hätten mitfahren sollen!" erwiderte Krag.

Sie vergesfen aber," wandte der Polizeichef ein,daß zwei handfeste Burschen dabei waren, daß der eine der Verbecher gefesselt und der andere ein alter, kranker Mann ist wenn er auch Nor­weger sein sollte."

Ich glaube nicht länger an seine Kränklichkeit", bemerkte Krag.Natürlich hätte man nie daran glauben sollen--Hallo!"

Die Stimme im Telephon ertönte wieder:Jetzt sehe ich das Automobil. Es ist ein geschloffenes gelbes Auto. Es kommt die Möllerftraße entlang."

Stimmt."

Aber es fährt sehr langsam."

Dann ist es erklärlich, daß es so spät kommt."

Jetzt hält es vor dem Polizeigebäude an."

Achten Sie genau darauf," sagte Krag eifrig, wer aussteigt."

Es entstand eine Pause.

Das Auto steht still," teilte die Stimme nach einer Weile mit,aber es kommt niemand heraus."

Geben Sie acht, geben Sie genau acht!" eiferte Krag.

Wieder folgte eine Pause. Und dann hörte Krag die Stimme sagen:Es ist noch niemand ausge­stiegen, aber der Chauffeur sieht sich erstaunt um. Das ist doch höchst sonderbar!"

Aber können Sie sehen, ob das Auto leer ist?" rief Krag in das Telephon hinein.

(Fortsetzung folgt.)

BcmkMsn und Finanzierung eines EinfamiliLnhcmßLZ Von PH. Nicolaus, Architekt B. D. A., Gießen.

Den nachstehenden Aufsatz haben wir vor­der Drucklegung dem Verfasser des ersten Artikels zur Kenntnisnahme uorgelegt, der anschließend seine Stellungnahme zu den Ausführungen dieses Verfassers kundgibt.

D. Red.

In Nr. 146 desGießener Anzeigers" werden für ein Einfamilienhaus mit fünf Zimmer, Dach­zimmer und Nebenräume die Baukosten auf 35 575 Mark und die Miete auf jährlich 2900 Mark be­rechnet.

Durch diese Zahlen werden viele ihre Hoffnung begraben und die Absicht auf Erstellung eines Eigenheims als undurchführbar aufgeben. Des­halb dürfte den weitesten Kreisen gedient werden, wenn ich in nachfolgendem den Nachweis führe, daß sich auch ein Einfamilienhaus mit fünf Zim­mer, Küche, Bad, Nebenräume und Dachzimmer für nur 23 800 Mk. erbauen läßt und daß in diesem Falle der Hausbesitzer jährlich nut 1600 Mark ver­wohnt.

Das Haus besteht aus

a) dem Kellerstock (2,20 m hock)) mit Waschküche; b) dem Erdgeschoß (2,90 m hoch), mit 2 Zimmer

von 5,20/4 m und 4/3,50 m, Küche 4/3,15 m und Nebenräume;

c) dem Obergeschoß (2,85 m hoch) mit 3 Zimmer und Bad;

d) dem Dachstock mit 1 Zimmer (10 qm groß) und Bodenraum.

Die bebaute Fläche dieses Hauses beträgt = 75 qm, der umbaute Raum = 625 cbm.

Bei einfacher Ausstattung ist das Kubikmeter umbauten Raumes für 28 Mk. zu erstellen. Als Bauplatz sind 500 qm vollständig ausreichend. Je nach Lage ist ein solcher Platz für 6 bis 8 Mk. für das Quadratmeter zu haben.

Hieraus ergibt sich folgende Berechnung:

a) Einmalige Kosten. Mk.

1. Bauplatz: 500 qm L 7 Mk. 3500,

2. ©runbeaserbfteuer - 5 Prozent von

3500 Mk. 175,

3. Baukosten des Hauses:

a) 625 cbm umbauter Raum, Mk. a 28 Mk. 17500

b) Einfriedigung und Planie­rung usw. 1300

Summa Baukosten 18800,

4. Straßenkostenbeitrag:

17 lfd. m Straßenfront, ä 60 Mk. 1020,

5. Staatlicher Baustempel

8750 Mk. Rohbaukosten, pro Mille

4 Mk. 35,

6. Abnahmegebühren und Schätzungen 50,

7. Lagepläne rd. 25,

8. Hypothekeneintragungskosten rd. 115,

Summa einmalige Kosten 23720,

b) Jährlich laufende kosten.

1. Zinsen (siehe c Finanzierung)

2. Bauunterhaltung: 1 Prozent von 18800 Mk.

3. Betriebskosten:

. ... 3500 x 0,12

a) Grundsteuer --- rd.

b) Gemeinde-, Kreis- und Provinzial-

. 9-2225

Umlagen (3500 + 18800)

= 640 Mk.

e) Kanalgebühren:

f)

100

=110qm

ä 0,20 Mk. =

d) Müllabfuhr:

Grundmiete = 800 Mk. 20 Proz.

500 qm ä 0,01 Mk.

10000 Mk- (Friedenswerl) 1,50

1000 "

Brandoersicherungsbeitragi

10 000 x 0,08

100

g) Schornsteinfegergebühren

b) Wassergeld

640x0.25 100

. , 17,0x13

c) Strahenrelmgung:---

Mk. 1266,

188,

4,20

49,60

22,-

1,60

5,

15.-

8.

5,

29,60

Zusammen 1594, rd. 1600,