Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für MerlMn)
Nr. (52 Zweites Blatt
Samstag, 2. Juli P2.7
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3m Zeichen der Wahlen.
Außenpolitische Umschau.
Don Professor Dr. Otto Hoetzsch, M. d. R.
Regierung und Parteien Deutschlands — die letzteren nahezu in einer einheitlichen Front — haben jetzt, nach Genf, die Frage an Frankreich klar gestellt: Ruhr oder Locarno? Poincarö oder B r i a n d? Die innere Einheit in dieser Beziehung ist auf der deutschen Seite stärker als in Frankreich, wo man sich in die Defensive gedrängt fühlt und der Kampf der Gegensätze noch wogt. PoincarL ist es gelungen, die drohende Auseinandersetzung darüber in der Kammer zu vertagen, daß sie aller Voraussicht nach vor Kammerschluß (Mitte Juli) nicht mehr zustande kommt. Dabei sprach natürlich auch mit, daß eine solche Debatte ohne den erkrankten Außenminister nicht loyal und auch nicht möglich gewesen wäre. So bleibt das Problem: Poinccarö oder Briand? zunächst in der Schwebe. Da die französische Kammer lange Ferien macht, kann es in den beiden Monaten bis zur Völkerbundsversammlung zwischen Deutschland und Frankreich nur diplomatisch weiter geführt werden. So werden die zwei Monate, obwohl sie in die herkömmliche Ferienzeit fallen, von ernster und schwieriger Arbeit für uns angefüllt sein.
Diese Vertagung in Paris hängt mit den allgemeinen Verhältnissen zusammen, das heißt: mit den in Aussicht stehenden Wahlen. Poincarä ist der Mann des nationalen Vertrauens, hat die Währung gesichert und nimmt von da aus steigenden Einfluß auf die Außenpolitik. Aber auch er steht natürlich unter dem Einfluß der Berechnungen für die nächsten Wahlen, die den Winter erfüllen werden. Die Armeereform ist glücklich im Hafen. Dagegen ist unerledigt die Zolltarisfrage und vor allem die Wahlreform, der eigentliche Gegenstand des Streites zwischen rechts und links, an dem die von Poincarö geführte Mehrheit auseinanderfallen kann. So verschlingen sich schon in Frankreich Innen- und Außenpolitik in einer bemerkenswerten Weise.
Noch mehr wird das für England geltend. Hier steuert das konservative Kabinett zielbewußt und absichtlich in einen Wahlkampf großen Stils hinein. Gewerkschaftsgesetz, Erweiterung des Wahlrechts auf eine bestimmte Schicht von Frauen, vor allem die Rückwärtsrevision der Oberhausreform von 1909 — man nimmt an, daß diese letzten zwei Maßnahmen vor Weihnachten durchgedrückt werden und dann nach britischem Gebrauch Neuwahlen sein müssen, also etwa Februar oder März 1928. Die Konservative Partei spielt damit ein hohes Spiel und man sieht immer deutlicher, wie die Hauptfrage der Außenpolitik, das heißt, der Gegensatz zu Rußland, in diese Berechnungen eingestellt wird. Man sieht deutlich, daß die Kommunistenangst, der Gegensatz zum Sozialismus überhaupt von den Konservativen benutzt werden soll, um den Wahlkampf so anzulegen und um im Oberhaus und seiner neuen Stellung den Einfluß für Rechts zu verankern, auch wenn im Unterhaus eine andere Mehrheit als die Konservativen herrscht. Niemand kann heute mehr prophezeien, wie das auslaufen wird. Aber daß es ein sehr hohes Spiel der Konservativen ist, daran ist kein Zweifel, und daß daran die schon totgesagte liberale Partei, auf die Lloyd George mit aller Aufmerksamkeit guckt, sich wieder beleben wird, das ist auch wahrschem-
lich. Um so stärker — was für Europa das Wichtigste ist — wird der Einfluß dieser innenpolitischen Vorgänge, die ja alle Nachkriegswirkungen sind, auf die Außenpolitik Englands werden, und das muß jeder, der über England als Faktor in der europäischen Politik nachdenkt, sich vor Augen halten.
Auch in Nordamerika liegt es ähnlich. Noch ist die Vorbereitung für die Präsidentschaftswahl im November 1928 nicht im Gang. Aber die ersten Vorzeichen sind schon da. C o o l i d g e will wieder gewählt werden. In der eigenen Partei sind Strömungen, die dagegen das bekannte Argument ausnutzen ,daß kein Präsident mehr als zweimal das Amt bekleiden darf. Sachlich ist. in dieser Auseinandersetzung der republikanischen Partei interessant, daß auch aus der Außenpolitik die Argumente geholt werden. Der Vorschlag (veröffentlicht 31. Mai), ein amerikanisches Locarno zu schaffen, das den Locarnogedanken mit den alten amerikanischen Schiedsverträgen verbände, ist theoretisch bemerkenswert, außenpolitisch wenig bedeutungsvoll, aber innenpolitisch wichtig, weil es ein Vorstoß gegen die zwiespältige Außenpolitik Coolidges ist, die darüber erfolglos geworden ist. Er selbst predigt fortwährend eine selbstgewollte Isolierung Nordamerikas, und führt diese gegenüber Europa durch.
I Aber er läßt durch seinen Staatssekretär Kellogg in Mittel- und Südamerika eine zielbewußte imperialistische Politik machen, die manchmal hart an die Grenze des Krieges streift, während zugleich die Chinapolitik Nordamerikas eigentlich ohne rechte Orientierung ist.
So verbindet sich auch hier Außenpolitik und Innenpolitik, d. h. Wahlpolitik. Im ganzen ergibt sich darüber für die anderen, d. h. für das übrige Europa, und in ihm Deutschland, daß die außenpolitischen Berechnungen sich auch nach diesen Wahlgesichtspunkten in Frankreich, England und Nordamerika richten müssen. Nur ist die Frage, ob die Weltpolitik, die überall in Gärung ist, bis dahin so ruhig verlaufen wird, daß die wahlpolitischen Gesichtspunkte drüben, auf der Seite der großen Politik, bei der naturgemäß die Möglichkeiten der Aktivität am stärksten ^ind, so im Vordergrund stehen können.
Inzwischen begann die Seeabrüstungs- konferenz in Genf, von Amerika berufen, mit England und Japan zusammen, während Frankreich und Italien nur als Beobachter anwesend sind. Es ist ein Glied in der Kette der Abrüstungs- arbeiten, die ja bisher nicht besonders viel vorangebracht haben. Die Auseinandersetzung zwischen den drei Großmächten, zwischen denen auch die Probleme des Stillen Ozeans vor allem zur Entscheidung stehen, ist an sich hochwichtig, in den Wirkungen atif die Abrüstungsfrage noch wichtiger, m den Wirkungen auf Europa desgleichen.
Mit einem vollen Fiasko kann Amerika aus diesen Genfer Verhandlungen nicht herausgehen. Natürlich kann Coolidge einen Mißerfolg darauf schieben, daß Europa nicht fähig sei, diese Frage weiterzubringen. Aber darin liegt der Haken, daß ja seine Partner in Genf eine nichteuropäische und eine nur halbeuropäische Großmacht sind. Eine völlige Blamage wird er nicht wünschen. Denn das würde auf jene Wahlvorbereitungen zurückschlagen, die im ersten Gan^ sind und deren Ausgang für Europa von größter Bedeutung sein wird. Man braucht nur an die Schuldenfrage, die Reparations-
frage, an die Handelspolitik und eben an die Abrüstungsfrage selbst zu denken sowie an die Dölker- bundsfragen. Alles ist doch entscheidend mit davon abhängig, welche Richtung der amerikanische Präsident in seiner Außenpolitik einschlägt.
In diesen Rahmen haben nun wir unsere nächste Arbeit einzuspannen. Das bedeutet immer und immer wieder, was das jetzige Ergebnis aus Genf so herausgearbeitet hat, daß Deutschland in
seinen Sonderfragen keine aktive Hilfe von irgendwo her zu erwarten hat und daß alles sich auf die direkte Auseinandersetzung mit Frankreich zugespitzt hat. Das wird, in dieser Fassung des Problems und in dieser Zuspitzung, die Hauptfrage sein, die uns im Juli und August lebhaft befchäf- tigt. Welche Antwort darauf wird der September bringen, wenn die Außenminister sich abermals in Genf treffen?
dreihundert Jahre
Von unserem v. 11. St.
Vachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I Viga, Ende 3uni 1927.
Ende 3uni begeht die Universität Dorpat das 300-jährige Jubiläum ihrer Begründung durch König Gustav Mols von Schweden. Seit 300 Jahren ist Dorpat ein Zentrum zuerst nordischer Wissenschaft im allgemeinen, und seit 1802, feit Kaiser Alexander der I. die Universität neu aus- [tattete und aufleben lieft,e in Zentrum deutscher Kultur, ein Hort des Deutschtums im Baltenlande gewesen. Es gab im alten Dorpat nichts, was nicht deutsch gewesen wäre, deutsch mit einer fast verbissenen Begeisterung, zuerst etwas hochmütig inmitten der estnischen Urbevölkerung und dann in trotziger Kampfstellung gegen das andrängende Vussentum. Virgends vielleicht ist das Deutschlandlied mit mehr lleberzeugung gesungen worden, als unter den wehenden Fahnen 'der Korporationen unter der Ruine des Domberges, als in Dorpat am Ausgang des vorigen Jahrhunderts: ehe noch der Druck der gewaltsamen Russifizierung einsetzte, die, wenn auch nur äußerlich, das deutsche Studentenleben zu über» tünchen trachtete. Man war in Dorpat nicht preußisch, nicht bayerisch, sondern deutsch im Sinne von Eemst Moritz Arndt. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts wurde auf der Universität von Dorpat nur deutsch gelesen, und ebenso wie die Studenten und wie die Oberschicht der Dorpatenser, Adel und Bürger, waren die Professoren Hüter und Förderer des Deutschtums: man braucht sich nur an so bekannte Vamen wie v. Oettingen. Volk, Leopold Schröder, Seeberg, Harnack, Stieda, Bücher und viele andere mehr zu erinnern.
„Meine Fahne ist rot, grün, weiß mein Herz schlagt für Livonia flammenheift ...“ Das alte Livonenlied wird nicht mehr gesungen. Livland ist eine Erinnerung geworden! Die nördliche Hälfte des früheren Königreiches und späteren Herzogtums des russischen Kronenträgers, ist an Estland gefallen, der südliche Teil an Lettland. Heute sind die Esten, die man halb wegwerfend, halb gutmütig Kulen (vom estnischen Wort „tute“ her) zu nennen pflegte, die Herren tm Lande und sie haben es sich zur Pflicht gemacht, die herrschende Stellung bed Deutschtums zu vernichten und die Universität zu entdeutschen. Aber jeder Stein, fast jedes Haus, die schattigen Alleen auf dem Domberge, die Engel- und die Teufelsbrücke, der liebe, alte Embach, der langsam durch die Stadt dahinflieftt und sich in grünen Wiesen verliert, bringen tausend deutsche Er-
UmvrrfM ysrpai.
Berichterstatter.
innetungen, und selbst das nüchterene Universi-
tätsgebäude in der Johannisstrafte trägt noch immer die Aureole seiner deutschen Zeit. Richt umsonst sind durch lange 3ahrzehitte die Korporationen, wenn einer der Kommilitonen aus Dorpat schied, im Fackelzug durch die Iohannisstraße gezogen, haben vor der Rampe der Universität halt gemacht und haben ihre Farbendeckel schwingend ein begeistertes Hoch gerufen: „Vivat, cres- cat, floreat Alma Mater nostra Dorpatensis in aeternum!"
Livonia, Curonia, Estonia, die drei bedeutendsten Studienkorps Dorpats, spielten nicht nur in der Uiniversitätsstadt selbst, sondern im ganzen Lande eine hervorragende Rolle. Der Senior (der erste Chargierte) folgte in seiner gesellschaftlichen Stellung ungefähr gleich nach dem Adelsmarschall, und es gab keinen Ball auf den Gütern, keine Festlichkeit, die ohne die Studenten! der Corporation glanzvoll verlausen konnte. Die Kommerse, die sommerlichen Ausfahrten nach Heiligensee, das Singen des LcmdesvaterS, die Duelle, die fröhlichen Gelage in den Konvents- quertieren und die endlosen Kneipereien find allen deutschen Kommilitonen in Erinnerung, und die Füchse haben noch den bösen Vachgeschmack der „Wanzen" auf der Zunge, die sie reichlich h-erunter- toürgen mußten. Die dörptschen Studenten hatten es gesellschaftlich besser, als manche ihrer Kollegen auf reichsdeutschen Universitäten., sie waren die unbestrittenen Ersten, die Blüte dey Jugend, denn es gab keinen Offizierstand, der sie aus- stechen konnte. Standen doch die Söhne des Baltenlandes, wenn sie in das Heer eintraten, in russischem, d. h. in landfremdem Dienste. Wer nicht in (der kaiserlichen Garde oder in der Ktt-olbr'.el diente, galt als leicht deklassiert, das bunte Luch machte keinen Eindruck. Richtig russisch sprechen formten die wenigstens. Wer sich gar der russischen Sprache im internen Verkehr bedienen wollte, wurde fast als Verräter gebrandmarkb Deutschland allein war das geistige Vaterland, die weite Heimat, die man mit schwärmerischer Liebe idealisierte. Die engere Heimat, das Baltenland, galt als Gottesländchen, das jenseits jeder Kritik stand. Dorpat war der Born der deutschen und der baltischen Bildung, man sprach vorn Embosi- Athen und verpuppte sich ein wenig selbstgefällig im Schatten des Domberges und der Universitätskirche.
Und das war die Kehrseitel Rasfenstolz und Rassendisziplin trübten den Welt blick. Mischehen der Deutschbalten mit Russinnen oder gar mit Estinnen galten als unverzeihliche Entgleisungen, sie konnten zum gesellschaftlichen Boy-
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Frankfurter Theater.
Dor Schluß der Saison brachte die Schau- spielbühne das Werk eines Frankfurters in ausgezeichneter Inszenierung zur Uraufführung, Erich Lotichius' Lustspiel „DerGesandte seiner Majestät". Lotichius hat seinen Lustspielstoff der Geschichte entlehnt, die ja stets äußerst fruchtbar im Produzieren von Histörchen und lustspielhafter Episoden war. Er wählte sich den berühmten und viel umrätselten Chevalier d'Eon de Beaumont zum Helden seines Spiels und wußte die russische Epoche aus dem bewegten Leben dieses fraglichen „Herren" amüsant und einfallsreich zu dramatisieren. Der Chevalier,
Hagen beklagt seinen Tod als den Verlust seines „besten Heergesellen". Volker war als einer der letzten Helden in dem blutigen Ringen gefallen, sein Ende erstrahlte in dem Glanze echten altgermanischen Heldentums.
Die sagenkritische Untersuchung hat die Helden des Aibelungenliedes in zwei Gruppen geschieden; der einen gehören die mythischen Helden an, vor allem Siegfried und Hagen, die andere Gruppe wird vertreten z. B. durch Gunther, Gernot, Giselher, Gero, Eckewart, Etzel und andere, es sind verblaßte historische Gestalten. 3m einzelnen soll der Vachweis, weil er über den Rahmen dieses Aufsatzes gehen würde, hier nicht geführt werden. Wie steht es nun mit Voller von Alzey? — Er ist weder mythischen noch historischen Ursprungs, sondern eine dichterische Gestalt; er entstammt wahrscheinlich der Phantasie von Spielleuten, die in ihm ihren Berus oder ihr Gewerbe verherrlichten. 3n der französischen epischen Dichtung des Mittelalters ist der Sänger, der zugleich ein Held ist, öfters anzutreffen. Es mag sein, daß dadurch ein deutscher Sprelmann angeregt wurde, eine gleiche Gestatt zu schaffen, doch steht der Annahme nichts im Wege, daß sie auf deutschem Boden ebenfalls erfunden worden ist. Vielleicht geschah das aus der Absicht, das Düster der Geschehnisse im Nibelungenlied durch eine lichtere Gestalt etwas aufzuhelfen: Volkers Auftreten ruft im Hörer ohne Zweifel öfters weichere, lyrischere Stimmungen hervor. Damit ist aber immer noch nicht erklärt, wie Doller zu der Verbindung mit Alzey kommt? Vermutlich haben hier rein örtliche Gründe mitgewirkt: der Ausgestalter der Sage oder der Dichter des Vibelungenliedes hat einfach Alzey als Vachbarort von Worms gewählt, der Hauptstadt des Burgendenreiches.
E. B.
Festtage in Bechelaren enden in einem Dcrnk- und Abschiedslied Völlers. Mit der Fiedel stellte er sich vor die Markgräfin. „Er geigte süße Töne und sang dazu ein Lied". Am Hofe des Königs Etzel vollzieht sich dann das ttagische Geschick der Burgunden. Hagen und Volker schtte- ften sich in treuer Freundschaft noch enger zusammen und erst der Tod trennt sie. Bei allen schwierigen Unternehmungen erwählt sich Hagen nur den treuen Freund zum Begleiter; so ist dieser zugegen, als Hagen eine Aussprache hat mit Kriemhilde, die von ihm den Vibelungen- schatz verlangt und ihn an die Ermordung Siegfrieds erinnert. So ist es auch Volker, der zusammen mit Hagen die burgundischen Helden vor einem nächtlichen Ueberfall durch die Hunnen schützt. Das dreißigste Abenteuer des Vibelungenliedes, das in (Simmrotfö Übersetzung die Ueberschrist trägt: „Wie Hagen und Volker Schildwacht standen" ist einer der schönsten Gesänge des Vibelungenliedes. Es heißt da:
„Volker der schnelle lchnte von der Hand Seinen Schild den guten an des Saales
Wand.
Da wandt' er sich zurücke, wo seine Geige war,
Und diente seinen Freunden: so geziemt es ihm fürwahr.
Unter des Hauses Türe, setzt er sich auf den Stein.
Kühnerer Fiedelspieler mochte nimmer sein. Als der Satten Töne ihm so süß erklang, Die stolzen Heimatlosen, die sagten Vollem den Dank.
Da klangen seine Saiten, daß all das Haus erscholl.
Seine Kraft und seine Geschicke, die waren beide voll.
Süßep und fünfter zu geigen Hub er an: So spielt' er in den Schlummer gar manchen sorgenden Mann."
3n den furchtbaren Kämpfen, die den Untergang der Burgunden besiegeln, kämpft Volker mit Siegstab, dem Veffen Dietrichs von Bern und tötete üjn. Um ihn zu rächen, stürntt Hllde- brand, der alte Lehrmeister Dietrichs, auf Volker ein. , . ,
„Da schlug er so auf Volker, daß von des Helmes Band
Die Splitter allerwärts stoben bis an des Saales Wand,
Dom Helm und auch vom Schilde, dem kühnen Spielmann:
Davon der starke Volker nun auch sein Ende sand."
Volker von Alzey.
Zum 750. Stadtjubiläum von Alzey.
Arn 3. 3uli begeht Alzey, die durch Volker, den Spielmann und Vibelungenhelden, bekannt ist ihr 750. Stadtjubiläum. Wer würde von der kleinen rheinhessischen Kreisstadt in der großen Welt etwas wissen, wenn sie mcht mtt iener Sagengestalt in engster Verbindung stände? ! Al- zeh blickt auf eine sehr bewegte geschichtliche Vergangenheit zurück; es hat schon zu Rom^zerten bestanden, erlebte schwere Drangsale und Krregs- nöte im Mittelalter und ist im Veriaus des 17. Jahrhunderts nicht weniger als .dreimal belagert und erstürmt worden. Aber nicht das historische Geschehen, so dramattsch und leidvoll es auch war, hat der Stadt den Ruhm verliehen, überall in deutschen Landen S^annt zu sein, denn in der Weltgeschichte hat Alzey, trotz seiner herben Schicksale, nicht ^ entferntesten die Rolle gespielt, wie seine Vachbarstädte, wie etwa Mainz, Oppenheim oderWorms, sondern allein eine Sage hat das bewirkt, hat den Namen der Stadt mit einem romantischen Schimmer verklärt, nur weil das ^rlbelungen- lied einen seiner Helden aus der Stadt Alzey ^^Voller^von Alzey (Alzeije) if! ein starker Kriegsheld und zugleich em vortrefflicher Sprel- mann gewesen; in dieser Doppelrolle J^tert ihn das Nibelungenlied, das ihn zu den Getreuesten der Durgund^konige Gunther, G^nvt und Giselher rechnet. Es nennt als die besten Recken, die in allen Kämpfen unverz^t waren. Hagen, Dankwart, Ortwin von Metz, Gere, Eckewart, Volker, Rumolt, Sindolt und Hunolt. Während einige von ihnen näher gekennzeichnet werden, fehlen z. B. bei Hagen und Voller wettere Angaben wohl nur, weil die Dekanitt- schäft mit diesen Helden von dem Verfasser des Liedes bet der Hörerschaft vorausgesetzt wird. 3m ersten Teile des Nibelungenliedes, also bis zu Siegfrieds Tod, erfährt man von Voller weiter mchts mehr, aber dann tritt ^ ofterg bedeutsam hervor. Er nimmt an der Heerfahrt der burgundischen Könige nach dem Hunnen- lande teil, mit ihm ziehen dreißig seiner Degen. Er war ein edler Herr, viele gute Necken im Burgunderlande waren ihm untertan und weil er fiedeln konnte, war er der Sprelmann (vme- laere) genannt. Mit den Königen der Burgrurden weilt Voller auf der Fahrt bei dein Markgrafen Rüdeger von Bechelaren. Dort tritt er erfolgreich atö Brautwerber auf für Giselher um äe Hand der schönen Tochter Rüdigers. Die
hinter dessen perlengestickter Weste ein Weiberherz schlägt, kommt im Auftrag Ludwig XV. in diplomatischer Mission an den etwas tatarisch- barbarischen Hof der Kaiserin Elisabeth Petrowna von Rußland. Er will eine Allianz zwischen Frankreich, Oesterreich und Rußland gegen Preußen herbeiführen. Die lieoeäbe'piiiitige Kaiserin legt weniger Wert auf die Politik, als auf den eleganten jungen Mann. Lustspielkonflikt, eine verliebte Frau umgirrt einen Mann, der eigentlich ein Mädchen ist. Der Dichter weiß m diesen Szenen wirksamen Humor zu entwickeln. Beaumont spielt nun ein geschicktes Doppelspiel am russischen Hof, teils als Gesandter, teils als seine Schwester Charlotte; geht die Kaiserin d'Eon de Beaumont ins Garn, so verfällt sein Feind, der Großkanzler Bestufchew, völlig den Reizen der Charlotte de Beaumont. Nur Alexei Rasumowstt, der offizielle, vom Kirchensänger zum Grafen und Feldmarschall avancierte Geliebte der Kaiserin bekommt Wind von diesem Doppelspiel und zwischen chm und dem angeblichen Gesandten flammt eine Leidenschaft auf. die der Dichter jedoch nur leicht skizziert hat. Zum Schluß erreicht der „Gesandte seiner Majestät" sein Ziel und verläßt, nachdem er den Vertrag zwischen den Ministern und der Kaiserin in der Tasche hat, Rußland. Die Handlung ist bis zum dritten Akt recht fbannenb, die einzelnen Figuren um Eon de Beaumont herum gut charakterisiert, nur scheinen zum Schluß die dramatisch starken Möglichkeiten des Spieles nicht völlig ausgenutzt. 3m übrigen verfügt dieses Lustspiel im historischen, unbedingt reizvollen Gewände über WH- kungsvolle Situattonen und gute Dialoge. Die temperamentvolle 3nszenierung Max Ophüls gab dem Werk schillernde, leichtfüssige Bewegtheit und wußte das frünzösisch Grazielle gegen die sla- Mische Schwere des russischen Milieus üinüfant üuszuspielen. Mittelpunkt der Aufführung wür Ai d ü Stuckering üls zwischen ständigem Umzug pendelnder „Gesandte". Lotichius hüt die Theüterliteratur um eine neue, wirkungsvolle Hosenrolle bereichert; elegante Darstellerinnen wie Frl. Stuckering werden sich dieses Beaumont mit besonderer Liebe annehmen. Ganz prächtig war Leontine Sag ans Kaiserin; ihre Szenen gehörten zu den eindringlichsten des Abends. Georg Lengbach wußte den zwischen zwei Feuern stehenden Hofgünstling Rasumowsü äußerst sympathisch zu gestalten. Der Beifall des Publikums wuchs von Akt zu Att, nach dem letzten Borhangfall mußte sich der Dichter mit seinem Regisseur und den Darstellern wiederholt z.egen.


