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Samstag, 2. April 1927

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefstn)

Nr. 78 Zweites Blatt

ben Stallen aubrtxfct erbaüen

3imüflatoifn. sich le.cht zu Leonern machen !omt Dicht 'ich eine 3nitiatit* aufbcängen zu latten. die durchaus nicht der Macht'.ag« Deutschland« von heute entspricht, die unteren Snterrssen nicht entspricht die vielmehr Deutschland zu Option und Stellungnahme unerwünschter Art zwänge xl darüber non den eigentlichen u nächsten Aus­gaben u. Zielen seiner Außenpolitik adlenkte. 3m

Man hatte ihn spärlich erhellt und sich mit Recht davon eine gute Wirkung verlprochen. Dor ihm, schräg von dem grünlichen, gedämpften Licht der Leselampe überronnen, stand ein Büschel tief­blauer Ärotu« in einer schmalen, weihglasierten Tonnase.

Dann begann er.

Er sprach zunächst Gedichte, anfangs mit ein wenig beklommener Stimme, über die er selbst lächeln muhte, dann immer wärmer und quellender. Gr spürte, dah er gut vortrug. und wie ihm daS Herz der Hörer entqegentloptle. Tastend glitten seine Augen an den Leihen entlang, bis ste gerade vor der Orgelwand des ansteigenden Raume«, den der anscheinend wohlhabende Ort sehr sorgsam hatte anlegen lasten, ihren Kopf erblidten, der sich lauschend geneigt halte.

Eine reine, gesammelte Andacht stoh um den jungen, seinen Mund, und eS war ihm, alS ob die silbernen Pfeisen leise zu tönen anhöben.

Immer wärmer, von schwingender Erregung durchbcbt. wurde seine Stimme, Landschaften voll zauberhafter, elegischer Ruhe breiteten sich. Er warf die roten Rosenketten seiner glühendsten Liebeslieder in den Saal, rief aus tiefen "Brunnen verschollene Damen in die durchsonnten Gärten seiner novel­listischen .Kunst und schloh mit frätig grzügelten Strophen an die Erde seiner Heimat, mit der er verwurzelt und verschwistert war, ohne je den leeren Lärm der gepriesenen Heimatkunst mitzumachen. wuhte er dcch, dah cchle Runft und dazu durfte er seine Dichtung rechnen auch immer zugleich Heimattunst ist.

Deitall brauste auf. Er muhte sich immer wieder verbeugen. Der Dorsttzende schüttelte ihm her^ich die Hand, einige Damen liehen sich vorstellen, er muhte sich in Stammbücher einschreiben, man fragte nach seinem neuen, schon angekündiglen Buche. Sie stand hoch und schlank vor dem Prospekt der Orgel, und der blanke Glanz der Pfeifen lag wie ein Heiligenschein um ihren Kopf. Dann half ihm der Leiter in den Mantel, indessen der Hauswart daS Licht hinter ihnen auslchattete. Der grohe Daum war fast leer, aU sie drauhen ankamen.

Man bat ihn zu einem kleinen Beisammensein in einer nahegelegenen Weinstube- 2r folgte so­gleich in eigentümlich erregter Spannung, deren Lösung er mit einem unbestimmten Gefühl von Erwartung und einer gewissen Zagheit entgegen# sah.

Der Mond hing klar im Blau der Dacht und überhellte daS zitternde Licht gehäufter Sterne. Sie ging nahe vor ihm, ein wenig abgesondert von den andern. Warm atmete die Erde, und aus den Dorgärten einiger neuer Häuser wehte eS manch­mal schon wie der Hauch früher Dettchen.

Er balle den Mantel aufgeknöpft und gab nur schweigsam Antwort, war auch nachher ruhiger, alS eS sonst seine Art war. Man sand darin nichts und schob eS auf die Anstrengung von Fahrt und Dortrag. Sie sah am Ende deS Tisches, ein wenig blasser als zuvor, nachdem er ste eine Zeitlang nicht bemerkt batte, und durch daS geordnete Haar ernster und herber im Ausdruck deS Gesichts. Dann trennte man sich, ohne dah er Gelegenheit gefunden hätte, ste näher kennen zu lernen.

Die angebotene Begleitung zum Gasthofe, den ste ihm beim Hinwege gezeigt hatte, lehnte er ab und schritt leicht ermüdet und ein wenig verdrossen durch eine Reihe köstlich verschrumpelter Gassen, die ihn langsam wieder heiter stimmten.

Am Brunnen unterhalb dcS barocken Aufgangs zum Kirchplatz lieh er stch das köstlich kühlende Wasier über beide Hände gleiten zündete stch eine Zigarre an und trat dann in daS Gasthaus ein.

ging gleich auf sein 3immer. Mitten auf dcm Tisch lrand m einer schmalen, weihglasterten Aase ein Büschel tiefblauer Krokus. ES lag kein Brief, lein Zettel dabei. Der Knecht sagte, die Blumen seien vor etwa zwei Stunden von einer Dame ge­bracht worden, die sie selbst habe hinstellen wollen.

Gr setzte sich in die Eofaecke. Dor ihm hob stch die silberne Wand der Orgel, und er spürte in Schmerz und Sähe, wie seine Seele leise ihr Lied um einen blonden, holden Kopf widertönte.

unbestimmt verlorenem Blick angeschaut hatte. Er war sofort durch die ungewöhnliche Anmut deS AntliheS gesestelt worden, in dem ausgesprochen Bodenständiges. Ländlich-GesundeS mit einem rassig- feinen Zug alter Patrizierkultur verschmolz.

Dm Ausgang sand er ste wieder, und da ste beide zu gleicher Zeit drauhen ankamen, machte eS sich von selbst, dah ste zusammengingen.

Der Weg zu dem Saale deS neuen städtischen GesellschastSbauseS, in dem er sprechen sollte zog sich lange hin. und der Sturm, der ste hier voll fable, brachte ste nur mühsam vorwärts Wasser­lachen blinkten im trüben, gescheuchten Licht der Laternen auf. Hier und da knallte eine Tür hart inS Schloh, zerrten die Telegraphendrähte, kämpfte mühsam ein Mensch an ihnen vorüber, flog ein Wort von den ihnen folgenden Begleitern zu ihnen der. Dann brauste der Fluh auf. Die Sirene eines Schleppers schrie schrill ins Gestampf der empörten Wastcr. die gurgelnd an den tzolzpfeilern der Dot- bruckc hochschäumten, die man neben die au gerissene alte Brücke gelegt hatte. Sr sah. wie ste leicht zu- .ammenlchreckte und unwillkürlich von dem vibrie­renden Geländer zu ihm hinüberneigte.

Der Dampfer war unterdesten nähergckommcn und ächzte dem mittleren Logen zu, den ste soeben verlasten hatten. Mit unruhigen Füßen traten ste auf daS Pflaster der eigentlichen Stadt, die stch dunkel einen Hügel emporbaute. In einem flüchtig von dem gegenüberliegenden Gasthofienster beleuch­teten Buchladen sah er sein DUd und seine Bücher.

Sie blickte zu ibm hin: .Eie werden vor vielen Menschen sprechen 1'

.Bei dem Wetter?'

.Wir sind nicht verwöhnt. Und kommt mal einer sie hielt an, und als er lächelnd zur Seite schaute, vollendete ste schnell mit leise auf­steigender Röte .wie Sie, dann findet fich alles ein. .

Ein geräumiger Platz erschloh stch Eine Doppel­reihe von Bäumen wie eS schien. Kastanien umgrenzte ihn nach drei Seiten. Sie gingen, da der Wind ruhiger geworden war. auer über die Fläche, an deren schmaler Seite der Saal lag.

der Stal will, ist

Frühling.

Eine Geschichte von Ludwig Bäte.

Er würde am Bahnhof der süddeutschen Stadt sflbgebolL Der Regen wusch den offenen Bahn­steig und schlug schräg gegen die grauen Beton- wände deS Unlerführungslchachte«, in dem man auf ihn wartete. Sr war schnell durch seine Stro­phen und Dovcllenbücher bekannt geworden, da et den Mut besessen hatte, seine ost als alt und über­lebt bezeichnete feine und herztiefe Kunst unbe­kümmert um alle Einwände zu vertreten und weiter zu entwickeln, bis stch mit einem Male die vom letzten ISmus übersättigte und enttäuschte Menge ibm voll zuwandte, und er gelesen und gekauft wurde, wie er eS sich kaum in Rnabcntagcn geträumt hatte. Beinahe täglich bekam er Besprechungen seiner Bücher, ausführliche Würdigungen seines Sckmflens. und die Zeitschriften, die vor Jahren seine Berte und Geschichten mehr oder minder höf­lich zurückgesandt hatten, bedankten sich in wort­reichen Schreiben, wenn er ihnen heute dieselben Schöpfungen zum Abdruck überliest. Don allen Seilen wurde er um Dorlesungen gebeten, und so ungern er stch sonst auch auf das Podium eines menschenvollen SaaleS stellte, io gab er doch immer nach wenn er das ehrliche Wollen deS Deranstal» ters spürte, feinem Kreis mit dem Werk des Dichters etwas zu geben.

So auch hier. Eine Gruppe junger Menschen hatte ihn gebeten, und da der Ort nicht allzuweit vom Wege lag, hatte er zugestimmt.

Das Licht der GaSglühlampen flackerte unruhig über die lleine Schar, die ihn fast vollzählig ab- hotte. Kaum hörte cr im Wind, der scharf in den Gang pfiff und wütend gegen die schwarzen Schei­den der Glasbedachung flieh, die Worte des Leiters. Zudem suchte cr einen Mädchenkopf wieder, der für einen Augenblick stch aus dem dunklen und feuchten Gewirr der Regenmäntel und eingcbc- genen Hüte in einer Fülle krausblonden Haares gehoben und ihn mit eigentümlich festem und doch

Hautpilzerkrankungen.

Ihre Gefahren für unsere Landbevölkerung

Augenblick ist. so wie das albani'che Beispiel zeigt, aber auch etwa an der chinesischen Frage dargelegt werden könnte. Deutschland» Lage ngm- rümlich und Deutschland» Austenpolitik schwierig. i Ziele aktiv sein und kann und must in den großen Zusammenhängen und Auseinandersetzungen nur neutral 1cm!

Doch nicht nur in Wald und Flur, sondern auch in unseren Wohnraumen, in Küche und Keller begegnen wir Pilzarten, die für den Menschen mehr oder minder gefährlich werden können. Sine verhältnismäßig harmlose Art wird gemeinhin als .Schimmel" bezeichnet. Gr findet

Don Dr. med. W.

Zeder von uns hat auf seinen Spaziergängen durch Waid und Feld schon einmal vor einem moosbedeckten Fleckchen Erde gestanden und bte grosten und fleinen, roten und weißen, gelben und braunen Pilze bewundert, die ihn an die Märchen der Kinderzeit zurückdenken liefen. Diese in bunter Diclsältigkcit wuchernden Pilze er­freuen das Auge und liefern gleiZeitig zum grosten Teil einen schätzenswerten Beitrag zu unserer Ernährung. Ihre Auswahl must jedoch mit g rost er Borsicht getroffen werden, denn neben den geniestbaren Pilzen finden sich ja auch eine Menge giftiger Schädlinge, die gerade durch ihre besondere Farbenschönheit zum Genüsse verlocken könnten.

Bert rag von Itrana vom 27. Dovember 1926 ist schließlich der Dersuch. eben das Mandat der Botschafterkonferenz vom 9 Dovember 1921 aus­zubauen. Albaniens garantierte Unabhängigkeit von innen heraus auszuhöhlen und Ichttriü'ch sich international auch bestätigen zu lassen.

Gegen dieses Streben revoltiert fowohl eine albanische Freibettebewegung. als deren Esponcnt ga n oli im Ausland gegen den als Diktator austretenden und für Italien wirkenden Achmed 3 o g u arbeitet, und dagegen revoltiert Jugo­slawien. da» immer mehr isoliert wirb und sich immer mehr in seiner Stellung bedroht fühlt. Es dreht sich also hier nicht um Früdiahrs- bandenunruhen, wie in den achtziger Fahren, an die man zunächst erinnert wurde, sondern um einen sehr ernfthasten und tiefliegenden Degentatz der beiden Adriastaaten, in ten Italien das vorwärtsdrängende, ja angreifm^e Element ist. Dazu kommt ein weiterer Hnter|4yeö gegen frühere Zeiten. ES handelt sich hier um einen S?ar primitiven und durchaus unfertigen Staat Ibanien. aber immerhin um einen seit 1912 unabhängigen Staat, der nach dem Welt­kriege erneut als unabhängig anerkannt wurde, der als solcher Mitglied des Dölkerbun^es ist. Mit dieser Mitgliedschaft ist daS Prvtettorat Italiens, wie es im Tirana-Dertrag angebahnt ist, nicht vereinbar.

Dun scheint unS aber auch sonst die Wieder­belebungalter Erinnerungen das Bild zu ver­schieben. Schon die Adria-Sorge Italiens vor einem Oesterreich-Ungarn. das doch rein defensiv war. war durchaus nicht berechtigt. Diele Sorge aber eines 40 Millionen-Staates von heute, der Italien ist. gegenüber dem 13 Millionen Staat Jugoslawien ist es noch weniger, namentlich wenn man die schon heute in Italiens Hand befind'- Uchc Stellung, die Küstengliederung und die Häsenverteilung ansieht. Dor allem aber fragt man sich immer wieder, waS Italien für feine expansiven Kräfte auSgerechnet aus der anderen Seite der Adria für sich erreichen will. Land für Siedlung ist da nicht vorhanden. Auch die sonstigen wirtschaftlichen Möglichkeiten sind nicht besonders grost. wenn auch gewiß nicht zu ver­achten. Eine'ung des für Italien so bedeut­samen Problem- desDolkeS ohne Raum" ist in einem italienischen Protektorat über Al­banien wahrhaftig nicht gegeben. Und das rein machtpolitische Prestige litte unter dem Risiko, daß Italien als Herr und Protektor l lese« Stückes der Dalkanhalbinsel doch schließlich ungefähr wie die Türkei früher dastünde, und dah sich die Balkanstaaten, die ihre Selbständigkeit errungen haben, sich dann gegen Italien zusammenfinden, wie sie sich in der Bcrgangcnheit gegen die Tür­kei zusammengesunden haben. Dach unserer Auf- sassung wäre dieses jugendkrästige Italien der berufene Führerstaat für eine große Konzentra­tion im europäischen Südosten, an der Spitze einer Balkanföderation, die diese ein­zelnen Mittelstaaten mit einander bereinigte. Aber diese- ganz realpolitisch zu sehende Ziel ist bestimmt nicht mit Todseindschaft gegen einen Teil oder mit kriegerischen Mitteln zu erreichen, sondern nur auf dem Wege einer fingen und umfassenden friedlichen Politik. Die Expansion für Italien liegt ganz w o anders, und fie weist auf den eigentlichen g r o ft en Gegensatz hin, der für jeden unbefangenen Beschauer hinter der italienisch-jugoslawischen Spannung steht: Gegensatz zwischen Frankreich und Italien, der von Jahr zu Jahr gröftere Bedeutung im europäischen Konzert gewinnen wird.

Doch einmal: In diesen verwickelten Der- hältniffen hat Deutschland keine Partei zu nehmen. Deshalb war mit Recht die öffentliche Meinung empfindlich gegen eine Aussicht, mit Prestigegründen in eine Dermittler- und Schieds­richterrolle hineingelockt zu werden, bei der nach allgemein menschttchen Erfahrungen der neutrale Dritte gar leicht der Prügelknabe für alle Beteiligten werden würde. Sieht man die ganze Frage im Zusammenhang an. so liegt ja auf der Hand, daß durch solche Schiedsrichtertätigkeit ein dauerhafter Frieden Europas gir nicht herbei­geführt werden könnte. Hier wie an anderen Stellen der grossen Politik kann es für Deutsch­land nur darauf antommen, sekundierend in der zweiten Reihe seine Hllfe für den europäischen Frieden mit einzusetzen. nicht aber sich zu Ak- tionen verleiten zu lasten, in denen man die bei­den Beteiligten, in diesem Falle Italien und

Pilzrasen aus der Haut zu sehen und zu unter­scheiden wären! ES werden vielmehr feinste Teil­chen des Pilzes, ähnlich tote der Blütenstaub, durch die Luft oder durch Tiere auf die mensch­liche Haut gebracht. Diese Teilchen, Sporen ge­nannt, wachsen aus oder in der Haut zu langen Fäden auS. die wieder Sporen bilden, wieder zu Fäden auswachsen u. s. f. Auch auf der Haut wird in den meisten Fällen die kreisrunde Form beibehalten

Der Pilz hat nun die Fähigkeit, ba« Horn der menschlichen Hau» auszulösen und zu ver­dauen Er entnimmt so dem menschlichen Körper seine Dahrung und gibt dafür giftige Stoff» wechselprodufte in die Getoebeflüfsigkeiten ab. Der menschliche Körper sucht sich der Eindring­linge zu erwehren, die Hautstelle .entzündet" sich. Dies ist das erste Anzeichen der Erkrankung, ein kleines, rotes, rundes, leicht juckendes 6teil- chen der Haut, das vielleicht ein paar Heine Hornschüppchen trägt und dem meist feinerlei Beachtung geschenkt toirbl Betrachtet man diese Schalppchen mit dem Mikroskop, so findet man hier massenhaft kleine, kugelige und faden­förmige Pilzteile, die ihrerseits auf andere Per­sonen übertragen, wieder neue Erkrankungen ver­ursachen. Die Krankheit ist also in diesem Sta­dium schon recht ansteckend für die Umgebung. Ja. diese Heinen, harmlos aussehenden Krank­heitsherde beherbergen viel größere Mengen der ansteckenden Keime als die großen, gefährlich aussehenden, knotigen 'Bitbungen, die auch den Unbefangensten zur Dorsicht mahnen.

Die ersten Erscheinungen zeigen _ sich fast immer an unbedeckten Körperstellen: Hände oder

Engelhardt.

Unterarme, Hals oder Gesicht sind die Licb- lingsstcllen. Dun schreitet die Krankheit weiter fort. Die behält ihre krrisrunde Form bei. to < die anfangs besprochenen Schimmelt i zrafen In der Umgebung können fich nun durch Derschleppen der Pilze Scheiben entwickeln. Stoßen mehr.Tt Kre,-formen aneinander, so entstehen etqentüm- hebe, bogenförmig begrenzte Gebilde. In der Mitte der größer werdenden Scheiben, bte fötnl- marfftüdgröftc erreichen können, erfolgt em Blat- ferwerben der Haut: der äußere Rand dagegen wird stärker rot und schwillt an: es zeigen sich Heine Bläschen, die mit einer Haren, gelblichen Flüssigkeit gefüllt sind Der BläSchenindatt kann dann später eitrig werden. Duck) in diesem Sta­dium ist die Erkrankung noch Verhältnis mäßig harmlos, wenn sofort ein Arzt zu Rate gezogen toirb. Sitzt der Krankheitsherd am bebarteten Gesicht, so ist die Gefahr einer llebcrtraguna auf andere Personen durch Rasteren sehr groß, da die Pil^teilchen sich besonder- an den Haaren deS Rasierpinsels und in den zum Abtrocknen be­nutzten Tüchern seflsetzen und auf diese Art auf andere Besucher der betresfenden Ras.erstube übertragen werden

Die erkrankte t Stellen, die sich vom roten Fleck zur Biäschenform Wetter entwickelt haben, geben durch Einwachsen der Pllze.emente in die Haare und Haarbälge in die Tiefe. SS bilden sich dicke, bis faufiqrofte, stark schmerzhafte Knoten, die mit ft arten Dtüfenfchwellungen und v rschjeben f'.arler Beeinträchtigung deS Ali emtinbefindens en er­geben. Dl an liegt auf der pral gespannten, hoch- toten, glänzenden Geschwulst viele kleine Etter- flippchen. auS denen ein Haar herauSragt. Die Haare folgen einem leicht.n Zug drückt man auf die Geschwulst, so ent'ecri sich aus vielen kleinen Geltungen eine vraficrhelle oder au<» feit Sie mack t dann mit ihre, vielen feinen Löchern den Eindruck c-net Gieba

Die zarte Haut von Frauen und Kindern besitzt eine recht geringe W d rstandSsähigke t gegen Ansteckung. Häufig genügt die Berührung mit etfranften Körperstellen, um cjnc ileLectra- gung zu verursachen. Daher sieht man so un- gemein oft Ertränkungen mehrerer Familienan­gehöriger oder auch Ansteckungen, die sich über Familie und Angeste'lte eines ganzen GutShoses erstrecken. Del Ktndem führen die Pilze aj dem behaarten Kopf zur Bildung kahler Stel­len, ßie im DoikSmunde unter dem Damensch«- rende Fleck-te" bekannt sind. Del Erwachsenen dagegen tritt die Erkrankung hier meist In kno­tiger Form auf.

Wenn die Bartflechte auch nach monate­langem Bestehen von selbst abhellt (unb zwar ist die Dclgung zur Selbstheilung um so größer, je stärker die Entzündungserscheinungen Und), fo kann die dafür notwenbige Zeit von sech» biS acht Monaten durch entspre ende Behand­lung auf zwei biS Drei Wochen beschränkt wer­den. Treten Schüttelfröste und Fieber auf. so ist mit einer W< terverfu,lepru,ig der Pi'.zsporen durch das Blut zu rechnen. ES rönnen sich dann, besonders durch unzweckmäßige Maßnahmen, die Ausschläge über die ganze Körperoberfläche aus­breiten und ein masernähnltcheS ober röteln­artiges Bilb hervorruien Die Bartflechte ist dann auS einer rein örtlichen Erkrankung zu einerBlutvergiftung" geworden mit der Mög­lichkeit all' der Folgeerscheinungen dieser Krank­heit Man hat die Pilze auch im Blute nach-, weisen tonnen.

Harmloser, aber ungemein hartnäckig, ist die ebenfalls durch Pilz« hervor gerufen«, nicht sel­ten zu beobachtende Erkrankung bet Dägel. Die Dägel werden häßlich unb unansehnlich. Sie verlieren ihren Glanz unb bekommen klein«, gelb ober braun gefärbte Grübchen: nach unb nach kann bet ganze Dagel zerstört werben. Die

gemeinhin alS .Schimmel" bezeichn«!. Er findet sich auf alten Brotresten, auf Tapeten feuchter Wohnungen und auf eingemachten Früchten unb Gemüsen. Hier sieht man recht häufig diese Gchim- mcltafen, die durch ihre giftgrüne Farbe, ihre runde Form und ihren eigentümlichen Moder­geruch ouffalLm und gefährlicher auSfchen. alS sie in Wirklichkeit find Auch auf der menschlichen Haut jci-en sich zuweilen K.cn'cheit^ersche nungen. die durch P.lze in mikroskopisch kleiner Form 6er- vorgcrufen werden, ich erinnere an die gerade im Frühjahr gehäuft auftretende Bartflechte, mit der wir uns etwas eingehender befchäf'.igen wollen. Ihre Erreger wachsen in ähnlicher Weis« wie die oben erwähnten Schimmelpilze, wenn sie künstlich auf einen zusagenden Däbrboben eine durchschnittene Mohrrübe oder Kart fiel gebracht werben. Eie slnb jedoch nicht grün, sondern zeigen einen mehr geldlichen biS bräun­lichen Farbton unb lassen jenen charatteristischen Schimmelgeruch vermissen. Auf bie menschliche Haut gebracht, durchwachsen sie allmählich die oberste Haulschicht iHornfchicht) und rufen meist scheibenförmige Krankheitsherde hervor.

Dun darf man aber nicht glauben, daß die

Der Balkankonflikt.

Außenpolitische Umschau.

Aon Professor Dr. Otto Hv « tzsch, 5R. b. 5t

3n dem albanischen Äonflltt ober dem. roae bar- au« im weiteren Hertauf werden kann. Partei tu nehmen, hat Deutschland durchaus feine Veranlassung Natürlich ist es immerhin von Be­deutung. wenn bei dem versuch, die ttauenisch,ug. slawische Spannung durch eine international« Unter­suchung aus der Welt zu schaffen, der bisher von den anderen kontrollierte Staat Deutschland selbst verständlich nls Großmacht bezeichnet zur Un- tersuchung und Kontrolle aufgeiorbert wird. Uber dergleichen ..Prestige" Gründe foUen uns die Gefahr, die in dergleichen lür uns liegen könnte, nicht oer» fchle»ern.

Der ganze Vorstoß mit der Untersuchung»- r o m m i| f i o n . der ,a wohl als foicher erledigt ist. mutete cluxis unüberlegt, ja kopflos an. Das fällte eine flomnuffion von Offizieren der drei Großmächte England, ßranfreid) und Deutschland an Ort und Stelle denn . unlerfuchen"? Die fallen, namentlich, wenn da zwilchen reichlich viel Zett vergeht. Kriegs- Dorbereilunaen denn frfigefuQt werden, deren die eine Seite die andere beschuldigt? Iruppenoerjdjie« düngen oder Iruppenanlammlungen und der­gleichen? Wir deuten bie|en versuch von England als Zeichen der Ratlosigkeit und Ueberrafchung m,t der England zunächst einmal bei biefem Vorstoß «Dluflolim Iah rooiur schließlich feiste Potittf in Europa verantwortlich gemacht wird, co verstehen mir. daß man Hals über Kopi nach einem Derartigen ORitiei griff unD dafür noch Genossen luchte in Paris unb Berlin, da ja andere Großmächte nicht in Frage ^Inzwifchen hat sich die Unmöglichkeit dieses tikpe» herausgestcllt. unb je mehr Zeit oer- gehl. um |o ungangbarer wird er. England bat denn auch, stch wieder etwas beruhigend, zu anderen Rat- schläaen gegriffen. Es rät Jugoslawien, stch d i r e k t mit Italien zu verständigen, rät ihm, die Saloniki- frage mit Griechenland endlich in Ordnung zu drin gen. auch in bezug auf das Bandenwejen. über das geklagt wirb, etwa» Energisches zu tun. Unb baju Ist mfcheinenb eine verstänbigungsaktion Im Gang, mit Der (fnglanb auf Nom und Frankreich auf Belgrad brückt, zu gegenfeistger Derstänbigung der beiden Gegner. Ohne weiteres ist begreiflich, baß Englanb unb Frankreich sich in bie,em Sinne be­mühen Weder ist Englanb baran gelegen, baß Muffoifni hier einen groben Konflikt zum Ausbruch brächte, noch wänfchl Frankreich, baß es in ber Riva­lität auf bem Balkan zurückgebrängt werbe. Aber da weder Iugoflawien noch Italien zu einem Krieg bereit sind unb Mussolini auch genau weiß, baß eine von ihm berbeigefübrte Mobilmachung zugleich feinen außenpolitischen Gegnern Massen in bie Hanb geben würbe, kann roobl Damit gerechnet tnerDen, daß keine Kriegsgefahr behebt

Aber etwa- Entscheidende- für den Frieden Europa- ist damit auch nicht getan. Die Span­nung ist im Gegenteil sehr dauerhaft. Worin beruht fit? So unkontrol ierbar bi« gegenseitigen Dorwürfe oder bie Gerücht« über Albanien» in­nere ?>uständ« find, die großen Linien unb Ge- genläoc sind ganz Har. Italien betrachtet 511 aalen al- lein Espanfion-gebiet auf der an­deren Seite der Adria und al- ein Aufmarsch- gebiti gegen Den Gegner an der Adria, ber an bi« Stelle von Oesterreich-Ungarn getreten Ist. Unb Italien hat biet eine grablmtge unb ziel- bewußte Außenpolitik verfolgt, in bcr e- bie kleine Entente Immer stärker au-höhlt, mit Ru­mänien. auch mUBulgarien unb Ungarn an­knüpft unb Jugoslawien isoliert Sin Blick auf bie Karte genügt, um zu zeigen, wa­rn einem ital enifch-sugofiawischen Zulammcnstoh Albanien militärisch, strategisch bebeutet.

Die (Etappen dieser Italienischen Politik sind. Der Londoner Vertrag vom April 1915, Der Italien Das Protektorat über Albanien in Aussicht stellte. Im Ium 1917 tatsächliche» italienisches Protektorat, tm Juli WiDerspruch De» neuen iugo|laroi|d)en Etaatsanspruches. im Auaust 1920 Verzicht Gio- kitti- unb Räumung. Am 9. Zlovember 1921 enbgültige Grenzziehung für Albanien unb Er­klärung ber Botschafterkonferenz, bie Italien- .strategische Sicherheit" in bezug auf bie alba» nische Ilnabbängigkeit boppelt unterstrich. Frieb- liche Durchbringung Albanien- durch Italien, finanziell, verkehrsmäßig, auch wohl militärisch: Interesse am Staat-ftreich Achmed ZoguS 1924. Dieser, bcr nach bcr König-kröne strebt, tritt Immer mehr unter italienische« Protektorat, unb