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Mittwoch. 2. Februar 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 27 Drittes Blatt

Aus dem Reiche der Frau

fühlen

Sicherheit über die ©:

voraus disponieren.

Zahl der Möglichkeiten sehr groß. Die feinsten I Schwingungen werden hier empfunden und kleine

einen gesunden Schlaf hat, sich gesund und gesund sein wird.

Unterschiede" bringen oft große Verschiebungen in die

Gefühlswelt, die durch die farbige Umgebung in uns

fv am Einschlafen gehindert. Die Beurteilung der Reaktion solcher Erzählungen auf das kind­liche Gemüt ist ungemein schwierig. 3m allge­meinen wirb eine Mutter, die ihr Kind hegt und pflegt und manche Klippe im Werdegang der Kleinen mit viel Geschick und Ausdauer zu umsegeln weih, auch hier daS Rechte tun. Denn sie weih selbst am besten, dah ein Kind. daS

Zeichenfrift und Radel gebrauchen! Die feinsten, mühfamen Arbeiten, welche zu ihrer Herstellung die Zeit eines halben Menschenalters erfordern, sind für unsere heutigen Verhältnisse freilich un­tragbar geworden. Die Maschine hat unS viel äugen- und nervenzcrstörende Anstrengungen ab­genommen, was in unserer hastigen Zelt nur von Vorteil ist. Doch sollten wir bestrebt sein, selbst diese Erzeugnisse auf eine kulturelle Höhe S bringen. Wenn auch mechanisch hergestellte rbciten nie den Wert des handwerklich Er­zeugten erreichen können, so brauchen sie deshalb doch nicht geschmacklos zu sein.

bar und geboten in Landhaushalten, in denen man sozusagen Selbstversorger ist oder In kleinen Städten, wo man die Zufuhren, welche di« ein­zelnen Lieferanten haben, ungefähr übersehen kann. Hat man einen eigenen Garten, Hähnerhos. schlachtet man selbst, so kann man mit ziemlicher Speisenfolge einige Zeit im Wobei jedoch beispielsweise

Dom Schlaf des Kindes.

Don Dr. med. Schwenn, Ehemnitz.

Das Schlafbedürfnis des Reugebvrenen ift groß, man möchte fast sagen, das Kind schläft immer. Rach wenigen Tagen wird es jedoch fein Unlustgefühl äußern, well zeitwellig das Rahrungsbedürfnis die Oberhand gewinnt. Das Reugeborene kündet uns durch Wemen an, das; es irgendwie versorgt sein will. 3st das Kind ledoch zusriedengestellt, so wird es dennoch gleich wieder schlafen, ja oft schon beim Trinken ein* schlummern. Leis« und behutsam wird man zu einem schlafenden Kindchen treten, um eS nicht aufzuwecken. Mll feinen kleinen geballten Fäust­chen, leicht geröteten Wangen und ruhigen, tie­fen Atemzügen bietet eS den Anblick der Gesund­heit. so dah ein Glücksgesühl der Mutter ver­ständlich ist. Ein gesunder, gut erzogener Säug­ling wird nicht nur nachts ohne Unterbrechung, sondern zunächst am Tage stundenweise schlafen. Gegen Snd« de« ersten Lebensjahres verringert sich daS allgemeine Schlafbedürfnis (Säug­ling«, so dah er sich allmählich auf zehn bis elf Stunden Rachtruhe einstellt. Aber auch am tage bedarf er der zeitweiligen Ruhe und wird meist von selbst danach verlangen. Oft wird er beim Spielen einschlasen. Die zufriedenen, oft lächelnden Züge mögen uns als ein Spiegel­bild seine- kindlichen Geborgenseins anmuten, auch später, im eigentlichen Spielalter unserer Kleinen, wo sie schon mehr Gemeinschaftsspiele pflegen und ihrem lebhaften Dewegungsdrange ausgiebig nachgehen, wird man sie an einen «in- bis zweistündigen Mittagslchlaf gewöhnen müssen. Hierbei kommt es zuweilen zu Heinen Differenzen, da das Kind den Wittagsschlaf als Zwang empfindet und nur schwer dazu zu brin- 8en ist. Hm diesen kritischen Zeitpunkt, wo die Butler ein gewisses Verständnis für die Ei­genart deS betreffenden Kinde« beweisen und dieser auch zum Teil gerecht werden must, werden oft Erziehungsfehler gemacht. Wollte man das Kind zum Schlafen zwingen, so würde «s, 6a o« zu unrechter Zeit geschieht, ohne Srfolg sein. '

Ls ist bekannt, dah in der Zeit, etwa zu. Beginn des Schulalters, das Schlafengehen der Kleinen manche Schwierigkeiten macht. Denn das Velbstbewusttjein ist inzwischen erwacht und die kleine Persönlichkeit macht sich gellend und will so lange wie die Großen aufbleiben. Da bedarf es oft gütigen Zuspruchs oder eines bestimm­ten Gebotes, um zum Ziel« zu gelangen. Aus mannigfachsten Gründen wollen oder können Kin­der nicht einsch.aien. Die Ursache hierzu liegt nicht selten in Erziehungsfehlern. Es ist z. V.. von Bedeutung, daß dem Kinde gegenüber Konse­quenz geübt wird. Denn, toaS man ihm zuweile. Durchgelassen hat, das vergibt das Kind nicht ft> leicht und beruft sich zur rechten Zeit daraus, um feinen Willen durchzuseyen. 'vornehmlich wird aber die Hnregelmäfjigfeit dc« Schlafen­gehens auf das Einschlafen der Kinder einen ungünstigen Einfluh ausüben. Als Regel gelte allgemein, daß Kinder nicht nach sieben oder acht Uhr abends ihre Ruhestätte aufsuchen sol­len. Stellen sich aus anderen Gründen Schlaf­störungen «in, Io muh man si« zu beheben versuchen. Das ist nicht immer so einfach', man mag zuweilen den sonst zur Gewohnheit gewor­denen MittagSschlas au»,allen lallen, um zu einer Regelung zu kommen. Gelingt dies aber mit kleinen Hilfsmitteln nicht, so ist Vorsicht am Platz, und es ist notwendig, den Arzt um Otat zu fragen. Außerdem ist es verfchieden zu beurteilen, ob es sich »um Schlafstörungen beim Einschlafen der Kinder oder um ein geringe» Wah der Schlaftiefe handelt. Zu beachten ist auch, dah das Kind mindestens ein bis zwei Stunden vor dem Zubettegehen seine AbenDmahl- geit einnimmt. Die Schularbeiten sollen nicht «rst spät gemacht werden, da auch daS für das Einschlafen von Rachtell ist.

Als Unsitte und Erziehungsfehler müffen Dir es ansehen. wenn man durch Erzählungen vom ..schwarzen Mann" und dergleichen die Kin­der zum Einschlafen zu bewegen sucht. So wird die Phantasie zu unrechter Zeit angeregt, und es Wird sich fürchten, allein zu bleiben und ist

Ganz bestimmte Ratschläge für Farbenzusammen- stiminungen au geben, ist um so schwerer, als Far- den sich ja nicht mit Worten beschreiben lassen, 3m* merhin läßt sich allerlei aus der Praxis erzählen. So macht man denn im allgrneinen viel zu wenig Gebrauch von Hellen Wänden und hat die Borstel, lung, dah dunkle Wändebehaglicher" wären. Fast könnte man das Gegenteil behaupten. Es ift im all- gemeinen äußerst schwer, bei sehr dunklen Wänden einen guten Gesamteindruck au erwecken. Hier und da sieht man auch einmal schwarze Wände. Wenn sie mit farbigen ober auch goldenen Mustern unter­brochen sind, lassen sich sehr kapriziös reizvolle Räume mit ihr gehalten. Doch dies sind Ausnah­men und man wird sic nur wählen können, wenn man sehr viele Räume hat.

Sehr schön stehen Möbel und Gerät auf einer Wand aus gebrochenem Weiß. Alle Farben sehen auf ihr besonders frisch aus und auch der Gesamtein- druck eines solchen Raumes ist der einer großen Heiterkeit und Wärme, als gerade das Gegenteil von dem, was viele davon erwarten oder fürchten. Für gewisse Zwecke eignet sich besonders ein warmes Grau. Mit schmutzig-braunen Tönen, so beliebt sie sind, läßt sich nichts Gescheites hervorbringen. Für manche Räume, in denen kräftige Farben und dunkle Möbel stehen, eignen sich put die matten Goldtapeten, die übrigens gar nicht ausdringlich sind. Helle grünliche Töne fehen im Tageslicht meist sehr aut aus, erscheinen aber am Abend oft sehr un- scheinbar. Für festliche Räume, wie etwa Speifesäle usw., ist eine gelbe Wand oft sehr empfehlenswert, da sie abends eine besonders gute Wirkung hat und hell erscheint. Rote Abtönungen können sehr gut wir­ken, doch muß man damit rechnen, daß bei künst- llchem Licht das Rot meist viel wärmer erscheint als am Tage. Die sehr seinen bläulich-roten Abtönungen erscheinen bann oft viel gelbroter als am Tage. Bon blauen Wänden ist etwas Aehnliches zu sagen, wie von den schwarzen: sie können unter Umständen sehr reizvoll wirken, eignen sich aber selten für tägliche Wohnräume.

Die Srau und der Wintersport.

Heutzutage nimmt die Frau den gleichen Anteil an dem winterlichen Sport'.eben für sich in Anspruch wie der Mann. Diesem Bestreben kommt die moderne grauenflcihung_ weitgehend entgegen. Knickerbockers, hohe Strümpfe, oder Wickelgamaschen. Pullover, kurze Joppe aus Wildleder oder Flausch, der blaue Slianzug bieten die Gewahr, daß die Kleidung die Aus­übung des Wintersportes nicht erschwert und daß die dem Rocke eigene Gesahr des Hängen- bleibens vermieden wird. Der Fortfall alles Beengenden und Schnürenden fördert die un­behinderte Atmung, die zu den wichtigsten ge- fundb. ..lichen Faktoren des Wintersportes zählt. Selbstverständlich wird keine Frau unnötig Ge- sicht und Hande der Gesahr einer Brfrurung aussehen. Daher bilden denn auch die wollene Mühe, die bei rauhem Wetter^ bis über die Ohren herabgezogen werden kann, und der Woll­schal. der um den Hals gelegt wird, um das Kinn warm zu halten, unerläßliche Bestandteile der winterlichen Sportausrüstung für die Frau. Bequeme gefütterte Handschuhe oder Fausthand­schuhe bieten den Händen den erforderlichen Schutz. 11 schließlich wird di« Sportsrau dem undurchläßlichem Stiesel, aus derbem und doch geschmeidigem Leder, mit dicker Sohle und nie­drigem. breitem Tlbsatz den Vorzug geben. Denn alles Enganliegende fährt gerade an den gefähr­deten Körperspitzen leicht zu Erfrierungserschei- nungen, zu aus gesprungener Haut an Den Fin­gern. zu Frostbeulen. , ,

Auch Die Pflege Der Gesichtshaut bedarf geraDe im Winter befonhercr Sorgfalt. Sie soll möglichst nur mit weichem, lauwarmem Wasser unD fetthaltiger Glyzerinseife gesäubert werden. Eine fettarme, spröde Haut ist des Abends mit einer fetthaltigen Ererne einzureiben, die des nwrgens lauwarm abgewaschen wird. 3m übrigen hat beim Wintersport auch der fetthaltige Lippenstift eine gewisse hygienische Bedeutung. Er ist bei rauher Witterung em gutes Dorbeugungsmittel gegen das Ausspringen der Lippen. Dagegen dürste das Pudern der Haut für die Stunden des Sportes wenig zu empfehlen fein. Sobald sich Erfrierurgserfche'.- nungen an den Füßen durch Brennen und Süden, durch lebhafte und anhaltende Rocung kundgeben, entferne man zu Hause sofort Schuhe und Strümpfe, frottiere die Fähe tüchtig und schlüpfe dann am besten mit nackten Füßen in die gefütterten und vvrgewärmten. beque­men Hausschuhe. Heiße Hand- und Fuß- bäder oder Wechselbäder, vielleicht mit einem Zusatz von Alaun oder Glyzerin, sind außer­ordentlich wohltuend. 3m übrigen setze man lieber einige Tage mit dem Sport aus. bevor man es zur Bildung der höchst unangehmcn Frostbeulen kommen läßt, die vielfach trotz Frvstbalsam und Frostspiritus doch ärztlicher Behandlung bedürfen.

Leider führt der Wintersport häufig zu 11 Übertreibungen, die sich dann nicht selten ge­rade am Herzen äußern. Wenn es auch gelingt, gelegentliches Herztiopsen infolge Überanstren­gung mit Hilse von Baldriantee, Dalifan u. Dgl. zu beheben, fo ist diese Erscheinung doch ein Zeichen, daß gestoppt werden muh. Andernfalls sind langdauernde Schädigungen des Herzens zu befürchten. Auch die Verbindung von Sport mit abendlichen Tanzvergnügungen, wie cs in den Winterrurorten vielfach üblich ist. dürfte keineswegs die gewünschte Erholung fordern, zu­mal, wenn die Schlafdauer darunter leidet. Darum ist der Wintersport, der der Frau ein

kommt man nicht darum herum, planmäßig einen farbigen Gesamtaufbau oonuberciten. Hat man die Behandlung von Decken und Wänden in der Hand, fo ist das nicht einmal fo schwer, wie es anfangs vielleicht scheint. Sind die Decken geputzt oder in Stuck gehalten, so ist eine sehr helle Farbe, die dem Weiß nahesteht, immer der sicherste und jedensalls keinen Fehlschlag bringende Ausweg. 3n der letzten Zell hat man Serfudjc gemacht, solche Decken mit einer grellen bunten Farbe zu bemalen. 3m allge­meinen ist dabei wohl nicht viel herausgekommen. Erstens ist die Decke sehr wichtig für die Erhellung eines Raumes, da sie das Licht reflektiert. Eine weihe Decke tut das in hohem Grade, während eine farbiae das Licht verschluckt. Run gibt es manchmal fo Helle Räume, in denen der Lichtreflektor zur Rot entbehr­lich wäre, wie das ja auch bei den oft sehr schonen Holzdccken der Fall ist. Aber ein anderer Grund spricht meist gegen die grellfarbige Decke, man ver- schießt mit ihr vorzeitig fein Pulver, da bann ja gar keine farbige Steigerung mehr für die Stoffe und Möbel übrigbleibt, weil die Decke alles totfchlaat. In besonders hohem Grade gilt dies auch für die Wand, die doch Hintergrund für das Zimmcrgerat bilben soll. Das Wefen des Hintergrundes ift es, eben hin­ten zu bleiben und sich nicht oorzudrangen. So ist es im allgemeinen Denn im besonderen kommen <m mer Fälle cor, die Ausnahmen von der Regel bilden anzuraten, für die Wand nicht zu bunte tfarben zu wählen. Diese Wahl hängt von den Vorhängen oder Möbetftojjcn ab. Richt allein Theoretiker, wie Ostwald, sondern auch sehr erfahrene Meister der Farbe raten, Hintergrund und Vordergrund aus Ab­tönungen von Komplementärfarben ubzustiinrnen. Sa wird ein rötlicher Möbelstoff oder Vorhang sich am leichtesten mit einer auf Grün gestimmten Wand vertragen, ein blauer auf gelbem Untergrund oder umgekehrt. Ratürllch barf man in seiner farbigen Palette nicht jo verarmen, daß man sich, wie es heute oftmals geschieht, auf einfache ^noermischte Verwendung der jogenanntenreinen" Farben, d. h. der Rohsaroen, wie man sie beim, Drogisten kaust, beschränk!. Für ein farbig geschultes Auge werden erst die Abtönungen genießbar und für Die ist die

Wohnkultur.

Von Pros. Dr. Paul Schultze-Naumburg.

Wollte man Die Wohnkunstfragen gründlich und von vorne beginnend behandeln, so mußte man mit der Gestaltung des Hauses selbst anfangen, Da es ja den Raum bietet in dem sich alle SBohnuorgänge abspielen. Das ift aber ein so weites Gebiet, das übrigens der Verfasfer in zwei Büchern (Der Dau des Wohnhauses: Das bürgerliche Wohnhaus) eingehend behandelt hat. daß man es hier aus äu» herlichen Gründen beileite lassen muß. Wir fassen fllfo zunächst die einfachere Ausgabe ins Auge, eine bereits vorhandene Wohnung so zu gestatten, daß «in Dorbild an Behaglichkeit und Brauchbarkeit dar­aus entsteht, wobei wir natürlich mit dem Einmal­eins Der Einrichtekunst anfangen müssen. Mit was für Mitteln muh man nun an eine Wohnung heran- gehen, für die die meisten Einrichtungsgegenftände vorhanden sind, für deren sonstige Instandsetzung man aber noch freie Hand hat ?

Gewöhnlich umfaßt eine Instandsetzung, öle sie der Uebernahme meist vorangeht, die Behandlung von Decken, Wänden und vielleicht Fußböden. Oft gehen aber Die Angaben für diese Arbeit von dritter Seite aus, die nicht einmal Kenntnis von den Ge­räten und Gegenständen hat, die dann später in den Raum hineingestellt werden sollen. Dabei kann un- möglich etwas Befriedigendes berauskommen. Grundlegend für den Eindruck eines Raumes ift eine farbige Haltung. Und gerade die ist mit den billigsten Mitteln zu erreichen. Decke, Wand und Fußboden hüben einen farbigen DrciNang, bem sich bas Wohn- gerät einfügen muß. Klebt man nun irgendeine bunt­scheckig gemusterte Tapete an bie toonb. fegt einen in ganz anberen Farben gehaltenen Teppich hinein, setzt Polstermöbel mit wicber anbers bunt ge­musterten Ucberjügcn herauf unb wieberhott zum Schluß dasselbe nochmals mit den Vorhängen, so muh eine solche Zu,ammenstellung ein sehr ab» jchreckendes Bild ergeben.

f Dill man eine harmonische Wirkung erzielen, so

von Dem zusälligcn Relswerden Der Gemüse und Obstsorten auch Die Auswahl abhängen muß. S.vmerhi.c lohnt es sich in solchen Haushalts- Verhältnissen. im voraus zu Disponieren. b:fonDers wenn man vielleicht in bestimmten Zwischenräu­men Sinfäufe in einer größeren StaDt machen muß. Denn in Land- wie Kleinstadthaushalten heißt es Die Menge Der Vorräte richtig einzu­schätzen. zu ergänzen und zur Zeit zu verbrauchen. Der Wochenlächenzcttel wird h er für Die Haus­frau eine Ersparnis an Arbeitszeit, RachDenken unD auch an Kosten sein.

Für Die große StaDt erscheint Der festgelegte Wochenzettel hingegen als unzweckmäßig. Denn hier ist man in Der Lage, ja nach Der geraDe hereinkornrnenben Ware seine Entschließungen zu treffen. Die Preise bleiben nicht, wie in Der kleinen StaDt, konstant, sie änDern sich saft täglich, wenn auch nur gering. Es hat keinen Zweck, ein bestimmtes Gemusegericht unbedingt an einem bestimmten Tage machen zu wollen, wenn geraDe insolge reichlicher Zusuhr ein anDeres Gemüse vorteilhafter zu laufen ist. Hier soll man sich ganz nach Dem Angebot richten unD imftanDe fein,

Die Handarbeit.

Von Irma ©iegert

Es gibt wohl kein Gebiet, DaS fv viele HanDe beschäftigt, wie Die weiblichen Kunstfertigkeiten. In jahrtausenDlangen Erfahrungen wurzeln all Die einzelnen Techniken und finD mit unendlich viel Fleiß unD Muhe biS zur gegenwärtig höch­sten Vollkommenheit ausgebaul worden: vom ein­fachen Knüpfen, Hakeln, Stricken bis zum Weben, Flechten, Sticken unD zu Den feinsten Nadelspitzen. Der Drang nach Schönheit unD Schmuck liegt im Menschen: schon Die einfachsten Ureinwohner ver­suchten. ihren Gewändern durch bunte Stiche ein hübsches Aussehen zu geben. 3m Rittertum stei­gerte sich das technische Können zur höchsten Blüte. In Burgen und Klöstern pflegten Fraucn- hände Die schöne Beschäftigung unD einzelne Der prächtigen Stücke, Die Damals geschaffen tourDcn. finD uns erhalten geblieben. Die Renaissance, mit ihrer reichen Ornamentit unD ihren zierlichen Formen, hat besonDers Die Spitze gcförDert; Die schönsten Reticella-Rähspihen, teilweise sogar mit figürlichen Darstellungen, stammen aus Dieser Zeit. Auch Die folgcnDen Epochen. Barock, Rokoko unD BieDermeier waren Der weiblichen Hand­arbeit überaus günstig. Erst mit Der Einführung Der Maschinenarbeit kam Der Verfall. Das tech­nische Können verflachte (wieviel MäDchen wissen heute noch von etwas anderem als Kreuz- unD Slilstich, höchstens noch Ausschnitt- und Loch­stickerei) unD Die geschmackliche Höhe machte einem TiefstanD Platz, Der zu Den greulichsten Aus­wüchsen führte. Wer erinnert sich nicht an Die Kissen:Rur ein ViertclstünDchen", Die Kuchen- paraDen: »Kehre gut", unD an alle Die Lohcm- grine unD Trompeter auf HanDtüchern, Markt­taschen unD wer weih wo noch überall.

Eine ganz kleine 'Befferung ift ja eingetreten. Dem MäDchen, Der jungen Frau ist zum Be- wuhlsein gekommen, Dah6d)müdc Dein Heim" keine AufforDerung Aur Verunstaltung sein soll. Die Hausgreuel, Raöelkissen mit plastischen Erd- beerstrauhen unD so weiter, finD allmählich ver­schwunden, geschmacklich genügende Muster sind an ihre Stelle getreten. Alle Die vielen Schulen für Kunstfertigkeiten schicken alljährlich technisch unD ästhetisch vorgeb.lbete Kräfte hinaus, was, nach HebcrtoinDung Der gegenwärtigen materiel­len Krise, zur Hebung Des allgemeinen Schön- heilsempfinbcns beitragen wirD. ünD Das ist gut! GeraDe heute, wo so Diele junge MäDchen not- geDrungen aus Dem Berussieben ausscheiDen, bietet Die HanDarbeit eine willkommene Beschäfti­gung. Sie sollte to lebet viel mehr gepflegt wer­ben. Die alten, schönen Techniken müßten toieDer Volksgut werden und nicht Der Vergessenheit an- heimsallen Dürfen. Die gcbitDete Frau soll sich nicht Damit begnügen, mechanisch mehr ober min- ber schöne Muster nachzusahrcn, sie muß toieDer lernen, selbst zu schassen, toas Die FreuDe an Der fertigen Arbeit noch erhöht. IeDe kann Das: frei- lich gehört eine gewisse VorbilDung Dazu, Denn Der gute Geschmack ist nicht nur angeboren, toie sehr viele glauben, er muß Durch fleißiges Sku- bium geförbert unb fest begründet werden. Wer Lust unb Zeit Dazu hat, sehe sich einmal genau Die herrlichen Mustersammlungen Der Museen an oDer stuDiere Die Bücher über Volkskunst, welche in allen öffentlichen Büchereien zur kosten­losen Einsicht aufliegen. Man staunt über Den Reichtum unD Die ©eDicgenßeit Der Formen, welche einfache Bauern, ohne alle Vorschule gc- schasfen haben: namentlich Oesterreich, Kärnten, Ungarn finD vorb.lblich in Diesen Schöpfungen. Auch Die norD.schen LänDer: SkanDinavien, Ruß- lanD haben farbenfrohe unD formenreiche Trach­ten unD Verzierungen in allen möglichen Tech­niken aufzuweisen. Ihr Frauen lernt tPicDer

wachgerufen wird.

Sehr wichtig ist auch die Frage der Musterung von Wand und Möbel- ober Borhangstoff. Ein jedes Muster, sei es frei ornamental, rein geometrisch ober anJlaturformen angelehnt, bringt einen ganz be­stimmten Rhythmus mit sich, der nur in den selten­sten Fällen mit einem anderen Muster ein« Harmonie bildet. So bleibt meist nichts anderes übrig, als eine gemusterte Fläche mit einer ungemusterten zusam­menzustellen, also auf eine blumige Tapete einen einfarbigen Vorhang zu hängen, für einen gemuster- ten Sofaübe^ug aber eine einfarbige Wand zu wäh­len. Es ift dabei nicht nötig, daß diese Einsarbigkeit ganz wörtlich durchgeführt wird. Sv ist es oft an­gängig, daß man die einfarbige Wand in eine ge­streifte auflöft, die aber vielleicht aus demselben Grundton gebildet ist. Oder, wenn die gänzlich ein­farbige Wand für den besonderen Zweck zu nüchtern wirkt, daß man sie mit Barten einfaßt, die entweder eine ganze Wand umziehen oder mit denen man auch einzelne Felder auf ihr bilden kann. Eine solche Einteilung in Felder bringt allerdings leicht eine etwas strenge, fast zeremonielle Stimmung in den Raum und wird dabei für reine Wohnzimmer eine nur beschränkte Bedeutung haben.

Einfarbige Stoffe auf ganz einfarbigen Wänden unter Verzicht auf jede Musterung sind keine Erleich­terung, sondern eine außerordentliche Erschwerung der Aufgabe. Es sei gar nicht gesagt, dah sie unlös­bar ist, nur bedarf es einer außerordentlich gut ge­wählten Abstimmung. Auch ift bei sehr billigen unb daher sehr einfachen Stoffen leicht die Gefahr einer gewissen Nüchternheit des Eindrucks da. Abgejchwächt oder aufgehoben werden kann sie dadurch, daß man Stoffe von höherer Qualität wählt, deren Material oder Berwendungsart ein besonderes Leben mit- bringt So wird z. B. eine glänzende Seide in rei­chem Faltenwurf auch in einfarbiger Haltung nie langweilig wirken, da das reiche Spiel von Licht und Schatten hier gewisfermahen das Muster ersetzt.

Weg zu Kraft und Schönheit" frtn soll, freie mit Maß und Ziel zu betreiben, unD mit Dem erforderlichen Schlaf zu verbinden.

Wochenküchenzettel oder freies Menu?

Von Lisa Honroth-Loewe.

Junge, unerfahrene Hausfrauen, welche mu Der Haushaltsführung beginnen, sind im allge­meinen AU systematisch eher zu wenig. Entweder binben sie sich streng an Erfahrungen, welche sie im elterlichen Haushalt ober in einer Haushalts- schule übernommen haben ober ober sie glau­ben. her Haushalt wäre eine öadte. Die gleichsam sich von selbst einspielte. Keine Einstellung von Den beihen genannten Ist richtig. Die Erfahrungen anDcrcr Haussrauen, mögen sie noch so tüchtig sein, in allen Ehren eS ift Doch zu bedenken baß ein jeher Haushalt anberS geleitet werden muß. sozusagen eine andere Individualität hat. ganz nach den Menschen, bie in ihm zur Hausge­meinschaft zusammengeschloffen sind. Arb.itsein- teilung des Hausherrn. Budget, besondere Re­gungen spielen bc eine große Rolle unb ver­langen Berücksichtigung. Eine zu starke Bindung an Erfahrungen iinberer wirb mit Sicherheit Schwerfälligkeit, Starrheit her Haushaltsführung ergeben unb bie Rücksichtnahme auf bie Nei­gung her einzelnen Familienmitglieder vermissen taffen.

Die junge Hausfrau, welche nun im Gegen­satz dazu glaubt, baß der Haushalt von selbst läuft ober durch bie Direktiven irgendeiner nah so tüchtigen Hausangestellten, wirb bald die Rach­teile einer solchen Einstellung spüren müssen Enttoebcr gerät bie Haushallsmaschine aus dem Gleise, fährt unpünktlich unb mit Stockungen, tooburd) allerlei llnzutrag'.ichkeiten unb Kosten entstehen ober sie gerät mitsamt her jungen HauSsrau in bie Abhängigkeit von Angestellten ein sehr unerfreulicher unD auf Die Dauer un­haltbarer Zustand

DaS richtige Maß zu finden, wird die Auf­gabe her jungen HauSsrau sein. In diesem Zu sammesthonge lohnt es sich auch einmal über die Frage zu sprechen: Fester Wochenküchenzettel oder freies Menu?

Früher war der Küchenzettel eine allgemeine Einrichtung eines guten bürgerlichen Haushalts. Die Speisenfolge für Die Wochentage war genau sestgelegt unD cs gab viele Hausfrauen. Die das Menu auf Monate voraus bestimmten, genau wie Die große Wäsche. Diese Methode hatte für eine frühere Zelt manche Vorteile und hat sie heute noch unter bestimmten, begrenzten Bedin­gungen.

Der Wochenküchenzettel erscheint als brauch-