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Tier vermag ein Drittel seiner Lebenszeit ohne Nah­rung auszukommen!

Bei den nieder« Tieren ist der Winterschlaf eben­falls weit verbreitet: Unser gefleckter Feuersalaman­der bezieht beim Nahen der ersten Frosttage in großen Scharen seine ihm wohlbekannten Schlupfwinkel, wo er meist in großen, oft dichtgedrängten Massen eintrifft und so in einem vollgestopften Massenlogcr den Winter verschläft. Ebenso verfallen viele Fische in einen winterschlafähnlichen Zustand. Eie graben sich, wenn das erst: Eis den Lee deckt, scharenweise in den Schlamm ein, wo bereits eine zahlreiche Ge- sellschaft (Frösche und andere Wasserbewohner) auf sie wartet. Bekannt ist, daß diese Tiere, ohne Schaden zu nehmen, sogar Einfrieren können.

Was alles an niederen Tierformen im Winter- fchlafe liegt, daS zeigt uns am besten ein Beutel voll Moos und Erde, die wir unter dem schützenden Laube am Waldrande hervorgesucht und in der warmen (Stube auf einem Bogen weißen Papiers auSgebrcitet haben. Ta erscheinen nach einiger Zeil, durch die Zimmerwürme aus ihrer Erstarrung gelöst": Käfer, Spinnen, Schmetterlinge, Hummeln, Wespen, Wür­mer, Schnecken usw. Wir müssen schnell bei der Hand sein, um alle einzufanacn. Also auch im tiefver- schneiten Waldboden schlummert in Todesstarre hundertfältiges Leben dem Frühling entgegen, wohl­behütet von der Schneedecke, bie wirklich nicht das Leichenbahrluch" ist, das die winterliche Erde bedeckt.

Tas große RätselWinterschlaf" konnte die Natur­wissenschaft bisher nicht restlos erklären. Gewiß, es ist eine wunderbare ÄnpassungSerscheinung m der Natur, aber wie kann sein Wesen gedeutet werden? Vielleicht ist die Ansicht Merzbacher- die richtigste, nach der die Ursache für den Winterschlaf ui den nervösen Mechanismen im Mittelhirn zu juchen sei, wo Wärmebildung und Wärmeabgabe durch At­mung, Blutzirkulation und Stoffwechsel reguliert werden. Außerdem sollen die Tiere die Fähigkeit haben, durch die Fettausspeicherung sich abkühlen zu können.

Wie immer zeigt die Natur ihre größten Rätsel in den scheinbaren Gegensätzen: Hier reichen sich Leben und Scheintod zu gegenseitiger Förderung brüderlich die Hand und schützen das Tier vor dem drohenden Hunger- und Kältetod. Und hier schließen sich Leben, Schlaf und Tod zu ewigem Kreisläufe im Naturgeschehen zusammen, in dem es leinen Kampf ums Tasein" im Darwinschen Sinne gibt, sondern nur eine wunderbare Fürsorge für das Leben.

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Ur. 27 Zweiter Blatt

Mittwoch, 2.$ebruar (927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Innenminister Mussolini.

Don unserem römischen ^-Korrespondenten.

Rom, Sude Januar.

WaS dem Fremden hn heutigen Italien wohl am meisten auffällt, das ist di« Ruhe im Lande. Eine Ruhe, so vollkommen, Daß kein Beispiel in der modernen Geschichte hat. eine politische Lautlosigkeit. Denn selbst der Lärm der Meinungen ist verstummt. SS gibt keine erregten Drrsammlungen. keine umstritte­nen Katheder. keine Diskussionsredner mehr, -ein Parlament, keinen Stadtrat. keine ®e- meindevertrelung. Selbst die Druckerschwärze kennt nur noch das faszisttsche Schwarz ohne zede Schattierung, kein Autor kann einen anderen auS dem Sattel heben, keine Zeitung die andere befehden, es ist überhaupt kein Streitpunkt mehr vorhanden, kein Unterschied der Partei, der Rasse, der Religion. Das goldene Zeitalter des allgemeinen Fnedens. Italien hat es für sich vor ausgenommen. Was ist das: Streik? Das versteht man unter sozialen Kämpfen? Die Ju­gend im glücklicheren Süden wächst heran, ohne von solchen D'mgen zu hören.

Es gibt Leute, die von einem Kirchhof­srieden sprechen, aber dann sind es sicher solche, die nicht in Italien leben. Erstaunlich ist die Ruhe, erstaunlicher, wie man sich damit absindet. So nämlich, als wäre. eS nie anders gewesen, als hätte eS nie eine Zeit gegeben, wo man Kamps zum täglichen Brot rechnete und In Kamps das Urelement des LebenS er- blickte. 2lm erstaunlichsten freilich, daß die Kampsnatur eines Mussolini an der Luhe- ren Bewegungslosigkeit Des allen sindet. an dem Mangel an Gegnern, an der reibungslosen Beherrschung eines Dierzigm.llionenvo'.kes. Der Gebildete, und der leidenschaftliche Journalist Benito Mussolini selber, sindet natürlich die Zeitungen, was das politische Feld anbelangt, langweilig, weil monoton. Die sechs Seiten, die ihnen zugestanden werden, neuestens zwei­mal in der Woche acht, den freilich recht Kim- merlichcn Inseratenteil inbegriffen, genügen ihnen vollkommen. Was sollen fk bringen, nachdem auch die große Dauerfesterei untersagt wurde? Der Bursche, der in seiner Verzweif­lung das LrntengloS austrinkt, die unglücklich liebende Signorina, die Iodtimtur vvrzieht, der Zimmerorand und der tägliche Verlehrv- unfall macht bereits vier Spalten. Dem Auto fällt in der Hauptstadt durchschnittlich ein Menschenleben wöchentlich zum Opfer, was sehr wenig ist. gemessen an einer amerikanischen Sta­tistik, und nichts ist angesichts der Leichtfertigkeit der Fußgänger und der beispiellosen ilnbot- mäßigkeit der Radfahrer und Lastkarren, gleich­wohl führt die Presse nun saute mieux ihren seitenlangen Morgen- und Abendkrieg gegen das ..Problem". Denn irgendeine Aufregung muß der Mensch haben.

Mit welchen Mitteln die Ruhe in Ita­lien erreicht wurde, ist bekannt. Die faszistische Revolution hat. wenn auch nicht so blutgierig tote die französische, und nicht so verrucht wie die russische, so doch hart zugegrisfen: vielleicht ist es gerade ihrer Mäßigung zuzuschre-.ben. wenn das Ziel so gründllch. bis zur Richt- anfechtung erreicht wurde. Die Dollendung kam aber erst mit der Llebernahme deS In­nenministeriums durch Mussolini selber, nach dem vierten Attentat, das die Apenninien- halbinsel wie ein Erdbeben erschüttert hatte. Bis dahin regiert« im Palazzo Diminal« 5 e - derzoni. der srühere Führer der Blauhemden, die nach dem Marsch auf Rom den Schwarz­hemden weichen mußten. Federzoni konnte aus begreiflichen Gründen die Zügel, besonders nach Attentaten, die jedesmal die schwarzen Legionen, für die der Duce ein Halbgott ist. der Soldaten­kaiser, bis zur Raserei aufwühlten, nicht so straff anzkhen, wie der Feldherr selber. Musso­lini dagegcgen kennt und darf keine Schwache gegenüber seinen Getreuen kennen, er fordert un­erbittlich als erstes Gehorsam und Diszi­plin. Seit vier Monaten gilt auch in der in­neren Verwaltung des Landes nur fein Wille. Ein einziger regiert Ein einziger herrscht. Er gebietet den unbedingten Frieden, will chn auch

nicht durch die stürmisch« Jugend der Schwarz- Hemden gefährdet sehen, und das Land h a t ihn. Die ist ein Innenminister so erfolgreich gewesen.

Ist aber auch jemals ein Minister so tat­kräftig und so fleißig gewesen? Was immer auch gegen den Diktator eingewendet werden mag. eines sprechen ihm auch feine ehrlichen Feinde nicht ab: feinen Arbeitseifer. Mus­solini ist heute der erste Arbeiter Italiens. Für ihn gibt es keinen Achtstundentag, keinen Sonn­tag. keine Serien. Wohl macht er aus der Rot eine Tugend, wenn er förmlich asketisch lebt, wenig ißt und nur Milch trinkt, denn daS verlangt die Rücksicht auf feinen Säureüberschuß: die Rücksicht aus fein Bankkonto axr. die fo viele Parteigröhen auszeichnet. die kennt er nicht Alles für den Staat, das ist feine 2d» Jung. Ihr lebt er nach und deshalb fordert er ein Gleiches auch vom ganzen Volk. ES wäre ein Leichtes für ihn, Dollar zumachen", er hat aber kein Interesse daran, und wenn er sich, wie man sagt, jene Ausschnitte aus seinem 2eben, die er kürzlich für einen amerikanischen Pressetrust schrieb, teuer bezahlen lieh, so darf er das mit ebenso gutem Gewissen tun, wie irgend einProminenter", der Tausende an Gage für einen einzigen Abend einstreicht. Das Geschäft ist immer noch auf feiten des Ameri­kaners. Uni) ficherlich ist der Schriftsteller Mus- foligi über diefes redlich verdiente Geld mehr erfreut als der Duce über einen hohen aus­ländischen Orden oder ein Landgut, das ihm ein reicher Latifundienbesiver schen.t.

Es hat eine Zeit gegeben, wo der Palazzo Diminale nicht im besten Ruse stand, wo zwar schon die Faszisten. neben ihnen aber auch faire Strebernaturen regierten, wo die Korridore von Arrvisten und Damen überfüllt waren und der Mann aus dem Bolle fo lange hoffnungslos antichambrieren mußte, bis er es ausgab. Fe- derzoni fuhr mit dem eisernen Besen dazwischen, fein Rachfolger aber verbannte, etwas ilncr- Hortes im Lande der gentllezza, die Frauen auS feinem Arbeitszimmer. D.e pikante Ge­schichte derContessa del Diminale" ist aus.

Mussolini zögerte nicht einen Augenblick, feinen Donnerkeil auch in das von ihm selbst geschaffene Gouvernat von Rom zu schleu­dern. als er Grund dazu fand. Der erste Gou­verneur wurde ersetzt, die Dizegouvemeur« und die zehn Rektoren überhaupt abgeschasft. Jetzt ist er daran, das Parlament umzugestalten, obwohl dort nur noch faszistische Abgeordnete sitzen. Das können sie. meint Mussolini, auch in einem Klub bewerkstelligen. 2m Parlament soll gearbeitet werden, folglich können künftig auch nur arbeitende Männer gewählt werden. Der Innenminister hat die letzten Ge­meindevertretungen aufgelöst und Staatsfunktio­näre eingesetzt, aber die Präfekten, di« Podesta, di« Poltzetchess haften mit ihrer Perfon für eine korrekte Amtsführung, sie haben vor chm zu erfcheinen und Rechenschaft ab^ulegen. Der Innenminister hört die Grossindustriellen wie die Arbeiter, die Theaterdireftoren wie die Schau­spieler, die Lehrer, die Studenten selber. Er nimmt fick die Junggesellen her, die ledigen Mütter, tadelt hier und hilft dort, et muß sich Dorschriften über seine Kinder- und 2ugendwehr vom Papst zensieren lassen, zuckt aber mit keiner Wimper und geht seinen geraden Weg. Ob es gilt, einen Waldschutz zu schaffen oder ein Sta­dion xu bauen ober Herkulanum auszugraben, der Innenminister ist am Platze. Er gibt seinem Amt einen Rahmen so weit wie die natürlichen Landekreuzen, und regiert er. parla­mentarisch betrachtet, despotisch, so als Der- toaltung8beamtec wie ein guter Patriarch. 2c mehr das Ministerielle abfälit. desto mehr kommt der Dater des Vaterlands zum Durch­bruch. Es gibt heute wohl keinen 2taliener mehr, der Mussolini dem Spiel der Parteien ausgesetzt sichen möchte.

Richt verkannt soll werden, daß der stür­mische Zudrang zum Faszismus die Arbeit des Führers erleichtert. Heute, wo es nicht mehr gewagt scheint, bekennen sich viele allzu laut zum Ciltorcnbünbel, die in kritischer Stunde schon die Finger am Abzeichen hatten, bereit. es II I I II I l~»--------- ------- ' '* *

herunterzureißen wie Wallensteins Pappens eimer. Diese Pendelpolitiker hacken jetzt mit Dorliebe aut Leute ein, bie als objektive Devbachter die Freiheit für sich beanspruchen, Kritik zu üben. Wie zum Beispiel auf den Verfall er dieses Aussatzes, äch hab« auf die 'Bedeutung Musso­linis schon hingewiesen, als er für Italien noch «in rebellischer Freischarensührer und für das Ausland derBrigant" war. ich habe auch keine Veranlassung gesunden, den Stab über ihn zu brechen, als die vereinigte Oppos.tion schon feinen Kopf in der Schlinge zu haben glaubte, bie Erfolganbet-er müssen sich allo schön mit dem Gedanken abfinden, daß auch in der Stunde des Triumphes kühl und kritisch bleibt, wer objektiv zuschaut. Wie Mussolini. Er weiß nämlich auch. waS hinter der großen Ruhe im Lande lauert, ahnt den furchtbaren Streit, der um fein Erbe entbrennen kann, ist daher bei aller Gelassenheit wachsam undlebt gesÄrlich". Er kann nicht, darin sind chm andere Innen­minister überlegen, im Rotsall einfach zurück- treten.

Oberhessen.

Landkreis Gießen

V Klein-Linden, 1. Febr. Am Samstag veranstaltete die hiesige Gefolgschaft des I u n g deutschen Ordens einen Lichtbilderoor- trag. Herr Deckerling (Frankfurt) sprach über die einstige und jetzige Dedeutung des Ham­burger Hafens. Leider war die Teilnahme der Ein­wohnerschaft an dem Dortrage sehr gering.

s. Trohe. 1. Febr. Bongen Herbst ver­teilten die Spa Haffen Lefehefte an die Schulen. Sie enthalten Aufsätze. Erzählungen und Gedichte, die sich auf das Sparen bez e^en. Auch die hiesigen Schüler erhielten diesen Lesestoff, der unterrichtlich ousgewertet wurde und tat­sächlich eine Steigerung der Einlagen bei der hiesigen Schulsparkasse zur Folge hatte. Die Erwerbsloscnzisfer ist hier immer noch sehr groß. Man zählte hier unlängst 31. daS sind mehr als 10 Proz. der Gesamtbevöllerung. Auch unier der hiesigen Schuljugend wütete die G r i ppe. An einigen Tagen fehlten von 45 Kindern 17. das sind nahezu 40 Proz. Bis jetzt nehmen die Erkran» hingen einen gutartigen Q3 erlauf.

Bg. Großcn-Duseck. 1. Febr. Am Sonntagabend feierte der Turnverein© u t Heil" fein 23. Stiftungsfest. Rach einem Dor- spruch gab der Dorsihende, Lehrer Ortwein, in einer Ansprache u. a. auch einen Bericht über die Erfolge des Dereins im vergangenen Jahre. Diese müssen als recht erheblich bezeichnet werden, zumal der Derein im Besitze der Gaumeister. schäft im Kugelstoßen und der Turner Karl Rühl im Besitze der Gaumeisterschaft im Stab­hochsprung ist. Die vielseitigen Darbietungen fan­den allseitigen Beifall; besonders gefielen die Marmorgruppen und das Geräteturnen. Del der ersten Holzversteigerung im hiesigen Gemeindewald wurden im Durchschnitt für zwei Raummeter Buchenscheit 32 bis 34, Duchen- knüppel 20 bis 24. einen Haufen Duchenreisig 13 bis 16 Mk. geboten.

Watzenborn-Steinberg, 1. Febr. Der hiesige Geflügel- und Kanin- chenzuchtverein veranstaltete eine gut be­schickte Ausstellung, die besonders se.)r gutes Hühnermaterial zeigte. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: Rheinländer Hühner: Ehrenpreis Otto 2unfer, 2. Preis Karl Ruhl. Brätel: Ehrenpreis Otto Happel, 1. Heinrich Pfeiffer, 2. Karl Andermann, Otto Happel (2), 3. Otto Happel. Hamburger Silberlack: 1. Preis Hch. Pfeiffer. Plymouth Rocks: 1. Preis Ernst Burger. Weihe Wyandvttes: Ehrenpreis Karl Philipp. Schwarze Whan- dottes: 2 Ehrenpreise, drei 2. und zwei 3. Pr. Karl Philipp. Rhodeländer: Otto Junker. Minvrka-Hühner: Ehrenpreis. 1. und 3. Preis Karl Häuser. Italiener: Zwei Ehren­preise Richard Burger. 2. und 3. Preis Ludwig Schmandt. Zwerg-Wyandvttes: 3. Karl Burger. Bantam: Zwei Ehrenpreise, 1. und 2. Preis Karl Philipp. Brieftauben: 3. Karl

Häufer. Abteilung Kaninchen: Wethe Riefen: Ehrenpreis Karl Ruhl und Ernst Bur- gcr, 1. Ludwig Schmidt. 3. Emst Burger. Schwarzlvh: ShrcnprctS Karl Andermann und Ludwig Schmidt, 2. Preise Karl Junker (2) und Ludwig Schmidt. Hafenkaninchen: 1., 2. und 3. Preis Karl Ruhl, 3. Karl Andermann. Schwarzs Über: 1. und 2. Preis Ludwig Schmidt. Angora: Ehrenpreis Karl Ragel. Alaska: 2. Karl Pitz. Graus Über: 3. Karl QlageL

Londorf, 1. Febr. Bei der heutigen Holzversteigerung in den Zreiherrlich von Rordeck zu Rabenauschen Waldungen wurden folgende Durchschnittspreise erhielt: Buchensch.nter 11,50. Eichenscheiler 6,50, Kiesemscheiter 7.50. Buchenknüppel 10,50, Eichenknüppel 5,50. K.efern- knüppel 6, Buchenreiser 2.50. Buchenstöcke 6, Eichenstöcke 4, Kiefernstöcke 4 Wk. je Raummeter.

t Gründer g. 1. Febr. Der hiesige Sur n- Derein hielt jetzt seine diesjährige Haupt­versammlung ab. AuS dem Geschäftsbericht deS ersten Sprecher« war zu entnehmen, dah die Mitgliederzahl gegen das Dorjahr bet rächt- lid) gestiegen ist; fte beträgt gegenwärtig 211. Durch Zukauf benachbarter Grundstücke konnte der Derein seinen Turnplatz um Dl« Hälfte ver­gröbern. Rach dem Bericht des l.TumwartS turnten in 85 Turnstunden 2439 Turner. 60 Frauent umstunden wurden im verflossenen Ge­schäftsjahr von 974 Turnerinnen besucht, in 43 Turnstunden der Männerriege turnten 283 Tur­ner. Die Einnahmen des DereinS beliefen sich auf 4725.82 Mk.. die Ausgaben auf 4577,93 Mk. Bei der DorstandS- und TurnwartSwahl tour en Die bisherigen Inhaber Der Aemter wieder- gewählt. Ostern dieses 2ahr«S soll ein Werbe- abend veranstaltet werden.

:|: Lltphe, 1. Febr. Ein erfreuliches Er­gebnis hat in unserem Dorfe Der Vertrieb von Losen Der W o h l f a h r t s l o 11 e r i e zur ©r- bauung eines hessischen Krüppel- Heims gehabt. Richt nur Die hierher Überwiese­nen Lose konnten sämtlich abgesetzt trcrDcn. fonDcrn auch noch eine Rachbestellung, fo Daß bis jetzt für 87 Mk. Lose verkauft find. Ein wesentliches Derdienst hierbei haben sich Die beiden jugend­lichen Derteilerinncn Meiita Dornmann und ElsrieDe Meier erworben. Der hiefige Krie­gerverein hielt in Der Wirtschaft 2ung le ne diesjährige Generalversammlung unter Leitung Des Präsidenten Schäfer ab. Man nahm Die Rechnungsablage Des Rechners Hein­rich Raab entgegen, nahm Stellung zu meh­reren Punkten, insbesonDere zur Erhöhung der Berbandsbeiträge, und verlebte einige Stunden in kameradschaftlicher Geselligkeit.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 1. Fxbr. 3n einer zahlreich besuchten Versammlung, an Der als Vertreter Der Stadtverwaltung Bürgermeister Dr. Seyd teilnahm und ferner Angehörige der verfchte- densten Wirtschaftskreise Der Stadt zugegen wa­ren, wurde gestern abend der Friedbergeu VerkehrSverein gegründet. Die von einem Ausschuß entworfenen Satzungen wurden genehmigt und ein auS 12 Mitgliedern bestehen­der Vorstand gewählt. Die Dorstandömäglieder sollen auS ihrer Milte Den DereinsvorfitzenDen bestimmen. Dem Verein liegt ein umfangreiches kommunales Arbeitsprogramm zur Betätigung vor.

Sf. Friedberg, 1. Febr. Am SamStag abend hielt Die Turngemeinde Fried­berg unter Vorsitz des Studienrats Thierolf ihre Jahreshauptversammlung ab. 2 m Geschäftsbericht wandte sich Studienrat Schuch­mann vor allem gegen die lleoerspannung deS Rekordmachertums und ermahnte, den Geist der Deutschen Tumerschaft wachzuhalten. Der Mit­gliederstand des Vereins beträgt annähernd 830. Aus dem Bericht deS Oberturnwarts 2 ö ck e l ging hervor, daß Der Tumbe tri cd als außer­ordentlich rege und günstig anzusehen ist. Die Turngemeinde konnte eine große Anzahl Siege im Laufe des 2ahres nach Hause bringen. Richt fo günstig lautete der Kaffenbericht. Die (Setamt- einnahme von 6500 Mk. wurde durch die Aus­gaben verschlungen. Die Reuwahl des Turn-

Verschlafene WiNtersnöte

Von E. Borm, Berlin.

Unser allnächtlicher Schlaf, von dem Schopen- Sauer sagt, daß er für den Menschen das fei, was das luszichen für die Uhr ist, hat einen größeren und viel stärkeren Bruder, den Winterschlaf bei vielen Tieren. Beide sind einander ähnlick. Ebenso wie nach des TageS Mühen bie körperliche Abspannung nach Ruhe verlangt, so mahnt die Natur viele ihrer Linder rechtzeitig zum Winterschlaf, führt sie in ein sicheres Versteck und drückt ihnen zu langem Schlum­mer die müden Augen zu. Wenn dann der eisige Nordost über die hartgesrorene, unter Schnee und Eis vergrabene Erde dahinfegt, dann liegen viele Tiere denn die Natur kann während des Winters nicht alle mit Nahrung versorgen! regungslos in tiefstem Schlaf, totenstarr, dock in sicherer Hut, bis der Früh­ling sie zu neuem Leben weckt. Bei einigen Tieren ist das nickt nötig; der Maulwurf z. B. folgt bei stärkerem Froste den Regenwürmern und Enger­lingen in die größeren Tiefen, und da ist sein Tisch so überreich gedeckt, daß er sich sogar Vorräte bis zu zwei Lilogramm zusammentragen kann! Storch, Schwalbe und siudud sind wohlweislich nach dem Süden gezo­gen; dahin können ihnen aber Fledermaus, Igel, Hamster u. a. nicht folgen, sie müßten in Schnee und G-Ü elend verhungern! Ter Mensch weiß sich vor den Sorgen und Röten des WinterZ zu schützen, daS Tier nicht; es verschläft sie in tiefster Bewußtlosigkeit!

In der todesähnlichen Stockung oder doch Herab- Minderung der Lebenövorgänge liegt eines der größten und unerklärlichsten Rätsel der Natur. Eie weiß, eins schickt sich nicht für alle, darum ist die Tiefe des Schlafes reckt verschieden. Da gibt es Tiere, die den ganzen Winter ohne daS geringste Lebenszeichen in tiefster lodeSähnlicher Schlafstarre verbringen; zu ihnen gehört unser Igel, das Murmel­tier, der Siebenschläfer, die Haselmaus u. a. Bei anderen Tieren halt dieser feste Schlaf wohl zwei bis drei Wochen an, aber von Zeit zu Zeit wachen diese Schläfer auf, nehmen etwas Nahrung zu sich und schlummern bald wieder ein. So machen es z. B. Docks und Hamster. Bei einer dritten Gruppe von Tiepen hält die Natur einen Schlaf für ausreichend, der im Verhältnis zu dem der anderen Tiere leicht unterbrochen wird, z. B. beim Eichhörnchen.

Alle diese Tiere haben sich in der Fülle des Spät­sommers und im Fmchtsegen des Herbstes gut an­

gemästet. Alle Winterschläfer gehen also mit einer ansehnlichen Speckschicht zur ffiuTje. Aber wie wunder­bar: als der nahe Winter sich meldete, da hörten sie mit dem fleißigen Fressen auf, suchten sich nur stark abführend wirkende Beeren, Moos und berg!., entleerten Magen und Tarrn so gründlich, daß diese Organe gänzlich leer sind und zusammenschrumpfen. Dennoch hört der Stoffwechsel nicht ganz auf: das fast erloschene Lebenslämpchen wird durck) das in der soliden Speckschicht aufgespeicherte Fett vor dem völligen Erlöschen bewahrt; von ihm zehrt der schlasende Organismus, und darum arbeiten auch die Nieren trotz aller Ruhe langsam weiter.

Welches äußereö Bild bieten nun die Winter- schläser? Alle Tiere sind mehr oder weniger kugeüg zusammengerollt, Augen, Maul, Pfoten fcstgeschlos- sen, die «eine dicht an den Körper gezogen! So wird am besten der letzte kostbare Rest der Lebens wärme festgehalten, denn die gewöhnliche Temperatur von 37 bis 38 Grad ist beim Igel auf 7 bis 9 Grad und bei der Fledermaus sogar auf 4 bis 6 Grad zu- rückgegangen; deshalb fühlen sich alle diese Tiere kalt an, weil Herz und Lunge ihren Tienst fast völlig eingestellt haben. Wohl atmet das Tier, aber so schwach, daß es kaum wahrgenommen werden tanji. Das Ziesel, em niedlicher Nager, der auch in einigen Teilen Deutschlands vorkommt, atmet im Wachzustand in der Minute etwa dreißigmal, das im Winterschlaf ruhende nur einmal! Tas winzige Fledermausherz bringt es im Sommer auf 150 bis 200 Schläge pro Minute, im Winterschlaf nur auf 1520. Ter echte Wintcrschläfcr bietet das voll- kommens Bild des Scheintodes und ist gegen Schlag, Stoß und lelbst schwerste Verletzungen gänz­lich unempfindlich; sogar bei der Tötung des Tieres verrät kein Zucken des Körper-, daß Leben in ihm war.

Do und wie bettet sich der Winter­schläfer? Ich fand durck die Spürnase meines Hundes unter den überhängenden Wurzeln einer großen Buche in etwa 70 Zentimeter Tiefe auf weichem Lager von trockenem Laub und Moos einen Igel gänzlich darin vergraben. Genau so, nur be­deutend tiefer und viel geräumiger, ist bie Winter­wohnung des Tackies angelegt. Tas wunderbarste aber auf diesem Gebiete leistet sich der Hamster. Mit weicher ausgeklügelten Schlauheit und feinster Berechnung hat dieser mürrische Geizkragen seinen Bau für den Sinter hergerichtet! Schon im Sommer scklepvte er uncrmüdlick mit vollgestovsten Backen- loschen Körner aller Art (Roggen, Weizen, Erbsen, Leinsaat nsw.) in seine etwa zwei Meter tief gelegenen

Vorratskammern, die er mit kurz gebissenem trockenem Gros auspolstette. Dort wurde das sauber geschälte Emtegut nad) seiner Art sorgfältig geordnet und auf- geschichtet. Bis zu einem Zentnerhamsterte" er em, also eine Menge, die er selbst nie bewältigen kann und diejenigen, die eS verstehen, ein solches Winterlager aufzufinoen, heben einen wertvollen Schatz, denn das peinlich saubere Getreide kann glatt vermahlen werden. Wenn die ersten kalten Herbstwinde über die Stoppelfelder fegen, dann sind die Zugangsröhren sorgfältig mit trockenem Gras wasserdicht verstopft und unser Griesgram ist in­mitten (einer Schätze sanft entschlummert. Von Zeit zu Zeit wacht er auf, macht schlaftrunken eine kleine Bestandsaufnahme, frißt sick satt und schläft weiter, bis die erste Wärme auch in seine muffige Behausung bringt, und ihn die warme Frühlingssonne nach oben lockt.

Ihm ähnlich macht es daS Eichhörnchen, daS als feiner Wetterprophet durch sein unruhiges Beneh­men den baldigen Eintritt deS schlechten Wetters dem kundigen Naturbeobachter anzeigt. Es hat sich aus einer Unterlage von kreuz- und quergeflodjtenen Reisern ein ungemein festes, dicktwandiges, innen mit Moos auSgepolstettes, also schnee- und wasser- dickteS Äugeineft hoch oben in einem Astguirl gebaut. Eicheln, Bucheckern und Nüsse sind eingesammelt und in Astlöchern und Baumritzen versteckt, itommt dann die erste Novemberkälte, so wird daS Eingangsloch sorgfältig verstopft, das Tierchen rollt sich zur Shigd, indem es wie die andern Winterschläfer das Sövfchen zwischen die Hinterbeine legt und sich mit seinem buschigen Schwänze umwickelt. An milden, sonnigen Wintertagen erwacht es, nascht von seinen Winter- Vorräten und verschwindet schon nach einer Stunde wieder in seinem warmen Nest.

Biel einfacher machen es die Fledermäuse: sie hängen sich, nur in ihre Flughäute eingewickelt, all­mählich zu winzigen Mumien jämmerlich zusammen- ttockiend, an geeigneten Plätzen im Duck)- oder Turm­gebälk, in hohlen Bäumen und dergleichen aus, hier meist vereinzelt, draußen in der freien Natur ost zu großen Sckaren vereinigt. Aber mit welchem erstaunlichen Feingefühl suchen sie sich z. B. im Berg­wal c>e ihren Schlafplatz aus! Ta ist nickt jede Fcls- niscke geeignet; es werden die wind- und zugluft- gcsckützte Lage wie der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ebenso sorgfältig berüdiiditigt wie die Sicherheit vor dem immer hungrig herumspionierenden Marder. Auch hier das große Rätsel: ein besonders gefräßiges