Hr. 204 Drittes Blatt
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für tvberheffen)
Donnerstag. September 1927
Der Tabak und die Wissenschaft.
Von Dr. Hermann Großmann, Professor an der Universität Berlin.
Obwohl die Verarbeitung des Tabaks zu den verschiedenartigsten Tabakfabrikaten, unter denen man außer Zigarren und Zigarillos, Zigaretten, Pfeifentabak, schnupf- und Kautabak, sowie den Tabakextrakt, der in erster Linie als Tabaks- lauge zur Vertilgung von Ungeziefer dient, zu unterscheiden hat, schon seit langer Zeit im größten Umfange technisch ausgeübt wird, kann man von einer eingehenden wissenschaftlichen Erforschung des Tabaks erst in neuerer Zeit sprechen. Bei der großen wirtschaftlichen Bedeutung der tabakverarbeitenden Industrie, die auch in Deutschland zahlreiche Arbeiter in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt, erscheint es eigentlich sehr seltsam, daß gerade der Tabak in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht im Vergleich zu anderen Stoffen des täglichen Bedarfs noch verhältnismäßig so wenig erforscht worden ist.
Aus diesem Grunde ist es mit besonderer Freude au begrüßen, daß auf Veranlassung des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowohl die Verhältnisse im deutschen Tabakanbau, wie auch die Fragen der eigentlichen wissenschaftlichen Tabakforschung von berufener Seite eingehend studiert werden sollen. Es dürste bereits noch in diesem Jahre in Forchheim bei Karlsruhe eine deutsche Tabakanbau Versuchs st ation errichtet werden, die unter der Leitung eines auf dem Gebiete der tropischen Kulttiren seit langer Zeit wohlerfahrenen Fachmannes stehen wird. Es ist beabsichtigt, dort im Zentrum des deutschen Tabakbaues die verschiedenen für die deutschen klimatischen Verhältnisse besonders geeigneten u. wertvollen Tabakarten zu züchten, um im Laufe der Jahre aus Grund der gesammelten Erfahrung dem deutschen Tabakbauer, der sich bisher hauptsächlich nach dem Kriege mit dem Anoau zwar sehr ertragreicher, aber nicht gerade immer übermäßig wertvoller Tabaksarten befaßt hat, geeignetes Züchtungsmaterial zur Verfügung zu stellen, um auf diese Weise den gesamten deutschen Tabakbau, der der sich während des Krieges nicht unerheblich ausdehnen konnte, auch qualitativ in besonders wirksamer Weise zu heben. Es unterliegt aber jetzt keinem Zweifel, daß der Erfolg dieser Bestrebungen auch für die deutsche Zigarrenindustrie von großer Bedeutung sein würde.
Außer dem Botaniker erscheint aber auch vor allem der Chemiker berufen zu sein, durch seine
Kamps den Fliegen!
Von Professor Dr. E. Martini, Hamburg.
Ist man sich bei der Mückenbekämpfung offenbar über das Erreichbare und die wirklich wirksamen Mittel von vornherein nicht klar gewesen, so strebt man in der Fliegenbekämpfung in erster finde Aufklärung, besonders der ländlichen De- völkerung, an, allerdings Aufklärung über ein Gebiet, das von der Wissenschaft noch gar nicht voll geklärt ist. Da es nun eine s elbstverständ-- liche Forderung für alle unter der Flagge der öffentlichen Gesunbheitsfragen segelnden Maßnahmen ist, daß sie klar umriffene Ziele mit klar erkannten Mitteln anstrebe, muß man sich zunächst einmal klar machen, was wir mit der Fliegenbekämpfung erreichen können. Diese Frage ist lange nicht so eindeutig zu beantworten wie bei der Stechmückenbekämpfung.
Wir wissen wohl, daß verschiedenarttge Krankheitskeime von den Fliegen übertragen werden können, auch besteht der Verdacht, daß andere Seuchen durch Fliegen verbreitet werden. „Wie machen die Fliegen das?" wird mancher fragen. Mikroskopische Äntersuchungen haben gezeigt, daß an Fliegen sich sowohl äußerlich anhaftend wie hn Innern zahllose Bazillen finden. Außen fand man zwischen 570 und mehreren Millionen Bakterien: innerlich im Darm usw. 18 000 bis mehrere hundert Millionen! Besonders in Öen dicht besiedelten Arbeitervierteln der Städte find die Fliegen reich an Keimen. Weiter haben Versuche mit leicht kenntlichen harmlosen Bakterien ergeben, daß diese Keime sich am Aeuheren der Fliege za. 18 Stunden, im Innern sieben Tage voll lebensfähig erhielten und bis zu vier und mehr Tagen regelmäßig ausge- schieden werden.
Weiter besudelt die Fliege ihre Umgebung durch unaufhörliches Betupfen mit dem vom Saft der Speicheldrüsen oder Saugmägen angefeuchteten Rüssel und durch etwa halbstündliches Llbsetzen von Kottröpfchen. All diese Flüssigkeiten sind reich an Bakterien. Auch halten sich krankheitserregende Bakterien ähnlich lange Zeit lebensfähig im Darm der Fliege und außen an ihr und werden ebenso von ihr ausgeschieden. Das ist besonders für Typhus, Ruhr, Cholera, Milzbrand erwiesen, aber auch für Diele* andere Seuchen. Krankmachende Bakterien sind in zahlreichen Fällen einwandfrei an gefangenen Fliegen, besonders in der Umgebung von Kranken, nachgewiesen worden. Bei der langen Haltbarkeit der Keime in und an den Fliegen haben diese sicher reichlich Zeit, solche Krankheitserreger auf Milch, Kompott und andere Rahrungsmittel, auf die Augenlidränder und Lippen schlafender Menschen oder auf ftische Wunden zu bringen. Bet der großen Flugweite der Fliegen (bis 9 Kilometer in einem Zuge) können sie von einem Platz Bazillen durch eine ganze Stadt tragen. Also, die Fliegen können allerlei Krankheiten verbreiten, das wissen wir. £)b deren Zahl groß oder sehr groß ist, wissen wir nicht! Wir wissen aber vor allem noch nicht bei einer einzigen dieser Krankheiten allgemein, ob die Fliegen bei ihrer Verbreitung eine geringe, eine echebliche oder eine sehr große Rolle spielen neben anderen Verbreitungswegen, welche allen diesen Krankheiten zur Verfügung stehen.
Wenn wir aber auch so allgemeine Regeln über die Bedeutlmg der Fliegen für die von ihnen verbreiteten Seucken nicht auf|teUen können wie für die Stechmücken, so sind doch schon eine Anzahl Epidemien von Ruhr, Typhus und anderen Krankheiten bekannt geworden, bei denen die Fliegen zweifellos eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben. Amerikanische Aerzte glauben, daß während des Spanisch- Amerikanischen Krieges rund dreißig Prozent der Typhusansteckungen durch Fliegen vermittelt sind. Es gehört daher zur modernen Untersuchung von Typhus-, Ruhr- und ähnlichen Epidemien auch die Beobachtung der Fliegen und die Prüfung, ob und in welck>em Umfange Ansteckungen durch die Fliegen erfolgt sind. Dementsprechend sind, wenn zahlreiche Fliegen vorhanden jind, und ihre Mitwirkung nicht ausgeschlossen erscheint, die Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Seuche nur vollständig, wenn auch die in Rücksicht auf die Fliegen erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden. Seuchenabwchr ist also das erste, was wir mit der Fliegenbekämpfung erreichen wollen. Weniger bedeutungsvoll, wenn auch vielfach mehr in die Augen fallend, sind die Verluste, welche die Fliegenmaden uns in der Küche und Speisekammer an unseren Vorräten machen. Und noch persönlicher erfahren wir die Belästigungen durch nicht stechende und stechende Fliegen während der Arbeit und Erholung. Alle diese Tatsachen sind Grund genug, jetzt auch endlich in Deutschland einmal gegen die Fliegen mobil zu machen: das Ausland, besonders das Angelsächsische, ist darin schon lange vorausgegangen. Es ist übrigens ganz wohl denkbar, daß dort, wo wir eine Zeitlang Fliegenbekämpfung in erftdr Linie gegen die Darmkrankheiten ausüben, auch irgendeine andere Menschen- oder Viehkrankheit zurückgehen könnte. Welche, das wissen wir natürlich nicht vorher.
Der erste Schritt in der Fliegenbekämpfung muß darin beruhen, die Allgmeinheit mit den Gefahren bekannt zu machen, welche die Fliegen bringen, und mit den Bekämpfungsmöglichkeiten. Denn alle derartigen Arbeiten können durch Mißtrauen und Unverständnis auf privater Seite für die Behörden sehr erschwett werden, währeno verständnisvolle Mitarbeit jedes einzelnen die Arbeiten der von der Behörde beauftragten Personen sehr erleichtert. In erster Linie muß die Erkenntnis ganz allgemein verbreitet werden, daß die Vermehrung der Fliegen durch Unsauberkeit gefördert wird, während Sauberkeit in Küche, Keller, Hof und Stall und Garten ihnen äußerst abträglich ift; sie entwickeln sich ja auch vorwiegend in Müll und Abfällen, Unrat und Dung und allen möglichen anderen, sich zersetzenden Substanzen. Erziehung zur Niederhaltung der Fliegen bedeutet also gleichzeitig Erziehung zum Beachten von tausend kleinen Möglichkeiten erhöhter Sauberkeit. Die Rückwirkung auf die Fliegen wird nicht ausbleiben, und es wird ohne oder nur mit unbedeutendem Kostenaufwand deren Zahl erheblich vermindert werden.
Wirtschaft.
Wirtschaftslage, Geldmarkt und Börse-
Die Dresdener Bank schreibt über die Wirtschaftslage, den Geldmarkt und die Börse in ihrem Monatsbericht u. a.: Die Frage, ob die deutsche Wirtschaft vor einem Wendepunkt in der
Forschungen die technischen Prozesse der Tabakverarbeitung aufzuklären und gegebenenfalls anstelle veralteter unzweckmäßiger Methoden bessere in Vorschlag zu bringen. Im Hinblick auf diese Ausgaben ist bereits im vorigen Jahre beim Kaisek- Wilhelm-Institut für Biochemie in Berlin- Dahlem eine besondere Abteilung „Tabaksor - s ch u n g" angegliedert worden, die, wie das Institut selbst, unter Leitung des bekannten Chemikers, Professor Dr. Carl Neuberg, steht, dessen Arbeiten über die Gärungserscheinungen unsere Kenntnisse über diese auch technisch so wichtigen Vorgänge ganz wesentlich erweitert haben. Nun handelt es sich aber bekanntlich auch bei der Verarbeitung der Tabakblätter in der Zigarren- und Zigarettenfabrikation um eigentümliche Gärungsvor- g ä n g e, die bisher noch keineswegs als restlos aufgeklärt gelten können.
Man weiß z. B. auch gegenwärtig noch außerordentlich wenig über die sämtlichen Vorgänge, die sich am Tabakblat abspielen, wenn es nach der Ernte getrocknet und weiterverarbeitet wird. Selbst hinsichtlich der Zusammensetzung des Tabaks herrscht noch keinerlei Einheitlichkeit in den Anschauungen. Während die einen glauben, daß es vornehmlich rein chemische Veränderungen sind, die das frische Tabakblatt genußfähig machen, neigen andere der Ansicht zu, daß es sich hauptsächlich um die Wirkung von Mikroorganismen handele. Das Problem wird aber noch dadurch weiter kompliziert, daß man es tatsächlich mit rein chemischen und biochemischen Umsetzungen im gepflückten Tabakblatt zu tun hat, und daß die dabei eintretenden Reaktionen tatsächlich auch durch die auf dem Tabakblatt selbst angesiedelten Mikroorganismen stark beeinflußt werden.
Die in Laienkreisen weit verbreitete Ansicht, daß das Nikotin in erster Linie als der charakteristische Bestandteil des Tabaks anzusehen sei, trägt der Tatsache nicht genügend Rechnung, daß auch der Gehalt des Tabaks an Kohlehydraten, vor allem an Stärke, besonders stark ins Gewicht fällt. Das gleiche gilt von anderen wichtigen chemischen Körperklassen, zu denen vor allem die sogenannten P e f t i n ft o f f e zählen. Es hat sich u. a. durch sehr sorgfältige und eingehende Untersuchungen das interessante Resultat ergeben, daß sich aus den im Tabak enchaltenen Pektinstoffen Methylalkohol abfpalten läßt, ein Ergebnis, das auch für die Praxis wegen der physiologischen Wirkung dieses Stoffes recht bemerkenswert erscheint.
Es ist anzunehmen, daß die weiteren Forschungen in dem Dahlemer Institut auch zu wertvollen Anregungen für die gesamte Tabakindustrie führen werden, die in Zukunft mindestens in ihren Groß-
Konjunkturenttvicklung steht, ist in der letzten Zeit wieder lebhaft erörtert worden, wobei insbesondere auf die Stockungen im Zahlungseingang sowie auf das Aachlassen neuer Aufträge in einzelnen Branchen hingewiesen wurde. Wenn man jedoch diese Symptome unter Berücksichtigung der gegenwärtigen besonderen Arbeitsbedingungen der deutschen Wirtschaft einer näheren Prüfung unterzieht, erkennt man, daß die Wandlungen, die zweifellos in der letzten Zeit im Charakter der Konjunktur eingetreten sind, zu einer pessimistischen Beurteilung der Lage noch keine Deran- lassung geben. So z. B. besteht zweifellos die Möglichkeit, daß die Schwankungen im Eingang neuer Aufträge bei der Eisenindustrie, deren Beschäftigung im übrigen auf längere Zeit gesichert ist, besonders auf jahreszeitliche Be- dingungen zurückzuführen sind. Wenn die Kohlenförderung vorübergehend einen Rückgang aufgewiesen, und auch der Inland- absatz etwas nachgelassen hat, so lassen sich daraus angesichts der ungünstigen Weltmarktlrge für dieses Produkt ebenfalls keine einwandfreien Schlüsse gieren. Da auch in der verarbeitenden Industrie eher eine ansteigende Entwicklung festzustellen ist, wird man mit einer pessimistischen Beurteilung des Rückganges der Aufträge in den Schlüsselindustrien besonders vorsichtig fein müssen. Wenn weiterhin in diesem Zusammenhang auch auf eine gewisse älnsicherheit in der Lage einzelner Konsumgüterindustrien, wie z. B. der Textil- und Schuhindustrie, hin- gewiesen wird, die ebenfalls als besonders konjunkturempfindlich gelten, so dürften auch hier die jahreszeitlichen Einflüsse und die Tatsache, daß nach der stürmischen Steigerung des Absatzes in den letzten Monaten eine gewisse Reaktion unvermeidlich ist und die Rachfrage überhaupt allmählich in ruhigere Bahnen kommt, nicht übersehen werden. Auch muß berücksichttgt werden, baß der Rückgang der Arbeitslosigkeit weitere Fortschritte gemacht hat und Wohl in der nächsten Zeit, infolge des starken Bedarfs der Landwirtschaft an Arbeitskräften für die Ernte, vorerst nicht zum Stillstand kommen dürfte, daß man also mit einem konjunkturell begründeten Rückgang der für die Textil- und Schuhindustrie in erster Linie maßgebenden Kaufkraft der Massen wohl nicht so sicher rechnen kann, wie teilweise angenommen wird. Endlich sei darauf verwiesen, daß auch in einer Reihe anderer Wirtschaftszweige, die sich mit der Herstellung von Konsumgütern beschäfttgen, der Auftragsbestand für mehrere Monate ausreicht und teilweise, wie in der Kunstseideindustrie, sogar mit Hochdruck gearbeitet wird.
Was die vielfach erwähnten Stockungen imZahlungseingang betrifft, so steht, was bisher nicht genügend berücksichttgt worden ist, diese Entwicklung in natürlichem Zusammenhang mit den Verhältnissen auf dem Geld- und Kapitalmarkt. Der letzte Außenhandelsausweis beweist, daß die jetzige Preislage eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Ausfuhr noch zuläßt. Die Entwicklung im Monat Juli zeigt erneut die Wichtigkeit der Preisftage für die künftigen älmstellungsmöglichkeiten der Konjunktur auf den Auslandsabsatz, und wie wesentlich es ist, die Produktionskosten unter allen Umständen noch weiter herabzudrücken. Die nächsten
betrieben dem biologisch gut oorgebilbefen Chemiker ein aussichtsreiches Betätigungsfeld bieten dürfte. Wenn man bedenkt, daß noch vor wenigen Jahrzehnten in den großen Gärungsgewerben der Brauerei und der Spiritusgewinnung verhältnismäßig selten Chemiker beschäftigt wurden, während heute ohne ihre Arbeit kein moderner leistungsfähiger Betrieb mehr auszukommen vermag, so wird man wohl gerade im Interesse der gesamten deutsck)en Tabakindustrie der Hoffnung Ausdruck geben dürfen, daß sich schon in den nächsten Jahren eine ähnliche Entwicklung auch in ihr vollziehen wird.
Schriftsteller-Anekdoten.
Von Franz Blei.
Rudolf Alexander Schröder las einmal Gedichte vor. Einige Zuhörer redeten etwas laut. Schröder unterbrach sich: „Wenn die Herren, die sich unterhalten, etwas weniger Lärm machten als die Herren, welche schlafen, würde das den Herren, welche zuhören, nicht unangenehm sein."
Jemand wollte in das neue Stück von Halbe gehen. „Rehmen Sie sich einen Revolver mit“, sagte Wedekind. „Es ist eine so einsame Gegend.“ e
Eine hübsche, vielgeliebte Schauspielerin lag auf den Tod. Unter den Freunden, die sie besuchten, war auch Keyserling, dem die vier Treppen etwas schwer fielen. „Ein bißchen hoch," stöhnte er. „Ja, lieber Freund, das ist mein letztes Mittel, ein Männerherz für mich schlagen zu machen."
Der Maler Weißgerber bekam im Kriege eine Kugel in den Oberschenkel. Acht Tage suchen die Aerzte danach. Er litt viel und fragte schließlich, was man denn suche. „Die Kugel!" „Herrgott, warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt! Ich hab' sie in meiner Rocktasche!“
Ein berüchtigter Theaterautor schickte B a r - nowski ein Stück mit einem Brief: „Ich wette zwanzig Mark, daß Sie mein Stück nicht lesen werden." Andern Tages bekam der Versager zwanzig Mark, und auf der Postanweisung stand: „Sie haben gewonnen. Barnowstt.“
Aufgaben der deutschen Wirtschaftspolitik find demnach weniger gcld- und kreditpolittscher als Produkttons- und preispoiiiischer Ratur.
Auf dem Geldmarkt herrscht noch immer Nervosität. Zwar rechnet man nicht mit besonderen Schwierigkeiten hinsichtlich der Emtefinan- zierung. Eine besondere Rolle spielt die Frage der kurzfristigen Verschuldung Deutschlands. Wenn aber die von maßgebenden Seiten erfolgte Schätzung unserer kurzfristigen Auslandsverschuldung auf zwei Milliarden RM. zutrifft, so dürfte sie unseres Erachtens doch nicht von so weittragender Bedeutung für die Beurteilung der deutschen Wirtschaft sein, zumal vor nicht allzu langer Zeit eine kurzfristige Auslandsverschuldung in Höhe von 1,5 Milliarden RM. von autoritativer Seite für tragbar erklärt worden ist. Man muß auch berücksichtigen, daß eine elastische, den jeweiligen Wirtscha jtsbedürfnissen angepahte Aufnahme von Auslandsgeldern nur in der Form kurzfristiger Kredite erfolgen kann, und daß diese kurzfristigen Gelder erfahrungsgemäß meist Vorläufer von Anleihen sind. Raturgeinäh mußte die Lage auf dem Geld- und Kapitalmarkt auch auf die Börse nachhaltigen Einfluß ausüben.
Grotzschwelanlage des Schwel- und Kraftwerks Hessen.
Wie W.T.B.-Handelsdienst erfährt, hat das vom hessischen Staat und der Stadt Frankfurt a. M. vor kurzem gegründete Braunkohlen- Schwel- und Kraftwerk Hessen-Frankfurt a. M. der Kohlenveredelung A.-G. Berlin Öen Auftrag zur Errichtung einer Groß- schwelanlage erteilt. Es sollen in diesem Werke 1000 Tonnen Rohbraunkohle täglich geschwelt werden.
* Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstigen Bedarf“) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats August auf 146,6 gegen 150,0 im Vormonat. Sie ist sonach um 2,3 v. H. zurückgegangen.
* Eine dritte Serie der deutschen Ablösungsanleihe? Am 31. August fand die Auslosung der deutschen Avlösungsanleihe Serie 2 (Rr. 30 001 bis 60 000) statt. Für die ausgelosten Stücke wird der fünffache Rennbetrag Plus 4,5 Proz. Zinsen für zwei Jahre (ab Oktober) vergütet. Für die Serien 1 und 2 zusammen, für die ab 1. September eine gemeinsame Börsennotiz eintritt, also die Rümmer 1 bis 60 000 findet Mitte Oktober für das laufende Jahr 1927 eine gemeinsame Auslosung statt. Voraussichtlich wird durch die Stücke von Rach- züglem und solche, die auf Grund von Beschwerden zugeteilt wurden, die Schaffung einer dritten Serie (Rr. 60 001 bis 90 000) notwendig, die jedoch nicht vor Frühjahr 1928 zu erwarten ist.
* Der Stein- und Braunkohlen- Bergbau in Preußen. In Preußen sind im ersten Halbjahr 1927 von insgesamt'276 betriebenen Werken (im entsprecheirden Zeitraum des Vorjahres 287) 73 925100 Tonnen Steinkohle gefördert worden (1. Halbjahr 1926 63 686 197). Der Absatz einschl. Selbstverbrauch, Selbstverarbeitung und Deputaten belief sich auf
Stefan George und Friedrich ® u n d o l f sprechen über die letzten Dinge. George meint, das Weltgeschehen spiele sich in Aeonen ab, und wir befänden uns im Anfang eines Aeon. Gun- dolf, begierig nach dem tiefsten Wissen, fragt, ob die einzelnen Aeonen in vernünftigem Zusammenhang mit einander stünden. Worauf George ihn vernichtend anblickt: „Das geht Sie einen Dreck an! Das geht kaum mich etwas an!"
Des schwarzen Mannes Cocktail
Die südafrikanische Regierung hat otle Hefe, •die in der letzten Zeit eingeführt wurde, mit Beschlag belegt und die weitere Einfuhr verboten. Es sind riesige Mengen, die unbenutzt bleiben, denn in Iohannisburg wurden monatlich an die 100 000 Pfund Preßhefe verkauft. Diese Hefe- mengen dienten zur Bereitung eines außerordentlich starken berauschenden Getränkes, des sog. Skottaan, das von den Eingeborenen leidenschaftlich genossen wurde, und das Brauen dieses „Höllen-Cocktails“ war eins der einträglichsten Geschäfte in Transvaal. Run soll den Brauern das Handwerk gelegt werden, denn die Zustände konnten der Polizei nicht entgehen. Vermögen wurden in den zahllosen Alkohvlstuben der Derg- werksbezirke von den Herstellern dieses Getränkes rasch erzielt. Eine Gallone (etwas über 4,5 Liter), deren Herstellung 80 Pfennig kostete, wurde für 8 Schilling verkauft, und die Rachfrage war sehr viel größer als der Vorrat. Das Rezept für diesen „Cocktail des schwarzen Mannes“ ist sehr einfach: Man nehme eine Gallone kochendes Wasser, zwei Tafeln Preßhefe und drei Dassen mit Zucker, mische das alles in einem großen Zinngefäß, vergrabe es (aus Vorsicht), lasse etwas Luft eintreten (zur Sicherheit) und warte vier Stunden. Dann entsteht ein dickes, milchiges Gebräu, das man durch einen Zusatz von Orangenschalen ober Zitroneschmackhafter machen kann. Der beste Skottaan, den die Schwarzen am liebsten trinken, enthält noch eine Flasche Methyl-Alkohol und drei Stücke Carbid! Er ist bekannt als der „Carbid-Cocktail“: zwei Decher genügen, um einen starken Mann umzuwerfen, drei bringen Vergessenheit, und nach dem Genuß von vieren muh man den Arzt holen lassen. Die Genießer dieses seltsamen Cocktails werden jetzt nur unter großen Schwierigkeiten zu ihrem Lieblingsgetränk gelangen. Aber die, die sie bisher versorgt haben, wissen genau, was der schwarzen Kehle mundet und werden schon einen andern Teufelstrank ersinnen.
MASSARY


