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Hr. 204 Drittes Blatt

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für tvberheffen)

Donnerstag. September 1927

Der Tabak und die Wissenschaft.

Von Dr. Hermann Großmann, Professor an der Universität Berlin.

Obwohl die Verarbeitung des Tabaks zu den verschiedenartigsten Tabakfabrikaten, unter denen man außer Zigarren und Zigarillos, Zigaretten, Pfeifentabak, schnupf- und Kautabak, sowie den Tabakextrakt, der in erster Linie als Tabaks- lauge zur Vertilgung von Ungeziefer dient, zu unterscheiden hat, schon seit langer Zeit im größten Umfange technisch ausgeübt wird, kann man von einer eingehenden wissenschaftlichen Erforschung des Tabaks erst in neuerer Zeit sprechen. Bei der gro­ßen wirtschaftlichen Bedeutung der tabakverarbeiten­den Industrie, die auch in Deutschland zahlreiche Ar­beiter in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt, erscheint es eigentlich sehr seltsam, daß gerade der Tabak in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht im Vergleich zu anderen Stoffen des täglichen Be­darfs noch verhältnismäßig so wenig erforscht wor­den ist.

Aus diesem Grunde ist es mit besonderer Freude au begrüßen, daß auf Veranlassung des Reichsmini­steriums für Ernährung und Landwirtschaft sowohl die Verhältnisse im deutschen Tabakanbau, wie auch die Fragen der eigentlichen wissenschaftlichen Tabak­forschung von berufener Seite eingehend studiert werden sollen. Es dürste bereits noch in diesem Jahre in Forchheim bei Karlsruhe eine deutsche Tabakanbau Versuchs st ation errichtet werden, die unter der Leitung eines auf dem Gebiete der tropischen Kulttiren seit langer Zeit wohlerfahrenen Fachmannes stehen wird. Es ist beabsichtigt, dort im Zentrum des deutschen Tabakbaues die verschiedenen für die deutschen kli­matischen Verhältnisse besonders geeigneten u. wert­vollen Tabakarten zu züchten, um im Laufe der Jahre aus Grund der gesammelten Erfahrung dem deutschen Tabakbauer, der sich bisher hauptsächlich nach dem Kriege mit dem Anoau zwar sehr ertrag­reicher, aber nicht gerade immer übermäßig wert­voller Tabaksarten befaßt hat, geeignetes Züch­tungsmaterial zur Verfügung zu stellen, um auf diese Weise den gesamten deutschen Tabakbau, der der sich während des Krieges nicht unerheblich aus­dehnen konnte, auch qualitativ in besonders wirk­samer Weise zu heben. Es unterliegt aber jetzt kei­nem Zweifel, daß der Erfolg dieser Bestrebungen auch für die deutsche Zigarrenindustrie von großer Bedeutung sein würde.

Außer dem Botaniker erscheint aber auch vor allem der Chemiker berufen zu sein, durch seine

Kamps den Fliegen!

Von Professor Dr. E. Martini, Hamburg.

Ist man sich bei der Mückenbekämpfung offen­bar über das Erreichbare und die wirklich wirk­samen Mittel von vornherein nicht klar gewesen, so strebt man in der Fliegenbekämpfung in erster finde Aufklärung, besonders der ländlichen De- völkerung, an, allerdings Aufklärung über ein Gebiet, das von der Wissenschaft noch gar nicht voll geklärt ist. Da es nun eine s elbstverständ-- liche Forderung für alle unter der Flagge der öffentlichen Gesunbheitsfragen segelnden Maß­nahmen ist, daß sie klar umriffene Ziele mit klar erkannten Mitteln anstrebe, muß man sich zunächst einmal klar machen, was wir mit der Fliegenbekämpfung erreichen können. Diese Frage ist lange nicht so eindeutig zu beantworten wie bei der Stechmückenbekämpfung.

Wir wissen wohl, daß verschiedenarttge Krank­heitskeime von den Fliegen übertragen werden können, auch besteht der Verdacht, daß andere Seuchen durch Fliegen verbreitet werden. Wie machen die Fliegen das?" wird mancher fragen. Mikroskopische Äntersuchungen haben ge­zeigt, daß an Fliegen sich sowohl äußerlich an­haftend wie hn Innern zahllose Bazillen finden. Außen fand man zwischen 570 und mehreren Millionen Bakterien: innerlich im Darm usw. 18 000 bis mehrere hundert Millionen! Besonders in Öen dicht besiedelten Arbeitervierteln der Städte find die Fliegen reich an Keimen. Weiter haben Versuche mit leicht kenntlichen harmlosen Bakterien ergeben, daß diese Keime sich am Aeuheren der Fliege za. 18 Stunden, im Innern sieben Tage voll lebensfähig erhielten und bis zu vier und mehr Tagen regelmäßig ausge- schieden werden.

Weiter besudelt die Fliege ihre Umgebung durch unaufhörliches Betupfen mit dem vom Saft der Speicheldrüsen oder Saugmägen an­gefeuchteten Rüssel und durch etwa halbstündliches Llbsetzen von Kottröpfchen. All diese Flüssig­keiten sind reich an Bakterien. Auch halten sich krankheitserregende Bakterien ähnlich lange Zeit lebensfähig im Darm der Fliege und außen an ihr und werden ebenso von ihr ausgeschieden. Das ist besonders für Typhus, Ruhr, Cholera, Milz­brand erwiesen, aber auch für Diele* andere Seu­chen. Krankmachende Bakterien sind in zahlreichen Fällen einwandfrei an gefangenen Fliegen, be­sonders in der Umgebung von Kranken, nach­gewiesen worden. Bei der langen Haltbarkeit der Keime in und an den Fliegen haben diese sicher reichlich Zeit, solche Krankheitserreger auf Milch, Kompott und andere Rahrungsmittel, auf die Augenlidränder und Lippen schlafender Menschen oder auf ftische Wunden zu bringen. Bet der großen Flugweite der Fliegen (bis 9 Kilometer in einem Zuge) können sie von einem Platz Ba­zillen durch eine ganze Stadt tragen. Also, die Fliegen können allerlei Krankheiten verbrei­ten, das wissen wir. £)b deren Zahl groß oder sehr groß ist, wissen wir nicht! Wir wissen aber vor allem noch nicht bei einer einzigen dieser Krankheiten allgemein, ob die Fliegen bei ihrer Verbreitung eine geringe, eine echebliche oder eine sehr große Rolle spielen neben an­deren Verbreitungswegen, welche allen diesen Krankheiten zur Verfügung stehen.

Wenn wir aber auch so allgemeine Regeln über die Bedeutlmg der Fliegen für die von ihnen verbreiteten Seucken nicht auf|teUen können wie für die Stechmücken, so sind doch schon eine Anzahl Epi­demien von Ruhr, Typhus und anderen Krankheiten bekannt geworden, bei denen die Fliegen zweifellos eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben. Ameri­kanische Aerzte glauben, daß während des Spanisch- Amerikanischen Krieges rund dreißig Prozent der Typhusansteckungen durch Fliegen vermittelt sind. Es gehört daher zur modernen Untersuchung von Typhus-, Ruhr- und ähnlichen Epidemien auch die Beobachtung der Fliegen und die Prüfung, ob und in welck>em Umfange Ansteckungen durch die Flie­gen erfolgt sind. Dementsprechend sind, wenn zahl­reiche Fliegen vorhanden jind, und ihre Mitwirkung nicht ausgeschlossen erscheint, die Bekämpfungsmaß­nahmen gegen die Seuche nur vollständig, wenn auch die in Rücksicht auf die Fliegen erforderlichen Maß­nahmen ergriffen werden. Seuchenabwchr ist also das erste, was wir mit der Fliegenbekämpfung erreichen wollen. Weniger bedeutungsvoll, wenn auch vielfach mehr in die Augen fallend, sind die Verluste, welche die Fliegenmaden uns in der Küche und Speisekammer an unseren Vorräten machen. Und noch persönlicher erfahren wir die Belästigun­gen durch nicht stechende und stechende Fliegen wäh­rend der Arbeit und Erholung. Alle diese Tatsachen sind Grund genug, jetzt auch endlich in Deutschland einmal gegen die Fliegen mobil zu machen: das Ausland, besonders das Angelsächsische, ist darin schon lange vorausgegangen. Es ist übrigens ganz wohl denkbar, daß dort, wo wir eine Zeitlang Fliegenbekämpfung in erftdr Linie gegen die Darm­krankheiten ausüben, auch irgendeine andere Men­schen- oder Viehkrankheit zurückgehen könnte. Welche, das wissen wir natürlich nicht vorher.

Der erste Schritt in der Fliegenbekämpfung muß darin beruhen, die Allgmeinheit mit den Gefahren bekannt zu machen, welche die Fliegen bringen, und mit den Bekämpfungsmöglichkeiten. Denn alle der­artigen Arbeiten können durch Mißtrauen und Un­verständnis auf privater Seite für die Behörden sehr erschwett werden, währeno verständnisvolle Mitarbeit jedes einzelnen die Arbeiten der von der Behörde beauftragten Personen sehr erleichtert. In erster Linie muß die Erkenntnis ganz allgemein ver­breitet werden, daß die Vermehrung der Fliegen durch Unsauberkeit gefördert wird, während Sauber­keit in Küche, Keller, Hof und Stall und Garten ihnen äußerst abträglich ift; sie entwickeln sich ja auch vorwiegend in Müll und Abfällen, Unrat und Dung und allen möglichen anderen, sich zersetzenden Substanzen. Erziehung zur Niederhaltung der Flie­gen bedeutet also gleichzeitig Erziehung zum Beach­ten von tausend kleinen Möglichkeiten erhöhter Sau­berkeit. Die Rückwirkung auf die Fliegen wird nicht ausbleiben, und es wird ohne oder nur mit un­bedeutendem Kostenaufwand deren Zahl erheblich vermindert werden.

Wirtschaft.

Wirtschaftslage, Geldmarkt und Börse-

Die Dresdener Bank schreibt über die Wirtschaftslage, den Geldmarkt und die Börse in ihrem Monatsbericht u. a.: Die Frage, ob die deutsche Wirtschaft vor einem Wendepunkt in der

Forschungen die technischen Prozesse der Tabakver­arbeitung aufzuklären und gegebenenfalls anstelle veralteter unzweckmäßiger Methoden bessere in Vorschlag zu bringen. Im Hinblick auf diese Aus­gaben ist bereits im vorigen Jahre beim Kaisek- Wilhelm-Institut für Biochemie in Berlin- Dahlem eine besondere AbteilungTabaksor - s ch u n g" angegliedert worden, die, wie das Institut selbst, unter Leitung des bekannten Chemikers, Professor Dr. Carl Neuberg, steht, dessen Ar­beiten über die Gärungserscheinungen unsere Kennt­nisse über diese auch technisch so wichtigen Vor­gänge ganz wesentlich erweitert haben. Nun handelt es sich aber bekanntlich auch bei der Verarbeitung der Tabakblätter in der Zigarren- und Zigaretten­fabrikation um eigentümliche Gärungsvor- g ä n g e, die bisher noch keineswegs als restlos aufgeklärt gelten können.

Man weiß z. B. auch gegenwärtig noch außer­ordentlich wenig über die sämtlichen Vorgänge, die sich am Tabakblat abspielen, wenn es nach der Ernte getrocknet und weiterverarbeitet wird. Selbst hin­sichtlich der Zusammensetzung des Tabaks herrscht noch keinerlei Einheitlichkeit in den Anschauungen. Während die einen glauben, daß es vornehmlich rein chemische Veränderungen sind, die das frische Tabakblatt genußfähig machen, neigen andere der Ansicht zu, daß es sich hauptsächlich um die Wir­kung von Mikroorganismen handele. Das Problem wird aber noch dadurch weiter kompliziert, daß man es tatsächlich mit rein chemischen und biochemischen Umsetzungen im gepflückten Tabakblatt zu tun hat, und daß die dabei eintretenden Reaktionen tatsächlich auch durch die auf dem Tabakblatt selbst angesiedel­ten Mikroorganismen stark beeinflußt werden.

Die in Laienkreisen weit verbreitete Ansicht, daß das Nikotin in erster Linie als der charak­teristische Bestandteil des Tabaks anzusehen sei, trägt der Tatsache nicht genügend Rechnung, daß auch der Gehalt des Tabaks an Kohlehydraten, vor allem an Stärke, besonders stark ins Gewicht fällt. Das gleiche gilt von anderen wichtigen chemischen Körperklassen, zu denen vor allem die sogenannten P e f t i n ft o f f e zählen. Es hat sich u. a. durch sehr sorgfältige und eingehende Untersuchungen das in­teressante Resultat ergeben, daß sich aus den im Ta­bak enchaltenen Pektinstoffen Methylalkohol abfpalten läßt, ein Ergebnis, das auch für die Praxis wegen der physiologischen Wirkung dieses Stoffes recht bemerkenswert erscheint.

Es ist anzunehmen, daß die weiteren Forschun­gen in dem Dahlemer Institut auch zu wertvollen Anregungen für die gesamte Tabakindustrie führen werden, die in Zukunft mindestens in ihren Groß-

Konjunkturenttvicklung steht, ist in der letzten Zeit wieder lebhaft erörtert worden, wobei insbe­sondere auf die Stockungen im Zahlungseingang sowie auf das Aachlassen neuer Aufträge in ein­zelnen Branchen hingewiesen wurde. Wenn man jedoch diese Symptome unter Berücksichtigung der gegenwärtigen besonderen Arbeitsbedingungen der deutschen Wirtschaft einer näheren Prüfung unterzieht, erkennt man, daß die Wandlungen, die zweifellos in der letzten Zeit im Charakter der Konjunktur eingetreten sind, zu einer pessimisti­schen Beurteilung der Lage noch keine Deran- lassung geben. So z. B. besteht zweifellos die Möglichkeit, daß die Schwankungen im Eingang neuer Aufträge bei der Eisenindustrie, deren Beschäftigung im übrigen auf längere Zeit gesichert ist, besonders auf jahreszeitliche Be- dingungen zurückzuführen sind. Wenn die Kohlenförderung vorübergehend einen Rückgang aufgewiesen, und auch der Inland- absatz etwas nachgelassen hat, so lassen sich daraus angesichts der ungünstigen Weltmarktlrge für dieses Produkt ebenfalls keine einwandfreien Schlüsse gieren. Da auch in der verarbeitenden Industrie eher eine ansteigende Entwicklung fest­zustellen ist, wird man mit einer pessimistischen Beurteilung des Rückganges der Aufträge in den Schlüsselindustrien besonders vorsichtig fein müssen. Wenn weiterhin in diesem Zusammen­hang auch auf eine gewisse älnsicherheit in der Lage einzelner Konsumgüterindustrien, wie z. B. der Textil- und Schuhindustrie, hin- gewiesen wird, die ebenfalls als besonders kon­junkturempfindlich gelten, so dürften auch hier die jahreszeitlichen Einflüsse und die Tatsache, daß nach der stürmischen Steigerung des Absatzes in den letzten Monaten eine gewisse Reaktion un­vermeidlich ist und die Rachfrage überhaupt all­mählich in ruhigere Bahnen kommt, nicht über­sehen werden. Auch muß berücksichttgt werden, baß der Rückgang der Arbeitslosig­keit weitere Fortschritte gemacht hat und Wohl in der nächsten Zeit, infolge des starken Bedarfs der Landwirtschaft an Arbeitskräften für die Ernte, vorerst nicht zum Stillstand kommen dürfte, daß man also mit einem konjunkturell begründeten Rückgang der für die Textil- und Schuhindustrie in erster Linie maßgebenden Kaufkraft der Massen wohl nicht so sicher rechnen kann, wie teilweise angenommen wird. Endlich sei darauf verwiesen, daß auch in einer Reihe anderer Wirtschafts­zweige, die sich mit der Herstellung von Konsum­gütern beschäfttgen, der Auftragsbestand für mehrere Monate ausreicht und teilweise, wie in der Kunstseideindustrie, sogar mit Hoch­druck gearbeitet wird.

Was die vielfach erwähnten Stockungen imZahlungseingang betrifft, so steht, was bisher nicht genügend berücksichttgt worden ist, diese Entwicklung in natürlichem Zusammenhang mit den Verhältnissen auf dem Geld- und Kapi­talmarkt. Der letzte Außenhandelsausweis be­weist, daß die jetzige Preislage eine nicht unbe­trächtliche Steigerung der Ausfuhr noch zuläßt. Die Entwicklung im Monat Juli zeigt erneut die Wichtigkeit der Preisftage für die künftigen älmstellungsmöglichkeiten der Konjunk­tur auf den Auslandsabsatz, und wie wesentlich es ist, die Produktionskosten unter allen Um­ständen noch weiter herabzudrücken. Die nächsten

betrieben dem biologisch gut oorgebilbefen Chemiker ein aussichtsreiches Betätigungsfeld bieten dürfte. Wenn man bedenkt, daß noch vor wenigen Jahr­zehnten in den großen Gärungsgewerben der Braue­rei und der Spiritusgewinnung verhältnismäßig sel­ten Chemiker beschäftigt wurden, während heute ohne ihre Arbeit kein moderner leistungsfähiger Be­trieb mehr auszukommen vermag, so wird man wohl gerade im Interesse der gesamten deutsck)en Tabakindustrie der Hoffnung Ausdruck geben dür­fen, daß sich schon in den nächsten Jahren eine ähn­liche Entwicklung auch in ihr vollziehen wird.

Schriftsteller-Anekdoten.

Von Franz Blei.

Rudolf Alexander Schröder las einmal Gedichte vor. Einige Zuhörer redeten etwas laut. Schröder unterbrach sich:Wenn die Herren, die sich unterhalten, etwas weniger Lärm mach­ten als die Herren, welche schlafen, würde das den Herren, welche zuhören, nicht unangenehm sein."

Jemand wollte in das neue Stück von Halbe gehen.Rehmen Sie sich einen Revolver mit, sagte Wedekind.Es ist eine so ein­same Gegend. e

Eine hübsche, vielgeliebte Schauspielerin lag auf den Tod. Unter den Freunden, die sie be­suchten, war auch Keyserling, dem die vier Treppen etwas schwer fielen.Ein bißchen hoch," stöhnte er.Ja, lieber Freund, das ist mein letztes Mittel, ein Männerherz für mich schlagen zu machen."

Der Maler Weißgerber bekam im Kriege eine Kugel in den Oberschenkel. Acht Tage suchen die Aerzte danach. Er litt viel und fragte schließlich, was man denn suche.Die Kugel!" Herrgott, warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt! Ich hab' sie in meiner Rocktasche!

Ein berüchtigter Theaterautor schickte B a r - nowski ein Stück mit einem Brief:Ich wette zwanzig Mark, daß Sie mein Stück nicht lesen werden." Andern Tages bekam der Versager zwanzig Mark, und auf der Postanweisung stand: Sie haben gewonnen. Barnowstt.

Aufgaben der deutschen Wirtschaftspolitik find demnach weniger gcld- und kreditpolittscher als Produkttons- und preispoiiiischer Ratur.

Auf dem Geldmarkt herrscht noch immer Nervosität. Zwar rechnet man nicht mit besonde­ren Schwierigkeiten hinsichtlich der Emtefinan- zierung. Eine besondere Rolle spielt die Frage der kurzfristigen Verschuldung Deutschlands. Wenn aber die von maßgebenden Seiten erfolgte Schätzung unserer kurzfristigen Auslandsverschul­dung auf zwei Milliarden RM. zutrifft, so dürfte sie unseres Erachtens doch nicht von so weit­tragender Bedeutung für die Beurteilung der deutschen Wirtschaft sein, zumal vor nicht allzu langer Zeit eine kurzfristige Auslandsverschul­dung in Höhe von 1,5 Milliarden RM. von autoritativer Seite für tragbar erklärt worden ist. Man muß auch berücksichtigen, daß eine elastische, den jeweiligen Wirtscha jtsbedürfnissen angepahte Aufnahme von Auslandsgeldern nur in der Form kurzfristiger Kredite erfolgen kann, und daß diese kurzfristigen Gelder erfahrungsgemäß meist Vor­läufer von Anleihen sind. Raturgeinäh mußte die Lage auf dem Geld- und Kapitalmarkt auch auf die Börse nachhaltigen Einfluß ausüben.

Grotzschwelanlage des Schwel- und Kraftwerks Hessen.

Wie W.T.B.-Handelsdienst erfährt, hat das vom hessischen Staat und der Stadt Frankfurt a. M. vor kurzem gegründete Braunkohlen- Schwel- und Kraftwerk Hessen-Frankfurt a. M. der Kohlenveredelung A.-G. Berlin Öen Auftrag zur Errichtung einer Groß- schwelanlage erteilt. Es sollen in diesem Werke 1000 Tonnen Rohbraunkohle täglich ge­schwelt werden.

* Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung undsonstigen Bedarf) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats August auf 146,6 gegen 150,0 im Vor­monat. Sie ist sonach um 2,3 v. H. zurückgegangen.

* Eine dritte Serie der deutschen Ablösungsanleihe? Am 31. August fand die Auslosung der deutschen Avlösungsanleihe Serie 2 (Rr. 30 001 bis 60 000) statt. Für die ausgelosten Stücke wird der fünffache Rennbetrag Plus 4,5 Proz. Zinsen für zwei Jahre (ab Ok­tober) vergütet. Für die Serien 1 und 2 zu­sammen, für die ab 1. September eine gemein­same Börsennotiz eintritt, also die Rümmer 1 bis 60 000 findet Mitte Oktober für das laufende Jahr 1927 eine gemeinsame Auslosung statt. Voraussichtlich wird durch die Stücke von Rach- züglem und solche, die auf Grund von Beschwer­den zugeteilt wurden, die Schaffung einer dritten Serie (Rr. 60 001 bis 90 000) notwendig, die jedoch nicht vor Frühjahr 1928 zu erwarten ist.

* Der Stein- und Braunkohlen- Bergbau in Preußen. In Preußen sind im ersten Halbjahr 1927 von insgesamt'276 be­triebenen Werken (im entsprecheirden Zeitraum des Vorjahres 287) 73 925100 Tonnen Stein­kohle gefördert worden (1. Halbjahr 1926 63 686 197). Der Absatz einschl. Selbstverbrauch, Selbstverarbeitung und Deputaten belief sich auf

Stefan George und Friedrich ® u n d o l f sprechen über die letzten Dinge. George meint, das Weltgeschehen spiele sich in Aeonen ab, und wir befänden uns im Anfang eines Aeon. Gun- dolf, begierig nach dem tiefsten Wissen, fragt, ob die einzelnen Aeonen in vernünftigem Zu­sammenhang mit einander stünden. Worauf Ge­orge ihn vernichtend anblickt:Das geht Sie einen Dreck an! Das geht kaum mich etwas an!"

Des schwarzen Mannes Cocktail

Die südafrikanische Regierung hat otle Hefe, die in der letzten Zeit eingeführt wurde, mit Beschlag belegt und die weitere Einfuhr verboten. Es sind riesige Mengen, die unbenutzt bleiben, denn in Iohannisburg wurden monatlich an die 100 000 Pfund Preßhefe verkauft. Diese Hefe- mengen dienten zur Bereitung eines außerordent­lich starken berauschenden Getränkes, des sog. Skottaan, das von den Eingeborenen leidenschaft­lich genossen wurde, und das Brauen dieses Höllen-Cocktails war eins der einträglichsten Geschäfte in Transvaal. Run soll den Brauern das Handwerk gelegt werden, denn die Zustände konnten der Polizei nicht entgehen. Vermögen wurden in den zahllosen Alkohvlstuben der Derg- werksbezirke von den Herstellern dieses Getränkes rasch erzielt. Eine Gallone (etwas über 4,5 Liter), deren Herstellung 80 Pfennig kostete, wurde für 8 Schilling verkauft, und die Rachfrage war sehr viel größer als der Vorrat. Das Rezept für diesenCocktail des schwarzen Mannes ist sehr einfach: Man nehme eine Gallone kochendes Wasser, zwei Tafeln Preßhefe und drei Dassen mit Zucker, mische das alles in einem großen Zinngefäß, vergrabe es (aus Vorsicht), lasse etwas Luft eintreten (zur Sicherheit) und warte vier Stunden. Dann entsteht ein dickes, milchiges Ge­bräu, das man durch einen Zusatz von Orangen­schalen ober Zitroneschmackhafter machen kann. Der beste Skottaan, den die Schwarzen am liebsten trinken, enthält noch eine Flasche Methyl-Alkohol und drei Stücke Carbid! Er ist bekannt als der Carbid-Cocktail: zwei Decher genügen, um einen starken Mann umzuwerfen, drei bringen Ver­gessenheit, und nach dem Genuß von vieren muh man den Arzt holen lassen. Die Genießer dieses seltsamen Cocktails werden jetzt nur unter großen Schwierigkeiten zu ihrem Lieblingsgetränk ge­langen. Aber die, die sie bisher versorgt haben, wissen genau, was der schwarzen Kehle mundet und werden schon einen andern Teufelstrank er­sinnen.

MASSARY