Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Nr. 77 Zweite; Blatt
Turnen, Sport und Spiel
zogen und mit recht einfältigen Mienen bei grauendem Morgen unerkannt durchs Danziger Stadttor passieret, eh noch die verschlafene Torwache die Augen recht aufgesperrt.
da nun, mitten im Hirnrnellchlüsselblüh. vor Freude der wiedererlangten Freiheit der Herzog die Frau Herzogin tüchtig gehälselt und abgekußt. sichets von ferne ein Bauernweib. schleicht herzu und erkennt die Verkleideten, läuft stracks rückwärts zum Tor an die Schildwach, macht Lärm und tut ganz närrisch, daß der Herzog und feine Liebste auskommen seien soeben.
Die Schildwach fällt ins Lachens.Ei gute Frau, einen Soldaten des Königs gelüstet nicht, Aprillische davonzutragen, müsset ein andermal, nächstes Jahr. noch früher aufstehen, um unsereins zu foppen"
Da das Dauernweib sich aber ganz tollhauttg gebärdet und immer fchteit. die beiden Gefangenen seien entwischt, berichtet die Mache die Narretei dem Offizier. Der schlägt desgleichen eine grohe Lache an und gibt gutlaunig der Bäuerin einen Klaps auf die fleischige Backe: .Ho. Frau. Ahr seid eine rechte Schelmin: da nehmt die zwei Sous und trollt Euch zu Euren Schweinen .
Die Bäuerin ruft alle vierzehn Nothelfer an zum Zeugnis, dah alles ihr Ernst sei.
Nundum stehen die Musketiere, lachend, dah ihnen die Bäuche weh tun, über das Frauenzimmer. dah da um jeden Preis seinen Aprilfisch los werden wlll, der jedem ilnbummen in die Aase stinkt. Aus halbem Possen meldets enblicfc der Offizier seinem Kommandanten Grafen von Brassac und zwinkert dabei lustig mit den Augenlidern
Der von Brassac machts tote die anderen, kriegt vor Gelächter das Schnaufen, sieht der tollen Dauerntrulle durchs Fenster hinaus zu. Soll das Volk von Nanzig etwa ein Gaudium daran haben dah der Kommandant und Stellvertreter des Königs sich von diesem Bauernweibe narren läßt? .
Seiner Sache ganz kicher zu sein schickt er immerhin ganz in der Stille den aufsichthabenden Leutenant zu des herzoglichen Paares Haftguartier. Der Leutnant pocht höflich, härt nichts, lächelt vor sich hin denkt ans jungverliebte Ehe-
Srettag, April 1927
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Das Wiedererwachen der ukrainischen Frage.
Don Dr. Paul N o h r b a ch.
Als 1918 in Brest-Litowsk Deutschland und seine Bundesgenossen den Frieden mit der ukrainischen Republik abschlossen, war für die meisten die Ufraine ein sehr unbestimmter Begriss, und fast jedermann, der irgendwie glaubte, sich als „Kenner“ aufspielen zu dürfen, versicherte, offen oder augenzwinkernd, eigentlich sei es ja doch nichts mit der Ukraine, zum mindesten nichts mit der ukrainischen staatlichen Zukunft: Nuhland werde nie auf dieses Gebiet verzichten, von einem ukrainischen Volk könne höchstens in der Unter* schicht gesprochen werden, die Intelligenz sei durchaus großrussisch eingestellt, usw.
Eine Meile konnte es danach scheinen, als ob diejenigen, die so sagten, nicht falsch geurteilt Härten. Die Versuche der Ukrainer, nach dem Abzug der deutschen Truppen sich allein gegen das bolschewistische Moskau zu behaupten, schlugen fehl: die rote Armee unterwarf die ganze Ukraine, und auch das offizielle Deutschland meinte den „Tatsachen" dadurch Rechnung tragen zu sollen, dah es die in Berlin noch vorhandene Gesandtschaft der einstigen ukrainischen Volksrepublik auf Verlangen Moskaus remittierte. Es sah aus, als ob der grohrussische Ge- danke auch in seiner neuen roten Gewandung durchaus zum Siege gelangt sei.
Das war die Zeit, wo in Moskau das zentralistische System Lenins herrschte.
die Langstreckenläufe auf den durch leichten Regen glitschig gewordenen Strahen burd>bicltcn. Eine Menge Zuschauer verfolgte mit Spannung bx sich vom Schüler bis zum aktiven Turner fteigcnv den Kampfe. Den Turnern merkte man an, dah sie nicht mehr wie früh« ohne voraus geg an genes Heben Aum Laufen antraten, sondern dah von den mciften planmäßig geübt worden war. so dah sie nicht ausgepumpt durchs Ziel schwankten, sondern in verhältnismäßiger Frische ankamen, Mir sehr stetes lieben den Läufer fördert, bewies der Tum« Albert Decker von Nidda, d« die 5000-Meter-S trecke in der ausgezeichneten Zeit von 15 Minuten 04 Sekunden durchlief. Die Ergebnisse: ,, ,
5000Meter-Laus (15 Teilnehmer): 1 Albert Becker-Nidda. 2. Georg Seipel-Nidda, 3. Otto Schafer-Langsdvrs.
2500-QHeter-ßauf (18 Teilnehmer): L Hugo Kraft-Nidda, 2. Hugo Schäf«-Villingen, 3. Ludwig Möller-Hirzenhain.
1 500-Meter-Laus (9 Teilnehmer): 1. Robert Duß-Nidda, 2. Milhelm Gerhard-Hungen, 3. Adolf Dörr-Hungen.
1000-Meter-Laus (Schüler: 13 Teilnehm«): 1. Augustin-Hungen, 2. Adolf MatheS- Dettenhausen, 3. Georg Hau-Villingen
als einer öffentlich anerkannten und gebrauchsfähigen Sprache mar keine Rede Jn der g uiwt Ukraine, für die ja früh« logar d« Qtame ab- geschafft mar — he hreß offiydl Kleenrußlai > — existierte im amtllchen und öffentlichen Verkehr nur das Russische. Seitdem sind zehn Jahre vergangen, und mit der von Grund auf veränderten Stellung der Sprache hat sich - als Folge zugleich und als Ursache — ein derart verstärktes ukrainisches Nationalgefühl entwickelt. Nifi von einer Miederaufsaugung d« Ukraine in ein irgendwie gedachtes Gcfamtrußland nie wieder die Rede lein wird. 3n Moskau sieht man diese Entwicklung mit Mißbehagen. ja mit Schrecken. Man beobachtet, wie von Jahr zu Jahr >is uknnnische Dolksgesühl zunehmend die Oberhand üb« das bolschewistische und das Somjetgesühl gewinnt, aber man wagt keine Gegenmaßre>?eln mehr
Die Folgen hi«vvn sangen jent an. sich in der europäischen Politik bemerkbar zu machen. Die Ukraine ist ein Trumps im polnischen und im englischen Spiel geworden, und auch die sranzösifche Presse füllt sich mit Artikeln üb« die ukrainische Frage. AlS Pilludski zur Macht in Polen gelangte, wurde Petljura in Paris ermordet. Kein Ukrainer zweifelt. dast eS auf Veranlassung von Moskau geschah, denn Petljura war ein Vorkämpfer der 3bee. die staatliche Sell'stänbigkeit der Ukraine mit polnisch« Hille wiederherzustellen Pilsudski und seine ganze Richtung sehen ein. dah es keine größere innere Gefahr für Polen gibt, als den Haß d« zwangsweise einncueibten acht Millionen Ukrainer. Dah« der Plan, diese f r e l u g e b e n. da- mit eine von Moskau unabhängige Gesamt- ukraine als Bundesgenossen für Polen zu gewinnen, und einen Ersatz in d« Union mit Litauen und der Annexion von ganz Meih- r uh land zu finden. Außerdem Ostpreußen ii n d Danzig! heiht es bei den «Iremcn polnischen Chauvinisten
3n England wird die ukrainische Bewegung, wie begreiflich, vor allen Dingen unt« dem Gesichtspunkt angesehen, dah mit ihr« Hilfe eine entscheidende Schwächung, möglicherweise ein Sturz der Sowjetmacht erreicht toerben könnte. Die Politik mit Polen und — direkt oder indirekt auch mit der Ukraine ist für England eine Hilfslinie im Spiel gegen Moskau, bi? mehr und mehr in den Vordergrund tritt. Menn « mit der Ausrichtung ein« antibolschewistischen Einheitsfront definitiv nicht acht, so wird man c8 eines Tages auf diese Meise versuchen, so toi« man es mit Japan versuchte, als d« Plan, eine deutsch? Deckung gegen die russische Ges ah, zu «halten, mißlungen war Man wird sich daher nicht zu verwundern brauchen, wenn bas ukrainische Problem in nächst« Zeit noch sichtbar« werden sollte.
Der'Aprilfischdes Herzogs von Lothringen.
Von Kurt S i e m e r S.
Ist auch drüben überm Rhein, bei den Franzosen. eine oltgeübte Narretei, daß man cinanb«, wenn der winterliche März just aus dem Land gegangen ist. einen Aprilfi'ch zu verehren sucht. Und je fett« das gerät, desto großer ist des lieben Nächsten Freude. Der Aprilnarr, d« glatte Mone und ein Schelmenmärlein für bare Münze nahm, braucht sich um den Spott nicht zu sorgen Gebe drum jed« am ersten Tag des Aprilmonats gut Obacht, daß ihm keiner eine Schalkslüge aushängt. Spricht man daheim bei uns, man will jemanden in den April schicken, so nennt man in Frankreich diese Vexierung einen Aprilfisch
Ist zwar gemeinhin ein unnützer Brauch, hat aber anno 1631 einem Herzog die Freihmt toicbergetoinnen helfen. Nikolaus Franz von Lothringen. vormals Kardinal-Dischof von Toul. war mit dem französischen Rov uneins geworden, tocil er sich gegen Königs Millen des Lünevill« Herzogs Heinrichen Tochter anzugeloben gedachte. Leute bei Hose in Paris spekulierten aber für bi« Herzogentochter Claudia auf einen Prinzen von Geblüt, damit ihr ansehnUcy Erbtum nicht an die lothringischen Herzöge falten sollte Da nun Nikolaus Franz mit seiner Liebsten Claudia Hochzeit gehalten, wurde dies junge Herzogspaar unter- wegenS von königlich französischen Soldaten gewaltsam aufgehoben und nach Nanzig in Gefangenschaft verschleppt. Mar eine traurige Hochzeitsreise für die junge Frau Herzogin; aber ihr Herr und Gemahl verzagte noch lange nicht und sann auf Flucht.
Mag sein, daß ihm auch seine Angetraute einen guten Fluchtgedanken eingegeben (benn seit Paradieses Zeiten ist ein Weib um List oder Ausrede nimm« verlegen gewesen' oder sei es. daß dem jungen Herrn Herzog selbsten aufgegangen. ein Aprilfisch könnte ihm vielleicht k n heimlich Fortkommen «leichtern, ich vermags auch nicht zu sagen. Aber das weih ich: daß in der Nacht vom März auf den April nach Verabredung mit vertrauten Freunden der Herzog und sein Gemahl Claudia schlechte Dauernkleid« ange-
unsere groben Staatsrechts lehr« und Historik« wie Laband und Lamprecht »«geben» schon vor dem Kriege die SnttvicklungSmöglichketten d« B.smarckfchen Reichsverfassung für ein weite- r e 6 Deutschland, besonders durch Oesterreich «• gänzt. bargelegt.
Für Bismarck als amtlichen Staatsmann mußte - tote auch für heutige — ein Vertrag oberstes Gesetz lein, die Politik die Kunst des Möglichen, nicht des Münschenswerten, durste d« zweite Schritt nicht vor dem ersten getan ober gefordert werben, müssen die Mittel wechseln nicht doktrinär nach Parteiprogrammen v«- langl werden. Hat « doch wenige Machen nach seiner Entlassung zu dem Wien« Historik« Friedjung, um 15. (Juni 1890. erklärt .Es war stets ein Fehl« d« Deutschen, alles erreichen zu wollen oder nichts, und sich eigensinnig aus eine bestimmte Methode zu ncrfletfen; ich war dagegen stet- erfreut, wenn ich der Einheit Deutschlands. auf welchem Wege immer, auch nur drei Schritte näher kam." Und ein andermal zu Hofmann .Von einem Staatsmann in «st« Linie .Konsequenz" zu v«langen. heißt ihm die Freiheit nehmen, sich nach den wechselnden De- dürsnissen des Staats, dem txrränberten Verhalten des Auslandes zu entscheiden; er kann die vorliegenden Tatsachen und .Vtftrömungen nicht meistern, sondern sie nur geschickt für seine Zwecke benutzen." Liberalen Kritikern der damaligen amtlichen Außenpolitik hielt er im Frühjahr 1870 im Parlamente vor. wie unangebracht, wenn man über Ziel und Zweck d« Außenpolitik einig sei. der Streit üb« die Mittel sei. .da Dertra uen zum Leit« der auswärtigen Politik, zu seinen Vorschlägen unentbehrlich ist zum Betreiben der auswärtigen Polittk."
Mollen wir am diesjährigen Bismarcktage alle vat«ländischen Gedanken in seinem Sinne zusammenfassen. so ist wohl kein Mort von ihm geeigneter. als das. das er vor 60 Jahren, am 24. Februar, in der Thronrede zur Eröffnung des ersten Reichstages des Norddeutschen Bundes. b« ersten Stunde der eigentlichen Reichsschöpfung. der bald die schwarzweißrote Flagge folgte, über deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft also geprägt hat:
.Einst mächtig, groß und geehrt, toeü einig und von starken Händen geleitet, sank daS Deutsche Reich, nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern, in Zerrissenheit und Ohnmacht. Niemals aber hat die Sehnsucht deS deutschen Volkes nach feinen verlorenen Gutem aufgehört, und die Gefchichte unser« Zeit ist erfüllt von den Bestrebungen. Deutschland und dem deutschen Volke die Gröhe sein« Vergangenheit Wied« zu erringen."
Lenin stammte aus dem unteren Wolgagebiet Schon sein eigentlich« Name Uljanow ist ein Hinweis auf da» tatarische Blut, das in ihm floß Sr fühlte sich ab« als Grvßrusse und wollte nichts davon wissen daß den nichtrussischen Völkern unt« der Svwje:macht irgendwelche nationalen Autonomien eingeräumt würden. Al- ad« nach seinem Tode Stalin an die Spide der Svwjetregierung trat, kam ein anderer Geist auf Stalin heißt mit feinem eigentlichen Namen Dfchungaschwili und ist Georgier. Er.gehört al<D einem Volkstum an da- keine Verwandtschaft mit dem russischen, überhaupt nicht mit einem europäischen hat. und trvn feiner be- kenntniSmähig übernationalen Einstellung, v«- Icugnct « im Herzen doch nicht sein Volksgefühl. Gr ist d« eigentliche Urheber der jetzigen Verfassung des Sowjetstaates, der offiziell .Union d« sozialistischen Sowjetrepublik" heißt und bundesstaatlich konstruiert ist.
Nächst dem moSkvwitischen Großrußland ist das bedeutendste, am stärksten bevölkerte und von Natur reichste Gliedgebiet in der Sowjetunion die Ukraine. Die Zahl der Ukrain« beträgt etwa 40 Millionen Hiervon leben gegen 8 Millionen unter polnischer und etwa 1 Million teils unter tschechischer, teils unter rumänisch« Herrschaft (in OsrgUizien, im SholmCTland, in Molhvnien. in Karpatho-Rußland und in der Vukowinast Die Föderativverfassung, die unier Stalins Einfluß angenommen wurde, war ab« keineswegs mir Ausfluß eines besonderen georgischen Sentiments, sondern eine inn«e Notwendigkeit. Nachdem eS der mehrhunbertjährigen zarisch- und kaiscrlich-rufsischen Herrschaft nicht gelungen war. die Ukrainer, die ^Deißruthenen und vollends die sogenannten .Fremdvölker" zu assimilieren. und nachdem in der russischen Revolution das Reich auf denselben nationalen Linien auscinandergebrochen war. auf denen es vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zufammenerobert war. hätte die Fortsetzung des zentralistischen Systems nach dem Schema Lenin- über kurz ober lang gewaltsame Miderstänbe hervorgerufen.
Die unitarische Richtung in Moskau, bie ben Föderalismus nur ungern mitmachte, hat unter der Hand versucht, auch die Auswirkungen der ukrainischen Autonomie so viel wie möglich zu beschränken. Damit ist fie gescheitert. Die sogenannte .Sowjetukraine" ist heute ein durch und durch ukrainisch-national wirkendes und fühlendes Gemeinwesen. Das gesamte Schulwesen, von der Volksschule bis zur Hochschule, ist ukrainisch. Die Verwaltung und das Gericht arbeiten in ukrainischer Spracye. Sogar in dem ukrainischen Truppenteil und Offizierfchulen der roten Armee ist Ukrainisch die Dienstsprache Das alles bedeutet eine unermeßliche Beraubet früh«. Bis zur Revolution von 1917 gab es ukrainische Schulen überhaupt nicht, und von Ukrainisch
Bismarck-Tag.
Don Mar Drehler.
Seitdem Dct Reichsgründer von seinem Merke ?hen mußte, ist der Frühlingstag, der ihn seinem olke einst schenkte, allen Natwnalgcsinnten ein nationaler Feiertag geworden, ein Tag des Dankes. ernsten Gedenkens und schicksal-trotzigen Zu- kunftsglaubens 3n diesem Jahre soll er ein besonder« Feiertag sein: d« erste deutsche Br- mardiag des Verein- zur Errichtung eines DiS- mardnationalbenlmaW. wie es vor dem Weltkriege am Rhein geplant war. Der erste deutsche DiSmarckgcdenktag. d« üb« Parteischranken hinweg im V'.ömarctgeiste da- nationalgesinnte Volk zusammen fuhren soll.
Der Mal« des Einhertskrieges. Anion von Werner, hat im Marokkosommer 1911. als damals der Wettbewerb zu jenem ‘B^mardnational- beul mal «ging, erzähle Als er sich eines Abends mit dem Reichslanzler üb« das damals Im Bau begriffene SchiUiuglche Rieberwalbdenkrnal unterhielt. habe Fürst BiSrnarck geäußert .Cr verstände nicht, warum daS Deutsche Reich an dies« Stelle gerade durch ein Frauenzimmer rebräknticrt werden müsse; ihm würde es viel richtig« und Wirlsamer «scheinen, wenn dort am Rhein ein« der bekannten .wilden Männ«" vom preußischen Mappen mit der Keule hingestellt würde, da würbe man sehr leicht verstehen. waS bas sagen Unb bedeuten solle
Und wenige Jahre spät«, am 14. Marz 1885. «klärte BiSrnarck öffentlich vor aller Welt Im Rctchs'agc .Ich fehe nicht immer rosig in hie Zukunft. Dir haben bisher nur glückliche Kriege geführt; aber lassen Sie unS einmal einen schweren unglücklichen Krieg führen — ob wir bann an der Volksvertretung die sichere Stutze finden werden, die mir im Jahre 1870 sanden?'
Beide Worte schließen BiSrnarck- Denken und Sorgen in jenen Jahren des Glanze- des Reiches zusammen, lehren unS, wie sehr Bismarck als Erzieher unferm Volke gefehlt hat. Niemand bat früh« und klar« da- deutsche Unheil des Weltkrieges vorauSgesehen als der. der eben «st da- stolze, gebietende Reich geschaffen. Und dos, war eS möglich, daß auf diesen Seher deutscher Zukunft man von oben herabblickte. daß an seinem Wirken und Werke daS deutsche Dolk irre werden konnte.
Düstere Prophezeiungen Bismarcks üb« die Zukunst seines Reiches sind eingetroffen - wenn aber etwa- unS den Mut trotzdem aufrechterhall, so ist es der Glaube an die deutsche Zukunft. der Bi-marck selbst beseelte. Wiederum in einem Morte, in dem er mit einem unglücklichen deutschen Kriege rechnete, hat, wenige Jahre vor seinem Tode, der Alle vom Sachfenwalde in fein« sorgenvollen Einsamkeit zu deutschen Frauen also gesprochen: .Wenn wir je da- Unglück hätten, einen ungünstigen Krieg zu führen, Schlachten zu v«lieren und ungeschickt regiert zu werden die Tatsache, daß der Glaube zu unserer politischen Einheit bi- in die Frauengemächer gedrungen ist. wird unS imm« Wied« zusammenbringen. Und im Falle der Entscheidung wird es sich Herausstellen, daß in d« elementaren Herzensbewegung des .Ewig Weib- lieben" eine stärkere Macht steckt als in den zersetzenden Säuren, die uns«e Männerparteien auseinanderbringen Mein Vertrauen in die Zukunft beruht auf der Stellung, welche die deutsche Frau genommen hat."
Der Glaube: da- Reich muß uns doch bleiben, da- höchste Gut des Volkes ist sein Staat, tour- gelte tief in ihm — manche Worte sind bekannt geworden, in denen er mit der Möglichkeit ein« kommenden Republik rechnete. Er. der selbst Geschichte machte. Achtung vor dem geschichtlich Gewordenen hatte und forderte, kann auch heute, jedem, der sich von ihm führen lassen will. Wegweiser sein.
Die aber haben seines Geistes keinen Hauch verspürt, bie am Sonntag an Reichspräfident Hindenburg aus Hannov« von ihrer .grvßdeut- schen" Sinspruchskundgebung gegen den ersten BiSmarcktag drahteten, daß Di-marck- Reichs- schöpsung nur den Abschluß ein« Entwicklung gebracht habe, ihre Verherrlichung unzeitgemäß und widersinnig sei. her Anfang ein« neuen Zeit ab« in dem Reichsgedanken aller Deutschen (lege. Für jene rückständigen Leute haben also
Acltcsten des Dorfes denGästen zu Chren ein Schwein und vollzogen mit ihnen eine Art Blutsbrüderschaft; nachher verlorgten ste ste täglich mit Kartoffeln und anderen Nahrungsmitteln. Diese Pygmäen sind nach der Ansicht Pros. Stirlings die Ureinwohner von Reu- Guinea. Ihre primitive Rultut- stufe zeigt sich darin, daß ste keinen König und feine staatliche Organilation kennen; jede- Dorf wirb durch feinen Häuptling und die Aeltesten verwaltet. Die durchfchnitlliche Höhe dies« Zwerge ist Di« Fuß zwei Zoll, ihre Hautfarbe ganz schwarz. Sie haben untersetzte kräftige Körp« und ein fröhliches Temperament. Sie tragen nur einen sehr kleinen Lendenschur,, haben Zauberringe um den HalS und bisweilen ein dickeS Reh auf dem Kopf. Stirling konnte keine ausgesprochene Religion bei ihnen entdecken. denn « fand nirgend Anzeichen für Tempel, Totems, Priest« oder irgendeine Hrt_®otte<bienft Ihre religiösen Anschauungen beschränken fich auf einen primitiven AnimiSmuS, denn ste glauben an Geister, die in 5lüften, Bäumen und Bergen leben und gegen deren böte Einflüsse ste stch durch Amulette zu schützen suchen. Sie stnd starke Raucher und bauen ihren eigenen Tabak, den ste in Pseifen oder in Zigaretten genießen. Ihren ID erzeugen nach leben sic noch im Ck-w,ei tatter, denn ste haben nur Aexte, Hämmer und Masten au- Stein. Dor d« Heirat muß der Brautigem zwei Bogenschützen alS Zielscheibe dienen, während « nur den Schüssen au-weichen und sich mit den Pfeilen verteidigen darf, die auf den Boden fallen. Da- gilt für die größte Mutprobe. Sie leben in Vielweiberei, und Frauen werden gekauft. Doch steht ihre Sittlichkeit hoch, die Kinder stnd gut genährt und gesund, ihre Wohnungen tauber. Wenn ein Weib geschieden wird, dann schneidet ihr der Mann das oberste Glied des 3eigeftnger8 mit einem Gteinmeffer ab. Bei der zweiten Scheidung «folgt dieselbe Operation an einem anderen Fing«, und man iah Frauen, die Di« solche verstümmelten Finger hatten. Tir Pygmäen stnd hauptsächlich Degetari«, bauen Kartoffeln, Bananen und verschiedene Wurzeln an, selten eisen ste wilde Eb« oder Schweine. Die Mitglied« der Expedition erlernten die Pygmäensprache, in der es keine schriftliche Aufzeichnungen, noch überhaupt eine Schritt irgendwelcher Art gibt. Spuren von Wen- schenfreft«ei fand man weder bei den Papuas noch bei den Pygmäen.
Grotzer (Erfolg im Gauwaldlauf des W. 5« D.
h. Dre am vergangenen Sonntag in drei Gruppen stattgehabten Waldläufe des Gaues Grehen-Wehlar sind inSgesavrt als großer Erfolg zu werten. Mit insgesamt 2 2 8 Wa 1 d - Läufern ist die bisher größte Teilnehm«zahl un Gau «reicht worden. Ein Beweis für das machtvolle Einsehen d« diesjährigen Athletiksaison der Deutschen Sportbehörde. Dtat Zahl verteilt sich auf die Gruppe Wetzlar-Weilburg mit 90 Läufern. G i e ß e n - B u tz b a ch mit 69 Läufern und Dillenburg mit ebenfalls 69 Läufern. Die erfolgreid)ften Vereins waren Gießen 1900. F. E. 05 Wetzlar und Sp. Sp. Frohnhausen, die in fast allen Klassen jeweils in ihrer Gruppe die Sieger im Mannschafts- und Einzellauf stellten.
Geländelauf im 3. Bezirk des Turngaues Hessen D. T.
Am Sonntag sammelten sich die besten Läufer des Bezirks in Bettenhausen, um die . Frühjahrs-Geländeläuse auszutragen. 55 Läufer traten an, die mit wenig Ausn.chmen । glück der beiden Gcsaugen^n. Der Siammcrbien r kommt hinzu, wehrt ihm, die Herrschaften gar zu jäh aus der Ruh aufzufchrecken. Der Stamm«- bien« klopft selbst, ganz sursichtig. Der Leutenant. galant und nachsichtig, wartet noch eine kleine Weile. Da kommt der Graf von Brassac selbst angestiefelt, «st heimlich, bann, bös« Ahnung voll, donnert er mit Reiterfäusten gegen die Türe, die fliegt splitternd auf — ins leere Zimmer. Da sieht der greulich enttäuschte Kommandant mit Ingrimm, daß die Vögel doch ausgeslogen sind. Fluchte da d« von Brallac. pfiff der Machthabende durch die Zähne, brüllten bie Soldaten unb traktierten das Dauemweib mit einer böse gesalzenen Prügelsuppe, obwohl sonst bie Suppe imm« vor dem Fisch aufgetragen wird.
DaS Herzogspaar hatte inzwischen im Wald vor der Stadt Freunde unb Pferde wartend gefunden. mit denen sic nach Desanzon und von da nach Mailand durch ben gp Iben en italienischen Frühling in die blaue Freiheit hinein ritten. Später wurden sie die Stammeitem des nachmals blühenden Haukes Lochringen-Oesterreich.
Die ersten Weitzen unter den Zwergvölkern von Neu-Guinea.
Eine Expedition, die von dem amerikanischen Smitd'onian Institute ausgerüstet war unb die Unterstützung der Regierung von Niederländlsch- Cftinbien genoß, hat unter Leitung von Prost Curling unb Stanley Hebberg bas Jnn«e von Rieder- ländisch-Rcu-Guinea durchwrjcht. Die Gelehrten, die einen Stab von Mitarbeitern mitführten, wurden von brei holländischen O’fyicren und einet farbigen Truppe von 75 Wann begleitet Nachdem ste das Gebiet d« starken. angtiR.uftigen und oft verräterischen Papua- mit Hilfe mutig« Dajaks durchquert hatten, drang die Crpedition, bie mit einem auch als Boot benutzbaren Flugzeug ausgerüstet war. in das Raftau-Gedirge ein und stieß im Innern tiefes GebirgslanbeS auf eine außerordentlich primitive Raste von Zw«gen. die ste im ausgefvrochen- nen Gegensatz zu den Papuas sehr freundlich empfingen. obwohl od« vielleicht weil ste noch niemals vorher Europäer ge eben hatten. Beim ersten Zusammentreffen schlachteten d« Häuptling und die


