Nr. 50 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Dienstag, März (927
Gießener Konzertverein.
..Er ist und bleibt der kühnste und stolzeste 5>id)tergcift der Zeit Durch ihn hat Polen Sch und Stimme erhalten im urusikalrschen Völkerbund. Politisch vernichtet, wird eS noch lange in unserer Kunst fortblühen." Mit diesen Worten kennzeichnet Robert Schumann Chopins einzigartige Erscheinung in der Musikgeschichte. Durch ihn erlangt das Polonium als solches zum ersten Male seine Kündung in der Musik, in seinem Persönlichkeitsstil konnte er von keinem wieder erreicht werden.
Durch seine Abstammung, insbesondere durch seine Mutter, war ihm im Blut das Slawentum gegeben worden, und dieser ursprünglichen Veranlagung wurde durch die Umgebung, in der der Knabe au^vuchs. reiche Förderung zuteil. Es sind nor allem die Elemente der polnischen Volksmusik, die auf den Knaben starken Eindruck machen, so in Szsfarnia. wo er aus einem befreundeten Gute seine Sommerserien verbringt, und wo er jede Gelegenheit, sich polnische Dolks- inelodicn anzuhören, wahrnimmt. Hnh hier finden wir eine Wurzel seines Schassens. Hatten vor ihm schon polnische Volksweisen in Werken als mot.visches Material Aufnahme gefunden, so bringt Chopin diese Ansätze zur Weiterentwicklung. indem er. vermöge seiner genauen Kenntnis der Volksmusik, nun als erster aus dem Geiste vieler Volkstümlichkeit heraus schafft. Wurde er so der Schöpfer der polnischen Ra- tionalmusit. so gab er damit zugleich Werke, die zum Gemeingut der musikalischen Welt werden mutzten. __
Chopin war eine durchaus stark künstlerisch veranlagte Natur, die ihren Weg durch geniale Intuition fand. Er stellt einen musikalischen Romantiker dar. der die Antriebe zum Schassen in seiner sensiblen, inneren Natur fand. Sind viele Schöpfungen unserer Großen durch gewaltige Natureindrücke von auhen her beeinflußt worden, so wird sein Schaffen fast ausschließlich durch seine Vorstellungswelt befruchtet. Darin zeigt sich der Einfluß, den George Sand auf ihn ausgeübt hat, m jene Zeit fallen die stärksten Werke.
Siner feiner intimsten Freunde kennzeichnet als die Pole seines Wesens .Frohsinn und ein Herz voll Sehnsucht".
Als man ihn einst nach der Empfindung befragte. die seine Kompositionen durchglüht, verwies er auf sein Vaterland: und damit kenn- zeichnete er die reiche Skala von Gefühlen und
Umgruppierung im nahen Orient
Konstantinopel. Ende Februar 1927.
Von unserem türkischen f.K.-Korrespondenten.
Es hat in den letzten Jahren in der Türkei nicht an außerpolilischen Beunruhigungen ernster Art gefehlt. Dabei wäre der neuen Türkei nichts mehr vonnöten alS eine längere Zeit völliger Ruhe zur Durchführung des mit großem Eifer betriebenen Wiederausbauprogramm- Anatoliens. Der Fragekompler der Moisu l- Angelegenheit war nicht ohne Grund von interessierter Seite beim Abschluß der Lausanner Verträge offen gelassen, und seine Regelung im letzten Jahre ließ trotz der großen Opfer, die turkilcherseitS gebracht werden mußten. Angora erleichtert aufatmen Auch mit Griechenland, das in mehr denn einer Hinsicht als gefährlicher Nachbar zu bezeichnen war, ist man zu Jahresende zu einem beiderseits befriedigendem Vertrage gelangt, der eine sichere Basis zu weiterem Ausbau gutnachbarlicher Beziehungen bietet. Blieb noch der größte Sorgenpunkt der Türkei: die offene Küste Weftanatoliens. Aengstlich waren die Blicke Angora- in den letzten Jahren auf diesen Wetterwinkel gerichtet und mit gewisser Berechtigung befürchtete man, daß hier zu leicht ein italienischer E i n- sali stattsinden könne. Man erinnerte sich dabei nur ungern des plötzlichen lleberfalls Italiens auf die Türkei im Tripoli-kriege 1912. Die Besorgnis entbehrte nicht einer gewissen Berechtigung. da da- Gebiet SüdanatolienS, insbesondere das Wilajet von Konia und Adalia in dem bekannten Krieg-vertrage 1916, der Syrien Frankreich. Arabien England zuteilte, Jür den Fall einer Aufteilung Anatoliens Italien zugesprochen worden war. S- kam auch nach Kriegsende zu einer italienischen Besetzung dieser Gebiete, aber in kluger politischer Vorau-sicht zog sich da- damalige Italien vor dem beginnenden Freiheits- kampse Kemal- frühzeitig genug zurück. Die Franzosen, die in dem Gebiete Eiliciens langer mit der Räumung zögerten, wurden von Kemal unter blutigen Verlusten aus dem Lande herausgeworfen.
Sine eigentliche Spannung zwischen der heutigen Türkei und Italien besteht erst seit Sommer 1924, als Italien von England die Erlaubnis erhielt sich im Dodekaneso- endgültig festzusetzen. eine Garnison nach Rhodos verlegte und inzwischen diese Insel zu einem starken Flotten- punkte ausbaute. Die sogenannte Zwölfinselgruppe, darunter Rhodos, Chios, Lesbos und Samos, ist der lleinasiatischen Küste unmittelbar vorgelagert und feit 1912 von Italien besetzt. Italien verpflichtete sich jedoch, die Inselgruppe, auf die Angora im Lausanner Vertrag verzichtet hatte, durch zwei Verträge im Jahre 1919 und 1920 a n Griechenland abzutreten. Beide Der- träge wurden nicht eingehalten und heute richtet lich Italien dort für dauernd ein. Trotz de- Einipruches der weitaus überwiegenden griechi- schen Bevölkerung und ihres öfteren Hilferufes an den Völkerbund werden die ItalienisierungS- bcfltebungcn mit Nachdruck weiter betrieben, mit denselben Maßnahmen, wie sie auS Südtirol geläufig sind. Dabei ist daran zu erinnern, daß lich diese Inseln unter türkischer Herrschaft völliger Selbstverwaltung erfreuten. In Angora weiß man nur zu gut. daß ein .Volk ohne Baum" wie Italien sich nach anderem freien Lande umschauen muß. in den sich der breite Strom seines Bevölkerungsüberschusses ergießen fann. um so mehr, als allmählich alle anderen Auswanderungsmöglichkeiten dem italienischen Volke, da- ja nur über wenige oder für größere Siedelungen ungeeignete Kolonien verfügt, ver- Ichlossen werden. Instinktiv fühlte man in Angora den Blick Mussolinis auf die überaus fruchtbaren Gefilde Anatolien- gerichtet, die ja schon einmal Italien zugesprochen waren. Das 'nllitärische Erstarken Italiens auf Rhodos konnte nur von diesem Gesichtspunkte aus gewertet werden. und wie ein kurzer Blick auf die Karte lehrt, bietet gerade diese Inselgruppe, zum Teil
nur wenige Kilometer vom Festlande entfernt, ein ausgezeichnet«- Sprungbrett zu jenen ersehnten, nicht sehr dicht bevölkerten Gebieten Kleinasien-.
Die Spannung vermehrte sich noch, als nach der Zusammenkunft Chamberlain- mit Mussolini Im Dezember 1925 in der laizistischen Prelle gegen Kleinasien mobil gemacht wurde, und Angora- Nervosität flieg unter den feurigen Reden Mussolinis, vor seiner Afrikareise im April 1926. zur Siedehitze, als der Diktator offen von dem Bedürfnis einer Expansion Italiens sprach .Unsere Augen sind nach Osten gerichtet." Die englische Presse unterließ nicht-, um da- Feuer zu schüren, und da man in der Türkei hinter allem Unangenehmen England zu vermuten pflegt, hielt man einen faszistischen Handstreich auf
fahr eines gemeinsamen englisch-italienischen Vorgehen- zu entgehen. Inwieweit da- ganze Manöver ein geschickt angelegter Bluff war. für den Italien schließlich in Abessinien und Arabien von England scheinbar bezahlt wurde, ist schwer zu erraten. Die Sorge vor der vermeint- sichen Angriff-lust Italiens blieb jedoch bestehen und zwang Angora zu einer stärkeren Anlehnung an Mosla u. das in der Odesia-Zusammenkunft Rüdschi BeyS mit Tschitscherin seinen Abschluß fand und zu engeren Freundschaftspakten mit Persien und Afghanistan führte, ohne daß diese Politik bisher jedoch greifbare Vorteile geboten hätte Mit Argwohn sieht man in An- gora, wie der italienische Diktator sich in geschickt geleiteter Politik nach allen Seiten hin festigt und fein lastender Finger sich auf dem Balkan immer weiter vorschiebt. Schon oft ist von einem
Preisausschreiben
in der zweimal wöchentlich erscheinenden Unterhaltungsbeilage des Gieftener Anzeigers
Gietzener Familienblätter
offen für alle Bezieher des Gieftener Anzeigers und für Neubesteller zum 1. März, sowie für deren Familienangehörige.
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Das Preisausschreiben erstreckt sich über die Ausgaben der Gieftener Familicn. blätter Nr. 17 bis einschließlich 22 in der Zeit vom 1. bis 19. März 1927.
In jeder dieser Nummern der Gietzener Familienblätter werden je zwe Ausschnitte aus den Werken und Briefen deutscher Dichter und Denker dei Vergangenheit veröffentlicht werden.
Das Fiel der Teilnehmer am Preisausschreiben soll sein,
die Namen der zwölf Verfasser
möglichst lückenlos zu ermitteln und in der Neihenfolge der Veröffentlichungen aufgeführt schriftlich bei der Redaktion der Gießener Familienblätter, Gietzen, Schulstrafte 7, einzureichen.
Die Annahmezeit für die Lösungen beginnt am 20. März 1927. Der Schlutztag ist auf den 26. März festgesetzt. Spätere Eingänge bleiben unberücksichtigt.
Sämtliche Lösungen müßen an der Spitze Namen, Stand, Wohnort, Strafte und Hausnummer des Einsenders tragen. Die Beifügung der Märzquittung über den Bezug des Gieftener Anzeigers ist Bedingung.
Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung über die Preisverteilung als endgültig an.
Die Preisträger werden nach Vollständigkeit und Richtigkeit der einlaufenden Lösungen ermittelt. Es kommen 20 Werke zeitgenössischer Schriftsteller zur Verteilung.
Verlag und Redaktion des Gietzener Anzeigers.
Anatolien durchaus nicht für undenkbar. Die Türkei schritt, um gegen jede italienische Kriegs- ablicht gerüstet zu fein, im April zu einer Teil- mobilifation. sicherte auch die thrazifche Grenze, da man mit Recht dem damaligen griechischen Diktator Pangalos nicht traute.
England war der lachende Dritte und erreichte eine beschleunigte Regelung der Mossulfrage, die Türkei wich dem Drucke und zeigte sich zu dem bekannten Entgegenkommen bereit, nur um der drohenden Ge-
ötimmungen. von der sanftesten Schwermut und zartesten Zurücchaltung bis zum leidenschaftlichen Entflammen und verbitterten Sich-Verzehren. So konnte der Tondichter, als ihm einer feiner Schüler feine L-Dur-Etüde von rüg. die Hände falten und, in sich versunken, mit leiser Stimme sprechen. „O! ma patrie!“
Die Stärke seiner Individualität und die Macht feiner Idealisierung sind so stark, daß bei der Auswirkung feiner Musik einzig und allein feine Persönlichkeit spricht. Wäre das Rationale in ihm stärker als das Individuelle, fo hätten seine Landsleute ihn zu allererst in feiner Wesensart erfassen müssen. Dem aber stehen die Berichte von seinem ersten Auftreten in Warschau. z B. von Franz Lifzt. entgegen. Und die Kraft des Persönlichen sichert ihm sein AuS- toirten bei allen Individualitäten, die mit ihm verwandte Seiten haben, ungebunden an eine bestimmte Nationalität.
Es war ein glücklicher Gedanke den Klavierabend Karl Friedbergs ausschließlich Chopin zu widmen, denn Friedberg zählt ohne Zweifel zu den besten unserer Chopinspieler.
Mag das Erfassen der Chopinfchen Individualität an sich noch leichter möglich sein, das Erfassen des nationalen Niederschlags in seinen Werken ist nicht jedem gegeben. Chopins Klavier - katz ist weniger für den Konzertfaal berechnet da im weiten Raum manches verhallt, sondern für den Salon mit feinem intimen Klangreizen und feinem erwählten Hörerkreis Der Vortrag seiner Kompositionen setzt sensible Einfichlung voran- und ein zur Selbstverständlichkeit gesteigertes technisches Können. Ihm selbst hatte die Natur eine glückliche Veranlagung zur Technik mitgegeben, wenn wir dem Briefe seines Vaters folgen: .Du weißt nicht minder, daß auch die Technik des Spiels wenig von deiner Zeit in Anspruch nahm, haft dein Geist hierbei mehr tätig war. als deine Finger."
Dieser Moment der Vergeistigung war es, was das Spiel Carl Friedbergs zu einem so starken Erlebnis werden ließ. Da wurde das alles. waS für ein restloses Erschöpfen Chopins notwendig ist, das „jeu parle“, das gesangliche Legato, unbedingt erfüllt. Ost erschien es als seien die begleitenden Passagen impresiivmfrische Aufrauhung deS gegebenen Stimmungsbildes. Zeitweilig erreichte sein Anschlag eine Machtfülle. daß die Aula zu klein erscheinen mochte, und doch bei aller Stärke lieh er nie die Weich- hell des Tones vermißen und konnte ihm stets feine charakteristische Farbe geben, z. B im
Frühjahrstermin für einen anatolischen Angriff gesprochen worden, man glaubt in der italienischen Politik das Bestreben zu erkennen, zu diesem Zwecke anderorts die Hände frei zu bekommen.
Nun wäre es sicherlich falsch, zu behaupten, daß die Türkei besondere Angst vor einem eventuellen Vorstoß auf Anatolien hat. Der türkische Soldat hat bereits bei dem griechischen Einfall vor einigen Jahren gezeigt, daß er es versteht, seine Heimat gut zu verteidigen, und es wird hier gar nicht daran gezweifelt, daß ein neuer
U-Moll-Scherzo. Seinem Gestalten ist nie eine Grenze gesetzt: selbst da, wo die formalen Begriffe Chopins unferm an Beethoven geschulten Formempfinden nicht cnlgegenlommcn, wie in der bl-Moll-Sonate, empfing man einen einheitlichen Eindruck. ES wäre beinahe umnöAich, aus der Fülle der Feinheiten seines Spieles einzelnes herauszuheben. Bei jedem der Stücke, denen man immer wieder im Konzertsaal begegnet, konnte man neue, charakteristische Einzeltzeiten entdecken, ob es nun die Ballade in F-2HolI. das Impromptu in As-lShir, die 6-Moll- Mazurka war. Die Begeisterung des vollbesetzten Hauses steigerte sich von Vortrag zu Vortrag. und erst, nachdem der fein*innige Klavier- poek vier Zugaben folgen ließ, leerte sich das Haus
War Chopin schon einmal in diesem Winter gelegentlich des letzten Symphonie-Konzertes zu Worte gekommen, so zeigte dieser Abend mit Recht wieder, welche großen Werte und starken Eindrücke Chopin auch unserer Zeit zu geben vermag, wenn sich berufene Künder seiner annehmen. Und das veranlaßt zu haben, dafür ist dem Konzertverein der Dank aller Hörer sicher.
—in—
„Unter Ausschlutz der Oeffent- lichkeit".
ßlictzener Lichtspielhaus.
Dieser Film ist besser als fein ziemlich anreißerisch prangender Titel, der überdies durch die bekannten Zenfurvermerke nicht gerade gemildert wird. Er ist auch inhaltlich absolut nicht neu; man hätte ihn früher wahrscheinlich unter den zahllosen, gelegentlich guten, meist schlechten .Aufklärungsfilmen" geführt; und es besteht auch hier durchaus eine aufklärerische Tendenz Warnung vor dem gefährlichen Treiben de- international organisierten Mädchenhandels nur; man macht das jetzt wesentlich geschickter, als früher, nicht mehr so Inallig und sensationell, nicht mehr so dick aufgetragen; man sucht den Kitsch zu vermeiden, der sich fo bequem aus dem Thema zu ergeben scheint; man macht aus Broschüren und Traktätchen einen Roman, aus der realistisch grob wiedergegebenen, aufdringlich gestellten Bestandsaufnahme einen flüssigen Spiel- filmj man läßt keine augenrollenden Schmierenkomödianten mehr auf eine Kolportagehandlung los. sondern man bemüht hervorragende Schauspieler für ein geschickt redigierte- Tertbuch (in
Angriff von itgenbt.n.:: crite mit einem ebensolchen Fiasko enden würde. Außerdem hat Angora in den letzten Jahren nicht- unterlassen, für eine Verteidigung de- Landes e l n schlagfertige- Heer zu schaffen, da- wohl imstande ist, jeden Angreifer mit blutigen Köpfen heimzuschicken. Aber der türsischen Republik liegt wahrlich nicht- ferner, al- der Wunsch, sich mit neuen Kricg-lorbeeren zu schmücken, und sie sehnt sich einzig nach einer langen Ruhezeit zur Durchführung ihre- großen Programm- notwendiger Reformen.
Schon öfters Hai Angora den Wunsch geäußert. ein friedliches Einvernehmen mit Italien zu erzielen. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern find durchaus korrekt, und Italien hat mehrmals die englischen Alarmnach- richten von einer Angriff-absichl offiziell dementiert. Es wurde in der türkischen Presse erst kürzlich mit besonderer Genugtuung bemerkt, daß verschiedene Streitpunkte zwischen italienischen Unternehmungen und der türkischen Regierung gütlich bcigclegt werden konnten, vor allem, daß die italienische Regierung eine Rechnung von 70 000 englische Pfund zugunsten der Türkei beglichen hat. die au- einer fast 20 Jahre vorher erfolgten aber nicht ausgeführten Bestellung einetürkischen Kreuzers bei einer Italienischen Werst stammten. Jetzt macht der türkische llnterrichts- minifier Nedjati Bev. einer der nächsten ‘vertrauten Gasi Kemal Pascha-, eine längst geplante Studienreise nach Europa, die Ihn nach Prag. B.-rsin. Paris und Wien führen sollte. <Er wurde am 1. Februar vorn preußischen ilnter- richtsminister Decker festlich empfangend Kurz vor seiner Abreise von Angora wurde er vvm italienischen Botschafter im Auftrage Musfolini- au einem Besuche in Rom eingeladen. Mussolini wünscht bei dieser Gelegenheit eine besondere; Unterredung mit dem türkischen Minister zu haben. Diese Einladung hat in Angora freudiges Entgegenkommen gefunden, der Minister wurde mit genauen Instruktionen für eine Aussprache mit Mussolini versehen. Man glaubt berechtigte Hoffnung zu haben, durch eine direkte Verhandlung mit Mussolini die lang bevorstehende Spannung zu lösen und durch Abschluß eine- türkisch-italienischen Schuhpaktes mit einer Garantie der Unantastbarkeit der beiderseitigen Gebiete die Basis ju_ künftiger engerer Freundschaft der beiden Länder, die wirtschaftlich eng verbunden sind, zu schassen.
Damit würde eine völlige Aenderung der politischen Situation im östlichen Mittelmeer eintreten. An Stelle Frankreichs, das ohnedies in seiner Bedeutung im nahen „ Orient immer mehr an Prestige verloren hat, würde Italien treten und damit auch die Rolle eines Gegenspielers der englischen Politik auf nehmen, mit der es bis jetzt im engsten Zusammenhänge arbeitete. Auch wo anders fehlt es ja nicht an Bestrebungen Italiens, sich allmählich von der englischen Bevormundung freizumachen. In Arabien stehen sich England und Italien bereits feindlich gegenüber. Mussolinis Schützling im Jemen, der Iman I a h i a und der von England anerkannte Wahabitensürst Ibn Saud rüsten zum Kampfe und werden demnächst die Güte der beiderseits gelieferten Waffen erproben können, zu einem Zeitpunkte, der der englischen Politik äußerst ungelegen kommt, da sie im fernen Osten bereits in erhebliche Schwierigkeiten geraten ist
Unfall und Unfallverhütung.
Von Dr. phil. et med. Erich Stern»
Professor an der Universität Gießen.
Unfälle fallen wir als Schicksalsschläge auf, wir nehmen sie hin als etwas Unvermeidbare-, womit wir uns abstnden müllen, als Folge einer unheilvollen Konstellation der Bedingungen, welche zum Eintritt gerade diese- Ereignisses geführt haben. Gewiß erscheint einer nachträglichen, rückschauenden Betrachtung häufig ein Unfall als Folge von Faktoren, die vermieden hätten werden können: hätte der Zugführer das
unferm Fall: von Dr. T h a n und Dr. Brandt bearbeitet).
Auf die schauspielerischen Qualitäten dieses Films kommt es an; deswegen sollte man ihn besuchen. Und es ist einleuchtend, daß eine überdurchschnittliche Besetzung nicht allein die künstlerische. sondern auch btc erzieherische Wirkung des Films nur verstärken kann.
Die Handlung wird aus einem Schwurgerichtsverfahren heraus, das gewifsermaßen einen abrundenden Rahmen um die Vorgänge legt, entwickelt. In der forgfälttg und glaubwürdig dargestellten Vorgeschichte einer Totschlagsaffäre wird Zug um Zug da- gemeingefährliche Treiben einer raffiniert Hand in Hand arbeitenden Verbrecherorganisation aufgedeckt.
• Gerichtssaal, Revuebühne. Theater löge. Prunkvilla. Mietskaserne, Verbrecherkneipe geben die schnell wechselnden Schauplätze einer folgerichtig aufgebauten, in markanten Bildern gefaßten Handlung. Man sieht tief in bat- lichtscheue Gewerbe einer innerlich minderwertigen. äußerlich glänzenden Gesellschaft hinein, man sieht den Herzensroman einer großen Dame von Welt mit der Echicksalsgefchichte eineß kleinen und ahnungslosen Mädchens aus dem Volke sich kreuzen man verfolgt die unheimlich toillenß- ftarfen. gelassenen Gebärden eines frembraffigen Menschen, der das gefährlich-verbrecherische Aden- teuerspiel mit mächtigen Händen lenkt.
Dieser Mensch, der Orientale Ibrahim Hu- iam, ist Werner Krauß. Gr hat den Waltenstein gespielt, Hatmibal und Caesar, jetzt gestaltet er die heldischen Ilmriffe eines Dneisenau und des Llnruhschen Bonaparte. Nebenbei gab er diesem Film hier das. was ihn über hundert andere, ähnliche weit hinaus hebt. Man vermißt das Wort, das von der Bühne her immer wieder sofort in Bann schlug. Aber gerade wenn man sich feiner Sprache zu erinnern weiß, wird man diese lautlose Schauspielkunst im vollen Umfang würdigen.
Man wird die Freude haben, neben ihm eine Reihe weiterer, begabter Schauspieler wrederzufinden. Z. 2. die überaus sympathische Erscheinung von Henry Stuart (aus der »Versunkenen Flotte^ noch in bester Erinnerung); Tiedt ke. in einer gamicht komischen Rolle; Die ter le, sehr charakteristisch; Divian Vibson, etne rassige Tänzerin; Ida Wüst, die darstellerisch die reifste Leistung in der weiblichen Besetzung bietet, unb' Mach Delsckaft.
3m Mittelpunkt bleibt Krauß: um fetnettoiHeit sollte man diesen Film gesehen haben. -r* i


