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damaligen deutschen DollSvermögens und des Spareinlagenbestandes der deutschen Sparkassen. Das deutsche Dolksvermögen bezifferte sich vor dem Kriege nach Schätzungen auf 300 Milliarden Mark, die Spareinlagen auf 20 Milliarden Mark. Rund 1 Prozent des deutschen Dolksvermögens waren also den Spargroschen der wirtschaftlich schwächeren Bevölkerung zu verdanken.

Sowohl demjenigen, der sich bisher schon am Sparbetrieb beteiligte, als auch demjenigen, der bis heute noch abseits gestanden hat, sollte der Weltspartag ein Ansporn sein, sich in Zukunft so wirtschaftlich und sparsam wie mög- lich einzurichten und die Gelder, die er ent­behren kann, den Geldinstituten und den Spar­kassen zur Verwendung zu überlassen.

Der Kleinsparoerkehr bei den ländlichen Kassen.

Dem Hessischen landwirtschaftlichen Genossen- schastsoerband Darmstadt gehören rund 440 Kredit­genossenschaften an. Davon entfallen 54 auf die Kreisstelle Gießen. Bon diesen batten bis Ende 192-5 17 Schulsparkassen nach System Reinirkens, 14 den Sparkartenverkehr, 15 beides (Klebemarken und Karlen) und zwei besondere Arten von Schul- sparkassen eingeführt. Don den rückständigen sechs Kassen haben zwei im laufenden Jahr mit irgend­einem System begonnen. In den Schulspar­kassen legten 2869 Kinder 34 098 Rm. ein. An dem Sparkartenverkehr haben sich im Jahre 1925 1907 Personen beteiligt, die für 101713 Rm. Karten gekauft haben. Insgesamt haben also in dem Bezirk Gießen 4776 Personen 135 811 Reichsmark gespart. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Schulsparkassen durchweg erst nach Ostern 1925 eingerichtet wurden, so daß eigentlich nur knapp $ Jahre m Frage kom­men. Ebenso haben mehrere Kassen erst im Laufe des Jahres 1925 mit dem Sparkafsenverkehr be­gonnen.

Wie man allgemein hört, wächst das Interesse für den Kleinjparoerkehr ständig, und es ist für 1926 mit wesentlich größeren Summen zu rechnen. Diese Ersparnisse bilden wohl nur einen kleinen Bruchteil aller Spareinlagen Hessens, die tnan auf etwa 40 bis 50 Millionen schätzen kann. Wichtig ist jedoch die Tatsache, daß der Sparsinn, der in der Inflationszeit völlig verschwunden war, wieder g-uslebt und ständig wächst. In Anbetracht der ungünstigen Geldoerhältnisse in der Landwirt­schaft, des geringen Einkommens anderer Berufe, der vielen Kurzarbeiter, Erwerbslosen usw. kann man mit dem obigen Ergebnis reckt zufrieden (ein.

Don der erzieherischen Bedeutung und dem finanziellen Vorteil der S ch u l s p a r k a s s e ist man allgemein überzeugt, so daß niemand den Mut hat, etwas Ernsthaftes dagegen einzuwenden. Wie freuen sich doch die Kinder über jeden Groschen und verfolgen mit größtem Interesse das Anwachsen des Sparguthabens. Die Kinder und manche Er­wachsene müssen jetzt wieder die alten schönen Sprüche lernen:Wer den Heller nicht ehrt, ist den Taler nicht wert" undJunges Blut spar dein Gut. im Alter Armut wehe tut." Erfreulicherweise ist die Kreisschulbehörde und ebenso die Lehrerschaft bis auf einige Ausnahmen eifrigst für die gute Sache eingetreten. Die Lehrer leisten die Arbeit, die man nicht unterschätzen darf, durchweg unentgeltlich. Dies muß dankbar an­erkannt werden. Wenn Schule, Sparkasse. Eltern und Kinder Mitarbeiten, kann der Erfolg ja auch nickt ausbleiben.

lieber den Sparkartenverkehr außer­halb der Schule hört man ab und zu noch merk­würdige Ansichten. Da gibt es noch Leute, die das Abholen der kleinen Beträge für lächerlich und zwecklos halten. Die obenerwähnten Zahlen be­weisen aber das Gegenteil. Jeder Mensch weiß, daß z. Z. nur in seltenen Fällen größere Ersparnisse ge­macht werden können. Wenn man aber für die Zu­

kunft, das Alter, für Anschaffungen usw. sorgen will, bleibt nichts anderes übrig, als wöchentlich kleine Beträge zurückzulegen in dem Gedanken, daß viele kleine Beträge nach Jahr und lag auch ein ansehn­liches Kapital ergeben. Das Adholfystem ist gerade die geeignetste Form. Die einzelne Mark würde nicht zur Raffe gebracht, holt sie aber der Erheber ab, so besteht Gewahr dafür, daß sie wirklich zurückgelegt wird. Die Ergebnisse sind in den einzelnen Gemeinden des Bezirks Gießen sehr verschieden. Die wirtschaftlichen Derhältnisse spielen dabei wohl eine Rolle, gar oft fehlt es aber auch an dem nötigen Verständnis und dem Sparsinn der Bevölkerung. In einzelnen Fällen versagen auch Sparkassen und Kartenverkäufer.

An dem morgen stattfindenden Weltspar­tag kann man mit Genugtuung auf die bisherigen Erfolge zurückblicken. Jedoch ist es auch für die Zu­kunft nötig, mit aller Willensstärke den Spar- sinn zu fördern und zu pflegen, nicht zuletzt zum Segen unserer Heranwachsenden, hoff­nungsvollen Jugend. Htm.

Oberhesfen.

Landkreis Gießen.

n. Grohen-Linden, 30. Oft. Am kom­menden Montag, 1. Rovember. find vier» zig Jahre verflossen, seit unsere Bahn­st a t i o n an der Main-Weser-Strecke dem Ver­kehr übergeben wurde. Die Gemeinde lieh die Station auf ihre Kosten erbauen und zahlte da­für den damals recht ansehnlichen Preis von rund 6500 Mk. Am 1. ^m-embet 1886 wurde die Haltestelle dem Betrieb übergeben und da­mit einem dringenden Bedürfnis der Einwohner­schaft Rechnung getragen. Seitdem hat sich der Verkehr recht gut entwickelt, und heute gehört er mit zu den bedeutendsten Frequenzziffern an der Strecke GießenFrankfurt

£ Wieseck, 29. Oft. Am Mittwochabend hatte die Leitung der Volkshochschule Wieseck zu einer Besprechung über die diesjährige Winter­arbeit eingeladen. Der 1. Vorsitzende, Dr. Rein, teilte einleitend mit, daß die regelmäßigen Hoch­schulabende, wie seither, Mittwochs in der Schule an der Gießener Straße stattfinden und am 3. No­vember ihren Anfang nehmen. Der Arbeitsplan in diesem Winterhalbjahr soll die Hörer in unsere bedeutend st en Industrien einführen. Das Hauptgewicht wird dabei darauf gelegt, daß Ver­ständnis für die modernste, alles umwälzende Ent­wicklung derselben vermittelt wird. Der erste Vor­tragsabend (mit Lichtbildern) soll in das rheinisch- westfälische Kohlengebiet führen. Geplant sind weiter Lichtdilderoorträge über die Hafen- und Werftanlagen von Hamburg usw., über führende Maschinenfabriken, zwischendurch führen illustrierte Vorträge in Deutschlands schönste Städte und Kunstftätten. Das Verständnis für Werke der Lite­ratur soll durch gemeinsames Lesen gepflegt werden. Nach dem vom Rechner erstatteten Geschäftsbericht nahmen an den Vorlesungen im vergangenen Win­ter 88 Hörer teil. Da die gesamte Lehrtätigkeit von Dr. Rein unentgeltlich geleistet wird, kann in die­sem Jahr mit Hilfe des Ueberschusses und verschie­dener Stiftungen die Anschaffung eines modernen Epifkop-Apparates ermög­licht worden. Ferner wurde zugestimmt, für bie Volkshochschule eine Bibliothek zu schaffen. Der Anfang wird mit einer Bestellung von 120 Bänden gemacht. Die Wahl des Dor st ander brachte nur in der Besetzung des 2. Dorsitzenden- postens eine Aenderung: hierfür wurde Karl R e n- t e r bestimmt. 1. Vorsitzender bleibt Dr. Rein, Rechner und Schriftführer Karl Bremer. Nach den geschäftlichen Angelegenheiten beschloß Dr. Rein den Abend mit dem Vortrag von Wildenbruchs packendemHexenlied".

* Lollar, 29. Okt. Der im Frühjahr hier ge­gründete Kleinkaliberschützenverein, der

dem Verbände tofWr

nngegliedett ist. h-i st» August °n bem m © ßen abgehaltenen Schießen um bu ^ismeister fefaaft beteiligt. Die Leistungen bes Vereins ftanben W auf ansehnlicher^. Dem Verein wurde als Krönung seiner kurzen Schießarbeit ein« schone Aufzeichnung dadurch zuteil, daß dieoon ber Ver­bandsleitung gestiftete E h r * n l ch e ' b e für ÄÄÄ -e-W SS ein seine Winterarbeit vorbereitet, mit der er in Kürze^ beginnen ^2uxnba. 29. Oft. Der im QaüfT her Jahre mangelhaft gewordene .Schie­nenstrang zwischen ö.ier und Mainzlar der Bahnstrecke G i e h en - Londorf- Grünberg erfährt jetzt eine^rchgrerfenL« Umarbeitung- Von '"vrgens V-8 ^Ihran. die Zeit des letzten (Guter-)Zuaes nach Grun- berg bis nachmittags etwa 2 Uhr, die Zeit des ersten fälligen Zuges von ©nmterg ist die Strecke gesperrt. Zwei Rotten Eisenbahnarberter reiften in dieser kurzen Zeit des ruhenden Ver. kehrs täglich durchschnittlich 180 bis 200 laufende Meter Schienenstrang auf, bauen neue Schwellen ein und montieren sofort andere, schwn ander­wärts gebrauchte Schienen auf, so daß das Ge­leise bis zum fahrplanmäßigen Zuge um 2 Uhr nachmittags wieder langsam Gefahren werden kann. Innerhalb der nächsten 3 bis 4 Wochen soll in derselben Weise der gesamte Ober- bau unsererDahnstrecke von hier aus werter über Mainzlar, Daubringen bis Halbwegs Collar um» gebaut werden. Wir hoffen nun, daß die Reichs­bahn nach diesem Umbau sich den berechtigten Fahrplanwünschen des Lumdatales wie sie schon öfter im .Gießener Qlngeiger dargetan wurden, nicht verschließt, und demnächst eine Verlehrsverbesserung vornimmt.

t Grünberg, 29. Oft. Gestern wurde der neuerbaute Wasserhoch be hälter unserer Stadl durch den Vertreter des Kreisbauamtes der Stadtverwaltung übergeben. Der Hochbehälter ist am Fuße des Wartturms erbaut, er faßt etwa 500 Kubikmeter Wasser, so daß sich nunmehr der tägliche Wasservorrat unserer Stadt einschließlich der Menge im Bassin im D.ebsturm auf etwa 620 Kubikmeter beläuft. Damit ist die tägliche Wasserversorgung sichergestellt, ebenso ist weitreichende Vorkehrung für Brandfälle ge­schaffen. Die Kosten des Hochbehälterbaues be­laufen sich auf etwas über 50 000 Warf.

is. Steinbach, 29. Okt. Die Bautätig­keit in unserer Gemeinde war in diesem Jahre nicht besonders rege. Während in den ver­gangenen Jahren eine ganze Anzahl neuer Wohn­häuser erstanden, wurde in diesem Jahre nur ein einziges gebaut. Dagegen wurden in vielen Hof reiten bauliche Veränderungen vorgenommen, so daß alle Handwerker Beschäfti­gung finden konnten, soweit sie nicht in Gießen dauernde Arbeitsgelegenheit hatten. Die A r beitslofigfeit war daher hier bis heute nicht groß, und sie dürste sich auch im Winter nicht ver­größern, da die meisten Bauhandwerker als Hol z- Hauer im Gemeindewald sowie in den Waldungen der Stabt Gießen und der Fürstlichen Oberför­sterei Lich beschäftigt sind. Von den Arbeits- losen werden, ähnlich wie in anderen Gemeinden, Kulturarbeiten ausaefühtt; es wurde da- durch sckun manche Verbesserung an Wegen usw. vorgenommen.

= 2 i di), 29. Okt. Auch unser altertümliches Städtchen hat seine Erinnerungsbäume. Sie stehen im Mittelpunkt der Stadt auf dem Kirchenplah, dem sie ein besonders schöner Schmuck geworden sind. Die ältesten der Er­innerungsbäume sind die K i r ch h o s s l i n d e. dicht vor der Kirche, wo einst der Friedhof sich befand, und die Reformationseiche. Die letztere ist bei der 300jährigen Resormationsseier am 31. Oktober 1817 durch die Stiftsgeistlichen

Authäus, Brühl und Cellarius und unter Mitwirkung der beiden Stadtbürgermeister Joh. Hrch. Zimmer und Herm. Phil. 2 y r im g durch den fürstlichen Forstrat Braun in Ge­genwart der oberen Schulklassen gepflanzt wor- ben. Die Eiche hat sich trefflich entwickelt, so daß der Richteingeweihte heute glauben muh, fte habe ein weit höheres Alter. Jüngeren Da­tums ist die S t a d t e i ch e, die gelezcMich der 600-Jahrfeier unserer Stadt am 10. März 1900 vom damaligen Bürgermeister Heller ge­pflanzt worden ist. Als jüngstes Glied in der Reihe der geschichtlichen Gedenkbäume fügt sich bie Völkerschlachteiche ein. die die Er­innerung an die Völkerschlacht bei Leipzig wach­halten soll und von Altbürgermerster Dormer bei der Jahrhundertfeier am 18. Oktooer 1913 Hren Platz auf der Erinnerungsstätte am Kirchenplatz angewiesen bekam.

Kreis Fricdöerg.

K Friedberg, 29. Oft. Die beteiligten Kreise können es immer noch nicht glauben, daß eine Zusammenlegung de r Amts­gerichte von Friedberg und Bad - Rauhetm erfolgt, weil sie praktisch unmöglich iJL Es ist ja auch beretts bekannt, daß von beiden Städ­ten öffentlicher Protest gegen den Plan der Regierung erhoben wurde. Daneben werden von beiden Seiten auch noch Schritte unternommen worden fein, die mehr im stillen für die Er­haltung der beiden Gerichte gearbeitet haben und in der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden sind. Man scheint sich auch in Darmstadt den beson­ders gewichtigen Gründen, die in überzeugen-

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