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Samstog, 30. Oktober 1926

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)

Nr. 255 Drittes Blatt

WM

Weltspartag!

treten Frage planes. Da

den dem

jahrgänge ausnahmsweise nach drei Jahren Grund- jchulbesuch möglich, in eine mittlere ober höhere Schule ausgenommen zu werden. Der vorzeitige Uebergang in eine höhere Klasse der Grundschule dars jedoch grundsätzlich nur zu Beginn dcc- zwei- ten, zum Herbst des zweiten ober zu Beginn des britten Schuljahres erfolgen. Praktisch werben in Preußen also besonbers leistungsfähige Dolks- schüler bes dritten Schuljahres, das find solche, die das zweite Schuljahr absolviert haben, die dritte Klasse erstmals am 1. April 1927 überspringen und sofort in die vierte, die oberste Grundjchulklasse auf. rücken. Der preußische Kultusminister ist aber er­freulicherweise weitergegangen und hat gestattet, daß besonders leistungsfähige Kinder, die sich gegen­wärtig im 3. Schuljahr befinden, schon in diesem Herbst in die oberste Grundschulklasse ausgenom­men bzw. versetzt werden können, um ihnen die für die Aufnahme in die höhere Schule erforderliche Bildung, wenn auch nur für ein halbes Jahr, zuteil werden zu lassen.

Die Bestimmungen, die hier der preußische Kultusminister erlassen hat, sind durchaus begrü­ßenswert und für Eltern und besonders leistungs­fähige Kinder von nicht zu unterschätzendem Vor­teil. Wo bleibt aber liessen? Bisher hat sich das Landesamt für das Bildungswesen in Darmstadt mit dieser Sache, die ihm doch sicherlich nicht ent­gangen sein dürfte und über die es selbst zweifellos genauestens unterrichtet ist, noch nicht beschäftigt, man hat wenigstens noch nichts von einer diesbe-

Dläschen und Knarren Jahrmarktswunder... Jahrmarktsplunder...

Mitten in dem Gewühl hat plötzlich ein alter Graubart einen Menschenauflauf um sich ver­sammelt. Er dreht sich im Kreise und schwingt dabei einen roten Bogel, der an der Peitschen­schnur eines biegsamen Rohrstäbchens schwebt, in Wellenlinien rundum, Unö wahrend er ihn schwingt, drehen sich die flatternden Schwanz­federn des Wunderwesens wirbelnd in der le­bendigen Bewegung segelnden Flugs unb pfeifen dabei, daß ein zirpendes Gezwitscher mitfliegt wie das lachende Rädchen in der Kehle der Tuttel. Der 2llte aber folgt dem flaggenden Schleierschwanz seiner gezähmten Salangane wie ein Verliebter mit den Blicken, läßt sie unent­wegt über den Köpfen der Menge kreisen und dreht sich immer tänzelnd mit im Kreis.

So werden wir alle in zehn Jahren flie­gen. .. Kein Steinchen klebt mehr an unseren

Dallontrauben am Seil, Uv

Riesenwollen niederholen und wieder austreiben lassen. Sie spektakeln und locken mit quäkenden

Kirchweih - Ende. Die Buden um Warktbrunnen werden abgebrochen. Bon Wohnpark der Seiltänzer und Reitschulleute, der in den Rebenstratzen aufgefahren ist, verläßt ein Wagen nach dem anderen mit seinen geranien­besetzten Fenstern das Städtchen. Entflogene Dallonwürste wackeln an den Telegraphendrähten. Durch den Fremdenschwarm, der den Zugen zu- strömt, zieht ein handfester Junge in seinem kleinen Leiterwagen geschäftig ein paar Betrun­kene, die mit herausbaumelnden Gliedmaßen sin­gend übereinanderliegen. Händler tragen ihren Dchellenbaum von gelben Wachsvögeln noch ein­mal an den dichtbesetzten Hotelterrasjen entlang, ' die sie wie gefesselte

würdig respektiert worden, daß Willingshausen, dessen Hauser noch immer im herkömmlichen DauernstÄ gebaut werden, auch in seiner Vegeta- tionsreichen Umgebung den Charakter gewahrt hat, der ihm seine ungewöhnliche Anziehungs­kraft m>ch für lange hin gewährleistet.

Die rote Schwalbe.

Don Leo Sternberg.

In diese weitaussehenden, aber dabei sehr aktuellen Erörterungen gehört prinzipiell wichtig die Auseinandersetzung herein, die der Reichs- baickpräsitont Dr. Schacht vor dem Urüer- Unterausschuh der Deutschen Enquetekommission für Geld- und Kreditwesen am 21. Oktober ge­geben hat. Die eigentlich währungs- und drs- kontpoli tischen Auseinandersetzungen stehen batoi hier nicht zur Debatte. Dagegen ist für die Stel­lung Deutschlands, der deutschen Außenpolttit wie der deutschen Wirtschaft, die dabei zufam- mengehen und zu'ammenarbeiten müssen, sehr wesentlich der Standpunkt Dr. Schachts zu den Auslandkrediten. Er hat sich vor diesem wichtigeii Gremium sehr bestimmt und präzise gegen di e Ueberspannung der 21 u s - landkredite für die deutsche Wirtschaft und die deutschen Kommunen ausgesprochen. BKr verstehen seine Einwände und Bedenken durch- aus, aber bei der großen Tragweite dieses Pro- blems und der Aeußerungen des Reichsbankprast-- tonten dazu hätten wir doch gewünscht, toO triefe Ausführungen etwas unmißverständlicher formuliert worden wären. Der Reichsbankpräsi- tont wird selbst zugeben daß feine 'These:5>ie privaten Danken und Bankiers des Auslandes überschütten uns mit Geld, aber die aw8lan- dischen Regierungen nehmen es uns durch Herrn Gilbert wieder ab der Lage, toie sie heute ist, insonderheit dem flar erkannten, von uns zum Lieberdruh oft wiederholten und von Herrn Gilbert gleichfalls eingehaltenen Zusammenhang zwischen privater Anleihe und Dawes-Plan, Transfer und Kriegsschulden usw. nicht gerecht ^^Was ist der Ausgangspunkt? Rach dem Kriege mit seinen ungeheuren Kapitalvemichtun- gen und seiner gewaltigen Anspannung der sogenannten sttllen Reserven war es für Deutsch­land, wie für jedes besiegte Land die Lage der 'Siegerstaaten bleibe hier beiseite not­wendig, in den ramponierten und aus getrockneten Motor seiner Wirtschaft neues Del herernzu- leiten. Das konnte, da die Wiederbildung eigenen Kapitals aus bekannten Gründen wenigstens un­geheuer verlangsamt, wenn nicht unmöglich war. nur durch die Dereitstelluirg ausländischer Kre­dite geschehen, für die wiederum nach Lage der Dinge nur Nordamerika als Geber in Frage kam. Man rechnet, daß Deutschland rund fünf Milliarden Mark im Laufe der letzten 2'/i 3apre eingeführt hat. Die Frage ist einmal: ob, volks­wirtschaftlich gesprochen, für das, was wir zur Weiterbelebung unserer Wirtschaft bringend brau­chen, dieser Betrag ausreicht oder nicht, und sodann, ob diese Kredite aus Amrcika zu produktiven Zwecken verwendet oder unproduktiv festgelegt bzw. einfach konsumiert werden. Das sind die bei­den springenden Punkte.

Auf diese hat pflichtgemäß der Reichsbankprast- dent seine Aufmerksamkeit zu richten, und jetor, auch ber schärfsten Maßnahme, die er mit seinem Ein­fluß im Sinne dieser beiden Forderungen trifft, wird ihm zugestimmt werden müssen. Die Formulierung aber, die er vor dem Ausschuß gewählt hat, macht die Sache eher unklar, fördert eine unklare Stim­mung in bezug auf die Auslandkredite und erreicht damit nicht, was er will, nämlich die Beschränkung der Kredite aus das für das volkswirtschaftlich not- wendige Maß und ausschließlich zu produk-

Eine Mahnung an jedermann.

Auf Anregung der lombardischen Sparkasse in Mailand fanden sich im Jahre 1924 Vertreter tot Sparkassen aller Länder zu dem ersten inter­nationalen Sparkassenkongreh in Mailand zu­sammen, um die Frage der Sparförderung zur Diskussion zu stellen. Man war sich flar darüber, daß die in einem gut gef barmten und ausgedehnten Sparkassenneh angesammelten Gel­der das beste Bollwerk gegen wirtschaftliche Röte eines Landes sind. Aus diesem Grunde sollten die nationalen Grenzen bei diesem Pro­blem völlig ausscheiden, da alle Wirtschaft öko­nomisch und nicht politisch bedingt sei. Einem besonders eingesetzten internationalen Ausschuh wurde das Studium des Sparwesens übertragen, außerdem beschloß man, den Endtag der Kon­ferenz, den 31. Oktober, zum Weltspar­tag zu machen. An diesem Tage soll in Zu­kunft in allen Ländern der Welt in Wort und Schrift auf die Bedeutung des Spargedankens hingewiesen werden.

Der Weltspartag bedeutet eine Mahnung an jeden einzelnen, zu sparen, die Aus­gaben in das wirtschaftlich richtige Verhältnis zu ton Einnahmen zu bringen, nach Möglichkeit Rücklagen zu bilden für Zeiten der Rot. Wenn irgendwo in der Wett, so gilt dies heute in erster Linie tom deutschen Volke, das durch die Verluste der Dergangmven Jahre und die hohen, im FrietonsvrrttxHe auf erlegt en Lasten in arge Rot geraten ist. Jahrzehntelange Arbeit wurde nut einem Schlage vernichtet. Wenn trotzdem seit dem Beginn der Stabilisierung der Gedanke tos Sparens eu-mit in den Vordergrund ge­stellt wird, so liegt dies in erster Linie im Inter­esse jedes einzelnen. Dadurch, dah der einzelne spart also ein Teil feiner Einnahmen zurück- hält, um in besonderen Fällen jederzeit darüber verfügen zu können, bewahrt er sich vor zukünf­tigen wirtschaftlichen Sorgen. Auhertom ist jeder wirtschaftliche Erfolg letzten Endes auf irgend­einen Ausdruck der Sparsarnkeit zurückzuführen. Wir brauchen gar nicht an die wirtschaftlichen Groß Unternehmung en zu erinnern, die aus kleinen Anfängen emporgekommen find: man begebe sich nur in diesen oder jenen Einzelhaushalt, und man wird feststellen, dah Ordnung, Zufriedenheit und Erfolge nur da zu finden sind, wo wirt­schaftlich gehandelt, also gespart wird. Aus diesem Grunde wäre es völlig ver­fehlt wenn heute noch einzelne im deutschen Dolle sich abseits stellen würden, indem sie auf die erlittenen Verluste Hinweisen und deshalb das Sparen ablehnen. Hiermit ist eine Besserns nicht zu erreichen, sondern nur durch neue Arbeit und intensives Sparen. Zwar genügt es nicht

werden. Thielmanns Atelier ist noch immer der Sammelpunkt der Willingshäuser Maler, well die eigentliche Malerstube, die der Besitzer der im Krieg eingegangenen Haaseschen Wirtschaft auch im Reubau pietätvoll mit ihren vielen Bildern, ehrwürdigen Möbeln und Erinnerungen. erhalten hat, nicht mehr so recht dazu geeignet ist. Deshalb werden auch die wertvollen Willingshäuser Al­bums nn Thielmannschen Atelier aufbewahrt. Im übrigen haben die Zeitläufte nichts an der leben­digen Bedeutung Willingshausens für die deutsche Kunst ändern können. Rach wie vor weilen all- sommerlich ältere und jüngere Maler hier, auf Wochen teils, teils auf Monate, Künstler, die den inneren Zusammenhang ihres Wesens und Schaf­fens mit der Ratur und mit dem bodenständi­gen Menschentum nicht verloren haben und auch weiterhin sich bewahren wollen, um der Zukunft ein gesundes und fruchtbares Weltgefühl schöpfe­rischer Geiftigkeit zu übermitteln. In diesem Sommer waren, um nur die bedeutendsten Ramen zu nennen. Hans von Dolkman n in Wil­lingshausen und Carl Danher, letzterer gerade den vierzigsten Sommer, den er dort erlebt und, tote gesagt werden darf, mit einer Arbeit ver­bracht hat, die zweifellos zu seinen Meister­werken gerechnet werden wird, obwohl es fern Bild von großem Ausmaß ist: zwei Frauenköpse, ein alter, mit dem blauschimmern den Trauer­schleier der Schwälmerin, unb ein junger mit dem ebenfalls blauen, doch gemusterten Abend­mahlsschleier, beides einprägsame Gesichter von einer Lebenswahrheit und Lebansfülle. wie sie in solcher Vollendung eben nur von der Hand eines ganz großen Meisters festgehalten werden können. So ist Willingshausen heute toie vor­mals ein Hort wahrhaft deutscher Kunst. Aber noch in einer anderen Beziehung wirkt sich das hier eingebürgerte Künstlertum aus: in geradezu vorblldl'cher Weise zeigt dieser kleine Ort, wie das Problem der Verkopvelung gelöst werden kann, ohne dah, wie es bisher leider zumeist geschehen ist, der Landschaft und ihren intimen Reizen Gewalt angetan wird. Hier nämlich hat sich die Ratur- und Heimatliebe vor allem Dantzers so mannhaft geltend gemacht und ist so

Vie Abkürzung der Srundschulzeik in Hessen.

DerWormser Zeitung" wird geschrieben:

Vor kurzem ging durch die Presse eine Mitteilung über die Abkürzung der Grundschulzeit in Preu­ßen. Nach den Bestimmungen, die vom dortigen Kultusminister festgesetzt worden sind, ist es beson­ders leistungsfähigen Volksschülern der Grundschul-

züglichen hessischen Verfügung gesehen oder gehört. Oder sollte es vielleicht in Hessen, das doch gerade auf dem Gebiete des Schulwesens bahnbrechend vor- angegangen ist, nach Ansicht des Bildungsamtes keine besonders leistungsfähigen Dolksschuftr geben, denen man das Ueberjpringen der dritten ^chnlklasse bzw. die Versetzung in die oberste Grundjchulklasie noch jetzt zugeftehen könnte? Das zweite Halbjahr Hot kaum begonnen, so daß bei schleuniger Inan­griffnahme einer Verfügung des Landesamtes für das Bildungswefen nach preußischem Muster eine Versetzung solcher Schüler tind Schülerinnen in die vierte Klosse immer noch möglich und die erforder­liche Bildung für den Uebergang in eine mittlere ober höhere Schule gewährleistet wäre. Was schließlich in Preußen in dieser Beziehung gemocht werden kann, das sollte uns in Hessen durchaus nicht davon obholten, das gleiche zu tun.

Die Eltern, die an einer solchen Verfügung im Interesse ihrer Kinder einen großen Anteil nehmen, sind zweifellos recht zahlreich, und selbst, wenn sie das nicht wären, sollte sich das Landesamt nicht dem Wunsche verschließen, die gleiche Anordnung für unser Hessenland zu treffen, wie sie der preußische Kultusminister für Preußen bereits rechtzeitig ge­troffen hat. Hoffentlich schwingt man sich drüben in Darmstadt in etwas beschleunigtem Tempo dazu auf, ohne Zögern eine diesbezügliche Verfügung heraus- zubringen. Für die Nachahmung des preußischen Vorbildes werden viele Eltern im Hesienlande dem

I Bildungsamt Dank wissen.

Außenpolitische Umschau.

Don Professor Dr. Otto Hoetzfch, M. d. R.

Die LNssprache über Theiry zieht sich weiter hin. und immer deutlicher tritt hervor, daß der Ausgangspunkt, die Grundlage des Gespräches unklar war. Man erkennt jetzt beiderseitig, daß ohne Zustimmung und Mitwirkung Nord­amerikas diese »Idee von Thviry nicht durch­zuführen ist, dah man versäumt hat, ttuhzetttg genug Amerika in die Erörterung und daß dessen Zustimmung und Unter jtutjung aus bekannten Gründen jetzt nicht zu erreichen t|t.

Tas belgische Beispiel zeigt zu gleicher Zeit Frankreich den Weg. der beschritten werden muh, der aber bann auch zu einem Erfolge fuhrt: Heber die Anerkennung der Schulden zur Stüt­zung durch amerikanischen Kredit, zur ötabut- ficrung der Währung, die in Belgien soeben ge­glückt ist. Und die Aeußerungen Mr. LammvntS vom Hause Morgan haben nur bekräftigt, daß der Zusammenhang von Kriegsschulden und Tawes-Plan und internationaler Finanzkonferenz und Herabsetzung bet gegenseitigen Verpsllchtun- aen in Rordamerika so angesehen wird, in einem Lande, das nun einmal die Macht besitzt, diesen seinen Willen durchzusehen und von dem Europa Hilfe und Unterstützung will. Das wichtige an Lammonls Aeußerungen war, daß nun auch das Haus Morgan. daS bisher eigentlich mehr aus die Ententeseite neigte, seinen Standpunkt so nimmt, toie die nordamerikanische Großfinanz und Politik Überhaupt.

Wenn also in dieser Lage der <*yaben von Thoiry weiter gesponnen werden soll, so weiß man im Moment offenbar auf beiden Seiten nicht recht, was der eine bieten und der andere fordern, tor andere bieten und ber eine fordern soll. Rür so liegen die Dinge allerdings nicht, daß Deutschland zu bitten, Dorschläge zu machen und Opfer zu bringen habe, Frankreich aber aue- schließlich nach seinem Interesse und im Besitze ber Macht entscheiden könne, toie es wolle. Dieses internationale Kräfteverhältnis besteht nicht mehr. Briand weiß das so gut tote vermutlich» auch Poincarö, und die deutsche Außenpolttik, die den Faden weiterspinnt, soll von diesn Er­kenntnis ausgehen und nun wissen, daß die Politik von Toirh einen anderen Ausgangspunkt stnden muß. , . . . ,

Darum herum gruppieren fuf» drei große Komplexe, die aber alle auf Europa zurückwirken: die englische Reichskonserenz, deren große Tsirseinandersehungen zwischen Mutterland und Kolonien heute noch nicht abschließend fest­zustellen sind die osteuropäische Span­nung mit dem Ringen zwischen der russischen Dertragspolitik und dem polnischen Dormachts­anspruch in Osteuropa der Wahlkampf schließlich in Ror damer ika am 2.Rovember.

3n dieser Wahl wird das Repräsentantenhaus ganz und der Senat zu einem Drittel neu gewählt. Die Aussichten dafür, daß die Republikanische Partei ihre bisherige Stellung behaupte, sind nicht sehr groß. Cvolidges Popularttat ist zurückgegangen, weil seine an sich richtige Politik zaudernd und mit fortwährender Rücksicht auf die Stimmung im Innern geführt, durchschla­gende Erfolge nicht auftoeifen kann. Ramentttch bas wichtigste Element der Farmer ist unzu­frieden. Das Wirtschaftsmanifest vom 20. Oktober kommt auch nicht gelegen, weil es die Frage Schutzzoll oder Freihandel aufroUt und unter ihm gewichtige amerikanische Namen republikanischer Färbung stehen. Aber die demokratische Partei kann dem nun ein klares, fortreißendes und verständiges Wahlprogramm auch nicht entgegensetzen.

Für Europa wiederum ist natürlich am wichtig­sten die Rückwirkung auf die Außenpolitik. Und da kann der Europäer, der Deutsche wie der Franzose und wer sonst, nur sagen, daß die republikani­sche Aussassung von der für Nordamerika notwendigen Außenpolitik uns nützlicher und vorteilhafter ist als die demokratische, weil wir auch glauben, daß das republikanische Pro- gramm dabei zugleich stärker im eigenen Interesse Nordamerikas liegt. Dom Ausfall des Wahlkampfes wird es abhängen, ob Coolidge, der noch zwei Jahre Amtsführung vor sich hat, etwas freier wird und zusammenarbeiten kann mit den Kräften seines Landes, die die Reparations- und Schuldenpolitlk so, wie bezeichnet, bestimmen und auch auf den Boden des Wirtschastsmanifestes getreten sind._____

Sohlen... Kein Sandkorn knirscht mehr unter unserem Fuß... Ihr glaubt es nicht... Doch so kommt es... So kommt's...

Unb von neuem läßt er seinen Segler an dem Zauberstöckchen zwitschernd« Kurven zieh'n.

Ist Anakreon wiedererstanden? Hat sich Hafis bekränzt? Pfeift sich Pan ein Lied und wiegt mit schwenkenden Armen sich tanzend auf den Zehen?

Alle Köpfe aus den Hotelterrassen verrenken sich nach dem seltsamen Bild, als begäbe sich ein Mythos. Alles Dolk aus der Straße sammelt sich um den Tänzer. Alle verstehen das Wunder der Trunkenheit I Und die Sehnsucht darnach wird wach in ihnen allen und seufzt über die Fessel tor "Nüchternheit. die ihnen wehrt, nach demselben Spielzeug zu greifen, an das sich der wankende Alte wie ein Kind verlor. Kein Flugzeugpilot fühlte je so trunken den Flügel. Er tanzt ihre Jugend, er tanzt ihre Freiheit, er tanzt ihre Sehnsucht den Rausch der Schwinge.

Kein Steinchen klebt mehr an unseren Sohlen... Ohne Erden schwere schwebt tor Fuß... So kommt es, seht, so werden wir fliegen..."

Und er führt es den verlegenen Zuschauern zum zwanzigsten Male vor, als glaubten sie's nicht, weil sie lächeln.

Und als lächelten sie, weil sie ihn nicht verständen, wendet er immer wieder sich andern zu, die schon lächelnd auf sein« Ansprache warten.

So werden wir Hie gen... Ohne Erden­schwere. .. Seht es unZ> glaubt8.

Er wird nicht müde, die Schwalbe über ihren Häuptern schwirren zu lassen, bis er, die Dellenschlangen selbstvergessen ums eigne Haupt sich schlagend, mit dem zwitschernden Zukunfts- Dogel sich ins Freie verliert.

Aber nachts, hinter monddurchslossenen Scharten der Läden, hören sie noch auf ihren Lagern, toie es durch die stillen Dassen schwankt und im Dunkel für sich hin summt:So werden wir fliegen, mein Scywälblein... So werden wir"

Und leise zwitschert >er Motor im Leibe des Dögleins mit durch die Mondnacht,

tiven Zwecken.

Auch ber Außenpolitiker muß diese Erwägun­gen hereinziehen, denn ihm muß es darauf an­kommen, daß der national und wirtschaftlich richtige Standpunkt von der deutschen Politik und Wirt­schaft genommen wird zu dem Gesamtkomplex von Dawesplan und Kriegsschulden zwischen Amerika und Europa und daraus sich ergebend zu der kon­kreten Frage der Revision des Dawes­planes. Da die Dinge auf der anderen, der maß­gebenden nordameriktinschen Seite so einheitlich ge­faßt werden Frankreich merkt es ja eben am eigenen Leibe, so müssen wir es auch tun!

daß der einzelne seine Gelder zurücklegt; er muß sie auch produktiv und rentabel anlegen, damit die Gelder der Gesamtheit zur Verfügung gestellt werden können und für den einzelnen ein Gewinn erzielt wird. Der Sparer, der nicht in tor Lage ist, selbst die Gelder in der Wirt­schaft zu verwenden, findet Anlagegelegenheit bei seinem Geldinstitut, bei ferner Sparkasse. Diese Stellen gewähren dem einzelnen eine den Zeitverhältnissen entsprechende Verzinsung und führen die Spargelder der Wirtschaft zu Der Gewerbetreibende oder Handwerker, der zur Fort­führung oder Erweiterung seines Betriebes Geld- mittel benötigt, erhält aus den Spareinlagen f Kredite und Darlehen. ein anderer Teil der Spar­einlagen ftiebt dem Hausbefitzer zu, der Hypo­thekendarlehen auf sein Anwesen nachsucht, oder aber dem ländlichen Grundbesitzer. der aus feinen Grund und Boden Kredite aufnehmen möchte, um nötige Anschaffungen für seine Wirtschaft zu machen. Schließlich wird ein Teil der Gelder ton Gemeinden und Gemeindeverbanden über­lassen, damit diese die im Interesse der Be­völkerung liegenden wirtschaftlichen und sozialen Ausgaben (Dau von Wasserleitungen. Bau von Elektrizitätswerken, Kanalbauten, Schulhausbau­ten usw.) erftillen tonnen. Wir sehen also, daß tor Sparer nicht nur in seinem Interesse vor­teilhaft handelt. wenn er spart, sondern auch im Intereste der gesamten Volkswirtschaft, der auf diese Weise Mittel zur Arbett zur Verfügung gestellt werden. Das Interesse der Gesamt­wirtschaft ist aber wieder mit dem Interesse des einzelnen auf das engste verknüpft, da der ein­zelne aus den Erträgnissen der Gesarntwirtschast Ruhen zieht dadurch, daß ihm auf Grund eines günstigen Standes der Gssamtwirtschaft Erleichte­rung geschaffen werden kann.

Zu welchen Ergebnissen die praktische Betätigung des Sparsinns führt, dar­über geben die Sparlassenstatistiken den besten Aufschluß. Im letzten Jahre also vom 31. Oktober 1925 bis 31. Oktober 1926, wurden den deutschen Sparkassen rund 1,2 Milliarden Mark aus den Kreisen der unteren und mittleren Devolkerungs- schichten in Form von Spargeldern zugeführt und damit der Spareinlagenbestand von 1,5 Milliar­den Mark auf 2,7 Milliarden Mark gesteigert. Trotz der geringen Einnahmen der unteren und mittleren Devölkerungskreise und der erschwerten wirtschaftlichen Verhältnisse haben die deut­schen Sparkassen seit der Stabili­sierung wieder 2,7 Milliarden Mark an Spareinlagen erzielt, ein Betrag, der 14 Prozent tor Vorkriegssumme entspricht. Von welcher Bedeutung die Spartätigkeit tor unteren und mittleren Bevölkerungsschichten vor dem Kriege war. ergibt sich aus einem Vergleich tos

Das Willingshausen von heute.

Don Will Scheller.

WaS für Oberbayern Dachau bedeutet, und für Riedersachsen Worpswede, diese Ramen zu stilmähigen Grundbegriffen neuerer deutscher Kunst erhebend, das gilt, und zwar vom geschicht­lichen Standpunkt aus gesehen, schon beträchtlich längere Zeit, vom hessischen Willings­hausen. Deretts in ton vierziger Jahren näm­lich des vorigen Jahrhunderts hat das weitab im idyllischen Erlental der Antreff gelegene Schwalm do rf mit seinen an alter Lebensform, namentlich an der Tracht festhaltenton Bewoh­nern deutsche Künstler angezogen, unter tonen zuerst Ludwig Knaus Weltruhm gewann. Se.t- dem sind Jahr für Jahr Maler in Willings­hausen zu Gast gewesen, insonderheit natürllch Landschafter und Dauermnaler, und viele davon find zeitlebens regelmäßig in dem naturhaften Frieden tos reizvollen, einer geheimen Romantik nicht ermangeln ton Ortes eingekehrt. Die Ge­schichte der Künstlergenerationen, die hier starke Anregungen empfangen und hochwertige, teilweise sogar volkstümlich gewordene Werke geschaffen haben, ist noch nicht geschrieben: es fei darum bei dieser Gelegenheit nur an einige tor nam­haftesten von heute, an Hans von Volk- mann, Earl Danher, Heinrich Otto f. Wil­helm Thielmann t. erinnert, aus deren Ent­wicklung Willingshausen ebensowenig wegzu- benfen ist to:e sie selbst aus der Entwicklung von Willingshausen. Freilich: eine Malerkolonie wie Dachau und Worpswede ist das Dörfchen nicht geworden, konnte es nicht werden, weil es. wie gesagt, zu weitab liegt vom großen Ver- kehr. ilrtb ebend'es gibt ihm ja seinen Wert. Rur einer war seßhaft geworden. Wilhelm Thiel- mann. ton echte Künstlertragik! tor Tod iah rief in dem Augenblick, da er das lapq er­sehnte eigene Hans beziehen wollte. Seme Gattin hat mm eine »Werkstätte für Schwälmer Dauern- fttderei eingerichtet, wo die uralten schönen Muster bodenständigen K' nstgewerbes neu belebt vnd nicht nur der großen Welt vermittelt, sondern vuch der Dttwlkerung selbst wieder nahegebracht