Einzelbild herunterladen

Samstag, 50. Oktober 1926

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Nr. 255 Zweites Blatt

iiimot

te HeU!mi5 öet ameritonMeg üMtmitefMlelt

Von Herbert Hoover, Handelssekretär der Regierung der Vereinigten Staaten, Washington.

Slawische Politik.

Don Dr. Eduard 2 ene sch, «Außenminister der tschechoslowakischen Republik. Die Formulierung der sogenannten slawischen Politik der slawischen Staaten: Jede offizielle Politik eine- slawischen Staates soll und muh die Idee der Verwandtschaft der slawr- fchen Völler, die Existenz des Derwandtschafts- gesiihlS der sprachlichen und kultu- rellenVerwandtschaft in Atracht jiefcen. Sine solch« Politik darf nicht gefüHlsmähig sem, obwohl sie mit der Existenz dieser Gefühls- faktvren rechnet. , . .

Daraus ergibt sich die G e m e r n s a m k e t1 der Politik in kulturellen Dingen. 3m ganzen akzeptiere ich hier das, was der Kon­greß in den Jahren 1848 und 1867 »u formulieren begann und was dann noch realistischer der Tlep- slawismus zu verkünden anfing. Ich werde die Dinge nicht im Detail durchneymen. Ss bedeutet die weiteste Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Literatur und der Kunst, der kulturellen Organisationen überhaupt, auf dem Gebiete der Technik und der wirtschastlichen Or­ganisation. Hier haben die fachmännischen Kreise die Pflicht, mit ihrer eigenen Initiative sich voll zu betätigen. Der Staat muh mit seinen Mitteln hurch die offizielle Politik helfen. Die tschecho» slowakische Republik bemüht sich, diese Politik mit dem westlichen Europa, vor allem mit Frank­reich und den angelsächsischen Ländern, durch­zuführen', aber sie muh sie nur um so energischer mit den slawischen Staaten betreiben. Sie soll ihnen bellen und von ihnen selbst lernen.

3d) möchte, dah man in der Zusammenarbeit ttnb in der kulturellen Gemeinschaft n i ch t s Mystisches seh« und suche. So wie wir auf kulturellem Gebiet eng mit Frankreich ar­beiten, so wie wir natürlicherweise deutschen Einflüssen unterliegen, möchte ich systematischer und gründlicher noch die Beziehungen mit den anderen slawischen Völkern gepflegt sehen: neben den 3ugoslawen vor allem mit den Russen und den Polen Wir können uns gegenseitig gewiß viel bieten. 3ch erachte es für einen Fehler, allen diesen Beziehungen gleich Ziel und Pläne einzelner Richtungen und politischer Gruppen zu unterlegen. Darin könnte heute eines der hauptsächlichsten Hindernisse wirkNcher kultu­reller slawischer Beziehungen liegen. Sine un- rwlitische Aktion, ohne Tendenz und ohne Be- tonung bestimmter politischer Ziele hat dagegen oft einen großen politischen Einfluß.

Ich wünsche, dah bei unS eine russisch- tschechoslowakische, eine polnisch-tschechoslowakische usw. Gesellschaft oder ein Institut für kulturelle Beziehungen bestünde, die ausdrücklich ablehnen würden, sich mit ausgesprochen politischer und tendenziöser Agitation und politischer Propa­ganda zu beschäftigen. Ich möchte, dah die kul­turelle tschechoslowakisch-russische Zusammenarbeit diejenigen machen, di« keine Politik treiben wollen, oder die nicht das Monopol deS Ver­kehrs mit der rechten oder linken russischen Welt für sich usurpieren. Ich würde mir mit einem Worte wünschen, dah unsere Zusammenarbeit mit der slawischen Welt vor allem die kultu­rellen Kreise, keineswegs die Politiker machen. Dann wird dies auch für die Politik gute Früchte tragen. Sonst entstehen daraus leicht leicht poli­tische Parteikämpfe, die alle ernsten Gelehrten und Künstler aus dieser kulturellen Arbeit ver­treiben werden.

Das bedeutet keineswegs, daß die Bemühun­gen ihn slawische Einigkeit und Zusammenarbeit aus kullurellem Gebiet nichts mit Politik zu tun haben, wie es unrichtigerweise der Reoslawismus in einer Zeit verkündete, wo sich Politiker mit kulturellen Dingen beschäftigten, weil dies die einzige Polltik war, die sie mehr oder weniger ungestört betreiben konnten. Ich sage nur, daß eS heute im Gegenteil mögllch ist, das Prinzip der geteilten Arbeit zur Geltung zu bringen, diese Gebiete zu trennen und die ganze Tätigkeit intensiver und leichter zu gestalten. Ich möchte auch, dah man nicht nach parteiischen Glaubens­lehren in der Wissenschaft, Philosophie. Literatur und Kunst oder in der Technik politisiere und so das unmöglich mache, was wir unpolitische Poli­tik nennen und was oft die reichsten Früchte trägt.

Das erste Viertel des 20. Jahrhunderts hat eine völlige Umwälzung in Kultur und Wirtschaft un­serer Zeit gebracht. Erhöhte Anwendung von Dampfkraft und Elektrizität, erweiterte Verwen- duna von arbeitssparenden Maschinen, der rapide Aufschwung des Transport- und Nachrichtenwesens, tun, all die modernen Errungenschaften unserer sehr verfeinerten Technik haben die Struktur unseres Zeitalters völlig verändert. Natürlich haben diese Veränderungen auch zu gewissen Zeiten zu Rei­bungen sozialer und innerpolitischer Natur geführt. Ich glaube indessen, daß im amerikanischen Indu- strresystern dieser Reibungskoeffizient allmählich ge­ringer wird.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Entwicklung durch den Weltkrieg stark beeinflußt wurde. Trotzdem ist sie weit mehr als eine Kriegs­folge, denn fie entspringt den innersten Lebensan­schauungen der Nation. Amerika fühlt heute bereits in immer stärkerem Maße den Umschwung seiner wirtschaftlichen Bedeutung auf dem Weltmarkt und die Steigerung seines Einflusses auf allen Kultur- gebieten. Schemenhaft, aber doch in den Um­rissen erkennbar, hebt sich auf dem Hintergründe wirtsä;aftlichen Geschehens ein neues Verhält­nis zwischen Industrie und Arbeiter­schaft und völlig neuartige Beziehungen zwi­schen Industrie und Verbraucher ab. Diese Entwicklung unterscheidet sich in wesentlicher Weise von derjenigen Europas, wo man gerade erst anfängt, sich den Geboten einer neuen Zeit mehr und mehr anzupassen. Amerika ist schon lange seinen eigenen Weg gegangen, und daß dieser Weg der richtige ist, zeigt sich an der Verbesserung des allgemeinen Lebens st andards und an der immer weiter um sich greifenden Hebung weiter Schichten des Volkes.

Trotz aller Erfolge fühlen wir, daß wir lange noch nubt am Ziel sind. Wir Streben noch nach einem Wirtschaftssystem von höchstmöglicher S t a- b i 111 ä t, nach einem System, das eine dauernde Beschäftigung unserer Arbeiterschaft und einen regelmäßigen, nicht durch krisenhafte Erscheinungen unterbrochenen Wirtschaftsgang ermöglicht. Wir wünschen ein Wirtschaftsprogramm, dos unseren Ersparnissen erhöhte Zinsen gewährt und bas den Zufallsfaktor und das Spekulationsmoment nach Möglichkeit ausschaltet. Es ist kaum denkbar, daß alle diese Ideale in einem Menschenalter verwirk licht werden können, vielleicht sind sie überhaupt unerreichbar. Wir haben aber bereits in den letzten 25 Jahren so große Fortschritte gemacht, daß wir mit berechtigtem Stolz auf diese Fortschritte zurück­blicken dürfen. Dos Handelsamt kann die Wahr­heit dieser Tatsache durch statistische und wirtschaft­liche Unterlagen beweisen.

Um einen unserer wichtigsten Erfolge, in dem zum Teil bas Geheimnis ber amerikanischen Wett­bewerbsfähigkeit liegt, zu erwähnen, mag daraus hingewiesen werden, daß sich in den letzten fünf­undzwanzig Jahren das Verhältnis unse­res Unternehmertums zur Arbeiter­schaft grundsätzlich verändert hat, besonders soweit

Verträge ün Widerspruch mit den Bestrebungen ber Agrarparteien der anderen slawischen Staa­ten befinden. Wirtschaftlich sind die Agrarparteien in der gesamt-staatlichen Handelspolitik Konkur­renten. _

Ich wiederhole: Die Idee der allgemeinen llawischen Zusammenarbeit verträgt wenn sie richtig aufgesaßt wird keine parteimäßige Ab­stempelung. weder eine bürgerliche noch eine sozialistische, weder eine agrarische noch eine katholische, sie kann nur all national und gesamt­staatlich lein.

'S ad bedeutet nicht, dah die einzelnen '>oli* tischen Parteien nicht jede in ihrer Sphäre die Bestrebungen für Annäherung der slawischen Staaten unterstützen können. Ich lehne j:doch das Bild neuer slawischer Ideologen ab, die wissen­schaftlich ebenso unmöglich sind, wie es die alt­slawische monarchistische, sozialistische, kommuni­stische. unionistische oder orthodoxe Ideologie war.

sah man unter anderen die vormals großherzog- llch hessische Familie. Der Beifall war ftart^

Hochschulnachrichlen.

Prof. D. Dr. Georg Wehrung in Mün­ster i. W. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie an der Universität Halle als Aachfolger von Prof. H. Stephan angenommen. Das Institut für Organisationsleyre und Soziologie (Prof. Dr. Ioh. Plenge) in Münster ist aus dem Kreis der wissenschaftlichen Anstalten der Fakultäten herausgenommen und eineselbständige wissen­schaftliche Forschungsanstalt" geworden, die .zu­gleich den Zwecken der Hniversität bient. Zum Direktor der Kunst- und historischen Samm­lungen des Hessischen Lanbesmuseums in D a r rn- stad t wurde als Rachfolger des in den Ruhe­stand getretenen Geh. Rats Prof Dr. Friedrich Back der Kustos Prof. Dr. phil. August Fei- g e l ernannt. Dr. Feigel ist Vorstand des Hes­sischen Denkmalarchivs und Mitglied des Hessi­schen Tenkmalrates. Seine Veröffentlichungen be­treffen deutsches Mittelalter. Gebürtig aus Dens- heim a. b. CB., studierte er in Freiburg, Berlin und Halle, besonders unter Goldschmidt und Wölfflln und promovierte 1907 mit einer Arbeit Sie Stiftskirche zu Wimpfen und ihr Skulpturen- schmuck". Seit 1908 ist Dr. Feigel am Landes­museum in Darmstadt tätig. Für das bevor­stehende Wintersemester sind an ber Hniberfität Frankfurt a. M. folgende theologische Vor­lesungen angekündigt: Probleme des Gottes- namenS und ber göttlichen Gegenwart (Exobus 3 und 25 bis 40), Dr. M. Bube r; Hebungen über Exodus 3 und 25 bis 40, Buber; Der Römer- brief und Karl Barths Auslegung, Pfarrer Pros. D. Wilh. CBornemann; Äeutestamentliche Hebungen, CBornemann; Die Grundfragen und Grundlagen des christl. Glaubens, Pfarrer Lic H. ©reiner; Deutscher Glaube in seinen geschichtlichen Wandlungen, Oberftubienrat Pros. Dr. Julius Richter; Vergleichende Konfessions- tunbe, Pfarrer Lic. theoL Dr. jur. et phil. K. Schwarzlose; Evangelische Rebenkirchen und Sekten ber Gegenwart, Schwarzlose. Der Privatdozent für innere Medizin an der Hni- versität Frankfurt a. W- Dr. med. Karl Westphal ist zum nichtbeamteten auherordent-

Die Staaten und die Regierungen werden bann ihr offizielles Pfund hierzu beisteuern: Subventionen, Stipendien, Gründung slawischer, russischer, polnischer, jugoslawischer Institute. Aussendung von Professoren, Studenten, Künst­lern usw. Die Resultate werden sich auch auf politischem Gebiet einstellen. Ich wiederhole: aus kulturellen Beziehungen darf keine mystische, slawische kulturelle Vereinigung gemacht werden. Ich will nur, bah das, was wir schon mit an­deren Böllern tun, auch mit slawischen Völkern gründlicher, vertiefter, systematischer und ernst­hafter zu tun beginnen. Bisher haben wir davon nur gesprochen. Roch im Lause dieses Jahres wird, so hoffe ich. ein slawisches Institut bei unS ins Leben gerufen werben; dann kommen andere Dinge in demselben angebeuieten Sinn, und die weiteren Folgen werden sich schon ein- ftellen.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit ift ber dritte wichtige Punkt der praktischen slawischen Politik. Auch was diese Frage anbelangt, wurde schon genügend besprochen, und ziemlich wichttge Vorbereitungen sind in früheren Zeiten bereits getroffen worden. Aber auch hier wünsche ich mehr Realismus und ernste Arbeit. Dor allem möchte ich nochmals vor mystischen Vorstellungen über die sogen, slawische Union und das slawische Gefühl warnen. ~ ,

In ber Wirtschaft geht es um Geld, das heißt um eine Frage, in welcher der direkte Egoismus jedes einzelnen am schärfsten ist, und wo das Rechnen aus'Gefühle und Brüderlichkeit nicht nur unrichtig, sondern ein politischer Fehler, eine Beschränktheit und eine Dummheit ist. Alle Theorien der politischen Ideologen und Enthu­siasten werden unweigerlich scheitern, wenn sie damit nicht in hinlänglicher Weise rechnen.

Demgegenüber werden Gefühle und slawische Brüderlichkeit sehr häufig zur Berechnung und zum Vorwandpatriotischer Geschäftsleute. Eine solcke stawische Zusammenarbeit führt dann zum wayren Gegenteil, zur Enttäuschung, zur Unmög- kichmachung wirtschaftlicher Verbindungen und zum Zerschellen wahrer slawischer Dezi-Hungen. Die Qualität schlechter Ware, schlechte Lie­ferungen und rücksichtslose Ausnützung der Kun­den lassen sich mit Berufung auf slawische Bru­derschaft nicht beschönigen

Im wirtschaftlichen Leben ist reelle Zusam­menarbeit nötig, die auf Interessen und gegen­seitigen materiellen Vorteilen beruht. Für die wirtschastliche Zusammenarbeit stawischer Völker, wenn sie unter dem Losungswort wirtschaftlichen Zusammenwirkens und slawischer Eman > ation betrieben wird, ist Solidarität und r-rlles Ge- bahren notwendiger als anderswo. Sonst wird gerade hierdurch jede stawische Zusammenarbeit im vorhinein erschlagen.

Deshalb müssen wir uns hier ebenso wie in kulturellen Dingen sagen: Keine Illusion, Zu­verlässigkeit und Festigkeit, systematisches Auf­bauen wirtschaftlicher Beziehungen die nicht auf der Ausrufung von Gefühlen stawischer Brüder­lichkeit, sondern ausschließlich auf guten Resul- taten und auf dem materiellen Vorteil beider Parteien beruhen Gründllches Durcharbeiten des Programms der auf Berechnungen aufgebauten Zusammenarbeit, systematisches Studium der ge­genseitigen technischen, industriellen, bobenhil- tureden und anderen Möglichkeiten; und wenn das geschehen sein wird, können wir und nach­träglich auf allslawischen Vorteil und allstawische Interessen berufen.

Zu diesen Prinzipien gesellt sich bann die wirtschaftliche Handelspolitik der Staaten Auch sie kann nur aus den soeben angeführten Voraus­setzungen aufgebaut werden, denn wenn sie es wagen würde, sich nur ein einziges Mal auf brüderliche Gefühle zu berufen, würden bei der ersten Gelegenheit Parlament und Oeffentllc^eit der Regierung gehörig sagen, was es heiße, für den Staat ungünstige Handelsverträge zu schlie­ßen auch wenn es zugunsten eines CBruber- staates wäre. Wir haben den Staat erst seit sieben Jahren, aber so naiv ist bei uns niemand mehr, .daß er sich beim Entwerfen von Handels-wirt­schaftlichen Verträgen auf brüderliche Gefühle beriefe. Ich möchte auch, daß dies aus der land­läufigen Terminologie der professionellen Prv- pagatoren des Slawentums verschwinde, weil es

Löhne, Arbeitszeit und allgemeine Arbeitvverhält- niste in Frage kommen. Es ist noch gar nicht |o lange her. daß auch der amerikanische Fabrikant aus den Standpunkt stand, daß es sein eigener Vorteil wäre, wenn ein möglichst großes Heer von Arbeitslosen bestände und wenn dieses Heer von Arbeitslosen durch freie Einwanderung künstlich vergrößert würde. Damals war man auch der Auf­fassung, daß niedrigste Lohnsätze in Ver­bindung mit längster Arbeitzeit die einzigen Mittel wären, die Produktionskosten so weit als möglich herabzudrücken und die Gewinnquoten zu vergrößern. Es ist andererseits noch nicht viele Jahre her, daß unsere Gewerkschaften den Stand­punkt vertraten, daß eine möglichst geringe Einzelleistung des einzelnen Arbeiters die beste Gewähr für dauernde Arbeitemöglichkeit einet möglichst großen Zahl von Arbeitern wäre.

Wir haben aber jetzt bereits eine ziemliche Strecke auf dem Wege der neuen Erkenntnis zu­rückgelegt. Es ist uns allen klar, daß das Wefent- liche, ja die Quintestenz einer Massenfabrikation hohe Löhne aber niedrige Verkaufs- preife sind. Das ganze System ist in dem Be­streben verankert, den Umfang des Konsums nach Möglichkeit zu vergrößern, um dadurch die Produk­tion nach Kräften anzuregen, den Reallohn zu steigern und den allgemeinen Lebensstandard des Arbeiters entsprechend zu erhöhen. Auch wir haben in Amerika zeitweilig schlechte Zeiten durchgemawt, wenn auch lange nicht in dem Ausmaße wie dies in Europa der Fall war, und zwar lag der Grund des geringeren Ausmaßes der Depressionserschei- nungen vornehmlich In unserem weiten und sehr aufnahmefähigen Inlandmarkt. Aber selbst in kri­tischen Zeiten haben bei uns die Unternehmer eher alle anderen Mittel versucht, ehe sie zu einem Lohn­abbau schritten. Sie haben sich lieber mit dem Ge­danken der Rationalisierung ihrer Be­triebe, der Derbesterung der Dettiebsorganifa- tionen und mit der Einführung arbeite- fparenderMaschlnen befaßt, sie haben lieber den Produktionsprozeß zu verbessern und den ver-

Im Rahmen einer Festvorstellung anläßlich der Tagung des deutschen China-Jnstttuts veran­staltete das Schauspielhaus die Urauffüh­rung zweierChinesischer Spiele" in der Hebersetzung von Richard Wilhelm und Inszenierung von Fritz Peter Buch. Die beiden Spiele zerfallen in zwei Teile,Das Spiel vom Schmetterlingstraum , ein wundervoll buntes Märchen von dichterischem Rhythmus beschwingt und voll ttefer Symbolik.Der gespaltene Sarg" behandelt das gleiche Motiv, nur ist hier die Zartheit des poetischen, mit der Wirllichkeit ver- schwimmenden Traumes zur stärker auftragenben Satire umgewandelt. Tschuangtse, der Weise und Zauberer, wird im traumhaften Gespräch mit einem Totenschädel von der Hnvollkommenheit des Lebens belehrt. Dieses Totenschädelgespräch ist Höhepuntt der Dichtung, im Vergleich mit Shakespeare ergibt es sich, dah philosophisch- dichterische Gehirne in Ost und West, einerlei zu toekfcen Zeiten, von den gleichen Problemen bewegt wurden (und werden). SHe über allen thronende Kuanhin, Wetv, der Schützer der Leh­ren und die vier Himmelskönige beschließen, Tschuangtse zur Erkenntnis menschlicher Untreue zu verhelfen. So erscheint ihm Kuanyin als junge Witwe, das frische Grab ihres Gatten trocken fächelnd, um schneller zu neuer Che zu gelangen. Argwöhnisch beschließt der Weise sein Weib Tian zu prüfen, indem er selber den Toten mar- fiert und sich in einen Prinzen aus dem Süden verzaubert. Und stehe, am Sarge des Gatten verfällt Tian schon dem Banne des jungen Prinzen. Roch krasser und nicht ohne H ' wird dieser Vorgang imGespaltenen Sarge" geschildert. Beide Spiele schließen mit dem Hohn­gelächter des nun wirklich weise gewordenen Tschuangtse. Die Aufführung war stilistisch und darstellerisch von stimmungsvoller Geschlos­senheit und atinete den Geist des stets von Zau­berern, Geistern, Blumen und Schmetterlingen träumenden Osten. Für die Cchth it der Gewänder und ihre Farbenpracht zeichnete Dr. L o। w>m China-Institut verantwortlich. Taube (Tschu­angtse), Pfeil (Totenschädel), Kundry Sce- v e r t (Tian), Schiller (Prinz) und im zweiten Teil Ettels prächtiger Diener verhalfen diesem ethnographisch-künstlerischen Theaterabend zum verdienten Erfolg. Das vollbesetzte Haus hatte ein äußerst festliches Gepräge; in den Logen

waltungstechnischen Apparat ihrer Betriebe zu ver­feinern gesucht. Die Durchführung dieser Dcrbesse- runaen hat dadurch oft trotzder durchgängig ge- zahlten hohen Löhne die Produktionskosten per Einheit der Erzeugung unter denjenigen Kosten gehalten, die Länder mit billigeren Arbeitskräften und erhöhten Arbeitsstunden zu zahlen verpflichtet

Frankfurter Theater.

Das Grabmal des unbekannten Soldaten", Tragödie von Paul Raynal (Hebersetzung Hedwig v. Gerlach), im Reuen Theater. Raynal will dem unbekannten Sol­daten, dem durch den Krieg plötzlich aus dem Privatleben gerissenen Menschen, der bis zu den ersten Augusttagen 1914 noch in seinem Deruf für sich und die Seinen eine bestimmte Persönlichkeit darstellte, die dann in der uni­formierten, kämpfenden Masse versank,- auch in der Literatur ein unvergeßliches Grabmal setzen. Dieses Vorhaben gelingt ihm aber nur teil­weise, denn seine vom Krieg umbrandeten Men­schen werden mitunter blutlos unter schwülstigem Pathos. Die Handlung ruht auf drei Pfeilern, Sohn, Vater, Braut. Der Sohn kommt auf Hrlaub nach Hause, er will Hochzeit halten mit seiner Braut, die feit Kriegsbeginn bei seinem Vater lebt Ein unerbittliches Telegramm ruft ihn zurück in die kommende Offensive. Stets den Tod vor Augen, will er die letzten vier Stunden, die ihm für Braut und Vater bleiben, sehnsüchtig ausnühen. Aude, die Braut, schenkt ihm die letzte Rächt, dann aber, da sie hort, daß der Krieg noch lange dauern wird (Zeit des Spieles: Herbst 1915) gesteht sie, daß ihre Liebe an diesem Kriege sterben wird, schon in der Agonie liegt Auch fein Vater steht ihm inner­lich entfremdet gegenüber. So geht denn dieser, von keinem der Seinen mehr recht gekannte, unbekannte Soldat zurück an die Front, welche den sicheren Tod bringt. Drei Menschen quälen sich ab und schreien sich ihre Qual ent« ?egen. aber durch ihr Leiden klingt ein theatra- ischer Ton. Man hätte sich die Ausführung, Regie Alfred Roller, straffer, weniger an der Hohlheit langatmig konstruierter Sätze kle­bend, gewünscht. Von den Darstellern fand sich Hilde Wall als Aude noch am besten mit ihrer durchaus nicht leichten Rolle der Braut ab. Otto D r a m l gelang es nicht immer, den Sol­daten menschlich zu durchdringen, obwohl er gute Momente hatte. Der Vater Lothar Körner jedoch schien eure offensichtliche Fehlbesehung der Regie. Das Publikum spendete am Schluß lebhaften Applaus.

lichcn Professor ebenda ernannt worden. Am 22. Oktober verschied der Honorarprofessor für romanische Philowgie an der Hamburgischen Hniversität Dr. phil. Hermann H r t e l im 54. Lebensjahr. Der aus Sttatzburg in Elsaß gebürtige Romanist war Mitglied der Baskischen Akademie In Bilbao. Der nicht etatsmäßige außerordentliche Professor an der Hniversität Freiburg i. CB. Dr. Friedrich Schürr wurde vom 1. Oktober 1926 ab zum außerordentlichen! Professor der romanischen Philologie mit beson­derer Berücksichtigung der italienischen Sprache und Literatur an der Hniversität Graz ernannt. Der Donner Privatdozent Dr. jur. Ger­hart H u s s er l Ktt den Rus auf den Lehrstuhl für bürgerliches Recht an der Hniversität Kiel als Rachfolger von Prof. Maschke angenommen. Schon bisher bestand an ber Wiener Akademie der bildenden Künste ein Lehrauftrag für deutsche Sprache und Literatur. Dieser Lehrauftrag wurde nunmehr auf Antrag des Professorenkollegiums zu einer planmäßigen außerordentlichen Professur auSgestaltet und dem Privatdozenten an der Wiener Hniversität Dr. Heinz Kinder­mann übertragen. Der durch den Weggang des Professors W. Seelen nach Bonn an ber Hniversität Greifswalb erledigte Lehrstuhl für allgemeine Pathologie und pathologische Ana­tomie ist dem a. o. Professor und Prosettor am pathologischen Institut der Hniversität Würz­burg Dr. med. Ernst 6 eupo 1 d angeboten worden. Der a. v. Professor und der Oberarzt an der medizinischen Klinit ber Hniversität Er­langen Dr. Erich T o e n n t e I f e n ist als Rachfolger des Sanitätsrates Prof. Dr. William Rosenblath zum dirigierenden Arzt der inneren Abteilung des Landkrankenhauses in Kassel berufen worden. Die Bildstelle des Zentral­instituts für Erziehung und Hnterricht, Berlin, wird in Gemeinschaft mit dem Filmseminar des Dllbspiegelbunbes deutscher Städte vom l.Ro- vember bis Mitte Dezember einen Lehrgang für technische Leiter von Lichtbildveranstakungen an Schulen und in der Jugendpflege in Berlin abhalten, ber aus täglichen Hebungen, Vorfüh­rungen und Vorträgen besteht. Am 18. Dezember wird vor dem Berliner Prüfungsausschuß die Prüfung zur Erlangung des Zeugnisses für tech- nifche Letter abgehalten.

waren.

Es gibt keinen besseren Beweis für das rapide Anwachsen unserer Massenfabrikation durch Ein- uhruna arbeitssparender Maschinen als die Tat- oche, daß wir heute etwa viermal so viel Ma- chinenkräfte in der Industrie verwenden als zu Anfang des Jahrhunderts. Damals brauchten wir etwa 13 Millionen HP. in unseren industriellen Betrieben, heute etwa 55 Millionen HP. Zu glei­cher Zeit sind auch die Arbeitszeiten ständig abge­baut worden. Wir haben heute in einem unserer leistungsfähigsten Betriebe die Fünftage- Woche einfuhren können. Man kann also keines­wegs davon sprechen, daß arbeitssparende Maschinen

nur die öffentliche Meinung verwirrt und der richttgen Auffassung wirtschaftlicher Zusammen­arbeit ber siawüchen Staaten hinderlich ist.

'Da will ich nur nebenbei eine Frage be­rühren: In letzter Zett wirb der Gedanke flawi- scher Gemeinsamkeit auf agrarischer Basis pro­pagiert. Ich will die Angelegenheit nicht im Tetail berühren, konstatiere jedoch dah ein Eich­berufen auf agrarische Gemeinsamkeit ausschließ­lich dem Aufschwung und ber Autorität einer agrarischen Partei, im Hinweis auf Ausschwung der analogen Partei in einem anderen llawischen Staat bient Mit dem eigentlichen Slawentum hat bas jedoch nichts gemein. Es gilt hier dasselbe, was ich bereits von Parteiwesen und Slawentum im allgemeinen gesagt habe.

Hierzu bemerke ich noch, daß sich unter den heutigen Verhältnissen die wirtschaftlich jungen slawischen Staaten, weil fie vor allem Agrar- ftaaten sind, bei ber Abfassung handelspolitischer