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Es ist auch unannehmbar, wenn es durch eine Sicherungs- oder Transferklausel ergänzt wird. Die deutschen Zahlungen müssen, so führte Marin weiter aus, nach den Be­stimmungen des Versailler Friedens­vertrags zunächst ausschließlich zum Wiederaufbau der zerstörten Ge­biete benutzt werden, Unsere Würde wie auch unser Interesse untersagen es uns, daß wir frei­willig uns in einen Zu st and der Ver­sklavung begeben. Marin sagte zum Schluß, daß die Staatsmänner, die gegen die öffentliche Meinung Frankreichs gegenüber Amerjka bin­dende Abmachungen eingehen, es verdierren, vor den ober st en Staatsgerichtshof ge­sellt zu werden.

DerPetit P a r i s i e n" schreibt, in dem Absatz der Regierungserklärung, der sich mit der Stabilisierung befaßt, werde ausgeführt, daß zunächst verschiedene Stadien mit Erfolg zurück- gelegt werden müßten. Das Problem des Staatsschatzes, die interalliierten Schulden und die Stabilisierung würden als untrenn­bare Einheit aufgefaht. Cäillaux werde sich sofort nach Beginn Der Parlamenisferien nach London begeben, um die Verhand­lungen mit Churchill wieder aufzunehmen. Im Gegensatz zu diesen Erklärungen aus franzö­sischer Quelle teilt derRew - Bork H e r a l d" mit, daß der neue Gouverneur der Bank von Frankreich angewiesen worden sei, Verhandlun­gen mit dem Gouverneur der Dank von England und dem Präsidenten der Fe­deral Reserve-Dank von Aeuhork, die sich beide in Frankreich aufhalten, aufzuneh­men und die Frage der Kredite für die Franken­stützung anzuschneiden. Es soll sich dabei nicht um direkte Anleihen handeln, sondern lediglich um Fonds für die französische Regierung, die im Ausland zur Durchführung 'der Frankenstabili- sierung 'bereit stehen.

Amerika gegen neue Schuldenverhandlungen.

Paris, 29. Juni. (SU.) Rach einer Mel­dung desReuhork Herald" aus Washing­ton wird in offiziellen amerikanischen Kreisen erklärt, daß kein Gesuch der französi­schen Regierung, die Schuldenver­handlungen mit den Vereinigten Staaten wieder aufzunehmen oder das Schulden- abkommen abzuändern, von der amerikani­schen Regierung angenommen werden könne. Man sei überzeugt, daß Frankreich die Zahlungen, wie sie im Abkommen festgelegt sind, leisten könne und hoffe, daß die französischen Parlamente das Abkommen in der gegenwärtigen Form annehmen werden. Staatssekretär Mel­lon sei der Ansicht, daß die Sicherheitsklausel des Abkommens genüge und daß, wenn Deutschland mit seinen Zahlungen in Verzug komme, die Vereinigten Staaten einen Aufschub der französischen Zahlungen zu gestehen toürben.

Lösungsversuche im englischen vergbaukonflitt.

London, 29. Juni. (TU.) Wie in unterrich­teten Kreisen verlautet, hat in den letzten Tagen eine Reihe unverbindlicher Besprechun­gen zwischen einer Anzahl an der L ö s u n a des Borgbaukonfliktes unmittelbar interessierter Persönlichkeiten stattgefunden. Im Vordergrund dieser Erörterungen stand die A ch t st u n d e n b i l l der Regierung. Ob es den Führern der Berg­arbeiter noch in letzter Stunde gelingen wird, die Regierung von ihrem Vorhaben abzubringen, trotz der geschlossenen Opposition der ge­samten englischen Arbeiterschaft durch­zubringen, steht im Augenblick noch nicht fest. Es ist jedoch sicher, daß die Regierung über die von den Arbeiterführern oorgebrachten Argumente gegen die Einführung der achtstündigen Ar­beitszeit im Bergbau nicht ohne weiteres hinweggehen werde. In diesem Zusammenhang sind die vor einigen Tagen von dem arbeiterparteilichen Abgeordneten Hartshorn vorgebrachten Vor­schläge wieder in den Vordergrund getreten. Wenn­gleich die Regierung diesen Vorschlägen nicht unsym­pathisch gegenübersteht, so hegt man doch die Be­fürchtung, daß auch eine teilweise Verwirk­lichung der Vorschläge den ersten Schritt zur Rationalisierung des Bergbaues bedeuten würde. Die heute lind in den nächsten Tagen im Unterhaus stattfindenden Kohlendebatten dürften über diese Fragen mehr Aufschluß bringen.

Der Vollzugsausschuß der Berg­arbeitergewerkschaft trat heute zum erstenmal nach der erfolglosen Konferenz mit den Grubenbesitzern vom 9. Juni wieder zu­sammen. Der Vollzugsausschuß faßte eine Ent­schließung, die an dem entschieden st en Widerstand gegen die Regierungs­vorlage festhält. Am Rachmittag trat der Vollzugsausschuß erneut zusammen, um über die Derständigun^möglichkeiten auf der Basis des Berichts der Kohlenkommission zu beraten. Die (Situation ist auch nach diesem Beschluß durchaus ungeklärt. Im Unterhaus führte die Mah­nung eines Konservativen, die Berg­arbeiter sollten an Frau und Kin­der denken, dann würden sie auch gern eine Stunde mehr arbeiten, zu lebhaften Ausein­andersetzungen mit der Arbeiter­partei. Innerhalb des Exekutivkomitees sind die Meinungen zweifellos stark geteilt. Die Ge­fahr der deutschen Konkurrenz wird auch in diesem Stadium der Auseinandersetzung lebhaft geschildert.

Die Zahl der Arbeitslosen in Eng­land betrug am 20. 6. d. I. 1 634 ZOO, das be­deutet eine Zunahme um 4761 gegenüber der Vorwoche und um 335 053 gegenüber der gleichen Woche des Vorjahres. Diese Zahl schließt nicht die eine Million feiernder Berg­leute ein.

Annahme der Achtstundenbill im Unterhaus.

London, 29. Juni. (WSD.) Das Unter­haus setzte heute die zweite Lesung der Vorlage über die achtstündige Ar­beitszeit im Kohlenbergbau fort. Der Unterstaatssekretär für das Bergwesen, Lane F o x, der zunächst das Wort ergriff, wurde während seiner Rede fortgesetzt von der Arbeiter­partei durch ironische und feindselige Kund­gebungen unterbrochen, die stellenweise so stür­misch wurden, daß der Sprecher wiederholt ein- greifen muhte.

Wheatley (Arbeiterpartei) erklärte, dies sei das erste Mal, daß die britische Regierung offen und endgültig Partei in einem industriellen Streit ergriffen habe. Baldwin sei der rea k- tionärste Staatsmann, den es im Zeit­alter der Industrie überhaupt gegeben habe.

Der Führer der Arbeiterpartei, M a c d o - n a l d, führte aus, die Regierung habe die Be­hauptung nicht bewiesen, daß die Vorlage zur Lösung des Dergarbeiterproblems beitrage. Da die Zahl der Unfälle mit der Er­müdung der Bergleute zunehme, sei der acht­stündige Sag für Leben und Gesundheit der Bergleute gefährlicher als der siebenstündige.

Dienstag Rächt hat das Unterhaus in zweiter Lesung das Gesetz über den Achtstundentag int englischen Bergbau an­genommen, nachdem der gegen den Gesetz­entwurf gerichtete prinzipielle Antrag der Arbeiterpartei, der eine organisatorische Zusammenfassung des Bergbaues zu einer De- ttiebseinheit verlangte, mit 3 5 5 gegen 163 Stimmen der Liberalen und Arbeiterpartei abgelehnt worden war. 60 Mitglieder der konservativen Partei enthielten sich der Abstim­mung.

Abd ei Krims Schicksal.

Paris, 30. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Rach demPetit P a r i s i e n haben die fran­zösischen und spanischen Delegierten eine Ent-, scheidung über das Schicksal Abd el Krims und der Rifleute, die sich in seiner Umgebung befinden, getroffen. Abd el Krim werde sehr wahrscheinlich nach einer franko- fisch enKolonie in Afrika, man spricht immer noch von Madagaskar verbracht. Seine Begleiter würden in mehrere Gruppen eingeteilt, von denen jede eine verschiedene Behandlung erfahren würde.

Rach Meldungen aus Marokko sind neue Unruhen an der Rordfront des Ab­schnittes von Fez ausgebrochen. Der Schwieger­sohn Raifulis, Mulei Hamed Beggar, hat sich zum Sultan der Djeballahs ausrufen lassen und hat andere Stämme aufgefordert, seine Oberhoheit anzuerkennen. Zwei andere Führer suchen bei den umliegenden Stämmen gleichfalls an Autorität zu gewinnen. Der alte Rifführer S i d i R a h o hat an die aufständischen «Äämme an der Froitt von Sazza eine Kundgebung gerichtet, in der er zu energischem Wider- st a n d auffordert.

Ser Berliner vertrag in Kraft.

Austausch der Ratifikationsurkunden.

Berlin, 29. Juni. (121.) heute mittag fand im Auswärtigen Amt der Austausch der Ratifikationsurkunden des zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjet­regierung am 24. April 1926 in Berlin unter­zeichneten Vertrages und des zugehörigen Rotenwechsels statt. Der Austausch wurde von deutscher Seite durch Reichsauhen- m i n i st e r Dr. Stresemann» von feiten der Sowjetregierung durch den Botschafter k r e ft i n s k i vorgenommen. Ferner war der Staatssekretär im Auswärtigen Amt v. Schubert anwesend.

Hilfe für die Hochwasser- . gebiete.

Berlin, 29. Juni. (SU.) Der Haus­haltsausschuß des Reichstages be­faßte sich heute mit Anträgen aller Parteien über die Rotlage in den Hochwasser­gebieten. Einen Antrag für die Donaugebiete begründete Abg. Letbl (Bayr. Vp.). Er schätze die dort entstandenen Schäden auf 8 bis 10 Mill, und danke namens der Bevölkerung den preuht- schen Pionieren sowie der Sechnischen Rothilfe für ihr tatträftiges Einschreiten. Zur An­nahme gelangte dann ein von allen Frak­tionen unterzeichneter gemeinsamer An­trag, der die Reichsregierung ersucht, in Ver­bindung mit den Ländern die Schäden der Hoch­wasser- und Unwetterkatastrophen festzustellen und alsbald für ausreichende Hilfe zu sorgen. Den betroffenen Gebieten sind ins­besondere auch steuerliche Erleichterun­gen und Rachlässe zu geben. Der Reichstag ermächtigt die Reichsregierung, die zur Behebung der Rotstände erforderlichen Mittel vorschußweise zu verausgaben und im Rachtragsetat für das Rechnungsjahr 1926 anzufordern. Die zerstörten Dämme und Uferbauten sollen möglichst rasch instandgesetzt und. verbessert werden. Hierzu sollen neben den vorschußweise verausgabten Mitteln auch die Mittel der produktiven Er­werbslosenfürsorge im möglichen Um­fang zur Verfügung gestellt werden.

Kunst und Wissenschaft.

Ein Frankfurter Goethepreis.

Auf der Tagesordnung der morgigen Stadtver­ordnetensitzung steht ein vom Magistrat genehmig­ter Antrag, alljährlich zu Goethes Ge­burtstag einen Frankfurter Goethe­preis in Höhe von 10 000 M k. zur Ver­teilung zu bringen. In der Begründung heißt es, daß, während Bonn regelmäßig Beethoven feiere und Weimar seine Goethe-Tage habe, eine entsprechende Feier von Goeches Geburtstag noch immer fehle. Dieser Goethe-Preis soll internationale Bedeutung erhalten, also nicht nur deutschen Dich­tern, sondern der gesamten zeitgenössischen Welt­literatur zuerkannt werden können, lieber die Ver­teilung soll ein Kuratorium unter dem Vorsitze des Frankfurter Oberbürgermeisters entscheiden. Die Preisoerkündigung soll jeweils am 28. August im Goethehaus in Anwesenheit des auszuzeichnenden Dichters vorgenommen werden.

hochschulnachrichten.

Marburg. 29. Juni. Der feit 1911 von seinen amtlichen Verpflichtungen entbun­dene bekannte Professor der Archäologie, Geh. Reg.-Rat Ludwig von Sy bei, begeht am 1. Juli seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar ge­hörte von 1872 an dem Lehrkörper der Uni­versität seiner Vaterstadt Marburg an. Sein Vater war der bekannte Historiker Hein­rich von S y b e I, zuletzt Generaldirektor der preußischen Staatsarchive in Berlin, gestorben 1895, der von 1845 bis 1856 Professor in Mar­burg war, und dessen Ramen auch die Straße I trägt, an der die Villa des Gelehrten steht.

Aus aller Wett.

Erdbeben auf Sumatra.

Rach einer Havasmeldung aus Batavia wurde der Südteil von Sumatra von einem heftigen Erdbeben heimgesucht. Die Resi­denz des Gouverneurs in Padang und zahlreiche von den Europäern bewohnte Gebäude wurden stark beschädigt. In Singapore wurden ebenfalls starke Erdstöße verspürt. Wie die Morgenblätter melden, wurde bei hem Erdbeben die Stadt Padang-Pandjong größtenteils verwüstet. Fast alle Gebäude sind eingestürzt. Ueber hundert Personen, darunter auch ein Europäer, wur­den getötet und viele Menschen verletzt.

Schweres Autounglück in Südslawien.

Ein Automobil mit 20 Personen stürzte in­folge Ungeschicklichkeit des Führers auf einer von Cetinje ausgehenden Landstraße in einen Abgrund. 10 Passagiere kamen ums Leben. Die übrigen wurden verletzt.

Das Hochwasser bei Wittenberge.

Aus Wittenberge (Elbe) wird gemeldet: Die letzte Flutwelle ist vergangene Nacht bis Dömitz vor- gedrungen. Wittenberge ist durch Stepenitz und Löcknitz, die beide noch steigen, weiter bedroht. Die Löcknitz hat ein Gebiet von siebentausend Morgen bei den Dörfern Gandow, Wustrow und Lanz über­schwemmt. Die Bewohner dieser Dörfer fanden am Morgen ihr Vieh bis zum Leib im Wasser. Be­sonders gefährdet ist die Umgegend von Dömitz. Freiwillige Feuerwehr und Technische Nothilfe trafen dort aus Grabow, Ludwigslust und Neustadt ein. Tausende von Sandsäcken liegen bereit, um bei einem drohenden Bruch des Elbdarnrnes Verwen­dung zu finden. Eine Abteilung Reickswehr aus Ludwigslust liegt seit einigen Tagen in den Dörfern um Dörnitz, um sofort eingreifen zu können. Bei Wendisch und Wehningen lief der Flügelteich über. Die Ernte ist hier vollkommen vernichtet. Starkes Wachsen des Hochwassers ist noch aus dem Kreise Lüchow zu melden. In der Seege-Niederuna steigt das Wasser aufwärts bis über Niendorf hinaus. Ackerbauer von Grabow haben einen Notdamm er­richtet, um sich gegen das Eindringen des Wassers zu schützen. Die Einwohner von Niendorf kämpfen mit den Fluten schon feit Anfang der ooriaen Woche. In den Jeetze-Niederungen steigt das Wasser ebenfalls unaufhaltsam weiter. Das ganze Ieetzetal ist eine riesige Wasserfläche. In Kleinyeide brach der Notdeich. Aus dem Magdeburgischen wird lang­sames Fallen gemeldet.

Mordtat eines Wahnsinnigen.

In der oberpfälzischen Ortschaft Puellers» reuth hat ein 39jähriger geistesschwacher Bauern­sohn in einem Wahnsinnsanfall seiner 66 Jahre alten Mutter mit einem Saschenmesser den Kops vollkommen abgeschnitten.

Ein Familiendrama in Anhalt.

Ein furchtbares Drama ereignete sich in Cos­wig in Anhalt. Ein 26 Jahre alter Arbeiter fuhr mit seinen beiden Söchtern im Alter von drei und sechs Jahren nach der Elbe, bestteg mit ihnen einen Fährkahn, fuhr in die Mitte des hvchgehenden Stromes und warf die Kinder in die Fluten. Sie verschwanden augenblick­lich. Der entmenschte Vater sprang hinterher und fand ebenfalls den Sod in den Wellen. Der Grund zur Sat soll in Unregelmäßigkeiten zu suchen sein, die sich der Arbeiter bei der Ver­waltung verschiedener Kassen hat zuschulden kom­men lassen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 30. Juni 1926.

** Oberst Schliephake f. Am Montag ist der Präsident der Kriegerkameradschaft Hassia", Oberst a.D. VMor Schliephake in Darmstadt, nach langem sckweren Leiden ent­schlafen. Die Beisetzung findet heute, Mittwoch, nachmittags, auf dem alten Friedhof in Darm­stadt statt.

** Ausweise nicht vergessen! Bei Reisen nach dem besetzten Gebiet denken viele Personen immer wieder nicht an ihre Ausweis­papiere. Wenn auch dem Besuch unseres schönen Rheinlandes keinerlei Schwierigkeiten mehr im Wege stehen, so ist doch dringend zu enrpfehlsn, einen von der zuständigen Behörde ausgestellten Personalausweis zum Besuch des besetzten Rhein­landes mitzunehmen. Derartige mit Lichtbild ver­sehene Ausweise werden deutschen Staats­angehörigen in den Städten von den Polizei­büros, auf dem Lande durch Vermittelung der Bürgermeistereien von den Kreisämtern kosten­los ausgestellt. Auch zur Seilnahme an der Fahrt mit dem Gesellschaftssonderzug von Gießen nach Rüdesheim und Koblenz am nächsten Sonntag sind diese Aus­weise erforderlich.

** Die Preise für Landbutter. Die staatliche Preisprüfungsstelle für die oberhesfischen Kreise in Gießen, Seltersweg 74, schreibt uns, daß im Gebiet der Provinz Oberhessen wiederholt dar­über geklagt wird, daß die Preise für Landbutter unverhältnismäßig hochgehalten würden. Als Gründe für die obenerwähnte Erscheinung wurde beobachtet einerseits die wilde Konkurrenz der ver­schiedenen Aufkäufer, anderseits eine oft zu hohe Preisspanne zwischen Ein- und Verkaufspreis. Die staatliche Preisprüfungsstelle Oberhessen weist dar- aus hin, daß die Nachprüfung der Perkaufspreise für Landbutter im Gebiet der gesamten Provinz im Gange ist, und daß Anzeige und Bestrafung für alle diejenigen Händler bzw. Aufkäufer beoorsteht, deren Geschäftsgebahren als preistreibend angesehen wird. Gleichzeitig wird Handelsverbot für diese bei den zu- stehenden Behörden beantragt werden. Beschwerden werden evtl, direkt an die Geschäftsstelle der staat­lichen Preisprüfungsstelle Oberhessen in Gießen, Seltersweg 74, erbeten.

** Sie fliegenden Wäsche- und Stoff­händler. Von der staatlichen Preisprüfungsstelle wird uns geschrieben: Wie von der staatlichen Preisprüfungsstelle für die oberhessischen Kreise in Gießen festgestellt wurde, machen sich in letzter Zeit wieder die sog. fliegenden Wäsche- und Stoffhänd- ter im Bezirk der Provinz Oberhessen bemerkbar. Bei den angebotenen Wäschestücken und den Samen» und Herrenkleiderstoffen handelt es sich meistens um alte, aber besonders minderwertige Qualitäten, für welche jeder beliebig hohe Preis gefordert wird. Die staatliche Preisprüfungsstelle Oberhessen warnt das kaufende Publikum vor Ankauf der obenerwähnten Waren, da diese in allen anderen einschlägigen Ge­schäften in Qualität besser und im Preise billiger zu kaufen sind. Etwaige Beschwerden werden evtl, di­rekt an die Geschäftsstelle der staatlichen Preis- prüfungsstelle für die oberhessischen Kreise in Gie­ßen, Seltersweg 74, oder Fernsprecher 196, erbeten.

** Straßensperre. Wegen Vornahme von Weißbinderarbeiten ist dio DurchgangsstraßeBurg- graben" vom Polizeiamt bis auf weiteres für jeg­lichen Fuhrwerksoerkehr gesperrt worden.

** Geschäftsjubiläum. Am morgigen Sage, 1. Juli, kann die Firma Lang & Wie­de r st e i n, Glas- und Porzellan-Spezialgeschäft In der Marktstraße Hierselbst, auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die Jubilarin, die sich bei dem Publikum und in der Geschäftswelt großen Ansehens erfreut, hat sich im Laufe des ersten Vierteljahrhunderts ihres Bestehens auch in ihren Branchekreisen eine achtunggebietende Stellung geschaffen. Der Firmeninhaber Carl Lang ist auch in Sumerfreifen eine sehr ge­schätzte Persönlichkeit.

** Der Gießener Ruderklub Hassia" 1906, der in diesem Jahre auf sein 20jähriges Bestehen zurückblicken kann, veran­staltet aus diesem Anlaß am kommenden Sams­tag und Sonntag eine Ruderregatta, die 58. des S.R. V., bei der in 15 Rennen spannende Wett­kämpfe zu erwarten sind. DieHassia", so schreibt man uns, hat, unterstützt von Freunden und Gön­nern, keine Kosten gescheut, um den siegenden Mannschaften wertvolle Ehreckpreise überreichen zu können. Diese find am Freitag und Samstag in dem Pelzwarengeschäft von A K r e tz s ch - mar, Seltersweg, ausgestellt. Räheres im heu­tigen Anzeigenteil.

" DerSaubstumme". Aus einem Orte bei Gießen berichtet uns ein Freund unseres Blattes das nachstehende persönliche Erlebnis: Vor einigen Sagen kommt ein angeblich taub­stummer junger Mann in meine Wohnung und bittet, sich durch Gebärden verständlich machend, um eine kleine Gabe. Unaufgefordert zeigt er seine Ausweise als Saubstummer vor. Meine Frau hat Mitleid mit dem armen Menschen und gibt ihm eine verhältnismäßig hohe Gabe. Ueber- rascht durch das große Mitleid gewinnt der angeblich Saubstumme urplötzlich seine Sprache wieder und ruft im Fortgehen einDanke schön!" aus. Meine Frau und ich waren vor Staunen zunächst vollkommen stumm, bann gewannen wir aber doch allmählich die Sprache wieder. Im nächsten Haus war der junge Mann natürlich wieder taubstumm. Wir konnten ihn leider nicht mehr erreichen.

WSR. Reubauten und Anlage von Fernsprechanlagen. Die Reichspost weift erneut darauf hin, daß es ihr erwünscht fei, wenn bei der Errichtung von Reubauten mehr als bisher darauf Rücksicht genommen werde, die Fernsprechleitungen innerhalb der Gebäude in Rohren oder unter Puh zu führen. Das Ver­fahren sei schon seit längerer Zeit bei der Ver­legung von Licht» und Hausklingelleitungen, so­wie von Gas» und Wasserrohren üblich: für die Femsprechanschluhleitungen scheine es sich aber weniger einbürgern zu wollen: wenigstens hätten die Bauherren und Unternehmer bisher wenig Reigung bekundet, auch die Einrichtungen für die Fernsprechanschlußleitungen zu treffen. Und doch biete die Führung der Leitungen in Rohren oder unter Puh beträchtliche Vorteile, da Wände und Decken geschont werden, die Ar­beiten weniger Schmuh verursachen und weniger Zeitaufwand erfordern. Dor allem werden die unschönen Flickereien an Putz, Sapeten und Be­malung vermieden.

** Einen Gasdemonstrationsvor- trag veranstaltete die Prometheus-Gasherd» und Gasheizofenfabrik gestern abend im Saalbau Sauer. Die Vortragende, Frau Ehrig, zeigte vor den Augen der Zuschauer das Backen von Kuchen und das Grillen des Fleisches. Kostproben wur­den herumgereicht, die die Vorzüglichkeit der Erzeugnisse zu beweisen vermochten. Mtt ge­ringem Gasverbrauch entstanden auf den Appa­raten die schmackhaftesten Speisen. Die einzelnen Geräte, vom modernen Bügeleisen, Wundertopf bis zu dem Gasherde, wurden eingehend erftart und dabei auf die sparsame Wirtschaft mit ihnen hingewiesen. Heute abend findet eine Wieder­holung des Vortrages statt.

** Der Ortsgewerbeoerein hielt am Montagabend seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende gab zunächst ein allgemeines Bild über die Lage im Handwerk, wie es sich aus den Berichten der Handwerkskammer ergab. Der Kassenbericht sand Genehmigung, die Vorstands­wahl ergab keine Aenderungen. Direktor Dr. B ü n- n i n g s berichtete über die Aufgabe der an die hiesige Gewerbeschule für Hessen angegliederten Wirtschaftsstelle, die einmal dem Handwerker vor allem in allen technischen Fragen beratend zur Seite stehen, zum andern in der Berufsberatung den jugendlichen Handwerkernachwuchs unterstützen soll. Syndikus R ö hr sprach über die Gründe für die augenblickliche wirtschaftliche Not. Seine sehr inter­essanten Darlegungen forderten besonders die obli­gatorische Durchführung der Buchführung. In der anschließenden Aussprache, in der die Submissions­frage eine große Rolle spielte, wurde einstimmig gefordert, daß 1. der Antrag, die Beilage der Kal- fulationen bei den Submissionen in Wegfall kom­men zu lassen, endlich zur Erledigung komme, und daß 2. für die städtischen Vergebungen weitere Lieferungstermine gesetzt würden, damit das Klein­handwerk sich überhaupt an Submissionen beteiligen könnte. Der Vorsitzende wurde beauftragt, entspre­chende Schritte zu tun.

Bornotizen.

Sageskalender für Mittwoch. Saalbau Sauer: 8 Uhr, Vorführungen und Vor­trag überDas Kochen mit Gas". Ruderklub Hassia: 8^2 Uhr, Bootshaus, Mitgliederversamm­lung. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Das Gasthaus zur Ehe". Astoria-Lichtspiele:Wege des Schicksals".

Wettervoraussage.

Noch vielfach heiter, Temperaturen ansteigend trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 22,L Grad Celsius: Minimum: 9,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 14,7 Grad Celsius.

Oberhessen.

Kreis Schotten.

ld. Schotten, 29. Juni. Die große Gras» Versteigerung der Stadt Schotten, vor jeher ein Ereignis voll großer Anziehungskraß, hatte auch in diesem Jahre wieder zahlreiche Steigerer aus den Dörfern der Umgebung Schot- tens herbeigelockt. Wie in den Vorjahren, toarct es Kleinbauern und Arbeiter mit etwas Land­wirtschaft, die das Gras zur Verwendung it der eigenen Viehzucht erwarben. Pächter, Die früher Stücke steigerten, um durch den Verkauf des Heues von der Wiese aus an den Händler etwas zu verdienen, sind nicht mehr vorhan­den, da Der ehedem lebhafte Heuhandel unfercc Gegend infolge des geringeren Bedarfs Der Groh-

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