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a) des städtischen Gaswerks für 1924
b) des städtischen Wasserwerks für 1924 liegen von heule ab während einer Woche auf dem Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Nr. 18, zur Einsicht offen. Es wird dies mit dem Anfügen öffentlich bekannt- gemacht, daß während der Offenlegungsfrist jeder Beteiligte Einsicht nehinen und schriftliche Bemerkungen hierzu bei dem Oberbürgermeister einreichen kann.
Gießen, den 24. April 1926.
Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. Hamm.
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die immer über dem breiten, ziehenden Strom schwebte
Drunten an den Landungsbrücken legten die Hamburger Dampfer an, und Scharen von Aus- flüglern strömten an das Ufer, Musik klang gedämpft von Grons Garten herauf, hundert Schrill den Strand hinab lag der schattige Plag und oben in den Kastanienkranen musizierten die Bienen um d«e ersten weißen Blüten. Die drei Schwestern trugen weiße Kleider, ihre Gesichter waren in voll oonne wie das weite lachende Land, ihre Stiinmen schwangen und klangen wie Gesang mit all der Musik des Tages. Abgeschieden faß man hier in Grün und Blüten und spürte doch das laute lustige "eben ganz nah. Jeden Augenblick, wenn es einem so zu Sinn war, konnte man sich hineinftürzcn. — Die Flurglocke ging. Da die Tür von der Terrasse her offen stand, sahen sie eine männliche Gestalt ein- treten.
3Uc ging in das Haus, halblaut verhandelten zwei Stimmen, bann tarn sie zurück. „Herr Lornsen ist gekommen. Er hat den Dampfer benutzt."
Hinter ihr wurde ein blonder junger Mann sichtbar, etwas über Mittelgröße, bartlos ,mit klaren Zügen, grauen Augen, frischen, aber nicht lebhaften Farben, ganz wie Frau Margrjt gesagt: Nett und reell. Unverdorben und blühend. Seine Stimme Nang so frisch, wie man nach feinem Aussehen erwarten konnte. „Ich muß um Verzeihung bitten, daß ich hier am Sonntag einfnUe. Ich hatte an Tante Kallies geschrieben und mich zunächst bei ihr angemeldet. Sie scheint den Brief nicht bekommen zu haben, das Haus war verschlossen."
„Es schadet nichts, Herr Lornsen. Ihr Zimmer ist bereit, und wenn Sie mit uns Kaffee trinken mögen, sind Sie herzlich willkommen. Darf ich Ihnen Ihre Stube zeigen? Die Frau, die die Bedienung übernommen, ist ausgegangen."
Fünf Minuten fpäter kam Iven Lornsen wieder die Treppe hernieder und etablierte sich ohne lange Umstände zwischen Ille und Nase. War begeistert von Haus und Garten, und seine Atigen sagten, daß die netten Nachbarinnen durchaus diese Begeisterung steigerten. Aber daran waren die Bun- fenmädchen zu sehr gewöhnt, um es sonderlich zu achten. Und als sie alle aufbrachen, das Männerkonzert bei Grön zu genießen, nahmen sie den An-
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Das lachende Haus
Roman von Sophie KIoerß.
. Und dann fällt Gottesgabe an Ihren — nein, verzeihen Sie, Sie weisen die Verwandtschaft ja ganz ab — also an Herrn Aribert?"
„Ja. — Und ich gehe."
„Für ihn wollen Sie das Gut nicht verwalten?" „Für ihn nicht."
Der Kessel auf dem Feuer begann zu singen unb zu dampfen, Thora goß den Kaffee auf, trug die Waffeln hinaus, und dann kam Frau Margrit Bunsen aus ihrem Zimmer, Rose aus dem Garten, |ie setzten sich an den Tisch. 2m letzten Augenblick rief Christian Polematz über die Hecke: „Nicht an» fangen, eh' ich da bin." Aber sie fingen ruhig an und ließen ihn zur Straße und wieder über den Hof stampfen, denn um Christian Polematz machte lein Mensch Umstande.
Dicke, alte Kastanienbäume standen zu beiden Seiten der Terrasse und legten ihre Aeste gegen die Hauswand. Die ersten Blütenkerzen begannen sich zu öffnen — in einer Woche mußte die volle Pracht bas Haus umstrahlen. Hundert Jahre und länger schon standen sie dort, und wenn der Herbstslurm von der Elbe fegte und sich im Laub fing, rauschten die Kronen, wie die oee rauscht, und die Aeste klapsten gegen die Fenster, wie die Flut klopft, wenn sie Einlaß begehrt. Dann hatten die Bunsen- madchen in ihrem Zimmer hinter der grünen Wand Träume vom Meer und von schwankenden Schisfen. fuhren über himmelhohe Wogen, tauchten in gold- griine Tiefen, hörten Möwen schreien und sahen durch die glasklaren Wellen sonnengoldene Lichter flammen.
Morgens hatten sie sehnsüchtige Augen, und eine sagte zur andern: „lieber alle Meere bin ich gefahren. Geflogen bin ich, und gehoben hat es mich — himmlisch war es." Denn ihnen allen steckte die leidenschaftliche Liebe zum Master in Blut und Seele.
Heute stürmte kein Dtorbroeft herüber über See und Strom. Ganz leise ging ein Wind aus Süden, nur eben so viel, daß er den Duft der Hecken und Felder mit sich trug und die leichte Wasserfeuchte,
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Bekanntmachung.
Die mit Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 14. Januar 1926 vor- genommene Aenderung des Bebauungsplanes für das Gebiet zwischen Gaffky- straße und Aulweg, nächst der Lupusheil- stätte, ist von dem hessischen Minister des Innern genehmigt worden. Der Plan kann beim Stadtbauamt jederzeit eingesehen werden . .38948
Gießen, den 27. April 1926.
Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. Hamm.
fommltng ohne sonderliche Umstände aber auch ohne großes Entgegenkommen wie felbftrerftfinb- lief) mit.
'-Hofe haßte Hunjeiigarten und viele Menschen. „Ich hab' doch gerade Küchenwoche, also räum’ ich erst auf und komm' später", sagte sie und sah der vergnügten Schar nach, als die durch den Garten in die Wiesen, durch die Wiesen zum Strom und nun den Strandweg hin zu Gräns Garten ging. Voran Frau Margrit mit dem neuen Gast, dahinter Ille mit dem Schaukelpferd und als letzte Thora mit Heider Steffen.
Es war nicht zu leugnen: Die buben gaben ein famoses Paar ab. Thora jo stattlich, trotzdem sie schlank wirkte, und der lange Heider mit feinem sonnenverbrannten Noubvoaelgesichl und der fehni- gen Gestalt wie lauter geschmeidige Kraft. Sicher, wenn sie ihn an anderem Ort fcnnengelemt, ohne die spottenden Zungen der Schwestern, sie hätte ihn nicht das lange Laster genannt, sondern einen ganz anderen Namen gesunden. Rose, angefteeft von den beiden älteren Schwestern, konnte selber sehr lustig spotten, und doch kamen Stunden, wo sie Heimliches scheu in sich verschloß und niemand hinein» sehen ließ in kleine Seligkeiten ober stille Heilig- keil. Und weder Thora noch Ille ahnten, daß die „Kleine", „der weiße Muckehase", wie sie so gern sagten, ein seines, verborgenes Leben in der Seele trug. t
Die Teller und Tasten standen in der Küche, No je schlenderte durch den Garten. Wo der eingesunkene Zaun an die Wiese stieß, standen drei wilde Apfel- bäume, übervoll von weihroten Blüten. Kein Blatt war zu^ sehen, fein Aestchen, alles schimmernder Blust. Schon standen in den Stuben die lichten Zweige in vielen hohen Glasern, und man spürte nicht, daß hier gebrochen und geplündert war. Das Mädchen pflückte einen Strauß von holbofsenen Blüten und kleinen roten Knospen und steckte ihn in den Gürtel. Brach noch einen Armvoll von Zweigen und trug die wundervolle Last wie eine Garbe in das Haus. Zum Abendessen sollten sie auf dem Tisch stehen.
Aon der Terrasse her betrat sie den Flur eben in dem Augenblick, wo auch die Tür vorn Hof her geöffnet wurde. Aribert von Brockdorf kam, seinen Bestech zu machen.
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Aus eigenen Stücken wäre er nrcht gekommen, doch der Onkel hatte es gewünscht. „Du roirlt spät« hier leben, und Dunsens sind wenn and» bürgerlich — sehr jein gebildete Leute. Sie verstehen die große Kunst, die Arbeit zu adeln und aus ihren Noten ein Fest zu machen. — Nun, man fügte sich den Wünschen des allen Herrn, und es ließ sich dieser Besuch >a jo im Vorübergehen an einem Sonntagnachmittog erledigen.
Rose wurde einen Augenblick verlegen, als sie dem vornehmen Herrn mit den gemessenen Be- wegungen und den fühlen, forschenden Augen gegenüberstand. Rahm man nun Besuch an. toenn Mutter nicht da war? Wenn nicht — wie wurde man ihn wieder los?
„f)err von Brockdorf? .Leiber sind meine Mutter und Schwestern ausgegangen. Wenn Sie nähertreten wollen —"
Brockdorf sah überrascht auf die feine Mädchen- gestalt. Thora--ja. hubich, kraftvoll, sicher, —
d>e konnte man sich aus der Raste der Gegend ganz gut erklären, aber dies entzückende Etwas, sicher zwanzig Jahre alt und doch noch mit dem ganzen Liebreiz eines unschuldigen Kindes — —, daß es das noch gab! Hier gab! — Zwischen Feldern und Lauernliösen. — Einfach bestechend für einen Man», der die Frauen aller fünf Weltteile kannte. — Weiß und rosig wie Apfelblüten unb doch eine kleine Dome vorn Kopf bis zum Fuß.
Statt zu gehen, trat er zwei Schritte näher. „Wenn ich Sie nicht aufhalte, gnädiges Fräulein ..."
Nofe gab sich innerlich Haltung. Nur nicht verlegen werden. Ille sagte immer, Verlegenheit fei pieftig. „Piefkig", das war fo ziemlich das per» nidjtenbfte Urteil bei den Bunsens. Ihren Blütenstrauß legte sie auf den Finnisch, hob die braune Sammetporriere zur Wohnstube und sagte: „Bitte!"
„O nein, ich will Sie nicht lange belästigen. Ich habe nur eine kleine Bestellung meiner Tante —i Brockdorf hatte ein (Brauen vor „guten Stuben"; man konnte ihnen auf dem Lande nie entgehen. Rose ließ den Vorhang wieder fallen. Immerhin hatte der Besucher mit einem flüchtigen Blick fest- gestellt, daß er die traditionelle gute Stube hier nicht fand. Alte schöne Mahagonimöbel standen dort und viel blühende Blumen. Nicht gerade sein Genre von Schönheit, aber doch nicht abschreckend.
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