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Nr. 100 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

dieser Sadismus entspringt hier

dem Abscheu

von hat kein den der

der australische Loden im allgemeinen so wenig Feuchtigkeit und Gäste enthält, daß der städtische

gen gegen Früheres. Nicht durch List will Tu- randot des Prinzen Namen haben, sondern mit weiteren Grausamkeiten. Ihnen fällt die sanfte Liu zum Opfer, die sich den drohenden Foltern durch Freitod entzieht. Zugleich Liebestod um den Prinzen. Noch weniger dramaturgisch oder gar gewinnend wirken die darauffolgenden, ge­titschten Derführungs.nanover Ping-Pang-Pongs mittels schöner Mädchen, was bedenklich an De- libes Dalletzauber mahnt. Dör Prinz selbst be­stätigt nun seine frohe Zuversicht in be­fremdend schneller Vergeblichkeit des eben um ihn geflossenen edlen Blutes - mit einem Kuh und eigener Namensnennung! Die Prinzessin ist, von allem Mord-Sadismus befreit, plötzlich von der Naturnotwendigkeit überzeugt, Weib zu wer­den. ... Lind wenn sie nicht gestorben sind.... Ich begreife nicht, warum nicht endlich eine Tu- randot geschrieben wird, die, sei's nach griechischem oder Lessingschem Ethos. Vergeltung für ihre Höllentaten findet.

Puccinis Partitur bricht beim Dcauerchor um Liu ab und es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Meister dann doch eine ähnliche Wendung herbeigeführt hätte. Ist doch der Grundton seiner Turandot", von jenem burlesken Trifolium abge­sehen. ein tragischer. In der Mailänder Premiere lieh Toseanini tatsächlich den Klang dort aus­hauchen. wo Puccini. todwund in Brüssel liegend, zu arbeiten aufhörte. Alle weiteren Aufführun­gen jedoch werden gleich der Generalprobe, das von Alfono nach dürftigen Skizzen geschriebene große Duett Turandot-Prinz Kalaaf und den strahlenden Schlubhymnus bringen. Es sind volle fünfzig Seiten Klavierauszug, so daß man wohl einen Torso in viel weiterem Sinne von Un- vollendung vor kick hat. als dies bei Bufouis ..Faust" der Fall ist.

Gartenbesitzer nur zwischen dem Anpfianzcn Bäumen oder Blumen zu wählen und gewöhnlich das letztere wählt. Wo aber Baum ist. da kann auch kein Federvieh in Aesten zwitschern, trillern und flöten und

vor dem Manne und der Angst, ein herrisches Selbst aufgeben zu müssen. Von ältester Sage schreiten wir in allen Turanüot-Gestaltungen der Literatur über Shakespeares Widerspenstige, wo sie bürgerlich-romantische Lösung findet, über Schiller und Dusont zu den Textmachern Puccinis lwobei ruhlg verraten werden kann, was mir Puccini vor zwei Jahren einmal in Wien an- dcutete, und letzt einer der Intimsten des ver­storbenen Meisters bestätigt, daß. was eigentlich vlhchologisch ist an der neuen Handlung, von dem Duslker und mcht den wohl geschickten, aber unbedeutenden Librettrsten stammt....).

Zu Beginn des ersten Aktes wird uns keine Anschaulichkeit der Grausamkeit erspart: Henker schleifen das Richtschwert für den gleich nachher zum Tod geführten persischen Prinzen das jüngste Opfer von Turandots blutlüsternem Rätselspiel. . . Prinz Kalaaf taucht in der Volksmenge auf, erkennt seinen greifen Vater Timur, in dessen Begleitung eine junge schöne Sklavin Liu. Sie ist. in viel tieferem Sinne als noch bei Schiller und Dusoni Adelma (Turandots Gespielin) der aktiv in die Handlung eingrei­fende, vermeirschlichte Weibgegensay zu Turandot. Der unbekannte Prinz Kalaaf erblickt die Prin­zessin. Kein Flehen Timurs und Lius, lein Warnen der Menge kann ihn abhalten, die ver­hängnisvollen Gongschläge zu tun, mit welchem noch jedes Opfer seinen Todesgang begann.

Zweiter Akt, Vorspiel: ein groteskes Scherzo der hier zu Ping, Pang, Pong gewordenen drei Minister, oic sind in der Tat in ihrer Bosheit, ihrem beibenden Spott, ihrem gellenden Hohn auf das China ihrer Zeit mit ihren flackernden Monologen und Dialogen im Stile der alten comedia dell arte eine ganz ergötzliche, wenn auch reichlich epische Episode der Handlung. Sie öffnen den Vorhang zum Schauspiel des Rätselgerichtes vor dem unerhörten Pomp des chinesischen Kaiserpalastes. Den Wesensunter­schied bilden, bedeutsam genug, die Lösungen des Prinzen: bei Schiller sind es Jahr - - Auge Pflug, bei Buloni Schönheit Wissen Kunst. Puccinis Prinz beginnt mit Hoffnung, gibt als zweite Lösung Blut und schlietzt als primitiver Aktivist mit Turandot selbst. UnD nun hält er's tote seine Vorgänger in der Turandotsage, er gibt der desperaten Prinzessin nur ein Rätsel: seinen Namen.

Der dritte Akt bringt wichtige Deränderun-

Puccinis Schwanengefang

Turandot" in der Mailänder Scala.

Don Rudolf Kastner.

Das Fieber der Premiere ist verebbt. Cs ist tie Stunde besinnenden Ueberblidä gekommen. Schon mit dem Moment, da am letzten Sonntag wm 9 Ubr abends der Glanz der strahlenden Lichter und Antlitze in der Scala erlosch, und der Vorhang aufrauschte, war mit einem Schlage dieses merkwürdige Italien unserer Zeit, war Mussolini, waren die Aristokraten Roms. Flo­renz'. die Industriekapitäne Mailands ver­gessen.

Don einem Fanatiker am Pult beschworen, beginnt eine Welt seltsamster Klänge aufzü- rauschen.

Wir sind wie bei Schiller, Gozzi und dusoni im China des Kaiser Altoum. Infan­tile Freude an Grausamkeiten hat das Volk er­griffen. schon gewöhnt durch die zahllosen Todes- »eremoFäcn für die geköpften Freier um die eiskalte Prinzessin Turandot. die alle Instinkte ter Salome und Klhtämnestra in sich vereinigt.

3m australischen Busch.

Ein nach Australien verschlage­ner Landsmann schildert in folgen­der anspruchslosen Plauderei aus Melbourne seine ersten Eindrücke vom fünften Erdteil:

Der hierher verschlagene Europäer, dessen müder Fuß Australiens glückverheißenden Boden erstmalig in irgendeiner der großen Hafenstädte berührt, stellt sofort mit peinlichem Befremden fest: In diesem Lande scheints weder Bäume noch Vögel, noch sonst irgendwelche tierischen Lebe­wesen zu geben! Asphalt, Stein, turmhohe Häu­ser, Abertausende von Autos, hastende Menschen. Grohstadtlärm, Großstadt-Nüchternheit, austra­lischer Amerikanismus überall, in allem. Aber kein Daum, kein Strauch, kein Vogel, kein Tier. Unb man ist bereits etwas enttäuscht, ernüchtert und fröstelt vor kaum fühlbarem Heimweh ...

Aber dieser Eindruck ist nur der erste und er ist falsch. Wahr ist daran nur soviel, daß

sowie die Handelspoliuk Polens, die sich ein breites Programm ausgestellt hatte, wurde durch die Hege der Rechten stark gefährdet. Die Erwartungen der Wirtschaftstteise, daß es der Regierung Skrzynski gelingen wurde, den Handelsvertrag mit Deutschland, sowie eine Verständigung mit Sowjetrußland zu schaffen, um somit größere Exportmöglichkeiten zu haben, wurden nicht erfüllt, und dadurch entstand eine vielfache Ver­größerung der Arbeitslosigkeit, die das Staatsbudget immer mehr belastete.

Erneut fühlten da die Sozialisten die dauernde Unzufriedenheit unter den Arbeitern Polens, die' durch die Propaganda der Kommunisten noch ver­stärkt wurde. Der Einfluß der Kommunisten auf die 'Arbeitslosen ging zum Schluß so weit, daß es zu heftigen Unruhen fast in allen größeren Städten Polens, wie auch in der Hauptstadt Warschau kam. Jeden Tag kamen Nachrichten über Unruhen aus der Provinz, die die allgemeine politische Lage im Lande als sehr gefährlich erscheinen ließen. In Warschau kam es so weit, daß die Arbeitslosen das sog. soziale Ministerium stürmten, mit dem Zweck, den sozialistischen Arbeitsminister anzugreifen. Zu derselben Zeit bemerkte man auch eine aggressive Politik der Rechtsparteien, die eine Reihe von mili­tärischen Intrigen anstifteten. Es gab Augenblicke, in denen man an das Bevorstehen eines Stoats- coups in Polen glaubte. Man mußte jeden Augen blick fürchten, daß es zu einem aktiven Kampf zwi­schen den beiden Lagern kommen würde, was sicher­lich das Land in ein schreckliches Chaos verwickelt hätte.

Am schlechtesten aber stand cs um die sozialistische Partei, die durch ihr weiteres Verbleiben in der Koalitionsregierung mehr und mehr ihren Einfluß auf die Arbeiterschaft Polens verlor, und ihre Füh­rer wurden sich darüber klar, daß sie zum 1. Mai einen öffentlichen Kampf mit den Kommunisten, die für diesen Tag insgeheim zum Putsch organisierten, aufnehmen müßten. Darum stellte die sozialistische Partei Skrzynski vorige Woche drei bestimmte B e - dingungen, unter welchen sie weiter im Kabi­nett verbleiben wollte und die daraus hinausgingen, daß die Regierung den Vorschlag des Finanz­ministers wegen weiterer Kündigung von Eisenbahn­arbeitern absehen solle. Sonst wären sie gezwungen, aus dem Kabinett zu scheiden. Skrzynski wählte den Ausweg, auf die Unterstützung der Sozialisten zu verzichten in der Hoffnung, daß er durch einige Der- sorechungen an die Minderheiten in Polen in der Lage sein würde, ein neues Kabinett ohne Sozia 1 isten zu bilden. Den rechten Parteien war es and) in diesem Augenblick angenehmer, mit den ihnen so stark verhaßten Minderheit en zu tun zu haben, als mit den Sozialisten, da man bei diesen für ganz kleine Konzessionen eine Zu­stimmung zu ihrer Politik zu erreichen hoffte. Das Schwerste aber war, den Staatspräsidenten dazu zu bewegen, daß er nach dem Zusammenbruch der Koalitionsregierung doch die Demission des Kabi­netts Skrzynski nicht annahm, da man Angst hatte, daß die Bildung eines neuen Kabinetts viel mehr Schwierigkeiten verursachen würde, als die Rekon­struktion des alten Kabinetts.

Es bleibt jetzt nur abzuwarten, wie sich der Sejm zu der neu zusammengeflickten Regierung Skrzynski stellen wird und wie sich die neue Re- gierung auf die wirtschaftliche Lage Polens, sowie auf die vergrößerte Arbeitslosigkeit und den bevor­stehenden Zusammenbruch der Finanzlage Polens auswirken wird. Man kann aber wohl schon im voraus sagen, daß die neue Regierung Skrzynski so­gar mit der Unterstützung der nationalen Minder­heiten keine lange Dauer haben wird, da auch sie von den Intrigen innerhalb der Militärkreise Po­lens, die ein viel weitergehendes Programm auf- gestellt haben, bedroht wird.

Menschen Gemüt durch feine vogelfreie Sorg­losigkeit erfreuen. Daher dieser ..ausgestor- bene', nüchterne, unbefebtoingte Eindruck, den die australischen Städte auf den Neuankömmling un­weigerlich machen müssen und tatsächlich auch stets auszuüben pflegen. Derartigesang- und klanglose' menschliche Siedlungen, wie sie die australischen Großstädte sind, tann man sich in Europa eben gar nicht vorstellen

Amso angenehmer und umso betörender ist daher die Ueberraschung welche der australische Busch", d. h. der australische Urtoalb dem ahnungslosen Fremdling bereitet. Gibt es in den Städten gar keine Bäume, gar keine Vögel, so sind sie hier gleich im Superlativischen vor­handen, in Dimensionen, wie man sie bei uns in Europa wiederum nie und nirgends finden würde: Bäume wie richtige Wolkenkratzer und Vögel in Farben und Mengen und Melodien, daß einem Hören und Sehen vergeht ...

Allerdings ist der Busch von den Städten recht weit entfernt, er ist nur mit der Bahn oder per Auto erreichbar und selbst ein an amerikanisch hastendes Fortbewegen gewohnter 100-Prozent-Australier stattet dem Dusch all­jährlich nur ein oder zweimal einen Besuch ab. rafft sich nur an ganz großen Festtagen zu einem Ausflug, einemPicknick" in den Dusch auf- Wenn dieses erfolgt so geschieht es ge­wöhnlich um die Weihnachtszeit oder zu Neu­jahr, b. h. im Dezember oder im Januar, die beide bei uns in Australien bekanntlich--

Sommermonate sind! Der Hochsommer sozusagen? So fand denn auch der Picknick, von dem ich nun berichten will, und der mir die erste unvergeß­liche Bekanntschaft mit dem märchenhaften austra­lischen Busch vermittelte, in diesem daheim in Europa so ungastlichenSommermonat" statt.

Die Sylvesternacht war sehr geräuschvoll ge­wesen; die frische, kühlende Nachtluft, nach einem drückendheißen Sommertage, hatte viel Jugend ins Freie gelockt. Gesänge, zuerst religiösen In­halts, wiethe holy City, doch bann immer fröhlichere und übermütigere Weisen, hatten durch die offenen Fenster geschallt und hatten die­jenigen. welche nach arbeitsvollem Tage der Entspannung begehrten, nicht Ruhe genießen lassen. Doch feit die Sonne wieder hoch am Him­mel steht und einen herrlichen Tag verspricht, ist alte Müdigkeit vergessen: mit Volldampf wer­den alle Vorbereitungen zum Picknick getroffen und, vollgepfropft mit einer vergnügten Gesell­schaft, saust unser Auto die staubige Landstraße hinunter, hinaus in die strahlende Welt ...

ES ist ein trockenes Jahr. Die Wiesen waren schon im November gelb gebrannt Weite Flächen golbiqbraunen, pulvertrockenen Landes ziehen sich zu beiden Seiten der Landstraße hin. Herben von bickwolligen Schafen, kaum von dem ausgebrann­ten Boden zu unterscheiden, suchen mühsam nach einem Murchvoll frischen Grases. Trotzdem ist das Bild wunderschön in der Sonne Gold in Gold, überzogen von einem strahlend blauen Himmel, groß und well, höher und grenzenloser scheinend als in unserem nordischen Lande. Die Farben erinnern vielleicht an die römische Cam­pagna, wenn die Sonne über den weiten aus­gebrannten Feldern, über der ewigen Stabt brütet In der Feme ziehen sich in endloser Kette blaue, wolkenähnliche Dergmassen hin.

Von allen Seiten eilen Autos und 2Iutobuffe den Bergen zu. Der Neujahrstag ist in Australien tote gesagt ein allgemeiner Picknickstag. Schon nähert man sich demDusch. Lange Reihen von Fichten und vereinzelten Eukalyptus- bäumen sind bic Vorboten des nahenden Waldes. Endlich ist dieser erreicht! Herrliche stark ozon­haltige Gukalyptusluft, rein und würzig, strömt uns entgegen. Mächtige Eukalyptusbämne strecken ihre filbergrauen Stämme aus dem grünen Unter» holz in stolzer Großartigkeit zum Himmel empor wahre Riesen des australischen Waldes, sämt­liche anderen Bäume um bas Doppelte über­ragend. Das Laub ist nicht dicht, die Blätter haben die Form verlängerter Weibenblätter, so ist ber Schatten eines Eukalyptuswaldes kaum bemerkbar. Die Sonnenstrahlen bringen überall Durch bas Durchsichtige Laub unb malen tausend flimmernbe Lichter in bas bunkle Dickicht bes Tlnterholzes.

Doch in der Tiefe dieses gigantischen Waldes stecken schlanke Myrten, üppige Magnolien, blühendeSassafras-Trees" und Schwarzholz­bäume (black wood-trees) ihre dunklen Laub­kronen zusammen unb geben vereint mit den

Der Zusammenbruch der Koalitionsregierung in Polen.

Von unserem K.-Berichterftatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.»

Warschau. 30. April 1926.

Sie Koalitionsregierung Skrzynski, die sich aus fünf verschiedenen politisch stark entgegenge- letzten Patteien aufgebaut hat, brach nach 5 Mo­naten Herrschaft zusammen. Dieser Zusammenbruch mar keine Ueberraschung. Er kam auch nicht plötzlich, du man ihn schon seit Monaten erwarten konnte. Man brauthi sich nur der Rede Skrzynskis im Sejm von seiner Abreise nach Gens zu erinnern, in welcher er schon damals die verschiedenen Regierungspar- tcien darum gebeten hat, seine Regierung wenig- s'ens so lange zu unterstützen, bis er von Genf zu- rückgckominen sei. Skrzynski erklärte damals, daß na Falle die Regierungsparteien ihm ihre Unter- ttützußg nicht sichern würden, er nicht nach Genf reisen könnte und die polnischen Wünsche von vorn­herein verspielt seien.

Das Kabinett Skrzynski wurde in einem beson­ders kritischen Augenblick geschaffen, in der bekann- len Nooemdernacht des vorigen Jahres, als Polen offenbar ein Bürgerkrieg drohte. Die Sitzun­gen des Sejm und die Beratungen dauerten bis > Uhr morgens und endlich kam man zu dem Be­schluß, daß nur die sozialistische Partei Polens das Land vor dem bevorstehenden Chaos retten könne, wenn sie in bic Regierung e i n» trete. Da- Expose Skrzynskis nach der Bildung Der neuen Regierung war darauf gestützt, daß die reue Regierung sich bemühen würde, das politische ioroie das wirtschaftliche Leben der polnischen Re­publik auf das weitestgehende gesund zu machen. Dieses Programm wurde ausdrücklich von den So- sialisten gefordert, da sie nur unter diesen Be­dingungen in die Regierung eintreten würden.

Schon nach einigen Wochen war beutlid) zu eben, bah bic Regierung Skrzynski ihr versproche­nes Programm nicht ausführen konnte. Die Stellung der rechten Parteien, die verwickelte inter­nationale politische Lage sowie die unaufhörlichen Intrigen innerhalb des Militärs in Polen und zum Schluß die drohende Inflation des polni­schen Zloty verursachten Skrzynski ungeheure Schwierigkeiten, deren er nicht Herr werden konnte. Schon am Anfang verlangten die rechten Parteien durch ihren Finanzminister Dziechowsti ein zu weit­gehendes Budget für das Kriegsministerium, was bei der augenblicklichen Krise der Wirtschaftslage in Polen ohne ein bevorstehendes Defizit des Staatshaushaltes unmöglich durchzuführen war. Zu derselben Zeit stellten die Sozialisten Forderungen, die gerade Im Gegensatz zu denen des Finanz- ' ünisters standen, nämlich: die Reduktion der Ge­teilter der höheren Beamten sowie eine starke Unter- Nützung der Arbeitslosen, ferner die Einschränkung Des Militärbudgets. Schon damals wurde man sich Darüber klar, daß die Zusammenarbeit der Sozia­lsten mit den rechten Parteien unmöglich sein würde. Die Rechte erklärte, daß sie keineswegs den Forderungen der Sozialisten nachkommen könnte, lie Sozialisten wiederum sagten, daß ihre Forde- ningen nur ein Minimum seien, da eigentlich die klusgnbe der Sozialisten im Kabinett Skrzynski viel weiter gehen müßten. Weil sie aber keine Krise »nerhalb der neuen Regierung verursachen wall- -u. beschränkten sie sich auf ein Minimum, dieses 'Xinimum aber müsse von der Regierung durchaus durchgeführt werden. Schon damals entstanden C roße Schwierigkeiten für die Reaierung Skrzynski, ;) daß die Vorsteher der sozialistischen Partei im Kabinett gewechselt werden mußten. Von diesem Augenblick an merkte die sozialdemokratische Partei, daß sie durch ihre Politik innerhalb der Regierung ihren Einfluß bei den Arbeitern in Polen stark ver­loren hatte. Es gab einen Augenblick, in welchem man glaubte, daß durch den Eintritt der Sozialisten in das Kabinett Skrzynski es zu einem Bruch inner­halb der sozialistischen Partei Polens kommen würde, da der linke Flügel dauernd zu den Kommu- niften überzugehen drohte.

Erst auf dem Parteikongreß der Sozialisten, Ende ) vergangenen Jahres, verbesserte sich die Lage der Partei und es wurde ein Beschluß gefaßt, sich mit den Rechtsparteien zu verständigen, evtl, ein Kompromiß zu schließen, nach welchem die Rechte innerhalb der Koalitionsregierung einem Teil ber ' ozialistischen Forderungen nachkommen sollte, um einen Zusammenbruch der Regierung sowie eine eotL Auslösung des Sejms zu verhindern. Unter Diesen Bedingungen blieben die Sozialisten in dem Robinett Skrzynski.

Ende Januar d. I. trat plötzlich eine st a r k e wirtschaftliche Krise in Polen ein, die zu neuen Schwierigkeiten, sowie zu einem weiteren Sturz des Zloty und zur Vergrößerung der Zahl Der Arbeitslosen führte. Die Außenpolitik Skrzynskis

grettag, 30. April 1926

entzückenden Fächerpalmen. genügend Schatten unb Schuh vor Der glüh en den Sonne. Die leuch­tend-grünen Fächerpalmen (Der Stamm sieht tote ein Brrndet zahlloser Dünner Stengel au6) bringen einen lebhaften Akkord in den ernsten grau-blauen und grau-braunen Ton des australischen WaldeS und bilden mit ihren weitausgebretteten spitzen­artigen Fächern ein anmutiges smaragdgrüne- Dach über Dem Haupte Der Fußgänger Man muß sich hart an bic Waldespfadc halten Denn das Innere des Buschs ist ein undurchdring­liches Dickicht von Strauchtoerl. Uetterndem Grase und Schlingpflanzen aller Art. m dessen Tiefe zahllose giftige Schlangen nisten. Sntzückenda Sträucher von Christmastrees , die um die Weih­nachtszeit von Duftigweihen Blüten bedeckt sind. .Dogwoods". Die reizend anzusehen, aber nicht angenehm zu greifen sind, blühenden Myrten und vielen anderen blühenden Sträuchern, geben dem Walde ein märchenhaftes Aussehen, linier Weg führt zum .Black Spur", berühmt durch feine gigantischen Eukalyptusbäume. Manche 250 Fuß hoch und 45 Fuß im Umfang, so daß man ordentlich einen Knacks hn Genick fühlt, wenn man zu ihnen hinauffchaut und bic Höhe dieser Riesen mit den Augen abzuschätzen versucht. Ich legte meine Arme um einen gewöhnlichen Cuka- lyptusstamm, doch gelang es mir nur, ein Viertel des Umfanges zu umfassen.

Nach einer langen Fahrt mit vielen Aus­blicken auf Die berumliegenben Berge, nahmen wir an einem munteren Dache Platz, zu dessen Seiten sich Reihen schöner Fächerpalmen hin- zogen. Der unvermeidliche australische Tee wurde gekocht (ein richtiger Australier trinkt, ganz wie Der Russe, feine 10 bis 12 Tassen täg­lich! unD wir ergötzten uns an Der Vogelwelt des australischen Waldes Zutraulich näherten sich die entzückenden kleinenbluewren (austra­lischer Zaunkönig) mit ihren aufrecht wippenden Fächerschwänzchen der lagernden Gesellschaft und nahmen an unseremAhernoon-Tea" teil, wäh­rend Die schwarzweißenmagpies (australische Elster) einen unglaublichen Spektakel über uw- seren Köpfen vollführten Die australische Vo­gelwelt zeichnet sich mehr durch Farbenpracht als durch musikalische Fähigkeiten aus. Dieser Lärm, Den Die Vögel hier vollführen, zwingt jeden, ich weiß nicht weshalb, unwiderstehlich zum Lachen. Zum erstenmal, als ich einen magpie" hörte, klang es mir wie das Kreischen einet schlecht geölten Tür. Freilich habe ich den empörten Australiern später zugeben müssen, daß Dermagpie", wenn er in rosiger Stimmung ist, z. B. an einem sonnigen Morgen unD wenn er nicht geraDe mit seinem Weibchen zankt, auch sehr meloDische Töne von sich geben kann wie eine Tonleiter. Die Australier behaupten. Die MaDame Melba, Die berühmte Sängerin, habe, als sie in Australien toeilte, ftunDenlang Dem Gesang Der Magpies gelauscht, um ihnen Das Geheimnis ihrer Kunst abzulauschen.

Von europäischen Gästen gibt es hier Amseln und Lerchen. Der eigenartig^« australische Vogel ist aber entschieden DerKookaburra" oder Der lachende Iackaß", (ein Vogel, Der einem Esel ähnelt) ein unglaublich komischer Geselle von Der Gröhe imferer Krähen, grau befeDert, mit außerordentlich großem Kopse und einem Derartigen Ausdruck von Heber legen bei! und Sarkasmus um Augen und Schnabel, daß man kaum seinen Ernst wahren tarnt, wenn man ihn sieht. Als ich ihn zum erstenmal lachen hörte, mußte ich auch laut mit lachen. Demi Der Kookaburra lacht ein wundervolles, ansteckendes homerisches Lachen, gesund und kräftig gurgelt fein lautesHahaha" einem entgegen. Ein la­chender Philosoph, Der sich weidlich über Die Dummheit Der ewig besorgten Menschheit amü­siert:Ha ha ha"' Im Winter, wenn es ungemütlich kalt im Busch und die Sonne sich einige Tage nicht gezeigt, stattet Der Kookaburra den Städtern gern einen Besuch ab. Dann liebt er es, sich auf den wärmenden Schornstein nie» Derzulassen unb von diesem aus sein spitzbübisches Lachen den Menschen ins Zimmer zu senden. Durch die offenen Feuerplätze Dringt der Schall doppelt laut ins Innere des Hauses, sodaß man Den Eindruck hat, als habe ein fröhlicher Be­suchen sich einen gemütlichen Platz auf Dem Sofa gesucht unD schwatze nun mitten unter Den Hausbewohnern. Der Kookaburra ist ein erklärter Liebling Der Australier, Groß und Klein wird nicht müde, ihn zu beobachten und mit ihm zu lachen.

Mehrere solcher beflügelten Eingeborenen Australiens besuchten uns während unseres Pick­nicks und sorgten für Heiterkeit und Witz. Auf Der Heimfahrt beobachteten wir eine Schar wun­derschöner, blau und rot gemusterter Papageien, die von Zweig zu Zweig flogen. Vereinzelt sah man auch ganz grüne Vögel. Auch weiße

Das Positive und persönlich ergreifend Menschliche in Puccinis mit höchster technischer Meisterschaft geformter Musik ist die Lyrik, wie sie sich in Den Gesängen Der kleinen Liu irgenDtoie Schwester Butterflys, doch viel inniger, seelisch noch zarter und stets von besonders liebevoller Orchesterbehandlung getragen und in den Arien des Prinzen Kalaaf ausatmet. Da vergißt Puccini alle tendenziöse Exotik, und es blühen einige seltsame Melodien auf, von noch schwererer Süße, noch sehnsuchtsvollerer Schönheit als bisher.

Bedeutsam anTurandot" scheint mir ihr chorischer Teil: Da gibt es Chöre Der Henker. Des Volkes, Der Priester, Der Weisen. Chöre Der Seelen Der Getöteten. Der klagenden Knoden, Der lockenden Mädchen, geheimnisvolle Stimmen Der Ferne. Manchmal find sie oratorisch, immer sinfonisch geführt und stets bilden sie treiben­des. dramatisches Mittel. So lentt sich unwill­kürlich Der Blick aus altem China nach griechi­schen Tragödien. unb es werden bezeichnendste Gemeinsamkeiten im Wandel aller theatralischen Formen von -Urzeit bis heute sichtbar. Diese Chöre klingen alte ganz wundervoll, ihr Stim­mengeflecht ist von höchster Kunst geführt. Na- türllch üben Die stärksten Wirkungen jene gran­dios gebauten, fast raffinierten Pompfinale Der ersten zwei Akte, Die dort des Prinzen Ent­schluß. hier die Rätselszene zu Wurzeln ihrer fieberen Steigerung haben. Das Orchester Puc­cinis erstrahll, schimmert in gereifter Fülle und Trunkenheit. ES war noch nie so differenziert und vielgestattig. Unvergeßlich wird jedem, bei es erleben durfte, die Tat ToscaniniS bleiben. Sie war so ungeheuer suggestiv, so schöpferisch alS Nachschaffung, daß durch sie der ungetrübte Blick objektiver Kritik fast getrübt werden könnt«.

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