Nr. 504 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen)
Mittwoch, 29. Dezember (926
Aus Natur und Technik
Technischer Rückblick auf das Jahr 1926.
Don Wilhelm Buchmann. (Rachdruck verboten.)
Blicken wir an der Jahreswende zurück jn da» Weltreich der Technik und suchen wir nach den Fortschritten, die der Wenschengeilt auf diesem Gebiete im verflossenen (Zähre geschaffen hat, so fällt uns auf, daß überragende Sriindun- j gen fast völlig fehlen. Wahrlich ein schroffer Gegensatz zum Vorjahre, das reich an Groh- taten des Grfindnngsgeistes gewesen ist! DaS 3ahr 1926 brachte dafür eine stete Weiter- Entwicklung und ein Ausreisen manches kühnen Gedankens.
Unsere Kraftwirtschaft hat bei dem ständigen Anwachsen des Straf tbc Darf $ der Droh» städte und der Industrie Formen angenommen, die an die amerikanischen Vorbilder heran- reiä-en, ja sie sogar überflügeln. Etwa in Jahresfrist ist in Derl i n- Rummels bürg cm Grohkraft- werk aus der Erde gewachsen, das schon jetzt «inen erheblichen Teil des Großberliner Kraft- I bedarss befriedigt und nach seinem völligen AuS- bau eine Leistung von rund 600 003 Kilowatt aufweifen wird. Die größten Fortschritte weist das Kesselhaus auf, wo 16 Kessel von je 1750 Quadratmeter Heizfläche mit 35 Atmosphären Betriebsdruck aufgestellt werden. Die groh- zügige Anlage wird mit Kohlenstaub gefeuert, der im Kraftwerk selbst hergesteUl wird. Der hochgespannte Dampf durchströml Turbinen von 70 000 Pferdestärken, die als Zwillingsmaschinen mit Hoch-, Mittel- und Riederdruckstufen aus» geführt sind. Don jeder der sechs Turbinen- einheiten werden zwei Stromerzeuger angetrie- ben, deren jeder 35 000 Kilowatt Leistung ab- ^161. und zwar mit einer Spannung von 6000
3m Kesselbau haben deutsche Firmen, z. B. Krupp, Bedeutendes geleistet. Es ist möglich geworden, nahtlose Kessel bis zu 18 Meter Länge herzustellen, wobei die Kesseltrommel bis auf ein Mannloch an den Enden zugekümpelt wird. Mit solchen Kesseln lassen sich Drucke bis zu 100 Atmosphären sicher beherrsche.
3n Berlin-Charlottenburg ist, ungegliedert an das dortige Slektrizitätswers, ein Fernheizwerk entstanden, das schon in diesem Winter einen gröberen Bezirk mit Därme beliefert. so z. B. das Deutsche Operirhaus und die städtische Badeanstalr. Die Fernheizung stellt eine neue Aufgabe an die Ingenieure, nämlich die Schaffung eines einfachen, zuverlässigen Wärmemessers, an dem der Verbrauch wie bei einem Elektrizitäts-, Das- oder Wasserzähler festgestellt werden kann.
3m Motorenbau beginnt der Dieselmotor sich jetzt auch das Flugzeug und den Kraftwagen zu erobern. Die Gasturbine will dagegen noch nicht recht vorwärts kommen, obwohl ihr bei richtiger Losung der Aufgabe eine grobe Zukunft blüht. Erinnert fei an die Arbeiten des Professors Dr.-3ng. G. ©tauber rn Berlin an feiner nassen Gasturbine. Aus Amerika kam die Aachricht, das; es Whitney gelungen sei, eine Pulverkraftmaschine zu er- finden, die mit rauchlosem Pulver betrieben wird und angeblich einen Wirkungsgrad von über SO v H. haben soll.
Der elektrische Einzelantrieb von Arbeitsmaschinen zum Ersah der sogenannten Transmissionen hat erfreuliche Fortschritte gemacht: er führt zur Elektcoarbettsmaschine, in der Motor und Maschine ein einheittlch^ Ganzes bilde.u Auch die elektrische Gasreinigung beginnt sich in immer gröberem Maße neue Anwendungsgebiete zu erobern. Sie ist bereits mit Erfolg in hüttenmännischen und Kohlenverwertungsbetrieben, in der Zement-, chemischen und Textil- inbuftrie sowie in Mühlen angewendet worden.
Zur Sicherung der Bergwerke gegen die Ausbreitung von Zerknallen schlagender Wetter oder Kohlenstaub ifl die Gesteinstaubstreunng ein» geführt worden, die sich gut bewährt.
Aach wie vor sind die Augen der Welt auf das Oelgewinnungs versa hi en von Professor Ber° gius, das Berginverfahren, gerichtet, das bei dem riesigen Verbrauch an flüssigen Brennstoffen und seinem stetigen Anwachsen sowie wegen der Gefahr der Erschöpfung der natürlichen Quellen die gröfjte Bedeutung für die Zukunft hat.
3n der Melallveredelung sind er» frauliche Fortschritte zu verzeichnen. Durch ein neues Verfahren gelingt es, gewöhnliches Guh- eisen weitgehend zu veredeln. Das glühend flüssige Eisen wird dazu lehr schnell mechanisch geschüttelt, es erhält dadurch ein gleichmässiges und festes Gefüge. Die Firma Krupp erreichte nach langen Bemühungen ein Heist ersehntes Ziel, das .Allem" von Flusteifen zu beseitigen. Das neue Flusteisen ist bereits im Handel.
Die Deutsche Reichsbahn hat Versuche zur selb st tätigen Stillsetzung von Zügen beim ülebrrfähren geschlossener Signale gemacht unb will einige Strecken zu weiteren Der- suchen mit dieser Vorrichtung ausrüsten. Auch ( selbsttätige Signale für Eisenoahnübergänge sind erprobt worden, die vom Zuge gesteuert werden. An Stelle der Signalarme usw. kommen die TageSlichrsignale immer mehr in Ausnahme.
Der Slapellaus des Windkraftschiffes .Barbara" mit drei Zlettnerwalzen war das am meisten beachtete Ereignis im Schiffbau Das eigens alS Windlrastschisf gebaute Fahrzeug wird auf seinen Reisen den Beweis erbringen müssen, ob sich die darauf gesetzten Erwartungen erfüllen.
Die Luftfahrt hat ihren Siegeszug weiter fortgesetzt. Bemerkenswert sind die deutschen Pläne zur Erforschung dec Arktis unter internationaler Beteiligung Amerika rüstet sich, Riesenluftschisfe für 100 Pers men zu bauen, die als Anhängsel im Kriegsfall 20 Kleinflugzeuge mit sich führen sollen. Besondere Beachtung beansprucht der von Dr. E. Lemperts vorn L.--Z.- Konzern im Luftschiffbau Zeppelin gemachte Vorschlag, statt der Benzinmotoren zum Antrieb von Luftschiffen Gasntotoren zu verwenden. Dies hat den Vorteil, dast Gas vom Gewicht der Luft, daS also praktisch gewichtslos ist, mitgeführl werden kann, so dast das Schiff während der ganzen Fahrt durch den Detricbsstoffverbrauch nicht erleichtert wird und sein Auftrieb gleich bleibt. Der deutsche Flugzeugbau Rumpler will mit einem Riesenflugzeug für 150 Personen den Ozean bedingen; die Pläne liegen bereits fertig vor. Dte Höchstgeschwindigkeit der Flugzeuge ist immer mehr gesteigert worden; die Welthöchstleistung beträgt 492 Kilometer in der Stunde, die der amerikanische Kapitän Mosley auf einem Packard-Doppeldecker erreicht hat. Ford geht zur Massenherstellung von Reinen Sport- und Verkehrsflugzeugen über. Der Sicherheit gegen Flugzeugabstürze sollen Riesenfallschirme dienen, die daS ganze Flugzeug sanft zur Erde tragen. DaS Flugzeug wird immer mehr zur Landesvermessung yeranaezogen und leistet dabei Erstaunltches. Dank her hohen Stellung der deutschen optischen Industrie hat Deutschland die vollkommensten Apparate für diesen Sonderzweig herausgebracht. Auch die Schädlingsbekämpfung vom Flugzeug aus hat namentlich in Wäldern gute Ergebnisse gezeitigt: die Firma E. Merk in Darmstadt hat hierzu ein Calcium- Arsen-Präparat hergestellt, das für Menschen unb höhere Tiere unschädlich ist.
Die Einführung der Selbstanschlust- ämter macht rüstige Fortschritte. Die deutsche Reichspost will innerhalb 15 Jahren alle Fernsprechämter und auch eilten groben Teil des Fernverkehrs auf den selbsttätigen Betrieb umstellen. Zn Berlin sind die ersten Anrufsäulen für Droschkenbestellung durch den Fernsprecher ausgestellt worden. Der Teilnehmer wird auf den Wunsch ..Autoruf" mit der Vermittlung ter Autorufgesellschaft her bunte.:, die seine Anschrift und seine Bestellung entgegennimmt und den Aus trag an die der Wohnung des Bestellers am nächsten liegende Autorufsäule toeitcrgibt 3m 3a*uar wurde der schon länger ungetünbigte Zugfernst-rechverkehr auj der Strafe Berlin—Hamburg der Öffentlichkeit über geben. Die Einrichtung erfreut sich reger Benutzung: weitere Strecken find im Ausbau begriffen. Deutschland ist das erste Land, das den Zugfern- sprecher eingeführt bat; deutscher Erfindergeist und deutsche Tatkraft haben daran das Haupi- verdienst, Unter Druderland Oesterreich hat als erstes europäisches Land den Zugrundfunk eingeführt, der den Fahrgästen auf langen Fahrten die Langweile vertreiben soll. Die Hörer können gegen ein geringes Entqeld geliehen werden; man stöpselt sie im Abteil in eine Wand- steckdvse ein und empfängt die Darbietungen der österreichischen Sender Berlin konnte die Einweihung dcs 138 Meter hohen Funkturms anläst-
Die Telegraphie der Zukunft.
Don Karl Ammon.
3n technischen Zeitschriften liest man neuer» bingS allerhand Gedanken über die Weiterent- hing der Fernschreiberei, der Telegraphie. Diese Erörterungen sind einerseits dadurch veranlaßt, dast die Telegravhie in allen (Staaten zum Teil rocht erhebliche Zuschüsse erfordert, andererseits aber durch die Fortschritte der Bildtelegraphie hervorgerusen, denn es ist offenbar, dast man die Schrift auf einem Blatt Papier als Zeichnung betrachten und sie ebenso übermitteln kann wie ein Bild. Das geht sogar viel schneller als die llebermitilung von Buchstaben nach Buchstaben. Ein Lichtstrahl huscht in senkrechten, ganz schmalen Streifen von oben nach unten über das Papier, bis er schließlich die ganze Fläche abgetastet hat — und auf ter Empfangsstelle wirkt ein Lichtstrahl auf einen Film oder unmittelbar auf photographisches Papier ein und erzeugt so die vielen schwarzen Punkte, aus denen sich die Schrift zusammenfetzt.
Bei diesem Verfahren braucht iich die Post überhaupt nicht mehr um den Inhalt des Telegramms zu rümmern, es brauchen auch keine Worte gezählt zu werden — es kann ihr ganz gleichgültig fein, was ter Absenter auf sein Papier geschrieben oder gezeichnet haft nur die Anschrift mutz deutlich sein. Man bezahlt eben Tin fach nach dem Quadratzentimeter benutzter »Fläche, oder, da die Zeilenbreite vermutlich vorgeschrieben werten wird, näch ter Länge in Zentimetern.
So ähnlich wird sich die Telegraphie in der Tat aller Voraussicht nach in Zrckunft gestalten, aber vermutlich wird eins in ter Anordnung noch geändert werten' das kann man aus ter
bisherigen geschichtlichen Entwicklung ter Telegraphie mit ziemlicher Sicherheit schließen; denn eine recht große Zahl von Schnelltelegraphen, die wir heute in Benutzung haben, hat in der ersten Ausführung die Buchstaben beim Empfänger mit Licht auf lichtempfindlichem Papier erzeugt, z. B. auch der König ter Telegraphenapparate der Siemens-Schnelltelegraph. Man kann aber mit gutem Gewissen behaupten: Bei keinem hat sich dieses Verfahren bewährt, weil es zu umständlich ist, das lichtempfindliche Papier vor Derzeitiger Belichtung zu bewahren, weil man die aufgenommene Schrift entwickeln, fixieren und dann trocknen mutz, und weil sie auch dann oft nicht lichtbeständig ist. Das Arbeiten mit den chemischen Flüssigkeiten ist zudem nicht nur unbequem und zeitraubend, sondern führt auch leicht zu Störungen an den Apparaten. Alle diese Telegraphen sind daher dazu übergegangen, die Schrift mit Farbe auf mechanischem Wege zu erzeugen. Es gehört daher keine große Sehergabe zu der Voraussage, daß man wohl auch bei der neuen Art der Schriftübermittlung die schwarzen Punkte, aus denen sich die Schrift beim Empfänger zusammenseht nicht durch Licht, sondern mechanisch mit Farbe auf das Papier bringen wird. Ob man das mit einem Stift oder z. D. in ter Weise tun wird, daß man feinste Tröpfchen darauf spritzt, ist schließllch gleichgülitg. Es gibt einen Apparat für Kabel- telegravhie, bei tem dieses Aussprihen der Farbe dadurch erzeugt wird, daß man das Papier im einen Sinn, die Farbe, die tem Papier in einem zitternden Haarröhrchen nahe kommt, aber im anderen Sinn elektrisiert, so daß sich Papier und Farbe anziehen. Dieser Weg ist also sehr wohl ö entbot. Schließlich ist eben die Wiedergabe durch Licht geeignet, nicht nur die Farben schwarz und weih berrronubringep. sondern auch olle Jtoi-
lrch der 3. Großen Deutschen Funkausstellung begehen. die ein beredtes Zeugnis von ter Entwicklung der deutschen Funkindustrie im verflossenen Jahre gab Als besonders interessant sei hier nur die Loewesche Mehrfachröhre erwähnt, die auch im Ausland berechtigte» Aussehen er- regt Hal. Bedeutende Fortschritte hat bic Telegraphie mit kurzen Wellen, insbesondere die g e - richtete Telegraphie zu verzeichnen. Es waren besonders die Amerikaner und Engländer die mit ganz geringen Energiemengen einen Lieberseeverkehr zwischen ihren Ländern und nach 'Australien durchführen konnten. Das britifck - Weltreich wird die gerichteten Kurzwellen für das koloniale Rachrichten netz in weiterem Umfang verwenden.
Die Dildtelegraphie. der im 3ahre 1925 durch die Erfindung der Karvluszelle neue Entwicklungswege geöffnet wurden, bat praktisch greifbare Formen angenommen und die Erfindertätigkeit wiederum in hervorragendem Maße angeregt. Viel ist noch im Werden begriffen, aber schon heute werten Wetterkarten für die Schisse auf hoher See gefunkt, deren Aufnahme mit verhältnismäßig einfachen Apparaten einwandfrei gelingt. Die Ausgabe des Gleichlaufs von Dildsender und -empfänger, die sehr große Anforderungen stellt, soll nach neuesten Rachrichlen vom norwegischen Ingenieur Petersen mit piezoelektrischen Kristallen, den gleichen, die auch für die neuen Wellenmesser benutzt werten, gelöst worden sein. Solche Kristalle, die elektrisch angeregt werden, haben genau wie eine Stimmgabel eine Eigtnfrequeitz, die äußerst gleichbleibend ist, so daß die Üebertragung besonderer Gleichlaufzeichen zwischen Senter und Empfänger überflüssig wird.
DaS Zeihsche PrvjektivnSplaneta- rium ist dadurch wesentlich vervollkommnet »orten, daß mit einem einzigen Apparat sowohl ter nördliche tote auch ter südliche Sternhimmel zusammenhängend dargestellt werden können. Zahlreiche deutsche Städte haben Planetarien ciuf- geftcllt oder ihren Dan für das kommende 3ahr beschlossen. Reue Wege hat der Deutsche Alexander Lahlo mit seinem „Li ch t k l a v i e r" beschritten, das eine Verbindung von Farbe und Ton bringt. Die Töne werten von ständig wechselnden farbigen Lichtwirkungen expressionistischer Art auf einer Leinwand begleitet
3n ter Filmaufnahmetechnik hat sich das Schüfstansche Spicgelverf-ahren Dahn gebrochen. Es vermeidet die teuren Rr^enaufbaultn dadurch, daß .iur der kleine Teil, auf dem sich die Handlung absp'ell, wirklich gebaut wird, währe" b alles Uevrig? in Form von kleinen Modellen in das Dild hineit.gespiegelt tvird. Eine Reihe von Filmen bringt bereits Ausnahmen mit tem neuen Verfahren.
AuS den Gebieten ter Physik und ter Chemie seien besonders die wohlgelungenen Versuche von Siemens und Halske erwähnt, große Kupfer- cinkristalke herzustellen. Gin dicker Einkristall kupferst ab läßt sich leicht von Hand zur Hufeifenform zusammenbiegen; infolge der durch das Biegen herdorgerufenen Störung im inneren Gefüge gelingt es aber nicht, das Hufeisen wieder aufzubiegen. Den deutschen Chemikern Professor Paneth und Dr. Peters von der Berliner Universität ist angeblich die künstliche H e r - stellung von Helium gelungen. Begreiflicherweise begegnet dirirS Ereignis angesichts der fehlgeschlagenen Versuche Miethes zur Umwandlung von Quecksilber in Gold großen Zweifeln, und man wird abtoarten müssen. wc»S die Wiederholung der Versuche durch andere ergeben. Unsere Kenntnisse von den Strahlen wurden durch den amerikanischen Forscher Millikan wesentlich ertoeitert, der außerordentlich kurze Strahlen feststellen konnte, die angeblich aus dem Weltenraum stammen, Dem forschenden Menschengeist wird unsere Erde zu klein, es drängt ihn hinaus ins Weltall. Richt nur schauen will der Mensch, sondern auch aus der Erdanluft heraus zu fernen Weltkörpern möchte er dringen, sei es zunächst auch nur mit drahtlosen Wellen, von denen man ein Echo zurückwünscht, oder mit Raketen. 3n Wien wurde auf Grund dieser Sehnsucht eine Gesellschaft für Weltraumforschung gegründet. die eine Rakete zum Monde schießen will. Sie soll auf die Reumondscheibe auftreffen und dort eine so große Menge mitgeführten Blitzlichts entzünden, dah das Licht nril unseren vorzüglichen Fernrohren wahrgenommen werden kann.
schenstufen; bei ter Schrift ist das aber nicht nötig. Man kann sich daher Umständlichkeiten, die zur Dildwietergabe nötig sind, bei ter Schrift- Wiedergabe sparen.
Ohne Zweifel wird die Telegraphie durch dieses Verfahren ganz außerordentlich vereinfacht, und doch reicht sie in ihrer Bequemlichkeit für den Benutzer auch dann noch lange nicht an ihren Sohn, den Fernsprecher, heran. Es ist deshalb zu vermuten, daß sich neben der bisherigen Art der Telegraphie, bei der man ein nietergeschrie- bened Telegramm der Post zur Beförderung übergibt, eine zweite Art ter Telegraphie, die eigentliche Fernschreiberei. herausbilden wird, womit in Öen Vereinigten Staaten bereits begonnen worden ist. und für die auch in Deutschland schon feil vielen Jahren Ansätze vorhanden find. Bei dieser Fernschreiberci erhält der „Teilnehmer" eine Art Schreibmaschine, mit ter er feine Rachrichlen selbst unmittelbar gibt, intern er sich wie beim Fernsprecher verbinden läßt. Tie Rachrichten erscheinen dann auf der Schreibmaschine des Angerusenen an einem beliebig fernen Ort in Maschinenschrift, und zwar auch dann, wenn niemand zur Dedienung deS Empfängers anwesend ist: Man findet eben dann die Rachricht vor, wenn man nach Hause kommt oder kann gleich morgens beim Betreten ter Geschäftsräume die spät abends, in der Rächt ober morgens ganz früh eingegangenen Rachrichlen lesen. Tas ist zweifellos eine große Annehmlichkeit, und zwar auch für den Absenter, denn eÄ ist bequem, wenn man etwas, was man einem andern mittetlen will, sofort absehen und so sein Gedächtnis entlasten kann, und nicht durch die Antwort „beseht" oder „öer Teilnehmer meldet «ich nicht!" gezwungen wird, weiter daran zu denken.
Zur ersten Art der Telegraphie, der Ueber- mittlung von Schritt im Bildübermittlungsver-
Drei Honoiö^emHer als Nobelpreisempfänger.
Don Prio.-Doz. Dr. Lothar h o d , Gießen
Wenn die jüngst zur Lerieilung gelangten Nobel preise für Chemie dem Deutschen N t ch a r b Zs l g- m o n b o , Göttingen, dem Schweden The Gothberg, Uplüla, und dem Franzosen Jean Per- rin. Vnr;v pur Physik) viaelprcxhcn wurden, so bars darin nicht nur eine Würdigung der großen Verdienste dieser drei Meister der modernen Experi- mentiertunft, iondrrn Augleid) — und -um ersten Mole feiten» dieses bebeutfamen internationalen Forums der Wlstenjchast — eine hervorragende Anerkennung kolloidchemischer Forschung erblickt wer- den. Zählen doch alle drei Forscher zu den glänzendsten Vertretern diese» Zweiges der physikalischen Chemie, der ebenso für die experimentelle Begrün- düng der uralten und doch immer wieder angefochtenen Atomtheorie wie für da» Verständnis biologischer Vorgänge von Bedeutung geworden ist und demgemäß eine seltene Anziehungskraft auf ’Jlatur- forscher der verschiedensten Richtungen ausübt. E» kann an dieser Stelle nicht versucht werden, die Gc famtleiftung der drei Manner zu würdigen, vielmehr wird die innere Linie aufzuzeigen sein, bk ihre wichtigsten unb für die allgemeine Natur- crkenntnis bedeutungsvollsten Arbeiten miteinanber eng verknüpft erscheinen laßt.
Cs handelt sich dabei nicht um jene ©ruppe kolloidchemischel Probleme, die beispielsweise in besonderem Maße da» Interesse der Medi ziner und Biologen gefunden haben, sondern um dir Probleme der »genannten exakten Kolloidchemie die in aller Strenge mit Maß und Zahl die Er- fcheinungsgebiet zu beherrschen trachtet unb bannt den sicheren Grund legt für den Ausbau einer Wissenschaft, die sich mit guter Aussicht auf Erfolg dann auch in ihrer Anwendung auf verwickelterr Systeme handhaben zu lasten verspricht.
In den sogenannten kolloiden Lösungen oder Solen stehen uns eigentümliche Systeme gegenüber, in denen die gelösten Stoffe nicht — rote zum Beispiel in einer echten Lösung von Zucker - in so feiner Verteilung enthalten sind, daß sie darin in Gestalt ihrer kleinsten Bausteine, der Mole füle, auftreten, sondern in Form größerer Molekule- housen. Sie erscheinen dem Auge zwar gleich jenen völlig homogen, unterscheiden sich aber von ihnen optisch leicht durch das Auftreten de» Faraday Tyndallkcgels, den man erkenn!, wenn man ein hineingesandtes kegelförmige» Lichtbündel von der Seite aus betrachtet: die Spur des Lichtkegels wird infolge darin ftattfinbenber diffuser Zerstreuung des Lichtes an den Kolloidteilchen als Trübung sichtbar, ähnlich wie Sonnenstäubchen unserem Auge unsichtbar bleiben, wenn wir zur Sonne ge wandt auf sie blicken, aber in Erscheinung treten, sobald wir die einfaüenbe Sonnenstrahlung von der Seite aus betrachten. Im weitesten Sinne werden mir alle Systeme als kolloide Lösungen bezeichnen dürfen, deren Teilchen eine Größe besitzen. die zwischen öer Größe der einfachen Moleküle einerseits und der Teilchengröße von groben Suspensionen lz- B. Tonausschwemmungen, die sich nicht mehr leicht absetzen) anbererleitd liegt. Teilchen von letz, terer Größe ist der Durchgang durch gewöhnliche Papierfilter im allgemeinen gerade noch möglich: sic sind auch unter dem Mikroskop zu erkennen. Diese mikroskopische Nachweisung ist aber nur bl» au einer gewissen Teilchengröße/ herab möglich, bei deren Unlerschreituna da» Auflösungsvermögen selbst de» besten Mikroskopes, was sich auch theoretisch bartun läßt, versagt. Don zwei Punkten, deren Abstand kleiner als etwa der 6000. Teil eines Millimeters ist, kann eine geometrische Abbildung mittels des Mikroskopes nicht mehr erzielt werden. Die kolloiden Losungen, die nicht gerade an der Grenze grober Suspensionen stehen, enthalten also zahllose kleine Teilchen, so kle.i n, daß sie mikroskopisch bildhaft nicht mehr erkennbar find, fo groß anbercr|eite, daß sie noch aus Abertaufenden echter Moleküle zuiammengeseszt sein müssen. Bei eingehenderem Studium dieser Systeme, mit tem sich zuerst F a - raday und Graham beschäftigten, gelangte man nun zur Vermutung, daß ter Berteilungsgrab ge- (öfter Stoffe kontinuierlich alle Stufen durch, schreiten könne, indem zwischen den molekular- dispersen und dem grobdispersen Systemen olle Zroifchcngrode Vorkommen. Ist diese Auffassung berechtigt, so bestehen zwar große graduelle, hingegen keineswegs grundsätzliche Unterschiede zwischen echten Losungen unb kolloiben Lösungen; die Eigen- schasten der letzteren müssen sich in einer Reihe von kontinuierlichen Ile Hergängen schließlich denen
fahren, ist eine geradezu ungeheure Stromstoß- schnelligkeit erforderlich, die sich wohl bei der «'S-unlübcimitllung erzielen läßt unb auf ganz kurzen oberirdischen Leitungen auch. Auf längeren Leitungen aber und vor allen Singen auf Kabeln stehen einer so schnellen Folge von Stromreizen vorläufig unüberwindlich ScAoierig- keften entgegen. Wan wird daher In solchen Fällen mit TelegraHhenapparaten bisheriger Art Weiterarbeiten müssen. Für den Fevnschreib- teilnehmer aber ist die Hauptsache die Schaffung eines möglichst handlichen, billigen und einfach zu bedienenden Apparats, mit dem man genau so arbeiten kann, wie mit jeder Schreibmaschine. (Sö ist alle Aussicht dazu vorhanden, daß er geschaffen wird. Er wird vermutlich so ausfallen, daß zu schnell aufeinanderfolgende Tastenanschläge gewissermaßen aufgespeichert und vom Senter ganz regelmäßig abgesandt werten, so dah der «Sender den Schreibenden in den beim Schreiben immer eintret tuten Pausen immer wieder einholt.
So wird sich also einerseits die Telegraphie selbst verjüngen, intern sie neue, bequemere Mittel zur Bewältigung des jetzigen Talegrammver- kehrs anwendet, ilnö fie wird einen zweiten Sohn heben, einen Bruder des Fernsprechers, den Fernschreiber, ter es gestattet, jedem andern schriftliche Rachrichten au‘ feiner Schreibmaschine zuzudrucken, ohne daß man deshalb sein Arbeits. zimmer zu verlassen braucht. Unfern Urenkeln aber wird man vielleicht einmal im Postmuseum einen Briefkasten zeigen und ihnen feinen Zweck umständlich erklären müssen, denn sie werden ee gar nicht mehr verstehen, daß man au ihrer Vorfahren Zeilen Gedanken wie Waren oeforöern mußte, statt sie beim Empfänger im Augenblick ihres Entstehens unmittelbar erscheinen zu lassen'


