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tZLeirtjcrn, Sir Austen Chamberlain, ver­hindert worden, der in diesem Falle die Llnterstützung Lord Dalfours gefunden habe.

Aus dem Auswär!igen Amt.

Wie nach Dlättermeldunaen verlautet, wird der Dortragende Legationsrat Windeis aus der Per­sonalabteilung des Auswärtigen Amtes das neu« errichtete deutsche Generalkonsulat In Algier über­nehmen. L-egationsrat Leinburg, der bisher ebenfalls der Personalabteilung angehörte, wird als Generalkonsul nach Alexandria gehen. Der bis­herige Leiter der Personalabteilung, Ministerial- direltor von Stohrer, wird den ihm über­tragenen Gesandtenposten in Kairo im Laufe des Januar antreten. Ebenso wird der frühere Pressechef der Reichsrepierung, Ministerialdirektor K i e p, seine neue Tätigkeit als Botschaftsrat in Wa­shington im Januar beginnen.

Ein angeblicher Spionagefall in Paris.

Paris. 29. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die ge'trijcn Abendblätter melde en, daß am 21. De e.-.tEe: di Mann namens Stande rs unter dem Verdacht der Spionage sür Deutschland verhaftet worben f:L Die Spionageakte sollen in dem jedermann zugänglichen Räumen des Grand Palais, wo zur Zelt eine Flug - zeuaausstellung stattfindet, begangen wor­den sein. W e heute ..Matin" seststellt, handelt es sich um einen 4öjährigen, ehemaligen Ka­pitän der englischen Armee, der der Luf.schl fabteilung des bri.ischen Generalstabes angebört habe und jetzt eine französische Flug- S.i:ma in Deutschland vertrete. Sein Auf­alt in Paris soll, wie Standers angibt, dem Anlauf von Motoren zum Zwecke gehabt haben. Standers bestreitet es im übrigen, irgendwie die Sicherheit des französischen Staates gefährdet zu haben, denn es habe sich nur um Aus­künfte technischer Art gehandelt und nicht um ml iiärische Geheimnisse. Auch über Lanks und dir Verteidigung der französischen Küste habe er keinerlei Ausschlüsse geben können, da er nie dort gewesen sei. Der einzige Punkt, über den er sich hätte unterrichten können, sei die Tluscüstung der franzö.i chen Flugzeuge mit Ma­schinengewehren gewesen.

Kleine politische Nachrichten.

Wie die Agencia Stefan! meldet: wird heute im Palazzo Lhigi der Freundschasts- und S ch i e d s v e r t r a g zwischen Italien und Deutschland unterzeichnet werden.

Der Kattowltzer sozialdemokratischeVolks- wille" ist auf Anordnung der Kattowiger Polizei« direktion abermals, also innerhalb acht Tagen das drittemal, beschlagnahmt worden.

Der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. P u n d e r , sprach der Reichstayskraktion der So­zialdemokratischen Partei zum Htnscheiden des Abg. Z u b e i l zugleich namens des abwesenden Reichs« kanzlers telegraphisch seine aufrichtigste Teilnahme aus.

Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat den Parteiausschuß zum 11. 9a» iiuar 1927 nach Berlin zu einer Sitzung einberufen. Aul der Tagesordnung steht die Erörterung der po- litischen Lage und die Vorbereitung des vom 22. bis 27. Mal in Kiel stottfindenden Parteitages.

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Der japanische Ministerpräsident hat am Sonn­tag bei Eröffnung des Parlaments die Thron- r e d e verlesen. Das Parlament hat ungefähr drei Millionen yen für die Beifetzungsfeier- lichkeiten für den verstorbenen Kaiser bewilligt und seine Beratungen alsdann bis zum 15. 9anuar vertagt.

Der Haupträdelsführer der kommunistischen Aufstandsbewegung auf Java, Dachlan, ist ver- haftet worden.

Aus aller Wett.

Vertretertag deSPreutzischen Lehrervereins

Dom 27. bis 29. Dezember sand in Görlitz die 8. ordentliche Dertretertagung des Preußi­schen LehrervcreinS statt, zu der-etwa 1000 Teil­nehmer erschienen waren. Internen Sitzungen folgte am Dienstag vormittag ein offizieller Empfang im Görlitzer Rathaus. In einer schul- hygienischen Rebenversammlung wurde ein Re­ferat des ReltorS Lorentz vom Aeichsausfchuß für hygienische Fortbildung über die Anteilnahme der Lehrerschaft an der hygienischen Dolks-- bildungüarbeit entjegengemymmen. Mrdizinalrat Dr. Engelmann legte den Entwurf eines Schularztgesetzes und Vorschläge für dessen Aus­gestaltung vor. Der Präsident des Obervcrwal- tungsgerichtZ Deriin, Staatsminister a. D. Dr. D r e w s, hielt einen Vortrag überDie D:r- waltungsresvrm und ihre Bedeutung für die Schulen". Die Versammlung nahm eine Ent- ichliestung zur Derwaltungbreform an, ferner eine solche zur Frage der Lehrer,ortbildung und zur Frage der körperlichen Züchtigung in der Schule, gegen die sich die Versammlung aus­sprach.

Telephonverkehr LondonNeuyork.

Der englische Generalpostmeister teilt mit, daß angesichts der befriedigenden Fortschritte in den Versuchen mit transatlantilcher Telephonie die Hoss- nung besteht, einen vorläufigen öffentlichen Tcle- phondienst Anfang 9anuar n.9. mit dem Telephon- be-irk Neuyork zu eröffnen. Für ein DrebMinuten- Gesp.äch werden 15 Pfund Sterling berechnet. Jede weitere Minute kostet fünf Pfund Sterling.

Der Deihnachtsverkchr in London.

Der WeihnachtsverL.chr in London hat in Diesem Jahre einen ries igen Umfang er­reicht. Es wurden ungefähr vier Millioien Pa­kete und 50 Millionen Briefe von der Post ex- pcdiert. Die Londoner Straßenbahn hat an den drei Weihnachtslagen 4 750 000 Passagiere be­fördert

Brand im Münster von Säckingeu.

Das Innere des SäckingerFridolinmünsters, in dem der historische Trompeter non Gückingen begra­ben liegt, wurde von einem Brande heimgesucht. Der entstandene Schaden wird dadurch erheblich, dah außer dem durch die Flammen vernichteten Kirchen- gestühl auch einige Gemälde durch Rauchwirkung he» schädigt wurden.

Frankreichs Währungskrise.

Ist P o i n c a r e wirklich ein Finanzkünstler? Der Erfolg spricht ja für Urt, denn er hat es durch etwelche Maßnahmen fertigzebracht, den Frankenturs erheblich zu verbessern. Er muh also dach mehr formen, als der bedächtige D o u- mer, der gesch ite Bonnet oder gar als der kluge Joses Cai Hau?. dem sribst seine politi­schen Gegner den Grad eines Finanzkenners und Könners ersten Ranges lassen. Ais Poin- care als Retter ins Finanzministerium zog, wur­den 100 Franken mit sieben oder acht Reichsmark bezahlt Heute kosten sie 17 bis 18 Mark, also eine Leistung, die sich schon sehen lassen kann. Allein das Wunder, das Poincarg vollbracht hat, ist nur scheinbar ein Wunder. Er hat mit sehr groben Mitteln gearbeitet oder arbeiten lassen, um zunächst einmal das Abgleitrn des Frankenkurfes aufzuhalten. Zu di.srn groben Mitteln gehörte die Auflage neuer Steuern, die Poincars bewilligt wurden, nach­dem die Kammer alle Finanzminister, die seit Ende 1924 den gleichen Versuch machten, einfach gestürmt hatte. Poincare konnte also den Haushalt ins Gleichgewicht bringen, ab:r nicht toejen der neuen Steu rn, sondern weil P:incar6 entschlossen war, auf diesem Wege fortzuschreiten, wenn der erhoffte Erfolg nicht erzielt werden sollte. War aber einmal dem Frankenkurs ein Hemmschuh vorgelegt, dah er nicht mehr abwärts gleiten konnte, dann muite der Auftrieb des Kurses ganz von selbst einsetzen.

Indes en sind noch nicht alle Schleier ge­lüftet, besonders nicht von der Tätigkeit der Bank von Frankreich. Sie verfügte mit einmal über die Mittel. um das auf dem Markt angeLo.e e fremde Deoisenmatericll aufzukau en. Es war durchaus berechnet und beabsichtigt, dah sich nun auch die Spekulation mit umgekehrtem , iel am Au trieb des Frankenkurfes beteiligte. Hatte sie vorher auf Danse spekuliert, so spriu- lierte sie nun auf Hauste. Wieder schien der Frankenlurs davonzulaufen. zum Ent'etzen von Regierung und W.r.schast. Die Wä,rungsbesesti- gung ist eben nicht nur ein finanztechnisa;er Vor­gang. Sie erschöpft sich nicht darin, dah die sran- zösiche Regierung einige Milliarden Papier- franlen Dorschuh an die Dank von Frankreich zurückbezahlt, um dadurch den Rotenumlauf in korrespondierendem Verhä'tnis zu senken. Die Währungsbe estizung spiet vielmehr in die Wirtschaft selbst hinüber, wobei die Hei­ligkeit und Plötzstchkcit der Krise durchaus ab­hängig ist von der Verflechtung in die inter- na.ionale Wirtschaft.

Zweifellos hat auch der Grubenarbei­ter st reit in England die Währungskrise In Frankreich günstig beeinflußt. Die Ausfuhr hätte sonst nicht so flott durchgehalten worden können, wären die internationalen Kohlen- u.io Eisen­märkte nicht so aufnahmewillig gewesen. Aber als Ganzes bedeutet der Auhenhandel in der Zeit des Währungsverfalls für Frankreich keinen volkSwirtfchastlchen Gewinn. Cs hat 1925 für 41 Milliarden Franken ausgeführt, für 38.5 Milliarden Franken eingeführt, also einen lleber- schuh von 2,5 Milliarden erzielt. Für die ersten elf Monate 1926 haben Einfuhr und Ausfuhr mit 54,4 Milliarden Franken sich so wirklich die Wage gehalten, aber der Einfuhrwert war doch um 300 Millionen Franken höher. Die Wertsteigerung ist nur nominell, durch das Sinken des Frankenkurfes bedingt, während knen- genmäfjig das Ergebnis des Vorjahres nicht viel überholt wurde. Ohne den englischen Streik würde der Auhenhandel Frankreichs im Krisen­jahr 1926 mit einem erheblichen Fehlbetrag ab- schließen.

Und hier setzt denn auch die Wirt­schaftskrise in Frankreich ein, eine Krise, deren Ablauf durch die WährunAsbefestigunig nicht gemildert, sondern verschärft wird. In Deutschland haben wir in den Inflationsjahren erlebt, wie jede Preisberechnung und Preis­gestaltung schon für die nächsten Wochen un­

möglich wurde, well das Zellmaß der Geld­entwertung überhaupt nicht eingeschätzt und vor- audgeleben werden konnte. In Frankreich liegen die Dinge umgekehrt- der Franken sinkt nicht mehr, sondern steigt, was für die Inland- uni) Auslandverkäusec die Deranlasiung ist, die nächste Entwicklung abzuwarten Das aber hat zur Stockung auf den Warenmärkten geführt, deren vollen Rückstoh die Wirtschaft durch Verschiebung und Lahmlegung der Pro­duktion auszuhalten hat. Im Sommer rieben sich die französischen Wittschaflspolitiker die Hände: Frankreich kennt keine Arbeitslosigkert. die Industrie Ist voll beschäftigt. Run lernt Frankreich das Grinst der Arbeitslosig­keit kennen, fo sehr sich auch seine Wiri chafts- politiker gegen tie Erscheinung sträuben. Wenn heute 250 000 Arbeitslose gezählt werken, so soll das bei dem überspannten Deschäftigungs« grab durchaus normal sein. Das ist ein Trost, aber ein schlechter.

Frankreich kann die Heftigkeit der Ausladung einer Erwerbslofenkrise zunächst auf die auslän­dischen Arbeiter abschieben. Nur kommt es damit über die Krise nicht hinweg, denn die ausländischen Arbeiter sind für Frankreich das Rüstzeug, das es unbedingt gebraucht, um bei feiner geringen Be­völkerungsdichte die gegebenen wirtschaftlichen Ener­gien überbauet entfalten zu können. Für Frank­reichs Eisenindustrie wäre beifpielsweife heute der Rückschlag noch härter, die Abjatzkrise noch gröber, hätte sie sich nicht durch den Rohstahlpakt gewisie Absatzmärkte gesichert. Aber schon droht ein neues Verhängnis. Solange Poincare mit der Befestigung des Frankenkurfes beschäftigt war und ist, hatte und hat er einen Grund zu der Ausrede, den Schul­denoertrag mit Washington nicht zu vollziehen. Nun aber kommt England, das den finanziellen Aderlaß des Bergarbeiterstreiks doch einigermaßen [pürt, um das erschütterte Gleichge­wicht seiner Zahlungsbilanz wieder herzustellen. Für den Franken kann es eine neue Krise geben, wenn England unnachgiebig darauf pocht, daß Frankreich seine Schulden bezahlt.

Die Arbeitslosigkeit in Frankreich.

Paris, 28. Dez. (WD.) DerParis Soll" berichtet in Fortsetzung seiner Enquete über die 2Ir2ei slos gleit, tu S:k.e äre der Ee e.k.chastrn .ten ijm erklärt, das; in Paris und Umgebung festzustellen seien: 21 000 Arbeitslose und 100 000 Arbeiter, die nur 20 bis 24 Stunden in der Woche arbei en. Der Arbeitsminister hat da­gegen heute vormittag im Ministerrat bekannt- gegeben, dah in ganz Frankreich etwa 12 000 Arbei er der Möbel-, und etwa 7000 Arbeiter der Schuhindustrie ohne Drschäf.igung sind. Innen­minister Sarraut hat heute abend eine Despre- chung mit dem Seinepräfekten über die Möglich­keit, den Arbeitslosen in der Pariser Gegend eventuell Arbeitsmöglichleit zu schassen.

England drängt auf Schuldenrückzahlung.

London, 23. Dez. (TU.) Wie der diplo­matische Korrespondent des .Daily Telegraph" berichtet, sieht sich daS englische Schatzamt in­folge des starken Rückgänge- der staatlichen Einnahmen gezwungen, ener­gische Vorstellungen bei den Schuldnerstaaten zu erheben, um sie zu einer schnellen Rückzahlung ih.er Schulden an Grohbritann en zu veranlassen. Wie b könnt wird, soll Lord Cecil bei fernem lebten Besuch in Paris Poincareunverbind­lich und diskret" darauf h'.ngew.efen haben, daß England eine baldige Ratifizierung des CH u rchi ll»C a i l l a u r° A b k o m m en s durch F.ankrrich erwarte. Poincare soll jedoch irgend­welche Versprechung n hinsichtlich der Rückzahlung der Schulden a b g e l e h n t haben.

3m verschneiten Gebirge verunglückt.

Der Bergführer Anton Zauner aus Feuch- ten in Tirol ist von el-nem Pirschgang auf Gem­sen inMadalsch nicht mehr zurückgekehrt und wahrscheinlich einem Schnresturm zum Opfer gefallen. 3m Fichtelgebirge wird seit dem 19. Dezember der Malermeister Fischer aus Münchberg vermißt. Fischer scheint nach einem Schwächeanfall erfroren zu sein.

heftiger Schneesturm in den Apeninen.

In den Apeninen herrscht ein heftiger Schnee- sturm; er hat große Zerstörungen im Telephon- und Telegraphen verkehr angerichtet. 2' ich eine Hoch­spannungsleitung wurde beschädigt, so daß in M a i- land und in anderen Städten für mehrere Stunden kein elektrischer Strom zu erhalten war. In den tokanischen Apennien liegt der Schnee meter- hoch.

Die Kälte In Frankreich.

In Frankreich s.nd gestern wiederum sechs Personen der starken Kälte zum Opfer gefallen. AuS einzelnen Slädten berichtet man eine anor­male Sterb ichteit infolge der Kälte unter den älteren Personen. 3m übrigen hat heute nacht in Paris Regen eingesetzt, so daß mit einem Rückgang der Kälte gerechnet werden kann.

3n einer Aischerbarke erfroren.

Bei Rizza wurde ein,.' ttalle.iiich: Fifcher- barle aufgefunden, deren einziger Insasse erst nach längerem Bemühen wieder ins Leben ge­rufen werden konnte. Zwei seiner Gefährten waren erfroren und über Bord ges.pült worden.

lleberschwemmungen in Catania.

In der Rahe von Catania hat in der ver­gangenen Rächt ein heft g:S Gewitter ein starkes Anschwellen des Flusses Alcantara ver­ursacht. Drei Kinder wurden von der starken Strömung erfaßt und ertranken.

Schwere Frostschäden in Spanien.

Durch den starken Frost ist in den Orangen­hainen von Valencia schwerer Schaden an- gerichtet worden. Der gle chzeitig herrschende Sturm riß den dortigen Zirkus aus. Zahlreiche Löwen und Panther brachen aus. konnten aber vom Schnee grblendet, von ihren Bänd gern leicht ei grfangm we.d n Dle Züge nach Bar:e- lona flnv im Schnee stecken geblieben. Cs wird ein Rachlafsen der Kälte gemeld t.

Schiff5kalafkropl)en auf dem Schwarzen Meer.

Auf dem Schwarzen Meer wüten noch nicht dagewesene Schnee stürme An der rumäni­

schen Küste sank das Pafsagierfchiff .Astoria" mit 22 Fahrgästen. Wegen "W furchtbaren Stur­mes konnte keine Hilfe getriftet werden. Ein Lehrer aus Konstantinopel, der sich durch Schwim­men retten konnte, erschoß sich, als er erfuhr, daß feine Mutter, seine Gattin und seine drei Kinder ums ßeben gekommen waren. Auf dem Wege von Konstanza nach Konstantinopel sank das rumänische Frachtschiff .Protcs". Die acht Mann starke Besatzung kam in den Fluten um. Fast der ganze Schifssoerkehr auf dem Schwär­zen Meer ist zum Stillstand gekommen.

Unglücksfälle in Amsterdam.

Infolge des dichten Revels, der über ganz West Holland lagerte, sind zwei junge Mädchen und cii Arbeiter bei zwei Eisenbahnübergängen von Zügen überfahren und getötet worden. Jener sind gestern beim Schlittschuh- lausen zwei Erwachsene und fünf Kinder ein­gebrochen und e.Lunten.

Schweres vaunnglück in Frankreich.

Beim Bau eines Hochofens in Pont - ä - Mous« f o n stürzte eine Platte, die auf drei riesigen Be­tonpfeilern ruhte, mit Donnergetöse ein. 30 Arbci- ter wurden mit in die Tiefe gerissen. Sechs von ihnen waren sofort tot, die übrigen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen.

JcuersbrunfL

Dri einer Feuersbrunst, die feit zwei Tagen in den staatlichen Mühlenwe.ken in Rybinsk (Rußland) wütet, fi;ti> drei Arbeiter in den Flemmen umgekommen. 21 Arbeiter haben Brandwunden erlitten. Der bisher angerichtete Schade trirb auf über eine Mill vn Rubel ge­schäht

Eine zehnköpfige Familie ermordet.

Auf einem Gute in der Ruh: von Farwell wurden der Besitzer des Gutes und seine Gattin rm großen S.'.ale des H-rrenhauses cnnordet aufgefunden. Kur; daraus wurden rn einem Sch ppen die Leichen der acht Kinder des Ehe­paares entdeckt. Al: zehn L.ichen wiesen deut» liehe Würgemale auf. Man glaubt, daß der Schwi g rv t~r d s G_tsb:sitzers der ikijeb:- irr schrecklichen Tat ist.

Wettervoraussage.

Wolkig bis bedeckt, langsames Sinken der Tem­peraturen, noch vereinzelt Niederschläge.

Gestrige lagectempcrnturen: Maximum 2 5 Grad Celsius, Minimum 2,5 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 3,6 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadl.

Gießen, den 29. Dezenrber 1326.

Wellerauer Spinnstuben und Silvefterfeiern vor 30 Jahren.

Auch Sitten und Bräuche haben ihre Dr- schichte. Wenn die Lebcnsgewvhnhci.en dec Men­schen sich ändern, wenn eine Gegend, die bis dah.i dem Verkehr noch nicht erschlossen war, durch bessere Derk^hrsverhältnisfe mehr mit der Um­welt in Berührung kommt, oder wenn das Win- schaftsleben sich in anderen Formen abspielt wie früher, so wandeln sich auch die Sitten. Es also nicht so, daß das, was man so gemeinhin als .gute, alte Sitte" bezeichnet, in Wirk­lichkeit noch dasselbe Ist, was es Jahrzehnte vor­her war. Im Wechsel der Zellen erfahren die Sitten oft starte Aenderungen. die sich in öe: einen Gegend rascher vollziehen als in de: anderen.

Zwei Einrichtungen sind eS, die in bei Wette rau im Laufe der letzten Jahrzehnt- eine starke Wandlung erfahren haben: D- Spinnstube unb die Silvesterfeier. OB- war es damit vor 30 Jahren bestellt, aU tie eigentliche Wetterau noch keinen Dahnoerkeh: hatte und die Dörfer in der Hauptsache vor ackerbautreibender D völtcrunz bewohnt wurden deren Lebensgewohnhellen sich feit langer Zei. kaum geändert hatten? _

Damals bestanden noch faß allerorten, we­nigstens in der mittleren Wetterau, die Spinn­st u b e n, deren Rame zwar nicht mehr berechtigt war, denn die jungen Mädchen, die sie besuchtem, spannen längst nicht mehr. DielcronZ hatte |14 I für .Spinnstube" das Wort .Desellschast" ein­gebürgert. Die Hauptspinnstubenzclt war bet I Winter, die Zeit zwischen Erntedankfest un) Ostern. Wenn im Herbst die Arbeiten auf bea Felde erledigt waren, begannen die regelmäßige, Spinnstubenabente. Junge Mädchen und Bur­schen, die meist gleichaltrig oder wenigsten- io 2llter nicht sehr weit auseinander waren, ver­einigten sich zu einer Spinnstube. Die Zahl d« jungen Leute, die eine Spinnstube bildeten, be­wegte sich zwischen 6 und 20. Es gab aber auch Spinn st üben, die mehr als 20 junge Leute um­faßten. Die Anzahl der Spinnstuben. die h einem Dorfe bestanden, hing einmal ab von da Gröhe des Dorfes, dann aber arich von einet Reihe anderer Umstände, die hier nicht aufgezählt werden können. In den größeren Dörfern da Wetterau gab es in der damaligen Zeit jährlich durchschnittlich je zehn Spinnstuben. Der Be­ginn der winterltchen Spinnstubenzeit wurde mcifl 1 durch eine kleine Feier, bei Kaffee und Kuchen, > begangen. Bon da ab versammrite fich die Spinnstube Abend für Abend, ob Sonntag oder Werktag, in dem Hanfe eines dec Spinnstube angehörenden Mädchens. Die Mädchen .hielten die Reihe", d. h., nach einer zu Beginn fest- gesetzten Reihenfolge lösten sie sich im Halleii der Spinnstube ab. 3n der Regel wurde in ein Haus eine Woche lang gegangen. War die Reihe um. so wurde wieder von vorn angefangen. Die jungen Leute kamen meist gegen 8 Uhr in der Wohnstube des Hauses, das die Spinnstube be­herbergte. zusammen und fetzteir sich um den groben Eßtisch. An Werktagen arbeiteten dir Mädchen an irgend einer Handarbeit. Unter fröhlichem Geplauder und bei munteren, harm­losen Scherzen verging die Zeit nur zu bal), : Don Zell zu Zeit wurde ein schöne- Spinn- ftubenlieb gelungen. Diese Lieder. Erzeugnis echter Doltspoesie, brachten das unvüchfige. oft derbe, manchmal aber tiesempsindende Wesen bei » Dolkscharakters In einfach schlichter, gar oft Ix t ergreifender Weise zum Ausdruck. Diele dieser Lieder sind vergessen. Eine Reihe der schönsten ist erhalten geblieben. Durchblättert man z. 2. den .Zupfgeigenhanserl" oder daS ,D. H. C.- Liederbuch", so findet man eine große Anzahl von Liedern dort gesammelt, die damals Abeni für Abend gesungen wurden. In einer Spinn­stube, die etwas auf sich hielt, und das war bei; weitem die Mehrzahl, wurden keine Lieder mit. anstößigem Inhalt gesungen. Das verbot schox die Rücksicht auf die Eltern des Mädchens, das die Spinnstube hielt. Die Eltern waren ent-1 weder im Zimmer selbst anwesend ober hielt« sich in einem Rachbarraum auf. Irgendwelche alkoholischen Getränke wurden an den Werktag- ' abenden in den Spinnstuben nicht getrunken. Da­für wurde von den Burschen aber kräftig ge­raucht, und zwar meist Zigarren. Das 3ifaretten» /auchen war damals noch nicht Mode. An bei Sonntagabenden wurden von den Mädchen keine Handarbeiten gemacht. DaS waren die rindig«) Abende, an denen Alkohol, und zwar meist Flaschenbier, getrunken wurde. In der Rege!' war die Spinnstube allabendlich um 11 Uhr' zu Ende.

Zwei Tage, die in die winterliche Spinn- stubenzeit fielen, wurden ganz besonders fest­lich begangen. Reben der Fastnacht war es bi« Jahreswende, die in allen Spinnstubei gefeiert wurde. Das Mädchen, daS am Si l-f vesterabend und ReujahrStag gerat«! an der Reihe war. die Spinnstube zu halten, hatte vorher virlerlei zu tun. um die Feier voi' zubereiten. Zunächst mußte daS Zimmer aufge­räumt werden: Betten, Tische und Schränke wui-' den hinausgebrachl, denn es mußte Platz ge­macht werden zum Tanzen. Fastnacht und Sil­vester waren tu einzigen Tage, an denen in der Spinnstuben selbst geianzt wurde. Mil dem AuS- räumen des Zimmers allein war eS aber nicht getan. ES mußten auch Kuchen gebacken wei­den. Dabei halfen aber alle übrigen Mädchea dir zur Spinnstube gehörten, mit; jedes stifte:« auch etwas von den Zutaten zum Kuchen. Eber.-i so wurde der Käf er gemeinschaftlich gekauft. Wci dann alles für die Rrujahrsseier vorbereitet, >t konnte diese selbst am Silvesterabend gegen ach! ilfjr beginnen. Die Burschen hatten in dec Regel einen Harmonika- oder G:ige: sp.e'er verpflichtrl der zum Tanze aullpielen muhte. Run wurde lil sröhlicher Ausgelassenheit ausgiebig daS Tanz­bein geschwungen. Die Burschen hatten Bi« wurde gelungen, gescherzt und getrunken. Gega im Faß kommen las,en In den Tanzpausa elf älhr gab eS Kaffee und Kuchen. Bald wat dann der IahreLschluß herbrigekommen. Äug vor zwölf Uhr stellte man sich an die geöff­neten Fenster. Jedes tooll e zuerst hören, tocri die Turmuhr zum Ictzien Male im alten Iaht zu schlagen an bub, um den andern zuerst gra­tulieren zu können. Wan glaubte, man hatt bann im neuen Jahr ganz besonderes ®lüd Wenn die ehrwürdigen Glockrn der Dorfkirch« dann das neue Jahr einläuieien, begannen N einzelnen Spinnstuben ihre Umzüge durch dck Dorf. Boran ging der Musikant, dann wurfrl

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