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and der Anstall für zur Sammlung oon Se Dezember 1927

Itr. 504 Erstes Blatt

1Z6. Zahrgang

Mittwoch, 29. Dezember 1926

Crldbctm iägli<h. aufon Sonntags unb ^tierlagi. Oellogm.

OUfotnct Jamilltnbiatter ßrimal im DUd

DI# Scholl«

2 Knd)smarl« unb 20 5trid)ipttnntg für Irflger» lohn, auch bei Richter» formen «InjelnrrTlummcrn infolge höhere» Gewalt. tyern|prrd)on| d)lüf|ti

. 51, 54 unb 112.

Anschrift» Drohlnach» richten Snjtlgrr Oirtzra. Po6|d):rf!onto: growflurlam Blain 11688.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drtftf tmb ütrTog: Vrlihl'sche Unlversilütr'vuch' und Steinörncferef N. tanze In Sieben. Lchriftleltung und Lrfchäftrftelle: ZchnNtraße 7.

lwnal)mt oon Injttgci für bl« lagesnummtr bi» zum Nachmittag vorher.

Prell für | mm höhe für Anzeigen oo.i 27 mm Drell» örtlich 8, austoärts 10 R»ichspf»nnig, für Re» Klomean-eigen von 70 mm Breit« 35 Deichipsennig, Playoorichnst 20*. mehr.

Ehesrebabteur

Di Fr,ebr Wilh Lange. Deranlwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H Ihgriot; für ben übrigen Teil Ernst Dlumschein! für den An­zeigenteil i.Der>r tz Deck.

sämtlich in Tiegen.

Die Regierungsbildung.

Lr. i*ut!)cr NclchSwchrminlster?

Berlin, 27. Df)- (Gegenüber einet Darfld- !tmg bet Demokratischen Zcitungsdlcnsle». wonach die Deflrebungen rechlsgerlchleler Kreise daraus ge- tld)U1 seien, mit Hilfe der Deutschen volksparlei ein BeamleiifablneM der verschleierten Rechl»- erglerang ober aber ein rechtsgerichtetes rNlnderheilskablnetl ju bilden, schreibt die »lägt Rundschau": Tatsächlich liegen die Dinge so, dah ooraursichillch ein Mann der p e dj I e n mit der Regiernngsbildung beauftragl werden wird, und doh man versuchen wird, ein Kabinett sämt­licher bürgerlichen Parteien za bilden. Sodle dieser Versuch und der versuch, gegebenen- |aüo ohne Demokraten ein Kabinett za bilden, mißlingen, so wird wahrscheinlich wieder die 2TIJ 11 e Mit brr Regierungsbildung beauftragt werden müssen. Scheiten rlti Aablnell an dieser Grundlage, so bleibt wohl nichts andere» übrig, als die Aus­lösung de» Reichslag». DieD. Z." ver­zeichnet als interessantesten Vorschlag zur Lösung der Regierungskrise, dah das Reichswehr- m I n I p e r I u m Im kommenden Kabinett dem ehe­maligen Reichskanzler Dr. Luther angeboten wer­den soll.

Dr. Luther folgte beute einer Einladung der ti u f l f) a n f a A.G. und des Aeroklubs zu flnem Begrübungsabend in den Raumen des '2lcro> Hub». Direktor Dr. von Stauf} und Präsident von Kehler begrüßten den Ehrengast und hoben die grobe moralische und materielle Bedeutung her­vor. die die deutsch» Luftfahrt den ..Rekordfiugen" rin es deutschen Staatsmann»» beimesse. Dr. Luther nab darauf eine Schilderung seiner Flugerlebnisse in Südamerika. Unter den Anwesenden befanden sich a. a. die Reichsminister Dr. Gehler unb Dr. Krohn«.

Protest gegen Landau.

Fritz rifysscn

tritt auÄ bem 'ticrflänbißunflfitomltee auü.

Berlin, 29 vrz. (Wolfs) Der rheinische Groh- önduslrielle Fritz T h n f s t n gibt der Oesscntiichkeit Kenntnis oon nuchsleyendem Brief, den er an den Dorsihenden de» deutsch-französischen Derständi- ^ungskomitees, M a y r i f ch , gerichtet hat:

Sehr geehrter Herr TNayrischi Rach dem un­erhörten Urteil von Landau ist es mir unmög­lich, dem deuisch sranzösischen Komitee weiter anzugchören. 3d) erkläre hiermit meinen Aus­tritt aus demselben. ITian scheint In Frank­reich zu glauben, dem um die Bedingungen des Waffenstillstandes betrogenen und mH hiise von 24 anderen Rationen entwaffneten Deutschland, während man feibft b i s an die Zähne bewassnel ist, alles bieten zu können. 3m 3nteresse des Jriebens Europas wünsche ich, bah dieser französische Glaube bald­möglichst z e r ft ö r t wird.

Kilt dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung gez. I r > h Thyssen." Das deutsch-französische Berständigungskomite» ist »ekanntlich im Zusammenhang mit den deutsch-sran- «ssifchen Wlrischastsoerhandlungen vor einiger Zei? Ins Leben gerufen.

Sin Nachspiel zum ZallRouzier.

Erfolgreiche Berufung.

Mainz, 29. Dez. (QBoTff.) Dor dem SHain^ct M: lltärderufungsgerlcht stand gestern Kl« Ditto» ® e r ft I e r aus Landau, die vom Militärpolizeigericht in Landau toegm ileber- tiretung der Ordonnanzen und wegen Delei- Klgung sranzösifcher DcfahungS- ungehöriger zu zehn Tagrn Gefängnis mit Bewährungsfrist und 1000 Dlart Geldstrafe tterurtellt worden war. Frau Gerstler halte 21 e Aufnahme des Leutnants Rou - »ier. der bei ihr einquartiert werden sollte, der sscanzöfifchen Wohnungskommission geg-nüber mit Sntsch edenheit abgelehnt. Die Bern- tzungSinstanz berücksichtigte d'.e graste Erregung -er Angeklagten über die M.tteilung dah sie Rouzier in chrem H'.ufe aufnehmen solle und rfannte auf Geldstrafen von 20 und 30 Mark.

Woldsmaras in Memel.

DlcAuöwcifungreichsdcutfchcrZournalistcn

Memel, 28. Dez. (WDB I Dach ihrer heute morgen erfolgten A kauft em, f argen Mimster- Gräsident Woldemaras und Derk?hrSminifter Sankevicius im Lause des Dorm.ttags eine Abordnung des Landtages Hierbei wurden die das po'it sche und wirtschaftliche Leben Kes Gebiets berü)r?nd?n Fragen besprochen. Dachmsttag empfing der Munsterprrfidert wei- Lere Persön'.ichkeitm des öf.e tl chen Lebens sowie Kie Vertreter der Presse. Dei dem Emvfang ed.'ärte Woldemaras za der Frage d'r Aus­weisung r e i ch s de u 1 f ch e c Schrift- £e i t e r aus dem Mcmelgebi et. dah die Frage Vwch offen sei und er vorläufig nach n chts sagen B.-me. 5>.e Fe ge, ob di:se A gelege heit Einsluh ejf die deutsch-litauischen Verhandlungen habcn würde, verneinte der Ministerpräsident, denn es

Amerilar Intervention in Nicaragua.

Devolutionen gehören in den mittelameri­kanischen Staaten nicht zu den Seltenheiten, und deshalb würde auch der jetzige Konflikt der Prä­sidenten von Alcaragua. des Generals Diaz. mit dem Führer der Liberalen. Dr. Dacasa, leine besondere Bedeutung beanspruchen, wenn da­durch nicht die Spannung zwischen Me­xiko und den Vereinigten Staaten, die aus dem mexikanischen EigentumSgesetz entstanden ist, Gelegenheit bekommen hät.e. sich au verschärfen und auch nach auhenhin in Er­scheinung zu treten. Der Präsident S lax hatte sich in seiner Bedrängnis an die amerikanische Regierung um Hilfe gewandt, die auch sofort zum Schutze amerikanischen und ausländischen Eigen­tums Marinetruppen landete, aus di­plomatischen Gründen aber betonte, dah sie keineswegs beabsichtige, sich in die inneren Ver­hältnisse des Landes einzumischen. Dah es sich bei dieser Erklärung nur um ein diplomatisches Scheingefecht handelt, geht daraus hervor, dah der Prätendent Sacasa von Mexiko aus mit Waffen und Munition unterstützt worden sein soll. Die Amerikaner find also besorgt wegen dieser mexikanischen Hilseleistung für die Revolutionäre und daraus erklärt sich auch die Intervention.

Denn im Grunde genommen handelt es sich bet der Unterstützung nicht um Sympathien für den einen ober anderen Kandidaten in Washing­ton oder Mexiko, sondern um 6 i e Vor - macht-st ellung in Mittelamerika. Die kleinen m.ttclamer Manischen Staaten wehren sich zum Teil unter Führung Mexikos gegen den überragenden Einsluh Dordamerikas, während die Vereinigten Staaten sich Mittelamerika sichern müssen, durch das die Verbindung zwi­schen dem Atlantischen Ozean und dem Drohen Ozean hergestellt wird. Der Panamakanal genügt aber den Ansprüchen nicht mehr, so dah noch ein neueS Projekt schwebt, für daS sich Washington bereits Gelände in Dlcaragua ge­sichert hat. DieseS Vordringen Dordamerltos erweckt natürlich daS Mihlrauen MexikoS, daS sich deshalb auch zu einer Unterstützung Dr. DacafaS entschlossen hat, alS dieser seine An­sprüche auf 1>le Präsidentschaft geltend machte.

Di» Revolution in Dicaragua stellt also,bcn zweiten Teil deS Konsliktes zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten dar. Schon Im Zähre 1917 machte Mexiko einen Varstoh gegen Washington. Es wurde der mexikanischen *ikr- fassung ein Artikel eingefügt, der b i c ameri­kanischen Besitzer mexikanischer Pe- Iroleumquellen enteignet. Das Gesetz wurde aber in der späteren Zeit sehr oberflächlich ge­handhabt. bis jetzt Präsident Calles daraus drang, bah das Gesetz mit dem 1. Januar 1927 energisch durchgesührt wird. Cs ist nur selbstverständlich dah Mexiko bestrebt ist. ein so lebenswichtiges Grbiet. das sich fast ausschlieh- lich in Händen ausländischen Kapitals befindet, wieder in eigenen Besitz zu bekommen, um zu verhindern, dah die ungeheuren Gewinne ins Ausland fliehen. Cbenso natürlich ist es auch, dah die amerikanische Besitzer sich gegen diese Regelung zur Wehr zu setzen suchen.

Ob nun aber der Konflikt zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den beiden Staaten fuhren wird, wozu die Revolution in Nicaragua immerhin die äußere Veranlassung abgeben könnte, bleibt allerdings sehr fraglich. Die Tatsache, dah die auhenpolitlsche Senatskommission in Washington eine Untersuchung über die Landung amerikanischer Marinetruppen in Nicaragua eingeleitet hat, scheint daraus hinzudeuten, dah man in Washing­ton nicht gewillt ist, die Spannung auf die Spitze !u treiben. Man ist sich beraubt, dah eine geraalt- ame Aktion das amerikanische Kapital in Meriko, as dort in bedeutender Höhe investiert ist, gefähr­den würde. So wird sicher dieser Konflikt durch ein Kompromiß gelöst werden, wenn es auch an der Intervention interessant kst, wie schnell Ame­rika bereit Ist, materielle Fragen mit dem Schwerte zu lösen.

Schwere Niederlage derkonseroati enTruppen Flucht der Armee deS Gencralü Tiaz.

via nag na, 28. Dez. (Heuler.) Zwischen den Strellkrästen der Liberalen unb den Konservativen finden feit vier lagen Kämpfe statt. In denen beide Teile starke Verluste erlitten haben. Den Truppen der Liberalen soll es gelungen fein, mit Unter­stützung mexikanischer Freiwilliger dl» konser­vativen Strellkräsle zum Rückzug aus vlueflelds zu zwingen. Der Kommandant der Kriegsschiffe der Bereinigten Staaten erklärte die Bezirke oon Puerto Cabezas, Rio Grande el Bluff unb Vlueflelds zu neutralen Zonen. 3nnerhalb der Grenzen dieser Bezirke find die Streitfälle der beiden kämp,enden Parteien zu entwaffnen. Latimer schlug ferner vor, weitere neutrale Zonen einzurichlen, um den Frieden in den Kuslenslädten sicherzuslellen.

Ein Funkspruch des Admirals Latimer an das amerikanische Rlarineaml gibt bekannt, dah die Diaz-Iruppen bei Pearl Cagoon oon den Streit­kräften Sacasas geschlagen worden seien und unter Zurücklassung oon Toten unb verwundeten flüchteten. General Dlaz soll mitgeteilt haben, dah die konfervalive Regierung bereit fei, Ihre Trup­pen nach Rama zurückzuziehen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Admiral Sa-afas gab bekannt, daß er die Entwaffnung aller Trup­pen angeordnet habe, die die neutrale Zone beträ­ten. Nach den fehlen Meldungen soll die ganze Ofl- küsle Nicaraguas als neutrale Zone erklärt werden. General Sacasas befindet sich noch in Puerto La- bezas. 3n Puerto Labezas gelandete amerikanische Marinesoldalen fliehen auf eine Gruppe aufständi­scher Soldaten, die sich weigerten, die Stadt zu räumen. 6s kam zu einem Feuergefecht, In dessen Verlaus zwei Aufständische verwundet wur­den. 6ln Leutnant der nicaraguanischen Liberalen habe daraus seinen Leuten befohlen, den amerikani- sch^n Marinetruppen die Waffen ausjuKefern.

Verstimmung bei den amerikanischen Neutralen Veschwichtigunstöversuche bcö Präsidenten Covlidge.

Washington, 28. Dez. (ODoLf.) Präsident Eoolidge gab dec Aussos ung Aufdruck, dah dir amerikanische Interven'.i-n in Ot caraqua Uch streng an di? von den Vereinigien Staaien be- solgien tra'i iore!I?n Richtlinien h.nsich lich des Schutzes von Leben und Eigentum ameri'anischec Staatsangehörigen in M.ttrlameri'a halte. Eine Parteinahme in dem Strci'e der einzelnen Gruppen sei n ich t beabfich igt. Trotz dieser amt­lichen Beschwichtigungsversuche Hal man den wahrei Charas er rer W s i gto e. Iniene t on im übrigen Amerika erkannt. So meldet der Washingtoner Berichterstatter der ..Times", alle Zentra l - und südamerikanischen Ver­treter in Washington, mit denen er über di? Landung amerikanischer Seestre Kräfte in Ri- caragua sprach,.ten den Schri t der Vereinig­ten Staaten als einen ..Fehler erstenRan- geS" bezeichnet, der alles Gute, was in den letzten vier Jahren unter Staatssekretär Hughes erreicht worden sei, vernichten, A n g st und Mihtrauen gegenüber den Vereinig- ten Staaten nirder anwach,en lassen und den metifanischen Einsluh in gewissen, an dem Ka­rafa.scheu Meer liegenden Ländern nicht nur nicht Vermintem, fenßern noch vergrößern werde. Auch der De'.ich'erstat.er der ..Morning Post" meldet, dah ti? Gesandten ter zentralamerikani» scheu Repubif e.i in Washington besorgt seien und die Ansicht verträten, dah die Vereinigten Staa­ten sich ansch:ckt.'n, uenn nicht dem Ramen nach so doch tatsächlich daS Protektorat Über gang Zentralamerika zu erlangen. Ste sähen darin ein flagrante Verletzung des Washingtoner Vertrages von 1923 mit den zen- tralamerikanischen Staaten.

handle sich um eine rein lokale Maß­nahme. die noch entschieden werden würde. Es bestehe zur Zeit in L.lauen Kriegszustand, und die Kriegskommandanten hätten die Ver­pflichtung, für die Sicherheit des Staates zu sorgen.

Wie auS Kowrw gemeldet wird, trifft die Dlättermeldung. dah die vier vom Feldgericht zum Tode verurteilten Kommunisten bereits erschossen worden sind, nicht za. Staats­präsident Sme.ona hat die Derurte.lten auf d^s Gesuch ei er Abordnung hin begnadigt und die Tod.surteile aufgehoben.

Dor neuen Ueberraschungen auf dem Balkan.

Die Gärung in Serbien, Albanien und Griechenland.

P a r i s. 28 Dez. sWolff.) Rach einer Mel- düng des .Scho de Paris" aus Belgrad soll einigen Zeitungen zufolge in Sudslawien bie Militärdiktatur andgcru?en worden sein. D.e Presse wendet sich in schärfster W.nse gegen das neue Kabinett älsunowitsch und besonders dagegen, dah kein antiitalienisches

Element in ihm vertreten sei. Die Ernennung von Petrich als Aachsolger Mntschitschs werde als ein Dorstoh gegen die Partei RintschitschS auf- gesaht. Man sage der Regierung keine lange Lebensdauer voraus und befürchte, dah Süd- slawien am Vorabend einer sehr ernsten poli­tischen Krise stehe.

.Pvli.ika" und .Vreme" veröffentlichen Alarmnachrichten aus Albanien, die aber mit grober Vorsicht aufzunehmen sind. Danach soll Achmed Zogu einen Staatsstreich beabsich­tigen und blauen, sich zum König ausrufen zu lassen. Jedoch hätten Sondirrungen in Paris und London Widerstände gegen diese Pläne ge­zeigt

Vor einer neuen Offi,iersreoolte scheint auch Griechenland zu stehen. Ein höherer gric- chlscher Offizier bittet seine Kameraden dringend, die Taktik der Unruhen endlich auszugeoen, die für das Land_ von den verhängnisvollsten Folgen begleitet wären. Er fordert die Partei­führer auf. mit äußerster Energie gegen die Führer der Bewegung vcr ugehen. Dee neue Bewegung ziele auf die W i e d e r a u f r i ch - tung der Militärdiktatur und den Stur; des Parlamentär Aschen Systems hin. 3n Ealoniti s.nd mehrere Verhaftungen vor­genommen Dorden.

Das englische China-Memorandum.

Für cmhcilliche Haltung der Mächte gegenüber Kanton.

London, 28. Dez. (XU.) DaS englische Auswärtige Amt veröffentticht nunmehr den Text des vom britifchen Geschäftsträger In Pc- king den Vertretern der Washingtoner Der- tragsmächte überreichten Memorandums. In diesem Memorandum wird auf das A n w a ch- f e n einer mächtigen natlonalisti- fchen Bewegung hingewlesen, bi» daraus hinziele, China einen aleichberechngten Platz unter den Rationen zu sichern. Es würde nicht den wahren Absichten der Mächte China gegenüber entsprechen, lagt daS Memorandum, wenn man dieser Bewegung nicht daS notwendige Mah an Sympathie und Verständnis entgegenbringe. Die britische Regierung schlage deshalb vor, dah die Machte ihre Bereitwillig­keit erklären sollten, auf die VertragS- revision und alle anderen ausstehenden Fra­gen hinzuarbeiten, sobald China eine v » r h a n d- lungSfähige Regierung aufzuweifen habe. Es wird ferner ver'.angt, dah die Mächte ihre Bereitwilligkeit erfiäten foUtcn, China- An­spruch auf die Zollautonomle anzuerken­nen, sobald China selbst einen nationalen Zolltarif geschaffen habe. Die Mächte sollen ferner offiziell erklären, dah sie nicht beabsich­tigen, China eine ausländische Kontrolle aufxu- zwingen. Die Mächte sollten ferner Ihre bis­her ig« einheitlich» Haltung, bie strikte Befolgung der Vertragspflichten verlang», modi­fizieren. So fällten sie schliehlich den sogen. Washingtoner Aufzöllen zustimmen.

Tschangtsolin zu den britischen Vorschlägen.

Tie gcmcinfauic Front gegen den BolschcwiSuiub.

Tokio, 28. Dez. (WTB.) Der Japan Ad- vertiser hat gestern ein Interview mit Marschall Tschangtsolin verössentlicht, der sich über die neuen britischen Vorschlag? folgend« rmahen äuherie: Die sofortige Abschaffung der ausländi­schen Verträge ist unklug und praktisch nicht möglich. Die Verträge müssen Schritt für Schritt beseitigt werden. Wir arbc.ten ein endgültiges Programm für sreundfchast iche Zusammenarbeit mit ben ausländischen Mächten aus. Der Bolschewismus ist eine S.-uche, und wenn China daran erkrankt ist. werden G:oh- britannien, Amerika und Japan in G.fahc fein, a n g e ft e cf t zu werden. Den Bolschewisten ist eS nicht gelungen, den Bolschewismus in diese Länder unmittelbar einzusuhren. und sie be­arbeiten ieht China in der Hossnung. dadurch die drei Grotzmächte mittelbar zu treffen. China bedarf der Hilfe dieser Mächte, um dem gemein­samen Feind Widerstand zu lei ten, nicht H.lfe mit Truppen, sondern moralische > nd viel­leicht finanzielle Hilfe. Tschangtsol.n fügte bin>u. die bolschewistischen Agenten Borodin. Joffe und Karachan hätten zunächst l h m eine Zusammenarbeit vorgrschlagen und sich dann e r ft an Kanton gewandt.

Rach dem .Daily Tel graph" s.ll der Sowjet­botschafter in China. Karachan. Anweisung er­halten haben, sich in aller Eile nach Wut­sch a n g. der neuen Hauptstadt der Kantonregie­rung zu begeben, ohne P?king zu berühren Durch dieses Verfahren sollten die Kantonesen und die Auhenwelt zu der Ausfassung g?Iang?n, dah die Regierung von Wutschang a 16 bie natio­nale Regierung de jure anerkannt worden sei.

Die Kundgebungen gegen (England.

Schanghai, 28 Dez. lReuter.) DaS In- formationsbureau der Äantonregkrung in Han- tau verswndte an bie ganze Press« des Landes eine Mitteilung, in der fe.tgestellt wir), dah in den beiden groben Massenversammlungen, die am Sonntag, wie berichtet, stattfandm. wirt­schaftliche VergeltungSmabnahmen geaenGrohbriianiiien in ganzChina verlangt wurden. Die Versammlungen waren alS Protestkundgebung gegen daS Verhalten ter eng» lifchen Polizei in Tientsin «nberufen worden non der vor einigen Wochm vierzehn Mitglied der der revolutionären Partei Kuomingtang verhaftet unb den chin?sifch?n Lotalvehörden von Tlentsin, die Parteigäng?r Tfchang Tfo-lins sind, auSgeliefert worden waren. Das Sn- forma tiondbureau erklärt, dah an jeder der beiden Versammlungen über «ine Viertelmillion Per- tonen teilnahmen, während eine direkte Rach- richt aus Santau nur von 5)J3 Teilnehmern spricht Das Informationsbureau gibt zu, dah ber Iustizminister der Kantonoegierung die Leitung der einen Protestversammlung über­nahm.

Baldwins Ruhsandpolitik.

London 29. Dez (DTB. Funkspruch) .Daily Mail zufolge soll der Premier- sinister zu der Au^fasiung gelang: fein, dah bie Regierung den kommunistischen Umtrieben gegenüber eine energischere Politik Der- folgen müsse. Bei einem KabinettSrat am 13. Dezember fei ein Beschluß, die Sowjetver­treter aus England auszuveisen nur durch die Haltung des Staatösekrelärs deS