Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 29. September 1926.
Die Handelskammern gegen ständige Zonderverkäufe.
Man schreibt uns: Die hessischen Industrie- und Handelskammern richten a n alle Kaufleute die dringende Mahnung, künftighin dem Unwesen der fortgesetzten Sonderoerkäufe mit allen Mitteln zu steuern. Diese Verkäufe haben in der letzten Zeit einen derartigen Umfang angenommen, daß daraus die schwersten Schädigungen nicht nur für den Einzelhandel, sondern für das ganze Geschästsleben entstehen müssen. Es ist nicht zu verkennen, daß in der vergangenen schweren Zeit die Verhältnisse für den Einzelhandel besonders schwierig gelegen haben und daher manche Firma zu außergewöhnlichen Verkaufsmaßnahmen gezwungen gewesen ist. Aus der anderen Seite aber muß nachdrücklichst betont werden, daß die fortgesetzten Sonderverkaufsoeranstaltungen allmählich weit
* über das Maß dessen hinausgegangen sind, was aur Verringerung der nicht im regelmäßigen. Geschäfts- gang absetzbaren Vorräte nötig war. Die Folgen der Sonderverkaufsveranstaltungen sind bereits deutlich erkennbar. In vielen der üblichen Ausoerkaufs- waren ist eine beisviellose Preisschleuderei eingetreten. Maßgebende Artikel sind dadurch vielfach im Einzelhandelsverkauf auf einen Preisstand herabgedrückt worden, zu dem nicht einmal dem Fabrikanten bfe Herstellung mehr möglich ist. Die auf diese Weise im großen Maße herbeigeführte Preis- drückerei muß schließlich dazu führen, daß Industrie und Handel immer mehr gezwungen sind, nur billige Waren herzustellen und zum Verkauf zu bringen. Dadurch werden auf die Dauer alle Kreise geschädigt. Für die Industrie besonders bedeutet es eine Herabsetzung ihrer Qualitätsleistung, die den guten Ruf der deutschen Erzeugnisse im In- und Auslande schädigen muß. Die hessischen Industrie- und Handelskammern richten daher an alle Kreise des Einzelhandels, besonders aber auch an die Organisationen des Einzelhandels, die Bitte, in ihrem Kreise auf eine Einschränkung b e r über» handnehmenden Sonderverkaufsver- anstaltungen im eigenen Interesse durch geeignete Maßnahmen hinzuwirken.
Wie der Zughund behandelt werden mutz.
1. Sprich allezeit freundlich mit dem Hunde, damit er dich liebt. Schlage ihn nicht!
2. Als Zughund eignet sich nur ein vollständig ausgewachsenes, normal gebautes, großes und kräftiges Tier, wenn möglich männlichen Geschlechtes. Die (Verwendung kleiner, alter, schwächlicher, kränklicher, hinkender, hochträchtiger oder säugender Hunde ist Tierquälerei.
3. Sorge für ein gut passendes, geschmei- diges Zuggeschirr mit breitem Drustriemen Lasse den Hund nicht etwa mit dem Halsbande ziehen.
4. Mute dem Hunde keine Leistungen zu, die seine Kraft übersteigen. Treibe ihn nicht fortgesetzt zu einer schnelleren Gangart, namentlich auch bergauf nicht.
5. Hilf tüchtig mitziehen statt nur die Deichsel zu halten, oder dich gar auf den Wagen oder Schlitten zu setzen. Mete dem Hunde von Zeit zu Zeit Gelegenheit, auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln.
6, Unternimm keine Wettfahrten mit anderen Hundefuhrwerken.
7. Derhinbere den Hund während der Fahrt nicht an der (Verrichtung seiner notwendigen Bedürfnisse-, sonst verursachst du ihm Schmerzen.
8. Laß den Hund, wenn er sich warm gelaufen hat und sich auf die kalten Steme niederlegen will, nicht lange auf der Straße warten, ohne daß du ihm einen alten Sack unterlegst.
9. Bei Regenwetter und Frost muh stets ür eine trockene Unterlage und auch für eine Decke zum Ueberbreiten gesorgt fein.
10. Vergiß niemals einen Trinknapf mit auf die Fahrt zu nehmen.
11. Kommt der Hund erschöpft und warm gearbeitet nach Hause, so schütze ihn vor Zugluft.
12. Wird der Hund alt oder krank, so laß ihn möglichst schmerzlos vergiften oder erschießen. Aber verstoße ihn nicht! Gib ihn auch nicht an andere Personen; denn du weißt nicht, was mit deinem Tier vorgeht, welches dir in jungen oder gesunden Tagen treu gedient hat. #
Vornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Große Aula der Universität: 8 Uhr, Roda Roda Lustiger Abend". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Dec Rebell von Valencia". — Astoria- Lichtspiele: „Kompromittiert".
— Roda Roda. Wir werden gebeten, nochmals auf den heute abend 8 Uhr in der Großen Aula der Universität stattfindenden Lustigen Abend von Roda Roda hinzuweifen.
WSR. Sonntagsrückfahrkarten und Schnellzüge. Für die Dauer des Wintersahr° planes werden im Bezirke der Relchsbahndirektion Frankfurt a. M. außer sämtlichen Eil- und Be- schleumgten Personenzügen auch sämtliche Schnellzüge mit Ausnahme eines Schnellzugpaares der Strecke Frankfurt—Bebra—Berlin, das für unfern Bezirk mcht in Betracht kommt, für die Benutzung mittels Sonntagsrückfahrkarten freigegeben.
RDV. Verbandstoffe in allen D« Zugwagen. Die der Personenbeförderung dienenden Züge waren seither schon mit den für die erste Hilfeleistung notwendigen Verbands- Mitteln ausgerüstet. Darüber hinaus ist neuerdings die Mitführung von Derbandsstoften in jedem v-Zugwagen zur Ergänzung und Verbesserung der bisherigen Maßnahmen trage- ordnet worden. Damit diese neue Einrichtung in Rotfällen allen Reisenden leicht zugänglich ist, werden die Verbandsstoffe in flache Schränkchen, die im Seitengang der v-Zugwagen in die Wand eingelassen werden, untergebracht. Der Verschluß wird durch eine Glasscheibe geschützt; in Rotfällen können d"an die Verbandmittel nach Zertrümmerung der Scheibe entnommen werden. Der Inhalt ist von den Vertrauensärzten der Reichsbahn-Gesellschaft unter Berücksichtigung ihrer Erfahrungen bei der Hilfeleistung zusammengestellt worden. Keimfreie Schnellverbände sind ausreichend vorgesehen. Die Reichsbahn- stellen sind angewiesen, mit den Scmitätskolonnen vom Roten Kreuz dauernd Fühlung zu behalten.
** Die Schmückung der deutschen Kriegergräber im Ausland an Allerseelen und Totensonntag übernimmt der Volks
bund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch In diesem Jahre wieder. Die Zahl der Friedhöfe, auf denen Kränze niedergelegt werden können, hat sich seit dem vorigen Jahre etwa verdoppelt. In unserem heutigen Anzeigenteil bittet die Ortsgruppe Gießen des Volksbundes um Spenden der Bürgerschaft zur Förderung des edlen Aktes der Dankbarkeit gegen unsere Gefallenen. Hoffentlich findet diese Bitte allseittg weitgehendes Gehör. Es ist ein Zeichen der Selbstehrung des Volkes, wenn es die Brüder nicht vergißt und immer wieder in Dankbarkeit ehrt, die für das Vaterland und für jeden einzelnen ihr Ceben hinge- geben haben.
** Postwertzeichen-Automat« sind seit gestern mittag vor dem Gebäude des Stadtpostamtes aufgestellt. Man kann dort gegen Einwurf von 10-Pfennig°Stücken aus den Automaten 10-Pfennig- bzw. 5-Pfennigmarken oder zwei Postkarten beziehen. Die E nrichtung wurde gestern bereits rege in Anspruch genommen. Sie entspricht zweifellos einem dringenden Bedürfnis, denn wer sich bisher gezwungen sah, »egen einiger Marken das Rachmittagsgedränge vor den Schaltern durchzukosten, der wird die Ver- befserungsmahnahme der Post sicherlich mit Genugtuung begrüßen. In den nächsten Tagen werden, wie wir von zuständiger Seite hören, auch vor dem Hauptpostamt in der Bahnhofstraße zwei dieser Automaten zur Aufstellung kommen.
** Die Autolinie Holzheim — Watzenborn— Gießen, die seit einigen Tagen in Betrieb ist, erfreut sich bis jetzt eines regen Zuspruchs. Besonders an Markt- unb an Sonntagen ist her Verkehr recht lebhaft. Am vorigen Sonntagabend warteten am Lubwigsplatz weit über 30 Personen, die natürlich nicht alle Platz finden konnten, sondern teilweise zurückbleiben und später fahren mußten. Zur Zeit schweben Verhandlungen mit dem Pächter der Domäne Schiffenbera, um eine regelmäßige Verbindung zwiscyen Gießen und dem Schiffenberg herbeizuführen.
•• Preisverteilung zum Schaufensterwettbewerb. Ain Montagabend fand im Safe Astoria die Verteilung der Preise des Schaufensterwettbewerbs für das Publikum statt. Namens des Verkehrsvereins hielt Stadtv. Kirchner als Vorsitzender des Ausschusses für Blumenschmuck und Schousensterwettbewekb eine Ansprache, in der er allen Beteiligten Dank abstattete. In erster Linie gebühre dieser Dank den vielen Geschästsinhabern, die teilweise schwere Opfer an Zeit und Geld gebracht hätten. Wenn auch de.- finanzielle Erfolg der Veranstaltung sich nicht überall sofort auswirke, so fei doch der Zweck der Werbewoche, Freinde nach Gießen zu bringen, in jeder Hinsicht erreicht worden. Daß durch die Abstimmung des Publikums nicht arte Schaulensterausstellungen in vollem Maße gewürdigt worden seien, bedürfe keiner besonderen Kritik, jedenfalls sei aber durch die Abstimmung das Publikum für die Schaufensterauslagen interessiert und zum Kauf angeregt worden. Die rege Beteiligung des Publikums an dem Schaufensterwettbewerb sei erfreulich; besonderes Interesse hätten die Damen, teilweise auch die Jugend bewiesen. Cs sei wünschenswert, daß bei künftigen Veranstaltungen dieser Art alle Beteiligten das gleiche Interesse zeigten, wie in diesem Jahre. Hierauf sand die Verteilung der von der hiesigen Geschäftswelt zur Verfügung gestellten Preise statt.
*• GrmLhi gt« OrtSkrankeNkckfsen- Beiträge. Die Allg. Ortskrankenkasse Gießcn- Land hat mit Wirkung ab 27. September die Kassenbeiträge von 7,5 v. H. auf 7 v. H. herabgesetzt. (Habered über die neuen Beitragssätze ist aus dem gestrigen Anzeigenteil ersichtlich.
** Deutscher Dftounb. Man schreibt uns: Wie tn ben meisten beutschen Stäbtcn, soll auch in Gießen eine Gruppe bes Deutschen Ostbunbes uegrünbet werben. Dieser Bund bezweckt neben ber Pflege ber Liebe für bie alte Heimat einen engen Zusammenschluß aller Ostbeutschen zur Wahrung ihrer vielseitigen Interessen, besonders auch der wirtschaftlichen. Don feiten ber Reichsbehörben wirb diese Bewegung weitestgehenb unterstüszt. Ostdeutsche jeden Standes und jeder Konfession sind in diesem Bunde willkommen. In vielen Städten der Nachbarschaft umfaßt der Ostbund bereits eine ansehnliche Mitgliederzayl. so z. B. in Wetzlar allein über 100. Außer den Ostdeutschen kann auch jeder andere Mitglied des Bundes werden, sind doch sogar ganze Städte, wie Frankfurt a. M., Berlin ufro. Mitglieder des Ostbundes geworden. (Siehe heutige Anzeige.)
* * Ihren 80. Geburtstag feierte gestern Frau Elise Kirchner Witwe. Steinstraße 67 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische.
• • Ein Feuerbestattungsfilm wird am kommenden Freitag nachmittag und abend auf Veranlassung des DolkSfeuerbestattungsver- eins, Bezirksleitung Gießen, in den Palastlicht- spielen vorgeführt. Die Freunde der Feuerbestattung sind dazu eingeladen. Räheres im gestrigen Anzeigenteil.
" Fe st genommene Schwindlerin. Der Gießener Polizeibericht meldet, daß die in Reinhardshain aufgetretene Schwindlerin, (vor der wir gestern warnten. D. Red.) gestern nachmittag in Gießen betroffen und festgenommen wurde. Es handelt sich um ein 21jähriges Mädchen aus Rieder-Ohmen. — Weiter wurde ein angeblicher Ingenieur, der wegen Betrugs gesucht wurde, feftgeiwnunen.
• • Wohlfahrtsmarken zugunsten der Deutschen Rothilfe. In der Zeit vom 1. Dezember 1926 bis 15. FebrLar 1927 werden durch die Postanstalten neue Wohlfahrtsmarken zu 5, 10, 25 und 50 Pfennig, sowie Markenheftchen mit 8 Marken zu 5 und 6 Marken zu 10 Pfennig zugunsten der Deutschen Rothilfe vertrieben werden.
* * Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 715 Kälber, 688 Schafe, 168 SAvrine.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Gemeinden.
Jsr.ReligionSgemeindr. Äottesd. l. d.Shnagoge (Südanlage). Donnerstag, den 30. S-pt. und Freitag, Den 1. Oft 1926 Donnerstag. Laub- hüttenfeft - Ende. Vorabend 6 00, Jugendgottesdienst Morgeno 8 30. Freitag. DorabenD 6. Morgens 8 30. Abends 5.45.
Gottesdienst der ifr. ReligionSgefellfchaft. Donnerstag, den 30. Sept, u Freitag, ben 1. Oki. 1926. Hüttenfest-Ende u. Gesehesfreude. 8. Sag: Vorabend 5.50, vormittag 8 00, nachmittag 4.00. 9. Tag: Vorabend 6.50. Jugend leier, vormittag 8.00. Sabbatseier, den 2. Olt. 1926. Vorabend 5.30, Samstag Vormittag 8.30, nachmittag 3.30, Sabbatausgang 6.45 Wochengottesdienst: morgens 6.45, abends 5.30.
OVERSTOLZ,die
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Soeben wurden die amtlichen Ziffern bekannt,die den deut
schen Zigaretten-Verbrauch für das H.Quartal 1926 ausweisen.Es geht daraus hervor, dass während dieser
Zeit in Deutschland insgesamt 7374* Millionen Ziga- etten geraucht wurden- davon entfielen auf die ^-Preislage L75ck Millionen, das sind im Monatsdurchschnitt 918 Millionen Stück.
^Urverfenden monatlich über ÖOOßillionen Ovaftolz-Zigwetten.
Mithin beträgt derAnteü dieserMarke 5W Zigaretten etwa ein Drittel; am Gesamtumsatz aller deutschen das heisst mit anderen Worten:
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Marke am deutschen Gesamtverbrauch ist ein Beweis dafür, dass der „Grundsatz der Typisierung"
cArbeitsganges zu Gunsten der Qualitaet- auch in Deutschland seine Probe bestanden hat.
Mer dritte Raucher einer 5Rfä-üSßarette raudft OVERSTOLZ-
dieserüberragendeAnteilunserer -nämlichdieMreirfacbungdes
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SO . Q • H • O •


