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Nr. 175 Zweiter Blatt

Schumann am Rhein.

Von Johannes Heinrich Draach.

Düsseldorf, die alte Kunststadt, erfuhr Schu­manns Fallen in Nacht und das Vertrocknen seiner Feder. Mitten im heißen rheinischen Leben traf ihn der Schatten zcugeirde Pfeil geistiger Verwirrung.

Ich suchte neulich in einer alten Geographie nach Notizen über Düsseldorf und fand da unter den Merkwürdigkeiten angeführt: drei Nonnen- fiöfter und eine Irrenanstalt. Die ersteren lasse ich mir gefallen, allenfalls, das letztere war mir ganz unangenehm zu lesen." So schrieb Schu­mann in einem jener Briefe, die sich damit be­schäftigten. ob er die angebotene Stelle des Dirigenten der Düsseldorfer Abonnements-Kon­zerte annehmen solle oder nicht. Gaben ihm die melancholischen Zustande, unter denen er zu leiden hatte eine Ahnung des kommenden dunklen Ge­schickes und dessen Erfüllung in der Malerhoch­burg am Niederrhein? ,

Begeistert wurde Schumann von den Düssel­dorfern empfangen, und ihm Bezeugungen der Ehre bei den ersten Konzerten erwiesen. Aber bald verstummten die Lippen, dre Beifall riefen. Dem stillen, den einsamen Fleiß liebenden Mwin. war die Hochglut der Leidenschaft am fröhlichen Strome zu fremd. Scharfe Morte trafen den Wehrlosen, und als diese nicht ausreichten, ihn zum Nachgeben zu bewegen, fielen Steine, die ihn aus Amt und Achtung rissen. Was nutzte es, daß Triumphbogen dem grollenden Lttrnstler bei einer Hollandreise gebaut und Fackelzuge dargebracht wurden? Was sollte auch eine frohe Fahrt nach Hannover für einen Menschen be­deuten, den seine neue Heimat als Komponisten lobte, aber als Dirigenten verwarf?

Nach der Rückkehr spann sich grimmige Oede um Schumann, und die Sonne seines Daseins begann in düstere Wollen zu sinken.

Amerikas Vorsprung im Welthandel.

Von Herbert Hoover. Handelsminister der Vereinigten Staaten.

Der Welthandel wird meistens als eine Art Kampf aufgefaht aber nicht von ameri­kanischer Seite. Man kann es als ein Llnglück bezeichnen, daß die Entwicklung des inter­nattonalen Handels nur zu oft durch kriegerische Maßnahmen gestört wird. Man spricht im internationalen Handel von Eroberungen, vom Wirtschaftskrieg, von Handelsstrategie. Zollkrieg, Handelsspionagc, Verwicklungen usw. Nach der amerikanischen Auffassung kann es sich nicht um Unterdrückung oder Unschädlichmachung der Handels- und Exporttollegen resp. deren Länder handeln, wodurch die Exportentwicklung verlang­samt oder aufgehalten wird, sondern um die Erhaltung und Förderung der Ver­brauchskraft aller Weltnationen.

Der Welthandel ist ein lebenswichttger Teil unserer modernen Weltwirtschaft geworden. Der Krieg hat uns allen vor Augen geführt, wie eng die einzelnen Nationen in wirtschaftlicher und kommerzieller Beziehung untereinander ver­bunden sind. Der Lieberschuß in der Handels­bilanz einer Nation ermöglicht die volle Aus­wertung der Rohstoff- und Hilfsquellen. Die Schaffung eines größeren Kundenkreises für einen fabrizierten Artikel gibt diesem Artikel eine größere Stabilität und Entwicklung in der Pro­duktion und eine größere Sicherheit für die Arbeiter. Auch von der anderen Seite der Handelsbilanz betrachtet, muh darauf hingewie­sen werden, daß es durch den Export möglich wird, jene Waren und Rohstoffe einzuführen, die das Land nicht selbst besitzt oder herstellt. Es ist Tatsache, daß ein großer Teil der Ein­fuhren gewisser Nationen darauf beruht und der Welthandel sich darauf aufbaut, daß in den be­treffenden Ländern die benötigten und verlang­ten Waren nicht hergestellt werden. Dieser Welt­handel vermehrt und erhöht sich automatisch mit der zunehmenden Bevöltcrung und mit den ge­steigerten Ansprüchen der Bevölkerung. Für die amerikanischen Verhältnisse muß festgestellt wer­den, daß sich die Einfuhren in den letzten zwölf Jahren um 60 Prozent vermehrt haben.

Da die Bevölkerung der Welt ständig zu­nimmt und ebenso die Ansprüche der Menschen an die Lebensführung steigen, ist der gesamte internationale Handel im Zunehmen begriffen. Dampf, Elektrizität. Verbrennungsmotoren usw. haben wesentlich dazu beigetragen, die Pro» ouktton im allgemeinen zu fördern und d i e Importbedürfnisse z u steigern. Der kneinandergreifende ausländische Handel ist in den letzten Jahrzehnten immer größer und größer geworden, aber der Krieg hatte dieser Entwick­lung ein Ende gesetzt.

Bei einem weltwirtschaftlichen Bilanzversuch müssen wir die vergangenen Zeiten heranziehen. Weil durch den Krieg eine vollständige Llmord« nung der Verhältnisse stattgefunden hat, müssen wir auch die veränderte Kaufkraft des Geldes in Rechnung stellen. Unter Be­rücksichtigung dieses Umstandes hat der Export­handel der LI. S. A. im Jahre 1925 den des Jahres 1913 um 37 Prozent überragt, soweit es sich um die quantitattve Entwicklung handelt. Das Jahr 1925 war ein gutes Jahr, es zeigte keine übermäßigen plötzlichen Vermehrungen. Das Jahr 1924 zeigte eine quantitative Steigerung von 30 Prozent gegenüber 1913. Die anderen am Kriege beteiligt gewesenen Nattonen haben bis­her ihre Vorkriegsexportziffern noch nicht über­schritten. Die Vermehrung des amerikanischen Handels beruht nicht nur auf den natürlichen Hilfsquellen des Landes oder auf Zufälligkeiten, ilnjere Ausfuhr in Fertigfabrikaten, besonders die wettbewerbsfähigsten Gruppen, haben sich schneller entwickelt als die anderen Gruppen un­seres Ausfuhrhandels, trotzdem bei uns die höch­sten Werklöhne der Welt bezahlt werden.

Wenn wir nach den Gründen suchen, warum wir in dieser Hinsicht so einzig dastehende Er­folge aufzuweisen haben, so muß dazu bemerkt werden, daß dies auf ganz bestimmte amerikanische Methoden zurückzuführen ist, und daß dieie Methoden unsere Zukunft be­deuten. Llnsere Exportverbreiterung ist ein Teil unserer Inland-Entwickelung, sowohl in sozialer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. In erster Linie muß auf die sich anhäufenden Werte durch ver­besserte Schulerziehung und Aus­bildung hingewiesen werden, die sich in den letzten 35 Jahren entwickelt hat. In dieser Zeit

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag, 29. Juli 1926

haben wir unsere Hochschulen und die Einrichtun­gen für höhere Schulbildung um 400 Prozent vermehrt. Wir haben in dieser Zeit die Aus­bildung technischer Kräfte in allen Zweigen der Wirttchafl so entwickelt und geför­dert, wie kein anderes Land der Erde. Hiermit zusammenhängend haben sich große Fort­schritte in der Geschäftsorga n i sa- tion herausgebildet und eine ausgesprochene Anpassungsfähigkeit an neue Ideen und fort­schreitende Dedarfserzeugung. Llnsere Arbeiter haben bessere Schulbildung und sind befähigter geworden. Darüber hinaus sind sie nicht in dem wirtschaftlichen Trug befangen, daß die Einschränkung der persön­lichen Leistungen d. h. Verminderung der Arbeitsleistung, die Arbeits­stellen vermehrt. Die nationalen Arbeiter­vereinigungen haben diesen Standpunkt längst ausgegeben. Wir ernten die Früchte von etwa 600 Versuchslaboratorien; die meisten sind in den letzten 12 Jahren eingerichtet worden. Sie sind ungehemmt damit beschäftigt, Erfindungen zu machen, die beste Verwendung der Materialien zu bestimmen, die besten anzuwendenden Metho­den ausfindig zu machen. Unter dem Druck der hohen Arbeitslöhne haben sie rücksichtslos die Industrie verbessert mit jeder neuen Erfindung.

Wir haben auch einen großen Vorteil da­durch, daß die Massenfabrikation durch den eigenen großen Markt be­günstigt wird. Es ist uns möglich geworden, durch scharfe Einstellung hohe Qualitäten und niedrige Herstellungskosten in der Produktion durchzuführen Als Erfolg dieser Kräfte hat sich die nationale Produktivität in den letzten zwölf Jahren um ca. 3035 Prozent gesteigert, wäh­rend die Bevölkerung um ca. 1617 Prozent zu­genommen hat.

Wir werden diese Stellung nicht halten oder verbessern können, wenn wir bei den bisherigen Erfolgen stehen bleiben. Wir können unsere Stel­lung behaupten, wenn wir f o r t f a h r e n und unsere Bemühungen vermehren in der Erziehung und Weiterbildung, in der Ausschaltung unpro­duktiver Handlungen und Methoden, in der Weiterentwicklung der wissenschaftlichen For­schungen. in der Verbesserung der Geschäfts­organisation zu Hause und im Auslande. Die Tätigkeit unseres Handelsamtes hat dazu ge­führt, daß viele Llnternehmungen, die bisher nicht exportfähig waren, weil sie nicht die benö­tigten Verbindungen hatten, jetzt das Export­geschäft betreiben und viele neue Unternehmun­gen angefangen haben, ebenfalls sich dem Export­geschäft mit guten Aussichten zu widmen. Viele tausende Fabrikanten, die besondere Speziali­täten Herstellen, haben mit Erfolg das Export­geschäft entwickelt.

Die Ausdehnung der Handelsbeziehungen ist nicht nur davon abhängig, die richtige Ware anzubieten und zu verkaufen dazu gehört auch wissenschaftliche De'rkaufskunst. Die weite Sicht ist notwendig. Der ausländische Ab­nehmer darf nicht vernachlässigt werden, wenn der Inlandabsah zufriedenstellend ist. Das Aus­fuhrgeschäft bildet einen lebenswichtigen Teil unseres Handels, nicht als Notbehelf ist es .auf- zufassen.

Don hohen Gesichtspunkten aus ist der Außenhandel so anzusehen, daß die Nationen unter sich im Wettbewerb stehen, um die größte Produktion und den größten Verbrauch zu er­reichen.

Da aus Anlaß des Krieges sowohl die kriegführenden wie die neutralen Länder sehr zu leiden hatten, wurde allgemein der Entschluß gefaßt, so weit wie möglich die benötigten Er­zeugnisse im eigenen Lande herzustellen. Das zunehmende Heer dec Arbeitslosen hat eben­falls besonderes Anlaß dazu gegeben. Darauf ist es zurückzuführen, daß 52 von 70 Nationen der Welt, worunter sich alle bedeutenden Han­delsnationen befinden, ihre Einfuhrzölle erhöht haben. Man wird annehmen müssen, daß diese Politik dazu führt, daß der Handel immer mehr auf die einzelnen Nationen beschränkt bleibt und dadurch der Welthandelsver­kehr zurückgeht. Es erscheint aber sicher, daß die Weltwirtschaft und der soziale Austausch größeren Einfluß auf den Import eines Lan­des haben, als die Einfuhrzölle. Dies ist an den erhöhten amerikanischen Einfuhrzöllen fest­zustellen. Seit sie in Kraft sind, hat die Einfuhr um zirka 35 Prozent zugenommen. Ebenso sieht es in anderen Ländern aus, die am Welthandel beteiligt sind.

Amerikas Entwicklung von einem Schuldner­land zu einem Gläubigerland im großen Maß­stäbe hat Befürchtungen laut werden lassen, daß

Oft bemerkte Gehörsempfindungen verstärkten sich so, daß Ruhe und Schlaf schwanden. Aus rätselvollen Fernen stieß ein einziger Ton und quälte mit fürchterlicher Pein. Wenn er auf Augenblicke wich, verwandelte sich jeder Laut in Harmonie, Gerappel der Karren auf der Straße, Schreien der Fuhrleute, hallende Schritte auf dem Pflaster äußerten sich in Musik rauschender Instrumente einer anderen Welt. Aus Himmeln kam die Offenbarung, und Engel stimmten das Singen an. Aber der eine Ton nagte sich durch und gab Vorstellungen fletschender Tiger und Hyänen. Dämonen dec Hölle schlugen scharfe Krallen, bliesen auf schrillen Pfeifen, kratzten über ungestimmte Harfen, trompeteten auf hohlen Kno­chen und rasselten mit Schädeln. Ein Kampf mit guten und bösen Erscheinungen begann, fol­terte in bangen Tagen und marterte in er­regten Nächten. Das Schlechte siegte und wirkte giftige Fäden in die Gänge des Gehirns. Irrsinn stierte aus Augen, Irrsinn war jede verzerrte Bewegung.

Dann wieder der eine grausame Ton. Viel­leicht wie das Kreischen einer Sense, wenn fie an schwingenden Rädern vorbeistreift, oder wie das Heulen einer Säge, wenn fie durch harte Baum­stämme surrt.

Nur wenige Pausen in der Tragödie des Zusammenbruchs. In ihnen ein ungestümes Schaf­fen. ein Niederwerfen von Gesängen, die phan­tastische Vorstellungen schenkten.

Der letzte Somttag im Februar 1854 brachte eine trügerische Hoffnung des Desserwerdens. Schumann fühlte sich so kräfttg. daß er die Sonate eines jungen Musikers prüfen konnte. Ein Ab­weg in der Irmis, ein klägliches Hall vor dem Sturz in die Tiefe, denn Mühe und Anstrengung beschleunigten die Fahrt, die dem Ende nahte. Schumann erkannte es. schrie nach der Irren­anstalt wie ein Ertrinkender nach einem retten­den Doot und legte zurecht, was er mitnehmen

di e Rückzahlung der Kriegsschulden die Einfuhr ausländischer Waren nach den LI. 8. A. vermehren müsse, um dadurch die Zahlungen möglich zu machen, zum Nachteil der amerikanischen Industrie und deren Arbeiter. Diese Vorstellung trifft nicht zu. Es besteht ein ausgleichender Faktor, indem durch die amerikanischen Auslandsreisen. Einwanderer- Rückzahlungen und noch andere Formen un­sichtbar Geld exportiert wird. Für das Jahr 1925 lassen sich diese Exporte -auf zirka 900 000 000 Dollar schätzen. Nebenher werden wir weiter Anleihen nach dem Auslände geben; sie betragen gegenwärtig zirka 700 000 000 Dollar jährlich und wir können die Beobachtung machen, daß der amerikanische Exportüberschuß ungefähr diese Summe ausmacht.

Wandlungen im Wirtschaftskrieg.

Von Dr. Arthur Dix.

Obwohl die Erfahrungen von 1914 bis 1918 uns den Begriff des Wirtschaftskrieges nur allzu fühlbar gemacht haben, scheint er in seinem vollen Inhalt, in seiner Doppeldeutigkeit heute doch schon wieder einigermaßen in Vergessenheit ge­raten zu sein. Die Doppeldeutigkeit besteht darin, daß der Wirtschaftskrieg einen Krieg mit wirt­schaftlichen Mitteln und mit wirtschaftlichen Zie­len bedeuten kann, einen Krieg für Wirtschafts- zwecke und einen Krieg unter Wirtschastszwang. Die britische Reinkultur des Wirtschaftskrieges, seinerzeit schon im Burenkrieg der Well mit brutaler Offenheit vor Augen geführt, dann im großen Weltkriege bis zu den letzten Möglich­keiten verwirklicht, umfaßt beides, die wirtschaft­lichen Kriegsziele und die wirtschaftlichen Kriegs­mittel.

Wir müssen uns klar im Bewußtsein halten, daß die letzteren durch das Versailler Dokument verewigt und legalisiert sind. In den Völkerbund- satzungen ist ganz deutlich ausgesprochen, daß die Niederzwingung einer Macht, die sich dem Willen der Völkerbundsvormächte nicht zu fügen bereit ist, durch Mittel des Wirtschaftskriege- betrieben werden soll.

Vulgär-materialistische Auffassung unterstellt den Kriegen aller Zeiten wirtschaftliche Motive, das Streben nach Erweiterung des Nahrungs­mittelspielraums. Nun liegen die Dinge in Wahr­heit aber nicht etwa so, daß immer um den Be­darf an Volksnahrungsmitteln, um die Erweite­rung der Lebensbasis für die breite Masse ge­kämpft worden wäre. Wenn etwa die über­schüssige Bevölkerung des Schwabenlandes bei sehr kopfreichen Familien und übermäßiger Zer­splitterung des Grundbesitzes durch Erbteilung in der Heimat keine Nahrung mehr sand und bis in die Gefilde der unteren Wolga abwanderte, so geschah das durchaus nicht in der Form von Eroberungszügen, durchaus nicht mit inrperialisti- schen Tendenzen, sondern in einer höchst stillen und friedlichen Kolonisationsarbeit, deren Be­deutung im eigenen Heimatlande durch Jahr­hunderte vergessen blieb. Wenn aber die Ver­treter aristokrattscher Rittervölker unter wirt­schaftlichen Motiven neue Wege in reiche Aus­landgefilde suchten und durch ihre Entdecker­fahrten eine neue Epoche der Weltgeschichte her­beiführten, so geschah es nicht wegen nackten Hungers der Volksmassen, sondern zur Sttllung von ausgesprochenen Luxusbedürfnisfen. Die fei­nen Gewürze und das edle Gestein Indiens lockten jene herrschende Schicht der Iberischen Halbinsel, die den Entdeckern Amerikas und Süd­afrikas den Segen für ihre Ausreise gab. Die Nutzung proletarischer Nahrungs- und Kleidungs­bedürfnisse durch Indiens Weizen und Baum­wolle blieb späteren Zeiten mit politisch und sozial verändertem Gesicht Vorbehalten.

Das Zeitalter der Dampfmaschine und der durch sie ermöglichten Großindustrie mit ent­sprechender Steigerung der Maschinenbedürfnisse europäischer Völker führte eine neue Epoche des Kampfes um wirtschaftliche Ziele herauf. Es entstand der ins Kolossale gesteigerte Bedarf europäischer Vollsmassen an Zufuhr fremder Nahrungsmittel und Rohstoffe, ganz besonders auch an Betriebsstoffen sowohl der Industrie selbst wie jener Verkehrsmittel, die benötigt wur­den, um Nahrungsmittel und Rohstoffe heran­zuschaffen und zum Zweck ihrer Bezahlung Fertigfabrikate ins Ausland zu befördern: Der Kampf um die Kohle, der Kampf um Stützpunkte für Handel und Verkehr und um Stapelplähe für die von den Dampfschiffen benötigte Kohle.

Die Kohle stand durch Jahrzehnte in jedem Sinne im Brennpunkte der Wirtschafts kämpfe. Aber über die Dampfmaschine hinaus rückte tech-

wollte: Geld, Zigarren, Notenpapier und Schreib­federn. Nur mit Mühe wurde er von dem Vor­haben abgelenkt und zu Bett gebracht. Seine Frau setzte sich zu ihm, aber er litt sie nicht im Zimmer. Furcht befiel ihn, daß er ihr in verwor­renen Angstzuständen ein Leid zusügen möchte.

Lange blätterte er in Büchern und Zeit­schriften aber der eine Ton war bei ihm wie fein Atem und hämmerte unaufhörlich auf ihn ein.

Am andern Morgen klattchte Regen gegen die Fensterscheiben, der Himmel stand in düsterem Grau, und Frösteln durchschauerte den Raum, ob­gleich der Ofen übermäßig geheizt war. Schu­mann schrieb die um ein Geisterthema geschlun­genen Variationen ins Reine und gelangte bis zur letztem

Verstärktes Klingen des einen Tones nahm ihm das Blatt aus der Hand. Die Errtsehlichkeit marterte schlimmer als das Rinnen und Rieseln, gleichmäßiger als die Schwingungen des Llhr- pendels und einförmiger als das Rauschen des Rheines, wenn seine Fluten an Schiffsplanken oder an Llfersteinen waschen und wühlen.

Der Rhein da lächelte der Kranke. Ruhe befiel ihn, seinen Leib glaubte er in Balsam ge­bettet und wähnte seinen Geist auf goldenen Fitttchen in stumme Fernen schweben. Wie eine Lockung drang es ins Fieber hinein schein­bares Raunen des Stromes flüsternde Worte des Rheins, heimliches Kosen. Werben und Wogen: Komm zu mir. ich wiege dich ein, schenke dir Schlaf und befreie dich aus langer Not. Was du erduldest, wird sich in Freude wandeln. Meine Wohnung ist weit und meine Kissen sind sanft. Komm zu mir ich führe dich in ein ewig stilles, friedevolles Reich.

Der aufgepeitfchte Nerventanz der Tollheit btöbete Erlösung vor.

Ich komme da überlistete er die Be­wachung und gewann, kaum bekleidet, die Straße.

nischer Fortschritt den Motor unö rückte damit zu­gleich den flüssigen Brennstoff in den Vordergrund wirtschafttichcr Kampfziele. Unendlich viel ist in den letzten Jahren über das Erdöl als Hauptsattor des Wirtschaftskrieges geschrieben worden. Aus prak­tischen Erfahrungen braucht nur erinnert zu wer­den an die englisch-amerikanischen Monopolkämpfe; an die Hoffnung Englands, bei unserem Dordrängen in Rumänien während des Krieges durch gründ­liche Zerstörung der dortigen Bohranlagen eine Fortführung unseres U-Boot-Krieges und Flua- wesens unmöglich zu machen; an die bis in die jüngsten Wochen hinein fortgesetzten politischen Ringkämpfc um das Mossulgebiet.

Das motorische Zeitalter hat nicht nur die flüs­sigen Brennstoffe zu einem. Hauptgegenstand des Wirtschaftskrieges gemacht, sondern auch allerlei Leichtmetalle und andere Bedarfsgegenstände früher unbekannter Industriezweige und Verkehrsmittel, ohne daß der Kampf um Kohle, Eisen und Ship- fer dies letztere im Gegenteil wegen der Bedürf­nisse der elektrischen Industrie immer wichtiger ge­worden der Kampf um Baumwolle und Wolle ausgeschaltet wäre. Unter den heute besonders be­gehrenswert gewordenen Rohstoffen darf der Roh­gummi nicht unerwähnt bleiben, da die Kautschuk- Industrie nicht nur im Elektrizitätswesen non her­vorragender Bedeutung ist, sondern vor allem auch im ganzen modernen Verkehrswesen einen außer- ordentlich wichtigen Platz einnimmt. Schließlich ge­hört aus Gründen der Nahrungsmittelversorgung auch das Kali in die Gruppe heuttger Objekte des Wirtschaftskrieges.

Benzin ist in den kommenden Schlachten ebenso nötig wie Blut" schrieb ClLmenceau vor der letzten großen deutschen Offensive an den Präsidenten Wil­son. Chemische Rohstoffe für den Gaskrieg find ein Artikel, auf dessen Sicherung die führenden Militär­mächte sorgsam bedacht find. Von den in dieser Be­ziehung bestens versorgten Westmächten und Ame­rika ganz zu schweigen, hat beispielsweise auch die Sowjetregierung vor zwei Jahren eineGesell­schaft der Freunde der chemischen Landesverteidi­gung" entstehen lassen und finanziert. Selbst ein mit Rohstoffen verschiedenster Art so gut versehenes Land wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika betreibt neben der chemischen Kriegsrüstung insbe sondere die Sicherstellung folgender Stoffe:

Metalle: Antimon, Chrom, Mangan, Zinn, Wolfram, Vanadium, Nickel, Quecksilber und Platin.

Minerale: Salpeter, Kalisalze, Glimmer und Graphit.

Faserstoffe: Hanf, Jute, Wolle und Seide. Medizinische Stoffe: Chinin, Jod, Opium, Brechnüsse.

Sonstige Materien: Gummi, Kampfer, Ko­kosnüsse und Häute.

Kokosnüsse sind deshalb so besonders wichtig, weil sie zur Herstellung der für die Gasmasken nö­tigen Kohle dienen. (Vergleiche die wirtschaftlichen Vorbereitungen der Auslandstaaten für den Zu­kunftskrieg", Verlag E. S. Mittler & Sohn, Ber­lin 1926).

Naturgemäß sind all diese für die Führung eines Zukunftskrieges notwendigen Materialien nicht nur zu betrachten als aktive Kriegsmittel, sondern sozusagen auch als passive Kriegsziele, d. h. die Sicherung ihrer Lagerstätten gehört zu den wirt­schaftlichen Zwecken kommender Kriegführung oder zu den Zielen einer auf friedlichen Wegen zu be­treibenden Erreichung imperialistischer Ziele.

Endlich ist an natürlichen Kraftquellen nicht nur der auf der Erde vorhandenen Wasserkräfte zu ge­denken, sondern für eine vielleicht gar nicht ferne Zukunft auch der technisch vollendeten Nutzung von Sonnenkraft. So wäre es beispielsweise keineswegs undenkbar, daß Wüstenflächen wie die der Sahara als besonders hervorragende Stapelplätze in elek­trische Energie umwälzbare Sonnenkraft zu einem begehrten Öbjekl des Wirtschaftskrieges werden könnten. Last not least: Die Mittel der Nachrichten­übertragung, der gedanklichen Beeinflussung, der Propaganda. Gestern die Kabel, heute die Sende- und Verbreitungsstation der drahtlosen Nachrichten­übermittlung (deren Zerstörung in den deutschen Kolonien beispielsweise zu den ersten Kriegshand- tungen Englands gehörte) und auf gleicher Stufe die Kinos und die Filmindustrie als weitestreichende Propagandamittel der Gegenwart und Zukunft. So­mit gehören auch die Rohstoffe der Filmindustrie zu den Objekten des heutigen Wirtschaftskrieges.

Wollen wir das politische und das wirtschaftliche Streben der großen Militärmächte unserer Tage richtig verstehen, wollen mir begreifen, um welche Einsätze und um welche Ziele es sich bei ihnen für die Zukunft handelt, so müssen wir im Auge halten, welcher Art die Rohstoffe sind, die unter den technischen Bedingungen der Gegenwart und näch-

Schneewehe und Hagelkörner schlugen ihm ins Gesicht, der schuhlose Fuß trat in Kot und Gossen, vorbeitrödelnde Marktweiber grinsten und kicher­ten nur fort. Drüben hinter der letzten Häuserreihe, zwischen den Wällen winkte ein mildes Los.

Scheu lief er auf die Brücke. Gelb wälzte der Rhein seine Wasser und lechzte in Schaum­wellen an den Pfeilern empor. Brausen und Sausen beherrschte die Weite, und die Erde donnerte verhalten unter der wilden Wucht.

Komm zu mir lauschte der Verrückte aus quirlenden Strudeln und Wirbeln ich ent­fette dich.

Da kletterte Schumann keuchend auf die Brüstung und sprang in die aufsprihende schäu­mende Gischt.

Mit ihm stürzten jene menschlichen Gesetze der Liebe, die nicht immer ins Rechte treffen und hießen ihn von Schifferknechten zu einem siechen Sterben und zu einem Tode vor dem Tode gerettet werden. Den Kelch der Qual bog eine herbe Bestimmung nur zögernd zur Neige. Erst der Sommer des zweitfolgenden Jahres sollte eine Frucht, die längst verfault war, vom Baume der Irdischkeit schlagen. Nicht in jener Irren­anstalt zu Düsseldorf, in einer armen Klause der Heilanstalt zu Endenich bei Bonn ging der große Liederfänger und Romantiker heim.

.Sein Kopf war so schön als Leiche", schreibt Klara Schumann in ihrem Tagebuche,die Stirn so schön klar, sanft gewölbt. Ich ftanb an der Leiche des heißgeliebten Mannes und war ruhig; all meine Empfindungen gingen auf tn Dank zu Gott, daß er endlich befreit. Lind als ich an feinem Bette niederkniete, da wurde mir so heilig zu Mute, mir war, als schwebe sein herrlicher Geist über mir ach, hätte er mich mit sich genommen. Ich sah ihn heute zuletzt einige Blumen legte ich ihm noch aufs Haupt. Meine Liebe hat er mit sich genommen."