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Rr. 149 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 29. Juni 1926

Aus dem Slbhochwaffergebiet.

Wittenberge, Ende Juni 1926.

In der Elb« und Haoelniedcrung unterhalb f)0 velbcrg sind Überflutungen feine Seltenheit. Die Frübjahrsflut ist gleichsam in dem normalen Wirt- schaststurnus der Landwirte dort fest eingestellt. Aber immerhin rechnet man doch nur mit der ein­maligen oder höchstens zweimaligen Ueberflutung in den ersten Frühjahrswochen, nach deren Vor­übergang sich man mit aller Ruhe der Feldbestellung und der Weidewirtschaft widmen kann. Das Hoch- wasser ging auch im allgemeinen nicht über die ersten Niederungsflächen hinaus. Eine Katastrophe in der kilometerweiten Hochwasserüberflutung wie in diesen Tagen hat man hier im Zentrum des Elb- Hochwassergebietes seit 1890 nicht mehr erlebt, und auch damals reichte das Hochwasser längst nicht so weit. Reicht doch das Hochwasser bis in die Stadt Wittenberge hinein, von den Feldern zu beiden Sei­ten der Bahn BerlinHamburg bis ganz knapp vor den Bahnhof, und dehnt es sich doch gerade hier auch noch Hunderte von Metern weit nordöstlich der Bahn in ein Gebiet, das gänzlich außerhalb des eigent­lichen Hochflutbereiches der Elbe liegt. Im übrigen ist es seit hundert Jahren nicht mehr vorgekommen, daß viermal in einem Jahre hintereinander und mit größeren Zwischenräumen Elbe und Havel über ihre Ufer und zum Teil gar über die hinteren Deiche stiegen, die sonst meistens überhaupt von der Flut nicht erreicht wurden.

Es ist gerade darum schon verständlich, daß eigentlich niemand mehr hier mit einem Hoch­wasser dieses Umfanges rechnete, daß viel­leicht - das betroffene Gebiet von den Fluten ohne die zur Abwehr einer derartigen Gefahr notwendigen umfassenden Dorbereitungen über­rumpelt wurde, obwohl das Hochwasser in Schle­sien und im Spreewald bereits einige Tage zu­vor eine gewisse Warnung hätte sein können. Es mag vielleicht auch verständlich sein, daß mancher Landwirt, der jetzt fein ganzes Hab und Gut verloren hat, nicht gern sich zur Deich­wache, zum Deichschuh und zur Deicharbeit bereit fand, weil er gerade in den letzten wichtigen' Wochen der intensivsten Arbeit vor der Ernte sein Feld liegen lassen mußte. Aber es ist ja. jetzt ganz müßig, darüber Nachforschungen und Betrachtungen anzustellen. Nichts wäre sinn­loser. als hier etwa Schuldsragen gegenüber der im Angesicht der Vernichtung der Existenz stehenden Bevölkerung aufzurollen. Soweit es sich um eine derartige Erörterung jetzt handeln kann, kann sie sich lediglich an die staat­lichen Stellen, an die staatliche Deichverwaltung und an die Strombauverwaltung, auch an die Wasservolizei und den Reichswasserschuh richten. Nach den lehten ungeheuren Hochwasserkata­strophen im Stromgebiet des Rheins hätte es doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müssen, daß nun mit Hochdruck die umfassendste und modernste Deichbefestigung im Gebiete sämt­licher deutschen Ströme hätte in Angriff ge­nommen werden müssen. Wir wissen nicht, wie weit die Vorarbeiten dazu gediehen sind. Wir wissen aber, daß diese Vorarbeiten effektiv nicht zu einem nützlichen Erfolg geführt haben: denn auch das Hochwassergebiet des Rheins ist dies­mal nicht verschont geliehen. Es kann gegenüber diesen staatlichen Stellen auch nicht als Ent­schuldigung angeführt werden, daß man gegen das Durchdringen des Druckwassers in der kurzen Zeit doch nicht genügende Vorkehrungen hätte treffen können. Denn gerade im Elbhochwasser- gebiet sind die Deiche selbst übersttegen worden, zum Teil sind sie cmch gerissen, so daß nicht nur das unmittelbare Hochwasser die Gebiete erfaßt hat, die sonst schlimmstensalls unter Druckwasser gelegen hätten, sondern daß auch weile Strecken jetzt durch das Druckwasser vernichtet sind, die sonst bei der Fernhaltung des eigentlichen Hoch­wassers nicht mit in die Katastrophe hinein­gezogen worden wären.

Aber, wie dem auch fei, mag das auch ein berechtigter Vorwurf fein, und muß man daraus auch unter allen ilmftänben die ent­sprechenden Lehren ziehen, muh man auch von den staatlichen Stellen fordern, daß wenigstens ein Teilbetrag der jetzt verloren gegangenen Werte dafür aufgewendet wird, um mit Be- fdjleunigung eine wenigstens provisorische, weitergehende Deichsicherung zu schaffen, anstatt auf die naturgemäß langsame, grundsätzlich neue und moderne und vollkommene Beschränkung des Strombettes zu warten, jetzt kommt es in erster Linie darauf an, den Umfang der ent­standenen Schäden festzustellen und den Not­standsgebieten in jeder nur möglichen Weise schnelle und wirksame Hilfe zu bringen. Der

Die letzte Bombe.

Don L. Mülle r, Altbürgermeister in Metz.

3n der Nr. 7 derEls.-Lothr. Mitteilungen" des Jahrganges 1926 erwähnt ein früherer Metzer bei der Schilderung seiner Gedanken auf der Wanderung nach dem Metzer Ostfriedhof eine dürftige Schenke am Wege, die sich hoff­nungslosä la derntere bombe" (Zur letzten Bombe") nenne. Dem Wanderer ist die tiefere Bedeutung dieser Bezeichnung entgangen. Dem möge hierdurch nachgeholfen werden, verdient doch das Erinnerungsmal, das immerhin ein statt­liches dreigeschossiges Gebäude darstellt, eine ein­gehendere Besprechung, und feine Bedeutung bei denjenigen festgehalten zu werden, welche die grauenvollen Zeiten der feindlichen Flicger- befchießung im Gebiet der Festungen Metz und Diedenhosen und dem zwifchenliegenden lothrin­gischen Industriegebiet durchlebt haben und Zeu­gen oder Opfer dieses modernen Kriegsmittels geworden sind. Namentlich im Jahre 1918 for­derte diese Beschießung aus der Lust viele Opfer aus der Zivilbevölkerung, Opfer an Menschen­leben. wie an Sachgütern. Einen Unterschied zwi­schen Eingewanderten und Einheimischen machten diese Bomben nicht, sie verschonten auch nicht die vielen dort beschäftigten Gefangenen aus den Reihen der Gegner.

Die Verteidigung gegen die feindlichen Flie­ger ist mit der Zeit durch die aufopfernde Tätig­keit der Metzer Fliegerabwehr tüchtig ausgebaut worden, fie genügte aber nicht zur erfolgreichen unb sicheren Abwehr der immer zahlreicher wer­denden, feindlichen Bombengeschwader, nament­lich als die Amerikaner ihr umfangreiches Kriegs­material aller Art an der Westfront gegen Deutschland einsehten. Nur hin und wieder wehr­ten deutsche, vorübergehend nach dem Festungs­gebiet Metz verlegte Jagdgeschwader erfolgreich dem Feind, ihm angesichts der Bevöllerung viel­

tatsächliche Gesamtumfang des entstandenen Schadens läßt sich selbstverständlich noch nicht auch nur annähernd in einer Zahl ausdrücken. Es steht fest, daß Werte von Hunderten von Millionen verloren gegangen sind und daß das Hochwasser Tausende von Existenzen vernichtet hat. In der Hauptsache handelt es sich na­turgemäß um landwirtschaftliche Bevölkerung. Wan braucht sich nur vorzustellen, daß die Landwrrte in den vordersten Niederungsschich- ten nach dem Vorübergang der beiden ersten Hochwasser dieses Jahres ihre Felder be­stellt hatten. Das dritte Hochwasser riß die Saaten wieder weg: und neues Saatgut wurde in die Erde gelegt. Jetzt ist öde zweite Aussaat wiederum hinwcggerissen, wo fie zum Teil schon kurz vor der Ernte stand! Sind diese Landwirte auch besonders hart getroffen, so geht cs doch denjenigen, die zum erstenmal in diesen Tagen das Hochwasser bekommen haben, durch­aus nicht besser. Das Hochwasser steht kilometer­weit über den Aecketn und Weiden bis zu 3 und 4 Meter darüber. Kaum die Bäume sehen an manchen Stellen aus den flutenden schmutzigen Wassern. Selbst wenn jetzt weiter keine Hoch- wasserwelle kommt, wird es einen Monat dauern, bis sich, auch im Dructwassergebiet, das Hoch- Wasser vollständig verlausen hat. Vorher ist an den Feldern, Wiesen und Weiden nichts mehr gut zu machen. Bekommen wir einen sehr heißen Sommer ohne wesentliche Niederschläge, so wird sich das vollkommene Versauern des gesamten Gebietes zunächst nicht vermeiden lassen. Geht die Austrocknung allmählich bei gelegentlichen Niederschlägen vor sich, so ist etwas mehr Hoff- nung. Aber daran ist nichts zu änöern, daß all diese Flächen, ganz gleich, ob Aecker oder Weiden, vor dem Herbst nächsten Jahres keinen Ertrag

mehr geben; vielleicht, daß die Weiden in den letzten Monaten des JahreS und im nächsten Frühjahr dem Vieh ein ganz dürftiges Weide- futter bieten. Aber auch an einen Heuschnitt vor­dem Spätsommer nächsten Jahres ist kaum zu denken. Soll aber der angeschwemmte Schlamm beim Austrocknen den Boden nicht rettungslos verkruüen, so wird von der Landbevölkerung eine unendlich mühselige Arbeit des immer wieder­holten Umbrechens der Aecker geleistet werden müssen, ohne jede Aussicht auf den aeringften Ertrag, lediglich als Vorbereitung für Sie Aus­saat des nächsten Jahres!

Die Dinge wären vielleicht noch nicht so schitmm, wenn es sich allein um Wiesen- und Weideflächen handelte. Gewiß wäre auch das schlimm: aber bei unentgeltlicher Zurverfügung­stellung ausreichender Mengen von Grünfutter durch den Staat würde dann schließlich die Vieh- wlrtlchast allmählich wieder in Gang fommen können, soweit das Vieh nicht ersoffen oder Seuchen zum Opfer gefallen ist; unö vom nächsten Frühjahr an könnte der Betrieb wieder kärglich in die Höhe kommen. Bei der großen Masse des Ueberschwernrnungsgebietes handelt es sich aber um Ackerland, um Hacksruchtkultur (Kartoffeln und Rüben) und um Körnerbau. Hier ist vor dein nächsten Herbst überhaupt an nichts zu denken. Darum ist auch die hier und da auf­getauchte Lesart durchaus abwegig, daß man die Futtermittelzölle als Hilfeleistung für das Notgebiet ermäßigen oder beseitigen solle. Man würde die Notlage der betroffenen Betriebe dadurch nur noch vergrößern, panj abgesehen davon, daß man doch schließlich grundsätzliche zollpolitische Entscheidungen nicht auf eine feil 100 Jahren zum erstenmal wieder eingetretene Katastrophe aufbauen kann.

Turnen, Sport und Spiel.

Gauwettschwimmen des Turn­gaues Hessen (D. T.)

Marburg, 27. Juni. In der Universi­täts-Schwimmanstalt kam heute das 3. G a u - Wettschwimmen des Turngaues Hes - s e n zum Austrag. Die von der Marburger Turnerschaft mustergültig vorbereitete Veranstal­tung wurde von dem Gauschwimmwart Franz Sauer, Gießen, trefflich geleitet. In anbetracht der Tatsache, daß das Schwimmen im Gau erst seit einigen Jahren in den Wettkampsbetrieb ausgenommen worden ist. kann das Gauschwimmen in jeder Hinsicht als ein voller Erfolg gebucht werden. 140 Turner und Turnerinnen hatten sich zum Wettkampf cingefunben. In unverdrossener Arbeit wurden die 53 Wettkämpfe reibungslos durchgeführt, zum Teil mit recht guten Leistun­gen. Besondere Erwähnung verdienen die schönen Ersolge des Gießener Turnvereins von 1 8 4 6.

Als Gäste wohnten der Schwiminwart der' D. T., Robert Braun, Frankfurt a. M., Gau- vertretcr Pfeiffer und Gauoberturnwart Will, Gießen, der Veranstaltung bei. Turn-' lehrer R. Braun wies in einer mit Be­geisterung aufgenpmmhenen Ansprache auf die Bedeutung des Schwimmens hin unb forderte zu noch eifrigerer Pflege des gesündesten Sportes auf, damit sich der GrundsatzJeder Turner ein Schwimmer!" verwirkliche. Gauoberturnwart Will leitete die Siegerverkündigung mit einer Ansprache ein. Nachstehend die Ergebnisse im Auszug:

Turn er- Mi 11 e l st u se:

10 0 Meter Seitenschwimmen: (8 Teilnehmer, 2 Sieger.) 1. Ehr. Ziegler, Gie­ßener Tv. 1846. 1,31 * , Min., 2. W. Schäfer, Tgm. Friedberg, 1,37 Min.

100 Meter Brustschwimmen: (10 Teilnehmer, 4 Sieger.) 1. F. Fälsch, Tv. Wetzlar, 1,32-/5 Min., 2. Hans Geismar, Tv. 1846 Gießen, 1,33 Min., 3. Ehr. Ziegler, Gießener Tv. 1846, 1,34 Min.

10 0 Meter Rücken: (4 Teilnehmer, ein Sieger.) W. Schäfer, Tgm. Friedberg, 1,33-/5 Min.

Rettungsschwimmen, 50 Meter in Kleidung: (3 Teilnehmer.) 1. H. Dietrich, Akad., Tv. Marburg. 53,7 Sek.

Mehrkämpfe: (6 Teilnehmer, 2 Sieger.) 1. W. Schäfer, Tgm. Friedberg. 86 Punkte, 2. Ehr. Ziegler, Tv 1846 Gießen, 81' L. P.

10 0 Meter Hand über Hand: (4 Teilnehmer, 1 Sieger.) 1. F. Fölsch, Tv. Wetzlar.

Springen: (5 Teilnehmer, 2 Sieger.) 1. W. Schäfer, Tgm Friedberg, 41 P., 2. H. Geis­mar, Tv. 1846 Gießen. 38' 2 P

Turnerinnen -Mittel st u f e:

Springen (3 Teiln., 1 Sieg.): 1. M. Gauff, Tgm. Friedberg, 26* P.

100 Meter Rücken (3 Teiln., 1 Sieg.): 1. E. Mank, Tv. Wetzlar, 2 Min.

5 0 Meter Brust (3 Teiln., 1. Sieg.): 1. Lina Haubach, Tv. 1846 Gießen, 46$ Sek.

Turner-Unter st ufe:

Springen (7 Teiln., 2 Sieger): 1. W. K a - minka, To. 1846 Gießen, 26 P.; 2. R. Ben­der, Tv. 1846 Gießen, 20 P.

10 0 Meter 53 r u ft (22 Teiln., 7 Sieger): 1. Ehr. Weeg, Tv. 1846 Gießen, und F. Becker, Tv. Wetzlar, 1,34z Min.; 2. W. Kiefer, V. f. L. Mar­burg, 1,40 Min.: 3. 2l. Schulz, Tv. 1846 Gießen; 4. R. Bender, Tv. 1846 Gießen.

100 Meter Hand-über-Hand (4 Teiln., 1 Sieg-t): 1. L. Nachtkamp, V. f. L. Marburg, 1,22z Minute.

10 0 Meter Seite (8 Teiln., 3 Sieger): 1. F. Fälsch, Tv. Wetzlar, 1,29z Min.; 2. H. Geismar, Tv. 1846 Gießen, 1,30$ Min.

Turnerinnen-Unter st u f e:

5 0 Meter Brust: 7 Teiln., 2 Sieger.): 1. Gretel Scheer, To. Wetzlar, 49 Sek.

5 5 Meter Rücken (4 Teiln., 1 Siegerin): 1. Gretel Scherr, To. Wetzlar, 54$ Sek.

Springen (5 Teiln., 2 Sieg.): 1. Gr. Scheer Tv. Wetzlar, 25* P.

Mehrkampf (4 Teiln., 1 Sieg.): 1. Gretel Scheer, Tv. Wetzlar, 81* P.

Jugendturner (17-18 Jahre):

50 Meter Brust (8 Teilnehmer, drei Sieger): 1. W. Hepperl, Tv. Wetzlar, 41/, Sek.

50 Meter Rücken (3 Teilnehmer, ein Sieger): 1. L. Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 45- Sek.

5 0 Meter Seite (3 Teiln., 1 Sieger«: 1. L. Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 43'/a Sek. Jugendturnerinnen (1 71 8 Jahre):

50 Meter Rücken (5 Teiln., ISieg.): 1. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen. 53* , Sek.

5 0 Meter Brust (13 Teiln., 5 Sieg.): 1. E. Münnich, Tv. 1846 Gießen, 50 Sek.: 2. Paula Heddrich, Tv. Wetzlar, 50,2 Sek.; 5. Hilde Kächlin, Tv. 1846 Gießen.

3 u ge n b t u r n e r (15 bis 16 Jahre-:

5 0 Meter 53 r u ft (11 Teiln., 4 Sieger): 1.1). Sircoulomb, Tv. Wetzlar, 39 Sek.; 2. E. K e ß l e r , To. 1846 Gießen, 42 Sek.; 3. Kurt Horeyseck, Tv. 1846 Gießen, 45| Sek.

fache Verluste beibringcnd und manches feinbliche Flugzeug herunterholend. Die Metzer Flug­abwehr hatte eine schwere Ausgabe zu erfüllen, und sie ist ihr, das muß ihr selbst angesichts der deutschen Opfer und Schäden auch heule noch nachgesagt werden, mit dem ihr zur Verfügung stehenden Material und Personal in hervorragen­der Weise nachgekommen. Sie hat dank der Hin­gebung aller Beteiligten und des überlegenen Ausbaues der Organisation das Möglichste ge­leistet. Diele der dabei verwendeten Landstürmer stammten aus Hessen und werden sich dieser Zeiten und Kämpfe gern erinnern, während derer sie erfolgreich Tag und Nacht für den Schuh der Bevölkerung tätig fein konnten. Die Ge­meindevertretungen wußten ihnen Dank, und der Metzer Gemcinderat hat ihm wiederholt Ausdruck gegeben. Der hingebende Leiter dieses Abwehr- dienstcs war ein Hauptmann Soll, im Zivil­beruf Diplom-Ingenieur und jetzt Studienrat an der staatlichen Gewerbeschule in Barmen. Seiner sei auch hier dankend und rühmend gedacht.

Die angreifenden feindlichen Flugzeug- geschwader bestanden aus 6 bis 12 Flugzeugen, selten war ihre Zahl unter 6, sie wiederholten ihre Angriffe bis zu viermal innerhalb 24 Stun­den. Ihre Angriffe scheiterten meistens an der Geschohwand, die ihnen die zentral geleiteten Ab­wehrbatterien aufbauten, aber wenn sie durch­brechen und ihre Bomben auf die Eisenbahn-, anlagen und die bewohnten Ortsteile abwerfen konnten, war der Schaden an lebenden und toten Zielen groß. Schauerlich großartig waren die Nachtangriffe. 15 bis 20 Scheinwerfer leuchteten den Horizont ab, und wehe dem Flieger, der in das Scheinwerferlicht geriet. Das Getöse der Abschüsse, die Detonationen der Geschosse in der Luft, das Herabfallen der Geschoßsplitter auf Pflaster und Dächer war nervenpeilschend, die Detonation platzender Bomben schreckenerregend. Trotzdem hielt die Bevölkerung tapfer aus und

war nicht gewillt, die Heimstätte aufzugeben. Wir möchten an einigen Fallen die Wucht unb die Schadlichlett solcher Angriffe hervorheben, dabei bemerkend, daß wir auf Grund eigencti Wahrnehmungen oder zuverlässigsten Materials« berichten.

17. Mai 1918. 1 bis 2 Uhr. 12 Flugzeuge über Metz mit Abwurs von 30 schweren Bomben, viele Tote und Verwundete, schwere Sachschäden. Betroffen wurde u. a. ein im Bahnhof Metz stehender Urlauberzug aus Charleville. In der folgenden Nacht nochmaliger Angriff auf Wetz, dann Industriegebiet mit 10 bis 12 Flugzeugen, auf Rückflug Wiederholung.

An den folgenden Tagen bzw. Nächten, 20., 21., 22.. 23., 27., 28., 29. und 30. Mai wieder­holte starke Angriffe bis zu drei Mal binnen, 24 Stunden. Am 30. war der Angriff auf die Bahnanlagen in Meh-Sablon gerichtet. Drei Bomben fielen auf die Gasanstalt in Montigny und den Rangierbahnhof und verursachten be­deutenden Sachschaden. In Diedenhosen erhielt der Güterbahnhof viele schwere Bomben, die sieben Bahnarbeitern das Leben nahmen und großen Sachschaden anrichteten.

So ging es den ganzen Sommer fort. Am 7. Juli 1918 kam die erste Fembeschleßung aus einem weittragenden französischen Geschütz hinzu. Das erste Geschoß traf in die Eisenbahnwerkstätte in Montigny. Diese Fernbeschießung wurde am 18. September 1918 durch die deutsche Fem- artiUerie unterdrückt.

Besonders folgenschwer waren die Flieger­angriffe vom 16. 7.. 14. bis 15. 8., 15. bis 16. 8.. 17., 18.. 21. und 22. 8. durch amerikanische und englische Flugzeuge. Deutsche Jagdflieger brach­ten in dieser Zeit über Metz und Umgegend 40 feindliche Flugzeuge zum Absturz, die Metzer holten an 3 Tagen 5 dieser Flugzeuge herunter.

Am 14. 9. 18, abends 10 Uhr fiel bei einem Fliegerangriff eine 100 Kilo schwere Bombe

Springen (7 Teiln., 2 Sieger): 1. K. H 0 reyseck, To. 1846 Gießen, 29| Punkte

2 5 Meter Hand-über-Hand (6 Teiln., 2 Sieger): 1. Kurt Horeyseck, Tv. 1846 Gießen, 15z Sek.

Mehrkamps (4 Teiln., 2 Sieger): 1. Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar, 611 Punkte; 2. K. H 0 reyseck, Tv. 1846 Gießen, 55 Punkte.

3ugcnbturnerinnen (15 16 Jahre

50 Meter Brust (15 Teiln. 5 Siegel 1. Hannelie Weeg, Tv. 1846 Gießen. 51 Sok; 2. Elise Drechsler. Tv. 1846 Gießen. 53.4 Sek.; 3. Elli Zipp. Tv. 1846 Gießen; 4. Lucie Scheel, Tv. 1846 Gießen.

Springen (6 Teiln., 3 Sieger). 1. Han- nette Weeg. Tv. 1846 Gießen, 27 Punkte; 2. Elisabeth Drechsler. Tv. 1846 Gießen. 26' ? P.; 3. Elli Zipp. Tv. 1846 Gießen. 26 P.

Mehrkampf (6 Teiln., 1 Sieg): 1. Han- nette Weeg. Tv. 1846 Gießen, 58 Punkte.

Schüler:

Springen (2 Teiln., 1 6iegv 1. Fritz Werner. Tv. 1846 Gießen. 30' 2 Punkte

50 Meter Brust (7 Teiln. 3 Sieger। 1. O. Kern. Tv. 1846 Gießen. 44.4 Sek.: 2. F. Werner, Tv. 1846 Gießen: 3. O. Jüngst. Tv. 1846 Gießen.

25-Meter-Rücken (3 Teiln.. 1 Sieg, 1. O. Iüng st, Tv. 1846 Gießen, 25,1 Sek.

Schülerinnen

Springen (8 Teiln., 3 Sieger.) 1. Anna Kuhlmann, Tv. Wetzlar. 26* P.; 2. Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 26 P.

5 0 Meter 53 r u ft (9 Teiln., 3 Sieg.): 1. 2lnni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 52,4 Sek.

Altersturner:

50 M e te r B r u st (3 Teiln., 1 Sieger): L. Hö­vels, Tv. Wetzlar, 45,1 Sek.

Staffeln:

5m al 50 Meter 53 r u ft (Turner-Mittel stufe): 1. Tv. Wetzlar, 2,463 Min.

4 mal 50-Meter-Lagen staffel (Tur ner-Mittelstuse): 1. Tv. Wetzlar, 2,43z Min.

4 m a l 50 Meter beliebig (Turner-Unter­stufe). 1. B. s. L. Marburg, 2,57 Min.

4 m a l 5 0-Meter-Lagen st affet (In genbturner, 14 bis 18 Jahre): 1. Tv. Wetzlar, 2,5z Minuten.

4 mal 5 0 Meter Brust (Turnerinnen-Mit- telstuse): 1. T 0. 1846 Gießen.

(Erfolge des T. D. v. 1846 Gießen

Bei dem am Sonntag in Frankfurt a. 'M. stattgefundenen G a u v e r b a n d s t u r n e n in volkstümlichen Hebungen errang der Jugendturner Erich Silges den ersten Sieg in Kugel­stoßen mit 12,68 Meter. Der zweite Sieger warf nur 11,18 Meter. Dilges erhält damit den Titel Jugendoerbandsmeister. Auch im Bierkampf war er Sieger.

5p. Dg. 1900 in Limburg.

ö Der D. f. R. 07 Limburg hatte es ver­standen, sich für seine am Sonntag stattgehab­ten nationalen Wettkämpfe eine außerordentlich gute Besetzung zu sichern. Die Wettbewerbe wurden von den Vereinen des gesamten Unter- lahnkreises bestritten, ebenso hatten bekannte Ver­eine, wie Sportklub 1880 Frankfurt, Mannheimer Turngesellschaft, Koblenz 1900 und Trier 05, ihre Vertreter entsandt. Die Ausbeute der 1900er mit 5 ersten, 3 zweiten und 4 dritten Preisen ist deshalb als sehr gut zu bezeichnen. Die Er­gebnisse:

4x100 -Meter-Staff el, offen: 1. 6p.- Vgg. 1900 Gießen. Die 1900er gewinnen die Staffel und den dafür ausgesetzten Pokal als Ehrenpreis knapp vor dein Sportklub Höhr (Rhld.) in der Besetzung Bachmann, Wallenfels, Seipp, Fischer. Die zweite Mannschaft der Gieße­ner wird guter Dritter.

Hochsprung, offen: 1. Becker, Gießen 1900, 1,65 Meter. Becker ist nun schon feit drei Jahren der beständigste Hochspringer der Gießener.

Diskus, offen: 1. Frey, Gießen 1900, 31,80 Meter. 3. Langlotz, Gießen 1900, 30,45 Meter. Im vorigen Jahr standen die Leistungen der beiden noch im umgekehrten Verhältnis.

10 0 Meter, offen 2. Fischer, Ließen 1900. Der scheinbar dieses Jahr nicht recht in Schwung kommende Gießener verpaßte den Start und mußte sich im Ziel um 1,5 Meter von Cldracher, Butzbach, geschlagen bekennen.

4 0 0 Meter, offen: 2. Birken stock Gießen 1900. Gegen Hohl, den bekannten Mittel­streckler von Koblenz 1900, war auch über 400 Meter nichts zu machen.

Kugelstoßen, offen: 2. Frey, ®ießen 1900, 10,90 Meter. 3. Langloh, Gießen 1900,

fern von Bahn- unb Festungsanlagen in den Garten einer Villenkolonie auf der Höhe von Queuleu und zerstörte die Villa Sturm. Die im Erdgeschoß wellenden Personen kamen mit dem Schrecken davon, von den in den oberen Etagen befindlichen Personen wurden die zwei Söhne des Eigentümers Sturm in Stücke zer­rissen, drri andere Personen schwer verletzt. So ging es andauernd weiter. Zu dieser Zeit wur­den in der Metzer Fliegerabwehr 30 Flakgeschütz- batterien, 7 Scheinwerfer der Flugabwehr und 15 bis 20 der Festung verwendet Außerdem un­zählige Maschinengewehre. Bei einer Abwehr­aktion wurden durchschnittlich 3000 bis 5000 Flak- geschosse und 30 bis 50 000 Schuß aus Maschi­nengewehren verfeuert. Den Regen herunter- fallenber Geschoßsplitter kann man sich denken; die Zahl der herunterfallenden gefürchteten Blindgänger war zeitweise infolge von Mängeln der Munitton nicht gering. Die Stimmung unter Zivil und Militär wurde täglich gedrückter, blieb jedoch ernst und gefaßt. Es wurden Vorberei­tungen zur Verlegung der Munitionsherstellung in die Gegend von Siegburg und Ueoerführung der zirka 2000 Arbeiterinnen mit ihren Familien getroffen. Die Ereignisse überstürzten sich so, daß es dazu nicht mehr kam. Da, am 9. 11. früh, brachten drei Marinesoldaten von Kiel den Aus­ruhr in die stärkste deutsche Festung. Die Zivil- bevölterung stand sprachlos vor den ttch ent­wickelnden Ereignissen in der Festung. Der Festungsgouverneur gab auf höhere Weisung den Befehl, den Dingen chren Lauf zu lassen. Die Führer der Metzer sozialdemokratischen Partei, Becker und Dortmann, übernahmen die Leitung des gebildeten Arbeiter- und Soldatenrates. Zu ernsten Unruhen kam es nicht. Die Be­hörden blieben in ihren Funkttonen. aber die deutsche Bevölkerung sah bangend den kommen- den Ereignissen entgegen, standen die Feinde doch nur auf Kanonenschuhweite vor den Toren.