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Nr. 255 Drittes Blatt

Wirtschaft.

Die Lage und Aussichten im Ruhrbergbau.

(Don unserem Essener Mitarbeiter.)

Die Absatzverhältnisse im Ruhrbergbau sind nach wie vor gut. Es ist damit zu rechnen, daß eine relativ gute Beschäftigung noch bis in das nächste Jahr hinein jetzt schon gesichert ist. Die Preise find gering, weil das Syndikat mit Recht mehr auf lang­fristige Vertrüge, als auf hohe Preise Wert gelegt hat. Der Durchschnitt der In- und Auslandpreise liegt mit ca. 14,50 Mark nicht mehr wesentlich über der Preishöhe vor dem englischen streik: auch die nu6 dem Verkauf der Haldenbestande erzielten Er­löse waren nicht befriedigend, da nur ein -Leu des wirklichen Wertes erzielt worden ist.

beider ist seit einiger Zeit ein Rückgang der Förderung entstanden insofern, als trotz Mehrein- stellung einer erheblichen Zahl Arbeitskräfte die Förderung zeitweise zurückgegangen ist. Auf diesen Umstand ist auch die teilweise erfolgte Einschränkung in der Belieferung des Inlandes mit zurück Zufuhren. Beim Rückgang der Förderung spielt eine Rolle die sehr hohe Zahl der Kranlfeierschichten, die seit der Einführung der Knappschastsnovelte zugenommen haben. Ein verheirateter Bergmann mit vier Kin­dern hat durch Krankfeiern nur einen Lohnausfall von zwei Schichten, ein lediger Bergmann einen solchen von 50 Schichten. Versuche, den Förder­rückgang durch Mehreinstellung von Arbeitskräften auszugleichen, sind vielfach fehlgeschlagen. Schwie­rigkeiten bereiten hier besonders die Dcmobil-' machungsvorschristen, bei deren Erleichterung zwei­fellos viel jetzt noch erwerbslose Arbeiter eingestellt werden könnten. Leider haben trotz der von einer solchen Maßnahme zu erhoffenden Erleichterung auf dem Arbcitsmarkt die Gewerkschaften gegen sic Einspruch erhoben. Diese Haltung ist um so mehr zu bedauern, als die jetzige Absatzhöhe zweifellos Die Grundlage bilden wird für die künftige Gestal- tung des Absatzes auf dem Weltmarkt und für etwaige internationale Vereinbarungen.

Interessant ist, daß gewisse Kohlensorten auch in der Zeit schärfster Nachfrage als schwer oder als unverkäuflich sich erwiesen haben. Es wird jetzt ver­sucht, durch Fernheizung. Ferngasleitung, bessere Verwertung der Abfallförderung usw. die aus der Sortenfrage sich ergebenden Schwierigkeiten zu be­heben. Relativ weit fortgeschritten sind die Pro­bleme der Fernheizung und Ferngasversorgung, bei denen technische Schwierigkeiten auch bei Durch­führung im großen Maßstabe nicht mehr bestehen. Da bei der Ferngasversorgung der Konsumenten-, preis außerordentlich viel niedriger ist als die bisher vom Verbraucher anzulegenden Preise, ist damit zu rechnen, daß mit der Ferngasversorgung in abseh­barer Zeit begonnen werden kann. Dagegen werden die auf die Verflüssigung der Steinkohle zu setzen­den Erwartungen vielfach zu optimistisch beurteilt. Es ist vor der Ansicht zu warnen, daß schon bald auf diesem Gebiete eine praktische Verwertbarkeit in großem Maße zu erzielen ist; diese wird vielmehr noch erhebliche Zeit auf sich warten lassen.

Nach Beendigung des Streikes wird natürlich England versuchen, seine alten Absatzmärkte wieder zu gewinnen. Wie dieser Kampf im einzelnen aus- gchen wird, ist nicht zu übersehen. Wahrscheinlich wird allmählich wieder ein Angleich an die Vor- kriegsabsatzverhältnisie eintreten. Die Preisbildung wird neben der Absatzfrage natürlich eine große Ralle spielen. Sicher dürfte sein, daß die Welt- kohtenpreise unter ihren jetzigen Stand gehen wer­den. Erhebliche Preisunterbietungen durch den eng­lischen Bergbau sind aber wohl nicht zu erwarten. Ob und wann Absatz- und Preisverhältnisse durch eine deutsch-englische Kohlenverständigung geregelt werden können, ist noch nicht abzusehen. Vermutlich wird man in England zuerst zur Bildung horizon­taler bezirksweiser Zusammenschlüsse, die vielleicht im Laufe der Zeit zu einem Einhcitssydikat führen, übergehen müssen, bevor internationale Verhand­lungen mit Aussicht auf Erfolg angeknüpst und durchgeführt werden können.

* Fusion der drei Rhein-Elbe- Union - Gesellschaften. Die Aufsichtsräte der Gelsenkirchener Bcrgwerks-A.-G., der Deutschen Luxemburger Bergwerks- und Hütlen-A.-G. und des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabri- kation haben gestern einstimmig ihre grundsätzliche Zustimmung zu den Vorschlägen der Verwaltungen nach einem Zusammenschluß der drei Gesellschaften in Form einer Fusion auf der Grundlage der den bisherigen Interessengemeinschaftsverträgen zugrunde liegenden Wertverhältnisse der Aktien, d. h. 1:1:1 verteilt. Es wurde beschlossen, die noch abzuschlie- ßenden Fusionsverträge unter gleichzeitiger Er­höhung des Kapitals der Gelsenkirchener Berg- werks-A.-G. den für Mitte Dezember einzuberufen­den Generalversammlungen zu unterbreiten.

vaittfnrter Börse.

Frankfurt a. M.. 28. Okt. Tendenz: Schutz­gebietanleihen haussierend. Aktien lebhaft und fest. Das Anleihegeschäft stand auch heute im Vordergründe des Börsenverkehrs, wobei sich das Hauptinteresse auf Schutzgebietanleihen konzentrierte. Die Bewegung dieses Papiers wuchs sich zu einer ausgesprochenen Hausse aus. Schutz­gebiet eröffneten mit 15.90 und sprangen im Ver­lause aut 16,50. Kriegsanleihe verkehrten etwas ruhiger, konnten sich aber gut befestigen. Auch die Aktienmärkte eröffneten recht fest, da wie­derum zahlreiche Kaufaufträge vorlagen, die sich besonders auf Montanaktien erstreckten, «tark befestigt waren Gelsenkirchen, plus 2,5, j)ar= pener plus 4,5, Klöckner plus 2.25, Mannesmann plus 3 25, Oberbedarf plus 2, Phönix plus 2 Proz. Emen scharfen Kursspruna verzeichneten infolge der bekannten Vorgänge Ilse-Bergbau. die um 12 Pro­zent, auf 242 Prozent, anzogen. Kaliaktien lagen etwa 1 Prozent fester. Am C h e m i e m a r k t war die Nachfrage ziemlich rege. I.-G.-Farben konnten um 2 Prozent, auf 329 Prozent, anziehen. Goldschmidt plus 2,5 Prozent. Der Elektro­markt bewegte sich gleichfalls in aufstrebender Richtung bei Kursgewinnen von 1 bis 2 Prozent. Schärfer trat die Aufwärtsbewegung am Ban­kenmarkt hervor. Barmer Bankverein plus 2, Commerz plus 2,5, Darmstädter plus 2,25, Deut­sche plus 3 Prozent. Schiffahrtsaktie n neig­ten dagegen zum Nachgeben. Hapag minus 1, Lloyd unverändert. Auch A u t o a k t i e n bewegten sich nach unten. Kleyer minus 0,75 Prozent, Daimler gehalten. B a u a k t i e n tendierten ebenfalls etwas niedriger. Zement Heidelberg minus 0,5, Wayß & Freytag minus 1,25 Prozent Oelaktien waren güt' befestigt. Deutsche Erdöl plus 5.5, Rüt-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 28. Oktober 1926

Berlin

Stanffurt a.M

Datum:

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Berliner HmidelSactelltchaft Lommerj- and Privat Pank Tarmsl. und Racionalvank Deutsche Bank Deutsche Percinsbank . . . Disconio CommandU MclaUbanl..........

Mitteldeutsche Lreditbank Oesle, reichliche Lrebitanstatt Weltbank

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Deutsch-llnrembnro Welsenktrchencr Bergurerke. . Harvcuec Bergbau......

Kaliwerke AscherSleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurabune ........

Lbcrbcdars Plsvuir Bergbau ..... Rheiimalst ....... Niebra Montan....... Teil NS Bergbau Bereinigte Ltablwerkc A.-tJ.

Hamburg Amerika Pak«. . . Norddeutscher Llovo . . tkbcramiiche Werke Ulbin . . Zementwerk Heivelderg . . Bbilivv Holzmann .... Anglo-Cont.-GuanS . . . . Chemische Mayer Alapin .

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Schcideanstalt Mg cklckrnutatS-Gesellfchaft Bergmann Mamtrgstwerke ....... Schmier« ...

Siemens 4 Hateke .....

Ädlerwerke xticncr ..... Daimler Motoren. ...... Hcnligenstaedt ....... Uicauni ......

Motorenwerke Mannheim

Sranfturin Armaturen Konservenfabrik Braun . . Metallgesell chaft Frankfurt Bei. Union4.43 Schutnabrik Her; . . . Sichel .......

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4udmabrtf ^rantenrhal . . Zuckerfabrik Waabäutel - . .

gerswerke plus 1,1 Prozent. Zuckeraktien un­einheitlich. Badischer minus 0,5, Frankenthal plus 0,5 Prozent, Heilbronn plus 0,75 Prozent. Von Duftigen Werten konnten sich Metallgesell- chaft um 2,25 Prozent befestigen. Auslän- lischc Renten waren bei stillem Geschäft wenig verändert. Der Frei verkehr zeigte etwas freundlichere Tendenz. Becker Stahl 29, Brown Bo­ve ri 140,5, Entreprise 10,5, Frankfurter Handels­bank 82 5, Growag 63,5, Ufa 38,5 Prozent. Der weitere Verlauf brachte bei stürmischem Geschäft eine neue Aufwärlsbewegung für Zchutzgebiet- anleihen. Auch in Aktienwerten belebte sich das Ge­schäft in steigendem Umfange. Der Geldmarkt hatte unverändert leichtes Aussehen. Tagesgeld 4 vis 4,5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent, je Adresse; Privatdiskonten 4,65 bis 4,90 Prozent, Industrieakzepte 5,5 Prozent. Im Deoifenver- kehr ist das Geschäft ruhig bei wenig veränderten Kursen. London gegen Kabel 4,8475, Paris gegen London 159, Belga-Brüssel gegen das Pfand 34,85. Mailand gegen London 113,50. Die Reichsmark stellte sich auf 4,2075 gegen Kabel.

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Berliner Börse.

Berlin, 23. Olt. Das (S-.schäst hat bei Beginn der heutigen Börse ein? bedeutende Erweiterung erfahren, da teststeht, daß bei den ll[nrno»93rDLongationen auf keine Schwierig­keiten zu rechnen sind und die Großbauten die erforderlichen Gelder in der bisherigen Hohe zu V/i Prozent zur Verfügung stellen. Die vor­aussichtliche glatte Abwickelung des Ultimos trug dazu bei, die Stimmung an den Aktienmärkten zu b e f e st i g e n. Die Ge- famttendenz der Börse war dah:r sehr freundlich. Äm Mittelpunkt der Geschäfts­tätigkeit standen Montanaktien unter Füh­

rung der Kohlenwerte, die dis 5 Prozent an- zogen. Ferner waren Bankaktien rege ge­fragt und 2 bis 5 Prozent höher. Auch einige Spe-)ialpapiere wiesen gute Befestigungen auf. Trotz der Belebung des Attiengeschüstes bestand auch für in- und ausländische Renten st ä,r l e r e s Interesse, wobei Kriegsanleihe bzw. Türien bevorzugt wurden. Der Geld­markt ist unverändert flüfiig. 3m Devisen- verkehr konnte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4,2065 leicht befestigen. Mailand gab gegen London auf 113,50 nach. Paris gegen das Pfund 153,75. Die Belg» und das englische Pfund lagen unverändert.

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Frankfurt a. M., 28. Oft. Cs wurden notiert: Weizen, QBetteraucr, 30,25 Q1TT.; Roggen, inländischer, 24.25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecle 25 bis 29; Hafer, inländischer. 20 bis 21; Mais, gelb, 20,25 bis 20,50; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 42,75 bis 43,75; Roggen- mehl 35,50 bis 36,25; Weizen- und Roggenlleie 10,75 bis 11 Mk. Tendenz: Ruhig.

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'Berlin, 27. Okt. Im Berliner Produkten­handel haben sich die Offerten für Weizen sowohl als auch für Roggen aus zweiter Hand etwas ver­mehrt, während die erste Hand nach wie vor in den Forderungen zu hoch bleibt. Die Umsatztätigkeit war relativ klein, die Tendenz für Weizen war unein­heitlich, für Roggen schwächer. Im Lieferungs­handel wurde laufender Monat am Wcizcn- marft auf größere Deckungen 1 Mark höher, Frü'yfahrssichten bis 1,50 Mark unter gestrigem Schluß. Für Roggen verstimmte das schwierige Mehlgeschäft und drückte sichtlich auf die Unterneh­mungslust. Preisabschläge bis 2 Mark zeigten sich in den ersten Kursen. Im weiteren Verlaus senkte sich das Niveau nochmals um durchweg 0,50 Mark. Gerste ist fast behauptet, doch scheinen die Käufer vorsichtiger zu werden. Für Hafer liegen die Ge­bote etwa 2 Mark unter den gestrigen Preisen. Mais ist aus zweiter Hand zu hoch gehalten. Futter­artikel gut behauptet, aber stiller als gestern. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Weizen, märt, 274 bis 277 Mark; Roggen, märkischer, 223 bis 228; Sommergerste 220 bis 270; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märlischer, 183 bis 199; Mais, loko Berlin, 198 bis 203; (100 Kilogramm): Weizen­mehl 36,75 bis 39,50; Roggenmehl 32,75 bis 34; Weizenkleic 11,50; Roggenkleie 11,25 bis 11,30; Viktoriaerbsen 58 bis 68; kleine Speiseerbsen 40 bis 42; Futtererbsen 22 bis 26; Peluschken 22 bis 23; Ackerbohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14,50; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Serradelle, alt 19 bis 20,50; Rapskuchen 15,60 bis 15,80; Leinkuchen 20,50 bis 21.

^raErrrtcr SHlachtviehmarkt.

Frankfurt a.M.. 23. Okt. Auftrieb: 54 Kühe, 759 Kälber. 891 Schafe, 292 Schweine.

Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 80 bis 85, mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 79, geringe Kälber 60 bis 71. Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 40 bis 45. mittlere Mastlämmer, ältere Mast- Hammel und gut genährte Schafe 37 bis 39, fleischiges Schafvieh 28 bis 33.- Schweine: Feltschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 79 bis 82, von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 78 bis 81, fleischige von 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 75 bis 79. Marktverkauf: Kälber bei langsamem, Schate bei lebhaftem, Schweine bei gedrücktem Handel ausverkaust.

Strafkammer Gießen.

Gießen, 26. Okt. Ein Landwirt aus der Gegend von Grünberg hatte im Mai im Walde einen Zusammenstoß mit einem Forstbeamten, beleidigte diesen schwer und drohte ihm, als dieser schon im Weggehen war, noch mit Tot­schlägen. Das Schöffengericht hatte den Land­wirt lediglich wegen Beleidigung zu 2 50 Mk. Geldstrafe verurteilt, wegen Forstwider­standes aber freigesprockeda die Amtshandlung des Forstbeamten bereits abgeschlossen gewesen sei. Die hiergegen eingelegte Berufung der Slaat^anwaltscha t blieb ohne Erfolg.

Ein öfters vorbestra le. Händler aus Muders­bach war im Februar 1926 zweimal ohne gül­tige Cisenbahnfahrlarte im Zuge betroffen. 3n einem Fall war auf der in feinem Besitz be­findlichen Fahrkar.e das Datum umenntlich ge­macht worden. Das Schöffengericht hatte ihn wegen zweier Betrügereien, einer in Tateinheit mit schwerer älrkuncensälschung begangen, zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafkammer hielt in dem einen Falle nicht für ausreichend nachgewiesen, daß der Angeklagte die Fahrkarte verfälscht habe, und verurteilte ihn lediglich wegen eines Betruges zu 4 Mo­naten Gefängnis.

Gerichtssaai.

Dcsraudant und Totschläger.

WSN. Kassel, 27. Okt. Das Schwurgericht Kassel verurteilte in seiner dritten Sitzung am Dienstag den Geschäftsreisenden Karl Wenzel von Kassel wegen Unterschlagung, unbefugten Waffenbesitzes, Bedrohung und versuchten Tot­schlags zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Wenzel war von seinem Chef, dem Mehlgroßhändler Men­ge!, wegen mehrfacher Unterschlagung von insge­samt 1700 Mark fristlos entlassen worden. Am nächsten Tage suchte er Menget wieder auf und ver­langte von ihm ein Zeugnis. Als dieses abgelchnt wurde, schoß der Angeklagte aus einer bereitgehal­tenen Pistole Menget in den Hals und bedrohte auch die Kontoristin Stephan mit der Wdffe. Nach ver­zweifeltem Ringen wurde der Angeklagte über­wältigt und verhaftet.

BücherLisch.

Auf ein 40jähriges Bestehen konnte am 1. Oktober dieses Jahres die Landeszeitung für beide Mecklenburg und dieAachbar- gebiete, verbunden mit der Aeustrelitzex Zeitung und Wesenberger Zeitung -urückblickcn. D.:s 1886 in Aeustrelih gegründete Blatt beging feinen Gedenktag, wir üblich, mit der Herausgabe einer umfangreich und festlich ausgestatteten Jubilä­

ums-Ausgabe, vorwiegend programmatischen und aktuellen Inhalts, außerdem aber auch einer wesentlich historisch eingestellten Sonderbeilage, die schön gedruckt und mit zahlreichen Bildern im Text. Rückblicke über die in vier Jahr­zehnten von der Zeitung geleistete Kulturarbeit und über die Entwicklung des Landes Mecklen­burg und seiner wichtigsten Städte bereinigt

Ein Erbe am Rhein. Roman in zwei Bänden. Bon Rene Schickele. 300 und 312 Sei­ten 8°. Geheftet 10 Mark. Kurt Wolff - Berlag, München. Das neue und umfängliche Werk deS Elsässers, das bei seinem Erscheinen einiges Aussehen erregt bat, hinterläßt merkwürdig un­einheitliche Eindrücke. Man kann es kaum auf eine Formel bringen, vielleicht ist der Dichter künstlerisch und charakterologisch überhaupt schwer im wesentlichen zu analysieren. Der sprung- bafte, flatternde Stil dieses Buches, der oft merkwürdig farbig und eindringlich, ebenso oft und öfter fremd und kühl und manieriert wirkt, läßt einen innerlich beim Lesen und Verarbeiten nicht zur Ruhe kommen; die ungehemmte Breite der Erzählung läßt einem immer wieder das verschleierteEigentliche" dieses Romans unter den Fingern zerrinnen. Das gleiche gilt vom In­halt, vom stofflich faßbaren Bestand dieses über­nervös komponierten, oft geradezu undiszipli­niert vorgetragenen Buches: man kann bas nicht wieüergeben. Das rein Stoffliche schillert wie eine Seifenblase, und das Ganze ist gleicher­weise (und intensiver noch) ein politisches Buch wie jenes frühe Drama vomHans im Schna­kenloch", ist ein europäisches Buch (obwohl die Betrachtung mehr an dec Oberfläche liegt, als in die Tiefe reicht) und ist endlich dies scheint wertvoller als Europa und die Politik daS Buch einer Leidenschaft, ganz menschlich und hochpersönlich. Hier erinnert Schickele an den rassenverwandten Flake, hieran knüpfen sich die duftigsten und lyrischsten Erinnerungen. Aber das huscht so Darüber und verrieselt und verplätschert bald wieder in nichtigem Kurhansgeschwäh. Was hasten bleibt, als literaturfemes Erlebnis, scheint uns kaum ein Drittel dieser 600 Seiten zu füllen.

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In der Sammlung der Praktika deS bür­gerlichen und öffentlichen Rechts, die der Berlag von Otto Liebmann, Berlin, herauSgibt, ist nun­mehr ein Bändchen Fälle und Fragen des Staats - und Verwaltungsrechts von Gerhard Anschütz in neuer Auflage erschienen. Rach einer Reihe von Fragen, die grundsätzlichen Betrachtungen gewidmet sind, Bedeutung der Präambel der alten und neuen Reichsversassung, Staatsgewalt der Länder, Staatsform und anderes mehr fommen eine Menge aus der Praxis - gegriffener einzelner Fälle, dis den jungen Juristen mit der An­wendung der öffentlich-rechtlichen Gesetzesmaterie vertraut machen. Um so begrüßenswerter ist die­ses Büchlein, als im allgemeinen auf der älm- Derfität gerade im öffentlichen Rechte zu sehr nur die Prinzipien und grundsätzlichen Streit­fragen erörtert werden und leicht die praktische Anwendung des öffentlichen Rechts zu kurz kommt. So ist das Büchlein geeignet, diese Lücke aus­zufüllen. Es enthält im ganzen 113 Fälle, 35 davon sind dem Staatsrecht, die übrigen dem Berwaltungsrecht gewidmet Möge das Büch­lein seinen Zweck erfüllen und Lehrenden und Lernenden zur Erreichung ihrer Ziele behilflich fein! 517

Martha Ostenso: DerRuf derWild- gänse. Roman. Autorifierte chlebersehung auS dem Amerikanischen von A. Wiesner-Gmeyner. 425 Seiten. 8U. Rikola-Verlag. Wien, Leipzig. 1926. Ein Roman unter amerikanischen Bau­ern, Schilderung einer Keinen GemK.ischaft von Landleuten, einfach-tatsächllch r Be i ht v n Crem Leben und Lieben und Hefjen, von ihrem Kampf wider einander und um den Boden, mit dem sie in langen und harten Arbeitsjahren ver­wurzelt wurden. Das Ganze ist mit Talent und Geschick erzählt; immerhin dürfte ein Ver­gleich der Verfasserin mit Knut Hamsun (auf Grund dieses Buches, das in einem angloamerika­nischen Literaturwettbewerb den ersten Preis erhielt) einigermaßen übers Ziel hinausschießen.

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Melzer, Dr. Gustav, Der natio­nalistische Staat der Deutschen, geh. Mark 2.. Verlag von Theodor Weicher, Leipzig.

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Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Gottesdienst her tfr. ' eligtonSgesellschafl. Sabbatfeiel, den 30. Oft. 1926. Freitag Abend 4 40, Samstag Vormittag 8.30, Rachmillag 3.30, Sabbat­ausgang 5.55, Wvchengoltesdienst: morgens 6 45, abends 4 30.

Jsr. Rrligionsgemeindr. Gottrsd.i. d.Synagoge (Sühanlage). Samstag, den 30. Okt. 1926. Vorabend: 5 00, morgens: 9.00, abends: 5.15 und 5.55.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags.

Samstag nachmittag geschloffen.

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