tarnen Mark gehabt, wodurch der Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1925 auf H Mlllionen Mark hätte vermindert werden können. Die finanzielle Zwangslage, in der sich das Land erst seit 1926 befände, habe in dem katastrophalen Rückgang der Steuer- sähigkeit des Volkes, vor allem im besetzten Gebiet, ihre Ursache. Eingehend schilderte der Redner die finanzielle Lage des Landes und die Gründe, dis zu ihr geführt, um sich dann mit dem hessischen Wirtschafts- und Ordnungsblock auseinanderzusetzen. Dem Bauernbund hielt er vor, daß bei Durchführung seiner sämtlichen Anträge das Defizit für 1926 noch größer geworden sei. Die V o l k 5 p a r t e i habe seinerzeit für den Uebergang der Schulen und der Polizei aus den Staat gestimmt, bekämpfe aber jetzt die finanziellen Wirkungen dieser Maßnahme. Ein weiterer Abbau könne nur noch durch Beseitigung ganzer Einrich- hingen erfolgen.
Da Ruhrkampf und Besetzung die hessische Wirtschaft stark erschüttert, habe er, so führte Minister Henrich weiter aus, seine besonderen Forderungen ans Reich gestellt, auf die man in Berlin aber erst aufmerksam geworden, nachdem er die Warnung ins Land habe ergehen lassen, daß die Selbständigkeit Hessens gesährdet und sein kulturelles Rioeau bedroht sei.
Wenn nun das Reichsfinanzministerium kürzlich ein Abkommen mit Hessen getroffen und Vorschüsse zugestanden habe, so sei es selbstverständlich, daß diese erst nach Prüfung durch das Reich in Zuschüsse verwandelt werden könnten. Diese Rege- lung, die von der Opposition als „Geschäftsaufsicht" bezeichnet werde, sei von ihm direkt gewünscht worden, um die hessische Finanzwirtschaft gegenüber dem Reich und den innerpolitischen hessischen Gegnern rechtfertigen zu können.
Der Minister kam dann auf den bevorstehenden Volksentscheid zu sprechen. Die Demokraten müßten fordern, daß die Koalition gemeinsam die Verantwortung für ihre gemeinsame Arbeit der letzten Iabre tragen müsse. Wenn sich bas Zentrum nicht dazu ent« schließen könne, das auch nach außen hin zum Ausdruck zu bringen, dann müßten die Demokraten die Koalition als zerbrochen betrachten. Bezüglich des Einheitsstaa« t e s führte Finanzminister Henrich aus, daß man von Hessen die Entscheidung nicht im Augenblick fordern dürfe. Es müsse freiwillig den Weg zum Reich gehen, bewußt seiner Mission als verbindendes Glied zwischen Nord und Süd. Bei allen 2(uf« gaben, die jetzt in Hessen noch zu lösen seien, solle man darauf bedacht fein, daß sie dem künftigen Einheitsstaat nicht im Wege stünden.
Abg. Reiber
ging in feinem Referat von den weltpolitischen Geschehnissen in Genf aus und wünschte im Zusammenhang damit die Erweiterung der Parteibasis der Reichsregieriing durch Hinzuziehung der Sozialdemokratie. UBeiterJjprata der Redner vom Volksbegehren des Wirtschafts- und Ordnungsblocks, vom Abkommen mit dem Reichsfinanzministerium, um zuletzt auch noch für den Gedanken des Ein- heitsstaates zu werben, der auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus zu fordern sei.
Die Aussprache
ergab völlige Einmütigkeit zwischen der Parteileitung, dem Parteiausschuß und dem Parteitag. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde Finanzminister Henrich das Vertrauen des Parteitages ausgesprochen. Gleichzeitig wendet sich die Entschließung gegen das Volksbegehren zur Auflösung des Landtages und tritt für den Einheitsstaat ein.
Von Reichstagsabg. Ko rell war ein Begrüßungstelegramm aus Kissingen eingelaufen, das unter lebhaftem Beifall verlesen wurde. 2(n den Führertag des Republikanischen Reichsbundes, der zu gleicher Zeit in Berlin das Thema des Einheitsstaates behandelte, wurde ein Sympathietelearamm übersandt.
In einer gut besuchten öffentlichen Versammlung am Nachmittag wurde die Bedeutung des deutschen Einheibsgedankens nochmals eingehend bargelegt. Es sprachen Reichstagsabg. unb ofaatspräfibent a. D. Hummel unb Finanzminister Henrich unter lebhaftem Beifall ber Zu- Hörer über das Thema.
Landwirtschaftliche Kreisschau in Lauterbach. f Lauterbach, 27. Sept. Der gestrige Ausstellungstag war entgegen dem Samstag von schönem Wetter begünstigt. Um 8 Uhr morgens wurde die Ausstellung eröffnet; sie war den ganzen Tag gut besucht. Das bei derartigen Veranstaltungen übliche Frühschoppenkonzert fand um 11 Uhr auf dem Festplatz statt. Die um die Mittagszeit cintreffenben Sonderzüge brachten eine übergroße Anzahl Fremde aus ber näheren unb weiteren Umgegenb in unsere Stabt. Auch zu Fuß unb mittels Wagens waren sehr viele Besucher gekommen, so baß sich ein ungeheurer M e n - schenstrom durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze bewegte. Der ausgedehnte und sehr große Platz vermochte die Besucherzahl kaum zu kassen. (Man spricht von etwa 10 000 Personen.)
Von 2.30 Uhr bis 4 Uhr nachmittags fanden auf dem Ausstellungsgelände die Veranstaltungen des ländlichen Reit- unb Fahroer- c t n s Lauterbach unter ber Oberleitung bes Barons Hermann Riebefel, Freiherrn zu Eisenback - Lauterbach statt. Bereits um 2 Uhr war das Gelänbe um bie Reitbahn von unzähligen Zuschauern dicht umstanden, welche die um 2.25 Uhr mit Musik ankommenden 33 Reiier erwarteten. Es wurden zunächst in verschiedenen Abteilungen Reit- unb Epringübungen gezeigt, auch Zigarettenreiten, Reiten mit Satteln, Puppen- Aabel- unb Schirmrennen wurden vorgeführt. Das' Zigarettenreiten, aber insbesondere das Puppen- und Schirmrennen riefen große Heiterkeit unter den Zuschauern hervor. Die P r e i s ve r t e i l u n g an bie siegreichen Reiter erfolgte durch Frau Kreis- dlrektor Dr. M i ch e l - Lauterbach. Nach Beendigung der Vorführungen hielt Lanbesstallmeifter Gehörte eine Ansprache an den Verein und sprach hierbei den Reitern, sowie ihren Führern für die schönen unb gut ausgefuhrten Darbietungen seine Anerkennung aus. Er spornte sie ferner zu weiterer Arbeit in diesem schönen Sport an unb schloß seine Ansprache mit einem beifällig aufgenommenen hoch auf ben Kreis unb bas beutsche Vaterland, woraus die Reiter gegen 4 Uhr abrückten.
Bon 5 Uhr ab fand geselliges Zusammensein und Tanzbelustigung auf dem Festplatz flott. Durch die Anwesenheit zahlreicher Schaubuden, >,owie Karussell unb Schießbude würbe ben Besuchern unb insbesonbere ber Jugend bie gewünschte Abwechslung geboten. Am Abend, nachbem die Son
derzüge Lauterbach bereits verlassen hatten, herrschte noch reges Leben auf bem Festplatze bis in bfe späten Nachtstunden hinein.
Das prämlierungsergebnis im Obstbau.
Beste Gesamtleistung in Erzeug- nissen bes Obstbaues: Ehrenpreis: Schlitzer« länber Obstbauverein in Schlitz; 1. Preise: Kreis- ftraßenverwaltung Lauterbach, Lehrer Meyer-Lau« terbach, Joh. Kurz-Schabges, Justus Schmibt-Hutz- dorf, K. Friedel unb K. Knobloch-Lanbenhatisen, hch. Schmibt-Ober-Wegfurth unb Hofgärtnerei Schlitz; 2. Preise: Georg Rausch Ww.-Schabges, Th. St. Stock-Stockhausen, hch. Becker-Nieberstoll, Leonhard Sippel-harteshausen, PH. Weppler-Schlitz, Joh. Oestreich V.-Hörgenau.
W i r t f d) a f t s ä p f e l : 1. Th. K. Stock-Stock- hausen, Joh. Schwarz-Stockhausen, Friedr. Robe- mar-Angersbach, 2. Gg. Rausch Ww. unb Joh. Kurz-Schabges, K. Döller-Angersbach, Gg. Schäfer« hutzborf, hch. Schrnibt-Ober-Wegfurth, Th. Stock- Blitzenrod und Justus Schmibt-Hutzborf.
T a f e l ä p f e l. 1. Th. K. Stock-Stockhausen, Gg. Schäfer l.-hutzdors, Gg. Schäfer-Niederstoll, Joh. Wahl-Uetzhausen, 2. Joh. Rausch-Maar, Justus Schmibt-Hutzdorf, Dal. Sippel-hartershausen, Ww. Eifert-Hemmen, Leonh. Sippel Ul.-hartershausen unb Joh. Oestreich-Hörgenau.
Ertragreiche Apfelsorte: 1. hch. Becker ° Nieber-Stoll unb Christ. Dickert U.-Ober- Wegfurth, 2. Fr. Robemar-Angersbach, Joh. Wahl- Uetzhausen, Fr. Möller-Helmesmühle bei Angersbach, K. Knobloch-Lanbenhausen, Ehr. Hafermehl- Willofs, K. Götz-Frischborn, M. Joh. Eckert-Herb- ftein, Joh. Oestreich-Hörgenau, hch. Greb-Engelkob, Bürgermeister Kübel-Herbstein, hch. Lubwig unb 2luj/ Greb-Engelrob.
Wirtschaftsäpfel zum Kochen: 1. Th. K. Stock-Stockhausen, 2. Karl Göbel-UUershausen, Gg. Becker-Niederstoll unb Fr. Robemar-Angersbach.
Anbauwürdiger Winterapfel: 1.Joh. Lachmann-Hemmen, K. Göbel-Ullershausen, Konrad Loos-Hemmen, K. Götz-Frifchborn, K. Roth und Förster Eggers-Engelrod, 2. Joh. Kurz-Schabges, Ehr. habermehl-Willofs, A. Lorenz-hartershausen, Joh. Schwarz-Stockhausen, Gg. Schäfer unb I. Schmibt-Hutzborf, Joh. hch. Volk unb K. habicht- Engelrod. Klasse 8, 2. Preis: Joh. Oestreich V.-Hör- genciu.
Drei anbaumürbige Sorten Tafel- birnen: 1. hch. heimroth-Lauterbach, Th. K. Stock-Stockhausen, hch. Goppel-Niederstoll, 2. Rockel- Zahmen, Phil. Weppler-Schlitz und Gutsverwaltung Sickendorf.
Zwei anbauwürdige Sorten Wirtschaftsbirnen: 1. Gräfliche Gärtnerei Schlitz, Joh. Meinhardt-Ober-Moos, Th. K. Stock-Stockhaufen, Joh. Kurz-Schadges, Joh. Kühl XII.-Landenhausen.
Zum Kochen brauchbare Wirtschaf ts- birne: 1. hch. Kaiser-Stockhausen, Joh. Kurz- Schadges, 2. Th. K. Stock-Stockhausen unb Chr. Dickert-Ober-Wegfurth.
Großfrüchtige Tafelbirne: 1. Florian Leister-Herbstein, hch. Lang-Engelrob unb Joh. Oestreich V.-Hörgenau, 2. Karl Roth-Engelrob, hch. Robemar-Angersbach, Lehrer Hotz-Ober-Wegfurth, hch. Kaiser-Stockhausen.
Gute Einmachbirne: 1. hch. Kaiser-Stockhausen, hch. Wahl-Bernshausen, K. Roth-Engelrod, 2. 21. heimroth-Lauterbach, Lehrer hotz-Ober- Wegfurth, 21. Lorenz-hartershausen unb Fr. A. Schab-Angersbach.
Gute Latwergebirne: 1. Gg. Th. Mar- schanb-herbstein, hch. Völfing III.-Engelrob, 2. hch. Gg. Karl-Engelrob, Frieb. Rühl-Engelrob.
haltbarer Winterapfel: Gräflich Görtz« sehe Gärtnerei Schlitz.
Wirtschaftsapfel: Dieselbe.
Großfrüchtige Tafelbirne: Dieselbe unb I. Schmibt-Hutzorf.
Apfel von Form obst: 1. bieselben, 2. Gg. Rausch Wwe.-Schadges, 2lnbr. Feik-Uettershausen, Ehr. Habermehl-Willofs.
Birne von Formobst: Lehrer Scharlachhemmen, Just. Schmibt-Hutzborf, 2. Joh. unb Kon- rab Lachmann-Hemmen, Bürgermeister Kübel und G. I. Kühl-Herbstein, hch. Greb Iv.-Engelrod.
Form ob ft: 1. Just. Schmibt-Hutzborf, 2. Hofgärtnerei Schlitz, Lehrer hotz-Ober-Wegfurth.
Sortiment Steinobst: 1. 'Gutsverwaltung Sickendorf, 2. Gräflich Görtzsche Hofgärtnerei Schlitz.
Trauben: 1. Riebeselsche Gutsverwaltung Sickendorf.
Obftkonserven: 1. Gutsverwaltung Sickendorf und Anna Löchel-Lauterbach.
Gemüsekonferven: 1. Gutsverwaltung Sickendorf.
Beerenweine: 1. Bürgermeister Kübel- Herbstein, Wilh. Euler L-Tlaar, 2. Joh. Rausch- Maar, Joh. Schwarz-Stockhausen unb hch. Wahl- Lanbenhaiisen.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
cf. Heuchelheim, 27. Sept. Am Samstag abend hielt der Sportverein 1 920 Heuchelheim feine diesjährige Generalversammlung ab. Aach Erstattung des Jahres- und Kassenberichts, der von der Versammlung einstimmig gutgeheihen wurde, schritt man zur Vorstandswahl. Zum ersten und zweiten Vorsitzenden wurden wiedergewählt Fritz Sack bzw. Hans Lenz. Als Kassierer wurde Ehrhard Römer, zum Schriftführer Heinrich Hofmann gewählt. Weiterhin wurden noch als Besitzer Artur Schmidt und Otto Dergen gewählt. Die Mitgliederzahl hat sich im abgelaufenen 3abr auf 67 erhöht. Die erste und zweite Mannschaft, die je Meister in ihrer Klasse geworden ist, spielt jetzt in der A- bzw. B-Klasse
X 2111 e n b o r f a. b. Lahn, 27. Sept. Wegen ber 21 c u e i n t e i I u n g aller (Brunbftücfe infolge der Selbbereinigung kann mit ber Aussaat bes Win- tergetreibes leiber jetzt noch nicht begonnen werben. Es ist daher mit einer verspäteten H e r b st - beftellung zu rechnen. — Unser im Innern sehr schadhaft gewordenes Kirchlein wirb letzt neu hergeftellt. Der Gottesbienst finbet einstweilen im großen Schulsaal statt.
Watzenborn-Steinberg, 27. Sept Der Unternehmer der Autolinie Gießen- W a tz e n b d r n - S t e i u b e r g - G r u n i n g e n —Holzheim hatte für Freitagabend eine Burger Versammlung in das Gasthaus zur Krone einberufen lassen, um Wünsche Hinsicht- heb her Fahrplanfestsetzung und sonstige Anliegen der Interessenten entgegenzunehmen. Aach dem vorlau ig festgesetzten Fahrplan sind die Fahrten so gelegt, daß vor allen Dingen die Arbeiter morgens rechtzeitig zur Arbeitsstelle sind und auch abends nach Arbeitsschluß alsbald wieder zurückfahren können. 3m ganzen ist der plan bann auch wieder so gelegt, daß An- 'ckluß an die Zuge der Staatsbahn
vorhanden ist. Die Fahrten nach Plan, der ausgehängt und bekanntgegeben wird, sollen ab Montag erfolgen. 3n Steinberg sind zwei Halte- und eine Bedarfshaltestelle eingerichtet. Die ersteren find bei den Gasthäusern „Wil- helmshöhe" und „Krone" und die Bedarfshaltestelle am Ortsausgang von Steinberg. Der Fahrpreis von Steinberg nach Gießen beträgt für die Einzelfahrt 40 Pfennig, für die Arbeiterwochenkarte bis Gießen 2,50 Mk. Ein zweiter Wagen soll beschafft werden, sofern eine starke Benutzung der Autolinie dies erforderlich macht.
U Burkhardsfelden, 27. Sept. Von ben drei Festen, welche das Dekanat Gießen alljährlich feiert, fand gestern in unserer Gemeinde bas letzte statt. Es war ber inneren Mission gewibmet. Die Feier gewann eine höhere Anziehungskraft burch bie Mitwirkung bes Posaune nch o r e s von Oppenrod und des Kirchenchores von Burkhardsfelden. Der erstere steht unter Leitung des Lehrers Schlau- b ra f - Oppenrod, ber letztere unter Führung von Bürgermeister A 1 b a ch -Burkhardsfelden. Der Kirchenchor fang: „Zeuch ein zu beinen Toren" unb ben 126. Psalm mit gutem Einsatz und reinen Stimmen, ber Posaunenchor begleitete bie gemeinsamen Gesänge. Pfarrer A u s f e l d - Gießen schilberte an Hand von 2. Korinther 4 Vers 1 die Schwierigkeiten und die verborgene Kraftquelle der Arbeit der Inneren Mission. Pfarrer Groth-Rödgen gab im Anschluß an Matthäus 25 Vers 31 bis 46 einen Ueber- blick über die zahlreichen Arbeitsgebiete der Inneren Mission, unter denen er besonders die Fürsorge für erziehungsbedürftige Kinder und die Werbung von neuen Kräften für unsere Diakonissenhäuser hervorhob. Der erstgenannte Redner machte dann noch einige interessante Mitteilungen über die im Entstehen begriffene „Zuflucht" in Gießen, die mit dem dortigen evang. Schwesternhaus verbunden ist. Die Feier fand im Freien unter den altehrwürdigen Linden vor der Kirche statt und war von den Gliedern der Gemeinde Burkhardsfelden und auch von 2luswärtigen sehr gut besucht. Obwohl die Temperatur allmählich sehr kühl wurde, hielten die Versammelten dennoch dis zum Schluß treulich aus. Der Ortsgeistliche, Pfarroerwalter D o tz e r t - Reiskirchen, sprach allen Mitwirkenden ben Dank ber Ge- meinbe aus. Die Kollekte mit 108 Mk. rourbe unter ben Oberhessischen Verein für Innere Mission in Gießen unb bie erwähnte „Zuflucht" geteilt.
• Göbelnrod, 27. Sept. Schulvercoalter Fay, der saft zwei 3ahre zur größten Zufriedenheit der ganzen Gemeinde m\t der Versetzung der hiesigen Schulstelle betraut war, wurde an die Schule zu Älten-Duseck versetzt.
t Grünberg, 27. Sept. Am Samstag abend beschäftigte sich der erweiterte Vorstand der Mittelstands-Vereinigung in einer Sitzung, zu der neben den 30 Vorstandsmitgliedern auch der Bürgermeister und einige Gemeinderatsmitglieder erschienen waren, mit der gep kanten Auto st raße. Die Aussprache unter der Leitung des Vorsitzenden G e h r i n - g e r ergab, daß mehrere Pläne für eine solche Straße in Betracht kommen. Man konnte sich jedoch nicht auf ein bestimmtes Projekt einigen. Der Bürgermeister wurde gebeten, gegen die jetzt geplante Autostraße Einspruch zu erheben, da nach diesem Projekt die Autostraße aus der Bismarckstraße kommend die verkehrsreichste Straße Grünbergs an der Höfetränke überquert, wodurch sich eine schwere Gefährdung des Verkehrs ergeben würde. Das Kreisamt soll ersucht werden, durch eigen Vertreter in Gemeinschaft mit dem Bürgermeister, dem Gemeinderat und einigen Herren von der Mittelstandsvereinigung ein geeigneteres G e lände fest zulegen und dabei bemüht zu sein, die Autostraße so nahe wie möglich an den Ort heranzubringen, sie aber nicht durch die Stadt hindurch zu führen.
Kreis Friedberg.
!?! Friedberg, 27. Sept. Die Straßen fperrung nnd) Ossenheim, bie ursprünglich bis zum 4. September angeorbnet war, aber infolge Neuherstellung ber llsabrücke verlängert werben mußte, ist am Samstag wieder aufgehoben worben. Nun ist von Fauerbach bis vor Offenheim Kleinpflasterung ausgeführt. Im Laufe ber Zeit soll sie bis nach Nieder-Florstadt weitergeführt werben, ba ber starke Verkehr eine solche erforbert.
88 Stammheim, 27. Sept. Gestern morgen brach infolge Anachtsamkeit in der Scheune des Landwirts 3oh. H ä b n e r Feuer aus. Dank dem raschen, tatkräftigen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr unö der Wehr von Staden gelang es, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Bis zur Ankunft der Wehren von Ober- und Aieder-Flor- stadt, Leidhecken, Altenstadt und Aieder-Mockstadt waren die Löscharbeiten so weit vorgeschritten, daß die Aachbarwehren nicht mehr einzugreifen brauchten. Cs muß als ein großes Glück bezeichnet werden, daß der Brand in dem engen winkeligen Viertel nicht weiter um sich griff. Bei windigem Wetter wäre wohl dieser Teil unrettbar verloren gewesen. Der Schaden erstreckt sich auf verbranntes Dachgebälk nebst Strohvorräte, die sich in der Scheune befanden. Die Frucht war zum Glück gedroschen, so daß wenigstens die Körnerernte in Sicherheit war. Das angrenzende Wohnhaus, das ebenfalls etwas Schaden davontrug, war vorsichtshalber geräumt worden.
y. Wölfersheim, 27. Sept. In ber jüngsten Gemeinberatssitzung würbe u. a. ein neuer Modus zur Festsetzung bes Wasser- gelbes beschlossen. Währenb sich bisher bie Höhe des Wassergelbes abgestuft nach ber Personenzahl unb der Größe bes Viehstandes einer Haushaltung ohne Rücksicht auf die verbrauchte Wassermenge rieh tote, soll vom 1. Oktober ab zwecks Einsparung der häufig (namentlich im Sommer) fehlenden Wasser- menge unb zur Umgehung bes Baues einer weiteren Wasserleitung bas burch Wassermesser angezeigte, tatsächlich verbrauchte Quantum in Rechnung gestellt werben. Als Höchstmenge werben ab 1. Oktober zugebilligt täglich pro Person 35 Liter, für ein Stück Großvieh 60 Liter, für Kleinvieh 15 Liter. Das Kubikmeter wirb mit 15 Pf. berechnet. Dem Kleingewerbe, wie Wirte, Bäcker, Schmiebe steht monatlich U Kubikmeter ä 15 Pf. für jeben Betrieb zur Verfügung. Großabnehmer werben für Dampfmaschine, Kühlräume usw. täglich i Kubikmeter ä 15 Pf. gewährt. Bei Mehrverbrauch werben allgemein 30 Pf. pro Kubikmeter erhoben. Ein Minbestoerbrauch ist vorläufig nicht festgesetzt worben. Täglich können zu gewerblichen Zwecken von den zur Verfügung stehenden 110 Kubikmeter etwa 10 Kubikmeter freigegeben werben.
Kreis Büdingen.
—Aidda, 27. Sept. Heute nachmittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof beim Aangieren ein schwerer Anglücksfall. Der etwa 35 3ahre alte Dahnbocrmte Karl Pfaff aus Dutenhofen stürzte vom Wagen und siel so unglücklich, daß ihm ein Dein unterhalb des Knies abgefahren wurde. Der Schwerverletzte wurde der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt.
A Nidda, 26. Sept. Der Radfahrer- oerein Nidda hatte heute ein Straßenrennen auf ber Strecke Nibda — Bob Salzhausen — Häuserloch — Borsborf — Harbwald — Unter« Schmitten — Kohben — Nibda ab. An der Veranstaltung beteiligten sich 15 Radfahrer, und zwar an Gruppe A, offen für Mitglieder des B. D. R. und anderer Organisationen, 7 Fahrer; sie mußten die Strecke fünfmal durchfahren (70 Kilometer). Den ersten Preis dieser Gruppe errang Gustav Herz- b e r g e r aus Dauernheim, Mitglied des hiesigen Radfahreroereins. Er legte die Strecke in 2 Stunden 12 Minuten zurück unb bars ben Titel Vereinsmeister 1926 führen. Als zweiter Preisträger kam Heinrich Schultheis von hier an; er hatte 2 Stunden 21 Minuten gebraucht. In Qruppe—B*J)ie nur für Vereinsmitglieder offen war und die Strecke einmal zu durchfahren hatte (14 Kilometer), beteiligten sich 8 Fahrer, von denen Wilhelm Adolph von hier den ersten Preis erwarb. Er hatte 26 Minuten Fahrzeit gebraucht. Die Preise bestanden in einem Fahrrad und anderen wertvollen Ehrenpreisen. Die Veranstaltung hatte eine große Menge Zuschauer an den Startplatz beim Kriegerdenkmal gelockt, die mit großem Beifall die Sieger begrüßten.
L Nidda, 27. Sept. Zugunsten des Volks- bundes „Deutsche Kriegsgräberfürsorge" hielt gestern abend der ehemalige Fliegeroffizier Dr. A. Kuerrnann einen öffentlichen Lichtbildervortrag über bas Thema „Frontflieger im Westen". Der große Saal der Turnhalle - war voll besetzt von Zuhörern, die in gespannter Aufmerksamkeit und mit größtem Interesse den packenden Schilderungen des Redners lauschten. Sehr klare Fliegeraufnahmen von den Schlachtfeldern und Gräben, von Kämpfen der Infanterie im Verein der Fliegerstaffeln ergänzten den Vortrag in recht anschaulicher Weise. Die Zuhörer spendeten bem Rebner großen Beifall.
y. Bad-Salzhausen, 27. Sept. Die Saison ist beendet und im ganzen in geschäftlicher Beziehung befriedigend verlaufen. Das Kurhaus hatte in diesem Sommer weit besseren Besuch aufzuweisen, als in den vorhergehenden 3ahren. 3m Kurhaus sind bis zum Beginn der nächsten Badeperiode wesentliche bauliche Beränderungen geplant, die besonders für die Bequemlichkeit der Gäste, die Bäder benützen toofteü, nötig erscheinen. Eine fließende Warm- und Kalt Wasserleitung soll in das Kurhaus eingesührt und Badegelegenheit im Hause selbst eingerichtet werden. — Gasthausbesiher Wilhelm Schätze! dahier hat den Wirtschaftsbetrieb in der Turnhalle zu Bidda gepachtet und bereits übernommen.
Kreis Schotten.
□ Laubach , 26. Sept. Gestern fand in der hiesigen Stadtkirche die Taufe des am 26. Aug. geborenen gräflichen Zwillingspaares statt. Zahlreiche Gäste waren zu dieser Feier erschienen, darunter Fürst und Fürstin Solms- Hohensvlms-Lich, Fürst und Fürstin Ca - st e l l- Cal st e l l, Fürst und Fürstin Stolberg. Wernigerode, Staatssekretär a. D. Exzellenz v. 3agow und Gemahlkh (geb. Gräfin zu Solms-Laubach, Tochter des Gründers des Gymnasiums Fridericianum), der Großherzog und sein ältester Sohn. Die Kirche, insbesondere der Hauptaltar und Taufaltar, waren geschmackvoll g.schmückt. Auf Grund des Textes (Röm. 8, 38 bis 39) führte der Erste Stadtpfarrer Theodor Bebel in eindringlicher und ansprechender Weise die Pflichten der Erziehung aus. Paten waren Glieder der engeren Familie und der Grohherzog mit seinem ältesten Sohne. Der E r b g r a f erhielt den Hamen Otto nach seinem Großvater väterlicher Seite, sein Bruder den Barnen Karl nach seinem Großvater mütterlicher Seite, (dem Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich). Die Feier wurde gehoben durch die stimmungsvollen musikalischen Darbietungen, durch das treffliche Orgelspiel des Oberreallehrers Gerhardt und die gesanglichen Darbietungen der Konzertsängerin Frau Heermann (Gießen). Die Dame sang mit prächtiger Stimme vor der Taufe Beethovens „Gottes Güte reicht soweit", nach der Taufe, während die junge Mutter ihr Zwillingspaar auf dem Schoße hielt, die Mendelsohnsche Arte aus „Elias": „Sei stille dem Herrn!" Die bei der allgemeinen Beliebtheit des Grafenhauses zahlreich erschienene Kirchengemeinde sang vor der Taufe: „Liebster 3esu, wir sind hier", am Schluß vor dem Segen: „Sollt' ich meinem Gott nicht fingen?" Um 1 Ahr war Tafel int Schlosse, wozu auch die Vertreter der Beamtenschaft und der Bürgermeister der Stadt geladen waren. Am 9 Ahr, Samstagabend, wat großes Feuerwerk und Lampion- Beleuchtung im oberen Teil des Schloß- gartens. Am Sonntagmittag waren die Bedien- steten des Schlosses geladen. Außerdem wurden den Gästen und der Bevölkerung im Park von jüngeren Gliedern des Grafenhauses verschiedene sportliche Aebungen in der Beitkunst und der Equilibristik vorgeführt.
Kreis Alsfeld.
H- Alsfeld, 27. Sept. Die Vogtsche Handelsschule in Gießen beabsichtigt, vom kommenden Wintersetnester ab eine Zw eig - schuleihrer Anstalt in Alsfeld zu errichten, und diese in gleichvollkommener Weise einzu- richten, wie dies in Gießen geschehen ist. Die Schulleitung will damit einem Bildungsbedürfnis für den kaufmännischen Bachwuchs in unserer Stadt und im nördlichen Teil Oberhessens Rechnung tragen. Die Schule soll ben Anforderungen der kaufmännischen Praxis in vollstem Maße Rechnung tragen und wird Schüler beiderlei Geschlechts ausnehmen. Der Anterricht wird als Tagesvollunterricht erteilt toerben,_ und zwar in zwei halben 3ahreskursen. Die Stadt hat der Schule als Anterrichtsräume den Versammlungsraum in dem ehemaligen Gebäude der höheren Bürgermadchenschuls mit dem anstoßenden Beben- raum zur Verfügung gestellt. Ein entsprechender Vertrag mit der Schule ist nach Zustimmung durch den Stadtvorstand bereits abgeschlossen. Für die den Versammlungsraum seither benutzeirden Alsfelder Vereine wird auf Beschluß des Stadtvorstandes ein anderer Baum für Versammlungszwecke zur Verfügung gestellt, wofür der Sitzungssaal der Krankenkassen im Weinhaufe in


